2.261 Finisher verwirklichen beim Jubiläums-Ötztal-Radmarathon ihren ersehnten Traum

„Ich habe einen Traum“ - so lautet der bekannte Leitspruch des Ötztaler Radmarathons. Der Wahl-Kärntner Johnny Hoogerland aus den Niederlanden erfüllte sich beim Jubiläums-Ötztaler seinen Sieges-Traum, der den Kärntner Hans-Jörg Leopold und den Italiener Mattia De Marchi auf die Plätze verwies. Bei den Damen triumphierte wie zuletzt 2019 abermals souverän die Deutsche Christina Rausch.

Der Wettergott meinte es mit den Teilnehmern des 40. Ötztaler Radmarathons gnädiger als von den "Wetterfröschen" vorhergesagt. Auch wenn's bitterkalt war, blieb das gefürchtete „Sauwetter“ den Teilnehmern zumindest bis zum späten Nachmittag erspart. Um 6:30 Uhr standen "nur" 2.751 Teilnehmer (68%) - von ursprünglich 4.023 Angemeldeten - aus 32 Nationen bei rund fünf Grad Celsius sozusagen auf der Matte. Die miserable Wetterprognose mit befürchteten Schneefällen war wohl zuviel des Guten, sodass es fast ein Drittel aller Startberechtigten vorzog lieber das warme Bett zu hüten, anstatt sich in einen sportlichen "Überlebenskampf" mit ungewissem Ausgang zu begeben. Verschärfend wirkte sich die Umleitung über das Haiminger Sattele aus, die wegen eines Felssturzes auf der Kühtaistraße 10 Kilometer plus 250 Höhenmeter drauf sattelte, was den Kampf über die vier Pässe Kühtai, Brenner- und Jaufenpass sowie das Timmelsjoch nicht einfacher machte. Eben ganz nach dem neuen (Werbe-) Slogan "Hart-Härter-Ötztaler". Schlussendlich verwirklichten 2.261 ausgemergelte Radsportler - eine der niedrigsten Finisherquoten überhaupt - im Ziel in Sölden ihren persönlichen Traum. Die Ausfallquote lag mit 18% weit über dem langjährigen Durchschnitt von rund 5%. 

Nachdem angesichts der erwarteten Kälte und Nässe eindringlich auf warme (Wechsel-) Kleidung hingewiesen wurde war es umso verwunderlicher wie unzureichend manche Teilnehmer ausgerüstet waren. Trotz vorhergesagten Regen- und Schneeschauer waren manche Teilnehmer kurz/kurz gefahren oder hatten nur eine dünne Regenhaut dabei, weshalb einige wegen starker Unterkühlung ärztliche Hilfe brauchen was zumindest eine Ursache für die relativ hohe DNF Rate von 18% erklärt. 

Bild: Licht am Ende des Tunnels. Für jeden Teilnehmer ist die Durchquerung des Tunnels kurz vor dem Streckenzenit am Timmelsjoch jener entscheidende Moment, wo der Frosch buchstäblich ins Wasser springt. Im Wissen, das erfolgreiche Finish endlich vor Augen zu haben versetzen ausgeschüttete Glückshormone die Pysche in einen regelrechten Freudentaumel.

Nach einer längeren Verfolgungsjagd und mit einer grandiosen Fahrzeit von 7:21,01 Stunden kam ehemalige World-Tour-Profi Johnny Hoogerland aus den Niederlanden als Erster in Sölden an, und kürte sich zum Sieger des 40. Ötztaler Radmarathons. „Das war ein super Tag für mich! Schon beim ersten Anstieg habe ich gemerkt, dass ich super Beine habe und ich war nie am Limit. De Marchi war super stark am Jaufenpass und am Timmelsjoch wusste ich, dass ich ihm schnell folgen muss. Die letzten fünf Kilometer waren dann sehr hart, ich bekam noch Krämpfe. Aber das ist so ein sensationeller Sieg für mich, ich habe Gänsehautstimmung“, so der Wahl-Kärntner.

