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 CHRONOLOGISCHE STRECKENDOKUMENTATION

 
   
 START Waging am See

hoffentlich gut ausgeschlafen – ausgewogen gefrühstückt – Material gecheckt – Kleidung, Trinkflaschen, Proviant, Kartenmaterial, Roadbook etc. verstaut bzw. GPS-Track aktiviert, dann steht dem spannungsgeladenen Tatendrang für die Reise zum Bayerischen Meer nichts mehr im Wege. Badeutensilien sind bei schönem Wetter kein überflüssiger Ballast - denn selbst zwischen den beiden Badeseen gibt es in der glasklaren Traun romantische Gelegenheiten, auf Kiesbänken zu faulenzen, zu baden oder zu kneippen. Und wer die Berggipfel heranzoomen möchte, packt einen Feldstecher dazu.

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In unmittelbarer Nähe des offiziellen Start- und Zielpunkts befindet sich 100 m von der Tourismusinformation Waging entfernt ein öffentlicher Parkplatz, der unbeschränktes und kostenloses Parken ermöglicht.


Der Radweg verläuft parallel zur Salzburger Straße ortsauswärts und mündet nach einer Straßenunterführung auf eine Radwege – T – Kreuzung. Blickt man geradeaus sieht man auf der Anhöhe von Gaden die sehenswerte Kirche St. Rupertus aus dem 15 Jhrd. (achtseitiger Zentralbau mit angebautem viereckigem Altarraum).

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KM 0.43, links Bajuwarentour, See-Radweg


Die ersten 6 km radelt man auf identischer Trasse des bekannten Pilger-Radwegs – dem Benedikt – Radweg. Bereits nach 1 km macht die typische Voralpenlandschaft - die aus einem begnadeten Mix aus Flach- Hügel- und Bergland besteht – aller Ehre. Wie heißt es so schön: vor dem Vergnügen hat der Liebe Gott schweißtreibende Arbeit gesetzt – so kommt es wie es kommen muss. Der Voralpencharakter fordert gleich zum Startbeginn seinen Schweißtribut. Wer jetzt noch nicht richtig wach ist, der wird spätestens hier an der steilen Rampe hinauf zur Hochfläche des Wonneberges vom pochenden Puls aus seinen „Tagträumen“ geweckt. Kaum ist der erste Stich da, sind Schaltgeräusche unvermeidbar – klack-klack-klack. Innerhalb von Sekunden wechselt die Kette hinten vom kleinsten Ritzel den Zahnkranz bis zum größtmöglichen Rettungsring durch. Zeitgleich bedient der Daumendruck den Umwerferhebel, der die Kette vom pfannengroßen Kettenblatt auf die rettende Bergübersetzung schmeißt. Der Ruhepuls bekommt nun eine kurze Zwangspause verordnet. Konditionierte Radler bleiben im Sattel oder drücken im Wiegetritt kraftvoll die Pedale durch und versuchen ihren Rhythmus zu finden. Für alle anderen heißt es absteigen und schieben. So oder so ist die 1 km lange „Königsetappe“ des Chiemsee-Wagingersee-Radwegs mit bis zu 13 % (Horse Categegorie für Hobbyradler) aber überraschenderweise schnell überwunden. Bei aller Kraftanstrengung: der schattenspendende Wald sorgt für spürbare Luftkühlung und lindert ein wenig die kurzzeitigen Körperqualen.

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KM 1.4 Bänkchen mit Aussicht auf Waging am See


