Termine - Fristen 2020

Anmeldestart: 1 Februar 2020

Teilnehmerbesprechung, Samstag im Festzelt, 12:00 Uhr

Startunterlagen, Ausgabe im Rathaus - Zentrum Innenstadt

  • Freitag 10. Juli von 18:00 - 20:00 Uhr
  • Samstag 11. Juli von 09:00 - 12:00 Uhr

Wettkampfdauer: Samstag 11. Juli Start 14:00 Uhr bis Sonntag 12. Juli Zielschluß 14:00 Uhr

Wertungsklassen

  • Herren (max. 1 Dame)
  • Damen (nur Damen)
  • Mix (mindestens 2 Damen oder mehr)
  • Senioren: Gesamtalter mindestens 250 Jahre (Alter einzelner Fahrer spielt keine Rolle)
  • Einzelfahrer Herren
  • Einzelfahrer Damen

Der "Staffelstab" ist bei jedem Fahrerwechsel zu übergeben. Wie er transportiert wird (z.B. in einer Trinkflasche verstaut) bleibt den Teilnehmern überlassen. Dieser ist auf jeder Rennrunde mitzuführen. 

Liegeräder, Handbikes und Zeitfahrlenker sind nicht erlaubt. 

Startgeld

Team:

  • bis 30.04.2020 beträgt das Startgeld 350,- Euro
  • ab 01.05.2020 beträgt das Startgeld 400,- Euro

Einzel:

  • bis 30.04.2020 beträgt das Startgeld 120,- Euro
  • ab 01.05.2020 beträgt das Startgeld 150,- Euro   

Sonderregelung für die MIX-Wertung

Nach den ersten 15 Runden ist es Vorschrift, dass jedes Teammitglied bis dahin 3 Runden absolviert hat. Eine zeitliche Vorgabe für diese 15 Runden gibt es nicht. Bei Zuwiderhandlung erfolgt ein Rundenabzug. Die Maßnahme soll den Ursprungsgeist des MIX-Teams wahren, damit Damen und Männer gemeinsam für das Team um die Plätze kämpfen!

Beleuchtungspflicht von 21.00 - 6.00 Uhr

In der Nacht von 21:00 – 06:00 Uhr besteht Beleuchtungspflicht. Desweiteren müssen die Teilnehmer in diesem Zeitraum eine reflektierende Warnweste oder ähnliches tragen. 

Basics

Um sein Leistungsvermögen am Wettkampftag optimal abzurufen und mit Spitzenfahrern mitzuhalten braucht es neben einer obligatorischen Top-Form eine ausgeprägte Willenskraft, sorgfältige Krafteinteilung sowie clevere Renntaktik. Auch wenn sich die Fahrtaktik von Team- und Einzelfahrern grundsätzlich voneinander unterscheidet sind alle Teilnehmer vom selben Ziel getrieben, innerhalb der 24 stündigen Renndauer den Kurs möglichst oft zu umrunden. Doch Runde um Runde saugt die intensive Dauerbelastung die Körner aus dem Körper. Je länger die Challenge andauert, desto zäher und schmerzvoller fühlen sich die 170 Höhenmeter des Staussackerer Berges an. Selbst die vermeintlich leichte Flachpassage von Eining zurück nach Kelheim gebährt sich im Vollgas-Modus zunehmend zur Tortur. Von daher ist eine hohe Laktat- und Schmerztoleranz gefragt, um vor allem in der Nacht bzw. im Schlussdrittel gegen Erschöpfung und Schlafedizit - sprich den inneren Schweinehund - erfolgreich anzukämpfen.

Insbesondere wenn die zermartende Ausdauerschlacht zu späterer Stunde ihr Tribut einfordert und immer heftiger an der Moral zehrt, lösen frenetische Anfeuerungsschreie, beherztes Abklatschen und wummernde Lautsprechermusik wahre Motivationsschübe aus. Besonders unter Extrembelastung verschmelzen Wettkämpfer und motivierende Zuschauer im Moment des Vorbeifahrens zu einer harmonischen Einheit. Ein Zusammenspiel, das das wesentliche Charaktermerkmal dieser Traditionsveranstaltung ausmacht und für das es sich allein schon lohnt live dabei zu sein.

Zuschauer-Tipp: Ein gemütlicher Spaziergang durch die Fahrerlager am Aumühlparkplatz, Alter Hafen und Niederdörfel ermöglicht authentische Einblicke in den speziellen Kosmos der individuellen Fahrer bzw. Teams. Dazu liefert die installierte LED-Videoleinwand am Stadtplatz spannende Livebilder und Radiomoderator Bernhard „Fleischi“ Fleischmann vom Bayerischen Rundfunk heizt dem Publikum im Bierzelt gehörig ein. Das Rennen ist als Jedermann Veranstaltung beim BDR/BRV genehmigt. Allerdings sind Lizenzfahrer nach der neuen Lizenzreform, die in der BDR-Rangliste besser als Platz 500 platziert sind nicht zugelassen. 

Tag und Nacht unter Höchstbelastung um den Kurs zu heizen gibt niemals Gewähr wie lange man sein maximales Leistungsniveau aufrecht erhalten kann. Prinzipiell verlangsamen sich die Rundenzeiten über die Nachtstunden. Dauerbelastung, Wetteränderungen, Rennverlauf oder technische Defekt bergen naturgemäß ein gewisses Überraschungspotential. Andererseits liegt gerade in den unbekannten Parametern der eigentliche Reiz eines 24 Stunden Rennens. 

Rundencharakteristik

Die Runde beginnt mit der Ausfahrt aus dem tosenden Festzelt am Ludwigsplatz dem sich die sperrgitterbeengte, gepflasterte Ludwigstraße anschließt. Ist das Mittertor durchquert führt die anfangs flache Hienheimer Straße schnurstraks zum bewaldeten Stausackerer Berg, der sich aus zwei Steigungsblöcken zusammen setzt.

Etwa 600 m vom Startpunkt entfernt beginnt der zwei Kilometer lange Steigungsabschnitt (100 hm / Durchschnittssteigung 4.8%). Dem schließt sich ein sanftes Gegengefälle an (1.3 km) bevor die zweite Steigungspassage (1.5 km / 70 hm) mit einer Durchschnittssteigung von 4.6% zum Scheitelpunkt hinauf führt. Auf der anschließenden Gefällstrecke ins Altmühltal (4.5 km / 138 Tiefenmeter) wird die erarbeitete potentielle Energie wieder in kinetische Energie (Bewegungsenergie) umgewandelt. Ab 2019 greift ab dem Altmühltal die neue Streckenführung hinauf nach Eisensdorf von wo sich eine rasante Abfahrt ins Hammertal nach Essing anschließt. Dort mündet die Schleife wieder auf die traditionell bekannte Strecke ein. 

Auf der flachen Haupstraße bis zur Einmündung zur Altmühl-Brücke in Kelheim (5.5 km) heißt es Kette rechts. Spitzenteams erreichen in diesem Streckenabschnitt Durchschnittsgeschwindigkeiten von gut 45 km/h. Am Stadtrand bietet die kurze Brückenauffahrt im Wiegetritt Gelegenheit Mitstreiter auszukontern, um sich für die letzten 600 Meter eine vorteilhafte Ausgangsposition zu verschaffen. Nach einer rasanten Rechtskurve und anschließendem 90 Grad-Linksknick wird zum zweiten Mal das schmale Mittertor durchfahren. Die gepflasterte Ludwigstraße führt direkt ins Festzelt wo die Runde entweder am Stoppbalken/Wechselpoint mit der "Staffelstab-Übergabe" endet oder ein ein weiterer Umlauf in Angriff genommen wird.

