Feuer frei zum Shodown des Race24 in Kelheim

Am 13. Juli 2024 läutet um 14.00 Uhr der markerschütternde Böllerschuss das traditionelle 24 Stunden Rennen in Kelheim ein. Die 26. Auflage wird die Kreisstadt Kelheim wieder rund um die Uhr zum turbulenten Wettkampfschauplatz verwandeln. Dann ist in der Kelheimer Altstadt sowie am Stausackerer Berg wieder "Remmidemmi" angesagt. Während die Radsportler 24 Stunden lang beharrlich gegen den inneren Schweinehund ankämpfen, versinken derweil die Fans in Jubel, Trubel, Heiterkeit. Das Radsport-Ereignis in der Wittelsbacher Stadt vermengt eine aufsehenerregende Raceatmosphäre und bebende Volksfeststimmung zu einer wundersamen Symbiose, von der Sportler und Zuschauer gegenseitig voneinander profitieren. So machen nicht nur die Rennfahrer mit ihrer grellen Beleuchtung die Nacht zum Tag, sondern viele Fan-Clubs stehen ihnen treu zur Seite und lassen ihre Radsporthelden bis tief in die Nacht nicht im Stich. Eine klare Win-Win-Situation für alle Beteiligte. Das ausgelassene Festivalflair hat sich längst herumgesprochen, weswegen der vorauseilende Ruf dieser Wettkampfveranstaltung weit über Bayerns Grenzen bekannt ist. 

Von den Sportlern verlangt die ultimative Ausdauerschlacht zähen Kampfgeist und unerschütterliches Durchhaltevermögen, während die Zuschauer das Event als lässige Unterhaltungsshow erleben, bei der sie ihre Protagonisten inbrünstig anfeuern und bis weit nach Mitternacht deren Motivation pushen. Obwohl das Augenmerk darauf ausgerichtet ist maximales Leistungpotenzial abzurufen, nimmt der Fahrer die überschwängliche Atmosphäre und euphorische Anteilnahme trotz Extrembelastung zumindest beiläufig wahr. Dass die begeisterten Fans emotional aufgeladen sind und am Streckenrand pausenlos Rambazamba machen ist aller Ehren wert. In der Herzogstadt ist die Feierlaune und das engagierte Anfeuern jedenfalls Kult. Zu den "Halli-Galli-Hotspots" zählen das Bierzelt am Ludwigsplatz, die unmittelbar angrenzende Wechselzone und natürlich der berühmt berüchtigte "Col de Stausacker", wo fast rund um die Uhr gechillte Partyatmosphäre herrscht.

Bild: alle Achtung, trotz quälendem Rennstress am Stausackerer Berg ein Lächeln auf den Lippen

Steigende Teilnehmerzahlen 

Nach zweijähriger (Corona-) Zwangspause 2020/2021 und rückläufiger Teilnehmerzahl im Jahr 2022 (800) standen zur 25. Jubiläumsauflage am 8./ 9. Juli 2023 wieder deutlich mehr Teilnehmer am Start (976 Sportler, bestehend aus 162 Staffeln und 166 Individualisten). Bleibt spannend, ob dieses Jahr die Tausendermarke oder gar die Rekordteilnehmerzahl von 2019 (1.150) geknackt wird. Eine hohen Teilnehmerzahl geht mit wachsender Leistungsdichte einher, was einem spannenden Wettkampfverlauf nur zuträglich ist. Vorfreude ist jedenfalls angesagt, zumal die vom RSC Kelheim perfekt organisierte Veranstaltung einen legendären Kultstatus genießt. Deshalb darf Jedermann und Jederfrau der Ausdauerschlacht erwartungsvoll entgegenfiebern. In diesem Sinne: Auf geht’s! Vai, Vai! Allez, Allez! Venga, Venga! 

