12. WeltKultTour Regensburg, 7./8. September 2019

Bild oben links: Stadträtin Margit Wild richtet Grußworte an das Teilnehmerfeld, Mitte: Jürgen Bauer (2. Vorstand Biketeam Regensburg, rechts Peter Lammel (Vorstand Biketeam Regensburg).

Zwei Vereinsmitglieder mit Sonderstarterlaubnis im Teamtrikot der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Zum Saisonausklang bietet die letzte RTF in Bayern Gelegenheit mit Gleichgesinnten nochmals kräftig in die Pedale zu treten, bevor der Speichenflitzer zur kalten "Saure Gurken Zeit" winterfest eingemottet wird. Romantische Flussauen, sauerstoffreiche Waldpassagen, goldgelbene Rapsfelder und schroffe Kalkfelsen beeindrucken im vorherbstlichen Farbenkleid immer wieder auf's Neue. Im Flüsse-Dreieck zwischen Donau, Schwarze Laber und der Naab in familiärer Atmosphäre zu radeln verspricht ein besonderes Gemeinschaftserlebnis, das Tritt für Tritt einen Riesenspaß bereitet, allerdings je nach gewählter Route auch Schweißperlen kostet. Einzigartig die Fährüberfahrten über die Donau (Matting/Weltenburg/Eining), die eine willkommene Verschnaufpause bieten.

Im Hinblick auf kürzer werdendes Tageslicht und unbeständigerem, kühlerem Wetter fällt es zunehmend schwerer, sich zu einer Radtour aufzuraffen. Diesbezüglich bietet die Welt-Kult-Tour Anlass sich nochmals motiviert in den Sattel zu schwingen, bevor die Radsaison sich ihrem Ende zuneigt. Ob Flachland-Tiroler oder Bergfloh - ob Crack oder Freizeitradler - ob Jung oder Alt - 8 Rundtouren sollten wahrlich ausreichen, um seine Lieblingsstrecke auszuwählen. 

Die Ruhe vor dem Sturm...

Bild oben:Peter Lammel (Vorstand Biketeam Regensburg) interviewt Langstrecken-Profi Rainer Steinberger. Jener Extremsportler der von sich behauptet, dass er erst ab 200 km richtig "warm" wird und die Marathondistanz bei der WKT als "Ausradeln" bezeichnet. Seine Erfolge können sich sehen lassen. Steinberger wurde 2016 Ultracycling Weltmeister Titel (Glocknerman 1000km /17000 hm) und siegte beim prestigeträchtigen Rad am Ring (728 km /14.200 hm). Zur WKT ohne offizielle Zeitnahme (radtouristische Veranstaltung) braucht er sich jedenfalls nicht die Beine ausreißen.

Streckenchronik (175/205 km)

Streckenabschnitt Burgweinting-Staussacker (37km/350hm/Tour 1-4)

Am Ortsausgang von Burgweinting nimmt das Feld Fahrt auf.

Die flache Warm-Up-Phase bringt den Muskelapparat behutsam auf Betriebstemperatur, bevor es später ans Eingemachte geht. 

Frühmorgens nach dem Start um 7.30 Uhr wabbern häufig noch Nebelschleier in Bodennähe.

In Richtung Bad Abbach wird zumeist gemütlich in Zweierreihe gefahren, was nette Small Talks erlaubt.

Des Radlers liebste Proviant ist und bleibt die Banane. Sie enthält Pektin, einen Ballaststoff, der die Verdauung unterstützt. Ihr hoher Magnesium- und Kaliumgehalt ist der perfekte Sportler-Snack, weil die Frucht den Magen kaum belastet. Dazu beugen Bananen sogar Muskelkrämpfen vor. Die Kombination aus ihrem natürlichen Fruchtzuckergehalt und den löslichen Ballaststoffen ergeben für den Körper schnell verfügbare Energie, die obendrein eine Weile anhält. Grund ist der relativ niedrige glykämische Index, weshalb der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr eben nicht sprunghaft hochschnellt bzw. kurz darauf ebenso schlagartig wieder sinkt.

Die WKT ist für ihre locker familiäre Atmosphäre bekannt und beliebt. Hinzu kommt, dass gegen Ende Radsaison Formaufbau und Saisonziele Geschichte sind und somit kein Leistungsdruck mehr besteht.

Nichts desto trotz es gibt Kandidaten, denen die Beinmuskulatur juckt und die ihre Race-Gene nicht allzu lange bändigen können oder wollen. Auch wenn die WKT keinen Wettbewerbscharakter besitzt, ist Grundlagentempo nicht Jedermanns Sache. So wie z.B. "Iron-Mike" (Bild oben), der sich den Jux nicht verkneifen kann im Führungsfeld Duftmarken zu setzen. 


