Jubilate »Salve Abusina«

Das Römerfest »Salve Abusina« in Eining genießt überregionale Popularität - sogar weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Nachdem die Veranstaltung der Corona-Pandemie wegen zweimal ausfiel, hatten die in Soldatengewändern gekleideten Legionäre vom 19. - 21. August 2022 im Kohortenkastell Abusina endlich wieder ihren feierlichen Auftritt.

Jubilate! Zum 10. Mal lud Bayerns größtes Römerfest »Salve Abusina« vom 19.-21. August 2022 auf eine phantasievolle Zeitreise in die Welt vor 2.000 Jahren ein. Römische Legionäre und Germanen, Handwerker, Gladiatoren, Garköche und Musiker schlugen ihre Lager und Zelte auf dem Gelände des ehemaligen Kohortenkastells auf, und erweckten die Antike zu neuem Leben. Das fulminante Römerfest lockte tausende begeisterte Besucher nach Eining (Ortsteil Neustadt a.d.Donau), die stimmungsvoll in die faszinierende Geschichte der Römer eintauchten. Für kleine wie große Römerfans gab es bei »Salve Abusina« jede Menge zu Sehen, Hören, Entdecken, Fühlen, Ausprobieren und Mitmachen. 

Zur feierlichen Eröffnung marschierten Darstellergruppen aus ganz Deutschland in römischem Gewandt auf. Erstaunlich, mit wieviel Liebe zum Detail die Kleidung und Ausrüstung der römischen Armee rekonstruiert worden war. Unvorstellbar, dass die militärische Ausrüstung samt Bewaffnung eines römischen Soldaten 29 kg wog, wobei das 18 kg schwere Marschgepäck - getragen an einer kreuzförmigen Tragestange aus Eschenholz - noch dazu kam, was den mitgeschleppten Ballast auf 47 kg erhöhte.

Das dreitägige Programm bot allerhand interressante Darbietungen: Gladiatorenshows, Fachvorträge, Waffenkunde, medizinische Versorgung auf dem Schlachtfeld, römische Handwerkskunst, Abenteuer Archäologie, Musik der Antike u.v.m. Bei herrlichem Sonntagswetter (26 Grad) war das weitläufige Kastellgelände bestens besucht. Neben dem vergnüglichen Rahmenprogramm stand naturgemäß stets auch die kulturhistorische Verbindung zu Wissenschaft und Forschung im Fokus. So spielte z.B. das Thema Denkmalschutz und moderne Geschichtsvermittlung eine zentrale Rolle. Die eigentliche Kunst dabei ist, nüchterne historische Fakten mit Spaß & Entertainment schlüssig miteinander zu verbinden. Deshalb lautet das Motto bei »Salve Abusina« auch „Geschichte zum Anfassen und zum Selbst erleben“. Dass das Veranstaltungskonzept aufgeht konnte man u.a. daran erkennen, dass die meisten Besucher - darunter großteils Familien - ihre Tageskarte ausnutzten und stundenlang von Pavillon zu Pavillon gemütlich über die große Ausgrabungsstättefläche schlenderten bzw. bis in die Abendstunden den Fachvorträgen lauschten.

Absolutes Highlight waren natürlich die spannenden Gladiatorenkämpfe - geführt in römischen Kommandos und ausgetragen mit unterschiedlichen Waffengattungen, was bei Groß & Klein riesigen Anklang fand. 

Von militärischem Lagerleben, sehenswerten Drill- und Gladiatorenvorführungen über römische Handwerks- und Ingenieurskunst bis hin zu Musik und Mode, lassen die Akteure das antike Militärlager Abusina in Eining wieder authentisch auferstehen. Kostenfreie Geländeführungen und kurzweilige Vorträge über unser römisches Erbe sowie ein römischer Biergarten runden das Programm ab. Vielfältige Aktionen für Kinder machen das Eintauchen in die Römerzeit auch für die kleineren Gäste unvergesslich.