Zum Palmares von Hoogerland, der seit drei Jahren in Velden ein Hotel betreibt zählt auch folgende Geschichte: er bestritt 2011 seine erste Tour de France und eroberte gleich fünf Mal das Bergtrikot! Bilder von der damaligen 9. Etappe gingen um die Welt, als er mit Juan Antonio Flecha das Spitzenduo bildete und von einem Begleitfahrzeug abgedrängt wurde. Hoogerland stürzte dabei in einen Stacheldrahtzaun und kämpfte sich danach blutend ins Ziel.

Bild: Zieleinfahrt des Letztklassierten Konrad Amann im strömenden Regen. Traditionell wird der Letztklassierte bei Dunkelheit vom Timmelsjoch mit Pomp, Getöse und Sirenengehäul von Rennleiter- Einsatz- und Feuerwehrfahrzeugen hinab nach Sölden geleitet. Dann nehmen die unvorstellbaren Qualen endlich ihr Ende. Nicht ohne Grund wird von vielen Leidgeprüften gesagt, dass man als anderer Mensch ankommt als man frühmorgends vor dem Start noch war.

Die erstmalige 14 stündige Liveübertragung mit den Moderatoren Martin Böckle, Karina Toth, Johannes Emerich, Michael Nussbaumer, Sebastian Naier wurde auf allen Social Media Kanälen überschwänglich gelobt. Im Livestream wurde das spannende Renngeschehen, Interviews, Livebilder und Stimmen entlang Strecke und aus der Luft, Livebilder aus dem Ziel in Sölden bis zum fulminanten Empfang des letzten Finishers sowie die  Siegerehrung "brühwarm" ins "Wohnzimmer" transportiert.

Bild: der Letzte von 2.261 Helden erreicht sein Ziel.

Im Kampf um die weiteren Podiumsplätze schaffte der Kärntner Ex-Profi Hans-Jörg Leopold kurz vor dem Gipfel des Timmelsjochs noch den Anschluss an den De Marchi. Gemeinsam bestritten sie die Abfahrt in den Zielort, wo sich Leopold (7:28:26) im Zielsprint vor De Marchi (7:28.27) den zweiten Rang sichern konnte. Der Zweite Leopold haderte etwas mit der Strecke: „Leider bin ich am ersten Berg zu schnell gefahren, davon habe ich mich bis zum Schluss nicht mehr richtig erholt.“

Bild: die Sieger des 40. Ötztaler Radmarathons: Johnny Hoogerland (NL) und Christina Rausch (D).

Der Italiener Fabio Cini wurde Vierter, gefolgt vom starken Robert Petzold und dem Haiminger Fabian Costa. Auch der Tiroler Patrick Hagenaars, dessen linke Hand nach einem Unfall amputiert ist, lieferte mit Rang sieben wieder ein starkes Rennen ab! Sein großes Talent bewies der Ötztaler Jonas Holzknecht, der als jüngster Teilnehmer, mit Rang 22 (7:52 h) aufhorchen ließ. 

Die Deutsche Christina Rausch war bei den Damen wie zuletzt 2019 unschlagbar. Die Radsportlerin, die im Vorjahr 30.000 Kilometer trainierte, siegte mit einer Zeit von 8:15,20 Stunden vor der Deutschen Veronika Weiss (8:50:29) und der Österreicherin Bianca Somavilla (8:52:03). Bereits am Kühtai setzte sie sich an die Spitze und fuhr ihrem ungefährden Sieg entgegen. Der Organisator Dominic Kuen gratulierte heute nicht nur den Siegern, sondern allen Startern: „Wir hatten doch noch so großes Glück mit dem Wetter und wir haben von jedem Teilnehmer ganz tolle Leistungen gesehen. Großer Glückwunsch an Christina, die derzeit fast unschlagbar bei den Frauen ist, und natürlich an Johnny.“

Bild: ein Schlückchen in Ehren. Nach 13:41 Stunden Dauereinsatz hat es sich der Schlussankömmling redlich verdient.

Bild: Sieger Johnny Hoogerland und "Schlusslicht" Konrad Amann (München) gemeinsam vereint auf dem Siegerpodest. Das Bild symbolisiert, dass beim Ötztaler Radmarathon alle Finisher als Heroes gefeiert werden, was unter den diesjährigen Bedingungen erst recht gilt. 