Nicht jeder lässt sich von überholenden Fahrern beeindrucken geschweige sich animieren schneller zu fahren. Stattdessen wird ein gleichmäßiges Wohlfühltempo vorgezogen bei dem die Kräfte klug eingeteilt werden, um nicht völlig platt im Ziel anzukommen.    

Morgenstund hat Gold im Mund, vor allem wenn der Altweibersommer mit herrlichem Sonnenschein und milden Temperaturen in den Sattel lockt.

Sonntag früh sind Regensburgs Ausfallstraßen nahezu verkehrsfrei. Homogen ansteigend (2%) wird vor den Toren Regensburgs Oberhinkofen passiert.

Der erste Kreisel des Tages - weitere folgen

Teilnehmer - wie z.B. Tobias Achatz (mehrfacher Transalp-Finisher) - nutzen die (finale) Gelegenheit nochmals eine schöne Rennradtour mit Gleichgesinnten zu absolvieren, bevor mancher in der kälteren Jahreszeit auf den Crosser- bzw. Mountainbike umgesteigt.

Noch lädt das gemütliche Dahin-Cruisen zum Schwätzchen mit dem Nebenmann ein  

Manch ambitionierter Pacemaker  - vornehmlich auf der 175/205 km Strecke - fackelt nicht lange und zieht irgendwann die "Daumenschrauben" an. Wird abwechselnde Führungsarbeit geleistet, bleibt der Speed dementsprechend anhaltend hoch. Mit anderen Worten: urplötzlich ist aus dem heiteren Nichts spaßeshalber der "Fight" um die erste Fähre entbrannt. Wer sich in der Spitzengruppe behaupten will muß höllisch aufpassen, um den abrupten Tempoverschärfungen geistesgegenwärtig Paroli zu bieten. Ansonsten droht eine hyperventilierende Aufholjagd bei der nutzlos Energien vergäudet werden oder verliert gänzlich den Anschluss.

Doch bei weitem nicht jeder möchte ans obere Limit seines Leistungsvermögens gehen. Klar ist: die WKT ist eine Radtourenfahrt (RTF) an der überwiegend Freizeitsportler teilnehmen, für die das <Dabei–Sein–ist Alles–Prinzip> zählt, die weder Leistungsgrenzen ausloten geschweige Leistungsvergleiche anstellen. Statt das Hinterrad des Vordermanns zu fokussieren bzw. ständig auf Herz- Trittfrequenz und Wattleistung zu achten schenkt man seine Aufmerksamkeit beim entschleunigten Dahingondeln lieber der Naturlandschaft und dem geselligen Drumherum. Man ist ja schließlich nicht auf der Flucht sondern dem genüsslichen Erlebnisfaktor auf der Spur. Einen unbeschwerten Radeltag in herrlicher Umgebung erleben und dazu ausgiebig an den Labestationen pausieren, essen und erholen - eine fitnessorientierte, gesundheitsbewusste Einstellung, die die meisten Hobbyradler in sich tragen. Das schöne an dem "Format" einer RTF ist, dass das Leistungsspektrum extrem breit gestreut ist und jeder Teilnehmer unter Einhaltung der StVO in seiner bevorzugten Intensität radelt wie es ihm beliebt. So kommt es, dass sich im Prinzip "zwei Leistungswelten" begegnen, die auf der Strecke ihr eigenes Süppchen kochen, im Ziel aber vereint feiern.

Beim Abwzeig vor Seedorf geht die leichte Steigung in eine sanfte Gefällpassage über. In aerodynamischer Sitzposition kann die Tachonadel über 60 km/h ausschlagen.

VIP-Teilnehmer Andreas Schillinger und Bernhard Steinberger sichtlich gut gelaunt

Kollegiales Verhalten - Handzeichen geben gehört unter fairen Sportkameraden zum Selbstverständnis.

Nachdem die Donau auf der Charbonnière-les-Bains-Brücke in Bad Abbach gequert ist wird auf dem Weg nach Poikam das Inselbad passiert.

Schon bald ist das Donauufer erreicht und betört die Sinne mit seinen schönen Ausblicken. 

Die Donau ist der längste Fluss Mitteleuropas und nach der Wolga der zweitgrößte Strom Europas. Sie entspringt im schwäbischen Donaueschingen und mündet nach 2860 km ins Schwarze Meer (Bulgarien).

Kapfelberg wird von den drei längsten Routen zuerst südlich und später nördlich in Richtung Gundelshausen tangiert.

Am Yachthafen Kapfelberg kann man vis a vis zur Donau die Blicke schweifen lassen. 

Während manche das Zepter in die Hand nehmen und auf's Tempo drücken geht es weiter hinten weitaus gemütlicher zu.

Nach Einmündung in die Römerbruchstraße beginnt ein 3 km langer "Zieher", der zwar nicht mal 1% Durchschnittssteigung aufweist, doch bei Maximalbelastung dennoch die Poren für erhöhten Schweißverlust öffnet.

