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  • Yeah, der Stausackerer Berg ist ein weiteres Mal geschafft
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24 Stunden Rennen Kelheim • 13. & 14. Juli 2024

Am 13. Juli 2024 läutet um 14.00 Uhr der markerschütternde Böllerschuss das traditionelle 24 Stunden Rennen in Kelheim ein. Die 26. Auflage wird die Kreisstadt Kelheim wieder rund um die Uhr zum turbulenten Wettkampfschauplatz verwandeln. Dann ist in der Kelheimer Altstadt sowie am Stausackerer Berg wieder "Remmidemmi" angesagt. Während die Radsportler 24 Stunden lang beharrlich gegen den inneren Schweinehund ankämpfen, versinken derweil die Fans in Jubel, Trubel, Heiterkeit. Das Radsport-Ereignis in der Wittelsbacher Stadt vermengt eine aufsehenerregende Raceatmosphäre und bebende Volksfeststimmung zu einer wundersamen Symbiose, von der Sportler und Zuschauer gegenseitig voneinander profitieren. So machen nicht nur die Rennfahrer mit ihrer grellen Beleuchtung die Nacht zum Tag, sondern viele Fan-Clubs stehen ihnen treu zur Seite und lassen ihre Radsporthelden bis tief in die Nacht nicht im Stich. Eine klare Win-Win-Situation für alle Beteiligte. Das ausgelassene Festivalflair hat sich längst herumgesprochen, weswegen der vorauseilende Ruf dieser Wettkampfveranstaltung weit über Bayerns Grenzen bekannt ist. 

Von den Sportlern verlangt die ultimative Ausdauerschlacht zähen Kampfgeist und unerschütterliches Durchhaltevermögen, während die Zuschauer das Event als lässige Unterhaltungsshow erleben, bei der sie ihre Protagonisten inbrünstig anfeuern und bis weit nach Mitternacht deren Motivation pushen. Obwohl das Augenmerk darauf ausgerichtet ist maximales Leistungpotenzial abzurufen, nimmt der Fahrer die überschwängliche Atmosphäre und euphorische Anteilnahme trotz Extrembelastung zumindest beiläufig wahr. Dass die begeisterten Fans emotional aufgeladen sind und am Streckenrand pausenlos Rambazamba machen ist aller Ehren wert. In der Herzogstadt ist die Feierlaune und das engagierte Anfeuern jedenfalls Kult. Zu den "Halli-Galli-Hotspots" zählen das Bierzelt am Ludwigsplatz, die unmittelbar angrenzende Wechselzone und natürlich der berühmt berüchtigte "Col de Stausacker", wo fast rund um die Uhr gechillte Partyatmosphäre herrscht.

Italienische Nacht - La dolce Vita 

 Wer früher anreist, kann sich am Freitag, den 12.Juli 2024 im Stadtgebiet bei der "Italienischen Nacht" ausgelassen amüsieren. Kelheim verwandelt sich dann wieder in die nördlichste Stadt Italiens. Eine Partymeile mit Musik, Modenschau und kulinarischen Spezialitäten haucht der Herzogstadt a la "La dolce Vita" italienisches Flair ein. Die Geschäfte in Kelheims Altstadt haben bis 22 Uhr geöffnet und laden zu einem entspannten Einkaufsbummel ein. Zu feurig italienisch-rhythmischen Klängen kann man bis 24 Uhr das Tanzbein schwingen. Abseits des Trubels laden Cafés und Einzelhändler zum Verweilen bei mediterranen Köstlichkeiten und erfrischenden Getränken ein. Der Alte Markt wird wieder zum "gmiatlichen Eck".

Bild: alle Achtung, trotz quälendem Rennstress am Stausackerer Berg ein Lächeln auf den Lippen

Steigende Teilnehmerzahlen 

Nach zweijähriger (Corona-) Zwangspause 2020/2021 und rückläufiger Teilnehmerzahl im Jahr 2022 (800) standen zur 25. Jubiläumsauflage am 8./ 9. Juli 2023 wieder deutlich mehr Teilnehmer am Start (976 Sportler, bestehend aus 162 Staffeln und 166 Individualisten). Bleibt spannend, ob dieses Jahr die Tausendermarke oder gar die Rekordteilnehmerzahl von 2019 (1.150) geknackt wird. Eine hohen Teilnehmerzahl geht mit wachsender Leistungsdichte einher, was einem spannenden Wettkampfverlauf nur zuträglich ist. Vorfreude ist jedenfalls angesagt, zumal die vom RSC Kelheim perfekt organisierte Veranstaltung einen legendären Kultstatus genießt. Deshalb darf Jedermann und Jederfrau der Ausdauerschlacht erwartungsvoll entgegenfiebern. In diesem Sinne: Auf geht’s! Vai, Vai! Allez, Allez! Venga, Venga! 

Die Altstadt gleicht als Dreh- und Angelpunkt des Spektakels einem brodelnden Hexenkessel, d.h. hier spielt im wahrsten Sinne des Wortes die Musik. Auf Kopfsteinpflaster rasen tief geduckte Gestalten in Unterlenkerposition vom Mittertor über die Ludwigstraße und verschwinden im tosenden Bierzelt, nur um am anderen Ende nach dem Stoppbalken total aufgedreht ins oberhektische Fahrerwechselgetümmel zu stürzen und verzweifelt nach dem Teampartner zu rufen. Logisch, dass das Tohuwabohu in der Wechselzone vis a vis der 7 Meter hohen Mariensäule (Nachbildung von Münchens Patrona Bavariae) viele Zuschauer anzieht. Die knisternde Spannung - wo schweißgebadete Fahrer ihren Teampartnern in Windeseile ihren symbolischen Staffelstab überreichen - schwappt natürlich auf die umstehende Menschenmenge über. Einzelfahrern bleibt dieser ganze Heckmeck wohlweislich erspart, da sie geduldig ihre Bahnen alleine ziehen. Still und leise drehen sie stoisch ihren 180° Turn, und kurbeln unaufgeregt wieder von dannen. 

