44. IRONMAN World Championship Kailua-Kona auf Hawaii, 6. und 8. Oktober 2022

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, als die Ironman-WM auf Hawaii letztmals 2019 ausgetragen wurde. Vorweg die wichtigste Änderung zum Weltsportereignis und größten Triathlon-Event: erstmals findet der Ironman Hawaii an zwei Renntagen statt. Demnach starten am Donnerstag, den 6. Oktober alle Frauen (Profis + Agegroups), sowie die Männer-Agegroups 25-29, 50-54, 60-64 und 65 und älter. Am Samstag, den 8. Oktober gehen die Männer-Profis und die restlichen Männer-Agegroups an den Start. Insgesamt sind über 5.000 Athleten gemeldet, die von 8.000 Volunteers betreut/versorgt werden.

55 Athleten haben sich für den Ironman Hawaii 2022 qualifiziert, wobei am 8. Oktober voraussichtlich nur 51 Athleten an den Start gehen werden. Fehlen wird u.a. der Top-Favorit Jan Frodeno, der wegen einer langwierigen Verletzung die Reißleine zog. Aufgrund einer Entzündung in der Hüfte drohte Jan Frodeno sogar ein vorzeitiger Ruhestand als Sportinvalide. Bereits bei der Nachhol-WM im Mai diesen Jahres in St. George musste er wegen eines Teilrisses der Achillessehne passen. Der WM-Titel von St. George (USA) wird übrigens offiziell für das Jahr 2021 geführt, den sich der norwegische Olympiasieger und Kurzdistanz-Weltmeister von 2021 Kristian Blummenfelt vor Lionel Sanders aus Kanada und Braden Currie aus Neuseeland holte, während die deutsche Titelverteidigerin Anne Haug die Bronzemedaille einheimste.

Jan Frodeno schreibt beim Ironman 2019 auf Hawaii Geschichte, denn er gewinnt als erster Deutscher nach 2015 und 2016 zum dritten Mal den legendärsten Triathlon der Welt. Den deutschen Triumph machte Anne Haug mit ihrem Sieg perfekt. Vorjahressieger Patrick Lange war nach Schwindelanfällen frühzeitig auf der Radstrecke ausgestiegen.

Trotz hohem Wellengang, böigem Wind und Hitze unterbot Frodeno als erster deutscher Dreifach-Champion den Rekord seines Landsmanns Patrick Lange (7:52:39) aus dem Vorjahr um 1 Minute und 26 Sekunden. 

Auch der legendäre Challenge Roth lief 2022 für Frodeno nicht nach Plan, da er nach dem Wechsel auf die Laufstrecke verletzungsbedingt aufgeben musste. Doch anscheinend soll die Gefahr eines unrühmlichen, gesundheitsbedingten Karriereendes gebannt sein. Demnach will der Modellathlet 2023 seine erfolgreiche Profilaufbahn mit einem - hoffentlich erfolgreichen Wettkampf beim IRONMAN World Championship Kailua-Kona auf Hawaii - beenden. Die gezielte Vorbereitung ist in der neuen Wahlheimat Andorra geplant. Frodenos Bilderbuchkarriere reicht schon viele Jahre zurück. So krönte er sich bereits 2008 mit dem Olympiasieg in Peking, während er 2015, 2016 und 2019 die Ironman-WM auf Hawaii gewann und so zum unangefochtenen Superstar der Triathlonszene aufstieg. Aktuell ist Jan Frodeno mit seiner Finisherzeit von 7:51:13 (2019) amtierender Rekordhalter von Hawaii.

Ein erschütterndes Bild, das um die Welt ging. Freud und Leid liegen bei dieser Weltmeisterschaft unter Extrembedingungen sehr nah zusammen. So werden auf Big Island nicht nur Helden geboren, sondern diese manchmal auch dramatisch vom Sockel gestoßen. Dramatik pur: aufgrund von Schwindelanfällen zog Patrick Lange 2019 die Reißleine und stieg total enttäuscht vom Sattel. 

