Streckenchronik (Engadin-Route)

Ungeduldig wartet das Feld auf den markerschütternden Böllerschuß zur Rennfreigabe. 

Nach dem Startschuss biegt der endlos lange Radlerwurm in die Reschen Straße ein. Die sanfte 2%-Steigung von Nauders zum 5 km entfernten Reschenpass (110 hm) wäre an und für sich ideal den Körper behutsam auf Betriebstemperatur zu bringen. Doch nach dem markerschütternden Kanonenschuss kommt schlagartig der reinrassige Renncharakter zum Vorschein. Ohne Neutralisationsphase heißt es sofort Feuer Frei! Ob Profi, Amateur oder Hobby-Radsportler - für alle gilt gleichsam das ungeschriebene Gesetz: sobald ein Transponder die Fahrzeiten offiziell dokumentiert ist so ziemlich jeder Fahrer darauf geeicht ein gutes Ergebnis zu erzielen. Deshalb wird von Beginn an auf Teufel komm raus losgefahren und alles daran gesetzt sich am Rad des Vordermanns festzubeißen um nicht aus der Gruppe zu fliegen. Dementsprechend ballert der kilometerlange Pulk ungestüm der Passhöhe (1507m) entgegen.

Streckengrafik mit Höhenprofil - Engadin-Strecke


Bewegen sie ihren Cursor auf dem Höhenprofil, wird interaktiv oben auf der Streckengraphik die geographische Position eingeblendet.

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Rad an Rad pflügt das Feld in Windschattenformation trotz leichter Steigung mit fast mit 40 Stundenkilometer der italienischen Landesgrenze entgegen. Gemütliches "Warmfahren" fällt beim Dreiländergiro zumindest im vorderen Feld buchstäblich ins Wasser.  

Vorbei an der Talstation der Bergkastelbahn halbiert sich die 4% Steigung alsbald auf 2%, wobei analog steigendes Gruppentempo keine Verschnaufpause lässt.

Nach Grenzübertritt von Österreich nach Italien befindet man sich im Vinschgau im obersten Teil des Etschtals, in der autonomen Provinz Bozen-Südtirol. 

 Reschenpass

Der Reschenpass (Passo di Resia) auf 1 507 m Höhe markiert die Wasserscheide zwischen Donau (Schwarzes Meer) und Etsch (Mittelmeer). Die Passhöhe war Teil der um das Jahr 50 eröffneten Römerstraße Via Claudia Augusta. Bis zum Bau der Via Raetia im 2. Jahrhundert n. Chr. war die Römerstraße die Hauptverbindungsachse zwischen Italien und Augsburg. Sie war die erste befahrbare Straße über den Reschenpass, dessen Verbindung auch im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein zu den wichtigsten historischen Alpenübergängen zählte.

7 km vom Startort Nauders entfernt wird kurz vor dem Grenzdorf Reschen am See die Passhöhe überschritten. Es schließt sich eine angenehme 13 km lange Flachpassage entlang des Reschensee und Haidersee an.

Der Tourismusort Reschen am See (900 Einwohner) liegt auf 1500 m Meereshöhe am nördlichen Zipfel des Reschensees. Exkurs: nicht nur Rennradler finden in der Dreiländerregion ein traumhaftes Trainingsrevier vor, sondern auch Mountainbikern liegt dank vier Aufstiegshilfen im österreichisch-italienischem Grenzgebiet zwischen der Tiroler Gemeinde Nauders und dem Ort Reschen am See in Südtirol ein atemberaubendes Trailnetz aller Schwierigkeitsgrade zu Füßen.

Auch im angeschlagenen Racetempo bleibt einem die grandiose Naturlandschaft nicht gänzlich verborgen. Entlang des smaragdgrünen Reschensees eblickt man am Horizont das vergletscherte Ortlermassiv. 



Der Ortler ist mit seinen 3905 m Höhe die höchste Erhebung der Provinz Südtirol.

In Graun im Vinschgau wird das berühmteste Wahrzeichen der Region passiert: der versunkene Kirchtum im Reschensee. 

Der Glockenturm der ehemaligen Pfarrkirche St. Katharina wurde im Jahr 1357 eingeweiht, 2004 unter Denkmalschutz gestellt und 2009 saniert.

Die sagenhafte Aussicht wird nur durch kurze Tunnel bzw. Lawinengalerien unterbrochen. 

Nach dem Reschensee wird das Dorf St. Valentin auf der Haide passiert, das am Haidersee liegt, welcher von der Etsch vom Reschensee her gespeist wird.

Der lang gezogene Radlerwurm prescht die Gefällstrecke (max 6%) auf großzügigen Kurvenradien in hohem Tempo Richtung Mals (1050m). Da in diesem Streckenabschnitt immer noch dichte Radlerpulks fahren ist bei der Abfahrt erhöhte Vorsicht geboten.

Zwischen Mals und Prad bietet die 10 km lange Flachpassage gute Windschattengelegenheit. In Aeroposition reduziert sich hinter dem Vordermann nicht nur der Kraftaufwand um bis zu 30% was wertvolle Energie spart, sondern obendrein springt ohne zusätzlicher Kraft eine höhere Geschwindigkeit in einer homogenen Gruppen heraus.

Bis Glurns (KM 30) ist das Höhenniveau seit der Reschepasshöhe um fast 600 Höhenmeter gefallen. 

Je länger man auf Prad zusteuert, desto näher rücken die Berge heran. Klares Zeichen, dass das (Windschatten-) Fahren bald ein Ende hat.

In der Ortschaft Mals wird von der Hauptstraße SS40 auf die SS50 abgebogen (KM 27), welche nach Glurns (940m) führt.

Das Groß der Teilnehmer erreicht die Ortschaft Prad (920m) - Einfallstor zum Stilfserhoch-Nationalpark - in knapp einer Stunde, was ein Stundenmittel von etwa 40 Kilometer ergibt. Allerdings war es das schon mit dem ansehnlichen Schnitt, denn nach dem Abzweig auf die SS38 (KM 36.5) lässt die beginnende Steigung diesen wie Eis in der Sonne zerschmelzen. 

