Vinschgau-Streckenchronik

++Teil I Nauders - Santa Maria (KM 77.7) siehe Engadin-Strecke++

Streckenfacts Vinschgau

  • Nauders - Prad - Stilfserjoch - Münstertal - Nauders
  • Länge: 120 km, Steigung bis 20 %
  • Höhenmeter: 2.900

Streckencharakteristik 

++Fortsetzung Teil II: Santa Maria (KM 77.7) - Nauders (KM 120)++

Bei der kürzeren und vermeintlich leichteren Vinschgau-Route kommt das "dicke Ende" eigentlich erst zum Schluss. Abgesehen vom anspruchsvollen Hammeranstieg auf das Stilfser Joch ist das Schlussviertel von der Talsohle der Ortschaft Laatsch (976m) hinauf zum Reschenpass besonders für erschöpfte Fahrer der Casus knacksus. Nach 90 km und gut 2 100 Höhenmeter in den Beinen fordert der 24 km lange Abschnitt von Laatsch (KM 90) zur Reschenpasshöhe (Landesgrenze Italien/Österreich) ordentliche Kraftreserven, um die kumulierten Steigungen von 760 hm zu meistern. Vor allem kurze, steile Stiche erschweren bei dem unstetigen Profilcharakter ein rhythmisches Pedaillieren. Je nach körperlicher Verfassung sollte man sich nicht unbedingt von schnelleren Fahrern zu höherem Tempo verleiten lassen. Es gilt seine Kräfte sorgsam einzuteilen, um nicht kurz vor dem Ziel noch einzugehen. 

Werden die Gesamthöhenmeter ins Verhältnis zur Streckenlänge gesetzt, ist die Vinschgau-Strecke - abgesehen von der kürzeren Distanz - mit 24.2 hm/km im Vergleich zur Engadin-Strecke (19.6 hm/km) sogar die anspruchsvollere Variante.  

Streckengrafik mit Höhenprofil - Vinschgau-Strecke


Bewegen sie ihren Cursor auf dem Höhenprofil, wird interaktiv oben auf der Streckengraphik die geographische Position eingeblendet.

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Streckengabelung in Santa Maria Val Müstair

Beide Streckenvarianten des Dreiländergiro verlaufen von Nauders via Stilfser Joch bis zum Verzweigungspunkt in Santa Maria Val Müstair (1 411 m) im Bezirk Inn des Schweizer Kantons Graubünden deckungsgleich. Am Ortsbeginn zweigt die Vinschgau-Strecke (KM 78) rechts Richtung Laatsch ab, während die Engadin-Route eine 48 km längere Schleife über den Ofenpass und die Norbertshöhe einschlägt.

Das idyllische Münstertal verbindet den Schweizer Kanton Graubünden mit dem Vinschgau. Der größte Teil des Tales liegt in der Schweiz, lediglich die Gemeinde Taufers im Münster (1.240 m) gehört zu Südtirol. 

Die Strecke führt 4 km nach der Streckengabelung direkt am mittelalterlichen Kloster St. Johann (UNESCO Welterbe) der Benediktinerinnen in Müstair im Münstertal vorbei (1264 m). 

Bereits nach 18 km endet schon wieder das Déjà-vu in Graubünden (CH). 

Nur 1 km nach dem Kloster wird die Landesgrenze der Schweiz/Italien  überquert. An der Grenzstation haben Radfahrer des Dreiländergiro i.d.R. Freie Fahrt! Schwupp di wupp befindet man wieder im sonnenverwöhnten Vinschgau/Südtirol.

Die Landesgrenze zwischen Italien und der Schweiz ist auch eine Sprachgrenze. Während auf der Schweizer Seite rätoromanisch gesprochen wird, ist auf der italienischen Seite in Taufers Deutsch die erste offizielle Amtssprache.

Taufers im Münstertal (972 Einwohner) ist die westlichste Gemeinde Südtirols in Italien und liegt auf 1250 m über dem Meeresspiegel.

In Fahrtrichtung Reschenpass endet im Gemeindegebiet Taufers das ausladende Münstertal. Der Zeitpunkt ist gekommen sich mental auf eine längeren Steigungsabschnitt einzustellen.

