Deutscher Limes-Radweg - Zeitreise ins Imperium Romanum

Die Würfel sind gefallen. Die Redewendung geht auf Julius Caesar, * 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † 15. März 44 v. Chr. zurück, als er mit den Worten "alea iacta est" seinen Soldaten die Entscheidung mitteilte, den Fluss Rubikon zu überschreiten und damit einen Bürgerkrieg zu entfachen. Bei der 44. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees, das vom 16. - 31. Juli 2021 im chinesischen Fuzhou tagte, wurden der rund 400 km lange Niedergermanische Limes als auch der westliche Abschnitt des Donaulimes (600 km) für das „Transnationale Welterbe Grenzen des Römischen Reiches“ aufgenommen. Somit gehören nunmehr fünf Sektoren des römischen Grenzverlaufs zum UNESCO-Welterbe. Neben den genannten Limes-Abschnitten wurden bereits der Hadrianswall in England (1987), der Antoninuswall in Schottland (2008) und der Obergermanisch-Raetische Limes in Mittel- und Süddeutschland (2005) zum „Transnationalen Welterbe“ ernannt, das sich aktuell von den britischen Inseln über Deutschland und Österreich bis in die Slowakei erstreckt. 

Der lateinische Begriff "Limes" lässt sich mit „Grenzweg“, "Grenzwall" oder „Schneise“ übersetzen.

Bild: Skulptur im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) 

Der Obergermanische Limes, als Ostgrenze der Provinz Germania superior verläuft vom Rhein zum Main (Rheinland-Pfalz und Hessen), während sich der Raetische Limes vom Main zur Donau erstreckt und damit die Nordgrenze der römischen Provinz Raetia markiert (Baden-Württemberg und Bayern).

 Streckencharakteristik

Während der Deutsche Limes-Wanderweg exakt auf dem Limes entlang führt, nutzt der Deutsche Limes-Radweg hinsichtlich der Befahrbarkeit bestehende Rad- Forst- Flurbereinigungs- und Schotterwege sowie auch schwach frequentierte Verkehrsstraßen. Um dem Limes möglichst nahe zu bleiben, ergibt sich aus dem Wegegeflecht ein regelrechter Zickzackkurs. Da der Limes in einer direkten Linie (aneinandergereihte, richtungsändernde Geraden) über die für die Römer strategisch wichtige Landschaftspunkte führt, werden dementsprechend Höhenrücken und Flusstäler gequert. Daraus ergeben sich je nach Topographie manchmal enorme Niveauunterschiede, was sich unschwer aus dem Höhenprofil ablesen lässt. Fahrtechnisch betrachtet ist die Route weit weniger anspruchsvoll als der konditionelle Schwierigkeitsgrad, wenngleich auf (Schotter-) Gefälle oder durchnässten Waldboden ein vorsichtig angepasster Fahrstil angebracht ist. Entspricht das gewählte Tagespensum unter Berücksichtigung kumulierter Höhenunterschiede sowie einer erträglichen Belastungsintensität (Wohlfühl-Geschwindigkeit) dem persönlichen Leistungsvermögen, so sind für Jedermann / Jederfrau, Familien und Senioren mit einer halbwegs guten Fitness im Prinzip alle Abschnitte des Deutsche Limes-Radwegs problemlos befahrbar (was für E-Biker sowieso gilt).

Bezogen auf den Raetischen Limes in Bayern gilt gleichwohl, dass der Streckenverlauf von häufigem "Up and Down" geprägt ist, wobei die Anstiege hinsichtlich Länge und Steigung meistens relativ moderat ausfallen. Die signifikantesten topographischen Ausreißer beschränken sich auf das Umland der Römerstadt Weissenburg i.Bay. sowie dem Markt Kipfenberg wo sich das steilste Gefälle samt steilsten Anstieg verbirgt. 

Da der Deutsche Limes-Radweg einen Streckenmix (Ø Radwege 32 %, Unbefestigt 18 %, Verkehrsstraßen 5 % sowie Forst- und Flurbereinigungswege) aufweist, eignen sich dafür robuste (geländetaugliche) Radgattungen wie Tourenräder, Trekkingbikes, Mountainbikes, E-Bikes, Gravelbikes) mit widerstandsfähiger Pannenschutz-Bereifung.

