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Streckenchronik

Wenn der Wecker um 4.30 Uhr schrillt, muss alles schnell gehen. Kultivieren, dressen, frühstücken und finaler Check, ob Transponder, Startnummer und Beleuchtung montiert sowie Windweste, Ersatzschlauch, Pumpe, Trinkflasche, Energieriegel usw. eingepackt ist. Und ab geht's in der Dunkelheit zur Startaufstellung. Während sich ambitionierte Topfahrer vorne im Starterfeld platzieren, reiht sich die breite Masse der Hobbyfahrer brav dahinter ein.    

Wer kennt ihn nicht? Natürlich fehlt Stefan Kirchmair - ehemaliger U23- und Elitefahrer sowie zweifacher Ötztal-Radmarathon-Sieger - samt Crew in schwarz-gelbem Teamoutfit bei populären Radsport-Radmarathons wie dem Highlander nicht.

Der Startschuß für die größte Radsportveranstaltung in der Bodensee-Region fällt punkt 6.00 Uhr auf dem Schlossplatz in Hohenems. Gemächlich schlängelt sich der endlos lange Radler-Bandwurm in Schrittgeschwindigkeit stadtauswärts. Doch rasch wird auf der flachen Radetzkystraße zügig Fahrt aufgenommen, sodass der Tacho je nachdem wieviel Bums in den Beinen ist auf flotte 45-50 km/h hoch schnellt. Ein 7 km langes "Warm Up", das den Körper vor Beginn des ersten Anstiegs bei Dornbirn auf Betriebstemperatur bringt.

Klappe die Erste - Das Bödele (1 140 m) 

Nach Überquerung der Dornbirner Ach, führt die Strecke über die Sebastianstraße schnurstraks in die Bödelestraße (L 48). Plötzlich ist sozusagen das erste "Bergzeitfahren" des Tages eröffnet  Aus den Niederungen des Rheintals (433 m) schraubt man sich stetig hinauf auf's Bödele (1.140 m). 

Sicherlich nicht einfach quasi von Null auf Hundert im abrupten Anstieg gleich seinen Rhythmus zu finden wiewohl die Versuchung groß ist sich im hektischen Getümmel übermotiviert zu verausgaben. Dabei tut man gut daran einen kühlen Kopf zu bewahren und mit seinen Kräfte zu haushalten, damit nicht schon von Anfang an die Luft raus ist.

Es spielt keine Rolle, ob man mit Powermeter wattzahlorientiert an seiner Schwellenleistung fährt bzw. sich an der Herzfrequenz orientiert oder sich auf sein Körpergefühl verlässt, die gleichmäßige Steigung macht es einfach seinen rhythmischen Kurbeltritt zu finden.

Soviel steht fest: Schweißtropfen schwemmen die Sandmännchen hinauf auf's Bödele (1.140 m) rasch aus die Augen. Als Gegenleistung bekommt man des öfteren ein phantastisches Panorama über den Bodensee und Bregenzerwald geboten. Ab Oberfallenberg (739 m ü. M.) dürfte sich der Puls allmählich auf der anvisierte Schlagzahl stabilisiert haben.

Ammenegg liegt bereits auf gut 900 Meter Höhe. Der Sonnenaufgang taucht um diese Uhrzeit den Bregenzerwald und den glitzernden Bodensee in ein rosenfarbiges Licht- und Schattenspiel, was eine beruhigende Wirkung auf die Psyche enfaltet, währenddessen der Körper seine Leistung zu erbringen hat. Beeindruckende Momente und inspirative Ausblicke lenken ein wenig ab, stärken die Willenskraft und setzen schlußendlich wieder neue Energie frei.

Bei guten Wetterbedingungen bieten sich immer wieder phantastische Ausblicke auf den Bodensee bzw. Bregenz. 

Nach 8 km Bergfahrt und einer Höhendifferenz von 720 m (Ø-Steigung 8.4%i) ist der Scheitelpunkt erreicht. Der Anstieg wird seiner Selektierungsfunktion gerecht, indem er den dichten Starterpulk bereits in seiner Anfangsphase des Wettbewerbs in leistungsadäquate Gruppen zersplittert hat.