Die abwechslungsreiche Streckencharakteristik bevorzugt weniger Spezialisten vom Fach als vielmehr Allrounder, die sowohl über gute Kletterfähigkeiten als auch Zeitfahrqualitäten besitzen. Wer dazu noch zähe Kraftausdauer und Willensstärke mitbringt, darf sich auf ein erfolgsversprechendes Resultat berechtigte Hoffnungen machen.

Sobald der markerschütternde Böllerschuß am Samstag um 14.00 das Rennen in der Kreisstadt Kelheim (Niederbayern) frei gibt, peitschen die bis in die Haarspitzen motivierten Sportskanonen nonstopp um den Rundkurs. Dann herrscht in der Innenstadt quasi der Ausnahmezustand, dessen bombastische Stimmung Akteure wie Zuschauer gleichermaßen fasziniert in den Bann zieht.

Neuerungen

2018 wurden einige Neuerungen mit dem Ziel eingeführt Sport und Unterhaltung enger miteinander zu verzahnen. So liefert eine große LED-Videoleinwand direkt vor dem Festzelt am Stadtplatz spannende Livebilder vom Renngeschehen. Radiomoderator Bernhard Fleischmann - Spitzname „Fleischi“ - übernahm das Ruder des lang gedienten Moderators Armin Wolf. 

Ebenfalls neu: Live-Tracking, bei dem Zuschauer / Fans den Wettkampf ihres Freundes, Kollegen, Familienangehörigen live mit verfolgen können. Einfach die kostenlose «Racemap App» für iPhone und Android auf's Handy laden - schon lässt sich die Fahrt des ausgewählten Fahrers nachverfolgen. 

Infos für Technik-Freaks:

Es wurde eine Infrastruktur gebaut für Public Wifi, Livestreaming und Zeitnahme. Zu diesem Zweck wurden ~7km Richtfunkstrecken gebaut, einige 100m Glasfaser verlegt, ~ ein dutzend Powerbeams, Nanobeams und Edgepoints verbaut. Hiermit wurden Zeitnahme, Videostreamingstationen und Publicwifi an vielen Standorten in der Stadt, sowie einigen Aussenstandorten versorgt. Auch eine akkubetriebene Relaystation in Ihrlerstein wurde hierfür errichtet.

Abgewickelt wurden in 24h ~300GB Client Traffic bei im Schnitt Ø400 gleichzeitigen Endgeräten im Public Wifi sowie 70GB Traffic für Streaming und Zeitnahme.

Ein wesentliches Charaktermerkmal des sportlichen Großereignisses ist die ausgelassene Volksfeststimmung, die sich mit spannender Race-Action zur harmonischen Symbiose vermengt. Es gibt nur wenige Radsport-Events in Deutschland bei denen es emotional so hoch hergeht wie in Kelheim beim 24 Stunden Rennen. Sowohl Athleten, welche gegen Erschöpfung und Ermüdung - sprich den inneren Schweinehund - ankämpfen, als auch euphorische Fans, die die Hasardeure lautstark anfeuern - jeder genießt den Spaß und das Wettkampferlebnis auf seine Art und Weise. Im Idealfall springt der Funke gegenseitig über, was im Festzelt, der Wechselzone oder dem Stausackerer Berg fast andauernd geschieht. 

Feuer Frei beim 24 Stunden Race in Kelheim

Jedes Jahr Mitte Juli steht die Stadt Kelheim im Zeichen des Amateur-Radsports Kopf. Das 24-Stunden-Rennen ist der beste Beweis dafür, dass spannender Rennsport, sportliche Höchstleistungen und frenetisch feiernde wie anfeuernde Fans nicht allein dem Profi-Radsport fern der Heimat vorbehalten bleiben. Die Großveranstaltung bietet hautnahen Radrennsport vom Feinsten, dessen turbulenter Volksfestcharakter die Stadt in Atem bzw. die unermüdlichen Fans auf Trab hält. 

Die Kreisstadt Kelheim ist am 13./14. Juli zum 23. Mal Schauplatz des populären 24 Stunden-Radrennens. Das <Original auf der Straße> - wie der Veranstaler sein Race-Event bezeichnet - genießt in der Radsportszene bis über die Grenzen Deutschlands hinaus einen großen Bekanntheitsgrad. Bereits am ersten Tag der Online-Anmeldung hatten sich 60 Teams + 30 Einzelfahrer für das Rennen eingetragen. Da es relativ viele "Wiederholungstäter" gibt, ist die Veranstaltung für battlesüchtige Athleten quasi ein "Pflicht-Termin".

Es ist angerichtet - das Startfeld steht Gewehr bei Fuß, die Schlacht kann beginnen. 

Heiß umkämpfte Anfangsphase - Taktikspielchen

Bereits zur Startrunde geht's ans Eingemachte, denn auf den ersten 5 Kilometer wird der "Stausackerer Bergpreis" ausgefahren. Für das Groß des Feldes geht es allerdings weniger um den Titel des "Bergkönigs" sondern vielmehr darum, das Team von Anfang an in eine aussichtsreiche Position zu launcieren. Grundvoraussetzung, um an schnellen Fahrern / Teams dran zu bleiben. Damit beeinflusst der ankommende Fahrer zumindest indirekt die Rundenzeit seines Teamkollegen der ihn ablöst was sich als Dominoeffekt von Fahrer zu Fahrer weiter fortpflanzt.

Damit die Chance auf eine Top-Teamplatzierung von Beginn an intakt bleibt muss unter allen Umständen der unmittelbare Anschluss an die Spitzengruppe gehalten werden. Dem Startfahrer kommt demnach eine entscheidende Schlüsselrolle zu. Verpasst er den Leaderzug, hat sich das hehre Ziel vorne dabei sein zu wollen - sofern den in Führung liegenden Top-Fahrern kein unvorhersehbares Missgeschick ereilt - aller Wahrscheinlichkeit nach in Schall und Rauch aufgelöst. Wer aus Unachtsamkeit bzw. fehlender Man/Woman-Power abreißen lässt oder jäh von einem unheilsamen Defekt ausgebremst wird der hat es grundsätzlich schwer, sich kräftezehrend wieder heran zu kämpfen um die Lücke zur Spitze zu schließen. Es ist hauptsächlich dem Luftwiderstand als größter Widersacher der Radfahrer geschuldet, dass Solisten ohne energieeffiziente Schützenhilfe von Mitstreitern aller kämpferischen Moral zum Trotz relativ viel Zeit auf der Strecke liegen bleibt. Neben einer unbefriedigenden Rundenzeit kosten Solofahrten nicht nur viel Kraft sondern strapazieren zusätzlch das Nervenkostüm.

Naturgemäß dezimiert sich in der Anfangsphase des Rennens das relativ große Starterfeld von Runde zu Runde. Schon nach wenigen Umläufen kristallisiert sich eine Führungsgruppe heraus, die 2018 aus den vier Teams Kreissparkasse Kelheim, Private-Racing.com, Winax und Strassacker bestand.

Grundsätzlich gilt für Teams: wer ebenbürtige Verbündete an seiner Seite hat, die ähnliche Ziele verfolgen (z. B. nachfolgende Teams auf Abstand halten bzw. auf vorausfahrende Teams den Vorsprung zu verkürzen um ggf. aufzuschließen) kann sich gegenseitig Schützenhilfe geben. Es ist eine Frage der Ehre bzw. die sportliche Fairness gebietet es, dass Teamfahrer Einzelfahrern (kenntlich durch andersfarbige Startnummern) Windschatten spenden, ohne sie zwingend an der Führungsarbeit zu beteiligen. Solange Allianzen harmonisch funktionieren profitieren in Sachen Energieeffizienz und Zeitersparnis alle Beteiligten. Auf der anderen Seite werden im Rennen keine Geschenke vergeben, denn teamübergreifende Zusammenarbeit entspringt ausschließlich eigennützigem Interesse. Sucht ein Fahrer urplötzlich sein Heil in der Flucht, dann endet das taktische Zweckbündnis so abrupt wie es begonnen hat. Von hier auf jetzt fährt jeder wieder auf eigene Rechnung.