Die Altstadt gleicht als Dreh- und Angelpunkt des Spektakels einem brodelnden Hexenkessel, d.h. hier spielt im wahrsten Sinne des Wortes die Musik.  Auf Kopfsteinpflaster rasen tief geduckte Gestalten in Unterlenkerposition vom Mittertor über die Ludwigstraße und verschwinden im tosenden Bierzelt, nur um am anderen Ende nach dem Stoppbalken total aufgedreht ins oberhektische Fahrerwechselgetümmel zu stürzen und verzweifelt nach dem Teampartner zu rufen. Logisch, dass das Tohuwabohu in der Wechselzone vis a vis der 7 Meter hohen Mariensäule (Nachbildung von Münchens Patrona Bavariae) viele Zuschauer anzieht. Die knisternde Spannung - wo schweißgebadete Fahrer ihren Teampartnern in Windeseile ihren symbolischen Staffelstab überreichen - schwappt natürlich auf die umstehende Menschenmenge über. Einzelfahrern bleibt dieser ganze Heckmeck wohlweislich erspart, da sie geduldig ihre Bahnen alleine ziehen. Still und leise drehen sie stoisch ihren 180° Turn, und kurbeln unaufgeregt wieder von dannen. 

Das Festzelt - Stimmungsquelle Nr. 1

In Sachen Stimmung schießt das Bierzelt den Vogel ab. Hier Speichenflitzer, die entfesselt „durchpacen“, dort ausgelassene Festzeltbesucher, die gesellig ihren kulinarischen Gelüsten freien Lauf bzw. sich frisch gezapftes Bier schmecken lassen. Einen krasseren Kontrast, bei dem schweißüberströmte Wettkämpfer hier und eine vergnügliche Zuschauermenge in Feierlaune dort auf engstem Raum aufeinandertreffen kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Und das ist bei weitem noch nicht alles, denn die Atmosphäre der aufgepeitschten Menschenmenge wird zudem noch von einer Liveband gewaltig angeheizt. 

Das eigentliche i-Tüpfelchen für die 24 Stunden-Racer ist die sperrgitterbeengte Fahrt durch's Bierzelt, bevor ein dicker Stoppbalken dem unbändigen Vortrieb ein jähes Ende setzt. Inmitten der entfesselten Bierzeltbesucher - goutiert von zünftiger Blasmusik - werden die Hasadeure jedes Mal auf's Neue vom Gänsehautfeeling ergriffen. Freilich überträgt sich die Fetzengaudi unweigerlich auf die rein- und rausströmenden Radsportler, was deren Motivation anstachelt und dem Wettkampf eine überaus gefühlsbetonte Note verleiht. Ein Bierzelt als integrativer Bestandteil eines Radrennens - so eine aufgeheizte Actionshow dürfte deutschlandweit wohl einzigartig sein. Dies bestätigt auch der 1. Vorstand vom Veranstalter RSC Kelheim Thomas Kellerer, der der Mittelbayerischen Zeitung ein Interview gab: „Dieser Hotspot mit den Fans bringt die einzigartige Stimmung und ein Alleinstellungsmerkmal des Rennens“.

Keine Frage, feiernde Zuschauer und hoch konzentrierte Rennteilnehmer bilden einen drastischen Gegenpol. Ohne dem atmosphärischen Brimborium würde der Veranstaltung glatt die "Seele" abhanden kommen. Das eine bedingt das andere, beides gehört zusammen. Nutznießer von der grandiosen Öffentlichkeitswirkung ist letzten Endes auch der RSC Kelheim e.V., der das Event seit 1997 erfolgreich ausrichtet. Dank der gefühlsmäßigen Gemengenlage genießt das Mega-Spektakel in seiner eigentümlichen Art deutschlandweit ein beispielloses Alleinstellungsmerkmal. Nicht zu vergessen der Stausackerer Berg, wo die Fanmeile am Streckenrand unermüdlich ihre Gladiatoren mit wummernder (Rock-) Musik, Kuhglocken und lauten Zurufen anfeuert, um deren letzte Energiereserven zu mobilisieren. Wie dem auch sei, wer als Akteur oder Zuschauer Teil dieses außergewöhnlichen Spektakels sein will und die emotionalen Achterbahnfahrten zwischen Hoch und Tiefs erleben bzw. den Gefühlsstrudel als begeisteter Fan empatisch beobachten möchte, dem sei ins Ohr geflüstert: "Probierst es, dann gspürst es".

Feuer frei!

