Deutscher Fahrrad- und E-Bike Markt 2020 auf Rekordwachstumskurs

Die mit großer Spannung erwarteten Wirtschaftsdaten des deutschen Fahrrad- und E-Bike-Markts 2020 wurden am 10.03.2021 im Rahmen einer digitalen Live-Wirtschaftspressekonferenz von den Branchenverbänden ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) und VDZ (Verband des Deutschen Zweiradhandels) der Öffentlichkeit präsentiert.

Nachdem 2020 das Coronavirus über die Welt hereinbrach und Lockdownphasen mit massiven Reisebeschränkungen der Touristikbranche einen Knock Down versetzten, sahen auch die Wirtschaftsprognosen für die Zweiradbranche alles andere als rosig aus. Doch es sollte anders kommen. Während Analysten vor Ausbruch der Coronakrise noch von moderaten Umsatzzuwächsen ausgingen, boomte indes der Markt - vor allem der der E-Bikes - so stark wie noch nie zuvor. Kurzum: die Pandemie hat das Rekordwachstum des Deutschen Fahrradmarkts zweifelsohne ordentlich gepusht, d.h. die Fahrradbranche boomt nicht trotz sondern wegen Corona.

Dass Fahrräder und E-Bikes in Zeiten der Mobiltiätswende und gestiegenem Umweltbewusstsein auf einer Erfolgswelle schwimmen ist hinlänglich bekannt. Da sich die Speicherflitzer im Würgegriff von Corona zum Garant für infektionssichere Alltagsmobilität entwickelten und die Branche von der Bundespolitik sogar als systemrelevant eingestuft wurde, bescherte dem Wirtschaftszweig eine wahre Goldgräberstimmung. Zur ganzen Wahrheit gehört auch, wie sehr sich das Rad/E-Bike plötzlich als ideales Freizeit- und Hobby- Gerät entpuppte, mit dem man in freier Natur wundersam abschalten bzw. aus den zwangsverordneten Ausgangs- Reise- und Kontaktbeschränkungen ausbrechen konnte und gleichsam noch etwas für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die körperliche Fitness tat. Die Aussicht auf solch positiven Effekte brachte im übrigen viele Menschen unbedarft zum Radfahren, denen diese Mobilitätsform bzw. Freizeitgestaltung bislang fremd war. Dadurch durften abertausende Neueinsteiger die gesamtheitliche Wirkung des Radfahrens auf Körper, Geist und Seele kennen lernen, was ihnen ohne Corona wohl weiterhin verschlossen geblieben wäre.

Der gewaltige Zweirad-Boom findet seinen Niederschlag in den offiziell bekannt gegebenen Verkaufszahlen. So erzielte die Branche mit Fahrrädern und E-Bikes 2020 einen Umsatzerlös von 6,44 Mrd. Euro, was einem sprunghaften Plus von 60,9% im Vgl. zum Vorjahr entspricht. Eingerechnet mit Komponenten- und Zubehörbereich belief sich das Umsatz-Volumen auf annähernd 10 Mrd. Euro. Ausschlaggebend für diese positive Umsatzentwicklung sind die exorbitanten Wachstumsraten der E-Bikes. Demnach wurden von den "Stromern" letztes Jahr satte 43,4 % mehr abgesetzt als im Jahr 2019. 

Die Pandemie ist augenscheinlich nicht nur hinsichtlich des Fahrradmarktes zum Treiber geworden, sondern hat auch auf den Radreise-Markt durchgeschlagen. Der Online-Marktplatz für Radreisen cyclelo ermittelte in einer repräsentativen Umfrage (11.-15. Februar 2021), wie die Corona-Pandemie das Interesse der Deutschen an Radreisen verändert hat. Demzufolge ist bei fast jedem Dritten (30 Prozent) aufgrund von Corona das Interesse an einer Radreise gestiegen.

Nach Einschätzung des ZIV wuchs der gesamte Fahrradbestand (inkl. E-Bikes) in Deutschland im Jahr 2020 auf nunmehr 79,1 Mio. Stück (davon ca. 7,1 Mio. E-Bikes). Somit besitzt rein statisch betrachtet im Durchschnitt fast jeder Bundesbürger ein Fahrrad/E-Bike.

Pressemeldung des ZIV:

Zahlen – Daten – Fakten zum deutschen Fahrrad- und E-Bike Markt 2020 Fahrradindustrie mit Rückenwind - Großes Wachstum bei Absatz und Umsatz

Berlin, 10. März 2021

Die SARS-COV-2-Pandemie bestimmte im Jahr 2020 das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland und auf der ganzen Welt und beeinflusste auch die deutsche Fahrrad- und E-Bike-Industrie signifikant.

Die Herausforderungen für Hersteller und Fahrradhandel waren gewaltig vor dem Hintergrund von Shutdowns, gestörten Lieferketten, Ladenschließungen, Hygieneauflagen und beispielloser Nachfrage.

