Große Freude und überschwängliche Lobpreisungen beim 37. Arber-Radmarathon

Der 37. Arber-Radmarathon ist Geschichte. Trotz der kurzen Vorlaufzeit von nur fünf Wochen - der Genehmigungsbescheid des Ordnungsamts erfolgte am 21. Juni - war Deutschlands größte Radtouristikveranstaltung perfekt organisiert. Für die Mountainbikestrecken betrug das Orga-Zeitfenster aufgrund einer kurzfristig nötig gewordenen Streckenänderung gar nur zwei Wochen. Allen Unwägbarkeiten zum Trotz klappte die Organisation wie am Schnürchen. Einzig Petrus stellte sich quer, denn ausgerechnet am Veranstaltungstag war der Wettergott den Hobbyradportlern nicht wohlgesonnen. Da die Meteorologen bzw. Wetter-Apps nichts Gutes verkündeten gab es dementsprechend kaum Nachmelder. Nur vereinzelte Hartgesottene konnten sich dazu aufraffen, währenddessen  normalerweise 800 - 1.500 Sportler auf den letzten Drücker nachmelden. Aufgrund der unvorhersehbaren Infektionslage und ständig wechselnden Reisebestimmungen fehlten auch die ausländischen Teilnehmer, was der Großveranstaltung die internationale Strahlkraft raubte. Schlechtes Wetter und die coronabedingt verspätete Terminfreigabe sind Hauptursachen, wieso die Gesamtteilnehmerzahl im Vergleich zum ARM 2019 (2020 fand der "Arber Dahoam" statt) um rund 50% absackte.

Besser konnte die unbeständige Wetterlage nicht widergespiegelt werden, als dies ein strahlender Regenbogen vor den Toren Regensburgs in aller Hergottsfrüh zu tun vermochte. Ungeachtet der widrigen Umstände ließen es sich aber 3.200 Teilnehmer dennoch nicht nehmen, frühmorgens am Regensburger Dultplatz "Gewehr bei Fuß" voller Tatendrang auf der Matte zu stehen. Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gab Punkt sechs Uhr mit einem ohrenbetäubenden Revolverschuss das Startsignal zum 37. Arber Radmarathon. Der guten Laune tat das durchwachsene Wetter jedenfalls keinen Abbruch, zumal die Temperatur im Laufe des Tages auf bis zu 24 Grad kletterte. 

Ganz untypisch wagten sich erstaunlich viele Teilnehmer auf die Große- und Kleine Arberrunde (Tour A + B). Gut 1.500 - und damit deutlich mehr als 2019 - nahmen das herausfordernde Streckenprofil in Angriff, während auf den Kurzstrecken weniger Teilnehmer verzeichnet wurden. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass ausgerechnet zum Start der Continental Familienrunde ein heftiger Regenschauer niederging. 

Geleitet von einem 600 PS starken E-Hybrid-Porsche als Führungsfahrzeug flog das dicht gedrängte Spitzenfeld an der Marktgemeinde Donaustauf sowie der auf einem Hügel gelegenen Gedenkstätte Walhalla vorbei. Um 6:22 Uhr zweigte die Spitzengruppe bei Sulzbach (KM 12) in die Hauptstraße nach Falkenstein ab und nahm Kurs auf den hügeligen Bayerischen Vorwald.

Auf den ersten 16 Kilometern bis Unterlichtenwald findet man im dichten Starterpulk im topfebenen Terrain problemlos Unterschlupf im engeriesparenden Windschatten. Doch mit den ersten Anstiegen trennt sich die Spreu vom Weizen wie man so schön zu sagen pflegt.

Bemerkenswert ist die enorme Lobpreisung bezüglich der tadellosen Organisation, was über Social Media Kanäle, e-mails, WApps sowie persönlichen Gesprächen kund getan wurde. Sei es die vorbildliche Streckenmarkierung, sei es das freundliche Personal an den Verpflegungsstationen, umsichtigen Streckenposten, an den Bierständen, beim Loseverkauf und so weiter und so fort. Ohne ehrenamtlichen Einsatz gäbe es die Traditionsveranstaltung schlichtweg nicht. Zu verdanken ist dies zum einen der 300 köpfigen Helferschar, die unermüdlich im Einsatz war. Zum anderen gilt der Dank für die großartige Unterstützung der Polizei Oberpfalz, dem BRK Kreisverband Regensburg sowie der Freiwilligen Feuerwehr.