Auf der Passhöhe (KM 16) genießt man eine fantastische Aussicht über den Bregenzer Wald. Das Bödele ist Sommer wie Winter ein beliebtes Naherholungsgebiet am Losenpass. 

Zufalls-Snapshot: Simultangriff zum Energy-Nachschub:-) 

Frühmorgens sind in aller Regel die Temperaturen noch relativ frisch. Da man bei dem Anstieg leicht ins Schwitzen kommt droht man in der folgenden Abfahrt rasch auszukühlen. Sicher nicht verkehrt, sich eine Windweste über zu ziehen, auch wenn es ein Gefummel ist.

Die Strecke ist übersichtlich beschildert bzw. Gefahrenstellen vorbildlich durch Streckenposten abgesichert. 

Flachetappe Schwarzenberg - Schröcken

Nach der Talfahrt erreicht man Schwarzenberg (696 m.ü.M.).  

Ab der Einmüdung in die Bregenzerwaldstraße ((L 200 KM 23) bietet die 20 km lange Flachetappe nach Schoppernau ideale Windschattengelegenheit. Sozusagen eine strategische Schlüsselstelle, wo man mit Umsicht und ein wenig Glück eine schnelle Gruppe erwischen kann. Dies spart nicht nur Energie sondern auch wertvolle Zeit. Schließlich möchte man am Fuße des Hochtannbergpass einigermaßen frisch ankommen. Doch Obacht, Tempoverschärfungen wollen gut überlegt sein, denn allzu schnell kann sich eine Leistungsexplosion zum Rohrkrepierer entwickeln. Wer überzieht und über seiner Schwellenleistung (anaerob) fährt hat später mit Laktak zu kämpfen. Bis Schröcken (KM 53) radelt man entlang der rauschenden Bregenzer Ach. 

Auf der Flachetappe rollt es gut.

Da in dem flachen Gelände richtig Dampf gemacht wird, verringert sich dementsprechend der Luftwiderstand beim Windschattenfahren, d.h. die nötige Luftwiderstandskraft wird entweder bei gleicher Geschwindigkeit bis zu 30 Prozent geringer, oder andersherum steigt bei gleichbleibender Luftwiderstandskraft die Geschwindigkeit. Wie auch immer, sofern harmonisch gekurbelt und die Führungsarbeit leistungsadäquat auf alle Fahrer verteilt wird  profitiert jeder Einzelne von der teamorientierten Zusammenarbeit. 

Je nachdem wie leistungsfähig die Führungsfahrer dem Gegenwind Paroli bieten bzw. wie harmonisch die Gruppe agiert, kann man in diesem Streckenabschnitt viel Zeit gut machen oder aber als Solist viel Zeit und Energie verlieren.

Bei Tunneldurchfahrten kommt bisweilen ein beklemmendes Gefühl auf. Der eigenen Sicherheit wegen ist es von daher wichtig defensiv mit gewissem Sicherheitsabstand zu fahren.

Die gleichmäßig sanfte Steigung erlaubt einen guten Rhythmus.

In Au (KM 40) befindet sich die erste Verpflegungsstation. Das Hinweisschild auf die Labestation nimmt die Psyche wohlwollend zur Kenntnis. Während sich die breite Masse an der Verpflegungsstelle tummelt rauschen Teilnehmer die auf Zeitenjagd sind und keine wertvollen Sekunden verlieren einfach vorbei.

Schwuppdiwupp schnell einige Energy-Snacks vertilgt und/oder in die Trikottasche gesteckt, Trinkflasche aufgefüllt und weiter geht's. 

Ab Schoppernau (KM 43) nimmt das Steigungsniveau allmählich zu.

Klappe die Zweite - Der Hochtannbergpass

Das zweite Kaliber des Tages - der Hochtannbergpass - weist mit 903 m Höhenunterschied die größte unterbrechungsfreie Steigung auf. Im Schlussdrittel ziehen bis zu 15% giftig steile Rampen bis zur 1.675 m hoch gelegenen Passhöhe gehörig die Daumenschrauben an.