Bild: Kastell Abusina, Eining an der Donau (Landkreis Kelheim, Niederbayern)

Ausufernder Naturnutzerdruck macht sich auch auf Radwegen sichtlich bemerkbar. Insbesondere einschlägig bekannte "Klassiker-Routen" weisen in Zeiten des Inlandurlaub-Trends sowie des corona- und klimawandelbedingten Zweiradbooms mitunter eine hohe Radlerfrequenz auf. Umso mehr schält sich das Bedürfnis heraus, Touristentrubel bzw. überlaufenen Ausflugszielen entfliehen zu wollen. Als sportlicher Leckerbissen bietet die wellige Limesstrecke fernab von Tourismusspots eine ideale Gelegenheit, sich mit allen Sinnen vom Alltag abzukoppeln und sich von der Natur und ihrer stillen Kraftorten inspirieren zu lassen. Diesbezüglich schlägt der Deutsche Limes-Radweg gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Fernab von Ballungsräumen schlängelt sich die Route entlang der linearen Römergrenze durch dünn besiedelte Landstriche, wo man nur selten einer Menschenseele begegnet, zumal geschichtsinteressierte Wanderer auf Schusters Rappen den seperat verlaufenden Limes-Wanderweg erkunden. Der abwechslungsreiche, landschaftliche Hochgenuss durch abgeschiedene Naturregionen steht außer Frage. Doch das größte Pfund mit dem die Fernroute durch vier Bundesländer wuchert, ist zweifelsohne die faszinierende Geschichte des Römischen Reiches. Und gerade weil man ständig entlang des obergermanisch-raetischen Limes auf dessen Spuren wandelt, verleiht der Themenradweg allenthalben eine tiefschürfende Sinnhaftigkeit. Insbesondere rekonstruierte oder konservierte römische Zeugnisse, zu denen Kastelle, Badeanlagen, Limeswachtürme, Grenzbefestigungen, Wallanlagen, Graben, Mauern, Palisaden, Skulpturen und sonstige Reliquen gehören begeistern Schlag auf Schlag. Sofern das Geschichtsinteresse im Mittelpunkt steht, setzen (Römer-) Museen, Ruinen, archäologische Parks, Überreste römischer Villen, antike Bäder- und Thermenanlagen sowie nicht zuletzt die Fülle an Informations-Schautafeln dem (Abenteuer-) Erlebnis ein ganz spezielles Sahnehäubchen obendrauf.  

(Römer-) Museen

Eine Befahrung des Deutschen Limes-Radweg ohne Museumsbesuche ist salopp gesagt in der Tat nur die Hälfte wert, weil einem schlicht und ergreifend der historische Background verborgen bleibt. 

Wenngleich Limes-Rekonstruktionen aufgrund vager Forschungskenntnisse nicht zwangsläufig realitätsgetreu sein müssen, und mehr idealtypischen Vorstellungen denn hundertprozentiger Originalität entsprechen, so regen „künstlich“ geschaffene Nachbauten (z.B. Palisaden, Kastelltore, Limes-Wachtürme) dennoch ganz erheblich die Phantasie und das Vorstellungsvermögen über das 2.000 Jahre zurückliegende Vermächtnis des Römischen Reiches an. Solche Nachbauten sind jedenfalls immer ein willkommener Anlass vom Rad zu steigen und sich anhand aufgestgellter Schautafeln sich mit der Geschichte der Römer zu befassen.

Diesbezüglich übernehmen (Römer-) Museen entlang der Wegstrecke eine tragende Rolle, da sie die römische Vergangenheit authentisch wiederaufleben lassen. Wertvolle Exponate, ausgegrabene Utensilien bis hin zu museumspädagogischen Abteilungen, Erlebnistagen, Workshops oder interaktiven kindgerechten Ausstellungen wie beispielsweise im Pompejanum in Aschaffenburg, das „Römerkabinett“ im Malerwinkelhaus in Marktbreit präsentieren für Jung & Alt anschaulich die faszinierende Epoche der Römerzeit.

