Streckencharakteristik / Streckenverlauf

Der grenzüberschreitende Isarradweg stellt neben dem Inn-Radweg die wichtigste Achsenverbindung zwischen Tirol/Österreich und dem internationalen Donau – Radweg in Ostbayern her. Nach Donau (Bayern 386 km / D 577 km), Main (527 km, Bayern/Hessen/Baden Württemberg) und Inn (517 km, CH/A/D) ist die Isar mit 295 km (A/D) der viertlängste Fluss Bayerns, dessen Quellwasser im Hinterautal (Tirol) des Karwendelgebirges entspringt. Der Isarradweg tangiert die Tourismusregionen Alpenpark Karwendel in Tirol, Zugspitz-Region, Tölzer Land, Münchner Umland (Oberbayern) sowie das Bayerische Golf & Thermenland (Niederbayern). Die reizvolle Route durchquert auf seiner 300 km langen Wegstrecke schroffes Alpingelände, sanft gewelltes Voralpenland und flache Isarauen, wobei neben Tirol 7 bayerische Landkreise und 11 Städte tangiert werden. Bereits 1987 wurde der Isarradweg seiner Bestimmung übergeben – lange bevor der Radtourismus als Wirtschaftsfaktor Fahrt aufnahm. Gemessen an seiner 'Vorreiterrolle' ist der Isar-Radweg im Vergleich zu den populären Parade-Flussradwege Deutschlands überregional dennoch eher weniger bekannt.
Die Tour startet im Karwendelgebirge, wo die Isar gletschergrün schimmernd eigenwillig ihren Weg durchs Gesteinsmassiv bahnt. Zielpunkt ist das Naturschutzgebiet Isarmündung in Thundorf/Donau oder die unweit liegende Kreisstadt Deggendorf. Teils über gut ausgebaute Radwege, teils über verkehrsarme Nebenstraßen bzw. befestigte Ufer- Wirtschafts- und Waldwege folgt die Route überwiegend in Sichtweite des Flusslaufs.   

Eignungsklassifizierung

Bild oben: nach jahrelangen Renaturierungsmßnahmen ist die Isar auf Höhe der Stadt Landau für Badegäste und Sonnenanbeter frei zugänglich. 

Die Streckenführung entspricht der typischer Flussradwanderwege: überwiegend Flachetappen – Anstiege (einstellige Prozentwerte) bilden die absolute Ausnahme. Flussradtouren haben einen entscheidenden Vorteil: es liegt in der Natur des fließenden Wassers, dass es sanft bergab fließt. Außerdem waren Flüsse einst für Menschen schon immer Grund genug sich niederzulassen, weshalb historische Orte, Burgen, Schlösser und Klöster zahlreich das Isarufer säumen. Der Isar-Radweg zählt in Bayern zu jenen 4 Fernradwegen, der neben Main- Donau- und Altmühl-Radweg eine durchgängige leichte Befahrbarkeit gewährleistet und somit Genussradler, Familien und Senioren anspricht.
Topographische Ausreißer: nur die Anhöhe des oberbayerischen Voralpenlandes nördlich von Bad Tölz sowie ab dem Kraftwerk Mühltal im Grünwalder Forst (50 hm, durchschnittlich 5 % max. 12 % Steigung, 1 km Länge) bilden eine Ausnahme (im Schiebebetrieb problemlos zu bewältigen). Selbst die 12 km lange Stichverbindung Scharnitz - Isarursprung mit durchschnittlich 2 % Steigung stellt kein nennenswertes Hindernis dar. 

Die Streckenoberfläche ist meist wassergebunden, geschottert, gekiest oder asphaltiert. Die weitestgehende Verkehrsfreiheit wird vornehmlich zwischen Wallgau und Sylvensteinspeicherdamm (12 km mautpflichtige Verkehrsstraße - Radfahrer gebührenfrei und anschließende Bundesstraße ab Vorderriß (11 km), sowie abschnittsweise zwischen Moosburg und Landshut kurzzeitig unterbrochen. 