Kurz vor Laatsch ist auf 976 m Höhe die Talsohle erreicht. Von hier ab beginnt das Höhenniveau wieder zu steigen.

Es ist vor allem die anmutende Naturlandschaft über alle Vegetationszonen hinweg die den Dreiländergiro in der Radsportszene so begehrt machen. Ein hochkarrätiger Trumpf, mit dem nur wenige Radmarathons gesegnet sind.  

Bis kurz vor Laatsch im Vinschgau (KM 89) wird die Straße SS 41 befahren. Dann mündet die Route auf den Etschradweg, der 22.5 km bis kurz vor der Landesgrenze am Reschenpass befahren wird.

Die auffällig gelben Hinweisschilder <GIRO> weisen den Weg. 

Der beliebte Etschradweg zieht viele Radtouristen an. Vorbei an den Orten Schleis und Mals wird Kurs auf Burgeis genommen. 

Die Route passiert kurz vor Burgeis im Vinschgau die in malerischer Hanglage gelegene barocke Benediktinerabtei Marienberg (12. Jh.) sowie die hochmittelalterliche Fürstenburg (13. Jh). Burgeis ist eine Fraktion der Gemeinde Mals und liegt am Oberlauf der Etsch auf 1216 m Höhe.

Häufig sind an Abbiege- oder Verzweigungsstellen Streckenposten positioniert, um den Giro-Teilnehmern den Weg zu weisen.

 

Die Steigungen auf dem Etschradweg sind nicht ohne, andererseits begeistert die ausgesprochen gute Asphaltqualität. 

Bergauf befinden sich "Giroradler" auf ihren letzten Kilometern im Wettbewerb, während bergab jede Menge E-Biker locker hinab rollen.

Die letzten Steigungsabschnitte vor dem finalen Streckenzenit des Reschenpasses tun naturgemäß nach fast 3 000 Höhenmeter in den Beinen weh. Andererseits registriert der Kopf sehr wohl, dass das "Leiden" schon sehr bald sein Ende hat.

Auch wenn der Radweg eindeutig den Streckenverlauf vorgibt bestätigen zusätzlich gelbe Giro-Schilder, dass man auf dem richtigen Weg fährt. 

Die plätschernde Etsch fließt am Oberlauf noch ungezähmt dahin.  

 Wasserscheide

Im obersten Abschnitt des Etschtals südlich vom Reschenpass durchfließt die Etsch - mit 415 km der zweitlängste Fluss in Italien - den Reschensee (1498 m) und Haidersee (1450 m) und gelangt danach auf erheblichem Gefälle die Talsohle von Glurns 894m). Weiter durch den Vinschgau ostwärts fließend erreicht sie den Meraner Talkessel wo die Passer in die Etsch mündet. Da die Staatsgrenze am Reschenpass nicht mit Wasserscheide deckungsgleich ist umfasst das Gemeindegebiet Reschen auch Regionen der nördlichen Passrampe, welche vom Valmiurbach Richtung Inn entwässert wird.

Die Stille und Abgeschiedenheit des Haidersees kann man verkehrsbefreit auf der kurvigen Radwegtrasse in vollen Zügen genießen. Da gerät das "Wettkampfstreben" zeitweise glatt in Vergesseneheit.

Da der Straßenverkehr entlang der gegenüberliegenden Uferseite verläuft wirkt die Stille in der Naturlandschaft absolut inspirierend. 

Trotz aller Naturschönheit muss man sich auf dem relativ schmalen und kurvenreichen Radweg auf's Fahren konzentrieren. Hinter jeder unübersichtlichen Kurve kann unvermittelt Begegnungsverkehr (Radfahrer, Fußgänger) auftauchen. Deshalb sollten uneinsehbare Kurven tunlichst nicht geschnitten werden.

Ein kurzer, fein gekiester Abschnitt erfordert zusätzliche Konzentration. 

In der Retro-Perspekive bäumt sich das gewältige Ortler-Massiv auf.

Das Sahnehäupchen zum Abschluss: verkehrsbefreit führt der schlängelnde Etschradweg (345 km langer Fernradweg Landeck-Verona) entlang des Haidersees und dem smaragdgrünen Reschensee zum Grenzort Reschen. 

