Herbst adé - Hallo Winterzauber

Der meteorologische Winteranfang ist am 1. Dezember, während sich der kalendarische oder auch astronomische Winterbeginn nach dem Stand der Erde zur Sonne richtet (21. Dezember). An diesem Tag erreicht die Sonne ihre geringste Mittagshöhe am Horizont und gibt gerade mal rund acht Stunden Helligkeit, weshalb es auf der Nordhalbkugel der kürzeste Tag des Jahres ist. 

Sobald erste Nachtfröste einsetzen, Nebel die Landschaft verhüllt und atlantische Tiefdruckgebiete über's Land ziehen hört für manche der Spaß auf, sprich die Saison ist gelaufen. Die kaltnasse „Saure-Gurken-Zeit“ macht es einem auch wirklich nicht einfach seinen Allerwertesten lustvoll auf den Sattel zu schwingen. Logisch, dass einem bei klirrender Kälte und diffusem Licht die Lust vergeht, auf matschigem oder vereistem Untergrund herumzueiern. Je garstiger die Witterung, desto mehr schlägt es aufs Gemüt. Da braucht es einer gehörigen Portion Selbstüberwindung, um den Fuß vor die Türe zu setzen. Zu allem Überdruß kurbelt die lichtschwache Zeit die Produktion des Schlafhormons Melatonin an, weshalb die Antriebslust von Haus aus mau ist. In der kalten Jahreszeit ist die Verführung groß sich lieber drinnen im Warmen einzukuscheln. Dass diese Umstände dem inneren Schweinehund in die Karten spielen ist klar. Schließlich gaukelt einem der ungebetene Zeitgenosse verführerisch vor, dass die Komfortzone alternativlos sei. Steht die Entscheidung im Zwist über Für und Wider Spitz auf Knopf, hängt letztlich alles am seidenen Faden der Willenskraft ob man sich aufraffen kann.

Nullbock auf Winterbiken? Ist man zwiegespalten und hadert bei ungemütlichen Wettereskapaden mit sich selbst vermag der Gedanke, dass das Beste zum Schluss kommt ungeahnte Motivation freisetzen. Also, Schlamm drüber! Allein die Vorstellung, dass eine Endorphinausschüttung (körpereigenes Glückshormon) einen Stimmungswechsel auszulösen vermag und man sich im wohligwarmen "Home-Castle" verdientermaßen ein Verwöhnprogramm gönnt, sollte den inneren Schweinehund in die Schranken weisen. Kopfkino, indem man sich schon vorher auf das Hinterher freut ist zweifelsohne eine erstaunlich wirkungsvolle Selbsüberwindungstaktik. Ruft man sich noch das Wohlbefinden nach einer Dusche, einer heißen Tasse Tee oder Glas Glühwein beim entspannten Couching ins Gedächnis, dürften die Würfel für ein winterliches Outdoor-Intermezzo bestimmt leichter fallen. Ohne Fleiß eben kein Preis.

 Ein probates Hilfsmittel gegen lethargische Durchänger und mangelnde Entschlussfreude sind fixe Trainingszeiten mit Vereinskollegen oder vereinbarte Ausfahrten mit Kumpels. Zum einen machen gesellige Gruppenausfahrten mehr Spaß, zum anderen bauen "Roll-Out-Dates" psychologischen Druck auf, über den man im Nachhinein meistens sogar froh ist. Es soll ja Leute geben, die den sanften Tritt in den Allerwertesten brauchen, um in die Puschen zu kommen.

Winterradeln im Trend der Zeit

Während die einen ihr Gefährt winterfest einmotten schnellt die Anzahl derer die Wind, Eiseskälte, Einheitsgrau, Regen, Schnee und Graupelschauer die Stirn bieten ungeachtet dessen in die Höhe. Allen Unkenrufen zum Trotz bietet die unwirtliche Jahreszeit für lockere Ausfahrten im moderaten Belastungsbereich nicht nur ein inspiratives Erlebnis sondern ist in vielerlei Hinsicht sehr gesund. Zahlreiche wissenschaftliche Nachweise wie z.B. die Studie „Mobilität und Gesundheit“ von EcoLibro und der AG Mobilitätsforschung der Universität Frankfurt zeigte auf, dass Arbeitnehmer, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, durchschnittlich zwei Tage pro Jahr weniger krank sind als Auto- und ÖPNV-Nutzer. Wer ganzjährig das Fahrrad nutzt lebt gesünder als reine „Sommerradler“. Diese sind nämlich genauso häufig krank, wie Autofahrer und ÖPNV-Nutzer (etwas mehr als 5 Tage im Jahr). Bewegungsaktivität in frischer Luft hält fit, der Bewegungsapparat bleibt in Schwung und obendrein werden die Abwehrkräfte gestärkt. Rüdiger Reer vom Deutschen Sportärztebund (DGSP) sagt: "Das Immunsystem wird gefördert".