Bigpoints

  • Grandiose Gebirgslandschaft, hügeliges Alpenvorland, weitläufige Isarauen
  • Mittelalterlich geprägte Orte von kulturhistorischer Bedeutung
  • Naturdenkmäler
  • Hervorragende Fernradwegenetz – Anbindung
  • Bade-, Erfrischungsmöglichkeiten, Naturbadeseen
  • Uferseiten-Pendeln
  • Gute radtouristische Infrastruktur
  • Rastplätze & Informationsschautafeln
  • Parallel verlaufende Bahnstrecke 

Naturschutzgebiete

  • Schutzgebiet von Tirol, Alpenpark Karwendel (Kastenalm – Scharnitz)
  • „Am Riedboden (zwischen Scharnitz und Mittenwald)
  • Naturschutzgebiet „Oberes Isartal“, Karwendel 
  • Naturschutzgebiet Isarauen zwischen Schäftlarn und Bad Tölz
  • Pupplinger Au
  • Naturschutzgebiet „Vogelfreistätte Mittlere Isarauen“
  • "Rosenau" bei Mamming
  • "Königsauer Moos" bei Dingolfing gehört zum Europäischer Biotopverbund "Natura 2000"
    Großteil Vogelschutzgebiet, z.T. FFH-Gebiet
  • Naturschutzgebiet „Isarmündung“ (Mündungsdelta) 

Badestellen

  • Fall bei KM (Strandwiesen)
  • Region Lenggries (Altwasserbuchten)
  • Bad Tölz (Kiestrände)
  • Pupplinger Au (Sand- u. Kiesstrände)
  • Unterföhringer See
  • Marzling, Badesee Nähe Stoiber-Mühle
  • Badesee Gretlsmühle
  • Mamming, Mossandl-Weiher, Rädlinger-Weiher
  • Plattling (Isarufer)

Sehenswerte Orte

  • Mittenwald
  • Wallgau
  • Lenggries
  • Bad Tölz
  • München
  • Freising
  • Moosburg
  • Landshut
  • Niederviebach (Klosteranlage)
  • Loiching (barockes Pfarrensemble)
  • Dingolfing
  • Landau an der Isar
  • Plattling
  • Deggendorf

 

Zeitmanagement

Für die 286 km lange Streckendistanz (zzgl. 24 km Isarursprung u. zurück) ab Landesgrenze Scharnitz sollten mindestens 5 Tage eingeplant werden. Für die Gabelverbindung zum Isarursprung / Kastenalm im Karwendelgebirge (Hinfahrt 12 km / 240 hm + Rückfahrt 12 km / 100 hm) ins idyllische Hinterautal sind etwa 3 Stunden Fahrzeit anzusetzen. Falls Ausflüge (z.B. Seilbahnfahrt auf's Brauneck), Badestopps, Stadtvisiten, Kirchen- Klöster- Burgen- und Schlösserbesichtigungen, Museenbesuche beabsichtigt verlängert sich das Zeitfenster dementsprechend. Angesichts der Fülle an Sehenswürdigkeiten lohnt es sich, in der <Weltstadt von Herz> einen Extratag dranzuhängen. So verbindet man quirliges Großstadtflair der Metropole München mit inspirierender Landschaftsidylle in freier Natur. Empfehlenswert: wer auf's Radl nicht verzichten möchte, bucht eine städtische Rad-Sightseeing-Tour. In Anbetracht hochkarätiger Naturkulisse, sehenswerter Orte und Vielzahl verlockender Einkehrmöglichkeiten / Biergärten macht ein großzügig bemessenes Etappen-Zeitfenster Sinn. Je nach Gusto lässt sich die Strecke problemlos auf eine Wochentour ausdehnen. Unter passionierten Radwanderern ist ja allgemein bekannt, dass durch das ausbalancierte Wechselspiel von Beanspruchung und Entspannung eine erlebnisreiche Radltour perfekt wird.

Wegweisung / Navigation

In den letzten Jahren wurde das Beschilderungssystem auf den neuesten Stand gebracht. Der Isarradweg weist in beiden Fahrtrichtungen eine durchgängige Beschilderung auf. Da der Fernradweg Via Bavarica-Tyrolensis von Fall beim Sylvensteinsee bis nach München deckungsgleich auf der Isarradwegroute verläuft, kann man sich nach dessen Radwegesignet behelfsweise orientieren. Sehr hilfreich sind Entfernungsangaben sowie Angaben zu Anschlussverbindungen oder touristischen Nahzielen. 

Die Flusskilometerschilder (schwarze Schrift auf grünem Hintergrund) beziehen sich auf die Fließentfernung bis zum Mündungsbereich (von der üblichen Flussabwärts-Kilometrierung bildet einzig die Donau eine Ausnahme).