Öffnungszeiten

  • Freitag,  19. August 2022 | 16 - 20 Uhr
  • Samstag,  20. August 2022 | 10 - 20 Uhr
  • Sonntag,   21. August 2022 | 10 - 19 Uhr  

Preise

  • Kinder bis einschl. 12 Jahre frei
  • Fr 5€ / ermäßigt 4€ 
  • Sa 8€ / ermäßigt 5€ / ab 18 Uhr 4€
  • So 8€ / ermäßigt 5€ / ab 17 Uhr 4€

Das ehemalige Kohortenkastell Abusina bietet für das Römerfest die perfekte Kulisse. Die Zeit wird fast 2000 Jahre zurückgedreht, als in dieser Region noch Römer, Legionäre, Handwerker usw. lebten. »Salve Abusina« basiert auf historischen Fakten, welche die Geschichte authentisch erlebbar machen. Über das gesamte Gelände des Freilichtmuseums schlagen historische Gruppen und Darsteller ihre detailreichen und originalgetreuen Lager und Schauplätze auf. So erwacht im August das Kohortenkastell zu neuem Leben, wenn drei Tage lang ausgelassen das Römerfest gefeiert wird. 

Hinweis: Das Römerfest »Salve Abusina« findet künftig im Zweijahres-Rhythmus statt. Nächster Termin: 16.-18. August 2024

Die Würfel sind gefallen

"Die Würfel sind gefallen" - eine Redewendung, die auf Julius Caesar, * 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † 15. März 44 v. Chr. zurück geht, als er mit den Worten "alea iacta est" seinen Soldaten die Entscheidung mitteilte, den Fluss Rubikon zu überschreiten und einen Bürgerkrieg zu entfachen. Bei der 44. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees, das vom 16. - 31. Juli 2021 im chinesischen Fuzhou tagte, wurden der rund 400 km lange Niedergermanische Limes als auch der westliche Abschnitt des Donaulimes (600 km) für das „Transnationale Welterbe Grenzen des Römischen Reiches“ aufgenommen. Somit gehören nunmehr fünf Sektoren des römischen Grenzverlaufs zum UNESCO-Welterbe. Neben den genannten Limes-Abschnitten wurden bereits der Hadrianswall in England (1987), der Antoninuswall in Schottland (2008) und der Obergermanisch-Raetische Limes in Mittel- und Süddeutschland (2005) zum „Transnationalen Welterbe“ ernannt, das sich aktuell von den britischen Inseln über Deutschland und Österreich bis in die Slowakei erstreckt. 

Der lateinische Begriff "Limes" lässt sich mit „Grenzweg“, "Grenzwall" oder „Schneise“ übersetzen.

Bild: Skulptur im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) 

Der Obergermanische Limes, als Ostgrenze der Provinz Germania superior verläuft vom Rhein zum Main (Rheinland-Pfalz und Hessen), während sich der Raetische Limes vom Main zur Donau erstreckt und damit die Nordgrenze der römischen Provinz Raetia markiert (Baden-Württemberg und Bayern). 

Streckencharakter - Etappenplanung

Während der Deutsche Limes-Wanderweg ziemlich genau dem römischen Grenzwall folgt, weicht der Deutsche Limes-Radweg hinsichtlich der Befahrbarkeit notgedrungen auf Rad- Forst- Flurbereinigungs- und Schotterwege sowie auf kaum befahrene Verkehrsstraßen aus. Die Fahrbahnoberfläche weist abwechselnd asphaltierte, geschotterte, gepflasterte und wassergebundene Abschnitte auf, oder besteht in Waldpassagen aus erdigem Untergrund. Um Abweichungungen vom Limes in Grenzen zu halten, gleicht der Wegeverlauf des Deutschen Limes-Radwegs regelrecht einem Zickzackkurs. Die Gegenüberstellung des Obergermanisch-Raetischen Limes (549 km, ohne Donaulimes) im Vgl. zum gewundenen Streckenverlauf des Deutschen Limes-Radwegs (762 km) verdeutlicht das Umwegeverhältnis. Da die Grenzsicherungslinie damals in direkten Linien (aneinandergereihte, richtungsändernde Geraden) über militärstrategische Landschaftspunkte führte (Hügelkuppen waren ideale Aussichtsstellen), wurden demzufolge Höhenrücken und Flusstäler gequert. Dies brachte mitunter erhebliche Höhendifferenzen mit sich, was der Radfahrer heutzutage natürlich leidlich zu spüren bekommt - es sei denn, er verfügt über gute Kondition oder pilotiert ein E-Bike. Insbesondere der nördliche Abschnitt von Bad Hönningen über den Feldberg im Taunus weist knackige Anstiege auf. Bis Schwäbisch Hall gibt es Steigungen und Gefällstrecken von 15% bis 20%, die zudem großteils ungeteert sind.