Im Prinzip beginnt das Naturerlebnis schon mit dem ersten Tritt auf die Kurbel. Weht erst mal ein Lüftchen um die Nase und hat der Körper seine Betriebstemperatur erreicht, lässt der Spaß bestimmt nicht lange auf sich warten. Überspitzt formuliert könnte man auch sagen: Feuer frei für die "Mehrfachprophylaxe" von Mutter Natur gegen Alltagsstress, Immunsschwäche, Winterdepression und sonstigen Wehwehchen. Bewegung an der frischen Luft macht nicht nur gute Laune sondern vertreibt im Gleichklang Melancholie, Kummer und Sorgen. Dazu lässt Aktivität im Freien den Wert des körpereigenen (Stress-) Hormons Cortisol im Blut sinken, bläst den Kopf ordentlich frei, stärkt das Immunsystem und flösst neue Energie ein. Im Prinzip buchstäblich ein ganzheitlich wirkender "Natur-Cocktail", der obendrein noch nachhaltig anschlägt. Etliche Studien aus hochrangigen Wissenschaftsmagazinen belegen: je mehr wir uns in der Natur bewegen, desto mehr steigt das psychische Wohlbefinden. 

So reizvoll (Schönwetter-) Winterausfahrten manchmal auch sein mögen, so birgt die kältere und niederschlagsreichere Jahreszeit gleichwohl ihre Tücken. Werden aber einige Grundregeln in Sachen Ausrüstung, Fahrweise und Materialpflege beachtet, braucht man Kälte, Glätte, Matsch, Schnee und Wind nicht zu fürchten. Ganz im Gegenteil, denn Radfahren auf glitschigem bzw. schneebedeckten Untergrund schärft die Sinne und trainiert die fahrtechnische Performance. Balancegefühl, Bewegungsdynamik, Körperspannung, Reflexverhalten, Reaktionsschnelligkeit - kurzum koordinative Fähigkeiten - werden bei wechselnden Bodenverhältnissen äußerst effektiv geschult. Von einer verbesserten Fahrtechnik profitiert man im übrigen generell, da kritische Situationen souveräner bewältigt werden was wiederum das Sturz- oder Unfallrisiko eindämmt.

Funktionelle Wintergarderobe 

Der sprunghafte Anstieg Hartgesottener, die sich vom Winter nicht abschrecken lassen ist in erster Linie der modernen Sportbekleidungsindustrie zu verdanken. Ohne leichte, wärmende und atmungsaktive High-Tech-Materialien wäre Outdoorsport besonders bei Minusgraden weit weniger angenehm. Eingemummelt in warmer Funktionswäsche, umhüllt von einer winddichten Softshell-Jacke bzw. wasserdichten Regenjacke und bestückt mit Handschuhe, Sturmhaube und Winterstiefel - schon perlt an dieser Schutzbarriere Kälte, Wind und Nässe ab. 

Bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. So abgedroschen die Phrase auch klingen mag, so bringt's der Spruch trotzdem kurz und bündig auf den Punkt. Will man unter Gleichgesinnten nicht als Warmduscher oder Weichei gelten, darf man auch bei Miesepeterwetter nicht kneifen. Adäquate Funktionsklamotten hebeln den Vorwand als glaubhafte Ausrede einfach aus. An sich ist es ja nichts Neues, dass wärmende Funktionskleidung mit guter Ventilation (z.B. Gore-Membran) das A & O einer gut sortierten Wintergarderobe ist. Schließlich schafft ein angenehmes Mikroklima auf der Haut die Grundvoraussetzung, um mit Frost und Nässe Burgfrieden zu schließen. Will man sich gegen Unterkühlung bzw. Erkältungskrankheiten schützen, führt an wetterfester Funktionskleidung kein Weg vorbei. Nicht zu warm und nicht zu kalt, zugegeben ist es gar nicht so einfach, für jedes Wetter genau die richtige Kombination des Outfits zusammen zu stellen. Doch auch wenn jeder ein anderes Temperaturempfinden hat so gilt immer der Grundsatz: wer sich unpassend gekleidet in die Kälte begibt, setzt seine Gesundheit leichtfertig auf's Spiel. 