Bereits in den vergangenen Jahren konnte sich die Branche über ein dynamisches Wachstum freuen. Es zeigte sich wiederum, dass Fahrräder und E-Bikes in Deutschland nicht nur äußerst beliebt sind; sie können als Garant für infektionssichere Alltagsmobilität und somit systemrelevant angesehen werden.

Zweiräder, mit und ohne elektrischen Antrieb, waren und sind die Verkehrsmittel der Stunde und konnten von der beispiellosen Situation des vergangenen Jahres stark profitieren.

Die Wirtschaftsdaten der deutschen Fahrradindustrie für das Jahr 2020 hier in Kürze:

• Der Absatz (in Stück) an Fahrrädern und E-Bikes lag 2020 mit 5,04 Mio. Einheiten um +16,9% über Vorjahr

• Der anteilige E-Bikes Absatz von 1,95 Mio. Stück am Gesamtabsatz betrug 38,7%

• Im Jahre 2020 wurden 43,4 % mehr E-Bikes verkauft als im Jahre 2019

• Der Umsatz (in Euro) mit Fahrrädern und E-Bikes erreichte im Jahre 2020 den Wert von 6,44 Mrd. Euro, einem Plus von 60,9% zum Jahr 2019

• Zusammen mit dem Komponenten- und Zubehörbereich ergibt sich über alle Vertriebswege ein Umsatz-Volumen von annähernd 10 Mrd. Euro

• Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrrad (inkl. E-Bikes) lag in 2020 bei 1.279, - Euro und wird von dem hohen E-Bike-Anteil dominiert

Das hohe Qualitäts- und Sicherheitsbewusstsein der Kunden sorgt dafür, dass Fahrräder und E-Bikes in immer höherer Güte und Ausstattung gekauft werden.

Hohe Modellvielfalt in allen Produktkategorien, herausragendes Design, innovative Weiterentwicklung in der Antriebs- und Batterietechnologie, bspw. die Integration der Batterie in den Fahrrad-Rahmen, und deutlich größere Nutzungsmöglichkeiten sind als Hintergründe für den Boom der E-Bike Nachfrage zu sehen.

Die Geschäftsmodelle Bike-Leasing und Bike-Sharing erfreuen sich wachsendem Zuspruch. Insbesondere auch steuerliche Anreize bei der Anschaffung von E-Bikes bei gewerblicher (Lastenräder) und auch beruflicher Nutzung zeigen positive Auswirkungen.

• Der Export von Fahrrädern und E-Bikes konnte 2020 um +7,9% auf 1,57 Mio. Stück gesteigert werden

• Die E-Bike-Exporte allein erhöhten sich auf 0,61 Mio. Stück und lagen damit um +15% über Vorjahr

Der gesamte Fahrradbestand (inkl. E-Bikes) in Deutschland ist nach Einschätzung des ZIV in 2020 auf 79,1 Mio. Stück angewachsen; darin enthalten sind ca. 7,1 Mio. E-Bikes.

Die Stückzahlen wuchsen in allen Modellgruppen mit Ausnahme von nicht elektrisch angetriebenen MTB, Holland- und Tourenrädern. Unverändert zum Vorjahr zeigten sich Kinderräder und Lastenräder.

Bei den E-Bikes lässt sich folgende Aufteilung festhalten: E-Trekking 35,5%, E-MTB 30%, E-City- /Urban 28%, E-Lastenräder 4%, E-Rennrad 0,5% und schnelle E-Bikes 0,5%. Signifikant wachsen konnte erneut die Modellgruppe E-MTB.

Mehr Detail-Informationen stehen auf der Website des ZIV in der Präsentation des Geschäftsführers unter ziv-zweirad.de/marktdaten zur Verfügung.

Ernst Brust, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands zum deutschen Fahrradmarkt 2020: „Das vergangene Jahr war beispiellos für die deutsche und internationale Fahrradindustrie sowie für die Fahrradwirtschaft insgesamt. Die Herausforderungen hätten größer nicht sein können. Dass Radfahren relevanter ist denn je, zeigte sich gerade während der Corona-Pandemie noch einmal sehr deutlich. Sowohl Fahrrad als auch E-Bike sind unverzichtbare Verkehrsmittel der heutigen Zeit und der Zukunft und bieten darüber hinaus infektionssichere, aktive und umweltschonende Mobilität.

Ich bin zuversichtlich, dass diese Attribute zu einer nachhaltigen Entwicklung hin zu mehr Radverkehr führen.“

Der Zweirad-Industrie-Verband e.V. ist die nationale Interessenvertretung und Dienstleister der deutschen und internationalen Fahrradindustrie. Dazu gehören Hersteller und Importeure von Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör.

Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) Berlin, 10.03.2021