Obendrein lockt am Waldrand ein Bänkchen neben einer Kapelle mit herrlicher Aussicht auf Waging zur Verschnaufpause. Demgegenüber gehen wie so oft, Berganstiege mit der Belohnung phänomenaler Fernsicht einher – soweit es das Wetter zulässt. Das verhält sich auf dem Hochplateau des Wonnebergs nicht anders. Ab Haslach verflacht sich die Steigung merklich. Bis Untermoosen stehen nur noch humane mit 3 – 4 % Steigung an. Der Höhenmesser zeigt hier 590 m – immerhin 120 m über dem Höhenniveau von Waging. Doch nun ist Genussradeln in herrlicher Wald- und Wiesenlandschaft angesagt. KM 3.8 markiert den Ortsbeginn des schönen Dorfes von St. Leonhard am Wonneberg. Übrigens: wer den Ort Wonneberg sucht, sucht vergeblich, denn unter den 51 Ortschaften im Gemeindegebiet Wonneberg existiert keine Ortschaft namens Wonneberg. Der Gemeindemittelpunkt ist vielmehr der 240 Einwohner zählende Ort St. Leonhard am Wonneberg. Das Ortsbild wird von der spätgotischen Wallfahrtskirche zum hl. Leonhard mit ihrem prächtigen barocken Zwiebelturm dominiert. Die Kirche wurde 1496 unter dem Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach erbaut und stieg im 17./18. Jhrd. – zur Hochblüte der Leonhardi-Verehrung - zu den reichsten Kirchen im Erzstift Salzburg auf. Im Innern der Kirche befinden sich Malereien aus dem frühen 17. Jhrd. und im Hochaltar sind Passionstafeln von Gordian Guckh aus dem Jahr 1511 zu sehen. In religiöser Tradition wird bis in die Gegenwart der Leonhardi- Ritt jährlich Anfang November feierlich begangen.
Weiter geht es in südlicher Fahrtrichtung - über die oftmals sonnige, hügelige Hochfläche des Wonnebergs, verbunden mit dem Vorteil im Blickfeld die prächtige Kulisse der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen bis hinüber zu Salzkammergutgipfel zu haben. Kein Wunder, wenn das atemberaubende Bergszenarium so überwältigend ist, dass der Wunsch hochkommt hier wohnen zu wollen, wo Menschen ihren Urlaub verbringen.

Nahezu verkehrsfreie, schmale Verbindungssträßchen schneiden sich mitten durch sattgrüne Wiesen und Weideland. Weit und breit kein Verkehrslärm – stattdessen stoisch grasende Kuhherden auf saftig-grüne Weiden. Sofern es glückliche Küche gibt – diese Nutztiere dürften es bei derartigen Lebensbedingungen wohl sein. Gesunde Kühe in ökologisch unbelasteter Umwelt produzieren den gesunden, hochwertigen "Fitmacher" Milch – Grundlage für weiter verarbeitete Milchprodukte wie Butter, Käse, Süß- und Sauerrahm oder Joghurt. Nur Einzelgehöfte, Weiler und Pferdekoppeln unterbrechen ab und an die Naturkulisse. Die Abgeschiedenheit fördert geradewegs das Gefühl, mit der Natur eine harmonievolle Symbiose einzugehen – ja Teil derselben zu sein. Da verwundert es wenig, dass man an geranienbeschmückten Gehöften vorbeiradelt, wo Schilder „Urlaub auf dem Bauernhof“ auf eine naturnahe Urlaubsform hinweisen. Für Kinder wie Erwachsene ideale Gelegenheit mit der Tier- Pflanzen- und landwirtschaftlichen Arbeitswelt in Kontakt zu kommen, über die wir in unserer hoch industrialisierten und globalisierten Welt kaum mehr eine Vorstellung besitzen. Nur noch in abgelegenen, ländlichen Enklaven erlebt man, wie Mensch, Tier, Natur, Tradition und Brauchtum synergetisch miteinander verschmelzen. Selbstproduzierte Milch, Käse, Eier, Schinken etc. – direkt vom Erzeuger - vom Stall auf den Tisch. Prächtige Bauernhöfe zeugen davon, dass dessen Bewohner von der Vollerwerbs- oder Nebenerwerbslandwirtschaft leben und somit dankenswerterweise die Kulturlandschaft bewirtschaften.

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KM 6.2, geradeaus Fortsetzung Benedikt – Radweg Richtung, Traunstein


Nachdem die Weiler Unterwendling, Oberwendling und Reichenwinn passiert sind erreicht man Egerdach, wo sich bei der spätgotischen Kirche St. Margaretha (15. Jhrd.) ein römischer Meilenstein aus dem Jahre 201 n Chr. befindet. Also Augen auf und Ohren spitzen, um nichts zu verpassen. Mit sensibilisierten Sinnesreizen sieht, hört und fühlt man intensiver und nimmt Erlebnisse wie Eindrücke nachhaltiger wahr. Viele Geheimnisse gibt die Natur nur dann preis, wenn man den Alltag ausblendet, die innere Ruhe findet und sich auf die z.T. verborgenen Dinge der Flora & Fauna & Umgebung konzentriert. Zeitpunkte, in denen man den unsäglichen Reichtum der Natur schätzen lernt. Ein solches kostenloses Anti-Stress-Programm kommt der Seele zugute und lädt die alltagsstrapazierten Akkus wieder auf.