Sicherheitstipps

Nicht ohne Grund bedeut der Flussname (isaros = stark reißend, Isara - die Reißende) einer der wenigen, aus der Eiszeit übrig gebliebenen Wildflussläufe – auch wenn der Mensch heute mit Hochwasserschutzmaßnahmen versucht die Isar zu „zähmen“. Abgesehen, dass „Camping“ im Naturschutzgebiet streng untersagt ist, kann es lebensgefährlich sein, bei Unwetter - in den weitläufigen Trockenkiesgebieten zu nächtigen. Insbesondere unasphaltierte Abschnitte bleiben nach längeren Regenperioden, Stürmen etc. von witterungsbedingten Schäden oftmals nicht verschont. Wertvolle Informationen bietet der Hochwasser-Nachrichtendienst www.hnd.bayern.de. Auskünfte über aktuelle Befahrbarkeit einzelner Abschnitte erteilen die entsprechenden Landratsämter. Besonders bei anhaltenden Niederschlägen sind Hinweise vor Urlaubsbeginn auf etwaige Überschwemmungsschäden oder Umleitungen Gold wert. 

Bahnanbindung

Die parallel verlaufende Bahnlinie (Stundentakt) macht es einfach, die Gesamtroute nach persönlichen Präferenzen beliebig aufzuteilen. Die Strecke München – Garmisch – Mittenwald – Scharnitz - Innsbruck wird im Stundentakt befahren (inkl. Fahrradtransport). In unmittelbarer Nähe zum Isar-Radweg besteht im Streckenteil der Oberen Isar in Bad Tölz und Wolfratshausen (S-Bahn) Zuganbindung. Von München nach Plattling via Freising – Moosburg – Landshut – Dingolfing – Landau a.d.Isar - Plattling – (Deggendorf) verläuft die Bahnlinie parallel zur Isarroute.

Flusskunde

Bis ins 19. Jahrhundert verlief die Isar in einem gewundenen, sich ständig verlagernden Flussbett mit mehreren hundert Metern Breite, weshalb die Bebauung respektvollen Abstand zur damals „wilden Isar“ hielt. Die extremen Abflussschwankungen des alpinen Wildflusses waren vor den Hochwasserschutzmassnahmen bei den Flussanrainern sehr gefürchtet. Schneeschmelze i.V. mit hohen Niederschlagsmengen führte oftmals zu unberechenbarem Hochwasser - mit teilweise katastrophalen Folgen! Seit 1924 wird der Isar bei Krün Wasser für das Walchenseekraftwerk in Kochel entzogen (Wasserableitung über einen Kanal). Bauern, Naturschützer, Tourismusverantwortliche und Flößer (Existenzbedrohung) wehrten sich erfolgreich gegen das Politdiktat der vollständigen Wasserausleitung. Seit 1990 darf der Isar nunmehr nur ein Teil ihres Wassers zur Energiegewinnung entnommen werden, 4 Kubikmeter pro Sekunde verbleiben im natürlichen Flussbett.

Ein weiterer Eingriff des Menschen: der Sylvensteinspeichersee kontrolliert den „einstigen“ Wildfluss in erheblichem Umfang. Zwar konnten dadurch wohl verheerende Hochwasserkatastrophen verhindert werden, aber die Veränderungen am Flusssystem verwandelten die Wildflusslandschaft nachhaltig in eine „kultivierte“ Flusslandschaft. Die Isar mündet nach 295 km (263 km in Bayern) gegenüber der niederbayerischen Kreisstadt Deggendorf in einem großflächigen Mündungsdelta in die Donau. Vom Isarursprung (1 160 m.ü.M.) bis zur Flussmündung (312 m.ü.M.) verliert die Isar insgesamt 848 Höhenmeter. Das Niveaugefälle ist jedoch ungleich verteilt, das an der Fließgeschwindigkeit optisch erkennbar ist. Von der Quelle bis zur 148 km entfernten Landeshauptstadt München (560 m) verliert die Isar 600 hm an Höhe. Für die 158 km lange Reststrecke bis zur Mündung (312 m) sind es nur noch 248 hm Gefälle. Ab München (560 m) fällt die Isar auf 33 km Flussstrecke nach Freising (448 m) um 112 hm, danach flacht sich das Niveaugefälle zur Mündung erheblich ab. Von Freising bis zur 125 km entfernten Mündung sinkt die Isar nur um 136 hm.
Mit einem Abfluss von 175 Kubikmetern/sek (Plattling) zählt die Isar nach der Donau (Passau 1 490 m3/sek.), Inn (Passau 738 m3/sek.) und Salzach (Burghausen 251 m3/sek.) zum viertwasserreichsten Fluss Bayerns. 