Die Gemeinde Prad am Stilfserjoch (Prato allo Stelvio) hat ca. 3566 Einwohner und pflegt mit dem Landkreis Neu Ulm eine kommunale Partnerschaft. Das Gemeindegebiet liegt großteils im Nationalpark Stilfser Joch. 

Nun ist jener Zeitpunkt gekommen, um sich mental auf das durchnummerierte "Serpentinen-Festival" einzustellen.

Am Fuße des Stilfser Joch beginnt zumindest für die ambitionierte Riege der Radsportler die entscheidende Rennphase. In jedem Fall wirbelt der lange Anstieg das Teilnehmerfeld  durcheinander und sortiert bis zum höchsten Streckenpunkt des Dreiländergiro das (virtuelle) Ranking neu. Nach dem Ortszentrum von Prad beginnt die Straße entlang des Suldenbachs mäßig anzusteigen. Die gefahrene Geschwindigkeit im Mittelfeld liegt hier immer noch bei gut 30 km/h was sich jedoch schon sehr bald ändert.

Nordostrampe Stilfser Joch (Passo dello Stelvio)

Eckdaten

  • Länge: 25 km
  • Höhenmeter: 1 845
  •  Ø - Steigung 7.3%, 
  • Maximalsteigung 14% 
  • 48 Kehren

Die relativ flache Ortsausgangsstraße von Prad lässt nicht erahnen, dass sich das Streckenprofil schon bald gewaltig ändert und der Steigungswinkel die Daumenschrauben anzieht. Bis zur Passhöhe des Stilfser Joch werden auf 25 km satte 1 845 hm überwunden, wobei die gleichmäßige Steigung von Ø 7.3% den Rhythmus erleichtert und damit dem langen Anstieg etwas an Schärfe nimmt.

Wer seine Bergübersetzung so gewählt hat, dass in steileren Passagen noch eine ökonomische Kadenz möglich ist hat gute Karten den rampenfreien Anstieg ohne ernsthafte Probleme zu meistern.

Mehrere Straßeneinbuchtungen bieten auf der Ausfallstraße von Prad günstige Gelegenheiten sich "überflüssiger" Kleidungsstücke zu entledigen bzw. einen Energieriegel zu vertilgen und einen Schluck aus der Trinkflasche zu nehmen, bevor es zur "Sache" geht.

Geschwindigkeitsbeispiele zur groben Orientierung: peau a peau fällt die Geschwindigkeit bei zunehmender Steigung auf 20 km/h bzw. ab KM 38 auf 15 km/h und ab KM 42 pendelt sich das Tempo um die 10 km/h ein (Durchschnittsleistung), wobei flachere Teilstücke immer wieder höhere Geschwindigkeiten erlauben. 

Die Passstraße ist im Winter in aller Regel von November bis Ende Mai gesperrt. Zunächst windet sich die Straße kehrenfrei bis Gomagoi (1267 m) im Suldental. Bereits am Ortsausgang von Prad geht es stetig mit 5-6 % bergan. Die Straße verläuft teilweise im Wald und wird akustisch vom hinab rauschenden Suldenbach begleitet.

Die zweithöchste Passstraße der Alpen über das Stilfser Joch verbindet Südtirol mit der Lombardei - respektive das obere Veltlin mit dem Vinschgau.

Das Stilfser Joch ist in den Ortler-Alpen mit einer Höhe von 2757 m.ü.M. der höchste Gebirgspass in Italien und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen.

Umrahmt vom Ortler-Massiv mit dem Ortler (3905 m) und dem Monte Scorluzzo (3094 m) bietet sich - sofern das Wetter mitspielt - ein grandioses Bergpanorama. 

 

 

 

 

Vorfreude auf ein außergewönliches Hochgebirgspanorama ist berechtigt, denn der höchste asphaltierte Gebirgspass Italiens ist nach dem Col de l’Iseran in Frankreich die Nummer Zwei in den Alpen. Der Passo dello Stelvio verbindet das Städtchen Bormio im Veltlin (Lombardei) - in spektakulärer Kulisse der majästätischen Ortlergruppe - mit Prad im Vinschgau, Südtirol. Die 50 km lange Alpenstraße wurde zwischen 1820 und 1825 unter widrigsten Bedingungen in Rekordzeit erbaut.  

Bis Bormio misst die Straße eine Distanz von rund 50 km und weist insesamt 87 Kehren auf, 48 von Prad zum Scheitel, 39 hinab nach Bormio. Leider trübt hohes Verkehrsaufkommen die Freude am Radfahren (was allerdings beim Dreiländergiro glücklicherweise zu früher Stunde kaum zutrifft).

Die Motorradstaffel des Veranstalters überwacht nicht nur das Verkehrsverhalten sondern kann ggf. Hilfestellung leisten oder im Notfall erforderliche Maßnahmen einleiten.

Vorbei an einem wundervoll angelegten Kunstgarten lässt sich die mäßige Steigung flüssig fahren. Rennradfahrern dürfte schon bewusst sein, das der Ritt auf das Stilfser Joch ein Mythos ist der nur den allerwenigsten Alpenpässen anhaftet.

Der tosende Suldenbach (21,4 km Länge) entwässert ein Gebiet von 161 km² im Nationalpark Stilfser Joch und fließt unweit von Prad in die Etsch.

Bei KM 40.5 wird der Suldenbach (1124m) gequert. 

In der Radsportwelt ist das Stilfser Joch zweifellos ein Mythos hoch 3, das den Nimbus eines "Passstraßen-Mekkas " genießt. Klar, dass die nüchternen Zahlen Respekt, Erfurcht und Demut einflössen: 25 km-1845 hm-48 Kehren - damit ist schon fast alles gesagt. Nichts desto weniger lenkt die grandiose Bergwelt - eingerahmt vom Ortler-Massiv (3905 m) und dem Monte Scorluzzo (3094 m) - ein stückweit von der stoischen Kurbelei ab, wenngleich die gleichförmige Steigung für konditionierte Rennradler kein unüberwindbares Hindernis darstellt. 