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KM 9.5 rechts: Radweg Traunstein-Waging


Nach sanfter Gefällstrecke wird hinter Seiberting, die Bahnstrecke wie Verkehrsstraße Traunstein – Waging überquert und mündet kurz darauf in eine verkehrsfreie, sauerstoffreiche Waldpassage des Ochsenmooses. Nach 2 km auf unasphaltierter Fahrbahnoberfläche erreicht man den Weiler Marbeloh. Von der Anhöhe aus eröffnet sich der Blick linkerhand bzw. rückwärtig auf die majestätische Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen. Nach der Ortschaft Rettenbach wird kurzzeitig auf einen straßenbegleitenden Radweg gefahren. Dann ist via Leiderting - wo ein ehemaliges Militärgelände umfahren wird - wiederum ländliche Stille vorherrschend, bevor es hinab ins Mühltal an der Traun geht. Erholsame Gefällpassagen auf Flurbereinigungsstraßen verdeutlichen das Niveaugefälle des Trauntals. Dort werden die Traun und ein Mühlkanal sowie die Trasse der Römerstraße Via Julia (Salzburg Augsburg) überquert. Von der Tallage heraus verläuft das Straßenband bergwärts hinauf nach Weiderting, wo es unter der Bahnlinie Traunstein - Mühldorf sowie der B 304 hindurch geht.

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KM 18.5, Weiderting, Radwege – Knotenpunkt

Links: Radweg Traun – Alz, - Radweg, Benedikt-Radweg Richtung Traunstein Alternative

rechts: Radweg Traun – Alz – Radweg, Benedikt-Radweg Richtung Chieming Der Benedikt – Radweg führt direkt in die 19 000 Einwohner zählende Kreisstadt Traunstein (3.5 km). Im Stadtgebiet finden sich zahlreiche denkmalgeschützte Häuserzeilen, Ensambles, Villen, Fassaden und Kirchen.



Nach einem unasphaltierten Waldabschnitt geht es über Wang in sanftem Gefälle hinab nach Schmidham. Allein auf weiter Flur radelt man auf die majestätische Alpenkette zu. Die südliche Fahrtrichtung macht sich fast jedes Mal dadurch bemerkbar, dass hinter dem sattgrünen Weideland immer wieder herrliche Ausblicke auf die dahinter liegenden Alpengipfel ins Blickfeld rücken.

Zwischen Schmidham und Kraimoos kommt man bei KM 23 an einer runden Steinsäule (Bildstocks-Römerstein) vorbei. Sobald in Kraimoos vom straßenbegleitenden Radweg abgebogen wird, schlängelt sich die Strecke landschaftlich reizvoll zwischen Wiesen und Mooren hindurch. In gewohnter Manier geht es verkehrsberuhigt, leicht ansteigend nach Aufham. Die vermoorte Talsenke beherbergt zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Wer Zeit und Muße aufbringt, findet hier z.B. Moosbeere, Rosmarinheide sowie den straußblütigen Gilbweiderich oder das fleischfarbene Knabenkraut. Da kommt eine lauschige Bank gerade recht, um ein wenig Abzuschalten und die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.

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KM 24.2 Bänkchen in romantischer Lage an 2 Fischweiher


Auf der Anhöhe in Aufham genießt man eine wunderschöne Aussicht auf Chieming am Ostufer des Chiemsees. Eine kleine Privatkapelle aus dem Jahre 1885 in neuromanischem Stil zu Ehren des Hl. Leonhard erbaut, steht am Wegesrand. Nun geht’s kräfteschonend hinab - mitten hinein in die Chiemsee-Gemeinde Chieming bzw. an den Promenadestrand.