Der große Shodown zum eines der populärsten 24 Stunden Radrennen Deutschlands fällt am Samstag punkt 14.00 Uhr vis a vis des Alten Donauhafens. Dann beginnt die Uhr für die Ausdauer-Cracks zu ticken - ready to rumble! Für alle, die sich in den Startlöchern befinden heißt es die Komfortzone zu verlassen und sich wagemutig ins Renngetümmel zu stürzen. Glattrasierte Beine, geballte Motivation und fokussierte Zielstrebigkeit werden die Naben und Lager der Rennboliden wieder zum Glühen bringen. Bis zum Rennabpfiff liegen 24 zermürbende Stunden zwischen Himmel und Hölle. Welche Anekdoten bzw. Helden- und weniger heldenhafte Geschichten 2024 gechrieben werden weiß kein Mensch. Doch genau das ist es, was das Radrennen so richtig interessant und spannend macht.

Ein Trugschluss wer meint, dass die Startrunde hinsichtlich der Wettkampfdauer kraftschonend mit angezogener Handbremse angegangen wird. Zumindest für die auserkorenen Startfahrer aus den bis zu 115 Teams lautet ein ungeschriebenes Gesetz: von Null auf Hundert. Wird das Starterfeld um 14.00 Uhr von der Leine gelassen ist Schluss mit lustig. Jeder möchte seinen Mitstreitern zeigen, wo der Bartel seinen Most holt. Auf Teufel komm raus wird entfesselt zur ersten Kehre gesprintet und am "Col de Stausacker" ordentlich Dampf gemacht - noch dazu, wo eine 100 € Bergprämie einen kleinen finanziellen Anreiz bietet. Binnen weniger Minuten zieht sich der Tross schon gut einen Kilometer auseinander. Während vorne Pace gemacht wird rollen (Einzel-) Fahrer im hinteren Feld wesentlich entspannter los, was die extreme Leistunsspreizung schon beim Start widerspiegelt. Bereits nach 22 Minuten kommen die ersten Fahrer von ihrer Startrunde zurück. Dies entspricht einem Stundenmittel von sage und schreibe 43.5 km/h. Nachzügler hingegen benötigen gut die doppelte Fahrzeit. Erste Überrundungen gegen Ende der zweiten Runde zeigen, dass das Feld bereits nach 45 Minuten schon 16.5 Kilometer auseinandergerissen ist.

Rückt der Startzeitpunkt näher steigt die innere Anspannung minütlich. Im aufgewühlten Getümmel wird auf die Schnelle nervös das Wichtigste gecheckt. Neben Small Talk und Fachgesimpel wünscht man seinem Nebenmann/Frau viel Glück. Bereits zum Auftakt des Rennens geht's volle Lotte ans Eingemachte. Batteln sich in der Auftaktschleife die einen um das ausgelobte Preisgeld fokussieren sich andere darauf, ihr Team von Anfang an in eine aussichtsreiche Position zu lancieren, damit der Kontakt zu schnelleren Fahrern aufrechterhalten bleibt. Dies hat für Teamfahrer deshalb Priorität, weil von Beginn an ein zeitrelevanter Dominoeffekt entsteht. Besonders in den Anfangsrunden wird eine Spirale in Gang gesetzt, die sich von Fahrer zu Fahrer bzw. von Stunde zu Stunde fortplanzt, was einen maßgeblichen Einfluss auf das Ranking nehmen kann. Konkret gesagt: je nachdem welche Gruppe nach dem Fahrerwechsel erwischt wird, kann die Rundenzeit entweder purzeln oder in die Höhe klettern. Deshalb macht es Sinn, das leistungsstärkste "Rennpferd" am Start aufzubieten, um den Anschluss an schnellere Fahrer bzw. Gruppen möglichst viele Runden zu wahren. Abgesehen vom persönlichen Leistungsvermögen kann ein Quäntchen Glück durchaus das Zünglein an der Waage spielen. 

Im Gegensatz zu Teamfahrern, die nach jeder Runde eine Regenerationszeit genießen, müssen Einzelfahrer zwangsläufig eine andere Taktik anwenden. Anstatt das Leistungsmaximum auszuschöpfen, zielt ihre Pace (moderate Fahrweise) vielmehr auf eine beständige Ausdauerleistung ohne Leistungsspitzen. In komoder Gangart ist sorgfältig darauf zu achten, im sogenannten "Schongang" den Kräfteverschleiß in Grenzen zu halten. Demnach gilt ist es in "Eichhörnchenmanier" möglichst gleichmäßig im aeroben Belastungsbereich Runde um Runde abzuspulen. Je nach Erschöpfungsgrad helfen gelegentliche Powernaps („nap“ bedeutet auf Deutsch „Nickerchen“) die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Das Wichtigste für Einzelfahrer ist nicht zu überpacen oder gar in den Unterzucker (Hungerast) zu fallen, ansonsten droht der Anfang vom Ende, weil während dem Rennen eine vollständige Regeneration - auch des Schlafmangels wegen - nahezu ausgeschlossen ist.

