Glocknerkönig ABGESAGT!

Die Absageflut von Radsport-Events nimmt auch dieses Jahr seinen Lauf. Kaum vergeht ein Tag, wo nicht ein Veranstalter enttäuscht die Segel streicht. Nun hat's auch den Glocknerkönig abermals erwischt. 

+++Stellungnahme zur Veranstaltungsabsage+++

Glocknerkönig 2021

Leider haben wir seit Mitte März die traurige Gewissheit: Wir müssen den Glocknerkönig auch 2021 absagen.

Nach wie vor erhalten wir keinerlei Informationen über die Abhaltung von Veranstaltungen von der Österreichischen Bundesregierung. 

Alles was wir bislang wissen, sind Mutmaßungen: Teilnehmerbegrenzung, Streichung der Kategorie "Ultra" (Platzmangel Edelweißspitze), neues Konzept für Start, Ziel und Rennbüro (ohne Information, welche Auflagen erfüllt werden müssen), keine Massagen, kein Kaiserschmarrn, kein Verweilen auf dem Großglockner, ... Die Liste kann lange fortgesetzt werden.

Eine Veranstaltung in dieser Größenordnung braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Mit Mitte März war die absolute Deadline für eine Entscheidung erreicht. Klar war immer, dass wir euch Teilnehmern ein fulminantes Event bieten wollten - unter Anbetracht der Covid-19 Situation zusätzlich unter absoluten Sicherheitsvorkehrungen. Die Ungewissheit - oder vielmehr die Unwissenheit - hat uns nun ausgebremst und zu diese Schritt gezwungen. 

Alle angemeldeten Teilnehmer haben mit 22. März einen Newsletter von Datasport erhalten. Selbstverständlich haben alle Starter wieder die Möglichkeit, sich die Teilnahmegebühr retour überweisen zu lassen. Natürlich kann das Geld auch bei uns gelassen werden, was euch 2022 einen fixen Startplatz garantiert. Bei Option 2 helft ihr uns übrigen mit der Liquidität in dieser herausfordernden Zeit.

Wir bedanken uns für euer Verständnis und freuen uns, wenn ihr euch schonmal den Termin für das Jubiläum im nächsten Jahr vormerkt:

Sonntag, 5. Juni 2022

Anmeldeschluss: 31.05.2022

Bruck an der Glocknerstraße

Der Glocknerkönig gehört zu den populärsten, grössten und gleichsam schönsten Bergrennen im gesamten Alpenraum. Das Klassiker-Event lockt jedes Jahr am ersten Juni-Wochenende bis zu 3.000 begeisterte Radsportler aus vielen Nationen nach Bruck an der Glocknerstraße. Von daher empfiehlt sich eine frühzeitige Hotel-Reservierung, um möglichst nah am pulsierenden Geschehen zu sein. Das schmucke Alpendorf mit rund 4.470 Einwohner liegt am Rande des Nationalpark Hohe Tauern im Salzburger Land nahe der Bezirkshauptstadt Zell am See und ist von majästätischen 3000er Gipfeln umgeben - was per se neben dem Race-Weekend auch eine Einladungskarte für einen Radurlaub ist.

 Großglockner Hochalpenstraße

Im Ortszentrum von Bruck befindet sich an der Glocknerbrücke auf der Salzachseite des Gasthof Lukashansl (Kilometerstein Null) der Ausgangspunkt der höchstgelegenen befestigten Passstraße in Österreich: die Großglockner-Hochalpenstraße. Die berühmteste Alpenstraße, die bereits 1935 eröffnet wurde, durchquert über alle Vegetationsstufen hinweg eine einzigartige Gebirgswelt mit blühenden Almwiesen, duftenden Bergwäldern, schroffen Felsen, felsigem Geröll und ewigem Eis. Sie führt auf ihren 48 Kilometern und 36 Kehren über die Gebirgspässe Fuscher Törl (Parkplatz II, 2.428 m ü.d.M) und Hochtor mitten ins Herz des Nationalparks Hohe Tauern, und verbindet Bruck (755 m) im Salzachtal im Norden mit Heiligenblut (1301 m) bzw. Winklern (965 m) im Mölltal im Süden. Gleichsam stellt sie die Verbindung zwischen den Bundesländern Salzburg und Kärnten her. Eine Stichstraße zweigt am Parkplatz I Fuscher-Törl (2407 m ü.d.M.) zur Edelweißspitze (2571 m ü.d.M.) ab, von dessen Aussichtsturm bei klarem Wetter 37 Dreitausender und 19 Gletscherfelder zu sehen sind. Direkt unterhalb des Gipfels bietet die Edelweißhütte Quartier und Verpflegung. Den nächsten Streckenhochpunkt erreicht die Hochalpenstraße an der salzburgisch-kärntnerische Grenze am Tunnelportal des Hochtors auf 2504 Meter Höhe, wo sich zugleich die Wasserscheide der Salzach (Inn) und der Drau befinden. 