Ein dickes Lob ist den Polizeibeamten auszusprechen, die ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend waren. Rückmeldungen vieler Radsportler bekundeten, durch die begleitenden Polizeimotorräder ein erhöhtes Sicherheitsgefühl gehabt zu haben.

Wenngleich der Arber-Radmarathon keinen Renncharakter hat und es demzufolge auch keine offizielle Zeitmessung gibt, so tasten sich trotz alledem nicht wenige Teilnehmer ambitioniert ans Leistungslimit heran. Konditionierte Energiebündel, die sich gerne auspowern möchten bietet die Große Aberrunde reichlich Gelegenheit, die einem mächtig die Körner aus den Beinen saugt. "King of Arber" wurde Robert Müller, der die 260 Kilometer Distanz in nur 6 Stunden und 43 Minuten meisterte und quasi rechtzeitig zum Mittagessen die Ziellinie am Dultplatz überquerte, während zu dieser Zeit nach und nach erst die Fahrer der Continental Familienrunde, Panoramarunde und Bayerwaldrunde ins Ziel trudeln. Das Groß der Marathonfaher benötigt etwa 9 - 10 Stunden, bzw. die erschöpften Schlusslichter erreichen erst nach 12 Stunden die Domstadt. 

Besonders auffällig war, wie lange und entspannt die Teilnehmer bei Speis & Trank am Dultplatz verweilten und die seit fast zwei Jahren abhanden gekommene Geselligkeit im Freundes- und Kollegenkreis in vollen Zügen genossen. Nachdem man sich aufoperungsvoll durch prasselnde Regenschauer über die Berge kämpfte und den inneren Schweinehund besiegte, packte die wärmende Abendsonne die harmonische Atmosphäre buchstäblich in bauschige Watte. Ein Tagesausklang, der nicht besser hätte sein können, da er dem Arber-Radmarathon nicht nur ein gefühlbetontes Happy End bereitete sondern dank Suchtbazillus bereits die Vorfreude für den nächsten "Arber" schürte. 

Helmut Stadler, Seniorchef von Deutschlands größtem Zweiradcenter ließ es sich unter Moderation von Barbara Wilfurth (VCR-Präsidentin) und ihrem Sohn Matthias nicht nehmen, den gesponserten Hauptgewinn - ein Scott-Rennrad - dem Gewinner persönlich zu überreichen. Zuvor hatte der umtriebige 79-Jährige Self-Made-Unternehmer als langjähriger Stammfahrer im elitären Freundeskreis erfolgreich die Panoramarunde bewältigt.

Eine ganz besondere Ehre wurde den Schlussankömmlingen um 18.00 Uhr zuteil, als sie mit Hupen, Getöse und Sirenen von der Polizei-Motorradstaffel herzlich empfangen wurden. Ein Ritual, das an den Ötztal-Radmarathon erinnert, wo der letzte Finisher traditionell auf die Bühne geholt und vom Publikum frenetisch gefeiert wird. Die feierliche Zelebrierung hat Symbolcharakter, die stellvertretend allen Teilnehmern gilt. Jeder Sportler der den Kampf gegen sich selbst mit eiserner Willenskraft ausficht und seinen inneren Schweinehund glorreich besiegt hat darf sich zweifelsohne als Held geehrt fühlen - unerheblich ob Profi oder Breitensportler. In einer Leistungsgesellschaft, wo der Zweite meist zum ersten Verlierer abgestempelt wird, tut eine solche Ehrung umso mehr Not. Die einfühlsame Geste spiegelt den tiefsinnigen Geist des traditionsreichen Arber-Radmarathons wider.

Auch das qualitativ hochwertige Arber-Trikot 2021 kam bei den frisch gebackenen Finishern gut an. 

Zusammenfassend lässt sich folgendes Fazit ziehen: Super Stimmung - perfekte Orga - mieses Wetter - geniales Sunshine-Happy End!

Nach dem Arber ist vor dem Arber. Im Mai 2022 wird die Online-Anmeldung scharf geschaltet. Am 31. Juli 2022 findet der Arber-Radmarathon zum 38 Mal statt.