Schröcken (KM 53) ist eine vom Tourismus geprägte Gemeinde, gelegen unterhalb der 2.483 m hohen Juppenspitze und der 2.544 m hohen Mohnenfluh im Bezirk Bregenz am Tannberg. Die Hochsiedlung im Quellgebiet der Bregenzer Ach liegt direkt am Fuß des Hochtannbergpasses. 

Der Hochtannbergpass trennt die Allgäuer Alpen vom Lechquellengebirge und verbindet das Tal der Bregenzer Ach bei Schopperna mit dem Lechtal bei Warth.

 

Landschaftlich ist dieser Streckenabschnitt der reinste Augenschmaus. Wer sich seine Kräfte gut einteilt sollte mit der Ø Steigung von 7.1%) keine Probleme haben. Kraftreserven sind immer gefragt, zumal die Maximalsteigung von 14% die Daumenschrauben spürbar anzieht.

Markant sticht die Pfarrkirche "Unsere Liebe Frau Mariä Himmelfahrt" in Schröcken aus dem schmucken Ortsbild hervor. 

Für Radsportler grundsätzlich ein positives Momentum, talwärts nachfolgende Fahrer zu beobachten. Dies lenkt - wenn auch nur für wenige Sekunden - von der körperlichen Belastung ab und steigert zudem die Moral. 

Was es nicht alles gibt: geografisch gehört Schröcken zum Bregenzer Wald, geschichtlich zum Tannberg und touristisch zum Arlberg. Von hier im hintersten Bregenzerwald führt die Hochtannbergstraße hinüber nach Warth ins Lechtal.

Die Hochtannberg-Passstraße schraubt sich immer weiter nach oben und verlässt Meter um Meter die Baumgrenze. 

"Spielchen" die jeder Radsportler hundertfach erlebt: entweder überholt man Kontrahenten was das (angeschlagene) Nervenkostüm aufbaut, oder man wird überholt was einem mental zurück wirft. 

Es gibt auch richtig schnelle Damen, die den Herren der Schöpfung gerne gehörig einheizen. 

Mehrere Großparkplätze zeugen von florierendem Tourismus. So bildet das Skigebiet Schröcken-Strolz gemeinsam mit der Nachbargemeinde Warth eine bedeutende Skiregion, welche 2013 dem Skigebiet Arlberg angegliedert wurde.

Es ist vollbracht. Bei Kilometer 58 km ist der 1.675 m hohe Hochtannbergpass bezwungen. Die reinste Wohltat, wenn nach kilometerlanger Schinderei sich die Strecke endlich abflacht. Es folgt eine kurze Abfahrt (180 Tiefenmeter) nach Warth, wo die Bregenzerwaldstraße (L 200) in die Lechtalstraße (L 198) einmündet.

Die Getränkestation befindet sich am Ortseingang von Warth (KM 62). 

Die Lechtalstraße schlängelt sich entlang des Lechs zum mondänen Wintersportort Lech am Arlberg.

Innerhalb weniger Minuten ist der Nobel-Skiort Lech durchquert. Kaum vorstellbar: die rund 1500 Einwohner zählende Tourismusgemeinde beherbergt in der Hochsaison mehr als 14.000 Personen. Der Ort ist im übrigen ein beliebtes Mountainbike-Revier, das u.a. von Transalp-Routen durchquert wird (z.B. Heckmair- und Joe-Route). 

Klappe die Dritte - Der Flexenpass (1 773 m)

Am Ortsende von Lech am Arlberg beginnt die Auffahrt zum Flexenpass. Bei der moderaten Ø - Steigung von 4.2% ist der Höhenunterschied von 326 Metern relativ schnell überwunden.

Das monströse Biomasse Heizwerk wurde wegen ausgeprägter Inversionswetterlagen im Winter mit deren entstehenden Luftschadstoffbelastungen sowie zur Infrastrukturverbesserung für die Wärmeversorgung errichtet.

Üppige Gebirgsvegetation auf ca. 1.600 m Höhe. 

Zürs (1.713 m.ü.M.) ist der nächste renommierte Wintersportort, doch im Gegensatz zu Lech herrscht hier außerhalb der Wintersaison "tote Hose". Hotels und Beherbergungsbetriebe haben i.d.R. von Ende April bis Ende November geschlossen. Seit dem Bau der Flexenstraße (1897) blühte der Wintertourismus in Zürs auf. 