Startrunden-Video

 Belastungsmerkmale Team- contra Einzelfahrer

Während Teamfahrer Runde um Runde volles Rohr fahren, sind Einzelfahrer hingegen gezwungen mit ihren Kräften zu haushalten. Dazu gehört eine gleichmäßige Fahrweise in der jeweiligen Belastungszone. Im Gegensatz zu Teamfahrern, die sich i.d.R. nach jeder Vollgasrunde abwechseln und dementsprechend vorübergehend erholen können, müssen Einzelfahrer auf ihren pausenlosen "Long Run Stints" ein konstantes Tempo nach persönlicher Maßgabe anschlagen. Wer sich leichtsinnig zu einer überzogenen Pace verleiten lässt wird der wird wohl oder übel zu späterer Stunde wie eine Sternschnuppe eingehen. Ein kontinuierlicher Rhythmus im eigens festgelegten Puls- oder Wattbereich ist für "Einzelkämpfernaturen" die Halbe Miete für das Bestehen eines erfolgreichen 24 Stunden Wettkampfs. Der Belastungscharakter - ergo die Renntaktik - unterscheidet sich demzufolge grundlegend von dem der Teamfahrer, die in Zeitfahr-Manier über den Rundkurs heizen als gäbe es kein Morgen mehr (Herren- Damen- Senioren- und Mixed-Teams). 

Faktoren wie zeit- und bedarfsgerechte Ernährung, Schlafdefizit-Bewältigung und positive Grundeinstellung helfen, die anstrengende Nacht halbwegs gut zu überstehen. Abgesehen von Defekt- oder Sturzpech können Übermotivation, Fehlernährung, ineffektive Pausenplanung, psychischer Druck oder fehlender Support der Mission womöglich ein vorzeitiges Ende setzen. Unahbängig der breiten Leistungsspreizung erklärt die unterschiedliche Belastungsintensität der Einzel-/Teamfahrer zahlreiche Überholvorgänge. Während Einzelfahrer (2018 waren über 200 gemeldet wovon sich 184 klassierten) vorwiegend im mittleren Intensitätsbereich stoisch ihre Runden abspulen (entspricht etwa 75-85% der maximalen Herzfrequenz (GA 2) - können Teamfahrer ihre Einzel- oder Doppelrunden maximaler ausgelastet hinter sich bringen. 

Fährt ein Solist des öfteren jenseits der individuellen anaeroben Schwelle (IANS) läuft er Gefahr, dass aufgrund erhöhter Laktatbildung (Milchsäure) die Muskeln übersäuern. Belastungsspitzen wie  Beschleunigungsattacken, alleiniges Fahren im Wind oder Rhythmuswechsel kosten wertvolle Körner. Auch Tretpausen, unrhythmische Kurzzeitbelastungen oder gar Sprints sind für Einzelfahrer ein "No Go", da sie auf Dauer einen Leistungsabfall in Gang setzen. Schwindende Kräfte bzw. Leistungseinbußen sind nur eine Frage der Zeit. Im Kern geht es um einen ökomomischen Fahrstil in einem Belastungsbereich der über die gesamte Wettkampfdauer hinweg aufrecht erhalten werden kann. Trotz vorgegebener Puls- oder Wattwerte sowie Hineinhören in den eigenen Körper bleibt es bei Langzeitbelastungen dennoch ein schmaler Grat das Tempo hoch zu halten ohne in den "roten" Bereich zu kommen. 

Je mehr Runden absolviert sind, desto stärker reguliert der Körper ohne jegliche willentliche Beeinflussung das Leistungsvermögen nach unten (Körperschutzfunktion). Wer z.B. mit 40 Runden Ziel auf Kurs ist hat immerhin 655 km mit 7 200 hm zu bewältigen. Gerade für Neulinge ohne Erfahrungswerte ist kaum abschätzbar wie der Körper mit einer Mütze voll Schlaf auf die enorme Dauerbelastung reagiert.

Der beste Zuschauer-Hot-Spot befindet sich im hektischen Wechselzonenbereich direkt hinter dem Festzelt neben der Mariensäule auf dem Ludwigsplatz. Bei der sogenannten "Staffelstabübergabe" geht es darum, möglichst wenig Zeit zu verlieren.

Im Gegensatz zu den Zuschauern bleibt für Rennteilnehmer im Eifer des Gefechts kein Freiraum sich mit der Historie der Stadt näher zu beschäftigen. Wen's interessiert: die vergoldete sieben Meter hohe Marienstatue mit dem Jesuskind wurde im Jahre 1700 vom Kelheimer Ratsherren Jakob Mayr gestiftet, was die Inschrift auf der Ostseite des Sockels dokumentiert: "Gott und der seligsten Jungfrauen Maria zu Ehren hat diese Säullen aigen machen lassen der ersame und weise Herr Jakob Mayr des Rahtes dahier".

Ungeduldig warten die Fahrer zur "Wachablösung" auf ihren Teamkollegen. Mitunter spielen sich im Moment der Staffelübergabe erheiternde Szenen ab. Was die sportlichen Ziele anbelangt sind diese so unterschiedlich wie die Individuen selbst. Für die meisten Radsportler zählt das "Dabei sein ist alles Prinzip", bei dem vordergründig der Spaß eine entscheidende Rolle spielt. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass deswegen der gesunde sportliche Ehrgeiz fehlt rund um die Uhr aufopferungsvoll in die Pedalen zu treten. Auf der anderen strebt die leistungsorientierte Spezies mit klarer Zielvorstellung gute Platzierungen an. Wie dem auch sei, spielt es bis auf "Gaudifahrer" keine Rolle - ob Amateur-Rennsportler, ambitionierte Hobbyfahrer oder Just for Fun Teilnehmer - jeder ist bemüht im Rahmen seiner Möglichkeiten das Leistungsmaximum aus sich herauszuholen.

Athletische Körperstaturen mit ausgeprägter Beinmuskulatur deuten optisch auf eine physische High Performance-Form hin. Wenn aus einer hageren Figur ohne ein Gramm zuviel auf den Rippen Muskeln, Adern, Sehnen aus braun gegerbter Haut herausstechen ist davon auszugehen, dass der Sportler dem Lager der ambionierten Amateur-Riege angehört.

Vom Mittertor bis zum Stoppbalken im Festzelt ist auf Kopfsteinpflaster und engem Absperrgitter höchste Vorsicht geboten. Um innerhalb der breiteren Gatterpassage einigermaßen riskofrei zu überholen setzt es eine verbale Verständigung mit dem Vordermann voraus, der im Idealfall die Spur frei macht.

Nonstopp kämpfen die ambitionierten Radsportler darum, den 16.4 km langen Rundkurs im Angesicht der barocken Befreiungshalle des Königs Ludwig I. von Bayern innerhalb 24 Stunden möglichst oft zu umrunden. Der eigentliche Casus knacksus ist der, dass der 170 hm-Anstieg über den "Col de Stausacker" mit fortschreitender Renndauer bei gleichzeitigem Schlafentzug die Fahrer zunehmend zermürbt. Der Anstieg wirkt als natürliche Selektionsbarriere, die das Fahrerfeld immer wieder von neuem durcheinander wirbelt. 

