42. IRONMAN World Championship on the Big Island of Hawai'i

Rückblick 2018

Der 32-jährige Patrick Lange aus Bad Wildungen gewinnt zum zweiten Mal die IRONMAN World Championship auf Hawaii. Seine Topleistungen im Schwimmen sowie im Radsplit legten den Grundstein für den Erfolg. Nach einer läuferischen Aufholjagd lief er einsam an der Spitze seinem ungefährdeten Sieg entgegen und finishte in der phänomenalen Rekordzeit von 7:52:39 Stunden. Damit war sein bisheriger Streckenrekord vom Vorjahr Geschichte. Lange gewann vor dem Belgier Bart Aernouts (+4:02 Minuten) sowie dem Briten David McNamee (+8:30). Damit bleibt die Siegesserie der Deutschen auf Hawaii seit 2014 ungebrochen.   

Neben Patrick Lange konnte bislang nur Jan Frodeno und Normann Stadler (2004 und 2006) zweimal auf Hawaii gewinnen. Als erstem Deutschen war Thomas Hellriegel 1997 der erste WM-Platz beschieden. 2005 folgte mit Langes gegenwärtigem Trainer Faris Al-Sultan ein weiterer deutscher Sieg. Seitdem Faris al-Sultan als Mentor die Geschicke im Hintergrund leitet und Lange zunächst Demut lehrte blitzt sein Talent in vollem Umfang auf.

Aufgrund der phänomenalen Titelverteidigung von Patrick Lange ging der Streckenrekord von Daniela Ryf fast ein wenig unter. Immerhin setzte sie in 8:26:16 Stunden eine Benchmark was noch keiner Frau in Hawaii gelungen war. Trotz Feuerquallenattacke gewann die Schweizer Seriensiegerin unangefochten zum vierten Mal nacheinander. Ryf plagten zwar Gedaken aufzugeben, doch die Paralle zur letztjährigen Ironman-WM stärkte ihre Psyche: "Ich erinnerte mich mich an Jan Frodeno im Vorjahr, der trotz seinen Rückenbeschwerden und ohne Aussicht auf den Sieg das Rennen beendete."

Aus deutscher Sicht super erfreulich: die Bayreutherin Anne Haug rauschte in einer Zeit von 8:41:58 Stunden unerwartet auf den Dritten Platz. Die 35 jährige musste sich bei ihrer WM-Premiere nur der derzeit unschlagbaren Schweizer Seriensiegerin Daniela Ryf und der Britin Lucy Charles geschlagen geben. Zuletzt gelang es Sandra Wallenhorst 2008 die Bronzemedaille für Deutschland einzuheimsen. Eine deutsche Ironman-Siegerin gab es übrigens noch nie.

Matchplan

Für Lange lief von Anfang an alles nach Plan. Er verlor beim Schwimmen zwar einen verhältnismäßig geringen Rückstand von gut drei Minuten, worauf dennoch weder Lange noch sein Trainer nicht ganz zufrieden waren. Der Grund war Sebastian Kienle, der als schwächerer Schwimmer nur fünf Sekunden auf Lange einbüßte. "Ich hatte nicht das beste Schwimmen, wie man gesehen hat, aber danach lief es unglaublich gut", sagte Lange. Doch ab der ersten Wechselzone lief es für ihn immer besser. 

Auf dem Rad zeigte Lange eine außergewöhnliche Leistung und war um satte neun Minuten schneller als 2017, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit auf 180 Kilometer von unglaublichen 42,35 km/h ergab. Dies hat er ein stückweit auch seinem 29 Jahre alten Lichtenfelser Teamkollegen Andreas Dreitz zu verdanken der als Lokomotive eine unerwartet starke Pace in den Asphalt brannte. Lange konnte dessen gleichmäßigen Tritt clever nutzen, weshalb der Rückstand zur Spitzengruppe mit dem Radspezialisten Australier Cameron Wurf eine Podiumsplatzierung intakt hielt. Manchmal gehört eben auch ein Quäntchen Glück dazu, um seine Siegchancen zu bewahren. Die Gunst der Stunde nutzte auch der 30-jährige Freiburger Maurice Clavel, der sich beim Ironman in Südafrika als Dritter für die WM qualifiziert hatte. Er hängte sich als dritter Deutscher gleich mit an die schnelle Verfolgergruppe dran.

Cameron Wurf verbesserte seinen bisherigen Radrekord vom Vorjahr in 4:09:36 Stunden noch einmal um über drei Minuten, wobei überraschende Windstille schnellen Radzeiten in die Karten spielte. Dreitz lag zu diesem Zeitpunkt als Sechster 6:41 Minuten, Clavel 6:44 Minuten und Lange als Zehnter 6:46 Minuten zurück. Da Cameron Wurf nicht zu den Spitzenläufern zählt, blieben Langes Siegchancen rein rechnerisch intakt.

Der anschließende Marathon lief für Lange wie am Schnürchen. Nacheinander überholte er seine Konkurrenten. Als er den bis dahin führenden Australier Cameron Wurf (einst Ruderer bei Olympia sowie ehemaliger Radprofi) nach 16 Kilometern einholte und die Führung übernahm kam es zu einer denkwürdigen Geste der Wertschätzung. Lange reckte seinem Kontrahenten die Hand zum "Abklatschen" entgegen. Fortan lief Lange bis zum Zieleinlauf ungefährdet an der Spitze und beendete den Marathon in 2:41:32 Stunden. Auch wenn er seine eigene Rekord-Laufzeit aus dem Jahr 2017 nicht unterbieten konnte, legte er trotzdem die schnellste Laufzeit des Tages hin.

Als Resümee gab der frischgebackenen Ironman-Doppelweltmeister den versammelten Journalisten zu Protokoll: "Es ist einfach Wahnsinn. Ich hätte das nie gedacht". Dabei hatte er sich die allerletzte Kraft für etwas ganz Besonderes aufgespart. Er unterbreite nämlich seiner Freundin trotz totaler Erschöpfung auf Knien romantisch einen Heiratsantrag  Big Island erweist sich für Patrick Lange als tatsächliches Schlaraffenland. Ein emotional mitreißendes Happy End, das den Ausnahmesportler noch sympatischer als ohnehin schon macht. Im Ziel bekannte er: „Als ich loslief, habe ich den Heiratsantrag beschlossen. Das trieb mich an. Julia ist die Liebe meines Lebens, von der ersten Sekunde an.“

Mit einer Finisherzeit von 7:52:39 Stunden unterbot Lange seinen bisherigen Kona Streckenrekord um 9 min. und 1 Sekunde. Dass der neue Ironman-Weltmeister damit um 7 min. und 21 Sekunden unterhalb der magischen Acht-Stunden-Marke blieb ist die eigentliche Sensation. Ein Streckenrekord von dem mit hoher Wahrscheinlickeit auszugehen ist, dass er über einen längen Zeitraum Bestand haben wird. 

Konkurrenz lässt Federn 

Was des einen Freud ist des anderen Leid, d.h. Triumph und Niederlage liegen im Profisport manchmal hauchdünn beieinander. Dies mußte Sebastian Kienle in seiner Karriere erstmals schmerzvoll erfahren, denn er erwischte einen rabenschwarzen Tag. Nach überragender Schwimmleistung dürfte Kienle sich mit großer Zuversicht in den Sattel geschwungen haben, denn sein Matchplan ambitioniert zu attackieren und einen (Sicherheits-) Vorsprung von 10 Minuten plus X auf den Super-Läufer Lange in seiner Paradedisziplin heraus zu fahren war durchaus realistisch. Doch manchmal kommt es anders als man denkt. Ohne eigenes Verschulden ging plötzlich alles gründlich schief, denn schon nach wenigen Kilometern bremste den 34-Jährigen unverhofft ein Plattfuß. Der Defekt kostete nicht nur viel Zeit sondern steigerte den mentalen Wettbewerbsdruck ins unermessliche. Nach der Reifenpanne scheiterte der Versuch kläglich auf die enteilten Konkurrenten aufzuholen. Der Weltmeister von 2014 kam einfach nicht mehr wie gewohnt in Tritt. Seine Hoffnungen auf einen erneuten Sieg musste er bei seiner achten Hawaii-Teilnahme nach wenigen Lauf-Kilometern wegen Achillessehneschmerzen endgültig begraben.

Der hoch gehandelte Top-Favorit Lionel Sanders (Ironman-Vizeweltmeister 2017) konnte seine Leistung nicht abrufen. Er kämpfte mit allerlei Problemen und finishte nach 8:30:34 Stunden auf dem enttäuschenden 28. Platz.  

Jan Frodeno als Co-Kommentator

Das schicksalsträchtige Ausscheiden von Sebastian Kienle erinnert an Jan Frodeno, der 2017 wegen massiver Rückenbeschwerden seine Ambitionen auf einen dritten Ironman-Sieg begraben musste. 2018 vereitelte eine Stressfraktur im Kreuzbein-Darmbeingelen - zugezogen von einem Sturz bei der Ironman-WM in Südafrika - die Teilnahme bei der Ironman-WM. In der zweiten Wechselzone hatte ihm ein Helfer sein Rad bei der Übergabe derart heftig aus den Händen gezogen, dass er auf nassem Asphalt ausrutschte und mit der Hüfte auf den Boden knallte. Unglaublich: trotz Verletzung wurde Frodeno im September 2018 zum zweiten Mal in seiner Karriere Weltmeister über die Ironman-Halbdistanz. Ersatzweise kommentierte Frodeno beim 40. Ironman als Experte für das ZDF.

Fazit

Zahlreiche Rekordleistungen

Die Ironman-WM 2018 wird als Rekordflut in die Annalen der Geschichtsbücher eingehen. Allen voran Patrick Lange, der als erster Ironman überhaupt die magische Acht-Stunden-Schallmauer auf Hawaii knackt und mit seinem zweiten WM-Triumph die deutsche Dominanz eindrucksvoll fortsetzt. Das extrem hohe Tempo unterstreichen auch die Zeiten von Bart Aernouts (7:56:41) und David McNamee (8:01:09), die ebenfalls die Rekordzeit aus dem Vorjahr unterboten. 

Neben den aufgezählten Rekordleistungen wurde auch ein neuer Schwimmstreckenrekord aufgestellt, der die bisherige Bestmarke von Lars Jorgensen (USA/46:41 Minuten) aus dem Jahre 1998 pulverisierte. Was die Sache außergewöhnlich macht: der Rekord wurde nicht erwartungsgemäß von einem Profiathleten sondern vielmehr vom deutschen Agegrouper Jan Sibbersen - ehemaliger Schwimmprofi, aktueller Manager von Patrick Lange und Geschäftsführer der Firma Sailfish - gebrochen. Er schwamm die 3.8 km im Pazifik in der Fabelzeit von 46:30 Minuten.

Bei den Frauen verbesserte die Britin Lucy Charles den 19 Jahre alten Schwimmrekord um 30 Sekunden auf 48:13 Minuten.

Ohne die sportlichen Leistungen schmälern zu wollen, hingen die aufgestellten Rekorde auch mit den günstigen Wetterverhältnissen zusammen, welche solch extreme Ausdauersportleistungen begünstigten. Zum einen herrschte beim Schwimmen kaum Wellengang, dazu blieb der gefürchtete Seiten- und Gegenwind beim Radfahren aus. Das wichtigste: die Temperaturen lagen für hawaiijanische Verhältnisse bei "frischen" 27-34 Grad, d.h. es war rund 10 Grad kühler als sonst. Das Wetter ähnelte dem von Süd-Europa was Jan Frodeno wegen seiner Wettkampf-Abstinenz eher mit einem weinenden Auge zur Kenntnis nahm. 

Einmal mehr gab der Triathlonsport eine begeisternde Visitenkarte ab. Die zunehmende Popularität lässt sich messen: so verfolgten über 500 Mio Zuschauer weltweit den Ironman auf Hawaii. 

Deutsche Hawaii-Sieger

  • Thomas Hellriegel (1997)
  • Normann Stadler (2004, 2006)
  • Faris Al-Sultan (2005)
  • Sebastian Kienle (2014)
  • Jan Frodeno (2015, 2016)
  • Patrick Lange (2017, 2018)

Altersklassenathleten

Der Startschuss für 2 475 Altersklassenathleten (72% Männer, 28% Frauen) fiel nach dem Profistart. Teilnahmeberechtigt an der Weltmeisterschaft sind nur die besten Triathleten ihrer Altersklasse, welche sich auf der weltweiten Ironman-Serie zuvor qualifiziert haben. Deutschland stellte mit 209 Startern hinter den USA immerhin die zweitstärkste Nation. Der absolute Heroe unter den Altersklassenathleten ist der 85 jährige Japaner Hiromu Inada, der bereits 2016 auf Hawaii finishte. Kurz nach Mitternacht Ortszeit lief der unverwüstliche Japaner nur wenige Minuten vor der Cut-Off-Zeit (17 h) nach 16:53:49 Stunden ins Ziel und wurde von den Zuschauern huldvoll gefeiert. 