Auf der Kärntnerseite gabelt sich am Parkplatz "Guttal" (1.859 m ü.d.M.) die Straße nach Heiligenblut (1.301 m ü.d.M.), während eine Stichstraße zum Fuße des Großglockner (3.798 m) und seinem Gletscher, der Pasterze zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 m ü.d.M.) führt.

Am 5. Juni 2022 wird die letzte Austragung des Glocknerkönigs bereits drei Jahre zurück liegen. Für passionierte Radsportler eine gefühlte Ewigkeit, die die Sehnsucht auf das Riesenspektakel zum Bersten bringt. Schließlich zählt das ultimative Mega-Event zu den populärsten Veranstaltungen im Alpenraum, dessen Suchtpotential viele Teilnehmer quasi ein "Abbo" buchen lässt. Die Streckendaten lesen sich respekt- um nicht zu sagen furchteinflößend, wobei die Streckencharakteristik grundsätzlich zweigeteilt ist. Bleibt die erste Hälfte der Wegstrecke bis zur Mautstelle mit einer Ø-Steigung von 2.7 % im grünen, sprich moderaten Bereich (389 hm), schlägt im zweiten Teil eine Ø-Steigung von 10.0 % zu Buche (1.430 hm bis zur Edelweißspitze). Selbst für ambitionierte Bergziegen kein Honigschlecken. Während sich Top-Fahrer im Rennen nichts schenken und exorbitante Wattleistungen drücken, kämpfen andere hingegen einzig um ihren sportlichen "Überlebenskampf". Leidenschaft ist eben der Turbo des Antriebs - im Leben wie im Sport. Doch alle eint dieselbe Hingabe: im Getümmel Gleichgesinnter euphorisch seine Leidenschaft auszuleben ist für die Protagonisten das Nonplusultra.

Glocknerkönig - Ready to rumble

Wenngleich das Leistungsniveau des Teilnehmerfelds für Breitensportverhältnisse hoch ist, so ist es dennoch ein Radevent für Jedermann & Jederfrau. Ob lizenzierte Radsport-Amateure, (Ex-) Profis, Hobby-Radsportler, "Just for Fun Radler", ob Jung oder Alt - jeder kann teilnehmen sofern es die aktuelle Trainingsform hergibt. Wettkampf-Arena ist die legendäre Großglockner Hochalpenstraße, die mitten in eine atemberaubende Hochgebirgskulisse hinein führt.

Der Sicherheit wegen ist ab der Mautstelle Ferleiten die Straße von 7:00 bis 10:30 Uhr für den Straßenverkehr gesperrt. Die Strecken haben es in sich, wobei die Längenabstufung dem Breitensportcharakter entgegen kommt: LIGHT 1.330 hm, 12.8 km, CLASSIC 1.671 hm, 27 km, ULTRA 1.814 hm, 29 km.  

Der Ultra und Classic Start befindet sich im Ortszentrum von Bruck, während sich der Startpunkt der kürzeren Light-Strecke an der Kassenstelle  Ferleiten befindet. Ziel der Classic-Fahrer ist der Parkplatz I Fuscher-Törl auf einer Höhe von 2.407 Meter. Die Ultra-Kategorie zur Edelweißspitze (2.571 m ü.d.M.) wartet noch mit einem "Höhenmeter-Bonus" auf. Eine 14% steile Pflasterstraße schlängelt sich über 6 Kehren nach oben, auf der sich man sich die Kante geben bzw. sich die Zähne ausbeißen kann.

Startblöcke

Berechtigung für den 1. Startblock haben ausnahmslos nur Teilnehmer, welche den Glocknerkönig CLASSIC / ULTRA 2018 oder 2019 unter 1:45:00 absolvierten.

Berechtigung für den 2. Startblock haben ausnahmslos nur Teilnehmer, welche den Glocknerkönig CLASSIC / ULTRA 2018 oder 2019 unter 2:00:00 absolvierten. Zudem dürfen auch Teilnehmer starten, welche bei anderen namhaften Rennen im Vorderfeld Platzierungen errungen haben (Antragsstellung erforderlich).  