Der Königin der Passstraßen“ haftet aber auch ein weniger schmeichelndes Image an, wie der unrühmliche Beiname „Höchster Rummelplatz Europas“ zum Ausdruck bringt. Das Stilfser Joch ist eine Touristenattraktion. Kitschige Souvenierläden, bunte Werbetafeln, schmucklose Restaurants, Motorräder, Autos, Wohnmobile erzeugen eine kommerzielle Hektik die in krasser Weise eine an sich zivilisationsfreie Hochgebirgslandschaft kontakariert. Der Kommerz wird im doppelten Sinn auf die Spitze getrieben.

Wer den prestigeträchtigsten Anstieg Europas bezwingt  dem ist Lob und Anerkennung von Radsportkollegen sicher. Logisch, dass der Stelvio auf der Pässe-Hitwunschliste ganz weit oben liegt. Einmal im Leben über das Stilfser Joch fahren, das wertet das Palmares richtig auf. Der Dreiländergiro bietet neben demStelvio Bike Day im übrigen die einzige Möglichkeit, im Kreise tausender Gleichgesinnter den Giganten zu bezwingen. Die schiere Höhe von 2.760 m machen den Stelvio in jeder Hinsicht zum ultimativen Erlebnis, denn näher kommen Radfahrer dem Himmel kaum. 

Nach 43 km erreicht man Gomago (i1 398m). Es sagt viel aus, dass der Passo del Stelvio auf dem beliebten Rennradportal quaeldich.de der am häufigst aufgerufene Pass ist, welcher die meisten Highscore-Einträge aufweist. Die beeindruckende Gebirgsszenerie - allen voran die in den Fels gemeisselten Kehren am Schlusshang der Ostseite - zählt zu den meist fotografiertesten Motiven der Alpen überhaupt. 

Von der historischen Bedeutung des Ortes Gomagoi zeugt noch heute das so genannte Fort Gomagoi. Das kleine Bergdorf mit weniger als 100 Einwohner befindet sich an der Abzweigung des Trafoier Tals, das ins Herz der Ortlergruppe führt. Der Ortler erhebt sich zwischen dem Trafoier und das Suldener Tal auf 3.905 Meter hinauf.

Auch in diesem Streckenabschnitt liegt die Steigung im erträglichen einstelligen Bereich.

Die Verkehrstafel zeigt an, dass für Fahrzeuge mit einer Länge von mehr als 10.5 m ab Trafoi ein Fahrverbot besteht.

Nach dem Ortsende von Gomagoi zieht die Steigung auf 7-9 % an. Man durchquert eine Lawinengalerie und ein erstes Kehrenpaar gibt sich die Ehre. ein. Übrigens: die ungeraden Kehrenziffern beschreiben eine Links- die geraden Ziffern eine Rechtskehre. 

Von Gomagoi bis ins 4 km entfernte Trafoi erreicht die Steigung maximal 8%. 

 Stilfser Joch

Viele Jahrhunderte war das Stilfserjoch ein enorm wichtiger militärischer Stützpunkt sowie eine der kürzesten Verbindungen zwischen Österreich und der Lombardei. Erste Spuren eines Fußweges lassen sich bis zur Bronzezeit (1700 –1500 v. Chr.) zurückführen.

Im Bewusstsein der strategischen Bedeutung des Stilfserjoches gab die österreichische Regierung 1812 ein erstes Straßenprojekt zur Überquerung des Passes in Auftrag.

Die Gesamtlänge der Straße von Spondinig noch Bormio beträgt knapp 50 km, während die nordseitige Strecke von Spondinig bis zur Passhöhe 27,5 km lang ist. 48 Haarnadelkehren waren nötig um den höhenunterschied von 1 850 hm zu überinden. Die südseitige Straßenverbindung von der Passhöhe nach Bormio (22 km) überwindet mit ihren 34 Kehren 1500 Höhenmeter. 

Heute genießt die Passstraße - auch durch die Aufwertung des Nationalpark Stilfserjoch - touristisch eine herausragende Bedeutung. 

Die Bezeichnung "Königin der Pässe" trägt das Stilfser Joch bestimmt nicht zu unrecht. Berühmt ist die Passstraße vor allem wegen seiner 48 Kehren, die speziell im oberen Teil der Ostrampe unerbittlich übereinander geschachtelt die Steilwand in Zick-Zack-Formation kreuzen und bis zu 13% steil sind. 

Ab Trafoi (KM 47, 1 557m) am Fuße des Ortlers im Trafoital schraubt man sich auf dem zweithöchst gelegenen, asphaltierten Gebirgspass Europas der Franzenshöhe (2 150m) entgegen. 

In Trafoi befindet sich die erste Labestation. Übrigens: die nur etwa 80 Einwohner zählende Ortschaft ist Geburtsort von Gustav Thöni, einem der erfolgreichsten Skirennläufer Italiens der 4-facher Weltpokalgewinner, Weltmeister und Olympiasieger war. Die Nordseite des Ortlers bildet eine phänomenale Kulisse der letzten Siedlung vor der Passhöhe. 

Nach kurzem Verschnaufpäuschen kurbelt es sich frisch gestärkt etwas leichter. Den Energienachschub kann der Körper gut gebrauchen, denn immerhin 1 200 Höhenmeter stehen noch bevor.

Die Müllentsorgung ist nur in der unmittelbaren Zone der Labestationen erlaubt. Für umweltbewußte Radsportler eine Selbstverständlichkeit sich daran zu halten. Leider zeugen weggeworfene Gel- und Riegelverpackungen außerhalb der Labezonen, dass Umweltschutz nicht für jeden Sportler Priorität genießt. Im übrigen ein Problem mit dem alle Radsportveranstalter zu kämpfen haben. 

Umso näher die Baumgrenze heranrückt, desto mehr öffnet sich das Tal und gibt den wunderbaren Blick auf das teils schneebedeckte Bergpanorama frei. Hoch über Trafoi verläuft die Straße relativ flach und kurvenfrei weiter bevor die kurven- und kehrenreichste Bergauffahrt der Alpen seinen Anfang nimmt. Je höher es hinauf geht desto wuchtiger kommen die in den Fels gemeißelten Kehren zum Vorschein. In einem überwiegend bewaldeten Berghang werden die ersten 12 Kehren durchfahren, bevor sich die Straße in ein engeres Seitental zwängt. 

