Radbeherrschung benötigt kognitive Ressourcen

Radfahren benötigt nicht nur Muskelkraft und Ausdauer, sondern auch geistige Potenz. Kaum einer ist sich dessen bewusst, dass Bewegungsmotorik und Konzentration ebenso Kohlenhydrate - als wichtigster Energielieferant - verbraucht wie unser Körper. Auch wenn fahrtechnische Bewegungsabläufe nur unterschwellig wahrgenommen werden, so läuft im Kopf dennoch ein energiezehrendes Neuronenfeuerwerk ab. Die kognitive Leistung wie z.B. Entscheidungsfähigkeit, Urteilsvermögen, Reflexe, Aufmerksamkeit, Balancegefühl, Koordinationsfähigkeit und Sehschärfe unterliegt - wie die Kraftausdauer auch - begrenzten Ressourcen. Da das menschliche zentrale Nervensystem (ZNS) - bestehend aus Gehirn und Rückenmark - über die Hälfte der täglich durch Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate verbraucht, setzen Extrembelastungen bzw. Nährstoffunterversorgung die Sinneswahrnehmung und Denkleistung herab. Demnach ermüden Radfahrer physisch wie kognitiv, was z.B. Konzentrationsschwäche verursachen kann. Verminderte Konzentration begünstigt wiederum Fahrfehler bzw. Fehleinschätzungen und verlängert überdies die Reaktionszeit. Weil ein schleichender Ermüdungsprozess kaum bewußt wahrgenommen und demzufolge der Fahrstil unverändert bleibt, steigt je nach Erschöpfungsgrad und den herrschenden Bedingungen (z.B. Nässe, Wind, Passabfahrten, Windschattenfahren) das potentielle Sturzrisiko.