Die restlichen Teilnehmer starten im 3. Startblock.

An der Mautstelle Ferleiten (1.115 m ü.d.M.) steigen um 7.45 Uhr die Teilnehmer der LIGHT-Kategorie ins Renngeschen ein, während das Groß der CLASSIC & ULTRA - Fahrer bereits durch ist. Die drei schnellsten Fahrer (Netto-Zeit) der Ultra- und Classic-Kategorie erhalten bei der Siegerehrung eine Prämie (Sprintwertung). Spitzenfahrer wie Stefan Kirchmair (Sieger der Sprintwertung 2019) benötigen für den 14.5 km langen Streckenteil rund 25 Minuten, was einem Ø von 33,5 km/h entspricht. Freilich ist die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit rasch Geschichte, denn fortan schmilzt sie Kehre um Kehre wie das Eis in der Sonne. 

Glocknerkönig Light 

  • Start ab 07:45 Uhr Mautstelle Ferleiten 1.115m Seehöhe
  • Ziel Fuschertörl Gedenkkapelle 2.445m Seehöhe
  • Streckenlänge: 12,8 km
  • Steigung: max. 12%
  • Höhendifferenz: 1330 HM

Bezogen auf die Ultra-Strecke sind in Ferleiten exakt die Hälfte der Gesamtdistanz - allerdings erst gut ein Fünftel der Höhenmeter - bewältigt. 

Streckensegmentierung

  • Streckenabschnitt Bruck an der Glocknerstraße - Mautstelle Ferleiten: 14.5 km →    389 hm → Ø-Steigung   2.7 %
  • Streckenabschnitt Mautstelle Ferleiten - Edelweißspitze:                     14.5 km → 1.430 hm → Ø-Steigung 10.0 %
  • Gesamtstrecke Bruck an der Glocknerstraße - Edelweißspitze:             29.0 km → 1.814 hm → Ø-Steigung   6.2 %

Nun geht's hinein - besser gesagt hinauf - ins idyllische Hochtal Ferleiten. Den am Anschlag fahrenden Wettkampfsportler wird die Flora & Fauna nicht sonderlich interessieren. Gleichwohl sei der Hinweis erlaubt, dass in dem geschützten Naturrefugium noch seltene Orchideenarten gedeihen und scheue Gämsen und Steinböcke umher kraxeln.

Unmittelbar nach der Mautstelle zieht die Straße mit bis zu 13 % Steigung spürbar ihre Daumenschrauben an. Das anfangs dichte Teilnehmerfeld beginnt sich in dieser Phase zunehmend zu lichten. Für die Protagonisten geht's nun ans Eingemachte, bei der der qualvolle Kraftakt mitunter eine bewußtseinsferne Trance auslöst. Phasenweise wird im abgeschotteten Kosmos selbstvergessen dahin gekurbelt als gäbe es kein Morgen mehr.

Sofern der Wettergott wohl gesonnen ist, radelt man ab der Mautstation Ferleiten zunehmend der Sonne entgegen. Besonders ab der Baumgrenze von 1.500 m Höhe lugt die Sonne über die schneebedeckten Gipfel immer häufiger hervor und taucht die Hochgebirgslanschaft in gleißende Licht- und Schattenspiele. Trotz "Race-Pace" am Rand des Leistungslimits reißt einem das überwältigende Prachtpanorama und die Schönheit der Bergwelt der Hohen Tauern immer wieder aus dem abgekapselten in sich gekehrt sein und stoischem Tunnelblick heraus.

Je nachdem wie schneereich der Winter und wie kalt die Frühjahrsmonate waren fährt man entweder an meterhohen Schneewänden oder kahlen Felsen entlang. In der faszinierenden Hochgebirgswelt erwartet die schweißgebadeten Finisher mit ihrer glamourösen Durchfahrt des Zielbogens ein wahrer Glückshormon-Flash. Just in dem Augenblick fühlt man sich im wahrsten Sinne des Wortes buchstäblich in den "siebten Himmel" katapultiert.

Stefan Kirchmair (Bild oben) - zweifacher Ötztal-Radmarathon-Sieger (gewann 2019 die Sprintwertung) - ebenso wie Mathias Nothegger (zweifacher Ötztal-Radmarathon-Sieger und Rekordhalter) haben bereits mehrfach beim Glocknerkönig teilgenommen.

Zurück in Bruck, wo der Wettkampftag seinen Anfang nahm wimmelt es von einströmenden Radlern.