Die 1903 errichtete Kirche Mariä Heimsuchung befindet sich in idyllischer Lage auf 1 570 m Höhe.

Trafoi ist die letzte von Menschen bewohnte Ansiedlung. 

Die internationale Beteiligung beim Dreiländergiro signalisieren auch getragene Trikots. Nicht weniger als 30 Nationen nehmen jedes Jahr an dem beliebten Radsport-Event teil. Gleichwohl dürfte es im Anstieg keine Sprachprobleme geben, da Verbalkommunikation der schweißtreibenden Anstrengung zum Opfer fällt.  

Fünf von ingesamt 48 Kehren sind geschafft, bleiben nach Adam Riese noch 43 Haarnadelkurven.

Kopfkino - das psychologische Momentum

Je höher es hinauf geht desto mehr gewöhnt man sich an die Perspektive, dass die übereinander gebauten Straßenabschnitte die Sicht sowohl auf die Nachfolger unterhalb als auch Vorausfahrende oberhalb frei wird. Jeder Teilnehmer erlebt sein eigenes Kopfkino. Die rückwärts zählende Kehrennummerierung mag motivierend oder demotivierend wirken - je nachdem in welchem augenblicklichen Zustand sich der Geist und Körper gerade befindet. Andererseits ist man permanent im Bilde, was bereits geschafft ist und hinter einem liegt bzw. welche Kraftanstrengung noch bevorsteht. Selbst bei höchster Belastungsintensität wird die Kehrenzahl in aller Regel wahrgenommen, was einem stets vor Augen führt wieviele Serpentinen bzw. Höhenmeter bis zur Passüberquerung noch anstehen.

Die Blickrichtung hat ein psychologisches Momentum. Während die Sicht unterhalb und damit auf Fahrer die hinter einem liegen die Psyche und damit die Willenskraft stärken vermag der Blick nach oben eher einen gegenteiligen Effekt bewirken. Gerät der übereinander geschachtelte Streckenverlauf in den Blickwinkel, mag die brutale Ansicht bei manchen Fahrern angsteinflössend oder gar frustrierend wirken. Dann ist die Zeit reif, um aufbauende Selbstüberlistungsstrategien anzuwenden.

Unglaublich was manche Rennteilnehmer so alles mitschleppen. 

Schlag auf Schlag folgt eine Kehre der nächsten. 

Je mehr die Kehrenzahl nach unten purzelt - desto wohlwollender registriert die Psyche die erbrachte Leistung.  

Die Streckenführung des Dreiländergiro hat den großen Vorteil, dass man bis zum Fuß des Stilfser Jochs nicht mal 300 Höhenmeter in den Beinen hat - ergo relativ frisch den kräftezehrenden Anstieg in Angriff nimmt.

Die Sprühaufschriften mit den Namen der Radprofis Scarponi - der am 22. April 2017 während einer Trainingsfahrt in seinem Geburtsort Filottrano tödlich verunglückte - und Nibali zeugen von der Giro d'Italia, die schon des öfteren das Stilfser Joch im Programm hatte. Zur Erinnerung: Abfahrtskönig Vincenzo Nibali gewann 2017 die Königsetappe des 100. Giro d'Italia über Mortirolo, Stilfser Joch und Umbrailpass. In Bormio setzte sich der "Hai aus Messina" nach 222 km im Zweiersprint gegen Mikel Landa (Sky) mit nur einer halben Radlänge durch.

Beim Gasthaus „Weißer Knott“ Rocca Bianca (1 875m) steht der Obelisk zur Erinnerung an die Erstbesteigung des Ortlers am 27. September 1804. Der Österreichische Alpenverein hatte dem Jäger auf der Churburg bei Schluderns, Josef Pichler - genannt „Jager Josele“ und seinen Begleitern - auf der Aussichtsplattform ein Denkmal gesetzt. An dieser Stelle bietet sich ein grandioser Blick auf den Ortler der einst der höchste Berg der Donaumonarchie war.

Es sind jene beeindruckenden Anblicke die vom schweißtreibenden "Nachobenquälen" immer wieder ablenken. Als Radfahrer, der mit eigener Muskelkraft mühsam nach oben kurbelt und gegen seinen inneren Schweinehund ankämpft erlebt die Passauffahrt logischerweise in einer völlig anderen Dimension als Autofahrer in ihrem faradayschen Käfig.

Je nach körperlichem Zustand und  Gemütsverfassung mag der furchterrendene Anblick der Serpentinengalerie motivierend oder demotivierend wirken. Kopfkino hin oder her: der Pass lässt sich mit einer Ø-Steigung‎ von ‎7,2 % rhythmisch ganz gut fahren. Selbst die Maximalsteigung von 12% stellt mit einer halbwegs guten Form kein wirklich unüberwindbares Hindernis dar. Seis drum, die fantastische Aussicht auf das schneebedeckte Ortlermassiv (3 905m) sowie die Hochgebirgskulisse mit seiner ins Felsgestein gemeiselten Serpentinen-Galerie ist das Highlight und zugleich visuelles "Markenzeichen" des Dreiländergiro.

Einsam radelt man beim Dreiländergiro entweder an der Spitze oder am Feldende, ansonsten befindet man normalerweise auf der gesamten Strecke in trauter Gesellschaft. Je höher man radelt, desto mehr gleicht sich das Leistungsniveau der Mitstreiter an. Überholvorgänge - wenn überhaupt - gehen nur noch im Zeitlupentempo über die Bühne. Statt zu sprechen werden allenfalls wortlose Blicke ausgetauscht. Und die sagen oft mehr als tausend Worte.

 Nationalpark Stilfser Joch 

Zum Schutz der Landschaft, der Pflanzen und der Tierwelt wurde das Gebiet rund um das Stilfser Joch 1935 zum Nationalpark erklärt. Heute zählt der rund 130.000 Hektar große Nationalpark zu den größten Naturschutzgebieten Europas. Im Herzen der Zentralalpen gelegen schließt die Schutzzone das gesamte Gebirgsmassiv Ortler-Cevedale samt Seitentäler mit ein. Im Norden berührt er den Schweizer Nationalpark Engadin und grenzt im Süden an den Regionalpark Adamello in der Lombardei an. Vom vergletscherten Hochgebirge (Ortler) über Almen und Hangterrassen bis hinab ins Tal (Latsch) weist der Nationalpark Stilfser Joch sämtliche alpinen Formenelemente auf. 