Je länger der Wettkampf dauert desto macht sich die Härte des Rennens bemerkbar. So mancher Teilnehmer stößt bei dieser kräftezehrenden Ausdauerschlacht an seine physischen und mentalen Leistungsgrenzen. Ausdauersportler müssen vor allem die Fähigkeit besitzen -  selbst am Zahnfleisch fahrend - möglichst rasch zu regenerieren bzw. sich immer wieder von Neuem zu motivieren um die Rundenzeiten einigermaßen stabil zu halten. Eine Selbstaufgabe (Did not finish) kommt für passionierte Leistungssportler sowieso nicht in Betracht weil es schlichtweg es dem Ego zuwider läuft. Als Lohn der Mühe gibt die Härte des Wettkampfs letztlich den Ausschlag, warum sich Heroes 24 Stunden später reihenweise glückseelig in die Arme fallen.

Teamfahrer sehen sich dem Ritual konfrontiert: Raceeinsatz - Rückfahrt zum Fahrerlager-Teamplatz - Umziehen – Essen/Trinken – kurze Erholungsphase – Umziehen –  rechtzeitige Hinfahrt zur Wechselzone – Raceeinsatz - and repeat. 

Einzelfahrer bestimmen hingegen ihren Rennablauf individuell in Eigenregie. Neben gleichmässigem Tempo gehört die Platzierung und Dauer der Auszeiten/Schlafpausen sowie die zeit- und bedarfsgerechte Energiezufuhr mit zu den wichtigsten Entscheidungen. Während Sieganwärter wohl kaum ein Auge zumachen und nahezu pausenlos ihre Runden drehen dürften sich leistungsschwächere Einzelfahrer notgedrungen längere Auszeiten gönnen. 

Mit einsetzender Dämmerung beginnt samt Beleuchtung und Warnweste die nächtliche Zeitenjagd. Um sich das Leben etwas zu erleichtern ist es nicht unüblich, dass Führungsteams über Nacht einen "Nichtangriffspakt" schmieden. Verlässlich sind solche Team-Absprachen indes nicht, d.h. ein mündlich vereinbarter "Waffenstillstand“ kann jederzeit ohne Wenn und Aber gebrochen werden. So wurde schon mancher Überraschungsangriff für Teams zum Verhängnis. Wer bei einer unerwarteten Attacke kalt erwischt und unvermittelt in den Wind gesetzt wird kaum eine Chance ein aufklaffendes Loch mit Spitzengeschwindigkeit von bis zu 60 km/h wieder zu schließen. Konsequente Zusammenarbeit der in Führung liegenden Teams vermag in der Folge den Vorsprung auf Nachfolger sukzessive auszubauen.

 Windschattenvorteile

Der Rennstrecken-Rundkurs bietet ab dem Scheitelpunkt des Stausacker-Hochplateaus bis nach Kelheim (11 km) ideale Gelegenheit Windschatten zu ergattern. Beißt man sich am Hinterrad schneller Fahrer fest potenziert sich die Zeitersparnis Minute um Minute (sofern eine konsequente Zusammenarbeit mit kreiselnder Führungsarbeit stattfindet). Solche vorteilhaften Zweckbündnisse senken bei gleichbleibender Geschwindigkeit im Vgl. zu Soloritten entweder die Wattleistung oder der windgeschützte Fahrer tritt ein höheres Tempo bei gleich bleibender Leistung. Wie dem auch sei, man profitiert auf jeden Fall vom verminderten Luftwiderstand, der im Flachstück bei üblichem Tempo von 40-55 km/h gut ein Drittel sinkt. Vor allem in der Ebene ist der Luftwiderstand der entscheidende Faktor, da die Überwindung exponentiell (in dritter Potenz) zur Geschwindigkeit steigt. Eine Geschwindigkeits-Verdoppelung erfordert demnach die achtfache Leistung. Bei 50 Stundenkilometer gehen für die Überwindung dieses Widerstandes allein 90% der aufgewandten Leistung drauf. Soloritte muten einen aussichtslosen Kampf wie der des Don Quichotte gegen Windmühlen auf der Flachpassage Richtung Kelheim an, erst recht wenn Gegenwind herrscht. Sie beanspruchen viel Kraft und kosten darüberhinaus Zeit.

Andererseits bietet der flache Abschnitt im Altmühltal je nach Rennsituation Gelegenheit durch unvermittelte Attacken nachfolgende Fahrer (insbesondere konkurrierende Teams) klassisch in den Wind zu setzen um sie abzuschütteln. Manchmal macht es eben Sinn ab und an einige Körner zu investieren. Doch energiefressende "Angriffe" wollen gut überlegt und genial platziert sein, damit sie letzten Endes zum Erfolg führen. Aber: nur leistungsstarke Fahrer, die über Tempohärte und gewisse "Laktattolleranz" verfügen stecken explosive Leistungsentfaltung ohne leistungsmindernde "Nachwehen" weg. Mit anderen Worten: sie erholen sich von der anaeroben Energiegewinnung (ohne Sauerstoff) aus den Muskeln und der Leber (Glycogen) relativ rasch. Auch wichtig: je weiter hinten gefahren wird desto mehr macht sich der Ziehharmomika-Effekt bemerkbar. Und je weiter vorne man kurbelt desto mehr Kraft wird im Wind verpulvert.

Rückblick 2018

2018 wurde zur Startrunde am Stausackerer Berg für die schnellste Dame und den schnellsten Herrn ein besonderer Bergpreis ausgelobt. Die Teilnehmer konnten auf der Einführungsrunde sozusagen WM-Luft schnuppern bzw. gewinnen! Denn der schnellsten Dame bzw. schnellsten Herrn winkte auf der Bergsprint-Wertung ein Gratis-Startplatz beim härtesten Hobbyrennen an der 2018 UCI Road World Championships Innsbruck-Tirol, wo am 29. September der begehrte Titel „Queen and King of Höll“ vergeben wurde. Zudem wurden die jeweils drei Erstplatzierten in der Damen- und Herrenklasse prämiert. Die prestigeträchtige Auszeichung kam nicht von ungefähr denn zum einen kämpfteen exakt 2018 Hobbysportler um Ruhm und Ehre, zum anderen erwartete die Teilnehmer auf dem 3.2 km langen Bergrennen knapp 300 Höhenmeter deren steilste Stelle sage und schreibe 28% Steigung aufwies.

Finish - Siegerehrung 2018

Reihenweise werden Ankömmlinge die vor Rennschluß um 14.00 ihre letzte Runde absolvierten umarmt.

So wie bereits in der Startphase am Samstag zog nur wenige Minuten nach Rennende ein heftiger Gewitterregen über die Stadt. Als das Spektakel im proppevollen Festzelt bei der Siegerehrung seinem Höhepunkt entgegen strömte schlug nur unweit ein krachender Blitz in das Altmühltor ein bei dem einige Ziegel zu Bruch gingen. Manch einer hielt den Donnerknall irrtümlich für einen finalen Böllerschuß der Veranstaltung.

Nacheinander wurden die Sieger der sechs Wertungskategorien auf der Bühne geehrt. Die Herren-Team-Wertung (105 Teams) gewann erwartungsgemäß abermals das Team <Kreissparkasse Kelheim> mit 57 Runden. Den Damen-Team-Sieg sicherten sich die ebenfalls  favorisierten <Keldorado Badenixen Kelheim> (50 Runden). Das Siegerpodest unter 30 Seniorenteams errang <Radsport Gaimersheim> (54 Runden), während das schnellste Mixed-Team <xc-ski.de A|N Skimarathon Team> den obersten Podestplatz erklomm (54 Runden). Den Herren-Einzel-Sieg teilten sich Markus Rieber (Fünffachsieger) und Hubert Liepold aus Mainburg (47 Runden) in harmonischer Eintracht. Die Challenge unter den Damen entschied Andrea Friesinger (36 Runden) für sich.

Zu den Ergebnissen

Kompliment an Orga-Chef Klaus Roithmeier, dem es mit seiner Helfermannschaft abermals gelang das 24 Stunden Rennen perfekt durchzuführen. Für den smarten und sympathischen Klaus Roithmeier die 22. Austragung übrigens das letzte Rennen in Funktion als Vorsitzender vom Ausrichter RSC Kelheim.