Das Festzelt - Stimmungsquelle Nr. 1

In Sachen Stimmung schießt das Bierzelt den Vogel ab. Hier Speichenflitzer, die entfesselt „durchpacen“, dort ausgelassene Festzeltbesucher, die gesellig ihren kulinarischen Gelüsten freien Lauf bzw. sich frisch gezapftes Bier schmecken lassen. Einen krasseren Kontrast, bei dem schweißüberströmte Wettkämpfer hier und eine vergnügliche Zuschauermenge in Feierlaune dort auf engstem Raum aufeinandertreffen kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Und das ist bei weitem noch nicht alles, denn die Atmosphäre der aufgepeitschten Menschenmenge wird zudem noch von einer Liveband gewaltig angeheizt. 

Das eigentliche i-Tüpfelchen für die 24 Stunden-Racer ist die sperrgitterbeengte Fahrt durch's Bierzelt, bevor ein dicker Stoppbalken dem unbändigen Vortrieb ein jähes Ende setzt. Inmitten der entfesselten Bierzeltbesucher - goutiert von zünftiger Blasmusik - werden die Hasadeure jedes Mal auf's Neue vom Gänsehautfeeling ergriffen. Freilich überträgt sich die Fetzengaudi unweigerlich auf die rein- und rausströmenden Radsportler, was deren Motivation anstachelt und dem Wettkampf eine überaus gefühlsbetonte Note verleiht. Ein Bierzelt als integrativer Bestandteil eines Radrennens - so eine aufgeheizte Actionshow dürfte deutschlandweit wohl einzigartig sein. Dies bestätigt auch der 1. Vorstand vom Veranstalter RSC Kelheim Thomas Kellerer, der der Mittelbayerischen Zeitung ein Interview gab: „Dieser Hotspot mit den Fans bringt die einzigartige Stimmung und ein Alleinstellungsmerkmal des Rennens“. Dies bestätigt auch der 1. Vorstand vom Veranstalter RSC Kelheim Thomas Kellerer, der der Mittelbayerischen Zeitung ein Interview gab: „Dieser Hotspot mit den Fans bringt die einzigartige Stimmung und ein Alleinstellungsmerkmal des Rennens“.

Keine Frage, feiernde Zuschauer und hoch konzentrierte Rennteilnehmer bilden einen drastischen Gegenpol. Ohne dem atmosphärischen Brimborium würde der Veranstaltung glatt die "Seele" abhanden kommen. Das eine bedingt das andere, beides gehört zusammen. Nutznießer von der grandiosen Öffentlichkeitswirkung ist letzten Endes auch der RSC Kelheim e.V., der das Event seit 1997 erfolgreich ausrichtet. Dank der gefühlsmäßigen Gemengenlage genießt das Mega-Spektakel in seiner eigentümlichen Art deutschlandweit ein beispielloses Alleinstellungsmerkmal. Nicht zu vergessen der Stausackerer Berg, wo die Fanmeile am Streckenrand unermüdlich ihre Gladiatoren mit wummernder (Rock-) Musik, Kuhglocken und lauten Zurufen anfeuert, um deren letzte Energiereserven zu mobilisieren. Wie dem auch sei, wer als Akteur oder Zuschauer Teil dieses außergewöhnlichen Spektakels sein will und die emotionalen Achterbahnfahrten zwischen Hoch und Tiefs erleben bzw. den Gefühlsstrudel als begeisteter Fan empatisch beobachten möchte, dem sei ins Ohr geflüstert: "Probierst es, dann gspürst es".

Feuer frei!

Der große Shodown zum eines der populärsten 24 Stunden Radrennen Deutschlands fällt am Samstag punkt 14.00 Uhr vis a vis des Alten Donauhafens. Dann beginnt die Uhr für die Ausdauer-Cracks zu ticken - ready to rumble! Für alle, die sich in den Startlöchern befinden heißt es die Komfortzone zu verlassen und sich wagemutig ins Renngetümmel zu stürzen. Glattrasierte Beine, geballte Motivation und hohe Schmerztoleranz bringen Naben und Lager der Rennboliden zum Glühen. Bis zum Rennabpfiff liegen 24 zermürbende Stunden zwischen Himmel und Hölle. Welche Anekdoten bzw. Helden- und weniger heldenhafte Geschichten 2024 gechrieben werden weiß kein Mensch. Doch genau das ist es, was das Radrennen in Kelheim so richtig interessant und spannend macht.

Ein Trugschluss wer meint, dass die Startrunde hinsichtlich der Wettkampfdauer kraftschonend mit angezogener Handbremse angegangen wird. Zumindest für die auserkorenen Startfahrer aus den bis zu 115 Teams lautet ein ungeschriebenes Gesetz: von Null auf Hundert. Wird das Starterfeld um 14.00 Uhr von der Leine gelassen ist Schluss mit lustig. Jeder möchte seinen Mitstreitern zeigen, wo der Bartel seinen Most holt. Auf Teufel komm raus wird entfesselt zur ersten Kehre gesprintet und am "Col de Stausacker" ordentlich Dampf gemacht - noch dazu, wo eine 100 € Bergprämie einen kleinen finanziellen Anreiz bietet. Binnen weniger Minuten zieht sich der Tross schon gut einen Kilometer auseinander. Während vorne Pace gemacht wird rollen (Einzel-) Fahrer im hinteren Feld wesentlich entspannter los, was die extreme Leistunsspreizung schon beim Start widerspiegelt. Bereits nach 22 Minuten kommen die ersten Fahrer von ihrer Startrunde zurück. Dies entspricht einem Stundenmittel von sage und schreibe 43.5 km/h. Nachzügler hingegen benötigen gut die doppelte Fahrzeit. Erste Überrundungen gegen Ende der zweiten Runde zeigen, dass das Feld bereits nach 45 Minuten schon 16.5 Kilometer auseinandergerissen ist.

