MIT DEM RAD AUF HISTORISCHE EISENBAHNSPURENSUCHE
Radtouren auf stillgelegten Eisenbahntrassen vereinen entscheidende Merkmalsvorteile: die Natur und Logik der „Technik“ zwang die Ingenieure im Eisenbahnstreckenbau um die Jahrhundertwende, topographische Geländeniveauunterschiede – ausgenommen Zahnradbahnen – homogen und gleichmäßig zu nivellieren. Dadurch wurde damals der wichtigste Vorteil für den neuzeitlichen Radwegebau geschaffen – sanfte und gleichmäßige Steigungs-, und Gefällpassagen. So weisen die „umfunktionierten“ Radroutenverläufe auf ehemaligen Bahnstrecken sogar in Mittelgebirgen wie z.B. den Bayerischen Wald, Fichtelgebirge u. Voralpenland / Oberbayern trotz z,.T. erheblicher Höhenniveauunterschiede komfortable Streckenprofile auf, die ein entspannendes Radwandern erst ermöglichen - das zentrale charakteristische Merkmal des BAHNTRASSENRADELNS.
Aufgrund moderater Steigungs-, u. Gefällabschnitte, zu denen u.a. instand gesetzte Brückenbauwerke / Viadukte beitragen, stellen auch größere Höhenunterschiede für „Untrainierte“ bzw. Familien kein unüberwindbares Hindernis dar. Damit erlauben „entschärfte“ Streckenprofile, Personen aller Alters- und Leistungsklassen, in hügeliger Mittelgebirgslandschaft zu entlegenen Winkeln der Natur vorzustoßen.
Ein weiterer Vorteil von Bahntrassen-Radwegen liegt im „einsehbaren“ Routenverlauf. Geländeeinschnitte, Bahndämme, Brückenbauwerke und verkehrsfreie Streckenverlauf lässt das „Navigieren“ i.d.R. zum Kinderspiel werden.
Nicht selten erinnern einem wiederbelebte, restaurierte Bahnhöfe, Tunnel, Viadukte, Signalanlagen, Kilometersteine, Telegraphenmasten an die nostalgische Eisenbahnvergangenheit des 19./20. Jahrhunderts. Genau das macht den besonderen Erlebniseffekt aus. Häufig berücksichtigten die Kostenträger / Planer beim Bahntrassen – Radwegebau, Relikte aus dem früheren Eisenbahnzeitalter nicht „zurückzubauen“ sondern vielmehr zu restaurieren, um es der „Nachwelt“ als sichtbare Zeugnisse vergangener Zeiten zu erhalten. So werden manche Bahntrassen – Radwege am Wegesrand von Gleiskörper, Waggons, Loks, Bahnschranken u. Signalanlagen, Prellböcke, Gleisschotter geschmückt, die liebevoll restauriert und wieder aufgebaut wurden.
Radler – Rastplätze mit Unterstellpavillons, Infotafeln, Sitzgelegenheiten gehören heute im modernen Radwege – zum „Infrastruktur Standard“.
History
Der Bahnbau vom 19. Jhrd. bis Anfang 20. Jhrd. schaffte nicht nur Arbeitsplätze sondern förderte im „Eisenbahnzeitalter“ die Wirtschaftskraft betroffener Einzugsbereiche. Infolge eines Bahnanschlusses konnten sich Industrieansiedlungen entwickeln, Güter transportiert werden, Einheimische fernere Arbeitsplätzen erreichen und umgekehrt „Fremde“ in landschaftlich reizvolle Gegenden gelangen – was den „Grundstein“ zum heutigen „Tourismus“ legte. Das Transportmittel machte es möglich, Erholung und Entspannung in der Naturidylle fern von industrialisierten Ballungsräumen zu genießen.
Hr. Dr. Achim Bartoschek veröffentlicht unter www.bahntrassenradeln.de
vorbildlich zusammengetragene Informationen über Bahntrassen-Radwege
Deutschlands (derzeit 300 erfasst).
Dort wo heute ganz selbstverständlich Radtourismus stattfindet, eröffneten Eisenbahnlinien zur damaligen Zeit für die „Bahnfahrer“ eine vollkommen neue Dimension des Reisens. Den im Dunstkreis früherer Dörfergemeinschaften verhafteten Menschen stand mit Streckeneröffnung plötzlich „die Welt“ offen. Musste man doch vor Einsetzen des Eisenbahnzeitalters Entfernungen mühsam noch zu Fuß, auf einem Fuhrwerk oder Postkutsche bewältigen. So trug der Eisenbahnbau zu erheblichen wirtschaftlichen Umwälzungen und sozialen Veränderungen bei.
Wer
sich für den geschichtlichen Eisenbahnbau sowie dessen Transportleistung
interessiert – der schwerpunktmäßige Streckenbau
fand zwischen 1880 und 1930 statt – sollte sich auf Literatursuche
begeben.