Das 24 Stunden Rennen in Kelheim ist wieder einmal Gschichte. Für die ausgemergelten Teilnehmer heißt es erstmal Runterkommen, Beine hochlegen, Regenerieren und Entspannen. 

Schlafentzug plus Dauerbelastung kosten physische und kognitive Substanz

Ob am "Col de Staussacker", der Ludwigsstraße, an der Wechselzone oder im tosenden Bierzelt - so hautnah kommt man nur selten ans Renngeschehen ran. Dabei durchleben die Fahrer Erschöpfungszustände die i.V. mit dem Schlafentzug extreme Gefühlsschwankungen auslösen können. Binnen Sekunden kann glückbeseelte Laune von Himmel hoch jauchzend zu deprimierender Frustration umschwenken. Der Kampf hat gegen Müdigkeit, Dunkelheit und nicht zuletzt gegenüber sich selbst sind tatsächlich harte Gegner.

Freiwillig die Komfortzone zu verlassen, um bei Extrembelastung Tag und Nacht einen Wettkampf zu bestreiten erfordert eiserne Willenskraft, Durchhaltevermögen, gute Kraufausdauer und eine gehörige Portion Leidensfähigkeit - das zentrale Wesensmerkmal des Radsports überhaupt. Diesbezüglich unterscheiden sich Hobbyfahrer von den Profis um keinen Deut. Die Schwierigkeit dabei ist, den Balanceakt zwischen Dauerbelastung und leistungsmindernder Überbelastung (Laktatüberschuss) ständig im Griff zu haben. Mit Schlafdefizit und fortschreitender Zermürbung klar zu kommen stellt für jeden Teilnehmer eine sehr spezielle Erfahrung dar. Kräfteeinteilung schön und gut, trotzdem bleibt die Unsicherheit, wie der zu später Stunde geschundene Körper die Extrembelastung wegsteckt. Auch das Risiko von Enttäuschung und Frustration erfasst zu werden ist nach stundenlanger Challenge gerade in der zweiten Nachthälfte durchaus gegeben, zumal ausgerechnet dann die Anfeuerungsrufe der Fans erstummen. Wenn die Beine schmerzen, der Tritt schwerer wird und die Moral zu sinken beginnt, dann geht es hart auf hart. Eine schwierige Phase, wenn sich Zweifel breit machen und man über sich selbst nachzudenken beginnt bzw. sein Handeln grundsätzlich in Frage stellt.

Gerade nachts spielt der Kopf eine wichtige Rolle, denn nur mentale Stärke hält den Muskelapparat an der Schmerzgrenze am laufen. Die psychische Fähigkeit, sich fortlaufend richtig zu „pacen“ um optimale Rundenzeiten in den Asphalt zu brennen trennt die Spreu vom Weizen. 

Glücklicherweise findet jede Nacht bzw. Psychotief ein Ende. Die aufgehende Sonne über der Silhouette der Befreiungshalle richtet die Psyche wieder auf und macht das nächtliche Martyrium wie im Handumdrehen vergessen. Allein die Morgendämmerung verleiht Flügel.

Musketenspruch

Während Teamfahrer nach Musketen-Manier: "unus pro omnibus, omnes pro uno" - frei übersetzt: "Einer für alle, alle für Einen" fighten, sind Einzelfahrer allein auf sich gestellt. Zu den Stimmungsnestern zählt in erster Linie das Festzelt sowie der "Col de Staussacker", wie der 180 hm-Anstieg in der Szene humorvoll genannt wird. Dort ist fast rund um die Uhr Halli Galli mit Musik und Brimborium angesagt.

Samstag Nacht steppt der Bär - die einen feiern bis in die Puppen, die anderen drehen stoisch ihre Runden. Kluge Renntaktik, clevere Fahrweise und unerschütterliches Durchhaltevermögen sind entscheidende Erfolgsfaktoren. Wer überzieht und sich womöglich "blau" fährt kann rasch in ernsthafte Schwierigkeiten kommen.

Nach der "Staffelstab-Übergabe" wird ab dem Festzeltausgang zügig beschleunigt (Teamfahrer) um nach 1 km mit Schwung die beginnende Steigung in Angriff zu nehmen.  

Die Wechselzone

Die turbulente Wechselzone ist der beste "Spectator-Hot-Spot", da die allgemeine Rennhektik beim Fahrerwechsel besonders eindrucksvoll rüber kommt.

24 Stunden lang dasselbe Ritual: ungeduldiges Warten auf die "Wachablösung"

Trotz adrenalingetränkter Hektik geht es in der Wechselzone äußerst diszipliniert zu. Nach und nach wird aufgerückt bis der schweißgebadete Teampartner über den Stoppbalken springt und den Staffelstab (i.d.R. Trinkflasche) übergibt.

Wechselzone by night. Von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr gilt Beleuchtungs- und Warnwestentragepflicht. 

Nimmermüde Stimmungsmacher am Streckenrand sind das Vitamin C der Großveranstaltung. Sie verwandeln die Innenstadt bzw. den Staussackerer Berg in aufgeladene Hexenkessel, die die Piloten zu Höchstleistungen anspornt. Anfeuerungsrufe und heiße Musikrhythmen tragen die Rennradler sprichwörtlich den Berg hinauf und lindern zudem den Schmerzpegel. Die emotionale Anteilnahme am Martyrium der Athleten ist Balsam auf die geschundene Seele. Die ekstatisch aufgelade Stimmung überträgt sich wechselseitig auf Akteure wie Zaungäste. Ein Spektakel, das man eher von Profirennen - nicht aber in der Hobbyliga - gewohnt ist. Schön, mit welch leidenschaftlicher Hingabe das Publikum Anteil am Leidenskampf der Hobby-Athleten nimmt und ihnen moralisch Runde um Runde den Rücken stärkt.

Geben und Nehmen: Der Snapshot vom TOUR-Magazin macht die gegenseitig befruchtende Symbiose zwischen Rennteilnehmer und Zuschauer überaus deutlich. Die TOUR veröffentlichte eine lesenswerte Reportage. Zur Radsportparty

24 Stunden Radrennen genießen einen gewissen Nischenstatus, der Individualisten aus unterschiedlichsten Sportarten anzieht. Auf Lizenzfahrer (C-Lizenz), Jedermänner, Langstrecken-Asse, Extremsportler, Triathleten bis hin zu "Spaß an der Freud - Fahrer" übt das Format magische Anziehungskraft aus. So bunt wie das zusammengewürfelte Teilnehmerfeld ist, so extrem sind die Leistungsunterschiede. Ungeachtet dessen: wer sich gern mit Gleichgesinnten misst, wird dem Wettkampf sicher etwas Positives abgewinnen und Spaß an der Challenge haben.

Gleichwohl sind 24 Stunden Rennen mit einem großen Organisationsaufwand behaftet. Abgesehen von einer guten Form ist auch Organisationsgeschick und Teamfähigkeit gefragt. Sponsorensuche, Zelt / Pavillon, Essen- Getränkeproviant, Camping-Utensilien, Werkzeug, Ersatzteile, Auf- und Abbau u.v.m. An tausend Dinge will gedacht sein.

TVA-Videobeitrag zum 24 h Rennen

Feuer frei!

Der große Shodown zum eines der populärsten 24 Stunden Radrennen Deutschlands fällt am Samstag punkt 14.00 Uhr vis a vis des Alten Donauhafens. Dann beginnt die Uhr für die Ausdauer-Cracks zu ticken - ready to rumble! Flinke Beine, eiserner Durchhaltewillen und hohe Laktat-Toleranz bringen die Naben und Lager der Rennboliden zum Glühen. Zwischen An- und Abpfiff liegen 24 zermürbende Stunden zwischen Himmel und Hölle, in denen rund um die Uhr eisenhart an der Schmerzgrenze gekurbelt wird.  