Drei Besucherzentren vermitteln in Trafoi, Prad und Martell authentische Einblicke in das Leben der Menschen sowie der bäuerlichen Kultur im Nationalpark Stilfser Joch. Mit etwas Glück kann man Steinböcke, Murmeltiere, Gämsen und Adler erspähen.

 

Bäumlein wechsel dich: allmählich lichtet sich der Fichtenwald und weicht klimatisch widerstandsfähigeren Bergkiefern, den sogenannten Latschen.

Die Baumgrenze liegt knapp unterhalb der 2 000 Meter Marke. Von da ab dominiert blanker Fels und grobes Granitgestein die unwirtliche Szenerie.

So wie sich die Vegetation mit zunehmender Höhe verändert legt auch die Steigung ein "Schärflein" nach, wenngleich fiese Stiche zum Glück ausbleiben. 

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Kehre um Kehre werden Höhenmeter weg geknetet. Die einen blicken erwartungsvoll auf's Joch, andere stoisch auf den Asphalt.

Passendes Stelvio-Trikot. Nur noch zwei Kehren bis zum Hotel Franzenshöhe. Abends, wenn der Verkehr abgeflaut ist und Stille einkehrt, kommen scheue Murmeltiere aus ihrem Bau. 

Nach Kehre 25 ist die Baumgrenze erreicht und macht den Blickl frei auf den spektakulärsten Teil der Passstraße: den monströsen Schlussanstieg, wo die Straße in geschwungenen Serpentinen in die Höhe steigt. Auch wenn man die Passhöhe bereits sehen kann, sollte die Sicht nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese immer noch gut 7 km und fast 700 Hm entfernt liegt.

Obwohl 3 000 Rennradfahrer enthusiastisch nach oben kurbeln, so herrscht doch eine seltsame Stille. Jeder ist mit sich und der Welt in seinem eigenen Kosmos vollauf beschäftigt und durchlebt meist ein Wechselbad der Gefühle. Je grenzwertiger die Belastung, desto mehr kommt die Moral zur Geltung. Eiserne Willenskraft vermag bis zu einem gewissen Grad die extreme physische Beanspruchung zu kompensieren. Nicht ohne Grund besagt ein altes Sprichwort: der Glaube versetzt Berge. 

Wer das Stilfser Joch einmal außerhalb des Giro-Wettbewebs befährt, dem bietet sich im Berghotel Franzenshöhe (Spitzkehre 22) eine ideale Jause zum Kräftesammeln an. Letzte Gelegenheit, sich vor dem Schlussabschnitt mit Nahrungsnachschub und Flüssigkeit zu versorgen. Auf der Hotel-Terrasse genießt man übrigens einen imposanten Blick auf die Serpentinengala. 

Bei Kehre 24 liegt linksseitig das Hotel Franzenshöhe (2 188m) - überragt vom mondänen 3905 Meter hohen Ortler. Die "nackte Wahrheit" kommt hier ungeschminkt zum Vorschein, denn nichts versperrt mehr den Blick zur "Himmelspforte". Die finalen sechs Kilometer auf's Joch halten noch 600 Höhenmeter parat. Bei zunehmenden Erschöpfungsgrad zieht sich der Schlusshang verflucht in die Länge.

 Jährlich wird am ersten Samstag im September bzw. letzten Samstag im August der Radtag Stilfserjoch - Stelviobike veranstaltet, bei dem die Straße von Trafoi bis Bormio) ganztägig für den motorisierten Verkehr gesperrt ist (1. September 2018). Ohne offizielle Zeitnahme steht das Motto "Dabei sein ist alles" im Vordergrund. Einschließlich der ebenfalls verkehrsfreien Abfahrt über den Umbrailpass (2.503 m) nach Santa Maria ins Münstertal gibt es die seltene Gelegenheit, die herrliche Bergwelt ohne Autoverkehr genießen zu können.

Das "Kehrenfestival" hat es ins sich. Nun heißt es letzte Reserven zu mobilisieren.   

Da die Kehrenabstände im oberen Abschnitt zueinander sehr kurz sind, klettert man der letzten Kehre mit der Nr.  1 relativ rasch entgegen. Dies löst ein ums andere Mal einen kleinen Motivationsschub aus.

Der Blick nach "unten" baut auf und hält die Moral intakt. 

Im Straßenverkehr wird der Platz insbesondere in den Kehren sehr schnell knapp. Vor allem wenn größere Lieferwagen oder Busse sich durch die engen Kurvenradien zwängen ist  erhöhte Vorsicht von allen Verkehrsteilnehmern geboten.

Wechselnde Perspektive auf das Hotel Franzenshöhe. Erst von unten dann von oben. Dies erleichtert zumindest den Kampf gegen den inneren Schweinehund.

Den Teilnehmern des Jubiläums-Dreiländergiro war 2018 ein Traumwetter beschert, wenngleich die Temperaturen auf der Passhöhe nahe des Gefrierpunkts recht zapfig waren.

Letztjährige Aufnahme, als  Petrus mit den Radfahrern auf "Kriegsfuß" stand.

2017 versank das Stilfser Joch im strömenden Regen und wabbernden Nebelschwaden. Die Fahrt kam einem Blindflug gleich, bei der sich die beeindruckende Naturlandschaft im nebligen Grauschleier verbarg.

Lautstarke Radsportfans sind jederzeit willkommenes Wasser für die neuronale Motivationsmühle.

Zur mentalen Stärkung ein Abwärtsblick auf das Nachfolgerfeld. Schon scheint sich die Kurbel  für wenige Sekunden leichter drehen zu lassen. 

Geteiltes Leid ist halbes Leid, das berühmte Motto bekommt bei Passauffahrten seine eigene Bedeutung. Oder andersherum: "geteiltes Leid ist halbe Freud".