Wird am Anschlag hoch geballert, sprengt hohes Tempo unweigerlich Gruppen auseinander. Wer am Ende des Feldes abtropft, dem braucht nicht bange zu werden allein sein Dasein fristen zu müssen. Im Minutentakt rauschen hier dichte Fahrerfelder durch, die Einzelfahrer aufsaugen. Die hohe Fahrerfrequenz erklärt sich dadurch, dass auf diesem Streckenabschnitt noch vier Routen verlaufen. Darüber hinaus liegen windschattengeschützte Fahrer auch deshalb noch relativ eng beinander weil ein selektiver Anstieg fehlt.

Kurz vor der Kuppe zweigt die 60 km-Fitnesstour Richtung Lindach ab.

Bild oben, links: Markus Biersack (VCR, Bayerischer MTB-Marathon-Meister 2015) unterbot als schnellster Marathonfahrer mit einer FZ von 5:58 die 6 Stunden-Schallmauer, gefolgt von seinem VCR-Teamkollegen Jürgen Schmid. Nur 8 min. nahm sich das Führungsduo an den Verpflegungsstellen Zeit. Anekdote am Rande: die Antwort auf die Frage nach dem ersten Pausenstopp in Staussacker bei KM 67 der beiden Marathonis lässt schmunzeln: "Warum hier halten, wir sind doch gleich in Kallmünz....". Für "Otto-Normalradler" undenkbar, nicht den kulinarischen Verlockungen genussvoll zu erliegen und während der Stopps neue Kräfte zu sammeln.

Husch, und vorbei ist das Ortsschild. Bernhard Steinberger (links) scheint unabhängig der Belastung immer genügend Luft zu haben sich mit dem Nebenmann zu unterhalten.

Und schon kommt der nächste Kreisel zugeflogen

Romantische Kulisse bei der Altmühl- und Donauüberquerung, wo im Hintergrund die Befreiungshalle empor ragt. Konnte man sich bestenfalls bis Kelheim energiesparend im Windschatten "verstecken" macht einem der 130 hm-Anstieg nach Weltenburg einen ökomischen Strich durch die Rechnung. Am Fuße des Anstiegs wandelt sich das Blatt, statt Tempohärte und Rolleureigenschaften sind nun Kletterqualitäten gefragt, d.h. jeder ist auf sich allein gestellt. Der Kampf gegen den inneren Schweinehund geht in seine erste Runde.

Unmittelbar nach dem dritten städtischen Kreisverkehr beginnt die erste längere Bergfahrt Richtung Weltenburg. Von Kette rechts geht mancher in den Wiegetritt über, obwohl der gleichmäßige Anstieg rhythmisch gut im Sitzen zu fahren ist. Im Nu zersplittern die Fahrerfelder in kleinere Gruppen und Solisten, was ebenbürtige Fahrer zusammen schweißt. Der 2.5 km lange Anstieg mit einer Durchschnittssteigung von 5.3 % reicht aus, dass sich die Flachetappenbündnisse peau a peau in Luft auflösen. Ruck zuck setzen sich federleichte Bergflöhe gnadenlos vom Verfolgerfeld ab. Tja, die Physik lässt sich eben nicht austricksen, d.h. je steiler ein Berg, desto stärker kommt die Gesetzmäßigkeit <relative Leistung in Watt je Kilogramm> zum Vorschein. Schonungslos wird offen gelegt, wer zuviel Gewicht auf den Rippen hat. Schließlich verursacht jedes (unnötige) Kilogramm das man den Berg hochschleppt, einen Zeitverlust von ca. 1–1,5%. Der Spruch "Radsport ist eine Leidenschaft, die neben Glückgefühl auch Leiden schafft" dürfte so ziemlich jedem Hobbyradler geläufig sein. Er bringt mit wenigen Worten das grundsätzliche Wesensmerkmal des Radsports auf den Punkt.

In Eining (KM 44) bzw.Weltenburg (KM 37) tut es gut vom Rad zu steigen und sich in aller Ruhe zu sammeln.  

Marathonschleife (30 km/200hm)

Nach der Abfahrt in die Donauebene gabelt sich die Marathonstrecke in Weltenburg von den anderen 3 Routen ab.

 

Die Marathonfahrer setzen 7 km weiter mit der Fähre in Eining nach Hienheim über. Die schnellsten Fahrer erreichen die Fähranlegestelle gegen 8.45 Uhr. Auf ihrem Rückweg gelangen die Langstreckler nach 23 km zur Verpflegungssation Staussacker. 

Die Zusatzschleife der Marathonstrecke weist von Hienheim nach Staussacker einige Wellen auf (200 hm).