Bild: Römerfest im Burgstallwald Gunzenhausen

Zum allgemeinen Verständnis: Der geographische Begriff »Barbaricum« entstammt dem antiken Sprachgebrauch und wird in historischen und archäologischen Fachkreisen für das an das römische Imperium angrenzende Gebiet (welches nach römischer Auffassung ausschließlich von „Barbaren“ bewohnt war) jenseits des Limes bzw. jenseits von Rhein und Donau in Nord-, Mittel- und Südosteuropa angewandt.

Der Obergermanisch-Raetische Limes (Welterbe seit 2005) wie auch der Raetische Donaulimes (Welterbe seit 2021) ist durch die „Deutsche Limesstraße“, den Deutschen Limes Wanderweg und dem Deutschen Limes Radweg touristisch hervorragend erschlossen. Damit kann jeder auf seine eigene Art und Weise der Antike bzw. den Römern sprichwörtlich auf den Grund gehen und Überreste von Grenzanlagen, Badeanstalten (Thermen) und Kastelle entdecken, welche in akribischer Arbeit unter wissenschaftlicher Anleitung freigelegt bzw. aufwendig rekonstruiert wurden. Dazu gehören z.B. Grundmauern ziviler Siedlungen, Mauerfundamente oder beispielsweise die pompösen Thermenanlagen neben dem Reiterkastell Biriciana in Weißenburg i. Bay. Mancherorts wurden Relikte nach heutigem Wissen möglichst originalgetreu wiederaufgebaut. Im sogenannten Pompejanum in Aschaffenburg (Nachbau eines pompejanischen Hauses durch König Ludwig I. Mitte 19. Jahrhundert) wird augenscheinlich, welch wohlhabende römische Bürger als Stadtbewohner einst hier gelebt haben. 

Bild: Limes-Wachturmnachbau nahe Burgsalach (mittelfränkischer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen).

Der Deutsche Limes-Radweg hat sich dem „Transnationalen Welterbe Grenzen des Römischen Reiches“ verschrieben. Auf weiten Strecken schwingt man einsam die Kurbel durch verborgene Naturschauplätze und folgt dem Grenzverlauf, um sich den sichtbaren wie unsichtbaren Zeugnissen der römischen Zeitgeschichte zu widmen. Wer sich dafür interessiert und eine sportliche Herausforderung nicht scheut, der wird mit dem Deutschen Limes-Radweg seine wahre Freude haben. Auf den Spuren der römischen Hochkultur folgt die Route zwischen Bad Hönningen im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz) und der Dreiflüssestadt Passau (Bayern) entlang der einstigen Grenze der römischen Provinzen Raetien und Obergermanien. Der Grenzwall tangiert häufig strategische Geo-Punkte, weswegen er im Zickzackkurs vorzugsweise Höhenrücken passiert. Ganz im Gegensatz hierzu weisen die (natürlichen) Flussgrenzen am Rhein und der Donau (mit Ausnahme zwischen Weltenburg und Kelheim) durchwegs eine flache Topographie auf.

Der gewundene (längere) Streckenverlauf des Radwegs wird deutlich, wenn dessen Länge mit dem teils geradlinig verlaufenden Limes verglichen wird:

Streckenlängen des Limes gegenübergestellt mit Radwegedistanzen

  • Obergermanisch-Raetische Limes ∑ 549 km  → 762 km (ohne Donaulimes)

aufgeschlüsselt nach Bundesländer:

  • Rheinland-Pfalz: 75 km           →   98 km
  • Hessen: 152 km                     → 218 km

  • Baden-Württemberg: 164 km  → 227 km beinhaltet  149 km Obergermanischer Limes +  78 km Raetischer Limes

  • Bayern: 158 km                     → 217 km → beinhaltet 63 km Obergermanischer Limes (davon 50 km Mainlimes) + 154 km Raetischer Limes 

Die geographische Schnittstelle des obergermanischen und des raetischen Limes befindet sich in der liebenswerten Kleinstadt Lorch im Herzen des Stauferlandes, rund 10 km westlich von Schwäbisch Gmünd (Baden Württemberg). Nordöstlich des Klosters Lorch (ehemalige Benediktinerabtei) verlief einst die Nordgrenze der römischen Provinzen Germania und Raetia, weshalb dort ein rekonstruierter Limes-Wachturm daran erinnert. Zugleich bildete der von Norden kommende Limes das sogenannte Limesknie, da von hier ab der Grenzwall nach Eining an der Donau bzw. der Donaulimes nach Passau und weiter bis ans Schwarze Meer in süöstlicher Richtung verläuft. 