Chieming (KM 27.5) mit seinen 4.462 Einwohnern - ist neben Seebruck der älteste Ort am Chiemseeufer. Funde weisen auf eine jungsteinzeitliche und keltische Besiedlung für das Gebiet von Chieming hin. Später gab es römische Ansiedlungen in Form von Gutshöfen, von denen 1886/89 einer bei Eglsee durch Grabung festgestellt werden konnte. Unweit des Chieminger Seeufers zog die Römerstraße Salzburg - Augsburg (Via Julia) vorbei, in unmittelbarer Nähe der bei Eglsee aufgefundenen "villa rustica". Man fand am Verlauf dieser Straße auch einen Meilenstein aus der Zeit Konstantins des Großen (306-377). In der Frühzeit des bayerischen Herzogtums setzten Bajuwaren die Besiedlung des Chiemsee-Ostufers fort. Für das Jahr 744 ist der Namenspatron des Ortes, ein Hofeigner "Chiemmi" bezeugt. Chieming wurde 1479 Hofmark mit Heinrich Ameranger von Neuamerang als erstem Hofmarksherrn. Später wurden die Toerring auf Pertenstein Besitzer der Hofmark, ehe diese 1630 vom Kloster Baumburg aufgekauft wurde. Das Schloss "Neuenchieming" wurde von den Baumburger Chorherren zum Pfarrhof gemacht. Heute in privater Hand, sieht es mit seinen drei Stockwerken und dem Turm immer noch sehr nobel aus. Wie das Gebäude 1762 ausgesehen hat, zeigt ein Votivbild in der Wallfahrtskirche von Ising. Die heutige Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt entstand 1882. Sie bietet demzufolge kunstgeschichtlich nicht sehr viel. Drei bei Chieming ausgegrabene römische AItarsteine, dem keltisch-römischen Wassergott Bedaius geweiht, sind in der Vorhalle zu sehen. Der Taufstein der Kirche ist aus gotischer Zeit. Der Ort war namensgebend für den Chiemsee, an dessen östlichem Ufer er gelegen ist. Bodenfunde weisen weit in die Antike zurück auf eine keltische Besiedlung für das Gebiet um Chieming hin.

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6km langes Badegelände, flaches Ufer mit freiem Seezugang. Eine Windsurfschule befindet sich beim Strandbad.


INFO - KOMPAKT

 Der Chiemsee

Der Chiemsee hat eine Wasserfläche von 80 km², und ist bis zu 73 m tief. Der größte See Bayerns ist nach dem Bodensee und der Müritz (Mecklenburgerische Seenplatte) der drittgrößte See Deutschlands. Gespeist wird er von den Zuflüssen Prien und Tiroler Ache. Über die Alz am nördlichen Ufer bei Seebruck fließt das Wasser wieder ab und mündet nach 63 km nordöstlich von Marktl in den Inn. Die Entstehung der gestaltsbildenden Strukturen des Chiemseebeckens, die die Landschaft so typisch charakterisieren ist der letzten Eiszeit vor ca. 10 000 – 20 000 Jahren zu verdanken. Bedingt durch die bodenschürfige Wirkung des Chiemseegletschers entstand der Chiemsee. Damals lag der Seespiegel 19 m über dem heutigen Niveau, weshalb der See 3 mal größer war. Durch die Schuttmassen und Geröll der Tiroler Achen - die bei Übersee in den Chiemsee mündet – verlandete der See zusehenst und verkleinerte das <Bayerische Meer> auf die heutige Größe. Dieser Prozess hält übrigens nach wie vor an. Der Chiemsee einschließlich Uferränder (12 700 ha) ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, weshalb z.B. über 270 Vogelarten heimisch wurden. Bereits seit 1954 sind die Verlandungsflächen im Mündungsdelta der Tiroler Ache ein geschütztes Rückzugsgebiet vieler bedrohter Wasser- und Watvogelarten. Der Chiemsee wird oft als "Bayerisches Meer" tituliert. Nicht ganz zu Unrecht, denn der ca. 80 km² große See weist Gezeitenwechsel auf, die ansonst nur am Meer vorkommen. Der Chiemsee steht unter dem Schutz der internationalen Ramsar-Konvention mit dem Ziel der Erhaltung ökologisch bedeutsamer Feuchtgebiete. Verkehrstechnisch umrundet die Chiemseeringlinie als öffentliche Nahverkehrs-Buslinie den Chiemsee. Sie eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für kombinierte Wander- und Fahrradtouren und fährt täglich von Ende Mai bis Anfang Oktober. Die Insel Herrenchiemsee (Herreninsel) ist mit 238 ha Fläche die größte der drei im Chiemsee liegenden Inseln. Die Herreninsel wurde 1873 von König Ludwig II. (König von Bayern, 1864 – 1886) für 350.000 Gulden erworben, worauf er von 1878 – 1886 sein Königsschloss nach dem Vorbild von Versailles bauen ließ. Neben den Schlössern befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten auf der Frauenchiemseeinsel (Kloster) sowie das Künstlerhaus Exter in Feldwies. Die Herren- Frauen- und unbewohnte Krautinsel (wird ausschließlich landwirtschaftlich genutzt) bilden zusammen die flächenmäßig kleinste Gemeinde Bayerns.