Der Start wurde aus Sicherheitsgründen vor die Tore der Stadt in die Hienheimer Straße verlegt. Die von Absperrgittern eingesäumte Fahrgasse in der Ludwigstraße bzw. das Nadelöhr des Mittertors erlaubt keinen Massenstart in der Innenstadt. 

Die Flachpassage im Altmühltal führt i.d.R. zu Zweckgemeinschaften. Windschatten spart wertvolle Energie und verspricht obendrein bessere Rundenzeiten als ein zermürbender Soloritt.

Als Außenstehender möchte man meinen, dass der Wettkampf im Hinblick auf die lange Zeitdauer eher bedächtlich mit angezogener Handbremse angegangen wird - mitnichten. Wehe dem, das Startfeld wird von der Leine gelassen, dann ist Schluss mit lustig. Von der ersten Minute an wird klar, dass es sich um keine Kaffeefahrt sondern um ein reinrassiges Radrennen handelt. Auf Teufel komm raus wird entfesselt bis am Anschlag gekurbelt und ordentlich Dampf gemacht - noch dazu, wo der erste Bergsprint mit einer 100 € Prämie winkt und die Frage der Ehre geklärt wird. Die enorme Leistungsspreizung zeigt sich schon nach der ersten Runde (Staffelstabübergabe der Teamfahrer). Die Rundenzeiten klaffen von 22 min. bis über 40 min. weit auseinander.

 

Belastungsmerkmale

Der Wettkampf besteht nicht in der Überwindung einer bestimmten Wegstrecke (wie z.B. bei Radmarathons), sondern definiert sich dadurch, innerhalb 24 Stunden eine maximale Rundenzahl zu absolvieren. Die Mannschaften haben zeitgleich nur einen Fahrer im Rennen. Die Reihenfolge der Fahrer kann das Team beliebig bestimmen. Solisten die in Eigenregie fahren setzen ihre Pausen/Schlafzeiten ebenfalls beliebig.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Eintagesveranstaltungen weisen 24 Stunden Rennen ganz andere Belastungsmerkmale auf. Maßgebliche Schlüsselkriterien sind Tempohärte, Ausdauerfähigkeit sowie Regenerationsfähigkeit, ohne die die physische und psychische Extrembelastungung im Tag- Nacht- Tag- Zyklus nicht zu machen wäre. Renntaktik, Energienachschub und Ruhephasen bedürfen einem optimalen Zusammenspiel. Wer Verfolger abschütteln möchte bzw. direkte Konkurrenten in Schach halten will agiert strategisch und setzt clever platzierte Attacken. In der Regel tun dies vorzugsweise Spitzenathleten, die sich um die vorderen Plätze duellieren. Eine angriffsfreudige Offensivfahrweise mit Ausreißversuchen will jedoch gut überlegt sein. Wer sich blau fährt hat mit überschüssiger Milchsäure zu kämpfen die das Leistungsvermögen mindert.  womit der Schuss nach hinten los geht. Vorsicht vor euphorischen Gefühlen: Das Schwert des Damokles schwebt schnell über den Kopf wenn mit Übereifer zuviel Körner verheizt werden. 

Die Ausdauerschlacht stellt bisweilen die Vernunft auf den Kopf, Irrationalität gerät zur Normalität. In der Phase der Extreme spielt die mentale Verfassung - sprich Willenskraft - beim Fight um Bestleistungen das Zünglein an der Waage. Wetterkapriolen wie Regen, Hitze, Kälte oder Gegenwind drücken erschwerend auf das Gemüt, was den Ausleseprozess verschärft. Widersacher wie Schlechtwetter, Materialdefekt, Verletzungspech oder Missstimmung erhöhen die psychische Belastung, was manchmal Improvisationsgeschick, Empathie und flexible Entscheidungsfähigkeit erfordert. Selbst wenn alles einigermaßen glatt läuft ist es nicht ungewöhnlich, wenn ambivalente Gefühlswelten in Form von Endorphinkicks und Frustrationsmomenten im gegenseitigen Wechselspiel in voller Wucht aufeinander prallen. Klar ist aber auch, dass die Beherrschung und Bewältigung außergewöhnlicher Extremleistungen Stolz, Genugtung und Selbstzufriedenheit bewirken. Durchlebte Hoch- und Tiefs im Schleudergang sind Gefühlsschwankungen, an die man sich sehr lange erinnern kann.  

Zielschluss Sonntag 14.00 Uhr

Jeder Fahrer versucht mit letzten Kraftreserven noch eine Runde vor Zielschluss in trockene Tücher zu packen. Sonntag 14.00 Uhr: game over. Der Schlussfahrer vom Team Schneider Weisse-Bayernbike machte mit der absolvierten 48. Runde den Sack zu. Über den errungenen 7. Platz in der Seniorenwertung waren alle super happy.

Glückliche Gesichter sprechen Bände. 24 Stunden Extremleistung und körperliche Verausgabung sind um 14.00 Uhr schlagartig vorbei. 

Jeder Teilnehmer erlebt den Zielschluss in seiner ureigenen emotionalen Gefühlswelt. Die Glückspilze strahlen ihre Wahnsinnsfreude ungehemmt aus.

Auch das gibt es: das Team <Bayerische Singlespeed Nationalmannschaft powered by Schneider Weisse> fuhr mit Singlespeed- und Fixie-Räder (ohne Bremsen). Respekt!

Das 24 Stunden Rennen von Kelheim zählt mittlerweile deutschlandweit zu den Klassikern dieser Ausdauer-Disziplin. Die kultige Breitensportveranstaltung mit Volksfestcharakter lockt ambitionierte Hobby-Radsportler aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien an. Das Streckenprofil mit Berg-Gefäll- und Flachabschnitten kommt gut an, weil es Kletterer wie Rouleure anspricht. Die Mischung machts: der 5 km Ansteig spricht Bergziegen an während auf dem flachen Rückweg eher kräftigere Kollegen mächtig auf's Gas drücken.

Die teilgesperrte Rundstrecke ist für motorisierte Fahrzeuge 24 Stunden nur in Fahrtrichtung gesperrt. Nur für den Gegenverkehr wurde keine Streckungsperrung genehmigt, weswegen das Rechtsfahrgebot gilt.

Lesenswerte Reportage der Mittelbayerischen Zeitung

"Am Rad kämpft sich Dominik Zetzl zurück": Race24 als Therapie-Maßnahme

Benefizgedanke 

Der RSC Kelheim besteht seit 1986 und ist der mitgliedstärkste Radsportverein Niederbayerns. Die Idee des 24-Stunden-Radrennens entstammte den Vereinsmitgliedern Rudi Eberl und Peter Grabinger 1997. Seither hat sich das Rennen unter Leitung des 1. Vorstands Klaus Roithmeier zu einem überaus beliebten Radsport-Event entwickelt das weit über Bayerns Grenzen hinaus große Popularität genießt. Der Benefizgedanke stand fortwährend im Vordergrund. Aktuell beläuft sich die Spendensumme auf € 176 000 (Stand Juli 2019).

