Abschnitt Kolmberg - Saulburg, 45 km (kumuliert 210 km/3 400 hm)

Nach kurzem Gegengefälle - vorbei am Skilift Grün - folgt der Scharfrichter <Maibrunner Berg> - der einem so überflüssig vorkommt wie ein Kropf. War die Schinderei bislang schon hart, so geht's nun ans Eingemachte. Sekt oder Selters? Die meisten kommen in dem nur 2 km langen, aber zum Schluss hin qualvoll giftig steilen Anstieg am Rand der Leidensfähigkeit an ihre Leistungsgrenze. Sinnkrisen bleiben nicht aus. Psychodrama hin oder her, beruhigend ist nur, dass es anderen Leidensgenossen nicht wirklich besser ergeht. Während Bergziegen längst über alle Berge sind, verbleibt Nachzüglern als Kämpfernaturen nur die Möglichkeit dem inneren Schweinehund im Zwiegespräch den Kampf anzusagen: "husch husch, ab ins Körbchen"! Der Maibrunner Berg verlangt den Radsportlern deshalb am meisten Moral ab, weil nicht wenige im "Reservemodus" kurbeln. Wer weiß, ob nicht just - wo übermenschliche Kräfte gefordert sind - motivierende Anfeuerungsrufe a la "Quäl dich, du Sau!“, mit dem Ex-Profi Udo Bölts seinen Kapitän Jan Ullrich 1997 zum Tour-de-France-Sieg trieb, die heilbringende Botschaft wäre. Udo Bölts mag der heutigen Generation nicht mehr bekannt sein, geschweige dass er von 1992 - 2003 zwölf Mal in ununterbrochener Reihenfolge die Tour de France finishte. Sein Spruch aber - den auch ein Buchtitel ziert - genießt zumindest in Radsportkreisen absoluten Kult-Charakter. Beam me up scotty - Willenskraft bündeln und alle Kraft voraus, auch wenn die Schwerkraft gefühlt die Oberhand zu gewinnen scheint. Nicht selten wird mit dem letzten Quäntchen an Restenergie das Gefährt im Wiegetritt nach oben gwürgt. Im Extremfall heißt es absteigen und schieben. Don't worry be happy, denn nach der steilsten Passage auf der Passhöhe (905 m.ü.M.) ist das Schlimmste überstanden. Der zweifache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl, passionierter Rennradler und Mountainbiker sowie langjähriger Schirmherr wie Teilnehmer des Arber-Radmarathons hat wohlweislich hier seinen (Alters-) Wohnsitz. Er hat gut lachen, denn das gigantische Rad- und Bike-Eldorado liegt direkt vor seiner Haustür.

Ist die letzte nennenswerte Hürde - der 4 km lange Berg von Ascha nach Falkenfels - gemeistert, taucht alsbald die finale Verpflegungsstation Saulburg auf. Der Knotenpunkt vereinigt 4 Routen, weshalb stundenlang hoher Andrang herrscht. Ob das Halli Galli und ausgedehnte Pausendauer ursächlich am süffigen Freibier liegt, vermag niemand zu sagen. Allerdings kursieren Gerüchte, nach denen sich jedes Jahr "angeschlagene" Protagonisten vorzeitig von Ehefrau, Partnerin oder Freunden motorisiert nach Hause chauffieren lassen.   

Klappe die 5. Saulburg - Regensburg, 40 km (gesamt: KM 250 / 3 500 hm)

 

Erreichen Spitzenfahrer das 40 km entfernte Ziel im flachen Donautal bereits 1 Stunde später sind andere bestrebt, mit letzter Kraft nach Regensburg zu kurbeln. Die Berge liegen hinter einem, nun gibt es nur noch eine Parole. Um nicht kurz vor Torschluss doch noch aus den Latschen zu kippen muss man sich flach wie eine Flunder machen und möglichst windschattengeschützt dem Ziel entgegen fliegen. Erst recht, wenn Gegenwind herrscht. Ein Forumseintrag beschrieb es treffend: "Die letzten 20 Kilometer - ein langer Weg des Leidens - die Geschwindigkeit - unterirdisch. Am Ziel angekommen - fertig - Ende aus - ich hatte es geschafft - ich war geschafft."

Eile mit Weile 

Die extreme Leistungsspreizung tritt bei großen Radtouristikveranstaltungen offen zu tage. Trotz fehlender offizieller Zeitmessung, fighten nicht wenige um persönliche "Bestzeiten" bzw. fahren ihre eigene Challenge aus. Erreicht die Spitze der großen Runde bereits nach etwa 7 Stunden das Ziel, genehmigen sich die meisten einige Stunden mehr Zeit – was soll’s. Fahrzeit hin oder her, von Glücksgefühlen wird am Ende sowieso jeder ergriffen - egal welche Zeit geschlagen hat. 


Falls Schlechtwetter herrscht oder die Tagesform zu wünschen übrig lässt kann ggf. unterwegs abkürzen. In Sachen Routenwahl stehen von der Bayerwaldrunde (Tour C) bis zur wunderschönen »Zwergerlroute« im flachen Donautal – vorbei am Ruhmestempel Walhalla (Tour E) - moderate Streckenvarianten zur Wahl. Hier tummeln sich vorwiegend Familien und gemütliche Tourenradler, denen es weniger um Leistungsvergleiche als vielmehr um einen unvergesslichen Erlebnistag unter Gleichgesinnten geht.