Wird das Tagespensum im Hinblick der Leistungsfähigkeit sowie der jeweiligen Streckencharakteristik angepasst (Wohlfühlgeschwindigkeit) ist der Grundstock für einen genussvollen Erlebnis- und Fahrspaß sowie Anreicherung für das Allgemeinwissen gelegt. Sofern die geschichtliche Betrachtung der Römerzeit unterwegs eine gebührende Würdigung erfährt, ist die tägliche Kilometerleistung eher zweitrangig. Unter diesem Gesichtspunkt verlangt die Radtour mehr Zeit, Muße und Achtsamkeit als auf herkömmlichen Radwegen (Zeitpuffer einplanen). Schlussendlich bekommt man über den Limes erst durch Museumsbesuche bzw. Besichtigung von Rekonstruktionsbauten u.v.m.  Hintergrundwissen, das die Vorstellungskraft über die mehr als 500 Jahre andauernde römische Epoche in unserem Land anreichert. Palisaden, Kastelltore, Limes-Wachtürme, freigelegte bzw. aufwendig rekonstruierte Grundmauern ziviler Siedlungen, Mauerfundamente oder pompöse Thermenanlagen wie z.B. beim Reiterkastell Biriciana in Weißenburg i. Bay. sind für Wissensdurstige immer ein freudiger Anlass vom Rad zu steigen, und sich vor Informationsschautafeln mit der Geschichte der Römer eingehender zu befassen. Wenngleich Limes-Rekonstruktionen aufgrund vager Forschungskenntnisse nicht realitätsgetreu sind und eher idealtypischen Vorstellungen denn Originalität entsprechen, so regen „künstlich“ geschaffene Nachbauten nichtsdestotrotz die Phantasie über das 2.000 Jahre zurückliegende Vermächtnis des Römischen Reiches an.

Da der Deutsche Limes-Radweg einen Streckenmix (Ø Radwege 32 %, Unbefestigt 18 %, Verkehrsstraßen 5 % sowie Forst- und Flurbereinigungswege) aufweist, eignen sich am besten robuste (geländetaugliche) Radgattungen wie Tourenräder, Trekkingbikes, Mountainbikes, E-Bikes, Gravelbikes) mit widerstandsfähiger Pannenschutz-Bereifung.

Das Höhenprofil des bayerischen Streckenabschnitts unterscheidet sich zwischen dem Raetischen Limes und dem Donaulimes erheblich. Der Routenverlauf entlang des Raetischen Limes in Bayern ist von stetem Auf und Ab geprägt, wobei die Anstiege hinsichtlich Länge und Steigung in meist moderat ausfallen. Die signifikantesten Ausreißer beschränken sich auf das Umland der Römerstadt Weissenburg i.Bay. sowie dem Markt Kipfenberg, wo sich beiderseits des Ortes sowohl das steilste Gefälle (loser Schotter) als auch die steilste Rampe (16% Steigung) verbirgt. Der 209 km lange Schlussabschnitt auf dem Donau-Radweg von Eining nach Passau ist hingegen weitestgehend flach. Ausnahme von der Regel ist nur die Anhöhe bei Staussacker/Weltenburg (120 hm), wo der Deutsche Limes-Radweg via Keltenwall bis Kelheim 9 km abseits des Donau-Radwegs verläuft.

 Zum Streckenabschnitt des Raetischen Limes in Bayern (Mönchsroth-Eining/Kastell Abusina) - sowie dem Donaulimes nach Passau - erfolgte 2021 / 2022 eine Datenerhebung (Streckenbefahrung in beiden Fahrtrichtungen), wobei die übersichtliche und nahezu lückenlose Beschilderung besonders hervorzuheben ist. Allerdings wurden im bayerischen Abschnitt Mönchsroth - Gunzenhausen - Kipfenberg zwischen Beschilderung und GPS-Track vereinzelt geringfügige Abweichungen (1-3 km) festgestellt. Neben der digitalen Navigation leistet Kartenmaterial deswegen nach wie vor wertvolle Dienste. Erst recht, wenn beispielsweise Richtungswegweiser übersehen werden oder der Akku des Navigerätes unverhofft die Grätsche macht.  