Heute
Häufig säumen historische Orte, Burgen, Schlösser, Klöster die Streckenverläufe ehemaliger Bahntrassen, dessen Zeugnisse heute den Radtouristen zur Besichtigung dienen. Radler die sehenswerte, kulturhistorische Baudenkmäler in die Radtourenplanung mit einplanen, erreichen mit dem Mix „körperliche Aktivität“ gepaart mit „Kulturgenuss“ eine ganz besondere Bereicherung, erfährt man doch ganz nebenbei Wissenswertes über die Region in der man radelt bzw. urlaubt.
Die veränderte Mobilität - „Das Genussradwandern“
Wenn man bedenkt, dass um die Jahrhundertwende die Durchschnittsgeschwindigkeit vieler Lokalbahnen geringer war, als die heutiger Sportradler, verdeutlicht die Dimensionen von Entfernung und Zeit. Was die damaligen „Stahlrösser“ anbelangt, so wogen Fahrräder mit Vollgummireifen (Militärräder) um die Jahrhundertwende noch über 40 kg und waren darüber hinaus fast unerschwinglich.
Radeln auf ehemaligen „historischen Eisenbahntrassen“ umgeben von weitgehend unberührter Naturlandschaft fördert die Entspannung und Regeneration in unserer, ansonst stressgeplagten Zeit. Genussradlertempo, d.h. „Entschleunigung“ sollte die Devise sein, um eine längst „verschüttete“ Eigenschaft in der meist oberflächlich geprägten Gesellschaft wieder aufleben zu lassen, die neue Energie für den kräftezehrenden Alltag schöpfen lässt. Die bewusste Wahrnehmung, Freizeitvergnügen auf geschichtsträchtigem Boden auszuüben sowie Achtung vor Kulturgüter bzw. „Heimatgeschichte“ zu zeigen, zeugt von Neugierde und Respekt gleichermaßen an der Schaffenskraft unserer Vorfahren.
So bitter Bahnstreckenstilllegungen - wie sie aus Wirtschaftlichkeitsgründen seit den 70er von der Bahn praktiziert werden (jährlich durchschnittlich 400 km in Deutschland) für die Betroffenen waren – so leistet der Radtourismus heute und in Zukunft vor allem in ländlichen Gegenden einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität.
Bahntrassenradwege – Tummelplatz diverser Sportaktivisten
Meist zeichnen sich die Streckenverläufe dadurch aus, dass Bahntrassenradler fernab von den Brennpunkten der Verkehrswege Regionen erreichen, die so mit einem anderen Verkehrsmittel unerreichbar blieben. In besonderem Maße gilt dies für ehemalige Local-, Stich-, und Nebenbahnen.
Nivellierte Streckenführung i.V. mit erstklassiger Asphaltoberfläche und eine Mindestbreite von 2 m bietet ideale Grundvoraussetzungen, dass ein „erweiterter“ Nutzerkreis von Freizeitaktivisten in den Genuss kommt, ihre „Leidenschaft“ auf Bahntrassen – Radwegen auszuleben. Rennradler, Inliner, Rollski-, und Liegeradfahrer, sowie Pedalleure mit Radanhänger können bei solchen optimalen Bedingungen in harmonievoller Koexistenz ihrem Hobby erlebnisorientiert frönen.
Eine saisonale Trassennutzung bieten die sanften Streckenprofile in den Wintermonaten zudem dem Loipensport. Da bei Schneelage ohnehin „radfreie“ Zeit ist, ergänzen gespurte Loipen idealerweise die touristische Nutzung und erhöhen durch die „Ganzjahresnutzung“ die Synergieeffekte des Bahntrassenradweges.
Was
früher einmal zum Transport von Mensch und Gütern vorbehalten
war, bietet heute in Form „umfunktionierter“ Radwegetrassen
dem Menschen also vielfältigste Entfaltungsmöglichkeiten,
um mit der Natur in wunderbarem Einklang zu kommen und sein seelisches
Gleichgewicht zu finden. Die vielfältigen Vorteile erklären,
dass sich Bahntrassenradwege zu regelrechten (rad) touristischen
Rennern entwickeln. Der öffentliche Personennahverkehr mit
Radtransportmöglichkeit parallel frequentierter Bahntrassen
– Radwege verstärkt diesen Effekt noch.
Bilder-Bezugsquelle: Eisenbahnen im Bayerischen Wald, Morsak-Verlag,
Freyung-Grafenau
© Regensburg, 16.12.05, C. Biedermann
Redaktion Biketouristik
Publikation
Einst & heute - der neue Freizeitspaß für Tourenradler heißt...
aktiv-Radfahren 4/2006
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