Langsam pendelt die Steigung gen Null. Auch wenn der Streckenabschnitt sanft ansteigend durch Lawinengalerien hindurch führt und nur einen Höhenunterschied von 326 hm aufweist bildet die Flexen-Passhöhe (1.773 m) dennoch den Streckenzenit des Highlanders.

 

Der Flexenpass verbindet das obere Lechtal zwischen Warth, Lech und Zürs mit dem Klostertal bei Stuben.

Wer nicht unter akutem Zeitdruck steht gönnt sich an der zweiten Labestation (KM 77) in der herrlichen Umgebung in aller Ruhe eine inspirierende Schaffenspause. Nur drei Kilometer östlich der Passhöhe befindet sich zwischen den Bundesländern Tirol und Vorarlberg die Valluga (2809 m), höchster Gipfel des Arlberggebiets.

Nun kann man sich mit Flüssigkeit und Energienachschub versorgen. Der Flexenpass verbindet das obere Lechtal mit dem Klostertal und bildet die europäische Wasserscheide zwischen Donau und Rhein. Nur wenige Kilometer östlich befindet sich die Grenzlinie zwischen Vorarlberg und Tirol.

Wenige Minuten Auszeit reichen aus sich zu sammeln, die Beinmuskulatur zu lockern und den Kopf ein wenig frei zu bekommen. 

Klostertal

Das Klostertal öffnet sich östlich des Gebietes der Bezirkshauptstadt Bludenz und zeichnet sich durch die steil aufragenden Gebirgszüge des Lechquellengebirges und des Verwalls aus. Die Alfenz durchfließt das Klostertal von Stuben am Arlberg bis zur Mündung in die Ill bei Bludenz. Die Talsohle steigt kontinuierlich an, was sich darin ausdrückt, dass die Seehöhe der Siedlungsräume zwischen 600 m im Westen und 1.400 m im Osten liegt.

Selbst das Weidevieh beäugt neugierig vorbeiziehende Radfahrer. Was folgt ist eine schier endlos lange kurvenreiche - aber auch gefährliche Abfahrt durch mehrere schlecht beleuchtete Tunnel Richtung Stuben. 

An der Straßenverzweigung nach der Flexengalerie mündet die Lechtaler Straße in die Arlbergstraße, die Richtung Stuben (KM 81 / 1.410 m) durch das Klostertal verläuft. Das alpine Tal erstreckt sich vom Arlberg an der  Landesgrenze zu Tirol rund 30 km westwärts bis nach Bludenz. Das Klostertal besteht aus den Gemeinden Klösterle am Arlberg, Dalaas und Innerbraz sowie den Bludenzer Orten Bings, Radin und Außerbraz. 

Kurz hinter der Ortschaft Langen wird die Grosstobel-Galerie durchfahren.

Die Gefällstrecke gibt der Beinmuskulatur eine vorübergehende Erholungszeit, doch dafür muss der Kopf hoch konzetriert bei der Sache sein. Bis zur Gemeinde Klösterle ((KM 87) 1.073 m) wurden seit der Flexenpasshöhe 700 Tiefenmeter in Bewegungenerie umgewandelt. Das abflachende Gefällniveau bietet rund 25 km bis nach Bludenz gute Gelegenheit windschattengeschützt in der Gruppe zu fahren. 

Im Hinblick auf die noch zu erbringende Ausdauerleistung ist es nie verkehrt sich im Feld ein wenig zu "verstecken". Aufgesparte Körner kann man zu späterer Stunde sicher gut gebrauchen. 

Im Schnelldurchlauf werden die schmucken Ortschaften Danöfen (KM 89) 1 020 m und die Gemeinde Dalaas (KM 94) auf 835 m Höhe passiert. 

Auch das gibt es beim "Highlander" - entgegen kommende Radlergruppen die das Klostertal bergwärts Richtung Arlberg befahren. 