Auch wenn das Lächeln etwas gequält wirkt: auf Nachfragen eines Mitstreiters, den Fotografen abzulichten zu wollen um ihm die Gelegeheit zu geben sich ausnahmsweise entgegen journalistischer Gepflogenheiten selbst ins Rampenlicht zu stellen, wurde wohlwollend stattgegeben. Letztes Jahr war's zur Recherche die Engadin- und zum Jubiläumsjahr die Vinschgau-Strecke.

Think Positive: Schneereste signalisieren dem Kopf, dass es bis zur Passhöhe nimmer allzu weit sein kann.

Je mehr man sich nach oben schraubt, desto mehr wird man von Endorphinen beflügelt, während ausgeschüttetes Adrenalin das Schmerzgefühl unterdrückt.

Solche Fotomotive haben dem Stilfser Joch zur Weltberühmtheit verholfen.

Das Hotel Franzenshöhe entschwindet allmählich aus dem Blickfeld.

Yeah, Kehre 15. Auch wenn die Uhr unaufhaltsam weiter tickt nehmen sich manche Fahrer die Zeit, um für ein Foto oder kurze Durchschnaufpause vom Sattel zu steigen.

Knall auf Fall - Kehre 14...

Ehrgeizig wird aufopferungsvoll an der Kurbel gedrückt. Wer mit Wattmessung bestückt ist braucht sich nicht allein auf sein Körpergefühl verlassen sondern kurbelt in seinem geplanten Leistungsbereich gleichmässig nach oben.

Auch wenn dunkle Wolken nichts Gutes verheißen kündigten Wetterprognosen einen möglichen Niederschlag frühestens ab 15.00 Uhr an. Zu dieser Stunde haben die meisten Teilnehmer entweder den Zielstrich gequert oder befinden sich von Nauders nicht mehr allzu weit entfernt.

Im Gleichklang wie das Hotel Franzenshöhe aus dem Blickfeld entschwindet, wird Kehre um Kehre die Passhöhe aufgezoomt.

Der beste Motivationsschub: anstatt die in den Fels gemeisselte Passstraße ehrfurchtsvoll von unten nach oben zu betrachten lässt die gegensätzliche Vogelperspektive schon eher die Lebensgeister erwachen.

Im doppelten Sinne geht's aufwärts: im Gleichklang wie man an Höhe gewinnt steigt die Selbstzufriedheit und verpasst der Psyche stärkenden Auftrieb.

Nachdem die Anzahl der bevorstehenden Kehren bereits überschaubar geworden sind macht sich die dünne Höhenluft bemerkbar. Infolgedessen reagiert der Körper mit erhöhter Atemaktivität und Pulssteigerung. Höhen über 2500 Meter bedeuten für den Körper ohne entsprechende Gewöhnungsphase selbst ohne übermässige Anstrengung bereits Stress. 

Die herrliche Aussicht signalisiert vor allem eines: das kräftezehrende Kehrenfestival nähert sich seinem sprichwörtlichen Höhepunkt. 

 Höhenluft

Mit zunehmender Höhe versucht der Körper durch bestimmte Anpassungsprozesse die sinkende Sauerstoffkonzentration auszugleichen. Beträgt diese auf Meereshöhe 100%, so enthält die Luft in 3000 Metern Höhe bereits 40% weniger Sauerstoff. Die reduzierte Sauerstoffversorgung der Organe wird durch erhöhte Bildung von roten Blutkörperchen entgegengetreten was jedoch einen  Akklimatisationsprozess (in Abhängigkeit der Höhe) voraussetzt. Ohne Akklimatisierung greift ein Art Notfallprogramm, indem beschleunigter Herzschlag und gesteigerte Atemfrequenz mehr sauerstoffangereichertes Blut durch die Adern pumpt. 

Optisch mag die Aufnahme täuschen, denn die Steigung bleibt im Schlussabschnitt bis zur Passhöhe kontinuierlich im zweistelligen Bereich. 

Mit jedem Meter steigt die Vorfreude auf die Labe in Kehre 1. 

Je nach Befindlichkeit zieht sich die Auffahrt zur Passhöhe mehr oder weniger in die Länge. Wenngleich man sich im gefühlten Schneckentempo nach oben arbeitet kommt auf 2650 Meter Höhe die lang ersehnte Verpflegungsstation in Sichtweite. 

Jeder Teilnehmer sehnt sich nach der schier endlosen Auffahrt endlich an der Verpflegungsstation anzukommen. Es ist eine reine Wohltat vom Rad zu steigen, den Puls runter kommen lassen und dem ausgemergelten Körper eine kurze Auszeit zu gönnen. Dies stärkt nicht nur den Körper sondern tut auch dem Geist und der Seele gut. Es sind zwar nur wenige Minuten der Entspannung - dennoch hilft ein kurzes Päuschen sich zu sammeln und der strapazierten Beinmuskulatur ein wenig Erholung zu spenden.

Da die Uhr auch bei Stillstand tickt beschränkt sich die Aufenthaltsdauer auf das Nötigste. Zudem herrschen in dieser Höhe häufig Temperaturen nur wenig über Null Grad. Um im nass geschwitzten Trikot nicht auszukühlen ist es im Hinblick der bevorstehenden Abfahrt ratsam ein wärmendes Langarmtrikot bzw. Windstopperweste oder Regenhaut überzuziehen.  

2017: wolkenbruchartige Regenfälle, Nebel und Eiseskälte verlangte noch mehr grenzwärtige Härte und Durchhaltevermögen als ohnehin schon ab. Dann mutiert der innere Schweinehund zum übermächtigen Gegner, den es mit aller Macht zu bezwingen gilt.  

Wie ein KFZ-Motor benötigt auch der menschliche Körper von Zeit zu Zeit Treibstoff, um dauerhaft Leistung zu erbringen. Doch anders als beim Auto kann der Mensch gleich auf drei Kraftstoffsorten zurückgreifen: Kohlenhydrate, Proteine und Fett. Was in welcher Menge der Organismus für die Energieversorgung verstoffwechselt hängt von der Belastungsintensität ab. Natürlich empfindet jeder Teilnehmer es als äußerst angenehm, von einer freundlichen Helfermannschaft emfpangen zu werden. Soviel steht fest: beim Dreiländergiro kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer rührend um ihre ausgemergelten Gäste. 

