Sehen und gesehen werden - eminent wichtig für die Sicherheit der Radfahrer

So reizvoll Radtouren im Herbst/Winter auch sein mögen, so birgt die kältere und niederschlagsreichere Jahreszeit gleichwohl ihre Tücken. Werden aber einige Grundregeln in Sachen Ausrüstung, Fahrweise und Materialpflege beachtet, braucht man jahrezeittypische Gefahren, Kälte, Wind und Wetter nicht zu fürchten. Genauso wie sich die Natur verändert bevor sie sich in den Winterschlaf begibt, sollte auch der Radfahrer entsprechend flexibel reagieren und seine Ausrüstung sowie sein Fahrverhalten den gegebenen Bedingungen anpassen. Häufig sind die Straßen nass oder glatt,  dazu die Sicht eingeschränkt und die Sichbarkeit wegen des diffusen Tageslichts für andere Verkehrsteilnehmer erschwert. Die Natur zum Vorbild ist letztlich die Anpassungsfähgikeit der Schlüssel, um sicher und erkältungsfrei durch die unwirtlichere Jahreszeit zu kommen.

Ungeachtet dessen, dass klirrende Kälte, pfeifender Wind, schauriger Regen und früh einsetzende Dunkelheit das Radfahren gelinde gesagt ungemütlich machen, steigt die Anzahl derer, die dem garstigen Wetter im Herbst und Winter buchstäblich die kalte Schulter zeigen beständig. Dabei wird die Zahl der hartgesottenen Ganzjahresfahrer durch die anhaltende Coronakrise noch gepusht, da sie einen regelrechten Bike-Boom ausgelöst hat. So vermeldet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) für das erste Halbjahr 2020 insgesamt 3.200.000 verkaufte Fahrräder und E-Bikes, was einer knapp zehnprozentigen Steigerung im Vergleich zum Vorjahr entspricht.


 

Nachdem die Bayerische Staatsregierung Indoor-Sport verboten hat (Indoor-Sportstätten bleiben geschlossen - einzig Schul- und Profisport sind im November in Innenräumen erlaubt), bleiben Outdoorakivitäten wie beispielsweise Radfahren im Rahmen des "Teil-Lockdowns" weiterhin erlaubt. Im Gegensatz zum ersten Lockdown, als gesellige Gruppenausfahrten zeitweise untersagt waren und man notgedrungen solo auf Tour gehen musste darf man sich aktuell allein, zu zweit oder mit bis zu zehn Personen aus maximal zwei Haushalte privat oder im Freien treffen.

Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Nahezu nichts ist mehr so, wie es einmal war. Keine Besuche von Freunden oder Verwandten, keine Reisen, Restaurant- Kino- oder Kneipenbesuche, keine Kultur- Konzert- oder Sportveranstaltungen - nichts geht mehr. Covid-19 hat uns voll im Griff. Angesichts der Corona-Schreckensszenarien, Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Angst vor Ansteckung, Jobverlust oder Vereinsamung usw. ist es wahrlich nicht einfach zuversichtlich zu bleiben bzw. dem destruktiven Pandemie-Blues zu entrinnen. Als wäre dies nicht alles schon genug, gesellt sich auch noch die ungemütliche Jahreszeit mit wenig Licht und Schlechtwetterperioden hinzu. Kein Wunder, dass einem dies auf's Gemüt schlägt. Dabei wäre positives Denken enorm wichtig für die Gesundheit. Angeblich soll sich durch eine optimistische Grundeinstellung die Lebenserwartung um bis zu 15% verlängern. Was liegt also näher, als nach Mittel und Wege zu suchen, die aus der lähmenden Stimmungstief-Spirale heraus führen. Oft sind es ja die kleinen Dinge des Lebens, die für Glücksmomente und gute Laune sorgen. Nutzen wir die gegenwärtige gesellschaftliche Vollbremsung als Chance, um innezuhalten, achtsam zu sein und die schönen Momente im Leben bewusst wahrzunehmen. Dazu braucht es keiner externen Hilfe von Gesundheitsaposteln, Psychologen, Motivationscoaches oder dergleichen. Stichwort Fahrrad und Naturgenuss. In diesem Sinne: Happy Ride!

Wann die Radsaison endet bzw. ob überhaupt der Off-Season-Button gedrückt wird entscheidet jeder für sich selbst. Auf alle Fälle spielt High-Tech-Thermokleidung und geeignetes Material dem spaßigen "Four-Season-Einsatz"gewaltig in die Hände. Optimal equiped, hat die Übergangszeit Herbst -  Winter - Frühjahr ihren Schrecken eines vermeintlich gefühlten "Survival-Charakters" schon längst verloren. Wenn’s draußen fröstelt und der Atem zu Gefrieren scheint muss der Speichenflitzer deshalb noch lange nicht in den Winterschlaf geschickt werden. 

Bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Umso garstiger aber das Wetter desto mehr ringt man mit sich selbst, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Ein Grau in Grau aus Wolken und tiefhängender Nebel verlangt schon einige Überwindung sich Aufzuraffen. Doch wie heißt es so schön: Geht nicht, gibt's nicht! Ergo runter vom Sofa, rein in die Radklamotten und rauf auf den Bock! Auch wenn's draußen regnet und stürmt und Petrus partout keine "Wohlfühlklaviatur" spielt, ist man im Nachhinein trotzdem froh, den inneren Schweinehund bezwungen zu haben. Die einfachste Kampfansage gegen lethargische Durchänger sind fixe Trainingszeiten mit Vereinskollegen oder Kumpels (indirekter Druck). Auch deswegen, weil Rückzieher sofort sarkastische Bemerkungen (Weichei etc.) nach sich ziehen. 

Ist der Körper erst mal auf Betriebstemperatur, bereut man seine Entscheidung bestimmt nicht mehr, im Sattel zu sitzen. Schließlich hält Bewegung an der frischen Luft fit, macht Laune und vertreibt Kummer und Sorgen. Dazu lässt die Aktivität im Freien den Wert des körpereigenen (Stress-) Hormons Cortisol im Blut sinken, bläst den Kopf frei, stärkt das Immunsystem und flösst neue Energie ein. Im Prinzip buchstäblich ein naturbelassener Gesundheits-Cocktail, dessen ganzheitlicher Wirkkomplex sogar nachhaltig anschlägt. Zumindest unter diesen Gesichtspunkten gerät jeder Indoorsport eindeutig ins Hintertreffen. Wer sein Rad für den Rest des Jahres quasi an den Nagel hängt und seine Aktivität ins Fitness-Studio oder in die eigenen vier Wände verlagert, um auf Smart- oder Home-Trainern stoisch seine Einheiten abzuspulen dem entgeht derweil ein bezauberndes Naturschauspiel von begrenzter Zeitdauer. Abgesehen davon, bietet die Zweirad-Industrie unverwüstliche Cross- und Gravelbikes an, deren breitbandige Hybridfunktion sich sowohl für den Straßen- als auch leichteren Geländeeinsatz eignet.  

Die Sportbekleidungsindustrie produziert modernste High Tech Materialien, die jedem noch so extremen Wetter effektiv Paroli bieten. Wer eine Tour mit Freunden des Wetters wegen absagt läuft mit der Ausrede unweigerlich Gefahr, sarkastisch als "Warmduscher" abgestempelt zu werden. Ganz unrecht haben sie mit dieser Floskel nicht, denn Thermotrikots, Hard- Softshell- Jacken, wasserdichter Friesennerz, Windstopper-Westen, Überziehosen, Handschuhe, Helmmützen und Winterschuhe spenden nunmal genügend Schutz, Eiseskälte und Nässe vom Körper fern zu halten.

Funktionskleidung

Ob Ruhepuls oder körperliche Anstrengung, ob 30 °C Hitze oder zapfige Minusgrade: Der menschliche Körper ist immer versucht, seine Idealtemperatur von etwa 37 °C zu halten. Ist ihm zu heiß, wird überschüssige Wärme in Form von Schweiß über die Haut abgesondert, um Verdunstungskälte zu erzeugen. Ist die Umgebungstemperatur zu niedrig steuert er durch Gänsehaut und Zittern gegen, um den Wärmeverlust auszugleichen.

Das A & O beim Radfahren ist, eine dem Wetter entsprechende Funktionskleidung mit guter Ventilation (z.B. Gore-Membran) zu tragen. An und für sich nichts Neues. Trotzdem setzen nicht selten unpassend gekleidete Radler ihre Gesundheit leichtfertig auf's Spiel. Dabei bewahrt nur ein winddichter, wasserdichter, atmungsaktiver und wärmender Schutz vor Infekten bzw. Erkältungskrankheiten. Wetterfeste, bequeme und atmungsaktive Radbekleidung, die vor feuchter Kälte abschirmt sowie Körperschweiß fernhält und für ein inneres "Wohlfühlklima" sorgt, gehört definitiv zur textilen Grundausstattung eines jeden Radfahrers. Da jeder Mensch ein subjektives Temperaturempfinden hat, ist das jeweilige Outfit individuell zusammen zu stellen. 