Rückt der Startzeitpunkt näher steigt die innere Anspannung minütlich. Im aufgewühlten Getümmel wird auf die Schnelle nervös das Wichtigste gecheckt. Neben Small Talk und Fachgesimpel wünscht man seinem Nebenmann/Frau viel Glück. Bereits zum Auftakt des Rennens geht's volle Lotte ans Eingemachte. Batteln sich in der Auftaktschleife die einen um das ausgelobte Preisgeld fokussieren sich andere darauf, ihr Team von Anfang an in eine aussichtsreiche Position zu lancieren, damit der Kontakt zu schnelleren Fahrern aufrechterhalten bleibt. Dies hat für Teamfahrer deshalb Priorität, weil von Beginn an ein zeitrelevanter Dominoeffekt entsteht. Besonders in den Anfangsrunden wird eine Spirale in Gang gesetzt, die sich von Fahrer zu Fahrer bzw. von Stunde zu Stunde fortplanzt, was einen maßgeblichen Einfluss auf das Ranking nehmen kann. Konkret gesagt: je nachdem welche Gruppe nach dem Fahrerwechsel erwischt wird, kann die Rundenzeit entweder purzeln oder in die Höhe klettern. Deshalb macht es Sinn, das leistungsstärkste "Rennpferd" am Start aufzubieten, um den Anschluss an schnellere Fahrer bzw. Gruppen möglichst viele Runden zu wahren. Abgesehen vom persönlichen Leistungsvermögen kann ein Quäntchen Glück durchaus das Zünglein an der Waage spielen. 

Im Gegensatz zu Teamfahrern, die nach jeder Runde eine Regenerationszeit genießen, müssen Einzelfahrer zwangsläufig eine andere Taktik anwenden. Anstatt das Leistungsmaximum auszuschöpfen, zielt ihre Pace (moderate Fahrweise) vielmehr auf eine beständige Ausdauerleistung ohne Leistungsspitzen. In komoder Gangart ist sorgfältig darauf zu achten, im sogenannten "Schongang" den Kräfteverschleiß in Grenzen zu halten. Demnach gilt ist es in "Eichhörnchenmanier" möglichst gleichmäßig im aeroben Belastungsbereich Runde um Runde abzuspulen. Je nach Erschöpfungsgrad helfen gelegentliche Powernaps („nap“ bedeutet auf Deutsch „Nickerchen“) die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Das Wichtigste für Einzelfahrer ist nicht zu überpacen oder gar in den Unterzucker (Hungerast) zu fallen, ansonsten droht der Anfang vom Ende, weil während dem Rennen eine vollständige Regeneration - auch des Schlafmangels wegen - nahezu ausgeschlossen ist.

Wer Siegambitionen hegt, muss vom Start weg auf Schlagdistanz zur Spitze bleiben, ansonsten geht der Traum ziemlich schnell in Schall und Rauch auf. Hierbei fällt dem Startfahrer eine entscheidende Schlüsselrolle zu, nämlich unter allen Umständen den Anschluss an Top-Fahrern zu wahren. Generell gilt: je höher der Windschattenanteil in einer schnellen Gruppe, desto schneller die Geschwindigkeit und folglich umso besser die erreichte Rundenzeit. Schließlich ist der Luftwiderstand mit Abstand der größte Widersacher des Radfahrers. Wer wider Erwarten reißen lässt und sprichwörtlich in den Wind gesetzt wird kann nur Schadensbegrenzung betreiben und den drohenden Zeitverlust so gering als möglich zu halten. Solofahrten auf der Flachpassage zwischen Essing und Kelheim schlagen auf's Gemüt und gehen jedem gehörig auf die Nerven. Fristet man ohne energieeffiziente Schützenhilfe als Solist frustriert sein Dasein wird nämlich viel Kraft vergäudet. Verliert man dann trotz kämpferischen Einsatz nicht nur wertvolle Zeit und womöglich Tempomacher aus den Augen untergräbt das Malheur zu allem Übel auch die Moral.

Der Start zum Race24 erfolgt traditionell Samstags 14.00 Uhr auf der Brücke am „Alten Hafen“ von Kelheim (Hienheimer Straße), wo etwa 1.000 filmende/fotografierende Zuschauer neugierig das Procedere verfolgen und die Fahrer applaudierend auf ihre Reise schicken. Vom Startpunkt (343 m ü.NN.) aus - der sich 400 Meter westlich der Wechselzone befindet - sind es bis zum Scheitelpunkt am Stausackerer Berg (500 m ü.NN.) fünf Kilometer. Samt kurzem Gegengefälle (23 Tiefenmeter) werden auf diesem Streckenabschnitt 166 Höhenmeter überwunden, während die 11 km lange Restrecke bis zur Wechselzone nur noch 27 Höhenmeter aufweist. Mit Ausnahme der 400 Meter kürzeren Startrunde weist die Originalroute eine Länge von 16.5 km auf (193 hm). Soweit die Kurzfassung zum Streckencharakter. Schnittpunkt bildet die Wechselzone, an der die Übergabe des Staffelstabs (Teamfahrer) die nächste Runde einläutet. Wettkampfziel ist, innerhalb von 24 Stunden maximal viele Runden zu absolvieren, bevor die Gesamtsieger in acht Wertungskategorien gekürt werden.

Die emotionale Erregung während der Startphase lässt automatisch den Adrenalinspiegel steigen. Wieso das schmerzlindernde Hormon ausgerechnet in dieser spannungsgeladenen Situation ausgeschüttet wird ist rasch erklärt. Nimmt das Gehirn eine Gefahr, Stresssituation (innere Anspannung, reizbedingte Nervosität) wahr, erhalten die Nebennieren das Kommando, blitzschnell Adrenalin auszuschütten. Der Neurotransmitter wirkt als Botenstoff und gibt das Signal von einer Nervenzelle zur nächsten weiter. Ein solcher Adrenalin-Boost entfaltet seine Wirkung im gesamten Organismus. Blutdruck und Herzfrequenz steigen, Bronchien und Pupillen weiten sich. Auch die Sauerstoff-Zufuhr ist erhöht. Automatisierte Mechanismen, die die Reaktionsschnelligkeit erhöhen indem Herz, Lunge, Muskeln und andere Organe in Alarm-Bereitschaft gesetzt sind, aber auch schmerzlindernd wirken und zu Höchstleistungen anspornen. Der Körper wird also vorsorglich in einen Art "Fight or Flight"-Zustand (Kampf- und Fluchtreflex entstammt der Evolutionsgeschichte des Menschen) versetzt. Dieser unwillentlich ausgelöste Mechanismus schafft die optimale Wettkampfvoraussetzung. Man fühlt sich leistungsstark, gewappnet für alles war kommen mag mitunter sogar regelrecht unbesiegbar. The body is ready to rumble - ergo keine Gnade für die Wade. Wahrlich ein berauschendes Gefühl das süchtig macht und seinen extatischen Höhepunkt im Ziel findet, was wissenschaftlich sogar bewiesen ist. Dies erklärt auch, warum Wiederholungstäter auf soviele bekannte Gesichter treffen.