Die herrliche Aussicht lässt die Blicke schweifen was gottlob ein wenig von der schweißtreibenden Kurbelarbeit ablenkt. 

Die kurvige Strecke entlang der idyllischen See- und Berglandschaft setzt der Vinschgau-Route die Krone auf. Nachdem man 2 km entlang des Haidersees radelte erreicht man weitere 2 km die große Staumauer des Reschensees (KM 105).

Kurz hinter dem schmucken Örtchen St. Valentin auf der Haide das in idyllischer Lage eingebettet zwischen dem Haidersee und Reschensee am Reschenpass liegt radelt man direkt der großen Staumauer des Reschensees entgegen.

Die Psyche registriert wohlwohllend, dass mit dem Höhenlevel am Reschensee bis auf kleinere Kuppen keine Steigungen mehr zu erwarten sind. Zum Grenzort Reschen genießt man knapp 8 km eine traumhafte Galasicht über den smaragdgrünen Reschensee.  

Auf dem Schlussabschnitt ist das Teilnehmerfeld natürlich längst zersplittert, weswegen man in aller Regel meist nur noch auf "versprengte" Einzelfahrer trifft.

 Reschenpass

Der Reschenpass (Passo di Resia) auf 1 507 m Höhe markiert die Wasserscheide zwischen Donau (Schwarzes Meer) und Etsch (Mittelmeer). Die Passhöhe war Teil der um das Jahr 50 eröffneten Römerstraße Via Claudia Augusta. Bis zum Bau der Via Raetia im 2. Jahrhundert n. Chr. war die Römerstraße die Hauptverbindungsachse zwischen Italien und Augsburg. Sie war die erste befahrbare Straße über den Reschenpass, dessen Verbindung auch im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein zu den wichtigsten historischen Alpenübergängen zählte.

Nachdem der kleine Grenzort Reschen durchquert bzw. der Reschenpass (Passo di Resia) auf 1 507 m Höhe überquert ist folgt zum Schluss die sanfte Abfahrt nach Nauders. 

Ortsschild in der Rückwärtsperspektive. Hier wird Abschied vom idyllischen Reschensee genommen. 

Bild oben: während die Giro-Radler auf dem Etsch-Radweg Freie Fahrt haben, quält sich rechtsseitig derweil dichter Verkehr auf der grenzüberschreitenden Hauptstrasse. 

Etwa 400 m vor der Staatsgrenze am Reschenpass (I) endet die Radwegetrasse, worauf auf die SS40 Hauptstrasse eingebogen wird. Der 5 km lange Abschnitt auf der abschüssiges Bundesstrasse B 180 wurde  bereits frühmorgends in entgegen gesetzter Fahrtrichtung befahren.

Ein letzter Überholvorgang, bevor Nauders das Finish einläutet.

Kommt das Ortsshild Nauders zugeflogen, folgt die Glückshormonausschüttung auf den Fuß.

The work is done:-)

Für jeden leidenschaftlichen Radsportler ist die Zieldurchfahrt der krönende Abschluss eines kräftezermürbenden Radmarathons.

Geschafft!

Sofern das Wetter mitspielt lässt es sich im Zielgelände wunderbar "abhängen".

Das Zielgelände befindet sich direkt unterhalb der landesfürstlichen Gerichtsburg (14. Jahrhundert). Seit 1980 ist das Schloss Naudersberg in Privatbesitz und beherbergt ein sehenswertes Museum.

Endlich darf zum gemütlichen Teil des Tages übergegangen und die leer gefegten Kohlenhydratspeicher mit leckerem Essen und Getränke befüllt werden. 

Hunderte ausgemergelte Radler fläzen sich auf der Wiese im Zielgelände. Abschalten, zur Ruhe kommen, das Erlebte Revue passieren lassen und stolz auf seine erbrachte Leistung sein. Jeder Finisher ist beim Dreiländergiro ein Sieger!

Von Stunde zu Stunde füllt sich das Festzelt, wo nach Zielschluß die Siegerehrungen vorgenommen werden.