Eine gute Radbekleidung muss hohen Ansprüchen genügen. Manch atmungsaktive, winddichte und wasserabweisende Mikrofaser vollbringt schon fast ein Wunderwerk der Technik. Die textile "Schutzhaut" soll isolieren, wasserabweisend sein und gleichsam Feuchtigkeit von innen nach außen transportieren - sprich einen effektiven Luftaustausch gewährleisten. Zweckmäßige Sportklamotten halten durch ihre wasserdampfdurchlässige Funktion warm, weil sie eine Auskühlung selbst bei übermässiger Schweißbildung verhindern. Im Kern geht's darum, dass die Kleidungsschichten vor Wind und Wetter schützen, und durch effektiven Feuchtigkeitstransport für ein angenehmes, wohltemperiertes Körperklima sorgen. Erfüllen Sport-Textilien diese Anfordungen nur unzulänglich, geht mangelnder Tragekomfort rasch auf Kosten der Gesundheit.

Moderne Synthetikfasern nehmen keine Feuchtigkeit auf, und verfügen überdies windichte, wasserdiche, atmungsaktive, thermoregulierende, antimikrobielle, elastische und pflegeleichte Eigenschaften. In diesem Sinne lohnt es sich, für gute Qualität lieber etwas mehr Geld auszugeben. Markenhersteller sind gegenüber billigen No-Name-Produkten eine Nasenlänge voraus, da sie in aller Regel Vorreiter in Sachen Forschung, Entwicklung und Innovation sind, sodass der Kunde die Gewähr hat, ein Produkt mit hervorragender Funktionalität zu erwerben.

Die Herbstsaison ist gekennzeichnet vom wechselhaften Wetter, das bisweilen erhebliche Temperaturschwankungen aufweist. Deshalb artet die Kleidungswahl manchmal zur unschlüssigen "Sisyphos-Arbeit“ aus. Um für alle Eventualitäten (trocken, nass, warm, kalt, windig) gerüstet zu sein, muß man schon haargenau überlegen, in welcher Montur gestartet bzw. was sicherheitshalber noch so alles mitgenommen wird. Während es frühmorgens und abends recht zapfig sein kann, wird es dagegen tagsüber häufig mild oder bei Sonnenschein sogar spätsommerlich warm. Ein Umstand, der nach einer sorgfältigen Auswahl an Assesoires verlangt.

Sehen und gesehen werden

Sehen und gesehen werden sind zentrale Voraussetzungen für die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr. Die schmale Silhouette (von vorne und von hinten) ist hautpverantwortlich dafür, dass Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern relativ schlecht (spät) oder im Worse case Fall überhaupt nicht bzw. zu spät wahrgenommen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn schlechte Lichtverhältnisse wie beispielsweise Lichtreflektionen (nasse Straßen), eingeschränkte Sicht durch tiefstehende Sonne, Spritzwasser, Dämmerung oder Nebel herrschen. Umstände die sowohl die Sicht des Radfahrers als auch die Sicht der anderen Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt. Dessen sollte sich der Radfahrer ohne Knautschzone grundsätzlich bewußt sein. Gerade das empathische Hineinversetzen in andere Verkehrsteilnehmer schafft Verständnis für deren Fahrverhalten.

Unter allen Umständen rechthaberisch auf die Vorfahrt zu beharren (z.B. wenn rechtsabbiegende Fahrzeuge die Vorfahrtsberechtigung ignorieren), kann verhängnisvolle Folgen haben. Schließlich hält der Radler bei einer Kollision statt ein robustes Blechkleid seine fragilen Knochen hin. 

Andererseits sind Radfahrer den Gefahren bei Nichteinhaltung des vorgeschriebenen Seitenabstands (1,5 Meter) überholender Fahrzeuge hilflos ausgeliefert. Auch wenn die neue Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) von 2020 einen Mindestabstand 1,5 Metern vorschreibt, halten sich längst nicht alle Fahrzeuglenker daran. 

Wer heutzutage in der Dunkelheit ohne Licht Rad fährt, mag zwar "nur" ein Bagatelldelikt begehen, doch die Gefahr dabei übersehen zu werden oder selbst ein Hindernis oder Gefahrenstelle zu spät zu erkennen ist zweifellos extrem hoch. 

Neben den gesetzlichen Vorgaben für Lampen (Beleuchtungsvorschriften normiert der Paragraph 67a der Straßenverkehrszulassungsordnung) gilt das Augenmerk besonders der Kleidung mit Reflektorstreifenbesatz sowie diversen Accessoires, welche die Sichtbarkeit erhöhen, zu richten. Die preisgünstige Variante mit Signalwirkung ist im übrigen eine reflektierende Warnweste. 

Laut StVZO benötigen Fahrräder vorne ein weißes und hinten ein rotes Licht und jeweils Rückstrahler in den gleichen Farben. Wichtig: Das Frontlicht darf den Gegenverkehr nicht blenden, außerdem dürfen (LED-) Lampen nicht blinken sondern müssen konstant leuchten.