Elektronischer Abbiegeassistent vermeidet signifikant Fußgänger- und Fahrradunfälle

Seit Jahren sinkt zwar die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland, doch der Anteil der getöteten Radfahrer steigt unaufhörlich. 2017 kamen innerorts 254 Radfahrer ums Leben, die Zahl der schwer verletzten Radfahrer lag bei 11 700 - Tendenz gleichbleibend - während die Zahl der verletzten und getöteten PKW-Fahrer seit Jahren massiv sinkt.

Besonders die Zahl der Todesfälle bei Abbiegevorgängen von LKW's stieg dramatisch. 2013 wurden in Deutschland beim Rechtsabbiegen 28 Radfahrer bzw. 2017  sogar 38 Radfahrer laut ADFC von einem Lastwagen überrollt und getötet. Dabei ist die ausreifte Technik - welche Leben retten hilft - seit mehr als einem Jahrzehnt verfügbar. Entsprechende Assistenzsysteme vermögen LKW-Fahrer zu warnen sobald sich neben dem LKW etwas bewegt.

Bereits 2009 hatte der ADAC den Hersteller MAN für ihren elektronischen Abbiegeassistenten den Gelben Engel verliehen, dennoch hat die VW-Tochter das prämierte System bis heute nicht auf den Markt gebracht. Einzige Ausnahme ist der Actros - ein 40-Tonner von Mercedes - der serienmäßig mit einem eingebauten Abbiegeassistenten ausgestattet ist bzw. Edeka, die ihre Liefer-Lkw auf eigene Faust aufrüsteten. Kameras und Sensoren, die den toten Winkel überwachen und den Fahrer vor Fußgängern und Radfahrern warnt gibt es also längst.

Dass die Technik zwischen 600 bis 2500 € angeboten wird und das Bundesverkehrsministerium überdies einen 80-Prozent-Zuschuss gewährt und die lebensrettende Technik trotz alledem kaum eingesetzt ist skandalös. Der Einbau des elektronischen Abbiegeassistenten ist gesetztlich nicht vorgeschrieben. Das Bundesverkehrsministerium hatte sich 2012 und 2014 zwar mit dem Thema befasst, worauf Deutschland bei den Brüsseler Behörden Vorschläge für eine Regelung einreichte. Das zuständige Bundesverkehrsministerium erklärt hierzu: "Der Abbiegeassistent solle so schnell wie möglich per Gesetz vorgeschrieben werden". Doch Deutschland bleibt eine Umsetzung durch einen nationalen Gesetzentwurf verwehrt weil es gegen EU-Bestimmungen verstoßen würde. Die gesetztlichen Voraussetzungen sind international geregelt, weswegen Deutschland diese nicht im Alleingang ändern kann.

Doch die EU-weite Pflicht des Abbiegeassistenten kommt. Demnach sieht die neue Regelung verpflichtende Abbiegeassistenten für LKW und Busse bei neuen Fahrzeugtypen ab 2022 vor. Ab 2024 soll sie grundsätzlich für alle Fahrzeugtypen gelten. Die EU-Kommission geht davon aus, dass Dank dieser Maßnahmen bis 2038 über 25.000 Menschenleben gerettet werden können. Da drängt sich natürlich schon die Frage auf, warum bei Angesichts der lebensbedrohlichen Gefährdungslage eine derartige EU-Regelung so lange auf sich warten lässt. Darüber hinaus sind ab 2022 auch Spurhalteassistenten, intelligente Geschwindigkeitsassistenz sowie ein erweitertes Notbremsassistenzsystem für PKW's vorgeschrieben. Die noch ausstehende Zustimmung aller EU-Staaten und des Plenums zu den geplanten Regelungen gilt laut Insiderkreisen nur noch als reine Formsache. ZDF-Filmbeitrag

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