Wenngleich der zweimalige Champion Patrick Lange - der 2018 als erster Mensch überhaupt auf Hawaii in 7:52:39 Stunden die 8-Stunden-Marke knackte - für die diesjährige WM auf Hawaii gemeldet ist, steht hinter seiner Formkurve ein dickes Fragezeichen. Grund ist eine Corona-Infektion, die ihn in den Sommermonaten trainingsmäßig ausbremste. „Das hat mich aus dem Tritt gebracht. Das hat mich im Endeffekt den kompletten Juli an Trainingszeit gekostet“, sagte der 36-Jährige dem Sport-Informations-Dienst: „Auch wenn es momentan runtergeredet wird, muss ich sagen, dass ich das niemandem wünsche. Das war schon eine heftige Grippe.“ Er sehe sich deshalb „aktuell nicht da, wo ich stehen wollen würde“, führte er weiter aus. Doch das sei „keine Ausrede“, die Ansprüche bleiben groß. „Ich glaube nach wie vor, dass ich im Best-Case-Szenario um den Sieg mitreden kann. Das ist und bleibt mein Ziel", sagte der Nordhesse. Zuvor hatte er nach einem heftigen Radsturz bereits die Ironman-WM in Utah Anfang Mai diesen Jahres wegen einer Schulter­verletzung sausen lassen. Dafür verlief das Comeback am 3. Juli beim Langdistanz-Klassiker in Roth mit dem zweiten Platz sehr vielversprechend, wo er sich nur dem Dänen Magnus Elbæk Ditlev geschlagen geben musste.

Sebastian Kienle (Sieger des Ironman Hawaii 2014) hadert schon länger mit einer gereizten Achillesferse. Ob er in Top-Form bei seinem voraussichtlich letzten Ironman-Race auf Hawaii vor seinem angekündigten Karriereende 2023 an frühere Bestleistungen anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Bei der Ironman-WM in St. George (Utah) verfehlte er 2022 mit seinem 14. Platz jedenfalls eine Top-Ten-Platzierung.

Auch bei einer weiblichen Triathletin - ihres Zeichens Mitfavoritin - schlug das Schicksal unbarmherzig zu. Nur anderthalb Wochen vor der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii verunglückte die Britin Katrina Matthews schwer, als sie bei einer Trainingseinheit auf dem Rad in Texas von einem Auto angefahren wurde. Teil der Trainingsgruppe war auch der zweimalige Ironman-Weltmeister Patrick Lange, der Erste Hilfe leistete. Laut ihrem Ehemann erlitt die Zweite der im Mai in Utah nachgeholten Ironman-WM von 2021 Schädelfrakturen und brach sich bei dem Unfall zudem noch zwei Wirbel und das Brustbein. Matthews galt als ernsthafte Podestkandidatin beim Rennen der Frauen am 6. Oktober, zumal sie bei der WM in Utah lediglich der dominierenden Schweizerin Daniela Ryf unterlag, und noch vor der 2019er-Weltmeisterin Anne Haug die Ziellinie überquerte.

Ebenso fehlt der US-Shootingstar Sam Long, der seinen Kona-Slot nicht wahrnehmen wird. Verletzungsbedingt wird auch der Brite Alistair Brownlee fehlen. Nach derzeitigem Stand gehen fünf deutsche Profimänner ins Rennen: Florian Angert, Maurice Clavel, Sebastian Kienle und Patrick Lange. Zudem erhielt Andreas Dreitz eine Wildcard, nachdem er bei der Ironman WM in St. George Anfang Mai unverschuldet schwer verunglückte und beim Ironman 70.3 in Zell am See-Kaprun sein Renn-Comeback gab. Der sechste Profi-Qualifikant Paul Schuster musste wegen eines Autounfalls in Florida kurzfristig absagen.

Angesichts der krankheits- und verletzungsbedingten Ausfälle bzw. fraglichem Leistungsvermögen mancher Professionals lässt sich kaum vorhersagen, welchen Athleten eine (Top-) Favoritenrolle zufällt. Gleichwohl wird dieser Umstand die Karten sozusagen neu mischen, was einen umso spannenderen Rennverlauf erwarten lässt. Ob die erfolgsverwöhnten deutschen Top-Triathleten wieder einen WM-Sieg einfahren werden scheint in Anbetracht der Lage eher unwahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher ein Doppelerfolg wie 2019, als Jan Frodeno und Anne Haug Deutschland einen historischen Sieg bei der Ironman-WM in Hawaii bescherten. Der damals 38 Jahre alte gebürtige Kölner war nicht nur der erste Deutsche, der die Ironman World Championship auf Big Island dreimal gewonnen hat, sondern er pulverisierte gleich noch dazu den Streckenrekord von Patrick Lange aus dem Jahr 2018. Nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen schwebte er im Siegestaumel freudestrahlend durch das tosende Zuschauerspalier am Alii Drive ins Ziel. Mit seiner Hammerzeit von 7:51:13 Stunden gelang ihm damals nicht nur ein furioses Comeback, sondern Jan Frodeno ist seitdem amtierender Rekordhalter von Hawaii.