 Schweigeminute 

Bei der Teilnehmerbesprechung wurde in einer Schweigeminute an den tödlich verunglückten Radguide Christoph (Mönchengladbach) gedacht, der als Einzelfahrer in Kelheim gemeldet war. Er, sowie acht weitere verletzte Radfahrer aus Bayern wurden am 5.4.2018 Opfer eines tragischen Verkehrsunfalls im Nordosten der Urlaubsinsel Mallorca. Eine 28-jährige Spanierin kollidierte mit ihrem Porsche Cayenne Turbo auf einer Landstraße nahe dem Ort Capdepere mit der Radfahrergruppe, die zum höchsten Berg der spanischen Urlaubsinsel, dem 1445 Meter hohen Puig Major unterwegs waren. Nachruf

Energienachschub

  Flüssigkeitsnachschub

Sofern nur 1 Runde abgespult wird (Teamfahrer) erübrigt sich die Mitnahme einer Trinkflasche, weil die verzögerte Flüssigkeitsaufnahme im Magen (Resorption) innerhalb der kurzen Zeit keine Wirkung entfaltet. Der Ballast würde zudem nur sinnlose Energie vergeuden. Es reicht aus, bis ca. 1/2 Std. vor Renneinsatz die Flüssigkeitsbilanz auszugleichen, um eine optimale Thermoregulation sicherzustellen.   

Bewegung kostet bekanntlich Energie. Ohne Energie keine Leistung, d.h. ohne Nachschub kein Dampf. Schließlich benötigen die Muskelfasern zur Kontraktion "Treibstoff". So wie im Dampfkessel Kohlen verglühen, verbrennen die Muskelzellenkraftwerke (Mitochondrien) zunächst Kohlenhydrate (Glykogen), bevor Fettdepots angezapft werden. Die Mitochondrien im Muskel sorgen dafür, dass Fettsäuren zur Energiegewinnung verbrannt werden (Omgega 3 und Omega 6 sorgen für Ausschüttung des Regenerationsbeschleunigers Testostoron). Je nach Belastungsdauer, Belastungsintensität, Geschlecht, Alter und Körpergewicht kann der Energieumsatz über die Zeitspanne von 24 Stunden bei Teamfahrern durchaus die 5 000 kcal Marke überspringen (1 Kilokalorie -> = 4,2 Kilojoule). Einzelfahrer verpulvern hingegegen je nach Anzahl ihrer Runden ein Vielfaches von dem. Bedarfsgerechter Energienachschub hält den "Kessel" dauerhaft unter Dampf. Verbrauchte Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Elektrolytverluste (Kalium, Magnesium, Natrium, Chlorid, Calcium, Eisen, Zink) sind auszugleichen, damit der Körper bis zum Zielschluss Topleistung bringt.  

Regenerationsphasen

Kommen ausgepowerte Fahrer von der Rundenhatz zurück, können sie noch lange nicht alle Viere von sich strecken. Im Eilmarsch werden Rankinglisten und Rundenzeiten im dichten Menschengedränge gecheckt, im Vorbeigehen isotonische Getränke oder Wasser geschöpft, Bananen und genchnittene Apfelstücke aufgepickt (wird vom Veranstalter kostenlos geboten) hier und da Small Talks geführt bevor es Richtung Schlafstätte geht. Umziehen, Krafttanks füllen und sonstigen Krimskrams erledigen - nach einigen Runden hat sich das ganze Heckmeck eingespielt. 

Abschalten, Relaxen und Schlafen - regenerative Auszeiten flößen dem malträtierten Körper frische Energien ein. Doch erst nachdem To Do's erledigt sind, beginnt die Zeit der Entspannung. Zieht man von der rennfreien Bruttozeit (ca. 1/3/4 Std.) den ganzen Orga-Klimbim sowie An- Abfahrt- und Wartezeit in der Wechselzone ab, schmilzt die effektiv nutzbare Ruhezeit im Nu auf 1 Stunde. Gelegenheit seine Gedanken und Gefühle zu sortieren, den Run im Geist nochmals Revue passieren zu lassen und abzuschalten. Soweit von Regeneration die Rede sein kann helfen kurze Nickerchen zumindest, dass der Körper angegriffene Strukturen repariert, das Gehirn seine wohlverdiente "Denkpause" bekommt und die Beinmuskulatur sich ein wenig entspannt. Dies vitalisiert den Organismus, stärkt mentale Kräfte und macht den Kopf für den nächsten Turn frei. Schließlich verlangen schnelle Bergabpassagen sowie enge Windschattenduelle trotz Ermüdungserscheinungen höchste Aufmerksamkeit.

Nervtötend nur, wenn hoher Adrenalinspiegel dazwischen funkt und das "Runterkommen" partout erschwert. Mit diesem Hormonproblem schlagen sich so ziemlich alle Wettkampfteilnehmer herum. So vorteilhaft beim Renneinsatz ein hoher Adrenalinpegel ist (verkürzte Reaktionszeiten, Schmerzlinderung) so stört das ausgeschüttete Stresshormon bei Ruhephasen ganz gewaltig (z.B. Reizzustand, Schlafstörungen). Entspannungstechniken bzw. Massagen können dem hilfreich entgegenwirken. 

  Kopfkino

Jeder Athlet arrangiert sich mit mehr oder weniger Hass- Liebe zu dem 170 hm-Anstieg im Angesicht der Befreiungshalle. So mancher Zeitgenosse hält in schmerzhaften Momenten geistige Zwiesprache mit Gott und der Welt währenddessen das letzte Quäntchen Energie aus dem Körper gequetscht wird.

Es sind weniger rationale als viel mehr emotionale Gründe die Breitensportler - ohne Preisgeld, Ruhm und Ehre - zur olympischen Prinzipiensucht „schneller, besser, weiter antreibt.

Getreu dem Lebensmotto von Eddy Merckx "Wer Siegen will muss leiden, nur wer leiden kann, kann auch siegen."  Neben der allgemeinen Erschöpfung macht der Schlafentzug den Leidensdruck noch unerträglicher. Dabei können sengende Hitze oder strömender Regen die ohnehin harten Bedingungen zusätzlich verschärfen. Auch wenn die Psyche weich gekocht wird – eine Aufgabe kommt für leidenschaftliche Radsportler normalerweise nicht in Betracht. 

Für die meisten Teilnehmer ist die Zeit zwischen Mitternacht und einsetzender Morgendämmerung mental die anspruchsvollste Rennphase. Geht es hart auf hart bekommt der innere Schweinehund schnell die Oberhand und treibt sein destruktives Machwerk. Doch Frustrationsmomente gilt es irgendwie zu meistern, schließlich sind Willensstärke und Leidensfähigkeit die wichtigsten Merkmale des Radsports. Nur gut, wenn die Begeisterung der Fans keine Grenzen kennt und Durchhalteparolen inbrünstig heraus geschrien werden, applaudiert wird und Fahrer im oberen Steigungsabschnitt des Stausackerer Bergs  abgeklatscht werden.

Wenn sich aber die letzten Fans übernächtig in ihre Schlafstätte verkriechen und damit das letzte Motivationspotential weg bricht, die Lautsprecherboxen verstummen und es mucksmäuschen still wird, dann beginnt die Psyche der Leidensträger zu rebellieren. Wie in Trance wird versucht sein ultimatives Leistungspotential abzurufen, denn die unerbittliche Zeitenjagd läuft auch nachts weiter. Der Lichtkegel durchschneidet die Stille der Finsternis – Einsamkeit macht sich breit. Der Kopf funktioniert sinnentleert und geeicht automatisiert die Kurbel druckvoll zu treten. Tritt für Tritt verschmilzt der Pilot mit seiner Fahrmaschine. Schemenhaft und surreal heben sich die Fahrerumrisse in der Dunkelheit ab. Es gleicht einer gespenstischen Szenerie, wie gekrümmte Körper auf ihren Rennboliden am Lenker kauern, und die Beine unermüdlich ihre Kurbelarbeit verrichten. Im gleißenden Lichterschein des Stadtplatzes bzw. Bierzelts steigen erschöpfte Fahrer illuminisiert vom Rad. Nimmt bei der Staffelstabübergabe das Leiden des Einen vorübergehend ein Ende, beginnt die Qual des Startenden von neuem. Extrembedingungen, die Runde um Runde Gefühlsschwankungen hervorrufen und aufoperungsvolle Willenskraft kostet.

