Historischer deutscher Doppelsieg bei der Ironman-Weltmeisterschaft in Hawaii

Jan Frodeno und Anne Haug bescherten Deutschland einen historischen deutschen Doppelsieg bei der Ironman-WM in Hawaii. Der 38 Jahre alte gebürtige Kölner ist nicht nur der erste Deutsche, der die Ironman World Championship auf Big Island dreimal gewonnen hat, sondern er pulverisierte gleich noch dazu den Streckenrekord von Patrick Lange aus dem Jahr 2018. Nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen schwebte Frodeno freudestrahlend im Siegestaumel durch das tosende Zuschauerspalier am Alii Drive ins Ziel. Die Zeit: 7:51:13 Stunden - neuer Streckenrekord! Wow, was für ein furioses Comeback! 

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Last NEWS (5.11.2019): Drei Wochen nach der Ironman-WM auf Hawaii (12. Oktober) schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Der vermeintlich weltschnellste Amateur, Sérgio Marques aus Portugal (8:35:12 Stunden) wurde nachträglich disqualifiziert, weil er sowohl am 29. September 2019 beim Ironman 70.3 Cascais als auch bei der Challenge Almere 2019 als Profi startete. Laut Regelwerk hätte Marques auch in Hawaii als Profi-Athlet und nicht als Age Grouper ins Rennen gehen dürfen. Diesem Umstand hat es der bis dato Zweitplatzierte Christopher Dels aus Bamberg zu verdanken, dass er nun nachträglich zum neuen IRONMAN-Champion der Amateure ernannt wurde. Dels konfrontierte Marques mit dem Vorwurf zu seiner irregulären Teilnahme bereits direkt nach dem Wettkampf im Zielgelände: “Marques hat zu mir bei der Siegerehrung auf Nachfrage sogar gesagt, dass er das letzte Mal 2012 als Profi an den Start gegangen sei, nachdem mich einige Leute sofort auf seinen diesjährigen Start aufmerksam gemacht haben”. Seine Aussage wurde Anfang November offiziell als Lüge entlarvt, weswegen seine Disqualifikation eine folgerichtige Entscheidung war. Nachdem von 2015 bis 2017 bei den Männern auf Hawaii deutsche Agegrouper den Weltmeistertitel einheimsten und 2018 der Neuseeländer Dan Plews die Erfolgsserie unterbrach, holt Christopher Dels den begehrten Titel wieder zurück nach Deutschland. Neben Jan Frodeno und Anne Haug stellt Deutschland mit dem schnellsten Age Grouper der AK 35-39 (8:44:12 Stunden) einen weiteren Weltmeister. 

Jan Frodeno schreibt beim Ironman auf Hawaii Geschichte, denn er gewinnt als erster Deutscher nach 2015 und 2016 zum dritten Mal den legendärsten Triathlon der Welt. Den deutschen Triumph machte Anne Haug mit ihrem Sieg perfekt. Vorjahressieger Patrick Lange war nach Schwindelanfällen frühzeitig auf der Radstrecke ausgestiegen.

Trotz hohem Wellengang, böigem Wind und Hitze unterbot Frodeno als erster deutscher Dreifach-Champion den Rekord seines Landsmanns Patrick Lange (7:52:39) aus dem Vorjahr um 1 Minute und 26 Sekunden. 

Nachdem Jan Frodeno 2018 in absoluter Bestform die Ironman-WM kurzfristig wegen eines Ermüdungsbruchs absagen musste, kämpfte er sich wie Phönix aus der Asche eindruckvoll an die Weltspitze zurück. Dank Frodeno bleibt die deutsche Siegesserie (seit 2014) auf Big Island ein weiteres Jahr ungebrochen. 

Zweiter wurde der US-Amerikaner Tim O'Donnell (7:59:40), den nur die wenigsten so weit vorn auf der Rechnung hatten. Mit Sebastian Kienle (Mühlacker) komplettierte ein weiterer Deutscher das Podium. Der Hawaii-Champion von 2014 kam nach 8:02:04 Stunden ins Ziel. 