Wer Siegambitionen hegt, muss vom Start weg auf Schlagdistanz zur Spitze bleiben, ansonsten geht der Traum ziemlich schnell in Schall und Rauch auf. Hierbei fällt dem Startfahrer eine entscheidende Schlüsselrolle zu, nämlich unter allen Umständen den Anschluss an Top-Fahrern zu wahren. Generell gilt: je höher der Windschattenanteil in einer schnellen Gruppe, desto schneller die Geschwindigkeit und folglich umso besser die erreichte Rundenzeit. Schließlich ist der Luftwiderstand mit Abstand der größte Widersacher des Radfahrers. Wer wider Erwarten reißen lässt und sprichwörtlich in den Wind gesetzt wird kann nur Schadensbegrenzung betreiben und den drohenden Zeitverlust so gering als möglich zu halten. Solofahrten auf der Flachpassage zwischen Essing und Kelheim schlagen auf's Gemüt und gehen jedem gehörig auf die Nerven. Fristet man ohne energieeffiziente Schützenhilfe als Solist frustriert sein Dasein wird nämlich viel Kraft vergäudet. Verliert man dann trotz kämpferischen Einsatz nicht nur wertvolle Zeit und womöglich Tempomacher aus den Augen untergräbt das Malheur zu allem Übel auch die Moral.

Der Start zum Race24 erfolgt traditionell Samstags 14.00 Uhr auf der Brücke am „Alten Hafen“ von Kelheim (Hienheimer Straße), wo etwa 1.000 filmende/fotografierende Zuschauer neugierig das Procedere verfolgen und die Fahrer applaudierend auf ihre Reise schicken. Vom Startpunkt (343 m ü.NN.) aus - der sich 400 Meter westlich der Wechselzone befindet - sind es bis zum Scheitelpunkt am Stausackerer Berg (500 m ü.NN.) fünf Kilometer. Samt kurzem Gegengefälle (23 Tiefenmeter) werden auf diesem Streckenabschnitt 166 Höhenmeter überwunden, während die 11 km lange Restrecke bis zur Wechselzone nur noch 27 Höhenmeter aufweist. Mit Ausnahme der 400 Meter kürzeren Startrunde weist die Originalroute eine Länge von 16.5 km auf (193 hm). Soweit die Kurzfassung zum Streckencharakter. Schnittpunkt bildet die Wechselzone, an der die Übergabe des Staffelstabs (Teamfahrer) die nächste Runde einläutet. Wettkampfziel ist, innerhalb von 24 Stunden maximal viele Runden zu absolvieren, bevor die Gesamtsieger in acht Wertungskategorien gekürt werden.

Die emotionale Erregung während der Startphase lässt automatisch den Adrenalinspiegel steigen. Wieso das schmerzlindernde Hormon ausgerechnet in dieser spannungsgeladenen Situation ausgeschüttet wird ist rasch erklärt. Nimmt das Gehirn eine Gefahr, Stresssituation (innere Anspannung, reizbedingte Nervosität) wahr, erhalten die Nebennieren das Kommando, blitzschnell Adrenalin auszuschütten. Der Neurotransmitter wirkt als Botenstoff und gibt das Signal von einer Nervenzelle zur nächsten weiter. Ein solcher Adrenalin-Boost entfaltet seine Wirkung im gesamten Organismus. Blutdruck und Herzfrequenz steigen, Bronchien und Pupillen weiten sich. Auch die Sauerstoff-Zufuhr ist erhöht. Automatisierte Mechanismen, die die Reaktionsschnelligkeit erhöhen indem Herz, Lunge, Muskeln und andere Organe in Alarm-Bereitschaft gesetzt sind, aber auch schmerzlindernd wirken und zu Höchstleistungen anspornen. Der Körper wird also vorsorglich in einen Art "Fight or Flight"-Zustand (Kampf- und Fluchtreflex entstammt der Evolutionsgeschichte des Menschen) versetzt. Dieser unwillentlich ausgelöste Mechanismus schafft die optimale Wettkampfvoraussetzung. Man fühlt sich leistungsstark, gewappnet für alles war kommen mag mitunter sogar regelrecht unbesiegbar. The body is ready to rumble - ergo keine Gnade für die Wade. Wahrlich ein berauschendes Gefühl das süchtig macht und seinen extatischen Höhepunkt im Ziel findet, was wissenschaftlich sogar bewiesen ist. Dies erklärt auch, warum Wiederholungstäter auf soviele bekannte Gesichter treffen.