Isotonische Getränke und bekömmliche Energiehäppchen wie Bananen, Riegel und Energy Gels sorgen dafür, damit auch weiterhin Höchstleistung in der Wettkampfphase abgerufen werden kann. Die  nährstoffreichen Energiespender füllen innerhalb weniger Minuten die Energiespeicher wieder auf. Ohne schnell verfügbarem Energienachschub gehen ansonsten irgendwann die Lichter aus. Sinkt die Leistungsfähigkeit ab bis urplötzlich der Mann mit dem Hammer namens Hungerast gnadenlos zuschlägt dürfte der Fauxpas viel Zeit kosten. Erholt man sich von dem Schwächeanfall nicht mehr steht schlechterdings gar das Finish auf der Kippe.

Nachdem 48 Kehren sind geschafft stellt sich kurz vor dem Passübergang ein selbstzufriedenes Glücksgefühl ein. Kopfkino von der angenehmen Sorte: auch wenn das Ziel noch in weiter Ferne liegt, so stimmt die bereits bewältigte Strecke positiv und lässt die Brust mit Genugtung anschwellen.

Der Panoramablick mitten hinein ins Herz des Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgau verfehlt seine Wirkung nicht. Ein unvergesslicher Moment der Entrücktheit, bevor man Suedtirol verlässt und die Kurbel wieder schwingt.

Frisch gestärkt und mit Vorfreude auf die bevorstehende Passüberquerung im Rücken werden die restlichen 100 Höhenmeter motiviert weggedrückt.

Nur wenige Meter vor der Passhöhe wird die Zeitmesskontakmatte überfahren. Der Transponder sendet die programmierte ID-Nummer an das Zeitmesssystem, mit der die Zwischenzeit registriert und dem Sportler zugeordnet wird. Das übermittelte Funksignal stellt die Wertungserfassung sicher.

Europas "höchster Rummelplatz" gibt sich die Ehre. Das Stilfser Joch ist eine Touristenattraktion ersten Ranges, was Kommerz und hohe Verkehrsbelastung mit sich bringen. Unbeeindruckt dessen begeben sich die Radsportler nach dem Streckenzenit in die rasante Abfahrt.

Mehrere Botschafter bzw. Werbeträger waren im offiziellen Outfit der Straßen-WM Innsbruck unterwegs. 

Letzte Gelegenheit sich vor der kühlenden Abfahrt warm einzupacken. 

Das Schild macht die gewaltige Dimension des Stilfser Jochs nochmals bewusst, was Radfahrer hoffnungsfroh und glücklich stimmt. 

Ein letzter Blick auf das gewaltige Ortlermassiv.

Hotels, Souvenierläden, Autos, Motorräder, Wohnmobile etc. bilden einen krassen Gegensatz zur kahlen Hochgebirgslandschaft des Nationalparks Stilfser Joch.

Gemessen vom Startpunkt Nauders ist nach 61.4 km die legendäre Nordost-Rampe des Stilfser Joch bezwungen. 

Horizonte erkennen und Grenzen überschreiten - solche Gedanken mögen einem durch den Kopf schießen wenn an dem Passschild vorbei geradelt wird. Auf der anschließenden kurzen Gefällstrecke (250 hm) befindet man sich in der norditalienischen Provinz Sondrio (Lombardei), wo drei Kilometer nach der Passhöhe am ehemaligen Grenzgebäude die Stilfser Joch Straße nach Bormio (Veltin) ins Addatal abzweigt. Nach kurzem, mäßigen Gegenanstieg erreicht man 300 m später die Landesgrenze Italien / Schweiz (Graubünden).

Umbrailpass (2501m)

Der Umbrailpass stellt die Verbindung zwischen dem Münstertal (Val Müstair) im Kanton Graubünden mit dem Addatal bei Bormio (Italien) her. 

Der Umbrailpass zählt zwar zum höchsten Schweizer Pass, doch kommend vom Stilfser Joch beträgt der Anstieg - nach kurzem Gegengefälle (250 Tiefenmeter) - nurmehr 50 hm zur Passhöhe.  

 Umbrailpass

Einst war der Weg über den Umbrailpass ein bedeutender Saumpfad im Warenverkehr Bormios mit dem Norden. Auch für die wichtige Handelsstadt Venedig war die Route bedeutsam, da sie die Fortsetzung der venezianischen Wege über den Gavia und Mortirolo in Richtung Norden bildete. Die 13,4 km lange Strasse von Santa Maria auf den Umbrailpass wurde 1901 fertiggestellt.  

Abfahrt nach Santa Maria 

Eckdaten

  • Länge: 13,4 km
  • Umbraillpass bis Santa Maria: 1 126 Tiefenmeter 
  •  Ø - Gefälle 8,2%, 
  • Maximalgefälle 12% 
  • 33 Kehren

Die Abfahrt nach Santa Maria (1 411 m) ist sehr kurven- und serpentinenreich und führt vorbei am Weltkulturerbe Kloster St. Johann hinab ins Münstertal (Val Mustair) im Kanton Graubünden.

Streckengabelung Santa Maria (KM 77.7)

In Santa Maria befindet sich die Streckengabelung der vormals genannten A- und B-Strecke. Aus Sicherheitsgründen werden Radfahrer auf einem mittels Pylonen (rot-weiße Leitkegel)  erzeugten Zick-Zack-Kurs künstlich eingebremst. Bei der Rennbesprechung wurde ausdrücklich auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h hingewiesen. Dem Gebot sollte Folge geleistet werden, da eine Zuwiderhandlung mit Disqualifikation geahnet wird.

Achtung: die Schweizer Polizei kontrolliert penibel die Einhaltung der verkehrsrechtlichen Bestimmungen. Straßenverkersverstöße (z.B. Rotlicht-Missachtung, Überholen im Überholverbot, Überfahren einer durchgezogenen Mittellinie) werden dem Veranstalter mitgeteilt, was i.d.R. eine Disqualifikation nach sich zieht.