Die Route taucht in eine sauerstoffreiche Waldpassage entlang des Tachinger Sees, die wiederholt einen idyllischen Seeblick bzw. Seezugänge erlaubt. Nicht wundern: Weidegatter und Eisenpoller zeigen an, dass sogar Privatgrundstücke durchquert werden – mit freundlicher Genehmigung der Grundstückseigner und hoheitsrechtlicher Segnung der Tourismusbehörde. Die Uferzugänge bieten gerade an heißen Sommertagen willkommene Erfrischungsmöglichkeiten. Rastbänke erleichtern es, Gedankenversunken seinen melancholischen Gefühlen freien Lauf zu lassen, meditative Augenblicke aufzusaugen und dem Vogelgezwitscher zu lauschen. Wieder im Sattel, genießt man das sanfte Säuseln der Blätter das sich mit dem Kettensurren akustisch zur Radlersymphonie entwickelt. Eine kurze Wurzelpassage – Waldlichtungen und Fischweiher lassen Mountainbike-Feeling hochkommen. Und dennoch: es geht bis auf 1 Ausnahme flach dahin.


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Der Chiemsee-Uferweg verläuft, wie der Name schon sagt, in relativer Ufernähe rund um den Chiemsee. Die 62 km lange Route führt an zahlreichen Strandbädern vorbei. Erwähnt sei noch die relativ hohe Einkehr- und Biergartendichte in unmittelbarer Seenähe.


Auf der Weiterfahrt Richtung Egerer wird Abschied vom Bayerischen Meer genommen. Von nun an befindet sich der Chiemsee-Wagingersee-Radweg wieder in populärer Fernradwegegesellschaft. Während der Benedikt – Radweg zum zweiten Mal auf 10 km bis Aiging renommierter Wegbegleiter wird, bleibt der Mozart-Radweg demselben Trassenverlauf bis Waging treu. Nach Sondermoning schlägt der Streckenverlauf bis Waging eine östliche Fahrtrichtung ein. Erkennungsmerkmal des Fahrtrichtungswechsels: während beim Hinweg nach Chieming die gezackten Alpengipfel in Fahrtrichtung meistens linkerhand lagen, erblickt man das Panorama auf dem Rückweg nach Waging überwiegend rechtsseitig.

Sondermoning (KM 31.2) - Um 1400 baute hier Heinrich der Ameranger ein Schloss, dass er zur Unterscheidung des Stammsitzes Neuamerang nannte. Um dieses Schloss erwächst eine umfangreiche Hofmark. 1694 übernahmen die Grafen v. Toerring den Besitz, ließen jedoch das Schloss verfallen, so dass es gegen Ende des 18. Jhs. abgerissen wurde. Die Kirche St. Nikolaus und Johannes der Täufer besitzt eine Kostbarkeit. Der Hochaltar, ein Flügelaltar ist das Werk zweier Bildschnitzer um 1490. Kern ist der Schrein mit den Figuren der beiden Kirchenpatrone.

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Sondermoning KM 31.2, rechts (Abstecher zur Keltenschanze ca. 2 km). Der keltische Kultplatz aus dem Jahre 200 vor Christus ist schemenhaft im Gelände erkennbar.


Nach knapp 1 km auf der Staatsstraße, wird in einen sauerstoffreichen Waldabschnitt abgebogen. Dann geht es über großflächiges, sanft hügeliges Landschaftsrelief nach Nußdorf. Ausladende Wiesengründe, fruchtbare Ackerflächen und dunkelgrüne Waldgürtel charakterisieren diesen Landschaftsabschnitt. Von weitem ist die Dorfkirche der 2 439 Einwohner zählenden Gemeinde Nußdorf (KM 34.7) sichtbar. Die 1491 erbaute spätgotische Kirche St. Laurentius auf dem Dorfplatz beherbergt sehenswerte Gemälde an der Empore. Am Kapellenberg befindet sich die "Strohmeierkapelle" aus dem letzten Jahrhundert. Der Ort Nussdorf verdankt seinen Namen den ersten Siedlern, die die Kultur des Walnussbaumes damals von den Römern übernahmen. Nachweislich führten Obstbaumkulturen häufig zur Bildung von Ortsnamen. Die Erklärung dafür, warum heute noch zahlreiche Walnussbäume das Ortbild prägen.