Um dem Luftwiderstand die kleinstmögliche Angriffsfläche zu geben wird in aeorodynamischer Sitzposition auf der sanften Gefällstrecke ordentlich Dampf gemacht.  

Parallel zur Arlberg Schnellstraße fliegt man förmlich der Stadt Bludenz entegegen. Ebenso rasch schmilzt das Höhenlevel dahin. So liegt die Gemeinde Innerbraz nur noch 708 m hoch.

Schlag auf Schlag werden Bings, Radin und Außerbraz - Ortsteile der Stadt Bludenz - passiert. 

Bludenz (KM 111) ist mit knapp 15 000 Einwohner die sechstgrößte Gemeinde in Vorarlberg und am Eingang der drei Täler Klostertal, Montafon und Brandnertal ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Das Höhenlevel beträgt nur noch 588 m, demzufolge wurden von der Flexenpasshöhe auf der 35 km langen Strecke fast 1 200 Tiefenmeter gemacht.

Die Streckenführung durch Bludenz ist unkompliziert was auch der übersichtlichen Ausschilderung bzw. Streckenposten zu verdanken ist.

 

Schon von weitem sticht die denkmalgeschützte Stadtpfarrkirche Hl. Kreuz - eine römisch-katholische Kirche - ins Auge.

Vorbei am Riedmiller-Denkmal (Bernhard Riedmiller -1757 - 1832 - war ein Gastwirt in Bludenz und gehörte zu den Aufständischen des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer.

Die dritte Labestation befindet sich in Ludesch (KM 117). 

Die letzte Labe wo sich die Teilnehmer beider Strecken gemeinsam verpflegen. Nur unweit von hier befindet sich die Verzweigungsstelle wo sich die Routen voneinander trennen. 

Klappe die Vierte - Das Faschinajoch 

Wegen einer Baustelle in Raggal wurde die Highlander-Strecke 2018 abgeändert, weshalb sich die Streckengabelung in Thüringen (KM 118 /563 m) befand. Anstelle in Ludesch ins Großwalsertal Richtung Raggal abzuzweigen, verlief die Ausweichroute über Thüringerberg, St. Gerold, Blons Richtung Sonntag, von wo sich die Original-Strecke fortsetzte. Achtung: für Highlander-Teilnehmer besteht an der Streckengabelung eine Karrenzzeit. Wer diesen Streckenpunkt bis spätestens 12.30 Uhr nicht passiert, wird auf die Tour »Rund um Vorarlberg“« umgeleitet. 

 Völlig normal, wenn sich die Strapazen nach rund 2 300 Höhenmeter allmählich bemerkbar machen. An der Streckengabelung hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit seine persönliche Richtungsentscheidung zu treffen. Wer sich physisch "angezählt" fühlt und keinen richtigen Druck mehr auf's Pedal bringt für den ist die "Tour »Rund um Vorarlberg“« sicher der bessere Weg. Bevor Sinnfragen das Gehirn zermartern und die faszinierende Bergkulisse vor körperlicher Verausgabung nicht mehr wahrgenommen wird, ist es vernünftiger die kürzere Variante zu wählen. 

Für die Fahrer der Langstrecke beginnt landschaftlich zwar ein beeindruckender - allerdings auch ein kräftezehrender Abschnitt. Der 21 km lange Anstieg auf das Faschinajoch ist ein echter Kraftakt. Im Prinzip der Ca­sus knack­sus, weil man nach 118 km gut 2 300 hm in den Beinen hat und die teils giftigen Rampen umso mehr schmerzen. Rechnet man die Höhenmeter des Furkajochs hinzu - das sich nahtlos ans Faschinajoch anschließt, dann kumulieren sich samt Gegengefälle gut 1.510 hm auf. Damit stellen die beiden Pässe Faschinajoch (1.486 m) - welches das Große Walsertal mit dem Bregenzer Wald verbindet - und das Furkajoch (1.760 m) im Schlussabschnitt die größte Herausforderung dar.