Die "Vorhut" erreicht die Fähranlegestelle Weltenburg gegen 8.35 Uhr, was einen Schnitt von fast 37 km/h entspricht. Eine Leistung die die Psyche insgeheim als schmeichelnder "Etappen-Sieg" wahrnimmt. Den meisten Fahrern dürften solche Ambitionen fremd sein, da es für sie schlichtweg keinen Kampf gegen die Uhr gibt. Nachzügler treffen bis zu 1 Stunde später ein was den Vorteil bringt, dass der Zeitversatz die Teilnehmerfelder entzerren und dadurch die Fähr-Wartezeit verkürzen. Immerhin müssen etwa 600 Teilnehmer samt Räder über die Donau bugsiert werden, während der Fährmann in Eining mit etwa 115 Passagiere weniger Arbeit bekommt.

Ein unvergesslicher - weil nicht alltäglicher - Höhepunkt ist zweifelsohne die Donau-Überquerung. Völlig untypisch, seinen Tritt-Rhythmus abrupt zu unterbrechen, vom Sattel zu steigen und sein Gefährt gemächlich über die Holzbohlen der Fähre zu schieben. 

Was folgt ist eine wohltuende Auszeit für Kopf und Körper. Im Ruhepuls lautlos über den Fluss zu schippern, entspannt aus der Trinkflasche zu zuzeln, ein Schwätzchen mit Gleichgesinnten zu halten oder sich gedankenversunken treiben lassen - jeder wonach ihm der Sinn steht.

  

Kaum angelegt, erwartet die Fahrer die erste reichlich bestückte Verpflegungsstation. Zeit, die zur effektiven Energiegewinnung und kurzzeitigen Regeneration dient, damit die Mitochondrien – Kraftwerke der Zellen – Glukose (Kohlenhydrate) verbrennen was die Leistungsfähigkeit für geraume Zeit sicherstellt.

Anlanden und ab zur Labe. Im Bild Teilnehmer (blaues Trikot) des Patenvereins Lupburg.

Exkurs: das Biketeam unterwegs bei ihrer "internen" WKT, die turnusgemäß 1 Woche vor der offiziellen Veranstaltung stattfindet. Ein Art "Last Minute Strecken-Check", damit am Event-Tag alles reibungsfrei funktioniert.

Heiße Musikrythmen und ein super gelauntes Helferteam erwartet die Radler mit offenen Armen. Die 100 km-Funsport-Teilnehmer gehen nun "eigene" Wege, da sie von den übrigen drei Routen hier abzweigt.

Ja der Peter - immer gut drauf - und für ein Späßle jederzeit zu haben

Die Auswahl ist gigantisch und man ist auf das Wohl der Gäste bedacht. 

Lächelnde Biketeam-Feen versprühen gute Laune. Das kommt beim hungrigen Publikum unglaublich gut an. Besonders an kühlen Tagen ist die deftige Gemüskraftbouillon mit knusprigen Croutons bzw. Backerbsen der absolute Hit. Die Brühe wärmt von innen und liefert darüber hinaus wertvolles Natrium, das Muskelkrämpfen vorbeugt.

Gute Laune steckt an - dafür sorgen Stimmungskanonen wie z.B. Benno und Schorschi.  Damit die Energiebilanz wieder ins Lot kommt, flösst leicht verdauliche Kost wie Käse- Wurst und Griebenschmalzbrote dem Körper frische Power ein, während Wasser, Saftschorlen, Tee, Isogetränke den Flüssigkeitsverlust ausgleichen und verlustig gegangene Mineralstoffe ersetzen. Je nach Temperatur ist auch heißer Kaffee der "Bringer".

Streckenabschnitt Staussacker-Kallmünz (49 km /656 hm/Tour 1 + 2)

Frisch gestärkt rollt es sich in der sattgrünen Landschaft mit Donaublick wunderbar dahin.

Nur wenige hundert Meter nach der Labe sollte man es nicht versäumen nach rechts zu schauen. Zwischen Bäumen hindurch erspäht man schöne Blicke auf das Kloster Weltenburg. Doch leider geht die Flachpassage ansatzlos in einen fiesen Wadlzwicker über, der sofort die Pulsfrequenz rasant steigen lässt. Der Staussackerer Berg fordert mit seinen abwechselnd knackigen Rampen (1.5 km /100 hm) abermals den inneren Schweinehund heraus.

Nachdem in die Kelheimer Hauptstraße eingebogen wird - auf der jährlich das populäre 24 Rennen von Kelheim ausgetragen wird - fällt das Höhenprofil nach einer kurzen Gegensteigung zur Kreisstadt Kelheim ab. Die Vereinskollegen Michael und Schotti haben gut Lachen, denn der flotte "Sinkflug" wird in vollen Zügen genossen.