2019 war Deutschland mit 13 Profi-Athleten die am stärksten vertretene Nation im Elitfeld der Männer, gefolgt von der USA mit 9 und Australien mit 6 Athleten. Neben Frodo, Sebi und Patrick hat Deutschland mit Andi Böcherer, Maurice Clavel, Tobias Drachler, Andi Dreitz, Marc Dülsen, Nils Frommhold, Franz Löschke, Lukas Krämer, Stefan Schumacher und Boris Stein zehn weitere Professionals im Feuer. 

Wie bei den Männern konnten sich in der vergangenen Kona-Qualifikationsperiode die Frauen ebenfalls 55 Startplätze sichern. Nach aktuellen Meldungen werden allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach nur 45 Damen starten. Mit Daniela Bleymehl, Anne Haug, Elena Illeditsch, Kristin Liepold, Laura Philipp, Jenny Schulz, und Laura Zimmermann stehen insgesamt sieben deutsche Profifrauen am Start. Nur die USA mit elf und Großbritannien mit neun Qualifizierten bieten mehr Wettkampfteilnehmer auf.

Startzeiten - TV-Übertragungen - Livestream

Das ZDF überträgt den Ironman Hawaii 2022 an beiden Renntagen, dem 6. und 8. Oktober 2022 aus Kailua-Kona live, wobei die Übertragungen jeweils als Livestream beginnen, bevor die finale Entscheidung zusätzlich im TV zu sehen sein wird.

Am Donnerstag starten um 6.25 Uhr Ortszeit (18.25 Uhr MEZ) die Profi-Frauen, sowie ab 6.30 Uhr stufenweise bis 7 Uhr alle Frauen-Altersklassen; ab 7.25 Uhr: alle Männer über 60 Jahre; 7.35 Uhr Altersklasse M50-54; 7.40 Uhr: M25-29

Am Samstag starten um 6.25 Uhr Ortszeit (18.25 Uhr MEZ) die Profi-Männer, sowie ab 6.40 Uhr stufenweise alle weiteren Altersklassen-Athleten

ZDF sportstudio live am Donnerstag, 6. Oktober – Ironman Hawaii Frauen. Ab 18:15 Uhr startet der Livestream. TV-Übertragung 00:45 Uhr bis 03:30 Uhr.

ZDF sportstudio live am Samstag, 8. Oktober – Ironman Hawaii Männer. Ab 18:15 Uhr startet der Livestream. TV-Übertragung 00:25 Uhr bis 03:15 Uhr.

Moderatoren sind Martin Schneider und Florian Zschiedrich während Daniel Unger als Experte das Renngeschehen analysieren wird.

Hintergrundwissen

Der Ironman Hawaii ist der älteste Triathlon über die Langdistanz weltweit. Er findet seit der Erstaustragung 1978 an der Geburtsstätte der Marke »IRONMAN« auf der Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean statt. 

Die IRONMAN WM auf Hawaii gilt gemeinhin als härtester Eintages-Wettkampf. 3,8 km Schwimmen im aufgewühlten Pazifik, 180 km Radfahren auf dem zumeist von böigen Mumuku-Winden ausgesetzten Queen Kaahumanu Highway und als 3. Disziplin ein Marathonlauf über 42,195 km durch hitzeflimmernde Lavafelder. Summa summarum 226 km unter Extrembedingungen, wie es sie in dieser Ausprägung nirgendwo in der Welt gibt. Insbesondere das feuchtschwüle tropische Klima und das wellige Streckenprofil (Rad- und Laufstrecke) machen den Ironman auf Big Island äußerst anspruchsvoll weswegen die Finisherzeiten i.d.R. langsamer sind als bei anderen IRONMAN'S  dieser Welt.