Informationsmaterial

Flyer „Deutscher Limes-Radweg"

Publikation des Landesamtes für Denkmalpflege „UNESCO-Welterbe Grenzen des Römischen Reiches (Obergermanisch-Raetischer Limes in Baden Württemberg)

Deutsche Limesstraße von Bad Hönningen/Rheinbrohl am Rhein bis Passau an der Donau (Externlink)

Bikeline-Radtourenführer - Radfernweg Deutscher Limes-Radweg von Bad Hönningen am Rhein nach Passau an der Donau

Maßstab: 1:60.000

Umfang: 328 Seiten

Auflage: 1. Auflage, 2021

ISBN: 978-3-85000-823-5

Preis: EUR 9,90

 Trailer Deutsche Limesstraße

Bild: Kastell Abusina, Eining an der Donau (Landkreis Kelheim, Niederbayern)

(Römer-) Museen

Römermuseen entlang der Wegstrecke haben eine bedeutsame Rolle, da sie die römische Vergangenheit authentisch wiederaufleben lassen. Wertvolle Exponate, ausgegrabene Utensilien bis hin zu museumspädagogischen Abteilungen, Erlebnistagen, Workshops oder interaktiven kindgerechten Ausstellungen wie beispielsweise im Pompejanum in Aschaffenburg, das „Römerkabinett“ im Malerwinkelhaus in Marktbreit präsentieren für Jung & Alt anschaulich die faszinierende Epoche der Römerzeit.

Bis zum 20. November 2022 präsentiert das Museum Quintana in Künzing die Sonderausstellung »Gladiatoren - Superstars der Antike«.

Kaum ein anderer Beruf der römischen Antike hat unser Bild vom „Alten Rom“ so sehr geprägt wie der des Gladiators. Dass nicht jeder Gladiator ein Sklave war, dass die Niederlage in der Arena nicht automatisch den Tod bedeutete und dass es auch weibliche Gladiatoren gab, erfährt man in der Wanderausstellung des Archäologischen Museums der Stadt Kelheim , die vom 20. Mai bis zum 20. November 2022 im Museum Quintana in Künzing zu sehen ist. In der Ausstellung zeigen lebensgroße Figurinen mit hochwertigen Repliken der Bewaffnung anschaulich die Ausrüstung der Gladiatoren. Weitere Repliken archäologischer Funde aus Pompeji sowie aus den römischen Provinzen vermitteln eine Vorstellung vom Alltag der Kämpfer. Wie sehr sich antike und gegenwärtige Lebenswelten trotz aller Unterschiede ähneln können, zeigt sich schließlich in den vielen Kopien römischer Souvenirs, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind. Quelle: Museum Quintana

Bild: Römerfest im Burgstallwald Gunzenhausen

Der geographische Begriff »Barbaricum« entstammt dem antiken Sprachgebrauch und wird in historischen und archäologischen Fachkreisen für das an das römische Imperium angrenzende Gebiet (welches nach römischer Auffassung ausschließlich von „Barbaren“ bewohnt war) jenseits des Limes bzw. jenseits von Rhein und Donau in Nord-, Mittel- und Südosteuropa angewandt.

Der Obergermanisch-Raetische Limes (Welterbe seit 2005) wie auch der Raetische Donaulimes (Welterbe seit 2021) ist durch die „Deutsche Limesstraße“, den Deutschen Limes Wanderweg und dem Deutschen Limes Radweg touristisch hervorragend erschlossen. Damit kann jeder auf seine eigene Art und Weise der Antike bzw. den Römern sprichwörtlich auf den Grund gehen und Überreste von Grenzanlagen, Badeanstalten (Thermen) und Kastelle entdecken, welche in akribischer Arbeit unter wissenschaftlicher Anleitung freigelegt bzw. aufwendig rekonstruiert wurden. Dazu gehören z.B. Grundmauern ziviler Siedlungen, Mauerfundamente oder beispielsweise die pompösen Thermenanlagen neben dem Reiterkastell Biriciana in Weißenburg i. Bay. Mancherorts wurden Relikte nach heutigem Wissen möglichst realitätsnah wiederaufgebaut. Im sogenannten Pompejanum in Aschaffenburg (Nachbau eines pompejanischen Hauses durch König Ludwig I. Mitte 19. Jahrhundert) wird augenscheinlich, welch wohlhabende römische Bürger als Stadtbewohner einst hier gelebt haben. 

Bild: Limes-Wachturmnachbau nahe Burgsalach (mittelfränkischer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen).