Im Hintergrund der Römerturm, 1476 aus den Überresten des alten Herzogschlosses erbaut, der der äußeren Stadtbefestigung diente. 

Es dauert nur wenige Minuten bis die Kelheimer Altstadt auf der Allee- und Bahnhofstraße umfahren ist. Nach der vierten Donauüberquerung (KM 45/ Marathon KM 75) führt die Hemauer Straße vis a vis der Goldberg-Klinik mit 2% Durchschnittssteigung 8 km bergan (170 hm). 

Ab dem Abzweig nach Haugenried schlängelt sich ein nahezu verkehrsfreies Forststräßchen in idyllischer Waldlandschaft sanft aber stetig hinauf. Der homogene Anstieg ist unter Rennradlern äußerst beliebt. Einzig der Schlussabschnitt beim Forsthaus hält einen 10% Zacken parat.

Auf dem Hochplateau endet die Waldpassage und gibt eine herrliche Aussicht über die Hügellandschaft des Bayerischen Jura frei. Von hier ab radelt man wieder im Landkreis Regensburg. 

Es gibt auch pfeilschnelle Damen, die den Herren der Zunft gern ihr Hinterrad zeigen.

Erhöhte Vorsicht ist in Thumhausen geboten, da ein 15% Gefälle ins Schwarze Labertal talwärts führt und an dessen Ende an der T-Kreuzung Vorfahrt zu gewähren ist. Dort zweigt die 125 km lange <Hart & Herzlich Tour> rechts nach Schönhofen ab, während die längeren Routen in linker Fahrtrichtung dem Schwarze Labertal folgen. 

 Bremsweg

Je höher die Geschwindigkeit und steiler das Gefälle, desto länger der Bremsweg. Wird die Reaktionszeit hinzugerechnet ergibt es den Anhaltewe). Die Verdoppelung der Geschwindigkeit vervierfacht den Bremsweg. Faustformel: Geschwindigkeit geteilt durch 10, multipliziert im Quadrat. Der Verzögerungswert liegt bei Rennrädern etwa 6 m/s². Gewicht, schiefe Ebene, Asphaltzustand, Nässegrad, Reifenqualität, Bremsverzögerungswert und Bremsvermögen des Fahrers sind Parameter die den Bremsweg beeinflussen.

Wohl dem, der windschattenbehütet im Schwarzen Labertal nach Deuerling mitrollen kann, anstatt als Solist gegen den härtesten Widersacher - dem Luftwiderstand - anzukämpfen. Das spart wertvolle Kräfte, denn der nächste Berg lässt nicht lange auf sich warten. In Münchsmühle kehrt man dem Tal der Schwarzen Laber nämlich schon wieder den Rücken. Eine 10% steile Steigung nach Großetzenberg (110 hm) erfordert erhöhten Pedaldruck - ergo auch mehr Willenskraft. Dafür folgt die Erleichterung auf den Fuß, denn wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. So führt eine rasante Abfahrt wieder in den Schoß des idyllischen Schwarze Labertals zurück wo die Marktgemeinde Laaber durchquert wird.

Ab Endorfmühle heißt es abermals von der Schwarzen Laber Abschied nehmen. Die Flussverbindungsstrecke zum Naabtal verläuft über die Jurahöhen, was den Radlern bis Wischenhofen 160 hm beschert. Irgendwie mag einem das ewige Auf und Ab sinnlos vorkommen, weil die Höhenlevel der Flusstäler nahezu niveaugleich sind. Doch Berge sind nunmal das Salz in der Suppe, die nach jeder Überwindung im Gegenzug für emotionale Höhenflüge sorgen. 

Gleich nach der Ortschaft Brunn fällt innerhalb 3 km das Höhenniveau um 160 hm ins Naabtal ab. Abermals wird potentielle Energie in kinetische Energie (griechisch kinesis=Bewegung) - sprich Bewegungsenergie - umgewandelt. Dieses pyhsikalische "Spielchen" macht man beim "Flußtäler-Hüpfen" öfter mit als einem bisweilen lieb ist.

Kaum ist man in Heitzenhofen auf die Hauptstraße eingebogen taucht am Horizont auf einem Felsvorsprung des Schlossbergs die Ruine der trohnenden Burg Kallmünzins Blickfeld. Parallel zur Naab werden die topfebenen 5 Kilometer nach Kallmünz - der nördlichste Punkt der Strecke - als wahrer Genuss empfunden. 

Verpflegungsstelle Kallmünz: Σ Bilanz 86 km/1 006 hm (Marathon +30km/200hm).  Der bekannte Künstlerort wird seiner ausgesprochen schönen Lage wegen als „Perle des Naabtals“ bezeichnet. Der Markt Kallmünz liegt zwischen Naab und Vils eingebettet am Ortsrande der Kalkfelsenlandschaft des Bayerischen Jura und hat etwa 2 900 Einwohner.  