Bevor der Countdown beginnt und sich große Feld in Bewegung setzt, ist akustisch reihenweise das Einrasten der Schuhplatten in die Klickpedale zu vernehmen. Drei, Zwei, Eins - Rumms! Die Spitze rast los, als gäbe es kein Morgen mehr. Nachdem der markerschütternde Böllerschuß das Rennen in der Kreisstadt Kelheim (Niederbayern) frei gibt, peitschen die bis in die Haarspitzen motivierten Sportskanonen die folgenden 24 Stunden um den Rundkurs. Naturgemäß dröselt sich in der Anfangsphase des Rennens das dichte Starterfeld in Gruppen und Grüppchen auf. Schon nach wenigen Umläufen kristallisiert sich allmählich ein Ranking heraus, deren Konstanz sich mit fortschreitender Renndauer zunehmend stabilisiert.

Berühmt-berüchtigter »Col de Stausacker«

Dass 24 Stunden-Racer ihren Organismus wie eine Zitrone ausquetschen und alles rausholen was Körper und Psyche zu leisten imstande ist, gilt trotz fehlender Preisgelder gemeinhin als Ehrensache. Der Rundkurs fordert sowohl am gefürchteten „Col de Stausacker“ als auch auf dem Flachstück im Altmühltal - sämtliche Streckenabschnitte werden ausgenommen von den Einzelfahrern normalerweise am Anschlag gefahren - jedesmal einen aufopferungsvollen Einsatz am Rand des Leistungsvermögens. Je nach aktueller Befindlichkeit empfindet man die Runde mal fies oder auch als geil (z.B. schnelle Rundenzeit), wobei ersteres wohl meistens überwiegen dürfte. Wird der Stausackerer Berg zum x-ten Mal schweißtreibend überwunden, stellt sich zu dem Quälgeist nicht selten das Gefühl einer zwiespältigen Hassliebe ein.

Der nie enden wollende Stausackerer Berg hat schon so manches Geschöpf weich gekocht und ihm den Zahn gezogen. Ohne sakrische Selbstüberwindung, Wettkampfhärte, unbeugsamer Willensstärke und Schmerztoleranz bis zum geht nicht mehr, lässt das Resultat einer Runde wohl zu wünschen übrig. In der Radsportszene ist es eine altbekannte Binsenweisheit, dass am Berg viel Zeit gutgemacht, aber eben auch viel Zeit liegen gelassen werden kann. Besonders auf dem letzten gefürchteten Zieher, der sich wie ein Kaugummi zum Scheitelpunkt in die Länge zieht tut es höllisch weh, wenn das "Gaspedal" durchgedrückt bleibt. Oben angekommen heißt es aufpassen, denn das Ende des Anstiegs markiert die wichtigste Schlüsselstelle der gesamten Strecke. Hier besteht die Chance sich in Gruppen einzureihen und wertvollen Windschatten zu ergattern - oder aber auch die größte Gefahr diesen Vorteil leichtfertig zu verspielen. Der aerodynamische Vorteil verspricht eine geschwindigkeitsabhängige Kraftersparnis von etwa 30 Prozent, wobei der Effekt bei starkem Gegenwind noch höher ausfällt. Bezogen auf die Gefäll- und Flachpassage ist für eine gute Rundenzeit ein reduzierter Luftwiderstand ausschlaggebend. 