Der Deutsche Limes-Radweg hat sich dem „Transnationalen Welterbe Grenzen des Römischen Reiches“ verschrieben. Auf weiten Strecken radelt man durch stille, verborgene Naturschauplätze und widmet sich den sichtbaren wie unsichtbaren Zeugnissen der römischen Zeitgeschichte. Auf den Spuren der römischen Hochkultur folgt die Route zwischen Bad Hönningen im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz) und der Dreiflüssestadt Passau (Bayern) entlang der einstigen Grenze der römischen Provinzen Raetien und Obergermanien. Der Grenzwall tangiert häufig strategische Geo-Punkte, weswegen so oft Anhöhen passiert werden. Ganz im Gegensatz dazu weisen (natürliche) Flussgrenzen am Rhein und der Donau fast durchgängig eine flache Topographie auf.

Durch Bayern verlaufen zwei voneinand getrennt liegende Limesabschnitte. Der DLR überquert 8 km südöstlich von Seligenstadt bzw. 10 km vor Aschaffenburg die Bundeslandgrenze zu Bayern und verläuft bis kurz vor Miltenberg entlang des Main (bayerischer Mainlimes 50 km). Dort zweigt er in südlicher Richtung (identisch mit 3 Länder Radweg) ab, und trifft nach 13 km (2 km nach der Ortschaft Schneeberg) auf die Landesgrenze zu  Baden-Württemberg. Somit beträgt der kumulierte Streckenanteil am Obergermanischen Limes in Bayern 63 km. Der zweite Streckenteil setzt sich ab der Landesgrenze Baden-Württemberg/Bayern 1 km vor Mönchsroth (41 km östlich von Aalen) bis nach Eining an der Donau 154 km entlang des Raetischen Limes fort. 

Mit einer Gesamtlänge von 550 Kilometern ist der römische Grenzwall - gesäumt von rund 100 Kastellen, Feldwachen und 900 Wachtürmen - das größte Bodendenkmal Deutschlands, welches im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus das Römische Reich von Germanien trennte. Auf bayerischem Gebiet verlief der Wall von Aschaffenburg in Unterfranken (unterbrochen vom 164 km langen Abschnitt in Baden Württemberg) bis nach Eining an die Donau. 

Bild: Limes-Wachturmnachbau nahe KipfenbergBild: Kastell Biriciana (Rekonstruktion) in Weißenburg, Fränkisches Seenland (Mittelfranken).

Ab 120 n. Chr. wurde der etwa 548 Kilometer lange Obergermanisch-Raetische Limes (Trockener Limes) zwischen dem Rhein bei Rheinbrohl und dem Kastell Eining errichtet. Der Grenzwall umfasste etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager. Nahtlos fügte sich der Donaulimes an - dessen Fluß die natürliche Grenze der Provinzen Noricum und Pannonien gegen Norden bildete (Nasser Limes). Massive kriegerische Aufstände der germanischen Stämme beendeten im 5. Jahrhundert n. Chr. die römische Vormachtsstellung, als das Weströmische Reich dem Untergang geweiht war. 

Bild: Teilnachbau eines Wachturms in Mönchsroth, Landkreis Ansbach, Mittelfranken.

Der Deutsche Limes-Radweg bietet im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte zum Anfassen. So können zahlreiche Museen, Ausstellungen, Limesfeste als auch Rekonstruktionen und Überreste von Kastellen und Wachttürmen besucht und bestaunt werden, um sich mit der antiken Römerzeit hautnah auseinanderzusetzen. Traditionelle Limesfeste vieler Orte zeugen bis in die Gegenwart hinein von einer lebendigen tiefen Verbundenheit mit ihrem geschichtlichen Erbe.

Bild: „Burgus“ bei Burgsalach (mittelfränkischer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen)

Die Strecke verläuft überwiegend auf Rad- Wald- und Flurbereinigungswegen sowie auf kaum befahrenen Nebenstraßen durch Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern mitten durch fünf Naturparks hindurch. Der Deutsche Limes-Radweg schlängelt sich entlang des ehemaligen römischen Grenzwalls vom Rhein zur Donau, dessen Flussverlauf den "nassen" Limes markiert. Ständig wechselnde Landschaftseindrücke - gepaart mit Ausgrabungsstätten sowie rekonstruierten Bauten römischer Kultur - pflastern buchstäblich den 970 Kilometer langen Weg. Die Fernradwegroute entlang des UNESCO Weltkulturerbe »Obergermanisch-Raetischer Limes« weist von Rheinbrohl (Rheinland Pfalz) bis zum Kastell Abusina in Eining an der Donau (Bayern) eine Teilstrecke von 762 Kilometer auf, von wo der Themen-Radweg dem UNESCO Weltkulturerbe »Donaulimes« auf einer Länge von 208 Kilometer nach Passau folgt. Über 100 Kommunen, Landkreise, Städte und Tourismusverbände haben sich in vier Bundesländern mit dem Ziel zusammen geschlossen, den Limes als archäologisches Denkmal von welthistorischer Bedeutung ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Bild: Schauspiel der "Cohors IX Batavorum", das regelmäßig vor dem LIMESEUM Ruffenhofen in der Region Hesselberg (Landkreis Ansbach) aufgeführt wird.

Wie sagte einst der chinesische Philosophen Konfuzius (551 vor Chr.): "Der Weg ist das Ziel". Die reizvolle Naturlandschaft, welche sich vom Rhein über den Westerwald, Hochtaunus, Rheingau-Taunus, die Wetterau, Maintal, Odenwald, Schwäbisch Fränkischer Wald, die Schwäbische Alb, das Romantische Franken, das Fränkische Seenland und dem Naturpark Altmühltal sowie entlang der Donau über den Bayerischen Jura und das Bayerische Golf & Thermenland bis zur Dreiflüssestadt Passau erstreckt, hält die Sinne laufend auf Trab. Hinzu kommen malerische Orte, Burgen und Schlösser, die zur Stipvisiste einladen. Wer sich achtsam auf die Spurensuche begibt und dem Limes folgt, der wird von der Natur inspiriert und kann nebenbei sein Wissen über die römische Kultur & Geschichte anreichern.

In traumhaft schöner Naturkulisse radelt man abseits von Verkehrshektik und Tourismustrubel entspannt dahin, passiert liebliche Landstriche, duftende Waldgebiete, verträumte Dörfer, altertümliche Städtchen und folgt den Wegweisern zu überwältigenden Zeugnissen der römischen Hochkultur. Auch wenn dabei Steigungen ab und an ihren Schweißtribut einfordern, so machen herrliche Aussichtspanoramen die Anstrengung danach wieder wett.

Bild: Ausschnitt einer Fotomontage (meterlange Schautafel im Römerpark Ruffenhofen)

So entspannend wie sich die Naturlandschaft bisweilen auf dem Deutschen Limes-Radweg zeigt, so aufregend spektakulär steht die epochale Geschichte des Römischen Reichs (lateinisch Imperium Romanum) im Kontrast zueinander. Sprichwörtlich an allen Ecken und Enden erinnern Zeugnisse an das einstige römische Imperium, wenngleich auch vieles unsichtbar im Boden schlummert. Im Bewusstsein dessen wächst auf Schritt und Tritt der Wissensdurst. Man fühlt sich in eine glorreiche Zeit zurückversetzt, dessen Vorstellungskraft unweigerlich die Phantasie anregt. Einerseits so fern, anderseits zum Greifen nah - ein prickelnd-fesselndes Flair, das nicht wenige Limesradler emotional in den Bann zieht.

Bild: Badegebäude im Kastell "Iciniacum" in Theilenhofen (Gemeinde Pfofeld am Brombachsee) im Fränkischen Seenland (Mittelfranken).

Bild: Kastell Abusina, Eining (Landkreis Kelheim, Niederbayern)

Der Welterbestatus des Niedergermanischen Limes erstreckt sich auf 44 archäologische Fundplätze, darunter Kastelle, Legionslager und der Statthalterpalast in Köln. Im Gegensatz zum Obergermanisch-Raetischen Limes handelte es sich beim Niedergermanischen Limes um eine nasse Grenze: Während der Obergermanisch-Raetische Limes über Land verlief und die Grenze in Form von Wällen, Gräben und Mauern markierte, bildete beim Niedergermanischen Limes der Rhein - zusätzlich gesichert durch Militäranlagen - eine natürliche Grenze, was im übrigen auch für den Donaulimes gilt, dessen westlicher Abschnitt von Deutschland, Österreich und der Slowakei neuerdings auch den begehrten Welterbetitel trägt. Ingesamt 77 Stätten, darunter militärische, wie auch zivile Spuren römischen Lebens, beispielsweise Bäder und Amphitheater, gehören nun zum Welterbe.