Nach den Hawaii-Siegen von 2015 und 2016 krönte sich Triumphator Frodeno zum dritten Mal zum "King of Kona", was bislang noch kein Deutscher Triathlet in Hawaii schaffte.  

Im Intervieuw sagte Frodeno zu FOCUS Online: "Würde ich schon sagen, dass das auf jeden Fall die beste Leistung meines Lebens war und das ist für mich als Analytiker und Zahlenmensch super wichtig. Aber gerade hier auf Hawaii mich gut zu fühlen und meine Leistung voll und ganz abrufen zu können und phasenweise auch mit der Intensität bisschen spielen zu können, das sind so Sachen, die ich mir immer gewünscht hab für das Rennen hier. Ich denke, ich kann ehrlicherweise sagen, dass es das war, das Rennen, auf das ich vielleicht die ganze Karriere hingearbeitet hab."

Konstante Topleistung auf höchstem Niveau legte den Grundstein für den phänomenalen Dreifacherfolg. Frodeno konnte die letzten 30 km vor der zweiten Wechselzone sogar noch attakieren und auf seine schärfsten Widersacher einen Vorsprung heraus fahren. Dabei waren die Bedingungen alles andere als einfach, da Seitenwind, Böen und heiße Temperaturen den Athleten zu schaffen machte. Frodeno spielte seine Überlegenheit aus und lief auf der Marathonstrecke einsam an der Spitze einem ungefährdeten Sieg entgegen. Der kommode Vorsprung erlaubte ihm eine relativ entspannte Renntatik, seinen hart erarbeiteten Zeitvorteil allenfalls zu "verwalten" - sprich ins Ziel zu bringen. Gratulation Frodo!

Sebastian Kienle war die Erschöpfung anzumerken. Mit unerbittlichem Kampfgeist schleppte er sich vor dem herannahenden Ben Hoffmann im Nacken ins Ziel. Unabhängig des Erschöpfungszustands ist es natürlich für jeden Finisher ein unvergesslicher Moment, wenn der Streckensprecher beim Zieleinlauf die legendären Worte „You are an Ironman!“ ins Mikrofon spricht. Ein herausragender Meilenstein, der nur den wenigsten Ausdauersportlern auf unserem Planeten gelingt und der schlagartig für alle Qualen und monate- wenn nicht jahrelange Entbehrungen entschädigt.

Sebi wäre nicht Sebi wenn er nicht wie so oft das Feld von hinten aufrollt. Allerdings handelte er beim Schwimmen einen relativ großen 5 Minuten - Rückstand ein, dessen klaffende Lücke zu schließen selbst in seiner Paradedisziplin - dem Radfahren - eine brutal harte Herausforderung ist. Andererseits hatte er das Glück, dass sich mit Alistair Brownlee, Cameron Wurf und Lionel Sanders in einer ausgesprochen starken Verfolgergruppe befand, dessen harmonierendes Teamwork eine hohe Pace versprach die den Zeitrückstand etwas verkürzen. Die Führungsgruppe konnten sie indes trotzdem nicht einholen, weil Frodeno, der aufgerückte Alistair Brownlee - zweimaliger Triathlon-Weltmeister auf der Kurzdistanz und zweimaliger Olympiasieger - und Tim O'Donnell an der Spitze noch mehr Druck machten. Im übrigen legte Boris Stein mit 4:13:18 Stunden die absolut schnellste Radzeit hin.

Fix und alle - Sebastian Kienle auf dem "Boden der Tatsachen" - sein hart umkämpfter Podiumsplatz ist aller Ehren wert.

Anne Haug hat als erste deutsche Frau den Titel bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewonnen. Die 36-jährige Fränkin setzte sich nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen mit einem klaren Vorsprung von sechseinhalb Minuten vor der Zweitplatzierten Lucy Charles-Barclay aus England durch und überquerte die Ziellinie nach 8:40:10 Stunden.