Durch Bayern verlaufen zwei voneinand getrennt liegende Limesabschnitte. Der DLR überquert 8 km südöstlich von Seligenstadt bzw. 10 km vor Aschaffenburg die Bundeslandgrenze zu Bayern und verläuft bis kurz vor Miltenberg entlang des Main (bayerischer Mainlimes 50 km). Dort zweigt er in südlicher Richtung (identisch mit 3 Länder Radweg) ab, und trifft nach 13 km (2 km nach der Ortschaft Schneeberg) auf die Landesgrenze zu  Baden-Württemberg. Somit beträgt der kumulierte Streckenanteil am Obergermanischen Limes in Bayern 63 km. Der zweite Streckenteil setzt sich ab der Landesgrenze Baden-Württemberg/Bayern 1 km vor Mönchsroth (41 km östlich von Aalen) bis nach Eining an der Donau 154 km entlang des Raetischen Limes fort. 

Mit einer Gesamtlänge von 550 Kilometern ist der römische Grenzwall - gesäumt von rund 100 Kastellen, Feldwachen und 900 Wachtürmen - das größte Bodendenkmal Deutschlands, welches im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus das Römische Reich von Germanien trennte. Auf bayerischem Gebiet verlief der Wall von Aschaffenburg in Unterfranken (unterbrochen vom 164 km langen Abschnitt in Baden Württemberg) bis nach Eining an die Donau. 

Bild: Limes-Wachturmnachbau nahe Kipfenberg

Der Obergermanisch-Raetische Limes verlief damals mitunter durch sehr unwegsames Gelände. 55 v. Chr. setzten erstmals die Truppen von Gaius Iulius Caesar über den Rhein, wobei die Feldherren unmöglich ahnen konnten, wie lange ihre Expansionspolitik im Römischen Reich andauern sollte. Die einstmals von germanischen Stämmen besiedelte Region wurde vornehmlich im Süden des heutigen Deutschlands im Laufe der Zeit römisch kultiviert. Eine Vielzahl archäologischer Funde - angefangen von Pflasterstraßen über herrschaftliche Gutshöfe bis hin zu Städtegründungen - gehen auf diese Epoche zurück. So ist dem Nachfolger von Gaius Julius Caesars - dem ersten römischen Kaiser Augustus (Gaius Octavius 63 v. Chr.–14 n. Chr.) die Gründung von Augusta Treverorum, dem heutigen Trier zu verdanken. Um 15 v. Chr. erfolgte durch seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius, den späteren Kaiser „die Unterwerfung der Alpenstämme und die Besetzung des nördlichen Alpenvorlandes“. Im Nordosten der Alpenregion entstand zu dieser Zeit die Provinz Raetia, wo z.B. aus dem angelegten Militärlager Augusta Vindelicum viele Jahre später die Stadt Augsburg hervorging. Um das Jahr 85 n. Chr. errichtete Domitian die Provinzen Germania superior (Sitz des Statthalters war Mogontiacum, das heutige Mainz) und Germania inferior, dessen Hauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln war. Auch die Entstehungsgeschichte der Welterbestadt Regensburgs lässt sich auf den Bau eines Kohortenkastells 79 n. Chr. im heutigen Stadtteil Kumpfmühl zurückführen. Einhundert Jahre später errichteten die Römer am Regenufer zur Sicherung der Grenze gegen die Germanen das Legionslager <Castra Regina> (6000 Soldaten). Letztlich belegen historische Fakten, dass schon lange vor Gründung vieler Städte in Deutschland eine Besiedelung vorausging, die auf römischen Wurzeln fußt.  