  Mathias Nothegger beendet seine erfolgreiche Marathonkarriere

Eine große Marathonkarriere geht zu Ende. Völlig überraschend gab Redkordhalter und dreifacher Ötzi-Sieger Mathias Nothegger bekannt, dass er sein Rad mit sofortiger Wirkung an den Nagel hängt. Nachdem sich das Radmarathon-Ass in Innsbruck (2:36.51,9) noch in der Spitzengruppe befand, mußte er wegen aktuter Rückenschmerzen am Brenner vorzeitig aussteigen und somit seine Titelverteidigung wohl endgültig begraben. Der Kronenzeitung gegenüber sagte der 42jährige: „Das hat nichts mit meinem Ausscheiden heute zu tun. Bei der Abfahrt vom Kühtai erwischte ich einen Kanaldeckel und es gab mir einen Stich im Rücken. Am Brenner ging es dann nicht mehr und ich stieg vom Rad." Im Anschluss gab der dreifache Ötztaler-Sieger im Presse-Interview einen sentimentalen Abschied vom Marathonsport bekannt: „Das hat nichts mit meiner heutigen Leistung zu tun. Den Entschluss habe ich schon im Jänner gefasst!". Und weiter gab er ins telefonische Protokoll bekannt: „Ich bin inzwischen einfach alt geworden. Mein Körper arbeitet einfach gegen mich – die Probleme mit dem Rücken habe ich ja schon länger.“ Ein weiterer Grund: „Mir kommen einfach die Ziele abhanden. Ich habe die für mich wichtigsten Rennen gewonnen. Diese dann immer wieder zu gewinnen, ist nur wenig reizvoll“, gestand der „Kanarische Hulk“ (Anmerkung: Nothegger ließ sich den "Hulk" - Verfilmung des gleichnamigen Marvel-Comics - auf die Brust tätowieren). 

Fad wird es dem Ausnahmeathleten trotz des sportiven "Rentnerdaseins" sicher nicht werden: „Ich werde zukünftig beim Sportsender K19 die Radveranstaltungen kommentieren.“ Und auch bei seiner Firma „NOM Training“ stehen große Veränderungen an. „Wir werden im November von Gran Canaria nach Dubai übersiedeln“, verrät die Radmarathon-Ikone.

Wir wünschen ihm an dieser Stelle alles Gute auf seinem weiteren Lebensweg. 

Rangliste (Zeiten der Ersatzstrecke sind nicht mit der Originalstrecke vergleichbar)

MEN

Rank   Name                     Time

1        Hoogerland Johnny  7:21.01,0

2        Leopold Hans-Jörg   7:28.26,8

3        De Marchi Mattia     7:28.27,4

4        Cini Fabio               7:34.25,7

5        Petzold Robert        7:36.53,0

WOMEN

1        Rausch Christina     8:15.20,0

2        Weiss Veronika       8:50.29,6

3        Somavilla Bianca    8:52.03,8

4        Van der Moeren Ils 9:03.10,5

5        Dietl Monika           9:05.06,5

Der 40. Ötztaler Radmarathon ist Geschichte. Doch wie heißt es so schön: Nach dem Ötztaler ist vor dem Ötztaler: der 41. Ötztaler Radmarathon kann kommen.

Das Ötztal erfreut sich über tausende Radsportler und Begleiter aus allen Herren Länder. Jedesmal mutiert Sölden zum Nabel der (Hobby-) Radsportwelt, was dem Alpendorf einen nicht unerheblichen ökonomischen Benefit beschert. Demnach generiert die Veranstaltung jährlich eine Wertschöpfung von rund 4,5 Millionen Euro und bringt dem Ötztal 20.000 Nächtigungen. 

The day after: nach der Tortour eines derartig zermübenden Kraftakts wie dem Ötztal-Radmarathon hat der malträtierte Körper und die gestresste Psyche Regeneration bitter nötig. Deswegen wird am nächsten Tag - häufig auf der Heimreise - im führenden Thermenresort Österreichs - dem AQUA DOME - in Längenfeld (talwärts 13 km von Sölden gelegen) Station gemacht. Regenerationsfördernde Maßnahmen wie Schwimmen, Massagen, Saunagänge und heiße Thermalbäder unterstützen den körpereigenen Wiederherstellungsprozess. Das AQUA DOME ist ein idealer Kraftort, um frische Energien zu schöpfen und Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen.