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24 Stunden Race Kelheim - 08.- 09.07.2023

Traditionell wäre am 1. Januar 2022 der Meldestart für das 24-Stunden-Rennen Kelheim gewesen. Wäre, hätte, Infektions-Kette... Nach zwei pandemiebedingten Absagen stand Anfang 2022 die Austragung des 24-Stunden-Rennens in Kelheim zwar noch auf der Kippe, doch nach der langen Coronapause meldet sich der Radsport-Klassiker samt vorgelagerter italienischer Nacht (8. Juni) wieder zurück. Beginnend am Samstag, den 9. Juli ab 14 Uhr bis zum Zielschluß am Sonntag den 10. Juli 14.00 Uhr ist in der Kelheimer Innenstadt sowie dem Stausackerer Berg bei dem beliebten Outdoor-Spektakel wieder "Remmidemmi" angesagt. Für Akteure heißt es 24 Stunden lang eisenhart an der Schmerzgrenze gegen die Uhr zu kämpfen, währenddessen die Fans in Jubel, Trubel, Heiterkeit versinken. Dem Großereignis steht samt neuem Moderatorenteam mit Radsportexperte Tilmann Rieger und dem Kelheimer Ulli Kick - in der sportbegeisterten Kreisstadt nichts mehr im Wege.

Bild: nach 24 Stunden Dauer-Power bekommt der Kopf seine Payback-Karte in Form grenzenloser Glückshormone. Allein dafür ist es Wert, die quälende Tortur auf sich zu nehmen.

Nach zweijähriger Zwangspause fiebern die Sportskanonen der 24 Stunden-Challenge mit großer Spannung entgegen, was die Vorfreude zweifelsohne noch mehr pusht. Wenig Wunder, denn die vom RSC Kelheim perfekt organisierte Veranstaltung genießt einen legendären Kultstatus. Besonders die frenetische Stimmung in der niederbayerischen Donau-Stadt sowie entlang der Feiermeilen-Hotspots ist derart überschwänglich, dass die hemmungslose Extase auf die Radsportler überspringt und regelrechte Motivationsschübe auslöst. Wenn sich die "Gladiatoren" im Sattel auf der 16.4 km langen Rundstrecke die Kante geben und am Rand der Erschöpfung auf Biegen und Brechen um Sekunden fighten, herrscht am Ort des Geschehens absoluter Ausnahmezustand. Gäb's ein sensorisches Stimmungsbarometer, dann würde das Messgerät mit Sicherheit am oberen Ende der Skala ausschlagen. "Da geht's zu wie beim Sechs-Tage-Rennen, nur im Freien", sagt RSC-Ex-Vorstand Klaus Roithmeier: "Dazu trägt sicher auch unser umfangreiches Rahmenprogramm bei, mit Festzelt, Party und mehr...". 

Endlich ist es wieder soweit, dass sich die Kreisstadt Kelheim als turbulenter Wettkampfschauplatz zum brodelnden Hexenkessel rund um die Uhr verwandeln wird. Das Radsport-Ereignis im niederbayrischen Kelheim ist eine gelungene Mischung aus bebender Volksfeststimmung und aufsehenerregender Renn-Atmosphäre. So machen nicht nur die Rennfahrer mit ihrer grellen Beleuchtung die Nacht zum Tag, sondern viele Fan-Clubs stehen ihnen treu zur Seite und lassen ihre Heroes bis tief in die Nacht nicht im Stich. Die ausgelassene Festivalstimmung spricht sich herum, weswegen der vorauseilende Ruf dieser Wettkampfveranstaltung weit über Bayerns Grenzen hinaus große Popularität genießt.

 Wer am Freitag, den 8.Juli anreist, kann sich am Vorabend der Großveranstaltung im Stadtgebiet bei der "Italienischen Nacht" entspannt amüsieren. Eine Partymeile mit Musik, Modenschau und kulinarischen Spezialitäten haucht der Herzogstadt a la "La dolce Vita" italienisches Flair ein. Die Geschäfte haben in Kelheims Altstadt bis 22 Uhr geöffnet, und zu feurig italienisch-rhythmischen Klängen kann man bis 24 Uhr das Tanzbein schwingen.

Emotionen schlagen bei allen Beteiligten hohe Wellen und lassen die Funken zwischen Akteur und Zaungäste ständig überspringen. Die kunterbunt zusammengewürfelte Sportlerschar aus nah und fern - flankiert von aufgeheizten Zuschauermassen - ergibt eine spannungsgeladene Race-Atmosphäre. 

Ein 24 Stunden Rennen ist eine sehr spezielle Radsport-Disziplin die Trainingsehrgeiz, Ausdauer, Wettkampfhärte, Willensstärke und Organisationsgeschick verlangt. Bezogen auf das Kelheimer Streckenprofil das sich aus einem längeren Anstieg, einer Flachetappe sowie einer Kopfsteinpflasterpassage zusammensetzt, erfordern die universellen Ansprüche ausgeprägte Allroundfähigkeiten. 

Umso stärker der Wind auf der 5 Kilometer langen Flachetappe zwischen Altessing und Kelheim von vorne bläst, umso eher spielt er das Zünglein an der Waage. Immerhin bestimmt der Windwiderstand bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde zu knapp 90 Prozent den zu überwindenden Gesamtwiderstand. Demnach steckt bei hoher Geschwindigkeit enorm viel Potenzial in der Aerodynamik, die sowohl für eine Leistungseinsparung als auch höhere Geschwindigkeit ausschlaggebend ist. Einerseits spart die windgeschützte Aerodynamik wertvolle Energie andererseits erhöht sich im Falle einer harmonierenden Gruppe die Wahrscheinlichkeit auf eine gute Rundenzeit. Je weiter hinten man im Feld positioniert ist, desto weniger Wind bekommt man zwar ab, allerdings steigt dann auch das potentielle Sturzrisiko bzw. kann auf blitzschnelle Attacken der Vordermänner schlechter reagieren, d.h. überrumpelt werden. Nicht zu unterschätzen: Übermüdung und Erschöpfungszustände führen mitunter zu Konzentrationsmängel, weswegen bei engen Windschattenduellen (Gegen- Rücken- Seitenwind) bereits geringste Unachtsamkeiten eine akute Sturzgefahr herauf beschwören können. Psychospielchen und taktische Attacken mit dem Ziel konkurrierende Teams abzuschütteln, sind dann von Erfolg gekrönt, wenn es dem/den Nachfolgenden nicht mehr gelingt die aufgerissene Lücke zuzufahren. Solch erarbeitete Zeitvorteile übertragen sich bei der Staffelstabübergabe auf den/die nächsten Teamkollegen. 

Streckenhighlight ist der Stausackerer Berg, dessen zwei Steigungsabschnitte mit 2 km + 1.3 km Länge - unterbrochen von einem kurzen Gegengefälle (21 Tiefenmeter) - die Spreu vom Weizen trennt. Neben dem "Col de Staussacker", wie der 170 hm-Anstieg in der Szene liebevoll genannt wird, zählt das Festzelt am Ludwigsplatz zum beliebtesten Stimmungsnest. Dort herrscht bis weit nach Mitternacht Partystimmung, die von Musik und Race-Moderatoren zusätzlich angeheizt wird. Nach jeder Runde bohrt sich ein anderer Ohrwurm in den Schädel - angefangen von Andreas Gabaliers "Hulapalu" über Helene Fischers "Atemlos" - bis hin zu Freddy Mercurys Song "We are the Champions". Kurzum: Das gesamte Halli Galli entlang der Strecke überträgt sich in die Köpfe der sportiven "Hauptdarsteller" und verleiht ihnen im wahrsten Sinne des Wortes Flügel.

Auch der hektische Wechselzonenbereich (Staffelstabübergabe) vis a vis der Mariensäule auf dem Ludwigsplatz ist ein emotionaler Brennpunkt. Die Stimmung der aufgepeitschten Menschenmenge wird Samstagabend zusätzlich noch von einer Liveband unterm Zeltdach angeschürt. Den Vogel der Gegensätze schießt dabei die gitterschutzbewehrte schmale Fahrgasse durchs Bierzelt ab, wo zum einen die Speichenflitzer entfesselt „durchpacen“, während die Festzeltbesucher gemütlich ihren kulinarischen Gelüsten freien Lauf lassen und frisch gezapftes Bier die Kehle und die beanspruchten Stimmbänder benetzt. Einen krasseren Aura-Kontrast, wo sich schweißüberströmte Wettkämpfer und eine vergnügliche, sich genüsslich in der Komfortzone aalende Zuschauermenge quasi die Türklinke in die Hand geben kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen.

Nirgends lässt sich die körperliche Verausgabung und psychische Anspannung samt Gefühlsachterbahn von himmelhochjauchzender Euphorie bis Niedergeschlagenheit derart gut beobachten wie an diesen Kulminationspunkten. Radsportfans bekommen an Ort und Stelle eine irrsinnig aufregende Liveshow geboten, die den verbissen harten Kampf gegen die Uhr gefühlsbetont widerspiegelt. Berührende Gänsehautmomente, die sich auf immer und ewig ins Gedächnis brennen. Aus diesem Grund strahlt das größte Sportevent im Landkreis Kelheim eine faszinierende Magie aus, wie man sie nur äußerst selten live erlebt.

Bild: in der Fahrerwechselzone herrscht stetes Kommen und Gehen wie im Taubenschlag. Hier spürt man am ehesten die knisternde Spannung, die sich unverfälscht aus den Gesichtern der nervösen Sportler ablesen lässt. Gespannt warten ständig rund 70-80 Radrennsportler in Zweierreihe sprichwörtlich auf "Abruf", um ihren Teampartner mit der symbolischen Wechselstabübergabe (i.d.R. eine Trinkflasche) abzulösen. Springt der schweißgebadete Ankömmling über den Stoppbalken, beginnt die nervöse Suche - goutiert von lautem Schreien - nach dem Teampartner, um den Zeitverlust möglichst gering zu halten. Die hektische Übergabe ist ein emotionsgeladener Moment, weil die Uhr auch im Stillstand unerbittlich weiter tickt. Ein Ritual, das sich an dieser Stelle 24 Stunden lang tausendfach wiederholt. Nach der Wechselstabübergabe entlädt sich für den Ankömmling schlagartig die Anspannung und das angeflutete Adrenalin, während der Gestartete unter tosendem Beifallsklatschen im Bierzelt entschwindet und in Sprintmanier beschleunigt. Nach Durchquerung des Mittertors wird richtig Fahrt aufgenommen, um mit maximalen Schwung in die ansteigende Hienheimer Straße zu kurbeln und den Stausackerer Berg volle Kanone rauf zu heizen.

Anmeldezahlen 

Gestartet wird in acht Wertungskategorien, deren Verteilung sich wie folgt aufschlüsselt (Stand 4. Juli 2022):

78 Herrenteams
10 Damenteams
28 Mixedteams
19 Seniorenteams
∑ 135 Teams x 5 Teammitglieder = 675 Teilnehmer  

87 Herren-Einzel
12 Damen-Einzel
4 Senioren-Damen-Einzel
53 Senioren-Herren-Einzel  
∑ 156 Einzelfahrer     

Gesamtteilnehmer: 831 

Die vergoldete, sieben Meter hohe Marienstatue mit Jesuskind wurde im Jahre 1700 vom Kelheimer Ratsherren Jakob Mayr gestiftet, was die Inschrift auf der Ostseite des Sockels dokumentiert: "Gott und der seligsten Jungfrauen Maria zu Ehren hat diese Säullen aigen machen lassen der ersame und weise Herr Jakob Mayr des Rahtes dahier".

Einzelzeitfahrer versus Teamfahrer

Im verbissenen Kampf gegen die Uhr kostet der (schlaflose) Wettkampf extrem viel Kraft und geht an die Substanz. Hierbei widerfährt Einzel- und Teamfahrern nicht nur eine vollkommen unterschiedliche Gefühlswelt, sondern auch deren Fahrweise unterscheidet sich gravierend. 

Bild: Einzelstarter zirkeln Runde um Runde lässig um die enge 180° Innenkehre, während (frisch ausgeruhte) Teamstarter kraftvoll in die Pedale treten und sich hoch motiviert ins Rennen stürzen. Für Einzelstarter ist eine gleichmäßige Leistungsentfaltung unterhalb der anaeroben Schwelle (GA 2) das oberste Gebot, d.h. Fahren im "roten" Spitzenbereich ist ein absolutes No Go. Ganz im Gegensatz zu Teamfahrer, die nach jeder absolvierten Runde eine kurze Erholungszeit zur Regeneration haben, währenddessen sich die Teamkollegen aufopferungsvoll in den "Ring" schmeißen. Deshalb können Teamstarter ihre Einzelrunden - je nach körperlicher Verfassung - als hochintensives Intervall an der individuellen anaeroben Schwelle ballern, bei der sich die Belastungsintensität noch einigermaßen im Gleichgewicht zwischen Laktatbildung (Milchsäureansammlung im Blut) und -abbau befindet. Es versteht sich von selbst, dass jeder Fahrer sein Bestes gibt, auch wenn das Risiko zu Überziehen bei einer 24 stündigen Ausdauerschlacht wie ein Dameklosschwert ständig mit schwingt. Die heikle Herausforderung besteht eben darin, seine Leistungsentfaltung über die gesamte Wettkampfdauer hinweg so schlau zu steuern, damit der schmale Grad einer ausgewogenen Balance zwischen körperlicher Be- und Entlastung (Regeneration) gewährleistet bleibt und somit einen rapiden Leistungseinbruch vorbeugt. Im Vergleich zu Eintagesrennen mit Spitzenbelastungen ist beim Race24 eine gleichmäßige Pace (ohne leistungshemmende Milchsäure) über die gesamte Renndauer zu reproduzieren. Ausnahme von der Regel: rennerprobte Radsportler, deren langjährigen körperlichen Anpassungsprozesse wegen eine höhere Laktattoleranz verfügen, d.h. die Fähigkeit besitzen, trotz Laktatansammlung Höchstleistungen zu erbringen. 

Laktattoleranz 

Als Laktat wird ausgesonderte Milchsäure im Blut bezeichnet, die vor allem durch die anaerobe Verbrennung entsteht. Anaerob bedeutet, dass der Stoffwechsel unter Sauerstoffschuld abläuft, d.h. dass für den Stoffwechsel (Energiegewinnung) nicht ausreichend Sauerstoff vorhanden ist. Je nach Trainingszustand kann der Körper mehr oder weniger Laktat abbauen. Zu viel Laktat (Übersäuerung) reduziert in jedem Fall die Ausdauerleistung. 

Während Teamfahrer üblicherweise am Anschlag fahren, schlagen Einzelfahrer notgedrungen eine niedrigere Intensität an, damit die Leistung nicht wider Erwarten plötzlich in den Keller rauscht. Für Solisten liegt der Schlüssel zum Erfolg in einer ausgesprochen rhythmischen Fahrweise, die anaerobe Belastungsspitzen meidet. Wird dieser Grundsatz nicht beherzigt, kann der Schuß nach hinten losgehen und einem Knall auf Fall der Stecker gezogen werden. Eine tückische Überbelastung - gefördert durch aktuen Schlafmangel -  macht sich irgendwann in sprunghaft gestiegenen Rundenzeiten bemerkbar. Eine bittere Pille, die vor allem Einzelfahrer bei zu ungestümer Fahrweise bzw. mangelnder Erholungszeit schlucken müssen.

Andererseits gehören Up & Downs bzw. vorübergehende Durchhänger über den langen Zeitraum hinweg zur Normalität, d.h. sie kommen und gehen. Selbst innerhalb einer einzigen Runde kann man unter Schnappatmung am Berg schier verzweifeln wenn man ständig überholt wird, nur um wenige Minuten später Hochgefühle zu empfinden, sobald man in einem schnellen Zug Richtung Kelheim an der 50 km/h Schallmauer kratzt.

Rückblickend betrachtet wird der Grundstein zum Erfolg freilich sehr früh gelegt. Wer im Winter bzw. Frühjahr die Zügel schleifen lässt, wird gegenüber seinen Mitstreitern, die einen zielgerichteten Formauffbau betreiben, sicher keinen Blumentopf gewinnen.

Vor dem Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Um sein formidables Leistungsvermögen vollumfänglich abzurufen, bedarf es neben einer exzellenten Grundlagenausdauer, eiserner Willenskraft, sorgfältigen Krafteinteilung, cleveren Renntaktik und bedarfsgerechter Energiezufuhr. Auch wenn sich die Vorgehensweise der Team- und Einzelfahrer grundlegend voneinander unterscheidet sind alle Teilnehmer vom selben Ziel getrieben, den Kurs innerhalb des 24 Stunden Zeitfensters so oft als möglich zu umrunden. Gleichwohl saugt die Extrembelastung Runde um Runde die Power aus dem Körper. Je länger die Challenge andauert, desto zäher und schmerzvoller fühlen sich die 170 Höhenmeter des Stausackerer Berges an. Selbst die vermeintlich leichte Flachpassage zwischen Essing und Kelheim gebährt sich - trotz Windschattenfahrten - zunehmend zur Tortur. Tropft man aus windschattenschützenden Pulks ab, fristet man als Einzelkämpfer so lange frustriert sein Dasein, bis einem ein nachfolgender Zug aufsammelt und das "Spielchen" von neuem beginnt. Von daher ist eine hohe Laktat- und Schmerztoleranz gefragt, um Ermüdungserscheinungen (Schlafedizit) einigermaßen weg zu stecken - sprich dem inneren Schweinehund Paroli zu bieten. Sich 24 Stunden lang gegen einen potentiellen Leistungsabfalll zu stemmen ist ein körperlicher Kraftakt, der unbändiger Willensstärke bedarf.

Teams setzen sich maximal aus fünf Fahrern zusammen, die sich (beliebig) abwechseln können. Welche Strategie letztlich angewendet wird, bleibt uneingeschränkt der Teamentscheidung vorbehalten. Selbst eine vereinbarte Reihenfolge der Fahrer ist nicht in Stein gemeiselt. Jederzeit kann in Abhängigkeit der Rennsituation taktisch umgestellt werden. Nur die Örtlichkeit des Fahrerwechsels ist in der Wechselzone verbindlich vorgeschrieben. Teamfahrer folgen stetig demselben Ritual: Vorbereitungsphase auf den Wettkampfeinsatz → frühzeitige Anfahrt zur Wechselzone → Full-Speed-Challenge → nach absolvierter Runde Rückfahrt zum Fahrerlager-Teamplatz → Umziehen →  Essen/Trinken → Erholungsphase/Schlafen → Umziehen → frühzeitige Anfahrt zur Wechselzone und so weiter und so fort, bis am Sonntag um 14.00 Uhr die Zielglocke bimmelt. 

Von 21:00 bis 06:00 Uhr besteht nicht nur Beleuchtungspflicht, sondern alle Fahrer auf der Strecke müssen eine reflektierende Warnweste oder ähnliches tragen. Der Nonstopp-Fight geht mit Einbruch der Dunkelheit in eine vorentscheidende Phase, wobei der eigentliche Knackpunkt jedesmal von neuem der Anstieg über den »Col de Stausacker« ist. Fortschreitender Kraftverlust, gepaart mit einhergehendem Schlafentzug machen zunehmend mürbe. Von daher wollen Glykosespeicher mit leicht verdaulichen Energielieferanten sorgfältig nachgefüllt sein, denn ohne Mampf kein Kampf!

Es gilt als Binsenwahrheit, dass Anstiege als natürliche Selektionsbarriere wirken und das Fahrerfeld durcheinander wirbeln. Einerseits kann man attackieren oder taktieren, andererseits aber auch viel Zeit verlieren und Kräfte sinnlos verpulvern wenn der Bogen überspannt wird. Vor allem zu Rennbeginn, wo die Euphorie am größten ist, muss man sich zügeln um nicht zu überpacen. Die Rechnung für zu ungestüme Fahrweise wird im Ausdauerbereich meist erst später ausgestellt. 

Zum Glück gibt es unermüdliche Motivationsanheizer, die auf der Fanmeile des Stausackerer Berges schallende Musik - angefangen von Rock-Klassiker von van Halen, AC/DC-Klassiker über Gute-Laune-Schlager wie das „rote Gummiboot“ oder Hubert von Goiserns Hirtamadl - raushauen, und mit grellem Scheinwerferlicht die Nacht zum Tag machen. Sobald die Dämmerung hereinbricht, steigt die Stimmung unter den Fan-Gruppen rapide, was natürlich ein stückweit auch dem Alkoholpegel geschuldet ist. Bis weit nach Mitternacht ist der »Col de Stausacker« - abgesehen vom prallgefüllten Bierzelt - das Epizentrum des Renngeschehens. Die moralische Unterstützung ist für ausgemergelte Fahrer Gold wert, weil es von der quälenden Schinderei ablenkt und die Müdigkeit zumindest zeitweise vergessen macht. Außerdem wird sowieso kein Schweißtropfen vergebens vergossen, weil ein Teil der Startgebühr in Charity-Projekte fließt.

Bild: Christoph Strasser und Barbara Wilfurth (Präsidentin Veloclub Regensburg)

Promi-Starter gab es in Kelheim schon zuhauf. Mit Christoph Strasser - mehrfacher Weltrekordhalter im 24-Stunden-Einzelzeitfahren und aktuell bester Ultra-Radmarathonfahrer der Welt - stand der österreichische Extremsportler bereits zweimal am Start in Kelheim. Der sechsmalige und amtierende Sieger des legendären Race Across America (innerhalb 2011–2019), gewann 2006 als Einzelfahrer mit 46 Runden (736 km - Start/Ziel Brauerei Aukofer) das 24 h Race. Der zweite Start 2019 stand dagegen unter anderen Vorzeichen, da Strasser für das Mixed-Team <Owayo Ambassador> ohne Siegambitionen antrat (7.Platz). Race24-Mitorganisator Rudi Eberl sagte: "Als Einzelfahrer würde er alles in Grund und Boden fahren“

Zuschauer-Tipp: Ein gemütlicher Spaziergang durch die Fahrerlager am Aumühlparkplatz, Alter Hafen und Niederdörfel erlaubt interessante Einblicke in den sehr speziellen Kosmos der Protagonisten. Dazu liefert die installierte LED-Videoleinwand am Stadtplatz spannende Livebilder. Radiomoderator Bernhard „Fleischi“ Fleischmann vom Bayerischen Rundfunk wird dem Publikum wieder gehörig einheizen. Das Rennen ist als Jedermann Veranstaltung beim BDR/BRV genehmigt, weswegen Lizenzfahrer die in der BDR-Rangliste besser als Platz 500 platziert sind nicht zugelassen sind. 

Sobald der Startschuß um 14.00 Uhr fällt, heißt es Feuer frei. Bereits auf der Einführungsrunde geht's ans Eingemachte, denn die schnellste Frau/Mann erhält den mit 100€ prämierten "Col de Stausacker-Bergpreis". Gemäß des Schlachtrufs des weltbekannten Boxkampfansagers Michael Buffer: „Let’s get ready to rumble“ nimmt das Spektakel 24 Stunden nonstopp seinen Lauf. Wer sich die kostenlose «Racemap App» auf's Handy lädt kann beim Live-Tracking die Fahrer live mit verfolgen.

Rückblick 2019

Aufgrund von zwei Event-Annulierungen konnte sich das Team »IronTrizone« mit den Lokalmatadoren Philipp Bertsch, Manuel Lohr, Michael Stieglbauer, Julian Sterner und Sebastian Neef drei Jahre lang als amtierendes Sieger-Herren-Team freuen. Gegen die schlagkräftige Crew hatte die Konkurrenz damals nichts zu vermelden. »IronTrizone« war von Beginn an auf Sieg gebürstet und zog voll durch. Am Schluß waren es 56 Runden (918.4km), was das Team »Radsport Gaimersheim 1 - Photovoltaik Hackner« mit gut 7½ Minuten Rückstand und »Schaible Heizung-Sanitär« auf die Plätze verwies. Es bleibt also spannend, wer am Sonntag den 10. Juli 2022 in den einzelnen Wertungskategorien auf's Podest klettern wird.

Favoriten-Check

In Bezug zur Titelvergabe hievt RSC-Vorstand Thomas Kellerer - fungiert erstmals in der Doppelfunktion als Renndirektor und Organisationschef - dieser Mannschaft in eine Favoritenrolle, bzw. traut etwa fünf bis acht Top-Teams einen Siegestriumph zu. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen übliche Verdächtige wie beispielsweise die Teams Gaimersheim, Veloclub Regensburg und Anitas Altstadtpension.

Nicht zu vergessen die drei hochmotivierten Teams vom RSC Kelheim, die den "Etablierten" den Sieg streitig machen wollen. Dazu der neu gewählte Vorstand: Wir sind absolut konkurrenzfähig und fahren ums Siegerpodest mit. Bei den Damenteams kristallisiere sich laut Kellerer hingegen kein Topfavorit heraus. Seiner Meinung nach zählen die Teams Gaimersheim, Veloclub Regensburg und RSC Kelheim zum engsten Kreis der Titelanwärter. Noch schwieriger ist eine Prognose bei den Senioren- und Mixteams, deren Anteil mit 150 Fahrern relativ hoch ist.

Von links nach rechts: Francisco Gennes (Gesellschafter/Geschäftsführer der Owayo GmbH), Christoph Strasser (Extrem-Radsportler/Ultracycling-Profi), Klaus Roithmeier (Ex-Vorstand RSC-Kelheim).

Sieger in den einzelnen Wertungskategorien vom 10.07. 2022 

Sieger in der Herrenkategorie wurde <Radsport Team Gaimersheim "Sachverständigenbüro Geith" mit sagenhaften 58 Runden, was eine Gesamtdistanz von 951 km entspricht. 2. Platz R.C.DIE SCHWALBEN 1894 MÜNCHEN, 3. Platz RSC Kelheim / bike-test.com

Das Rennen bei den Damen entschied der Rennstall <Radsport Team Gaimersheim "MY-painless-SPORT.de"> mit 50 Runden (820 km) für sich, und verwies den <RSC Kelheim> sowie den <Veloclub Ratisbona Ladies p/b Arberradmarathon.de> auf die Plätze.

Die Seniorenwertung Herren gewann >Radsport Team Gaimersheim Senioren "Photovoltaik Hackner" (56 Runden 918.4 km). Platz 2 ging an <Peppex Sports Team Masters>, Platz 3 an <RVN Freising>.

Die Mixed-Klasse gewann der <Veloclub Ratisbona Mixed p/b Arberradmarathon.de> mit 50 Runden (820 km). Es folgten <Team TOUR> und der <RSG Hövelhof>.

Bei den Einzelstartern Herren (Alexander Singer) und Damen (Katherina Stockerbauer) hatte jeweils der <RSC Kelheim> mit 41 Runden (672.4 km) bzw. 40 Runden (656 km) die Nase vorn.