 

Diese Herrschaften sind mit ihren erlesenen Lebensmitteln zuständig dafür, dass die Mitochondrien der Piloten optimal befeuert werden. In Anbetracht dessen, dass die Strecke alles andere als flach weiter geht macht einen bedarfsgerechten Energienachschub sehr wichtig. Betrachtet man die "Halbzeitbilanz" so schlagen mehr als doppelt soviele Höhenmeter (1 200) zu Buche, als man bis hier hinter sich gebracht hat. Darauf sollte man sich mental einstellen. Abgesehen davon sind die Beine bei weitem nicht mehr so frisch. Erschöpfungszustände bringen es mit sich, dass es hier und da schon mal zu zwacken beginnt. Je nach Befindlichkeit können sich die finalen 89 km bis ins Ziel garstig in die Länge ziehen.  

Streckenabschnitt Kallmünz-Eilsbrunn (33 km/460 hm/Tour 1 + 2)

Nach der Überquerung der spätmittelalterlichen Steinerne Brücke (erbaut 1549-1558) führt die Strecke 2 km flussabwärts zur Naab nach Krachenhausen. Dort zweigt ein schmales Nebensträßchen ab zum Mühlschlag (100 hm). 

Im Bild die Burg Wolfsegg. Nach einigen "Ziehern" fällt das Höhenniveau ins Naabtal wieder ab.

Die Gefällstrecke führt direkt auf das ehemalige Kloster Pielenhofen zu. Auf der flachen Hauptstraße nach Etterzhausen kann man 7 km gut Tempo machen vor allem dann, wenn energiesparend im Windschatten geradelt wird. Tun sich versprengte Einzelfahrer auf dem Flachabschnitt zusammen profitiert jeder davon.

In Etterzhausen verabschiedet man sich endgültig von der Naab, die nur unweit in Mariaort in die Donau mündet. Sanft ansteigend verläuft die B 8 Richtung Marktgemeinde Nittendorf von wo die Strecke sanft wieder ins Tal der Schwarzen Laber nach Schönhofen abfällt.

Das erholsame Flußradeln im Schwarze Labertal ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn mit dem Kühschlag> - quasi das "Kühtai" des Landkreises Regensburg in Miniformat - kommt der härteste Brocken auf die Radler zu. Wer den Wegweiser am Ortsende von Schönhofen passiert hat, sollte schleunigst in den kleinsten Gang wechseln, weil der Geschwindigkeitsverlust auf der abrupt ansteigenden Straße einem Ankerwurf gleichkommt. Im oberpfälzischen Fachjargon nennt man solche "Giftzwerge" auch "Schnapperer". Vielleicht deshalb, weil man hier richtig beißen muss. Der Kühlschlag ist zumindest für Freizeitradler zweifelsohne eine Herausforderung, da der 110 hm-Anstieg nicht nur bis zu 15 % giftig steil sondern zudem äußerst unrhythmisch zu fahren ist (Durchschnittsteigung 6.5%). Wer zum ersten Mal hoch radelt wird die ständigen Steigungswechsel verfluchen, denn jedesmal nach kurzer Abflachung wo man sich schon oben wähnt zieht die Neigung hinter Kurven oder Kuppen wieder an. Abgesehen davon hat man je nach Tour bereits 64, 114 oder 144 km in den Beinen, was eine Portion mentales Stehvermögen abverlangt. Ist der Zenit überschritten, registriert der Kopf und die malträtierte Beinmuskulatur umso freudiger den nachlassenden Pedaldruck. Somit verfügt die WKT nach dem "Vorbild" des Arber- und Frankenwald-Radmarathon mit dem Maibrunner Berg und der Possecker-Rampe einen nicht minder gefürchteten "Rampen-Hammer".

Bild oben: Sigi, die nimmermüde Ihrlersteiner Bergziege liebt das Klettern über alles (rechts). Hier am giftigen Kühlschlag, wo er in seiner typischen Wiegetritt-Manier schon vielen das Fürchten lehrte.

Nach der 4 km langen Kühschlag-Rundschleife schlägt man im Anschluss einer kurvigen Abfahrt nach Zeiler wieder im Labertal auf. Was die Höhenmeter anbelangt geht es Schlag auf Schlag, denn kaum ist man von der Hochebene ins Schwarze Labertal hinab gerauscht beginnt nach einem Links- Rechts- Abbiegevorgang unvermittelt der Eilsbrunner Berg (110 hm, Durchschnittssteigung 6.1%). Der intensive Nutzung der Flüsse-Talsohlen mit ihren umkranzten Anhöhen sorgt dafür, dass letztlich eine stattliche Höhenmeterbilanz zu Buche schlägt. Anders formuliert: man bekommt die Anstiege der Reihe nach zwar als "leicht verdauliche Häppchen" serviert. Doch in der Summe garniert die kupierte Topographie keineswegs leicht verdauliche Kost, da die zermürbenden Wadlbeißer gegen Ende hin schwer im Magen liegen. Wer seine Kräfte sorgsam einteilt und sich zwischendurch immer wieder gut erholt tut sich im Schlussabschnitt einiges leichter. 

