Bund Deutscher Radfahrer rät Radfahrern 30 bis 50 Meter Abstand zu halten

Da in Deutschland das vereinsbasierte Sporttreiben wieder aufgenommen wird, gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB/ Team Deutschland) zehn DOSB-Leitplanken heraus. Diese sollen unter Berücksichtigung sportartspezifischer Übergangsregeln der Fachverbände das Infektionsrisiko senken und ein verantwortungsvolles Sporttreiben erlauben. 

Für Radfahrer enthalten die Übergangsregeln vom Bund Deutscher Radfahrer (wird laufend veränderten Erfordernissen angepasst) wichtige Abstandshinweise. Das Regelwerk richtet sich zwar an den organisierten Sport (Sportvereine), gleichwohl sind vereinslose Radfahrer gut beraten die hilfreichen Vorgaben zum eigenen wie gesellschaftlichen Wohl zu beherzigen, zumal Infektionsschutzmaßnahmenverordnungen keine gesonderten Abstandsangaben enthalten.

Um das Infektionspotential weitestgehend gering zu halten, rät der BDR wegen möglicher ausgeatmeter Viren-Aerosole zu geschwindigkeitsabhängigen Abständen von 30 bis 50 Meter. Von Windschattenfahren oder engem Nebeneinanderfahren wird gänzlich abgeraten. Überdies gilt die Distanzregel, mindestens 2 Meter Abstand zwischen Personen zu wahren.

Übergangsregeln für verantwortungsvolles Sporttreiben

Studie »Social Distancing v2.0: During Walking, Running and Cycling« 

Bisher ging man davon aus, dass ausgeatmete SARS-CoV-2-Viren zu Boden sinken und rasch ihre Infektiösität verlieren. Ebenso war man der Annahme, dass ein Abstand zwischen Personen von weniger als anderthalb Metern grundsätzlich als Infektionsdistanz gilt. Doch die Frage, ob diese pauschale Abstandsregel gleichsam auch für Menschen in Bewegung zutrifft (Sport) blieb mangels empirischer Untersuchung bislang unbeantwortet. Aktuell wird über diese spannende Frage unter Wissenschaftlern lebhaft - teils kontrovers - diskutiert. 

Nicht ohne Grund hat die neue Studie »Social Distancing v2.0: During Walking, Running and Cycling« unter der Leitung von Bert Blocken, Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik für großes Aufsehen gesorgt.

Die Forscher untersuchten den Ausstoß von Speichelpartikeln während verschiedener Bewegungen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die veränderten Positionen waren nachfolgend, nebeneinander, diagonal versetzt hintereinander sowie direkt hintereinander. Insbesondere Radsportler nutzen gerne den energiesparenden Windschatteneffekt, was sich in Zeiten von Corona als besondere Gefahr herausstellen kann. Prof. Blocken gegenüber der Deutsche Welle: "Wenn man läuft oder Rad fährt und dabei ausatmet, werden zahlreiche nur Mikrometer große Tröpfchen ausgestoßen". Speziell Luftverwirbelungen vermögen die Verbreitung des Virus im Windschatten erhöhen, was durch die CFD-Strömungsanalyse belegt wurde. Quintessenz der Studie: durch die verursachten Luftverwirbelungen beim Radfahren und Laufen können Mikropartikel - und damit auch Viren - sehr viel weiter „tragen“ als die empfohlene Distanz des Social Distancing vorgibt.

Der Befund dieser aufwendigen Studie besagt, dass der bisher vorgegebene Mindestabstand von 1.5 Meter beim Radfahren/Laufen anscheinend bei weitem nicht ausreicht um eine Infizierung mit dem Covid-19-Virus auszuschließen. Für Sportler, die hintereinander Laufen/Radfahren ist das Infektionsrisiko demnach deutlich größer als für jene, die nebeneinander unterwegs sind. Die Empfehlungen der Forscher lauten: Spaziergänger sollten mindestens vier bis fünf Meter Abstand zu dem nächsten Menschen vor sich lassen, Läufer und langsame Radfahrer rund zehn – und sportive, schnelle Radfahrer 20 Meter. 

Ab 8. Juni sind Gruppenausfahrten mit bis zu 20 Personen wieder erlaubt. Bei zu geringem Abstand (Windschattenfahren) gilt zu beachten, dass durch ausgeatmete Viren-Aerosole latentes Infektionsrisiko besteht. 

Am ungefährlichsten sei es laut Studie, wenn sich Sportler im gleichen Tempo nebeneinander bewegen, weil ihre Tröpfchenwolke dahinter abgegeben wird. Auch diagonal versetzt ist das Risiko, Partikel aus der Atemluft des Vordermanns einzuatmen, geringer, während das höchste Kontaminationsrisiko besteht, wenn sich die hintere Person direkt im Windschatten der vorderen befindet.