Deutsche AK-Bestplatzierte

  • AK 18-24 Jahre: 1. Platz Schaffeld, Timo - 08:51:50 Stunden (AK-Weltmeister)
  • AK 25-29 Jahre: 7. Platz Herber Philipp - 08:56:07 Stunden 
  • AK 30-34 Jahre: 19. Platz Veith Sebastian - 08:57:10 Stunden
  • AK 35-39 Jahre: 8. Platz Rueß Dominik - 08:51:34 Stunden
  • AK 40-44 Jahre: 3. Platz Brinkmann Marc - 08:53:05 Stunden
  • AK 45-49 Jahre: 5. Platz Flachowsky Stefan - 09:11:40 Stunden
  • AK 50-54 Jahre: 2. Platz Funk Harald - 09:15:27 Stunden (AK-Vize-Weltmeister)
  • AK 55-59 Jahre: 2. Platz Schmatz Wolfgang - 09:36:08 Stunden (AK-Vize-Weltmeister)
  • AK 60-64 Jahre: 1. Platz Scheiring Hermann - 09:52:08 Stunden (AK-Weltmeister)
  • AK 65-69 Jahre: 27. Platz Müller Bernd - 13:59:31 Stunden 
  • AK 70-74 Jahre: 8. Platz Scheibehenne Hans Günter - 13:28:38 Stunden 

Results Männer (Profis)

SWIM (3,86 KM)

BIKE (180,2 KM)

RUN (42,2 KM)

1. Patrick Lange (GER) 7:52:39

swim 50:37

bike 4:16:05

run 2:41:32

2. Bart Aernouts (BEL) 7:56:41

swim 54:07

bike 4:12:26

run 2:45:42

3. David McNamee (GBR) 8:01:09

swim 49:31

bike 4:21:19

run 2:46:03

4. Tim O'Donell (USA) 8:03:17

swim 47:45

bike 4:18:46

run 2:52:34

5. Braden Currie (AUS) 8:04:41

swim 49:28

bike 4:17:18

run 2:53:39

6. Matt Russell (USA) 8:04:45

swim 54:02

bike 4:12:58

run 2:52:57

7. Joe Skipper (GBR) 8:05:54

swim 50:53

bike 4:15:41

run 2:54:16

8. Andy Potts (USA) 8:09:34

swim 49:33

bike 4:18:51

run 2:56:27

9. Cameron Wurf (AUS) 8:10:32

swim 50:51

bike 4:09:06

run 3:06:19

10. Michael Weiss (AUT) 8:11:04

swim 54:14

bike 4:11:28

run 3:00:03

11. Javier Gomez Noya (ESP) 8:11:41

swim 47:46

bike 4:19:44

run 2:59:25

12. Tim Van Berkel (NZL) 8:13:47

swim 50:39

bike 4:27:47

run 2:50:37

13. Andreas Dreitz (GER) 8:14:02

swim 50:56

bike 4:15:18

run 3:02:51

Results Damen (Profis)

1. Ryf, Daniela (CHE) 08:26:18 

swim 57:27 

bike 04:26:07 

run 02:57:05

2. Charles, Lucy(GBR) 08:36:34

swim 00:48:14

bike 04:38:

run 03:05:50 

3. Haug, Anne (DEU) 08:41:58

swim 54:21

bike 04:47:45

run 02:55:20

4. True, Sarah (USA) 08:43:43

swim 52:06

bike 04:49:19

run 02:57:38 

5. Carfrae, Mirinda (AUS) 08:50:

swim 58:18

bike 04:46:05

run 03:01:41 

6. Crowley, Sarah (AUS) 08:52:30

swim 54:19

bike 04:43:09

run 03:10:29

7. Sali, Kaisa (FIN)  08:54:28

swim 58:23

bike 04:44:31

run 03:06:04 

8. Naeth, Angela (CAN)  08:57:36

swim 58:28

bike 04:42:25

run 03:11:11 

9. Abraham, Corinne (GBR)  08:57:55

swim 58:44

bike 04:38:16

run 03:16:26 

10. Corbin, Linsey (USA) 8:58:58

swim 00:58:24 

bike 04:48:29

run 03:07:15 

......

13. Hufe, Mareen (GIB)  09:06:35

swim 00:58:34

bike 04:43:50

run 03:18:40 

Ergebnisliste

41. Ironman Hawaii: 12. Oktober 2019 

    Aloha!