Am Eilsbrunner Anstieg steht der "rasende Reporter" im Fokus.

Da die Verpflegungsstation auf halber Anstiegshöhe liegt, wird der Kraftakt zeitlich zweigeteilt. Das gibt der Psyche Aufwind womit die Kurbelei leichter fällt.

Wenige Meter nach dem Ortsschild befindet sich beim ältesten Wirtshaus der Welt die ersehnte Labe. Laut Guinness Buch der Weltrekorde ist die Gaststätte Röhrl - bezogen auf die durchgehende Öffnung seit 1658 - das älteste Wirtshaus der Welt.

Verpflegungsstation Eilsbrunn: Σ Bilanz: 119 km/1 460 hm (Marathon +30km/200hm).

Eine Verschnaufpause hat man sich redlich verdient: Absitzen, Beine vertreten, leckere Häppchen essen und Mineralstoffgetränke zu sich nehmen, bevor Teil Zwei des Eilsbrunner Berges in Angriff genommen wird.

Streckenabschnitt Eilsbrunn - Oberndorf (32 km/488 hm)

Ist der Eilsbrunner Berg bezwungen dann geht's vom Hochplateau aus abschüssig dem Donautal entgegen. In Sinzing - wo die Schwarze Laber in die Donau mündet - befindet man erneut im Schwarze Labertal. Es schließt sich nahtlos eine 6 km lange Flachpassage entlang der mäandernden Schwarzen Laber bis nach Alling an.

Die Frauenquote liegt bei knapp 30%. Im Bild Carmen, die nach Alling Tempo macht.

Noch ist gut Lachen in der Ebene, doch schon bald ist schon wieder Schluss mit Lustig. Der nächste 110 hm-Hügel nach Viehhausen ruft zum Halali.

Der letzte steilere Wadlzwicker beginnt mit 7.2% Durchschnittssteigung und verlangt verbliebene Kraftreserven zu mobilisieren.  


Nach Überquerung der Hauptstraße Sinzing-Kelheim in Viehausen verläuft die Strecke im welligen Profil nach Schneckenbach.

Es reihen sich idyllisch gelegene Weiler wie Schneckenbach, Reichenstetten und Dürnstetten aneinander. 

Dort, wo andere Radmarathons anfangs den Löwenanteil an Höhenmeter sammeln, und gegen Ende hin flach auslaufen, verhält es sich mit der WKT anders herum. Ein Vergleich mit dem Arber-Radmarathon verdeutlicht, dass identische Streckenlängen und Höhenmeter nicht zwangsläufig denselben Streckencharakter bzw. Schwierigkeitsgrad aufweisen.

Trotz Kraftanstrengung verzaubert die Naturlandschaft ein ums andere Mal die Sinne.

Auf und Ab - immer wieder - das zehrt auf Dauer an den Kräften.

In Lindach kommt Freude auf , denn endlich wandert die Kette wieder nach rechts. Im Sauseschritt geht es abermals dem Donautal nach Kapflberg entgegen. 

Nach einer kurzen Gegensteigung kommt einem in der Abfahrt Gundelshausen regelrecht entgegen geflogen. Dann ist kräftiges Bremsen angesagt, weil direkt nach der Bahnunterführung eine scharfe Rechtskurve folgt. Kurz vor Poikam zweigt man links in die Inselstraße ab.

Zum zweiten Mal steht die Passage des Inselbades in Bad Abbach an, wo man bereits frühmorgens in entgegen gesetzter Richtung radelte.

Nach Überquerung der Charbonnière-les-Bains-Brücke heißt es aufpassen. Drei Eisenpoller stehen im Weg. Zudem ist bei der Einfahrt in die Donaustraße die Vorfahrt zu gewähren.

Nun radelt man flussaufwärts auf der Donaustraße ins 1 km entfernte Oberndorf zur großen Verpflegungsstation.  

Verpflegungsstation Oberndorf: Σ Bilanz 151 km/1 948 hm (Marathon +30km/200hm). Hinter dem "Tresen" werkeln die Helfer - bestens gelaunt - für das leibliche Wohl der eintrudelnden Gäste. 

An der Jause in Oberndorf gibt's nahrhaftes Weltenburger Hefeweißbier alkoholfrei! Im Bild Urgestein "Faxe" mit Peter, der dem "Schreiberling" nicht nur Windschatten spendete sondern von der WKT und ihrem Routenprofil derart überzeugt und begeistert war, dass er spontan dem Verein beitrat.