Wie im Bild zu sehen ist wird am Material nicht gespart. Aber wie das halt so ist, auch sündhaft teure 4000 Euro-Carbonlaufräder verlangen Beschleunigsungskräfte. 

Bevor der Countdown beginnt und sich große Feld in Bewegung setzt, ist akustisch reihenweise das Einrasten der Schuhplatten in die Klickpedale zu vernehmen. Drei, Zwei, Eins - Rumms! Die Spitze rast los, als gäbe es kein Morgen mehr. Nachdem der markerschütternde Böllerschuß das Rennen in der Kreisstadt Kelheim (Niederbayern) frei gibt, peitschen die bis in die Haarspitzen motivierten Sportskanonen die folgenden 24 Stunden um den Rundkurs. Naturgemäß dröselt sich in der Anfangsphase des Rennens das dichte Starterfeld in Gruppen und Grüppchen auf. Schon nach wenigen Umläufen kristallisiert sich allmählich ein Ranking heraus, deren Konstanz sich mit fortschreitender Renndauer zunehmend stabilisiert.

Sowohl unter Team- als auch unter Einzelfahrern herrscht eine gewaltige Leistungsspreizung, schließlich treten ehrgeizige Radsport-Amateure, Jedermänner, Hobby-Radsportler, "Just for Fun" Radler bis hin zu Spaßpiloten mit lustigem Outfit und (zweckentfremdeten) Rädern gegeneinander an. Je nach Ambitionen klaffen die Rundenzeiten entsprechend auseinander. Ein männlicher Topathlet umrundete letztes Jahr die Rennstrecke in einer Zeit von 22:22 (Ø 43.5 km/h), die schnellste Dame schaffte eine Rundenzeit von 24:52 (Ø 39.1 km/h). Langsame Teamfahrer benötigen dagegen bis zu 45 Minuten für den Circle, was das Stundenmittel im Vgl. zum Schnellsten glatt halbiert (Ø 21.7 km/h). Trotz eklatanter Geschwindigkeitsunterschiede verlaufen Überholmanöver bis auf vereinzelte Ausnahmen ausgesprochen fair und kameradschaftlich ab. Sportliche Fairness kommt vor allem bei Windschattenfahrten zum tragen, wenn zugkräftige "Lokomotiven" schwächere "Ottonormalrennradler" aufsammeln und diese im Schlepptau mitziehen. Ausnahme von der Regel sind Elitefahrer, die sich um Führungspositionen oder gar den prestigeträchtigen Sieg batteln. Im elitären Spitzenfeld beeinflussen taktische Spielchen situationsabhängig das Wettkampfgeschehen. Hinweis: was früher zu Diskussionen führte, ist seit der Lizenzreform 2019 vom Tisch, als der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für Männer ein neues Amateur-Lizenzsystem in Kraft („Elite Amateure“ + „Amateure“) setzte. Seitdem dürfen Lizenzklassenfahrer am 24 Stunden Rennen in Kelheim wieder offiziell teilnehmen.

Berühmt-berüchtigter »Col de Stausacker«

Dass 24 Stunden-Racer ihren Organismus wie eine Zitrone ausquetschen und alles rausholen was Körper und Psyche zu leisten imstande ist, gilt trotz fehlender Preisgelder gemeinhin als Ehrensache. Der Rundkurs fordert sowohl am gefürchteten „Col de Stausacker“ als auch auf dem Flachstück im Altmühltal - sämtliche Streckenabschnitte werden ausgenommen von den Einzelfahrern normalerweise am Anschlag gefahren - jedesmal einen aufopferungsvollen Einsatz am Rand des Leistungsvermögens. Je nach aktueller Befindlichkeit empfindet man die Runde mal fies oder auch als geil (z.B. schnelle Rundenzeit), wobei ersteres wohl meistens überwiegen dürfte. Wird der Stausackerer Berg zum x-ten Mal schweißtreibend überwunden, stellt sich zu dem Quälgeist nicht selten das Gefühl einer zwiespältigen Hassliebe ein.

Der vermeintlich nie enden wollende Stausackerer Berg hat schon so manches Geschöpf weich gekocht und ihm den Zahn gezogen. Ohne sakrische Selbstüberwindung, stählener Wettkampfhärte, unbeugsamer Willensstärke und Schmerztoleranz bis zum geht nicht mehr, lassen Resultate wohl zu wünschen übrig. In der Radsportszene gehört es zur altbekannten Binsenweisheit, dass am Berg viel Zeit gutgemacht, aber eben auch viel Zeit liegen gelassen werden kann. Besonders auf dem letzten gefürchteten Zieher, der sich wie ein Kaugummi zum Scheitelpunkt in die Länge zieht tut es höllisch weh, wenn das "Gaspedal" durchgedrückt bleibt. Oben angekommen heißt es aufpassen, denn der Streckenzenit auf 500 Meter Höhe markiert eine strategische Schlüsselstelle. Hier besteht die Chance sich in Gruppen einzureihen und wertvollen Windschatten im günstigsten Fall bis Kelheim zu ergattern - oder aber auch die größte Gefahr diesen Vorteil leichtfertig zu verspielen. Der aerodynamische Vorteil verspricht eine geschwindigkeitsabhängige Kraftersparnis von etwa 30 Prozent, wobei der Effekt bei starkem Gegenwind noch höher ausfällt. Bezogen auf die Gefäll- und Flachpassage ist für eine gute Rundenzeit ein reduzierter Luftwiderstand ausschlaggebend. 