Nahe Mögstetten wird die B 304 sowie Eisenbahnlinie Traunstein-Mühldorf kreuzungsfrei unterquert, bevor es in den Ort Aiging geht. Aiging (KM 36.7) war verkehrstechnisch bereits in keltisch-römischer Zeit erschlossen. Denn von der großen Römerstraße zwischen Salzburg und Augsburg, die in der heutigen Stadt Traunstein die Traun überquerte, zweigten Wege nach Norden ab. Im Mittelalter war die Salztransportroute sehr bedeutsam. Auf Salzfuhrwerken, transportierte man das »weiße Gold« von Reichenhall über Traunstein nach Wasserburg bzw. in den gesamten süddeutschen Raum. Für Radler genießt die Ortschaft in der Neuzeit besondere Bedeutung, da sich hier mehrere Radwege verzweigen. So verlässt der Benedikt-Radweg die Route des Chiemsee-Wagingersee-Radwegs Richtung Traunstein, während der Mozart-Radweg weiterhin treuer Wegbegleiter bis zum Zielort Waging am See bleibt. Zudem tangiert der Traun-Alz-Radweg auf seiner Nord-Südachse den Radwegeknotenpunkt.

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KM 37, Aiging, Radwege – Knotenpunkt Links: Herbsdorferstraße: Traun – Alz – Radweg (Richtung Traunreut) Geradeaus: Traun – Alz – Radweg + Benedikt-Radweg (Richtung Traunstein)


In weit geschwungenem Kurvenverlauf mit 7.5 % Gefälle geht es nun hinab in das Tal der Traun.

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KM 37.4 Rastplatz an der Traun


Idealerweise wurde hier im Talgrund ein wunderschöner Rastplatz und Gedenkfels aus dem Jahre 1984 errichtet. Zeit zum Relaxen - die idyllische Lage erleichtert es, Gedankenversunken seinen melancholischen Gefühlen freien Lauf zu lassen, meditative Augenblicke aufzusaugen und dem Vogelgezwitscher bzw. dem Plätschern der Traun zu lauschen. Wieder im Sattel, genießt man das sanfte Säuseln der Blätter das sich mit dem Kettensurren akustisch zur Radlersymphonie entwickelt. Nachdem die Traun überquert ist, radelt man zwischen zwei Waldrändern in einem beeindruckenden Taleinschnitts, bevor nochmals tief durchgeatmet werden sollte. Denn nun kumulieren sich mehrere Steigungsabschnitte vom Talgrund ab Kaltenbach via Neuhausen bis kurz hinter Kammern (2.5 km) auf 80 hm. Klaro: wie schon beim Anstieg zum Wonneberg ist Vorfreude auf bevorstehende Alpenpanoramen berechtigt. Die zu erwartenden Gefällpassagen dürften das Stimmungsbarometer zusätzlich anheizen. Solche positiven Aussichten – im wahrsten Sinne des Wortes - pushen die mentale Stärke. Dann wird die nötige Kraftanstrengung nur halb so schlimm empfunden!

Kammer – 720 schenkte der Herzog Theodebert die Ansiedlung, die sich später zu einem Amt entwickelte, dem Salzburger Kloster Nonnberg. Dort blieb es bis zur Säkularisation von 1803. Die Pfarrkirche St. Joh. Bapt. Ist ein spätgotischer Bau von 1455 mit gutem Netzgewölbe. Bemerkenswerte Sebastiansfigur aus dem 18. Jh. In Kammer wurde 1651 Balthasar Permoser, einer der größten deutschen Barockbildhauer, geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Salzburg, Wien und während eines 14 Jahre langen Aufenthaltes in Italien. Zusammen mit dem Baumeister Pöppelmann schuf er in den Jahren 1711-18 den weltberühmten Dresdner Zwinger. Ein weiteres kraftvolles Werk von ihm ist die Apotheose des Prinzen Eugen (1718-21).