Bild: Kastell Biriciana (Rekonstruktion) in Weißenburg, Fränkisches Seenland (Mittelfranken).

Ab 120 n. Chr. wurde der etwa 548 Kilometer lange Obergermanisch-Raetische Limes (Trockener Limes) zwischen dem Rhein bei Rheinbrohl und dem Kastell Eining errichtet. Der Grenzwall umfasste etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager. Nahtlos fügte sich der Donaulimes an - dessen Fluß die natürliche Grenze der Provinzen Noricum und Pannonien gegen Norden bildete (Nasser Limes). Massive kriegerische Aufstände der germanischen Stämme beendeten im 5. Jahrhundert n. Chr. die römische Vormachtsstellung, als das Weströmische Reich dem Untergang geweiht war. 

Bild: Teilnachbau eines Wachturms in Mönchsroth, Landkreis Ansbach, Mittelfranken.

Der Deutsche Limes-Radweg bietet im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte zum Anfassen. So können zahlreiche Museen, Ausstellungen, Limesfeste als auch Rekonstruktionen und Überreste von Kastellen und Wachttürmen besucht und bestaunt werden, um sich mit der antiken Römerzeit hautnah auseinanderzusetzen. Traditionelle Limesfeste vieler Orte zeugen bis in die Gegenwart hinein von einer lebendigen tiefen Verbundenheit mit ihrem geschichtlichen Erbe.

Bild: „Burgus“ bei Burgsalach (mittelfränkischer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen)

Die Strecke verläuft überwiegend auf Rad- Wald- und Flurbereinigungswegen sowie auf kaum befahrenen Nebenstraßen durch Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern mitten durch fünf Naturparks hindurch. Der Deutsche Limes-Radweg schlängelt sich entlang des ehemaligen römischen Grenzwalls vom Rhein zur Donau, dessen Flussverlauf den "nassen" Limes markiert. Ständig wechselnde Landschaftseindrücke - gepaart mit Ausgrabungsstätten sowie rekonstruierten Bauten römischer Kultur - pflastern buchstäblich den 970 Kilometer langen Weg. Die Fernradwegroute entlang des UNESCO Weltkulturerbe »Obergermanisch-Raetischer Limes« weist von Rheinbrohl (Rheinland Pfalz) bis zum Kastell Abusina in Eining an der Donau (Bayern) eine Teilstrecke von 762 Kilometer auf, von wo der Themen-Radweg dem UNESCO Weltkulturerbe »Donaulimes« auf einer Länge von 208 Kilometer nach Passau folgt. Über 100 Kommunen, Landkreise, Städte und Tourismusverbände haben sich in vier Bundesländern mit dem Ziel zusammen geschlossen, den Limes als archäologisches Denkmal von welthistorischer Bedeutung ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Bild: Schauspiel der "Cohors IX Batavorum", das regelmäßig vor dem LIMESEUM Ruffenhofen in der Region Hesselberg (Landkreis Ansbach) aufgeführt wird.

Abgesehen von der spannungsgeladenen Geschichte macht auch der abwechslungsreiche Routenverlauf absolut Laune. Mit anderen Worten: "Der Weg ist das Ziel" (Zitat vom chinesischen Philosophen Konfuzius, 551 vor Chr.). Die reizvolle Naturlandschaft, welche sich vom Rhein über den Westerwald, Hochtaunus, Rheingau-Taunus, die Wetterau, Maintal, Odenwald, Schwäbisch Fränkischer Wald, die Schwäbische Alb, das Romantische Franken, das Fränkische Seenland und dem Naturpark Altmühltal sowie entlang der Donau über den Bayerischen Jura und das Bayerische Golf & Thermenland bis zur Dreiflüssestadt Passau erstreckt, hält die Sinne laufend auf Trab. Hinzu kommen malerische Orte, Burgen und Schlösser die zur Stipvisiste einladen. Wer sich achtsam auf die Spurensuche begibt und dem Limes folgt, der wird von der Natur inspiriert und kann zudem sein Wissen über die römische Kultur & Geschichte anreichern.