Die lange Nacht - Moralischer Dauerbeschuss mit unbekanntem Ausgang

Von 21:00 bis 06:00 Uhr besteht nicht nur Beleuchtungspflicht, sondern alle Fahrer auf der Strecke müssen eine reflektierende Warnweste oder ähnliches tragen. Der Kampf gegen die Uhr geht mit Einbruch der Dunkelheit in seine herausforderndste Phase, wobei der quälenste Knackpunkt jedesmal von neuem der Anstieg über den »Col de Stausacker« ist. Fortschreitender Kräfteverschleiß, gepaart mit Schlafentzug der bisweilen auch Konzentrationsmängel hervorruft, machen mürbe. Von daher ist es wichtig seine Glykosespeicher rechtzeitig mit leicht verdaulichen Energielieferanten aufzufüllen, denn wie heißt es so schön: ohne Mampf kein Kampf!

Die Welt beim 24 Stunden Rennen ist grundsätzlich in doppelter Hinsicht zweigeteilt. Einmal nimmermüde Partygänger, die bis in die Puppen feiern und anfeuern, andererseits Sportskanonen, die ferngesteuert unbeirrt ihre Runden abspulen. Zweitens der energiezehrende Tag- und Nachtrhytmus, den die Sportler verkraften müssen. Sind die Beine erst mal angeknockt und höhlt die Müdigkeit die Willenskraft aus, dann wandelt sich anfänglicher Spaß in puren Ernst.  

Nicht nur tagsüber sondern ebenso in der Nacht steppt der Bär, während sich für die Sportler die subjektive Wahrnehmung grundlegend ändert. Noch mehr gedankenversunken und entrückt dieser Welt wird befeuert von der Willenskraft die Kurbel geschwungen. Folgt man magisch angezogen der roten Rücklichterkette den Berg hinauf, taucht der flackernde Lichterschein die Finsternis in eine sonderbar mystische Aura die jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, trotz alledem einen harten Kampf mit sich selbst auszufechten. Gerade Nachteinsätze stellen die eigene Moral mit voller Wucht auf den Dauerprüfstand. Dies gilt umso mehr, wenn Regen, Kälte oder Wind das Powern noch unerträglicher machen. Ganz zu schweigen vom schlimmsten Moment, wenn man sich zur Erholung auf dem Feldbett eine Mütze Schlaf gönnt und dann wider Erwarten bei prasselndem Regen schlaftrunken aus dem kuschligwarmen Schlafsack schält und sich möglicherweise in unangenehm feucht-klamme Klamotten zwängen muss, nur um bei Kälte zitternd im Wechselzelt geduldig auf seinen Teampartner zu warten. Dann artet der Wettkampf unvermittelt zur "Mission: Impossible-Zerreißprobe" aus, der man allenfalls nur noch mental Herr werden kann, um wie Tom Cruise in seinem Actionfilm das Unmögliche doch möglich zu machen.

Rutschen Rundenzeiten ins Unterirdische, heißt es einmal mehr Beißen und sich am Riemen zu reißen um die Scharte beim nächsten mal wieder auszumerzen. Die eigentliche Kunst liegt in schweren Stunden darin, belastende Sinnkrisen fernzuhalten und schon gar nicht darüber nachzugrübeln, was einem tatsächlich schon alles weh tut. Absoluter Worse case ist, wenn die Muskulatur zu übersäuern beginnt (Laktat). Dann erlebt der Sportler im wahrsten Sinne des Wortes sein "blaues Wunder" mit offenem Ausgang.

Die lange Nacht schreibt ihre eigenen Gesetze, die noch eine Schippe mehr an eiserner Willenskraft, Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit verlangt als dies ohnehin schon bei Tageslicht der Fall ist. Die Herausforderung besteht darin, den Balanceakt zwischen Dauerbelastung und leistungsminderndem Laktatüberschuss über die gesamte Zeitdauer im Griff zu haben, wobei Schlafdefizit den fortschreitenden Zermürbungsprozess beschleunigt. Dieser Belastung heißt es standzuhalten, zumal sich ausgerechnet in der zweiten Nachhälfte aufmunternde Fans auf's Ohr legen und damit schlagartig dessen Motivationsschübe wegbrechen. Wenn Beine schmerzen, der Tritt schwerer wird, die Lunge ächzt, der Kopf dröhnt und die Moral in Sinkflug übergeht, sind Selbstzweifel bzw. Sinnkrisen nur noch einen Wimpernschlag entfernt. Die heikelste Rennphase ist angebrochen. Sie kostet enorm viel physische und kognitive Substanz, was einen ganz und gar ungebetenen Gesellen wachrüttelt, der im Gehirn seine Hochzeit feiert. Kennen tut den Bösewicht jeder Sportler. Zwar noch nie live gesehen, aber dennoch bittere Schlachten mit ihm ausgefochten. Die Rede ist vom gefürchteten inneren Schweinehund. Gerät die Moral unter Dauerbeschuss heißt es Zähne zusammen zu beißen bzw. die Pobacken zusammen zu kneifen. Augen zu und durch. Bleibt die treibende Antriebskraft - die mentale Stärke - intakt, ist alles gut.

Illuminiert rasen Sportler in beiden Fahrtrichtungen durch's Mittertor. Die einen strömen bis in die Haarspitzen motiviert zum "Col de Stausacker", die anderen kommen schweißgebadet von ihrer Rundenhatz zurück zur Wechselzone. Derjenige, dem es beim körperlichen und mentalen Kampf am besten gelingt über Tiefpunkte (man denke nur an nächtliche Regeneinsätze) hinweg zu kommen hat schon mal einen Wettbewerbsvorteil gegenüber jenen, denen die Bewältigung weniger gut gelingt. Steht das Durchhalten auf Messers Schneide, dann ist positives Denken der Schlüssel zum Erfolg. Vergleichbar eines On- Off-Schalters zwischen Sieg und Niederlage kann das Gefühlspendel über die extrem lange Wettkampfzeitdauer hinweg u.U. durchaus öfter in die positive oder destruktive Richtung ausschlagen. Hängt der Druck auf dem Pedal nur noch am seidenen Faden der Moral entscheidet sich im Wechselspiel ob der innere Schweinehund die Oberhand bekommt oder nicht. Eine Erfahrung, welche vornehmlich nachts durchlebt wird, wodurch sich auch der größte Merkmalsunterschied zu Eintagesveranstaltungen erklärt.

