Die Waldmünchner Radrundfahrt – ein lohnenswerter Geheimtipp

Die 11. Waldmünchner Radrundfahrt bot sowohl für leistungsorientierte Cracks als auch Familien mit Kind und Kegel jede Menge Spaß und Entfaltungspotential. Recht bekannt ist die familiär geprägte Waldmünchner Radrundfahrt nicht unbedingt, umso mehr gilt sie als echter Geheimtipp. Von der abwechslungsreichen Streckenführung auf nahezu verkehrsfreien Nebenstraßen durch das Waldmünchner Urlaubsland, den Naturpark Oberer Bayerischer Wald und Oberpfälzer Wald waren die Teilnehmer hellauf begeistert. 

Das ständige Wechselspiel zwischen Qual, Genuss und Euphorie kennt der passionierte Rennradler ja zur Genüge. Dies ist bei dem kupierten Sägezahnprofil der Waldmünchner Radrundfahrt zumindest bei der 123 km langen Strecke nicht viel anders, außer dass sich das Rad der Emotionen noch einen Ticken schneller dreht und einer Langeweile quasi den Hahn abdreht bevor sie überhaupt aufkeimen kann. Wer neben der Kurbelarbeit ein wenig mit Zeit und Muße die Landschaft genoss, wurde mit tollen Eindrücken belohnt.

Während die A-und B-Strecke reichlich Höhenmeter aufsammelte, blieben Familien- und Genussradler auf den kürzeren Routen weitestgehend davon verschont. Je nach Ambitionen schwankte der individuelle Anspruch zwischen sportlicher Herausforderung und gemütlichem Sonntagsausflugscharakter. Da es frühmorgens noch einen kurzen Regenschauer gab, begab sich der bekannte Ultracycler Rainer Steinberger aus Pösing (Ultracycling AK-Sieger der WM "Glocknerman" 2018) erst um 10.30 Uhr auf die Strecke. Auch wenn die Wettervorhersage bescheiden war und es beim Start der ersten Gruppe (Mountainbiker) um 7.30 Uhr noch ein bisschen nieselte - was einige Freizeitaktivisten von der Teilnahme abhielt und veranlasste lieber das Bett hüten - freute es die unbeeindruckten Teilnehmer umso mehr, dass es - wie so oft entgegen aller Wettervorhersagen samt Niederschlagsradar - bis auf einige Regentropfen im Großen und Ganzen trocken blieb. Obendrein pendelten die Temperaturen nach der lang anhaltenden Hitzeperionde mit 18-22° im angenehmen Bereich.

Die schnellsten Fahrer absolvieren die lange Strecke (2000 hm) - je nachdem wie gut der rollierende Führungswechsel (Belgischer Kreisel) funktioniert - in rund 3:50 Stunden. Am Marktplatz von Waldmünchen feierten nach der Rückkehr 130 Rennradler und 120 Mountainbiker nach traditioneller bayerischer Sitte bei Speis & Trank ihren erlebnisreichen Tag.

Martin Frank, zweiter Bürgermeister der Stadt Waldmünchen richtete freundliche Grußworte ans Publikum. Er lobte die Leistungen der Radler und bedankte sich ausdrücklich für die perfekte Organisation und den unermüdlichen Einsatz der 40 köpfigen Helfermannschaft von Orga-Chef Franz Kistler. 

Dank ehrenamtlicher Vereinsarbeit lagen die Startgebühren - Kinder nahmen sogar kostenlos teil - auf einem erstaunlich niedrigem Preisniveau. Und wenn wir schon bei den Preisen sind: Bier, Radler, Weizen für 2€, Bratwurstsemmel 2.50 und Steaksemel 3.50 bzw. Kuchen und Kaffee jeweils nur 1.50 - wo gibt's das noch? Fazit: eine rundum gelungene Veranstaltung für die es sich durchaus lohnt auch eine weitere Anreise in Kauf zu nehmen. Nur einen Wehrmutstropfen gibt es: Für all diejenigen die sowohl Rennrad als auch Mountainbike fahren haben bei aller Freude über die tollen Strecken ein ernsthaftes Entscheidungsproblem: Rennrad oder Mountainbike? Da bleibt nur die Möglichkeit eine Münze zu werfen um der Glücksfee die Entscheidung zu überlassen.

First Come First Serve: die 12. Auflage der Waldmünchner Radrundfahrt findet am Sonntag, den 5. Juli 2020 statt!