Während die Engadin-Strecke eine 48 km lange Schleife über den Ofenpass, das Inntal und die Norbertshöhe (426 hm) einschlägt, verläuft die Vinschgau-Strecke (Streckenteil II) via Laatsch direkt zurück nach Nauders.

Ofenpass

Eckdaten

  • Länge: 13,8 km
  • 774 hm
  •  Ø - Steigung 5.6%
  • Maximalsteigung 14.3% 

Gleich nach Ortsende von Santa Maria (1375m) schraubt sich die Straße knapp 14 km in die Höhe und überwindet dabei eine Höhendifferenz von 774 hm. Der moderate Anstieg zum Ofenpass (2 149 m) lässt sich flüssig kurbeln, denn die Ø-Steigung‎ beträgt nur ‎5,6 %. Von KM 4 bis KM 8 werden nur 100 hm bewältigt. Erst danach nimmt die Steigung wieder merklich zu (max. 10%). Die Passstraße verbindet das Münstertal im Kanton Graubünden mit Zernez im Engadin.

 Ofenpass

Der Ofenpass trägt seinen Namen wegen früherer Eisenschmelzen, die einst Eisenerze aus umliegenden Bergwerken verarbeiteten. Unweit der heute noch genutzten Wege sind deren Reste und Ruinen immer noch zu sehen, wobei die gemauerten Hochöfen besonders auffallen. Der damalige Bedarf an Holz war für Hütten wie Bergwerke enorm, weshalb ganze Wälder rund um den Pass abgeholzt wurden. Trotz späterer Aufforstungen sind die früheren Waldrodungen bis heute erkennbar.

Auf dem letzten Kilometer zur Passhöhe zieht die Steigung nochmals die Daumenschrauben an (10%). 

Ist der Ofenpass überschritten hat man auf der <Engadin-Strecke> des Dreiändergiro das Groß an Höhenmetern hinter sich gebracht.

An der Labe konnte man sich mit Energienachschub und Flüssgigkeiten eindecken.

Freundliche Helfer machen erlittene Qualen schnell vergessen.

Nun heißt es warm einpacken, um die 19 km lange rasante Abfahrt nach Zernez wohltemperiert zu absolvieren. 

Small Talk und ein vorgezogenes "Prosit". Bei guter Sicht erblickt man im Norden den Piz Nair (3010 m) und im Süden den Piz Daint (2969 m).

Ab Zernez (1 474 m) begleitet der Inn die Radfahrer bis zur Landesgrenze. Die Route führt weiter über Susch - wo ein Abzweig zum Flüela-Pass führt - nach Scuol. 

Die Hauptstraße nach Martina (1 035 m) - Grenzort im Schweizer Kanton Graubünden - weist ein stetig sanftes Gefälle auf.

 

Personen die hinter den Kulissen wertvolle ehrenamtliche Arbeit leisten. Deshalb gilt allen Helfern besonderen Dank, da ohne ihre Arbeitsleistung die Durchführung eines solchen Events schlicht und ergreifend nicht möglich wäre.

Die Symbiose zwischen ehrenamtlichen Helfern und den Sportlern ist von Freundlichkeit und Dankbarkeit getragen. 

Je länger man dem Inn flussabwärts folgt, desto mächtiger schwillt seine Wassermasse an. 

Die Gemeinde Scuol (1 290 m) liegt in der Region Engiadina Bassa/Val Müstair, des Schweizer Kantons Graubünden. 

Nachdem der Grenzübergang Martina (CH) passiert ist beginnt unmittelbar darauf der letzte Anstieg. Die gut ausgebaute Straße verbindet das Unterengadin mit Nauders. Dabei überwindet sie zur Norbertshöhe auf 11 durchnummerierten Kehren 426 hm. 

Die Norbertshöhe stellt mit einer Ø-Steigung‎ von 5.9 % - maximal  8 % - sicher kein unüberwindbares Hindernis dar. Dennoch sollte man sich psychisch auf den finalen Pass einstellen, weil der Wadelbeißer auf den letzten Kilometern vor dem Zieleieinlauf ganz schön piesackt.

Wird der Zenit auf der Norbertshöhe (1 461 m) überquert kann man gelassen nach Nauders (1 394 m) hinab rollen. 

Überragender Glücksmoment: nach stundenlanger körperlicher Verausgabung wohlbehalten die Ziellinie überqueren.

Offizieller Wertungs-Zielschluss: 17.00 Uhr.

Der Signalimpuls auf der Zeitmess-Kontakt-Matte bestimmt die Finisherzeit.

Der Radsport unterliegt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten. Hat einem die narkosierende Finisherfreude erst mal in Beschlag genommen wird man den Suchtbazillus so schnell nicht mehr los. Diesbezüglich droht beim Dreiländergiro in der Tat ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Das stetige Verlangen haben wir unserem neuronalen Belohnungssystem im Gehirn zu verdanken, das die Schaltkreise der Motivation aktiviert. 

Das Resümee der OK-Leitung um Karl Mall traf den Nagel auf den Kopf: "It was tough, but you were tougher". Keine Frage, eine gewisse Portion Masochismus gehört schon dazu sich solchen Strapazen freiwillig auszusetzen. Lohn der Müh sind glücksberauschende Gefühle.  

Im proppevollen Festzelt herrscht jedesmal ausgelassene Stimmung. Zu Recht dürfen sich alle Finisher als unbeugsame Heroes fühlen. 

Ergebnisse 2017

Der österreichische Titelverteidiger Daniel Rubisoier rauschte auf der 168 km langen "Engadin-Strecke" via Stilfserjoch, Umbrail- und Ofenpass abermals als Schnellster über die Ziellinie gefolgt von den Deutschen Christian Bohnenkamp und Wolfgang Voit. 

Absolute Überraschung war der erst 16 jährige Dominik Schranz, der bis zur Passhöhe am Stilfser Joch mit dem späteren Sieger gleich auf lag. Jürgen Schmid, vom Veloclub Regensburg gewann die Altersklasse Herren III. Ergebnisliste

 

 

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