Die körperliche wie mentale Belastung ist immens, soll doch rund um die Uhr beständig Höchstleistung geliefert werden. Besonders während der Nachteinsätze bleibt es der Willenskraft überlassen, wieviel Zeit in den schweren Stunden verloren wird. Hammerhart wird das Rennen in der zweiten Nachthälfte, wenn zunehmend gegen Müdigkeit, Schmerzen, Erschöpfung und übersäuernde Muskulatur (Laktat) angekämpft wird, und zu allem Übel sich die (vom Feiern erschöpften) Stimmungsmacher schlafen gelegt haben. Sind erst mal die aufmunternden Anfeuerungsschreie verstummt die von der Schinderei ablenkten, dann wird es bedrohlich still und einsam, was den Kampf in der Limitsphäre auf ein unererträgliches Schmerz- und Stresslevel hebt. Ob als Teilnehmer oder Zuschauer, es ist schon irgendwie eine gespenstische Szenerie, wenn nachts dunkle Gestalten im Lichtkegel ihrer Beleuchtung wie surreal anmutende Silhouetten nahezu geräuschlos an einem vorbeihuschen. Bis zur einsetzenden Morgendämmerung kostet jede Runde noch mehr Überwindung - sprich Manpower -, um über sich hinauszuwachsen und dem aufmüpfigen Schweinehund am laufenden Band einen Maulkorb zu verpassen. Erschöpfungszustände können binnen weniger Augenblicke extreme Gefühlsschwankungen - die von glückbeseelter Laune bis zur deprimierenden Frustration hin und her pendeln - auslösen. 

Doch glücklicherweise findet jede Nacht mit einsetzender Morgendämmerung ihr Ende. Hat man seine Nightrides halbwegs gut überstanden und setzt die Dämmerung ein, dann erwachen flugs neue Lebensgeister. Blinzelt die aufgehende Sonne über der Befreiungshalle hervor, wandelt sich das Martyrium schlagartig in Zuversicht und (Vor-) Freude um. Ganz unerwartet scheint ein Ende in Sicht, d.h. das Licht am Ende des Tunnels richtet das Seelenleben unvermittelt wieder auf. Dies macht nicht nur überraschend schnell die Erschöpfung und Müdigkeit vergessen, sondern entfacht zudem neue Motivationsschübe. Dieser Gemütswandel ist dem einsetzenden Tageslicht zu verdanken, da es das Schlafhormon Melatonin vertreibt und gleichzeitig dem Serotonin - gemeinhin auch als Glückshormon bezeichnet - Platz macht. Ratzfatz schaut die Welt gleich wieder rosiger aus.

Glückshormonflash

Sonntag 14.00 Uhr - Bäääm, der Sack ist zu! Tschaka: das himmlische Paradies auf Erden ist Wirklichkeit geworden. Ein unvergesslicher Moment, bei der die gestresste Psyche und der geschundene Körper ihre "Payback-Karte" in Form einer unvergesslichen Glückshormonausschüttung erhalten. Allein für diesen unfassbaren Glücksmoment - bei dem nicht selten Freudestränen fließen - nimmt man die unsägliche Schinderei bis zur totalen Erschöpfung liebend gern in Kauf.  Dass man Höhen und Tiefen erlebt, gehört bei 24 Stunden Rennen einfach dazu. Hat der Finalsprint durch's Festzelt das Happy-End eingeläutet, wird als Lohn für die erlittenen Strapazen der extatische Glückshormonflash am Silbertablett serviert. Total erschöpft fällt man seinen Leidensgenossen überglücklich und erleichtert in die Arme und schwört an Ort und Stelle niemals sowas Verrücktes wieder zu tun. Gemeinhin ein Vorsatz von überschaubarer Dauer, da die felsenfeste Absicht wider Erwarten rasend schnell zu bröckeln beginnt. Dank des außergewöhnlichen Glücksgefühls dauert es nicht lange, bis der innere Zwang nach Wiederholung schreit. 

 Momentum explosionsartiger Gefühlsausbrüche

Wie das immer so ist nach einer 24 stündigen Ausdauerschlacht kommt das Beste natürlich zum Schluß. Freudestrahlend  liegen sich Teamkollegen, Freunde und Verwandte - ja sogar Konkurrenten - in den Armen. Jeder darf sich ohne Umschweife als Sieger fühlen. Erschöpfte, aber glückbeseelte Gesichter sprechen Bände. Dafür sorgen reichlich ausgeschüttete Glückshormone wie Dopamin, Serotonin, Endorphin und Oxytocin, die die unsägliche Freude über die vollbrachte Leistung widerspiegeln. Umso mehr die mentale und körperliche Kraft ausgeschöpft wurde, desto euphorischer fällt am Ende der Glückshormonrausch aus. Beides ist eng miteinander verflochten, von deren Korrelation (Wechselbeziehung) Radsportler ein Lied davon singen können. Besonders im Finishermoment tritt die Kausalität (Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen) von körperlicher Verausgabung und Glücksempfinden - bei der das eine Ereignis das andere bedingt - offen zu Tage. Von diesem Standpunkt aus betrachtet sind Radsportler wahrlich Glückspilze, weil sie sich scheibchenweise lustvoll die schönsten Seiten des irdischen Daseins abschneiden. Gerade weil die (Glücks-) Früchte so hoch hängen und diese weder zum Nulltarif noch käuflich zu haben sind, entladen sich die Gefühlsausbrüche so explosionsartig. Mit anderen Worten: ohne körperlichen Input (Training) kein emotionaler Output (Glücksgefühle).