Die Einzel-Seniorenwertung gewannen (Herren) Radsport Team Gaimersheim (Günter Gartner) 44 Runden 721.6km und bei den Damen der RSC Kelheim (Gabi Wittleben) mit 29 Runden 475.6km

 Die Wittelsbacher Stadt Kelheim - am Ausgang des Donaudurchbruchs unterhalb des Michelsberges an der Altmühl und Donau gelegen - ist für Radfahrer nicht nur ein populäres Anlaufziel, sondern zudem eine attraktive (Urlaubs-) Destination. Zum einen fungiert Kelheim als Etappenort für Renn- und Tourenradler die auf dem Altmühltal-Radweg, Donau-Radweg, Deutscher Limes-Radweg, Fünf-Flüsse-Radweg oder Via Danubia zu Tausenden hier Station machen. Zum anderen kommen Radtouristen (Sternradler) im Radparadies Bayerischer Jura voll auf ihre Kosten, weil das weit verzweigte - großteils familiengeeignete - Radwegenetz keine Wünsche offen lässt.

Teamfahrer fighten nach Musketen-Manier gemeinsam für ein zufriendenstellendes Rennergebnis. "Unus pro omnibus, omnes pro uno" - heißt frei übersetzt soviel wie "Einer für alle, alle für Einen." Herrscht unter den Fahrern Haromonie, ein guter Teamgeist und ein inniges Zusammengehörigkeitsgefühl, empfindet man am Fahrerlagerplatz so was wie eine Nestwärme. Man "verliert" bzw. "gewinnt" zusammen, nur gemeinsam ist man stark. Egomanen haben da keinen Platz, weil sie sich dem Teamspirit nicht unterordnen wollen/können.  

Für Laien mögen freiwillig aufgebürdete Strapazen, die die Sportler ohne Preisgeld auf sich nehmen nicht nachvollziehbar sein. Sogar als Sportler hinterfrägt man dann und wann sein eigenes Handeln. Doch zwiespältige Sinnfragen haben bei Leistungssportler erfahrungsgemäß nur eine kurze "Halbwertszeit". Sobald nach Zielschluß das "Graffl" auf dem Fahrerlagerplatz zusammengepackt wird, vollzieht sich nämlich ein seltsam schneller Meinungsumschwung. Von einem kategorischen „Nie, wieder" kippt die Stimmung in ein "Na warum nicht", das nächste Jahr trotz alle dem wieder an der Startlinie Gewehr bei Fuß zu stehen. Wenn dich das Fieber - sprich der Suchtbazillus - einmal gepackt hat, gerät rationales Denken sang und klanglos in den Hintergrund. Mit anderen Worten: die Emotionen übernehmen die kognitive Herrschaft. In diesem Sinne: es lebe die Leidenschaft! 

Gegen Rennende eruptiert nach der zermarternden Ausdauerschlacht der Vulkan der Emotionen. Am laufenden Band spielen sich euphorische Szenen ab. Wird letztmalig der Stoppbalken überschritten, löst sich schlagartig die innere Anspannung und macht erlittene Qualen ruckzuck vergessen. Enthusiastisch geht der Wettkampfstress und Erschöpfung in Schall und Rauch auf. Das Glücksgefühl ist grenzenlos, sodass bei dem einen oder anderen schon mal Freudestränen die Wangen hinab kullern. Eine Teilnehmerin kleidete ihr Fazit in treffende Worte: "Ein wahnsinnig intensives WE ging zu Ende, 1000 Tode gestorben und doch durch die Gemeinschaft immer wieder neu beflügelt in die nächste Runde. Ihr wart toll..

++Bayernbike wünscht allen Teilnehmern ein unfallfreies Rennen, starke Beine und ein erfolgreiches Finish!++

Streckengrafik mit Höhenprofil - Rennstrecken-Rundkurs Kelheim


Bewegen sie ihren Cursor auf dem Höhenprofil, wird interaktiv oben auf der Streckengraphik die geographische Position eingeblendet.

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