Das etwa 25 km lange Große Walsertal befindet sich zwischen dem Bregenzerwaldgebirge im Norden und dem Lechquellengebirge im Süden und Osten, deren Gemeinden sich zum Biosphärenpark Großes Walsertal zusammengeschlossen haben. Biosphärenparks sind Modellregionen für nachhaltiges Leben und Wirtschaften, die die landschaftlichen Schätze als Grundlage für die Entwicklung von Tourismus, Wirtschaft und Lebensqualität erhalten sollen. Das Motto im Biosphärenpark Großes Walsertal lautet: "Die Natur zu nutzen, ohne ihr zu schaden."

Nach der Streckengabelung geht es für die "Langstreckler" ans Eingemachte. Obwohl der Anstieg insgesamt nicht giftig steil ist, zwingt er dennoch so manchen Hasardeur an seine körperlichen Grenzen zu gehen.  Anfangs zwischen 9 und 11% steil - unterbrochen von  einer kurzen „Flachpassage“ - setzt sich der zweistellige Prozentbereich nach Fontanella fort. 

Appelle, die die Motivation pushen.

Das Große Walsertal befindet sich in den nördlichen Kalkalpen zwischen den Untergruppen des Bregenzerwaldgebirges (im Norden) und des Lechquellengebirges (im Süden und Osten). Nacheinander radelt man von der Talsohle durch die Gemeinden Thüringerberg, Sankt Gerold, Blons, Fontanella und Sonntag.

Geteiltes Leid ist halbes Leid bzw. geteilte Freude ist doppelte Freude sagt der Volksmund...

Sicherheit geht vor - ein offizielles Streckenfahrzeug

Das Groß-Walsertal ist bekannt für seinen schmackhaften Käse. 

Über die Ortschaften St. Gerold, Blons - Sonntag - Oberbuchholz führt die Straße nach Fontanella (1145 m).

Sofern die sattgrünen Berghänge im Großen Walsertal bei Kaiserwetter in anmutender Schönheit erstrahlen, lenken schweifende Blick von Zeit zu Zeit ein wenig von den körperlichen Qualen ab. 

Der schweißtreibende Anstieg lässt besonders bei hohen Temperaturen den Flüssigkeitsbedarf in die Höhe schnellen. Man tut gut daran an der Getränkestation (877 m) in Sonntag-Garsella (KM 134) ausgiebig zu trinken und seine Trinkflaschen aufzufüllen, um nicht bis zur nächsten Labe in Damüls (550 hm)  sich der Gefahr einer Dehydration auszusetzen. 

Bei dem Ortsschild Sonntag (KM 132) mag einem in den Sinn kommen, dass gewöhnlicherweise in vielen Ländern gesetzliche Einschränkungen der Sonntagsarbeit bestehen und die Sonntagsruhe gesetzlich geregelt ist. In Deutschland ist dieses Recht sogar verfassungsrechtlich geschützt (Art. 140 GG). Ironie des "Schicksals": es soll Menschen geben, die ausgerechnet Sonntags aus ihrer Komfortzone heraustreten und die Challenge am Leistungslimit suchen und dabei auch noch Spaß empfinden:-). Radsport ist eben eine Leidenschaft die nur Aktive selbst in ihrer Gänze verstehen können.

Wer gedankenversunken zäh nach oben kurbelt und stellenweise vergisst warum er sich das antut: das Highlander-Plakat ruft es in Erinnerung.

Das Biosphärenparkhaus hat einen Laden, in dem zahlreiche Produkte aus dem Biosphärenpark Großes Walsertal erhältlich sind sowie eine Biosphärenparkausstellung. Mit seinem bunten Mosaik aus abwechslungsreichen Natur- und seit Jahrhunderten aufwändig gepflegten Kulturlandschaften ist das Große Walsertal ein schützenswertes Naturjuwel, dem die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenpark gerecht wird.

Die schwach befahrene Faschinastraße steigert den Naturgenuss. 

Die Idyllle und herrschende Ruhe wird trotz aller Anstregung ein stückweit wahrgenommen.

Des öfteren sieht man Radfahrer am Streckenrand, die Durchschnaufen bzw. die malträtierte Beinmuskulatur dehnen und lockern.

Je mehr man sich dem nordöstlichen Ende des Großen Walsertals nähert, desto beeindruckender wird die Aussicht.