Sonntag 14.00 Uhr - Bäääm, der Sack ist zu! Tschaka: das himmlische Paradies auf Erden ist Wirklichkeit geworden. Ein unvergesslicher Moment, bei der die gestresste Psyche und der geschundene Körper ihre "Payback-Karte" in Form einer unvergesslichen Glückshormonausschüttung erhalten. Allein für diesen unfassbaren Glücksmoment - bei dem nicht selten Freudestränen fließen - nimmt man die unsägliche Schinderei bis zur totalen Erschöpfung liebend gern in Kauf.  Dass man Höhen und Tiefen erlebt, gehört bei 24 Stunden Rennen einfach dazu. Hat der Finalsprint durch's Festzelt das Happy-End eingeläutet, wird als Lohn für die erlittenen Strapazen der extatische Glückshormonflash am Silbertablett serviert. Total erschöpft fällt man seinen Leidensgenossen überglücklich und erleichtert in die Arme und schwört an Ort und Stelle niemals sowas Verrücktes wieder zu tun. Gemeinhin ein Vorsatz von überschaubarer Dauer, da die felsenfeste Absicht wider Erwarten rasend schnell zu bröckeln beginnt. Dank des außergewöhnlichen Glücksgefühls dauert es nicht lange, bis der innere Zwang nach Wiederholung schreit. 

Die frenetische Stimmung in der niederbayerischen Donau-Stadt entlang der Feiermeilen-Hotspots, im Bierzelt und der Wechselzone lässt niemanden kalt. Ganz im Gegenteil, lautes Klatschen, wilde Gesten, Geschrei und Anfeuerungsrufe lösen im Eifer des Gefechts regelrechte Motivationsschübe aus. Umgekehrt springt der Zündfunke gleichsam auf die Fans über. Jene gefühlsbetonte Wechselbeziehung zwischen den unterschiedlich gepolten Akteuren macht im atmosphärischen Schmelztiegel letztlich das Salz in der Suppe aus. Wenn sich die "Gladiatoren" die Kante geben und am Rand der Leistungsfähigkeit auf Biegen und Brechen um Sekunden fighten, herrscht Ausnahmezustand. Gäb's ein sensorisches Stimmungsbarometer, dann würde das Messgerät wohl durch die Decke gehen. "Da geht's zu wie beim Sechs-Tage-Rennen, nur im Freien", sagt RSC-Ex-Vorstand Klaus Roithmeier: "Dazu trägt sicher auch unser umfangreiches Rahmenprogramm bei, mit Festzelt, Party und mehr...". 

Des einen Freud, des anderen Leid könnte man sagen. Während sich die einen bis zur totalen Erschöpfung verausgaben, bekommen die anderen im Gegensatz dazu eine unterhaltsame und spannende Liveshow - sprich Spektakel - geboten. Der Begriff Spektakel (lateinisch "spectaculum") trifft den Nagel auf den Kopf, da er mit Schauspiel, Augenweide, Anblick, Krach und Lärm ein Ereignis bezeichnet das großes Aufsehen erregt, was für den stimmungsvollen Hexenkessel mit seiner Volksfest-Atmosphäre haargenau zutrifft. Emotionen schlagen jedenfalls sowohl bei den Akteuren als auch Zuschauermassen hohe Wellen.

Wechselzone

Das eigentliche i-Tüpfelchen einer jeden Rennrunde ist die Fahrt durch's Bierzelt, bevor der Stoppbalken dem unbändigen Vortrieb ein jähes Ende setzt. Inmitten einer entfesselten Menschenmenge - goutiert von zünftiger Blasmusik - werden die Hasadeure jedes Mal auf's Neue vom Gänsehautfeeling ergriffen. Natürlich überträgt sich die Fetzengaudi unweigerlich auf die Hauptakteure, was nicht nur die Motivation anstachelt sondern dem Wettkampf eine gefühlsbetonte Note verleiht. Ein Bierzelt als integrativer Bestandteil eines Radrennens - so eine aufgeheizte Actionshow dürfte deutschlandweit wohl einzigartig sein. Dies bestätigt auch der 1. Vorstand vom Veranstalter RSC Kelheim Thomas Kellerer, der der Mittelbayerischen Zeitung ein Interview gab: „Dieser Hotspot mit den Fans bringt die einzigartige Stimmung und ein Alleinstellungsmerkmal des Rennens“.