Eine Ausnahme von dieser Regel bildete der Ironman Hawaii 2018, bei dem erträglichere Wetterverhältnisse zahreiche Streckenrekorde begünstigte. Es war es die schnellste Ironman-WM aller Zeiten, bei der es sage und schreibe 16 Streckenrekorde zu verzeichnen gab. Es herrschte nahezu Windstille, das Meer war ruhig, die Temperaturen wiesen moderate 25 Grad auf und die dichte Wolkende ließ keine stecheden Sonnenstrahlen hindurch. Mit anderen Worten: die ansonst typischen Wetterverhältnisse (Glutofenhitze/Winde) waren schlichtweg außer Kraft gesetzt. Welch maßgeblichen Einfluss die äußeren Bedingungen in Hawaii tatsächlich haben spiegelt sich in zwei Streckenrekorden der Profimänner und Profifrauen (Schwimmen- und Radfahren ) sowie 14 Streckenrekorde der Agegrouper wieder.

Agegrouper

Auch wenn Altersklassenathleten nicht im Blitzlichgewitter der Medien bzw. im Öffentlichkeitsinteresse stehen, so bilden sie mit über 2400 Teilnehmern das eigentliche Herz dieser traditionsreichen Triathlonveranstaltung. Sie sind es, die die Speerspitze der besten Amateursportler aus der ganzen Welt repräsentieren und es trotz Berufs- und Alltagsbelastung mit enormen Ehrgeiz, Trainginsfleiß, eiserner Disziplin schafften an der IRONMAN-WM in Hawaii teilnehmen zu dürfen.

Viele Fans fragen sich, warum sich dieses Jahr mit rund 5.000 Athleten die Teilnehmerzahl nahezu verdoppelt hat? Hintergrund ist der, dass das Rennen 2020 wegen der Coronapandemie abgesagt und die 2021er-Auflage nicht wie geplant auf Hawaii stattfand, sondern ersatzweise im Mai 2022 in St. George (Utah) nachgeholt wurde. Andererseits fanden unbesehen davon viele Qualifikationsrennen statt was dazu führte, dass sich ein enormer Qualifikantenstau bildete, welche ein Hawaii-Ticket in der Tasche hatten. Demzufolge hat sich auch das deutsche Kontingent - das normalerweise etwa 250 Athleten umfasst - mit 497 deutsche Agegroupern beim Ironman Hawaii 2022 ebenso fast verdoppelt. Um die Masse der Athleten zu entzerren entschieden die Verantwortlichen, die Ironman-Weltmeisterschaft 2022 an zwei Tagen auszurichten. Eine Entscheidung, die übrigens auch zukünftig gelten soll, um mehr Athleten die Chance an der WM-Teilnahme zu ermöglichen.

Amüsantes "Frühstücks-Fernsehen" für Daheimgebliebene (Facebook/YouTube)

Absolut sehenswert weil authentisch, informativ, witzig, unterhaltsam und vor allem leidenschaftlich: tägliche Video-Clips von Ralf Preissl & Silvia Weishäupl (thanks for greetings:-). Beide Athleten sprühen nur so vor Enthusiasmus & emotionale Leidenschaft für ihren geliebten Tria-Sport.

MZ-Bericht

Daheimgebliebene brauchen nicht verzagen, denn der Oberpfälzer Agegrouper Ralf Preissl (Regenstauf) - mehrfacher Hawaii-Finisher (2016: 9:45 AK-Drittplatzierter) - sendet mit "Co-Kommentatorin" Silvia Weishäupl auf seiner Facebook-Fanpage täglich einen unterhaltsamen Podcast (Frühstücksfernsehen), der interessante Einblicke ins Live-Geschehen gewährt sowie Trainings- und Ernährungstipps zum besten gibt. Die amüsante Berichterstattung vor Ort ist ein echter Appetizer, der die Vorfreude und die Spannung bis zum Kanonenschuß am 12. Oktober zum Bersten bringt bzw. dem Suchtreflex auf den faszinierenden Triathlonsport Frischfutter gibt. 

Der steinige Weg nach Hawaii

Neueinsteiger müssen selbst bei strukturiertem und zielgerichteten Trainingaufbau (Kurz- Mittel- Langdistanz) mit einem mehrjährigen Zeitrahmen rechnen (je nach körperlicher Ausgangsverfassung) bis die Leistungsfähigkeit den Highlevel einer Qualinorm für die WM in Hawaii erreicht ist. Disziplinierter Trainings-Input plus unerschütterliche Willenskraft sind unabdingbare Erfolgsfaktoren, denn die Früchte für ein Hawaii-WM-Ticket - geschweige ein erfolgreiches Kona-Finish - hängen tatsächlich brutal hoch.