Sowohl am Niedergermanischen als auch am Donaulimes vermitteln Museen anhand beeindruckender Funde ein authentisches Bild vom römischen Leben. In Deutschland zählen hierzu beispielsweise das Römisch-Germanische Museum in Köln, das LVR-RömerMuseum in Xanten (Nordrhein-Westfalen), das LIMESEUM / Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach, Mittelfranken), das Historische Museum in Regensburg (Oberpfalz), das Gäubodenmuseum in Straubing (Niederbayern) sowie das Römermuseum Kastell Boiotro in Passau (Niederbayern).

Auf insgesamt 970 Kilometern - davon 364 Kilometer auf dem Raetischen Limes sowie Donaulimes in Bayern - kann man sich ausgiebig der ereignisreichen Geschichte des Römischen Reiches widmen, zumal bei der Routenführung besonderer Wert auf die unmittelbare Nähe zum Limes gelegt wurde bzw. der Radweg sogar teilweise mit dem Limesverlauf identisch ist. Wird der Abschnitt des "Mainlimes" von Aschaffenburg bis Miltenberg (45 km) und weiter nach Schneeberg (13 km) zur Bundeslandesgrenze Baden Württemberg / Bayern einschließlich der 25 km langen Fortsetzung von Passau zum Donaukraftwerk Jochenstein (Landesgrenze Oberösterreich) hinzu gerechnet, dann summiert sich der gesamtbayerische Anteil des Deutschen Limes-Radweg auf insgesamt 447 Kilometer. 

 Nachdem der Niedergermanische Limes (nasse Grenze von Rheinland-Pfalz bis zur Nordsee) am 27. Juli 2021 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, steht dem Deutsche Limes-Radweg aller Voraussicht nach 2022 eine Verlängerung um rund 500 Kilometer in Aussicht. Der Niedergermanische Limes bezeichnet die ehemalige Grenze zwischen den römischen Provinzen »Germania inferior« und »Germania magna«, der den linksrheinischen Teil des Rheinlands sowie der Niederlande die einst zum Römischen Reich gehörten (römische Provinz Niedergermanien) und von den kaum kontrollierten rechtsrheinischen Gebieten - dem sogenannten freien Germanien - abtrennte. Das Welterbe setzt sich aus 44 Bestandteilen von Rheinland-Pfalz bis ins niederländische Katwijk zusammen und erzählt von der mehr als 400 Jahre andauernden römischen Entwicklung im Norden des einstigen Imperiums.

Gegenwärtig gilt die Tour de Brandenburg (Rundtour) mit 1.111 Kilometer als längster Radweg Deutschlands. Der Deutsche Limes-Radweg (970 km), Rheinradweg (900 km) und Elberadweg (840 km) gehören ebenfalls zu den längsten Fernradwegen in unserem Land. Wird der Deutsche Limes-Radweg um den Niedergermanischen Limes ergänzt, wächst die Streckenlänge von der Nordseeküste bis zur Landesgrenze zu Österreich auf annähernd 1.500 Kilometer. Ein gewaltiges Pensum, wobei man sich die Vorgehensweise der Pilgerer auf dem »Camino de Santiago « zum Vorbild nehmen kann, die sich die ca. 2.800 km lange Wegstrecke des Jakobswegs etappenweise einteilen.

Fazit: Zeitgeschichtliches Interesse vorausgesetzt vermag die Epoche der Römer zweifelsohne Bewunderung und Faszination auslösen. Hinzu kommt die landschaftliche Vielfalt, die man als Radfahrer naturnah genießen kann. Einer inspirativen und spannungsgeladenen Entdeckungsreise steht nichts im Wege, egal welcher Streckenabschnitt befahren wird bzw. wo man sich auf "Spurensuche" begibt. Der geschichtsträchtige Themenradweg bietet in jeglicher Hinsicht unerschöpfliches Erlebnispotential. Also, worauf warten und über Ziele nachgrübeln? Rauf auf den Sattel und mit geballter Vorfreude und Elan hinein in die Landschaftsidylle und ins Geschichtsvergnügen. Das Erbe der Römer ist wahrhaft lebendig geblieben, was die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe zusätzlich Vorschub leistet.