In der Wechselzone herrscht stetes Kommen und Gehen wie im Taubenschlag. Knisternde Spannung liegt in der Luft, die Anspannung möglichst schnell seinen wartenden Teamkollegen auszumachen lässt sich an der Nervosität und schweißüberströmten Gesichtern unschwer ablesen. Ungeduldig warten die Fahrer zur "Wachablösung" auf ihren Teamkollegen, wobei sich bei der Staffelstabübergabe (i.d.R. eine Trinkflasche) mitunter erheiternde Szenen abspielen. Springt der schweißgebadete Ankömmling über den Stoppbalken, beginnt die nervöse Suche - akustisch begleitet von lautem Schreien - nach dem Teampartner, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. Der hektische Fahrerwechsel ist ist ein emotionsgeladener Moment, weil die Uhr auch im Stillstand unerbittlich weiter tickt. Das ungeduldige Warten auf die "Wachablösung" des Teamkollegen ist ein Ritual, das sich 24 Stunden lang wiederholt. Nach der Wechselstabübergabe entlädt sich für den Ankömmling schlagartig die Anspannung und das angeflutete Adrenalin, während der Gestartete unter tosendem Beifallsklatschen im Bierzelt entschwindet und in Sprintmanier beschleunigt. Nach Durchquerung des Mittertors wird Kurs auf den Stausackerer Berg genommen, um den Anstieg volle Kanone rauf zu heizen. 

Startgebühren

Team:

  • bis 28.02.2024 beträgt das Startgeld 400 Euro pro Team
  • bis 30.06.2024 beträgt das Startgeld 500 Euro pro Team

Einzel:

  • bis 28.02.2024 beträgt das Startgeld 150 Euro pro Teilnehmer
  • bis 30.06.2024 beträgt das Startgeld 180 Euro pro Teilnehmer

Online-Anmeldeschluss: 30.06.2024 23:59 Uhr

Startunterlagen

Die Startunterlagen können in Nähe Rathaus am Kelheimer Stadtplatz zu folgenden Zeiten abgeholt werden:

  • Freitag 12.07.2024 von 18:00 – 20:00 Uhr
  • Samstag 13.07.2024 von 09:00 – 12:00 Uhr

Sobald der Startschuß um 14.00 Uhr fällt, heißt es Feuer frei. Bereits auf der Einführungsrunde geht's ans Eingemachte, denn die schnellste Frau/Mann erhält den mit 100€ prämierten "Col de Stausacker-Bergpreis". Gemäß des Schlachtrufs des weltbekannten Boxkampfansagers Michael Buffer: „Let’s get ready to rumble“ nimmt das Spektakel 24 Stunden nonstopp seinen Lauf. Wer sich die kostenlose «Racemap App» auf's Handy lädt kann beim Live-Tracking die Fahrer live mit verfolgen.

Fahrerlager 

Der Veranstalter bietet grundsätzlich extra dafür ausgewiesene Bereiche/Plätze zur Einrichtung von sog. Fahrerlagern an. Strom (durch Verteilerkasten an den jeweiligen Plätzen) und sanitäre Anlagen werden in den offiziellen Fahrerlagern vom Veranstalter zur Verfügung gestellt.

Die Zuteilung der Plätze erfolgt nicht durch den Veranstalter. Das Abtrasieren des Platzes muss von den Teilnehmern selbst organisiert werden und die Fläche pro Team dürfen max. 3 Autoparkplätze entsprechen. Der Veranstalter bittet die Teilnehmer um Einhaltung von Fairplay und mit Maß und Ziel vorzugehen. Zu große oder zu früh abgesteckte Plätze können vom Veranstalter wieder entfernt werden.

Die vom Veranstalter extra zur Verfügung gestellten sanitären Anlagen sind neben den jederzeit nutzbaren öffentlichen Toiletten von Freitagmittag bis Sonntagabend geöffnet.

Öffnung der Fahrerlager

Alter Hafen: Dienstag, 09.07.2024 ab 18:00 Uhr

Aumühle-Parkplatz: Mittwoch, 10.07.2024 ab 18:00 Uhr

Niederdörfl-Parkplatz: Donnerstag, 11.07.2024 ab 18:00 Uhr

Aukofer-Gelände: Freitag, 12.07.2024 ab 18:00 Uhr

++Bayernbike wünscht allen Teilnehmern ein unfallfreies Rennen, starke Beine und ein erfolgreiches Finish!++