Bei KM 41 kann man aufatmen – die Steigung neigt sich seinem Streckenzenit zu (625 m). Der atemberaubende Rundblick auf die herrliche Gebirgskette vom "Steinernen Meer" bis zum Wilden Kaiser, Kampenwand, Sonntagshorn, Hochplatte und Watzmann verfehlt seine überwältigende Wirkung nicht. Nun steht bis Mittermühle (6 km) erst mal genüssliches Abwärtsrollen bzw. angenehme Flachpassagen im Routenlogbuch geschrieben - längste Gefällpassage der gesamten Route überhaupt. Die Weiler Straß, Hochreit, Oed, Ober- und Unteraschau fliegen im Sauseschritt vorbei. Aussichtspunkte erlauben inmitten der weitflächigen Wiesenlandschaft Blicke auf barocke und gotische Kirchturmspitzen der umliegenden Dörfer. Nach Straßenüberquerung fällt das Höhenniveau weiter ab, mitten hinein in das weite Becken des Waginger Sees, dessen Hauptort Waging durch seine geographische Lage an der Salzstraße den Bewohnern früher Wohlstand und Reichtum bescherte.

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KM 45.9, Traunstein – Waging – Radweg


Eine ehemals bedeutsame Grenze - zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Fürsterzbistum Salzburg - wird hier mehr oder weniger unbemerkt überschritten. Bei Mittermühle (KM 47.1) steht nochmals eine Bahnüberquerung (Traunstein – Waging) an, wo dann eingezwängt zwischen Waldrändern direkter Kurs auf den nahe liegenden Zielort genommen wird. Hier in der Ebene rollt es sich mit einem Lächeln im Gesicht gemütlich zum Ausgangspunkt der Chiemsee-Wagingersee-Tour zurück. Schon kurz darauf leitet das Ortsschild Waging am See abrupt das nahende Ende der Tagesetappe ein. In gemütlicher Bummelgeschwindigkeit steuert man durch den verwinkelten Luftkurort quer über den Marktplatz auf den Zielpunkt der Tourismusinformation zu.

Das war’s – oder wurde man etwa von der überwältigenden Naturlandschaft so ergriffen, dass mit einer „Zugabe“ geliebäugelt wird? Wer auf den Geschmack gekommen ist und nicht wehmütig von dem Naturparadies Abschied nehmen möchte, fühlt sich in der Ferienregion Waginger See – respektive Chiemgau -bestens aufgehoben. Das regionale Radwegenetz besticht durch attraktive Rundtouren und populären Themen- und Fernradwege, die jedes Tourenradlerherz höher schlagen lässt. Aktionsspielraum en masse, um die traumhafte Landschaftskulisse und seine einheimischen Menschen unter weiß blauem Himmel näher kennen zu lernen.

Zurückgekehrt im Schoss des Startpunkts Waging tut Energiezufuhr und Regeneration not. Ob ein ausgiebiges Bad im Waginger See - wärmster Seen Bayerns - oder eine ausgedehnte Wellnessdusche, beides spendet den strapazierten Gliedmaßen Entspannung pur. Was gibt es schöneres, als nach einer anstrengenden Radtour sich kulinarisch verwöhnen zu lassen? Ruhigen Gewissens darf man lukullische Köstlichkeiten, leckere Schmankerl und herzhafter Hausmannskost genießen. Essen & Trinken halten Leib und Seele zusammen - dafür zeichnet sich die traditionelle oberbayerische Küche in dieser Region verantwortlich. Regionale Produkte wie selbstgebackenes Brot mit kräftigem Schinken frisch vom Bauernhof, oder des Radlers liebste Mahlzeit – Spaghetti Bolognese - füllen leeren Kohlenhydratspeicher wieder auf. Besonders lecker: warmer Topfenstrudel frisch aus dem Ofen! Auch Knödel und „Reiberdatschi“ werden nach jahrhundertealten Rezepten kredenzt. Das Allerwichtigste: durstige Kehlen lechzen nach verlustig gegangenen Mineralien. Mineralwasser, naturtrüber Apfelsaft, Radler oder ein kühles „Blondes“ aus der privaten Landbrauerei Schönram – wie schön kann doch das Leben sein...
 
   



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