Kurve um Kurve schraubt man sich nach oben. Das weitläufige Gebiet und von einzelnen Streusiedlungen,  Wald- und Weideflächen durchsetzt. 

Leichte Schlangenlinienfahrt nimmt der Steigung etwas an Schärfe.

Fontanella  1145 m ü. Im Ort Kirchberg sticht vor einer Kehre die barocke Pfarrkirche Fontanella des Hl. Sebastian ins Auge (erbaut 1664-1673). 

Fontanella ist das höchstgelegene Gebirgsdorf des „Biosphärenparks Großes Walsertal“.Der Ortsname leitet sich von einem romanischen Wort, der Verkleinerungsform von „fontana“ (= Brunnen, Quelle) ab.

Das Ortsschild zeigt, dass das Faschinajoch bald bezwungen ist.

Die Baumgrenze macht auch klar, dass die Passhöhe nicht mehr allzu weit entfernt sein kann.

Der Blick zurück bzw. nach unten zeigt die Ausfahrt aus der Hahnenköpfle-Galerie.

Ein freundlicher "Fan" mit Rassel am Streckenrand. Unglaublich, welch Freude diese Aufmerksamkeit bereitet.  

Mondäne Hotelbauten zeugen von florierendem Tourismus. 

Der vierte Pass des Tages - das Faschinajoch (1.486 m) ist nach einer Gesamtstrecke von 139 km in trocenen Tüchern. Das baut die Moral auf. Jedem dürfte in diesem Moment ein Stein vom Herzen fallen, da die restlichen Höhenmeter auf das Furkajoch im Vergleich zu dem was bereits absolviert wurde recht überschaubar ist. Faschinajoch leitet sich von ‚Fassia‘ ab, was so viel wie "ein Streifen Wiese" bedeutet. Der höchste Gipfel in der Umgebung ist das Zafernhorn (2.107m).

Während die Faschina Straße (L 193) der Rechtskurve Richtung Bregenz folgt zweigt die Furkastraße (Landesstraße L 51) nach Damüls links ab. Die Laternser- bzw. Furkastraße verbindet Damüls - via Furkajoch - die Orte Rankweil und Laterns miteinander.

Das Bregenzerwälderdorf Damüls ist auf 1423 Metern Höhe der höchstgelegene Urlaubsort zwischen dem Bregenzerwald und dem Großen Walsertal. Die Gemeinde befindet sich im Tal des Argenbachs, eingebettet zwischen den Damülser Bergen im Norden, der Zitterklapfengruppe des Lechquellengebirges sowie der Glatthorngruppe am Faschinajoch im Süden.    

Im Blickfeld die letzte Labestation in Damüls (KM 142). Gelegenheit, vor dem finalen Anstieg auf's Furkajoch seine Glucosespeicher nochmals nach zu füllen und sich mit Proviant für die Schlussetappe zu wapnen.

Nun steht der letzte Anstieg auf das Furkajoch (1761 m) bevor. 

Touristische Wegweiser zeigen, dass am Faschinajoch sowohl Winter- als auch Sommertourismus angesagt ist.

Klappe die Fünfte - Das Furkajoch 

An und für sich ist die sanfte 8 km lange Auffahrt mit einer Ø Steigung von 5% auf Österreichs westlichsten Alpenpass (1.760) nicht allzu schwer, doch in Anbetracht schwindender Kräfte signalisiert das Körperempfinden etwas anderes. Zu guter Letzt hängt es an der intakten Moral um letzte Kraftreserven zu mobilisieren. 

Katholische Pfarrkirche Damüls hl. Nikolaus: Die Kirche liegt in exponierter Lage über der Siedlung und ist im SW vom Friedhof umgeben. Sie wurde an Stelle einer 1392 urkundlich erwähnten Kapelle im gotischen Baustil 1484 von Rolle Maiger aus Röthis neu aufgebaut und zwischen 1693 und 1733 barockisiert.

Zwei längere Teilstücke mit 12% Steigung piesacken nochmal richtig, bevor der Anstieg abflacht. 