Mit einem Mal löst sich jegliche Anspannung in Luft auf und entfacht schlagartig eine emotionale Gemengenlage, die von Genugtung, Glücksgefühle, Erleichterung, Stolz usw. geprägt ist. Jener Moment, der das neuronale Belohnungszentrum - als zentraler Impulsgeber des menschlichen Handelns - aktiviert. Letztlich ursächlich dafür, das hirneigene Kontrollinstanzen - und somit rationales Denken - überlagert, was dem sogenannten Suchtbazillus Tür und Tor öffnet. Da die Aktivierung des Belohnungssystems irrationales Handeln fördert erklärt, weswegen wir mitunter "verrückte" Dinge tun die mitunter sogar Risiken oder Gefahren ausblenden und uns innerlich drängen dasselbige immer wieder zu tun. Gleichzeitig erklärt es aber auch, warum Außenstehende die Nase über solch unerklärliche Torturen rümpfen. Fehlt die emotionale Selbsterfahrung bzgl. des hormonell bedingten Glücksflashs ist das aus ihrer Sicht anscheinend "abnorme" Verhalten schlicht und ergreifend unmöglich nachvollziehbar.  

Bilder sagen mehr als tausend Worte....

Ein Leistungsvergleich zwischen dem schnellsten und langsamsten Teamfahrer offenbart enorme Leistungsunterschiede: demnach lag die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit für 12 Runden bei 41.8 km/h, was einer Rundenzeit von durchschnittlich 23:34 min entspricht. Der langsamste Teamfahrer absolvierte demgegenüber 5 Runden (Rundenschnitt 46:45 min.) mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21.1 km/h. Somit fuhr der zeitschnellste Athlet annähernd doppelt so schnell wie der leistungsschwächste Teamfahrer im Feld.

Die frenetische Stimmung in der niederbayerischen Donau-Stadt entlang der Feiermeilen-Hotspots, im Bierzelt und der Wechselzone lässt niemanden kalt. Ganz im Gegenteil, lautes Klatschen, wilde Gesten, Geschrei und Anfeuerungsrufe lösen im Eifer des Gefechts regelrechte Motivationsschübe aus. Umgekehrt springt der Zündfunke gleichsam auf die Fans über. Jene gefühlsbetonte Wechselbeziehung zwischen den zwischen den unterschiedlich gepolten Akteuren macht im atmosphärischen Schmelztiegel letztlich das Salz in der Suppe aus. Wenn sich die "Gladiatoren" die Kante geben und am Rand der Leistungsfähigkeit auf Biegen und Brechen um Sekunden fighten, herrscht Ausnahmezustand. Gäb's ein sensorisches Stimmungsbarometer, dann würde das Messgerät wohl durch die Decke gehen. "Da geht's zu wie beim Sechs-Tage-Rennen, nur im Freien", sagt RSC-Ex-Vorstand Klaus Roithmeier: "Dazu trägt sicher auch unser umfangreiches Rahmenprogramm bei, mit Festzelt, Party und mehr...". 

Des einen Freud, des anderen Leid könnte man sagen. Während sich die einen bis zur totalen Erschöpfung verausgaben, bekommen die Zuschauermenge im Gegensatz dazu eine unterhaltsame und knisternde Liveshow - sprich Spektakel - geboten. Der Begriff Spektakel (lateinisch "spectaculum") trifft den Nagel auf den Kopf, da er mit Schauspiel, Augenweide, Krach und Lärm ein Ereignis bezeichnet das großes Aufsehen erregt, was ja für die stimmungsvolle Heiterkeit haargenau zutrifft. Emotionen schlagen jedenfalls hohe Wellen, völlig egal ob man das Rennen als Zuschauer betrachtet oder selber in die Pedalen tritt. Mittendrin statt nur dabei hat für alle Anwesenden Gültigkeit.

Wechselzone

Der sichtbarste emotionale Brennpunkt ist natürlich die Wechselzone.

In der Wechselzone herrscht stetes Kommen und Gehen wie im Taubenschlag. Knisternde Spannung liegt in der Luft, die Anspannung möglichst schnell seinen wartenden Teamkollegen auszumachen lässt sich an der Nervosität und schweißüberströmten Gesichtern unschwer ablesen. Ungeduldig warten die Fahrer zur "Wachablösung" auf ihren Teamkollegen, wobei sich bei der Staffelstabübergabe (i.d.R. eine Trinkflasche) mitunter erheiternde Szenen abspielen. Springt der schweißgebadete Ankömmling über den Stoppbalken, beginnt die nervöse Suche - akustisch begleitet von lautem Schreien - nach dem Teampartner, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. 

Der hektische Fahrerwechsel ist ist ein emotionsgeladener Moment, weil die Uhr auch im Stillstand unerbittlich weiter tickt. Das ungeduldige Warten auf die "Wachablösung" des Teamkollegen ist ein Ritual, das sich 24 Stunden lang wiederholt. Nach der Wechselstabübergabe entlädt sich für den Ankömmling schlagartig die Anspannung und das angeflutete Adrenalin, während der Gestartete unter tosendem Beifallsklatschen im Bierzelt entschwindet und in Sprintmanier beschleunigt. Nach Durchquerung des Mittertors wird Kurs auf den Stausackerer Berg genommen, um den Anstieg volle Kanone rauf zu heizen. 