Funktionsklamotten müssen hohe Anforderungen erfüllen. Atmungsaktive, winddichte und wasserabweisende High-Tech-Mikrofasern vollbringen mit ihren Multifunktionalitätseigenschaften dabei schon fast ein Wunderwerk der Technik. Die Genialität besteht im Luftaustausch, bei dem die Körperfeuchtigkeit zwar nach außen transportiert wird, andererseits aber keine Nässe nach innen dringt. Zweckmäßige Funktionsunterhemden halten selbst bei übermässiger Schweißbildung durch eine wasserdampfdurchlässige Membranfunktion einigermaßen trocken, was letztlich einen feuchtigkeitsbeschleunigten Auskühlungsprozess verhindert. Nur ein effektiver Feuchtigkeitstransport gewährleistet ein wohltemperiertes Körperklima und angenehmen Tragekomfort. Leider hat die Geschichte einen kleinen Haken, denn hochwertige Funktionsmaterialien sind nunmal nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Doch wer ausgerechnet bei der Funktionsbekleidung knausert und sich mit minderwertiger Qualität zufrieden gibt spart definitiv am falschen Ende, weil es schlicht und ergreifend auf Kosten der Gesundheit geht.

 Merinowolle verfügt geradezu ideale Eigenschaften in Sachen Feuchtigkeitstransport und angenehmen Tragekomfort. Das Naturprodukt eignet sich insbesondere als Funktionsunterwäsche, da das weiche, warme Material effektiv Feuchtigkeit transportiert und von Natur aus schmutzabweisend, wärmeregulierend, antibakteriell und äußerst hautfreundlich ist. Damit erfüllt Merinowolle eine ausgezeichnete Kombination aus Isolation gegen kalte Luft bei gleichzeitiger Atmungsaktivität. Die gekräuselte Wollfaserstruktur bildet Hohlräume, in denen die Luft zirkuliert und somit die perfekte Wärmeisolation bietet. Da Feuchtigkeit sehr gut gespeichert und nach außen abgegeben wird, wirkt Merinowolle temperaturausgleichend. Deshalb fühlt man sich stets von einem Wohlgefühl der Wärme umgeben. 

Mit Funktionsunterhemd, Fleecetrikot, Thermojacke, Windweste, warme Strümpfe, Winterschuhe, Handschuhe und Sturmhaube bleiben Nässe, schneidender Wind und Tiefsttemperaturen dem Körper fern. Clever nach dem Zwiebelschalenprinzip kombiniert, leiten übereinander getragene Kleidungsstücke Feuchtigkeit von der Haut ab und verhindern das Durchdringen von Kälte und Nässe. Schicht für Schicht gekleidet verhindert nicht nur, unnötig ins Schwitzen zu geraten und schottet von Wettereinflüssen ab, sondern ermöglicht unterwegs jederzeit einen unkomplizierten Kleidungswechsel vorzunehmen. Je nach Wetterlage kann man sich eines Kleidungsstücks entledigen oder eine "Zusatzschicht" anlegen. Abgesehen davon wirkt die Luft zwischen den einzelnen Kleidungsschichten als zusätzlicher Wärmeisolator.

"Off-Season" war einmal, denn warm eingepackt ist es eine wahre Freude lustbetont die Kurbel zu schwingen. Aus medizinischer Sicht spricht ohnehin nichts dagegen in der kalten Jahreszeit Sport zu treiben. Ganz im Gegenteil, es härtet ab und stärkt das Immunsystem, d.h. man radelt Krankheitserregern buchstäblich davon. Wer das Spaßpotential bei frostigem Winterwetter auf dem Cross- Gravel- oder Mountainbike über knirschendem Pulverschnee einmal für sich entdeckt hat, weiß das Naturerlebnis zu schätzen. Von der heißen Dusche und entspannendem Couching danach ganz zu schweigen. Also rein in die Klamotten, rauf auf den Sattel und ab ins Winter-Wonderland.