Guten Morgen! Alle sind heilfroh, die Nacht den Umständen entspreichend überstanden zu haben. Vergessen sind die Motivationslöcher, der geistige Blick richtet sich auf das nahende Ende. Nach 17 Stunden Ausdauerleistung sind selbst Spitzenathleten von den Strapazen sichtbar gezeichnet. Augenringe zeugen von einer turbulenten Nacht. Das Tageslicht fällt wie ein Spotkegel auf die Fahrer, die ohne Unterlass das tun wofür sie angetreten sind: "am Rad drehen". Doch ein Schlüsselmoment naht. Was ein Rennfahrer fühlt, wenn frühmorgens die Dämmerung einsetzt, sich Wolken und Hochnebel auflösen und die aufgehende Sonne den Horizont rosafarben erhellt ist unbeschreiblich. Zeichnen sich Landschaftsumrisse, Nebelschwaden und Himmel mit schärferen Konturen ab und erwecken Sonnenstrahlen die geschundenen Glieder wieder zum Leben, dreht die Stimmungslage von Down auf Up. Die Nacht ist ad acta und schon kommt Zuversicht auf. Eingeleitet wird der frühe Morgen am besten mit einem geselligen Frühstück im Kreis seiner Freunde, um den ereignisvollen Tag mit einem erfolgreichen Abschluss zu besiegeln.

Regularien

  Bekenntnis für den Hobby-Radsport

Der RSC Kelheim - Ausrichter des 24 Stunden Rennens - versucht den Breitensportcharakter zu wahren. So sind seit 2014 Lizenzinhaber des laufenden Jahres der Leistungsklassen A und B (unabhängig von der Altersklasse) sowie lizenzierte Vertragssportler nicht mehr startberechtigt, d.h. nur Lizenzfahrer der Klasse C dürfen an dem Rennen teilnehmen. Die (Einsteiger-) C-Rennlizenz stellt keinen Leistungsnachweis dar, sondern belegt lediglich formal, dass der Lizenznehmer die Statuten und Reglements der UCI (Internationaler Radsportverband) beziehungsweise des BDR (Bund Deutscher Radfahrer) anerkennt. Problem: der gut gemeinte Auswahlmodus greift ins Leere, wenn höherklassige Toppfahrer in der aktuellen Saison keine Lizenz verfügen und somit startberechtigt sind. Dieses Schlupfloch ist in der Jedermann-Szene wie z.B. German Cycling Cup gängige Praxis. 

King Arthur

Arthur Kink, mit 83 Lenze ältester Teilnehmer und lebende Legende startete von 2004 bis 2016 ununterbrochen als Einzelfahrer. Nach jedem Turn empfing ihn im Festzelt eine tosende Menschenmenge und wurde sogar mit stimmungsgewaltigen La Ola Wellen bedacht. 2014 spulte Arthur 15 Runden ab (258 km / 2 700 hm) was einmal mehr beweist welch unglaubliche Spitzenleistungen auch im höheren Alter noch möglich sind.

 

Überlieferte Anekdote: trotz Plattfuß schob Arthur Kink schon mal sein Rad mehrere Kilometer nach Hause, um mit dem Ersatzrad mit stoischer Gelassenheit wieder ins Renngeschehen einzusteigen. Obwohl er mit dem Wettkampfcharakter nicht viel am Hut hat, und ihm der Hochleistungssport eher verpönt ist, nahm er 12 Jahre begeistert an dem Event teil.

Früher tingelte der sympathische Weltenbummler durch alle Herren Länder. So radelte er z.B. nach Barcelona, Lissabon, Palermo und Athen. Auch fernere Ziele wie Marokko, Algerien, Ägypten, Israel, Libanon, Indien und Nepal, USA wurden unter die Räder genommen. Seine letzte Länderfahrt nach Ägypten und Tunesien liegt bereits 20 Jahre zurück. Wenn auch der Aktionsradius altersbedingt schrumpfte, so radelt er heute regelmäßig immerhin 50 - 70 km Etappen rund um Kelheim, Langquaid und Abensberg. Was kaum einer weiß: Arthur Kink pflegt seit Jahren aufopferungsvoll seine schwer kranke Ehefrau. Bleibt zu hoffen, dass ihm Gesundheit, Fitness, innerer Antrieb und Leidenschaft fürs Radfahren noch lange erhalten bleiben. MZ-Reportage "Ein Leben lang auf dem Rad"

Nachlese 

Dass das beliebte Event so reibungslos über die Bühne ging ist dem fleißigen Helfertrupp des RSC Kelheim rund um den Vorsitzenden Klaus Roithmeier, 40 BRK'lern, FFW Essing und der Polizei zu verdanken. Für die Sicherheit der Teilnehmer wurden große Anstrengungen unternommen. So bewährte sich z.B. die erstmals durchgesetzte einspurige Verkehrssperrung bestens. Da sich das Rote Kreuz auf vier Stationen positionierte, konnten die Sanitäter jeden Streckenpunkt (maximal 4 km) innerhalb kürzester Zeit erreichen. 

1 150 Fahrer splitteten sich in 185 Teams und 171 Einzelfahrer auf – Teilnehmerrekord. Da sich gleichzeitig maximal 350 Rennradsportler auf dem 16.5 km langen Rundkurs befanden, bestand zu keinem Zeitpunkt gefährdendes Massengedränge. Selbst als der Troß nach dem Startschuss gemeinsam los preschte, dröselte sich das dichte Fahrerfeld dank Staussacker Berg rasch auf. So trennten die Spitzen- und Schlussfahrer nach der ersten Runde bereits über 18 Minuten.

Ergebnisliste


Benefizgedanke

Der Benefizgedanke genießt beim Veranstalter des RSC-Kelheim hohen Stellenwert. So wurden seit 1997 insgesamt 164 000 Euro für Wohltätigkeitszwecke gespendet.

  Hobby-Radsport aus Leidenschaft

Brückenschlag vom Hochleistungssport zum Breitensport: ohne die Leistung der Berufsradsportler schmälern zu wollen, soll eine Lanze für Millionen von Hobbyradlern gebrochen werden. Das Heer von Breitensportler lebt nicht vom - sondern leidenschaftlich für den Sport. Manche profilieren sich über ihren Radsport und stärken ihre Ich-Identität, andere üben ihn rein aus Spaß an der Freud aus. Wer hohe Trainingsumfänge nach Plan abspullt, für den gerät der Radsport neben Beruf und Familie zum Lebensmittelpunkt. Dass sich im Breitensportsektor zunehmend der Wettkampfgedanke durchsetzt liegt in der Natur der Sache, weil das Kräftemessen mit Gleichgesinnten einen wesentlichen Spaßfaktor beinhaltet. 

Hobbyfahrer, die ihren Sport aus Passion und nicht als Beruf betreiben, investieren viel Zeit, Geld, Energie und Herzblut. Dafür stehen Spaß, Erfolgserlebnisse, Sozialkontakte und Glücksgefühle auf der »Habenseite«. Ausgeschüttete Endorphine bescheren euphorische Höhenflüge - letztlich DAS Antriebsmoment welches den "Suchtreflex" nährt. Nach jedem Zieleinlauf taucht der Sportler in eine unbschreibliche Traumwelt ein. Das Leben als Fest der Sinne – dem körpereigenen Opiat so wie dem Neurotransmitter Dopamin sei Dank. 

Hobbyathleten, die eingezwängt zwischen Berufs,  Privat- und Alltagsleben aus glühender Leidenschaft und emotionaler Hingabe ohne finanzielle Anreize und fernab der Öffentlichkeit Höchstleistungen erbringen, verdienen ungeachtet von Platzierungen Respekt. 


 

Veranstalter 

RSC Kelheim e.V.
Bergstraße 57

93309 Kelheim


http://www.race-24.de