Die "Homebase-Bubble"

Erfreulich ist, dass Besucher Zugang zu den sogenannten Backstagezonen haben. Gemütlich durch's Fahrerlager geschlendert erhascht der neugierige Beobachter authentische Einblicke in den abgeschotteten Kosmos der Hauptakteure. Der Blick hinter die Kulissen verrät, wie im abgekapselten "Wohn- und Schlafzimmer-Bereich" das organisierte "Chaos" abläuft. Nach einer Vollgasrunde wird die Pause bzw. der (mentale) Rückzug als abrupter Touch Down empfunden, bei dem sämtliche Systeme runtergefahren werden. Der "Wohlfühlort" gleicht einer "Homebase-Bubble", die abgesehen davon auch als Echokammer zwischenmenschlicher Beziehungen fungiert. Hier wird palavert, diskutiert, vom Rennablauf berichtet, Ergebnisse gecheckt, Taktiken geschmiedet und natürlich der Energiebedarf gedeckt. Insbesondere unter Teamfahrern spielt die soziale Kompetenz eine entscheidende Rolle, da Teamspirit und Teamgeist die Stimmung hebt und positives Denken fördert, was letzten Endes wiederum Motivationsschübe freisetzt. Aus Sportlerperspektive lässt sich der 24 Stundenakt vereinfacht auf drei Teilbereiche zusammenfassen: "Homebase" (Fahrerlagerplatz) + "Wettkampfarena" (Rennstrecke) + Wechselzone (Staffelübergabe für Teamfahrer). 

Es ist eine Frage der Ehre bzw. es gebietet die sportliche Fairness, dass Teamfahrer Einzelfahrern (kenntlich durch andersfarbige Startnummern) Windschatten geben, ohne sie zwingend an der Führungsarbeit zu beteiligen. Von der kurzzeitigen Allianz profitiert jeder Einzelne, weil es Kraftreserven spart und bessere Rundenzeiten verspricht. Was zunächst wie ein Widerspruch aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als nützlicher Synergieeffekt. Denn trotz vorherrschendem Konkurrenzdruck dient teamübergreifende Zusammenarbeit auch dem eigennützigen Interesse. Konsequente Zusammenarbeit der in Führung liegenden Teams hilft, weitere Nachfolger auf Abstand zu halten.

Natürlich ergeben sich immer wieder Rennkonstellationen die plötzliche Ausreißversuche provozieren. Fehlen Absprachen, das Tempo rauszunehmen, läuft alles auf ein brutales Ausscheidungsrennen - manchmal sogar auf einen Schlusssprint - hinaus. Attackieren Fahrer plötzlich und suchen ihr Heil in der Flucht, lösen sich taktische Zweckbündnisse binnen Sekunden in Luft auf. Mit einsetzender Dämmerung lässt so mancher Fahrer erste Federn. Um sich das Leben zu erleichtern ist es unter Führungsteams nicht unüblich, über Nacht einen "Nichtangriffspakt" zu schmieden. Verlässlich oder gar verbindlich sind solche Teamabsprachen freilich nicht,  d.h. ein mündlich vereinbarter "Waffenstillstand“ kann jederzeit ohne Wenn und Aber blitzschnell gebrochen werden. Moralisch verwerflich - renntaktisch nachvollziehbar, schließlich ist ein Rennen keine Kaffeefahrt. Ist ein Überraschungsangriff von Erfolg gekrönt, wird die Attacke für den Nachfolger zum Verhängnis. Wurde er kalt erwischt und unvermittelt in den Wind gesetzt ist es - wenn überhaupt - nur mit größter Kraftanstrengung (anearob) möglich, das aufklaffende Loch wieder zuzufahren. 

Startrunden-Video

TVA-Videobeitrag zum 24 h Rennen

Die Flachpassage im Altmühltal führt i.d.R. zu Zweckgemeinschaften. Windschatten spart wertvolle Energie und verspricht obendrein bessere Rundenzeiten als ein zermürbender Soloritt.

Podestplatzierungen 2023

Der RSC Kelheim landete in der Herren-Staffel denkbar knapp hinter Topfavorit Team Baier Landshut (58 Rd. 951 Kilometer) und vor KFS-Racer Praxis Fiedler. Der Rennverlauf hätte sich dramatischer nicht entwickeln können, da sich die Top-Teams permanent in Schlagdistanz belauerten. Tatsächlich wurde das Rennen unter drei zeitgleichen Teams quasi auf der letzten Rille erst auf der Finalrunde mit einer beherzten Bergsprint-Attacke entschieden. Team Baier Landshut (54 Rd., 886 Kilometer) heimste auch in der Mixed-Wertung das beste Resultat ein. Bei den Damen hatten die Schneider Weisse Racemädels powered by RSC Kelheim (52 Rd., 853 Kilometer) bei den Damenstaffeln die Nase vorn. Platz zwei ging an Radsport Team Gaimersheim My-Painless-Sport.de (52 Rd.). 

Team Herren

TEAM BAIER LANDSHUT E.V. 58 Runden 

RSC KELHEIM 1, 58 Runden

KFS-RACER PRAXIS FIEDLER, 58 Runden

Team Damen

SCHNEIDER WEISSE RACEMÄDLS POWERED BY RSC KELHEIM (52 Rd.)

RADSPORT TEAM GAIMERSHEIM 'MY-PAINLESS-SPORT.DE' (52 Rd.)

DIE 5 SENFTASTISCHEN FÜR HÄNDLMAIER UND PAUL (47 Rd.)

Team Mixed

TEAM BAIER LANDSHUT E.V. MIXED (54 Rd.)

MEGA-LINE RACING ELECTRONIC (53 Rd.)

REISEBÜRO PETSCHL (53 Rd.)

Team Senioren

RTG MASTERS - RADL-CENTER STÖCKL TAUFKIRCHEN (53 Rd) 

RVN FREISING (50 Rd.)

RC TEAM BABO ABENSBERG 1 (49 Rd.)

Einzel Herren

RITTER Samuel (44 Rd.) 

SCHWISTER Karsten (43 Rd.)

ZIMMERMANN Ulf (42 Rd.)

Einzel Damen

STOCKBAUER Katharina (40 Rd.)

IPFELKOFER Melli (34 Rd.)

NUSSER Anna (31 Rd.)

Einzel Herren Senioren

GARTNER Günter (44 Rd.)

GHOST Sam (43 Rd.)

SCHERRER Peter (43 Rd.)

Einzel Damen Senioren

ALBER Dagmar (26 Rd.)

HARTMANN Sabine (10 Rd.)

Veranstalter   

RSC Kelheim e.V.
Bergstraße 57
93309 Kelheim

http://www.race-24.de