Für Heimaturlaub zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab

Die Bundesregierung hat auf Vorschlag des Auswärtigen Amts die weltweite Reisewarnung für Touristen wegen der Coronavirus-Pandemie zunächst bis mindestens 14. Juni verlängert. Begründet wird die Verlängerung der Reisewarnung damit, dass "weiterhin mit starken und drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr und weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen" sei.  

Bei der Videoschalte tagte Kanzlerin Angela Merkel am 30. April erneut mit den 16 Ministerpräsidenten. Dabei bewarb Markus Söder den Freistaat Bayern patriotisch als lohnenswertes Urlaubsziel: "Man müsse zum Urlauben auch nicht nach Österreich fahren, sondern könne in Bayern bleiben." Merkel ergänzte mit verschmitztem Grinsen: "Der Norden hat auch super Möglichkeiten."

Update, 26. Mai: Ministerpräsident Söder hat neue Details zur Corona-Krise bekannt gegeben und listete unter anderem die nächsten Lockerungsmaßnahmen im Freistaat auf.

Die Öffnung von Biergärten, Gastronomie und Tourismus ebnet ein stückweit den Weg zur Normalität. Vom Pfingstwochenende ab dürfen Hotels neben Geschäftsreisenden nun wieder Touristen beherbergen. Allerdings gelten nach wie vor strenge Hygieneregeln sowie die Vorschrift, dass an einem Tisch nur Personen aus max. zwei Hausständen zusammensitzen dürfen - ansonsten muss der Mindestabstand von 1,50 Metern gewahrt bleiben. Die entscheidenden Lockerungen machen Radurlaube bzw. mehrtägige Etappentouren jedenfalls wieder möglich. 

Ab 8. Juni dürfen sich gesellige "Freiluft-Sportler" freuen, denn dann ist es auch Sportmannschaften erlaubt im Freien in Gruppen von bis zu 20 Personen zu trainieren. Gruppenausfahrten von Radfahrern bzw. Mountainbikern sind bis zu dieser Personenzahl dann wieder erlaubt (bis zum 8. Juni max. 5 Personen). Bei zu geringem Abstand (Windschattenfahren) gilt zu beachten, dass durch ausgeatmete Viren-Aerosole latentes Infektionsrisiko besteht (siehe Studie »Social Distancing v2.0: During Walking, Running and Cycling«). 

Desweitern sollen in Bayern ab dem 8. Juni Fitnessstudios und Schwimmbäder und ab 15. Juni Kinos, Theater und Konzertveranstaltungen wieder öffnen.

Überdies haben sich Bund und Länder grundsätzlich darauf verständigt, dass die Kontaktbeschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie bis zum 29. Juni verlängert werden.

Sorgenfreier Auslandsurlaub rückt in weite Ferne

Die Ferienzeit naht in Riesenschritten. Und mit ihr die spannende Frage, wo die Deutschen in Zeiten von Corona wohl dieses Jahr ihren Urlaub verbringen? Auch wenn manche  Menschen die Sehnsucht nach Weite, Freiheit und Ferne verspüren, wird eigentlich nur Deutschland als wirklich sicheres Reiseland eingeschätzt.

Die Tourismusbranche ist eine der am heftigsten von der Krise betroffenen Wirtschaftszweig in unserem Land. Dennoch zeichnet sich mit Blick zur zweiten Jahreshälfte ein Hoffnungsschimmer ab. In Anbetracht dessen, dass Auslandsreisen zumindest bis zur sommerlichen Hauptjahreszeit mit drastischen Einschränkungen behaftet sind, spielt dies dem Tourismus in Deutschland in die Hände. Auch deshalb, weil hierzulande Beherbergungsbetriebe zu touristischen Zwecken, Biergärten und Cafes bald öffnen und das Ende der Ausgangsbeschränkungen das Reisen im Heimatland wieder ermöglicht. Markus Söder stellte bereits Ende April dem Gastgewerbe Lockerungsmaßnahmen für Pfingsten in Aussicht: "Wenn wir Glück haben, könnte es bereits Pfingsten eine bessere Perspektive für den Bereich Hotels und Gastronomie geben. Das müssen wir zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden." Auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger blies ins selbe Horn, den krisengebeutelten Tourismussektor wieder anzukurbeln.

Ministerpräsident Markus Söder erklärte, er halte es für „eher unwahrscheinlich“, dass in diesem Jahr die Deutschen in Spanien, Italien, Frankreich oder der Türkei Urlaub machen könnten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Urlaub in anderen Ländern im Sommer so leicht möglich ist, schätze ich aus gegenwärtiger Sicht eher als unwahrscheinlich ein", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am 16. April. Auch Tourismusexperten erwarten für Bayern - Deutschlands beliebtestes Reiseland - ab Sommer eine allmähliche Stabilisierung der Besucherzahlen. Markus Söder geht sogar von einem "ziemlichen Run" auf die Gastronomie und Hotellerie aus, wenngleich sich der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband angesichts strenger Auflagen eher skeptisch zeigt. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß sagte der Funke Mediengruppe: "Der Sommerurlaub dieses Jahr wird wahrscheinlich eher in Deutschland stattfinden". Branchen-Experten, wie etwa beim Deutschen Reiseverband (DRV), rechnen damit, dass sich die Situation in Deutschland verbessert. 