 

Jeder genießt ein Päuschen an der Jausenstation Oberndorf (KM 36/75/99/150/180). Jener Knotenpunkt an dem alle 5 Routen zusammenlaufen, weswegen Massenandrang und ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Nach der letzten Energiezufuhr vor Zieleinlauf heißt es nochmals Kraftreserven mobilisieren, denn 6 km später wird bei der Ausflugsgaststätte Walba vom Donautal Abschied genommen.

Ultraleichtes High-Tech-Material allein macht noch nicht schnell...

Die Auswahl wie gehabt: gigantisch.

Zwischen Auf- und Abbau bekommen manche Vereinsmitglieder den Vorstandssegen für die Teilnahme an der WKT. Auf die Schnelle ein isotonisches Alkoholfrei weggezischt - und schon sitzt man nach wenigen Minuten wieder im Sattel.

Streckenabschnitt Oberndorf – Burgweinting/Ziel (24 km/227 hm)

Aufkommende Vorfreude auf das nahende Ziel bewirkt bewirkt erste Adrenalin- und Endorphinausschüttungen, dessen Glücksgefühle die finalen Höhenmeter schmerzlindernd wegdrücken.

Im Sauseschritt durch Matting. Erhöhte Vorsicht ist an den Rechts-vor-Links- Einmündungen geboten. 

Nach der Ortsdurchfahrt von Matting geht nach Unterirading wo die Route direkt vor der Ausflugsgaststätte Walba rechts abzweigt. Sobald dem Donautal der Rücken gekehrt wird verläuft die Straße wieder aufwärts.

Bis nach Graßlfing (2 km, Steigungsniveau durchschnittlich 2.4 %) sind 50 hm zu überwinden, wo im Ortskern scharf links abgebogen wird. Kurz darauf zweigt rechts die Aralenstraße ab, die nach nach Hohengebraching hinauf führt (Steigungsniveau durchschnittlich 2.8 %). Die sanften Steigungen summieren sich auf 160 hm.    

Nach einer leichten Talsenke kommt die letzte nennenwerte "Höhen-Delle" bevor bei Seedorf links in die Straße nach Oberhinkofen eingebogen wird. Je nachdem wie gut oder "haudig" man drauf ist, wird entweder in den "Feierabend- oder in den Sprint-Modus" geschaltet. Selbst wer auf Teufel komm raus seine allerletzten Reserve-Energien verbrennt, wird mit Zielgeruch in der Nase bestimmt keinen Einbruch mehr erleben.  

Nach dem letzten Aufstieg darf die Kette endlich wieder nach rechts wandern! Der Schlussspurt setzt durch sein leichtes Gefälle hormonberauschende Endorphindosen frei. 

  Radurlaub

Regensburgist allein des Welterbetitels besuchenswert. Bei einem Radurlaub lernt man die Ferienregion Regensburg Landvon seiner schönsten Seite aus kennen. 

Sie haben ihr Ziel erreicht

Der emotionale Höhepunkt der Zieldurchfahrt wird natürlich in vollen Zügen genossen. Hier nehmen die Strapazen abrupt ihr Ende und alle Anspannung fällt mit einem Schlag ab. Jener Moment in dem die vollbrachte Leistung bewusst wird, werden reichlich Glückshormone in die Blutbahn gekippt. Nun kann man sich getrost zurücklehnen, der Livemusik lauschen und genüsslich die leergefegten Energiespeicher auffüllen. Voilà!

Nach Rückkehr wird das Hurra-Erlebnis gebührend gefeiert. Schließlich steckt in jedem gesunden Körper auch ein gesunder Geist!

 

 

 

 

 

Damen und Kinder werden gesondert geehrt. Mütter bekommen eine Rose und der Nachwuchs für die absolvierte Strecke einen Pokal überreicht. Eine emotionale Geste die Freude spendet und den Charme der Veranstaltung unterstreicht.

Flower Power - Lucky Faces

Das "Brunner" Radelteam hatte als Staffelfahrer auf einem Werbeträger-Tandem Riesenspaß.

Backstage

Nach der Arbeit das Vergnügen. Nach fleißigem Arbeitseinsatz gönnt sich Peter ein wohlverdientes Bruckmandl.

Peter, Gisela und Trausti, die zuvor in Kallmünz ehrenamtlich werkelten, radelten nach Verpflegungsschluß zurück ins Ziel und ließen den Tag locker ausklingen.

Pit - King of Signposting

Urgestein mit "Paparazzo" 

 12. WeltKultTour Regensburg am 7./8. September 2019

Veranstalter                                         Biketeam e.V.

Vorstand Peter Lammel
Sophie-Scholl-Str. 64

93055 Regensburg

mail: info@biketeam-regensburg.de

web:  http://www.weltkulttour.de