In traumhaft schöner Naturkulisse radelt man abseits von Verkehrshektik und Tourismustrubel entspannt dahin, passiert liebliche Landstriche, duftende Waldgebiete, verträumte Dörfer, altertümliche Städtchen und folgt den Wegweisern zu überwältigenden Zeugnissen der römischen Hochkultur. Auch wenn dabei Steigungen ab und an ihren Schweißtribut einfordern, so machen herrliche Aussichtspanoramen die Anstrengung danach wieder wett.

Die enorme Streckendistanz erfordert eine leistungsabhängige Etappeneinteilung nach individuellen Gesichtspunkten. Wer den geschichtlichen Background würdigt, benötigt Zeit und Muße. Das Begutachten der historischen Relikte sowie das Verinnerlichen der Geschehnisse anhand informativer Schautafeln verschlingt jede Menge an Zeit. Das Tagespensum hängt also davon ab, wie inwieweit man sich mit den geschichtlichen Themen beschäftigt.

Bild: Ausschnitt einer Fotomontage (meterlange Schautafel im Römerpark Ruffenhofen)

So entspannend wie sich die Naturlandschaft bisweilen auf dem Deutschen Limes-Radweg zeigt, so aufregend spektakulär steht die epochale Geschichte des Römischen Reichs (lateinisch Imperium Romanum) im Kontrast zueinander. Sprichwörtlich an allen Ecken und Enden erinnern Zeugnisse an das einstige römische Imperium, wenngleich auch vieles unsichtbar im Boden schlummert. Im Bewusstsein dessen wächst auf Schritt und Tritt der Wissensdurst. Man fühlt sich in eine glorreiche Zeit zurückversetzt, dessen Vorstellungskraft unweigerlich die Phantasie anregt. Einerseits so fern, anderseits zum Greifen nah - ein prickelnd-fesselndes Flair, das nicht wenige Limesradler emotional in den Bann zieht.

Bild: Badegebäude im Kastell "Iciniacum" in Theilenhofen (Gemeinde Pfofeld am Brombachsee) im Fränkischen Seenland (Mittelfranken).

   Geschichte - Satire - Humor 

Zweifelsohne haben wir den Römern enorm viele Errungenschaften zu verdanken, die weit über Straßenbau, Fußbodenheizung, fließend Wasser etc. hinausgehen. Ein Großteil von dem prägt unsere Welt bis heute. Dabei ist man sich häufig nicht bewusst, auf wen sich  Pionierleistungen - von denen die Welt bis in die Gegenwart profitiert - eigentlich gründen. So begegnen wir allgegenwärtig Spuren der römischen Kultur wie z.B. in der Kirche, der Medizin, dem Rechtswesen, der Architektur, der Sprache und Literatur, in Gesetzen und Verwaltung, im Sport, in der Kunst und der Technik. Selbst der julianische Kalender sowie das Alphabet stammt von römischen Gelehrten, das sich im Lauf der Zeit auf dem gesamten Abendland verbreitete.

Dementsprechend widmen sich dem Thema zahlreiche Filme (z.B. der Monumental- und Historienfilm Ben Hur) sowie literarische Werke, die schon fast zeitlose Popularität genießen. Allen voran die Kunstfiguren Asterix & Obelix, die wohl jedem geläufig sein dürften.

Selbst zweitausend Jahre nach ihrem ersten Auftreten in unseren Breiten und rund 1500 Jahre nach ihrem Rückzug, hat die Zeit der Römer nichts von ihrem glanzvollen Ruhm und Pathos eingebüßt. Römerfestivitäten, Römermärsche, Römertage und Römerspiele - aber auch Museen - halten die Erinnerung an das verblichene Römische Reich lebendig bzw. das Interesse wach. Abgesehen von der nüchternen wissenschaftlichen Betrachtung befassen sich Künstler, Filmemacher und Schreiberlinge auch in satirischer Weise mit dem Thema und arbeiten sich bisweilen mit sarkastischem Humor regelrecht an den Römern ab.