Dahoam ist's doch am Schönsten

Je länger die Wirren der Coronakrise andauern, umso mehr steigt bei urlaubsreifen Bürgern die Lust nach Reisen, Abwechslung und Erholung. Wenn Reisefans gegen Fernweh ankämpfen und im Web sich durch verlockende Urlaubs-Destinationen klicken, entfacht allein die virtuelle Recherche schon Reise- und Abenteuerlust. Für Urlaubshungrige, denen die Corona-Pandemie in der ersten Jahreshälfte einen Strich durch ihre Rechnung machte, dürfte durch die massiv eingeschränkte Bewegungsfreiheit und ständiger Corona-Berichterstattung die Sehnsucht nach Entspannung und der unwiderstehliche Drang nach geselligen Radtouren mit Gleichgesinnten ganz oben auf der Wunschliste stehen. Nach all dem Stress die Social Distancing, Home-Office, Home-Schooling, berufliche Ängste und nerviger Lagerkoller mit sich brachten, verwundert es kaum wenn die Menschen reif für die "Insel" sind. 

Doch welche Urlaubsdestination bietet sich eigentlich an, nachdem Mallorca, Italien, Spanien, Türkei, Tunesien - Fernreisen sowieso - flach fallen? Im Prinzip bleibt auf der Weltkugel nicht viel mehr übrig, als seinen Sommerurlaub in Deutschland zu verbringen. Ganz nach dem Motto Bayerischer Wald statt Bretagne, Mecklenburg statt Malle, Schwarzwald statt Spanien stellt Urlaub im eigenen Land nicht nur einen Akt der Solidarität mit der arg gebeutelten heimischen Tourismusbranche dar, sondern eröffnet die Chance, idyllische Naturlandschaften, regionaltypische Speisen, Kultur und Brauchtum näher kennen zu lernen. 

Germany First 

Wir dürfen uns berechtigte Hoffnungen auf Urlaub in unserem so schönen, sicheren und verdammt gut organisierten Deutschland machen. Die Tourismusbranche ist zwar eine der am heftigsten von der Krise betroffenen Wirtschaftszweig, doch es zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab. In Anbetracht dessen, dass Auslandsreisen mindestens bis zur sommerlichen Hauptjahreszeit mit drastischen Einschränkungen behaftet sind, spielt es dem Tourismus in Deutschland in die Hände. Überzeugende Argumente seinen (Rad-) Urlaub hierzulande zu verbringen gibt es zuhauf, zumal das Geld auch noch im eigenen Land verbleibt. Wertschöpfung, die quasi im Sinne von "Germany First“ die Binnenwirtschaft ankurbelt. Nach Wochen des touristischen Stillstands befinden sich die klassischen Feriengebiete in den Startlöchern. 

Seit 6. Mai besteht in Bayern nur noch eine »Kontaktbeschränkung«. Der aktuelle Corona-Fahrplan sieht vor, dass am 18. Mai die Außengastronomie (aber nur bis 20 Uhr), am 25. Mai die Innengastronomie und ab 30. Mai die Hotellerie öffnen dürfen. Gemäß der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (4. BayIfSMV) ist zudem der Trainingsbetrieb von Individualsportarten im Breiten- und Freizeitbereich unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen ab dem 11. Mai erlaubt. Überdies können ebenfalls ab 11. Mai auch kleinere Gruppen von bis zu fünf Personen unter Wahrung der Mindestabstandsregel (1.5 Meter) gemeinsam radeln (aktuelle Befristung beachten!). 

Trotz Corona-Krise und massiver Reisebeschränkungen, die seit zwei Monaten den Tourismus im Land lahm legen, hält eine große Mehrheit der Radtouristen überraschenderweise an ihren diesjährigen Reiseplänen fest. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 1.500 Reisenden, die die Radreisen-Datenbank Anfang April 2020 durchgeführt hat. Demzufolge haben mehr als 70 Prozent für 2020 eine Reise geplant bzw. eine bestimmte (Rad-) Strecke im Auge. Von ihnen möchten 80 Prozent die Reise auch unternehmen. 90 Prozent der Befragten kann sich sogar grundsätzlich vorstellen, dieses Jahr noch eine weitere mehrtägige Radreise zu unternehmen.

Bayern - Radreiseland Nummer Eins

Die aktuelle ADFC-Radreiseanalyse (Allgemeiner Deutsche Fahrrad-Club), die am 5. März 2020 im übrigen wegen der Corona-Pandemie erstmalig nicht im Rahmen auf der weltgrößten Reisemesse der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin vorgestellt wurde, beleuchtet interessante Entwicklungen zum Radreiseverhalten. Demnach ist das beliebteste Radtourismus-Bundesland Bayern (22.1%), gefolgt von Niedersachsen (15.78%), Nordrhein-Westfalen (10.85%), Baden Württemberg (9.12%) und Mecklenburg-Vorpommmern (8.11%). Das Allgäu zählt zur beliebtesten Radregion Deutschlands, gefolgt vom Emsland und Münsterland.