Der wichtigste Nebenfluss ist die – im bayerischen Voralpenland entspringende – und in Moosburg mündende Amper (185 km), gefolgt von der Loisach (Mündung Wolfratshausen) und Moosach, welche sich bei Freising in die Isar ergießt. Aus Umweltschutzgesichtspunkten hat die Binnenschifffahrt auf der Isar glücklicherweise keine Bedeutung, da der Fluss nicht schiffbar ist.

Allerdings wurde bereits 1806 mit dem Ausbau für Hochwasserschutz und Wasserkraftnutzung begonnen. Der Fluss wurde im 19. u. 20. Jhrd. begradigt, kanalisiert, mehrfach aufgestaut und große Mengen an Flusswasser abgeleitet, was zu einer drastischen ökologischen Verschlechterung führte. Insgesamt wird das Fliessgewässer von 28 Kraftwerken zur Energiegewinnung genutzt. Die zahlreichen Wehraufstauungen vermindern die Fließgeschwindigkeit, was die Wassertemperatur erhöht. Trotz der massiven Eingriffe in das ökologische Gleichgewicht gibt es reichhaltigen Fischbestand. Von Rotfeder, Huchen, Wels, Forellen, Barsch, Koppe, Rotauge, Rutte, Schleie bis hin zu Zander und Nerfling reicht der Artenreichtum. Während am Oberlauf bis Lenggries hauptsächlich Forellen, Barben, Äschen, Erlitzen und Koppen vorkommen, überwiegen von München flussabwärts Brachsen, Karpfen, Rotaugen und Hechte. Erfreulicherweise wurden in den letzten Jahrzehnten durch Ausweisung von Natur- Landschaft- und Vogelschutzgebieten und Restwassermengenerhöhung umweltfreundlichere Rahmenbedingungen geschaffen. Seit dem Jahr 2000 sind auf dem Flussabschnitt vom Oberföhringer Wehr (Stadtgrenze München) bis über Moosburg hinaus (= Mittlere Isar) umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen in Gange, die bis ins Jahr 2020 andauern. www.wasserwirtschaftsamt-muenchen.de


Über die exakte Quellposition scheiden sich die Geister. Wie bei der Donau (Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg) wo Begehrlichkeiten und unterschiedliche Auffassungen darüber existieren, ob der längere Zufluss oder die historische Bewertung die Quellposition entscheidend ist, wird auch bei der Isar nach wie vor diskutiert. Der Streit entzündet sich daran, ob die als Isar-Ursprung bezeichneten Quellen bzw. Bäche inmitten der Karwendelketten, Gleirsch-Halltal-Kette und Hinttautal-Vompert-Kette auf 1160 m.ü.M. oder der Lafatscherbach als längster Quellbach – welcher ca. 5 km südöstlich vom Hallerangerhaus entspringt - als offizielle Isarquelle gilt. Der kuriose Streit gipfelte darin, dass das geschnitzte Isar-Holztäfelchen, welches einstmals den Isarursprung „bei den Flüssen“ markierte unerlaubterweise zum Hallangerhaus hinaufversetzt wurde (dort entspringt als längster Quellzufluss der Lafatscherbach). Sichtbares Relikt der Schilddeportation ist der Felsnagel, der einst das hölzerne Hinweisschild fixierte.

Die Isar verfügt bereits nach kurzem Flusslauf in Scharnitz ein relativ großes Wasservolumen, da sie das wasserreiche Karwendelgebirge entwässert. Nacheinander münden Moserkarbach, Lafatsch, Birkkarbach, Breitgrieskarbach, Hinterkarbach und der Karwendelbach unweit von Scharnitz in die Isar.

Die bläulich schimmernde Wasserfarbe (im Karwendel u. Isarwinkel) gründet sich - bedingt durch Schnee und Gletschereis - auf den geringen Feinsedimentanteil, was das Sonnenlicht filtert und reflektiert. Im weiteren Flussverlauf reichern sich organische Stoffe an (tierische- u. pflanzliche Rückstände) an, der Mineraliengehalt steigt und Erdabschwemmungen vom Uferrand sowie Klärwerkeinleitungen verändern den Farbton ins grünliche, da Algen und Kleinstorganismen genügend Nahrung finden.