Nach kurzem Gegengefälle beginnt mit der 7 km langen Auffahrt auf's Furkajoch (1.760) das große Finale der Pässegala. Österreichs westlichster Alpenpass stellt mit 370 hm sicher kein unüberwindbares Hindernis dar, doch je nach körperlicher Verfassung  kann sich das Furkajoch durchaus zum finalen Kraftakt entpuppen.

Die Organisatoren haben ihre "Schäfleins" nicht vergessen. 

Bereits mehrere Kilometer vor dem Furkajoch erblickt man bereits die Passhöhe am Horizont.

Das landschaftliche Schmuckkästchen des Vorarbergs erstrahlt hier oben in voller Pracht was gewissermaßen eine Entschädigung für die kraftraubende Kurbelarbeit ist.

Nochmals Hochgebirgsluft schnuppern, bevor es wieder in die Niederungen des Rheintals geht.

Das Furkajoch (KM 149) - summa summarum wurden seit dem Start 4.000 Höhenmeter bezwungen. Der Lohn folgt auf den Fuß, denn die 33 km lange Zielfahrt nach Hohenems sorgt mit satten 1 320 Tiefenmetern für reichliche Glückshormonausschüttung.

Nun wird die hart erarbeitete potentielle Energie in Bewegungsenergie umgewandelt. Der Lohn folgt also auf den Fuß, denn nun genießt man Fahrspaß. Allerdings durfte zuliebe der Verkehrssicherheit die Mindestzeit von 14 Minuten (Section-Control) zwischen Innerlaterns und Muntlix nicht unterschritten werden, ansonsten droht ein Wertungsausschluss (Disqualifikation). 

Warnschilder weisen auf die Veranstaltung hin, damit sich Verkehrsteilnehmer darauf einstellen. Der Straßenabschnitt der L51 ist vom Furka-Joch nach Innerlaterns (KM 160) aus Sicherheitsgründen zwischen 10 und 14.45 Uhr für den öffentlichen Verkehr auch 2019 wieder gesperrt. 

Das Gebiet um das Furkajoch ist ein beliebtes Mountainbike-Terrain.

Stetig bergab führt die Laternser Straße direkt in die Gemeinde Laterns (KM 164). 

 

Rankweil (KM 170, Strecken-Zusammenschluss) - Hohenems (KM 182)

Das anschließende Stück bis Muntlix ist für den Verkehr zwar frei gegeben, doch hier greift ein Zeitlimit das nicht unterschritten werden darf (siehe Ausschreibung).

Die Marktgemeinde Rankweil im Bezirk Feldkirch hat knapp 12.000 Einwohner. Hier laufen beide Routen wieder zusammen. 

Im Hintergrund die Kirche St. Karl (zu Ehren des hl. Karl Borromäus). 

The work is done.

Results 2018

Der Bregenzer Mathias Nothegger überquerte nach 5:11:51 Stunden als erster die Ziellinie des Highlander Radmarathons. Neben dem Highlander-Titel sicherte er sich zusätzlich den Vorarlberger Radmarathon-Landesmeister. Zweiter wurde Florian Vrecko (GER, 5:17:40) vor Andreas Lenz (GER, 5:19:54).

Bei den Damen sicherte sich die Schweizerin Laila Orenos (sie gewann den Ötztaler Radmarathon fünf Mal in Folge) in 5 Stunden 51 Minuten und 39 Sekunden erstmals die begehrte Highlander-Trophäe. Rang zwei ging an Isabell Vogel (GER, 6:24:25) vor Birgit Jehle (GER, 7:03:43).

Die Tour Rund um Vorarlberg gewann die Deutsche Astrid Schartmüller (4:35:47) - nach 2012 übrigens zum zweiten Mal. Rang zwei ging an Anna Entleitner (AUT, 4:36:48). Rang drei ging an die Vorarlbergerin Stefanie Frei (4:41:38) – die sich gleichzeitig nach 2017 auch 2018 zur Radmarathon-Landesmeisterin in Vorarlberg kürte. Bei den Herren sicherte sich Alexander Steffens (GER) in 4:02:14 den Sieg. Platz zwei ging an Christian Schmitt (AUT, 4:08:47). Rang drei an Johannes Herrmann (GER, 4:08:48).

Ergebnisliste Stadtkriterium Hohenems