Man denke nur an die (Kult-) Komödie "Das Leben des Brian" der britischen Komikergruppe Monty Python aus dem Jahr 1979, wo eine revolutionäre Zelle in Judäa, die den Aufstand gegen die imperialistischen Römer plant und über deren Errungenschaften nach sinniert: "In Ordnung, aber was haben die Römer, abgesehen von den sanitären Einrichtungen, der Medizin, der Bildung, dem Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, den Straßen, dem Frischwassersystem und der öffentlichen Gesundheit, jemals für uns getan?"

Asterix & Co begeistern seit mehr als 60 Jahren eine treu ergebene Leserschaft. Obgleich die Geschichten um den listigen Comic-Helden Asterix und seinem - im doppelten Sinne - dicken Freund Oberlix (O-Ton: "ich bin gar nicht dick") frei erfunden sind, kommen Kinder wie Erwachsene mit dem Römischen Reich in witziger Weise in Berührung. Die Abenteuergeschichten, bei denen die Römer spöttisch auf die Schippe genommen werden, sind alters- und generationsübergreifend bei Groß & Klein absoluter Kult. Autor René Goscinny († 5. November 1977) und Zeichner Albert Uderzo († 24. März 2020) haben sich mit den fiktiven Geschichten des unbeugsamen gallischen Dorfes (Gallien umfasste das heutige Frankreich, Belgien, Teile Westdeutschlands sowie ein nordwestliches Drittel der Schweiz und Norditalien) quasi unsterblich gemacht. Der Kultspruch „Die spinnen, die Römer!“, bei dem Obelix sein Unverständnis über die römischen Legionäre ausdrückt, fand sogar Eingang in den umgänglichen Sprachgebrauch.

Wahrscheinlich würden sich heute wohl die Römer über die Nachfahren der Germanen nicht weniger wundern, wo diese ganz nach Römer Sitte Gewaltmärsche unternehmen, sich kleiden wie Legionäre, und theatralische (Kampf-) Szenen wie beispielsweise das beeindruckende Schauspiel der "Cohors IX Batavorum" im LIMESEUM/Römerpark in Ruffenhofen veranstalten. "Ganz schön sonderbar diese Germanen:-)"

Mitten drin statt nur dabei dachte sich ein Nachfahre der "Barbaren" und begeisteter "Römerfan" in Rom. Über die Frage, warum hoffnungslos unterlegene germanische Stämme in der so genannten Varusschlacht im Teutoburger Wald 9 n.Chr. eine ca. 18.000 Mann starke Streitmacht der Römer - die ihnen zudem in Disziplin, Ausbildung und Ausrüstung haushoch überlegen war - überlisteten und vernichtend schlagen konnten ranken sich Mythen und Legenden.

Asterix-Fans dürften die Erklärung wohl im Zaubertrank des Druiden Miraculix vermuten, der übermenschliche Kräfte verlieh. Parallelen sind unverkennbar, da die Germanen gegen die feindliche Übermacht denselben erbitterten Widerstand leisteten, wie es einst das rebellische gallische Heimatdorf von Asterix 50 Jahre v.Chr. getan hatte.

Bild: Kastell Abusina, Eining (Landkreis Kelheim, Niederbayern)

Der Welterbestatus des Niedergermanischen Limes erstreckt sich auf 44 archäologische Fundplätze, darunter Kastelle, Legionslager und der Statthalterpalast in Köln. Im Gegensatz zum Obergermanisch-Raetischen Limes handelte es sich beim Niedergermanischen Limes um eine nasse Grenze: Während der Obergermanisch-Raetische Limes über Land verlief und die Grenze in Form von Wällen, Gräben und Mauern markierte, bildete beim Niedergermanischen Limes der Rhein - zusätzlich gesichert durch Militäranlagen - eine natürliche Grenze, was im übrigen auch für den Donaulimes gilt, dessen westlicher Abschnitt von Deutschland, Österreich und der Slowakei neuerdings auch den begehrten Welterbetitel trägt. Ingesamt 77 Stätten, darunter militärische, wie auch zivile Spuren römischen Lebens, beispielsweise Bäder und Amphitheater, gehören nun zum Welterbe.

Sowohl am Niedergermanischen als auch am Donaulimes vermitteln Museen anhand beeindruckender Funde ein authentisches Bild vom römischen Leben. In Deutschland zählen hierzu beispielsweise das Römisch-Germanische Museum in Köln, das LVR-RömerMuseum in Xanten (Nordrhein-Westfalen), das LIMESEUM / Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach, Mittelfranken), das Historische Museum in Regensburg (Oberpfalz), das Gäubodenmuseum in Straubing (Niederbayern) sowie das Römermuseum Kastell Boiotro in Passau (Niederbayern).

Auf insgesamt 970 Kilometern - davon 364 Kilometer auf dem Raetischen Limes sowie Donaulimes in Bayern - kann man sich ausgiebig der ereignisreichen Geschichte des Römischen Reiches widmen, zumal bei der Routenführung besonderer Wert auf die unmittelbare Nähe zum Limes gelegt wurde bzw. der Radweg sogar teilweise mit dem Limesverlauf identisch ist. Wird der Abschnitt des "Mainlimes" von Aschaffenburg bis Miltenberg (45 km) und weiter nach Schneeberg (13 km) zur Bundeslandesgrenze Baden Württemberg / Bayern einschließlich der 25 km langen Fortsetzung von Passau zum Donaukraftwerk Jochenstein (Landesgrenze Oberösterreich) hinzu gerechnet, dann summiert sich der gesamtbayerische Anteil des Deutschen Limes-Radweg auf insgesamt 447 Kilometer. 

 Nachdem der Niedergermanische Limes (nasse Grenze von Rheinland-Pfalz bis zur Nordsee) am 27. Juli 2021 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, steht dem Deutsche Limes-Radweg aller Voraussicht nach 2022 eine Verlängerung um rund 500 Kilometer in Aussicht. Der Niedergermanische Limes bezeichnet die ehemalige Grenze zwischen den römischen Provinzen »Germania inferior« und »Germania magna«, der den linksrheinischen Teil des Rheinlands sowie der Niederlande die einst zum Römischen Reich gehörten (römische Provinz Niedergermanien) und von den kaum kontrollierten rechtsrheinischen Gebieten - dem sogenannten freien Germanien - abtrennte. Das Welterbe setzt sich aus 44 Bestandteilen von Rheinland-Pfalz bis ins niederländische Katwijk zusammen und erzählt von der mehr als 400 Jahre andauernden römischen Entwicklung im Norden des einstigen Imperiums.

Gegenwärtig gilt die Tour de Brandenburg (Rundtour) mit 1.111 Kilometer als längster Radweg Deutschlands. Der Deutsche Limes-Radweg (970 km), Rheinradweg (900 km) und Elberadweg (840 km) gehören ebenfalls zu den längsten Fernradwegen in unserem Land. Wird der Deutsche Limes-Radweg um den Niedergermanischen Limes ergänzt, wächst die Streckenlänge von der Nordseeküste bis zur Landesgrenze zu Österreich auf annähernd 1.500 Kilometer. Ein gewaltiges Pensum, wobei man sich die Vorgehensweise der Pilgerer auf dem »Camino de Santiago « zum Vorbild nehmen kann, die sich die ca. 2.800 km lange Wegstrecke des Jakobswegs bedürfnisorientiert einteilen.

Fazit: Geschichtsinteresse vorausgesetzt, vermag die Epoche der Römer Bewunderung auszulösen. Hinzu kommt die landschaftliche Vielfalt, die man als Radfahrer weitestgehend allein und naturnah genießen kann. Einer inspirativen und spannungsgeladenen Entdeckungsreise steht also nichts im Wege. Und zwar unabhängig davon, welcher Streckenabschnitt auserkoren wurde bzw. wo man sich von Neugierde getrieben auf "Spurensuche" begibt. Mit anderen Worten: die Top 1 unter den Themenradwegen in Deutschland bietet in jeglicher Hinsicht ein unerschöpfliches Erlebnispotential. Also, worauf warten und über Ziele lange nachzugrübeln? Rauf auf den Sattel und mit geballter Vorfreude und Elan hinein in die Landschaftsidylle und ins Geschichtsvergnügen. Das Erbe der Römer ist wahrhaft lebendig geblieben, was die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe unterstreicht.