1.100 Teilnehmer der 12. »Welt-Kult-Tour« trotzen der nasskalten Herbstwitterung

Die 12. »Welt-Kult-Tour« ist Geschichte. Die Veranstaltung setzte im Reigen der RTF's in Bayern als beliebtes Radsport-Ereignis abermals einen glanzvollen (Saison-) Schlusspunkt. Erstmalig bot das Biketeam Regensburg am Samstag beim AOK-Familientag eine kommode E-Bike-Tour  an. Die Premiere der neuen 70 km-Strecke traf bei E-Bikern den Zahn der Zeit, weil die Fahrer sozusagen mit Gleichgesinnten unter sich waren und das sanfte Streckenprofil mit 565 Höhenmetern Anklang fand. Da diese Zielgruppe stetig wächst dürfte die Teilnehmerzahl der Pedelec-Piloten in naher Zukunft rapide zunehmen. E-Bikes sind in aller Munde. Demzufolge wurden 2018 mit knapp einer Million Pedelecs so viele wie noch nie in Deutschland verkauft. Dabei sind vor allem ältere E-Biker in aller Regel keine generellen Rad-Einsteiger, sondern blicken vielmehr meist auf ein mehr oder weniger langes Radlerleben ohne Akkuunterstützung zurück. Manche haben aus gesundheitlichen Gründen auf den fahrbaren Untersatz mit Hilfsmotor gewechselt, andere setzen aus Altersgründen auf die Stromer mit "künstlichem Rückenwind". Dem Fahrspaß tut dies freilich keinen Abbruch.

Die Schirmherrin des AOK-Familientag, Landrätin Tanja Schweiger, gab um 13.00 Uhr den Starschuß, wahrend 15 Minuten später für drei Familientouren (15, 25, 40 Kilometer) die Startfreigabe erfolgte. Willkommenes Angebot für Familien: Kinder starteten zum ersten mal kostenlos mit ihren teilnehmenden Eltern. Auch wenn es kurz zuvor noch regnete, blieben die wetterresistenten Radler von Niederschlag verschont. Landrätin Tanja Schweiger zollte den Teilnehmern Respekt und sagte: „Die Tapferen und Mutigen werden belohnt“.

Am zweiten Veranstaltungstag hieß es auf 5 Rennradstrecken von 60 bis 205 km für Freizeit- Hobby- und Amateur-Radsportler "Feuer frei". Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sollte als Schirmherrin der Welt-Kult-Tour bei ihrem morgendlichen Grußwort mit dem Appell Recht behalten, unbedingt pünktlich um 7.30 Uhr zu starten um der angekündigten Regenfront zu entgehen. Denn dieses Mal trafen die Wettervorhersagen (ausnahmsweise) sehr präzise zu. Wie angekündigt begann es im Start- Zielgelände in Burgweinting um 14.00 Uhr zu regnen. Bis zu diesem Zeitpunkt dürften zum Glück etwa 80 % der 1.100 Teilnehmer noch trockenen Fußes die Ziellinie überquert haben.

Wer später startete oder seine Tour super entspannt anging  bzw. länger an den Verpflegungsstellen verweilte lief Gefahr nachmittags in den Regen zu kommen. Aber auch diejenigen, die naß wurden ließen sich vom Niederschlag nicht im geringsten die Stimmung vermießen. Entscheidend war nur, mit entstprechender Schutzkleidung ausgerüstet zu sein.

Kurz nach 15.00 Uhr radelte ein gut gelauntes Senioren-Gespann tropfnass über die Ziellinie. Mit ihren schweren Trekkingbikes absolvierten sie die 100 km Runde quasi als finales Training für ihre anstehende Fernradtour von Hamburg nach Kaliningrad. Wir wünschen an dieser Stelle schon mal viel Spaß und wohlbehaltene Rückankuft von diesem ehrgeizigen Vorhaben.

Es gehört mittlerweile zur Selbstverständlichkeit, dass Oberpfälzer Radsportvereine zum Saisonabschluss an der familiär geprägten Welt-Kult-Tour teilnehmen. Demnach waren etwa 60 Radsportler vom SV Lupburg (Patenverein des Biketeam Regensburg) sowie 35 Teilnehmer vom Veloclub Ratisbona am Start. Auch die Firma Krones stellte mit 70 Fahrern ein ansehnliches Kontingent an Radsportlern. 

Bild oben: Markus Biersack vom Veloclub Ratisbona trug bereits das aktuelle Finishertrikot des Ötztaler-Radmarathons. Die begehrte Trophäe wurde am 1. September an erfolgreiche Finisher in Sölden (Ötztal) überreicht. Die WKT ist zwar eine Breitensportveranstaltung, die in erster Linie Hobby- Freizeitsportler, Familien und neuerdings E-Biker anspricht was trotzdem nicht  heißt, dass mitunter auch lizenzierte Radsportler zum Saisonausklang bei dieser RTF beherzt die Kurbel schwingen.

Fern des Medieninteresses geht die Tatsache ein wenig unter, dass regelmäßig auch Radsport-Amateure - ja sogar Profis aus der WorldTour-LIga an der »Welt-Kult-Tour« teilnehmen. So z.B. der Tour de France Teilnehmer Andreas Schillinger (aktuell Team <Bora-hansgrohe>). Des weiteren standen  Ex-Profi-Triathletin Sonja Tajsich, die Ultracycler-Brüder Bernhard und Rainer Steinberger (Pösing bei Cham) sowie der armamputierte Gerd Schoenfelder aus Kulmain im Landkreis Tirschenreuth (x-facher Goldmedailengewinner und mehrfache Paralympics-Weltmeister) in Burgweinting am Start. Hierbei spielt es auch eine Rolle, dass für Rennsportler zum Saisonende hin die Wettkampf-Veranstaltungen bereits vorüber sind, weshalb eine locker-flockige Ausfahrt durch die kupierte Naturlandschaft des Bayerischen Jura gut ins Trainingskonzept passt. 

Obwohl der Kelheimer Georg Fischer und der Regensburger Markus Biersack vom Veloclub Ratisbona e.V.) noch den anspruchsvollen Ötztaler in den Beinen hatten (44. / 165. Platz von 4.000 Teilnehmern) stellten sie nichts desto trotz ihre Hochform eindrucksvoll unter Beweis. Mit Alexander Heimler aus Fensterbach (Landkreis Schwandorf) im Bunde überquerte die dreiköpfige Führungsriege nach 205 km und 2.250 Höhenmeter um 13.30 Uhr die Ziellinie, was einer Schnittgeschwindigkeit von 35.6 km/h entsprach.

Den angebotenen Service des Bekleidungsrücktransports nahm kaum einer in Anspruch, weil die Temperaturen herbstlich kühl blieben. So trennte sich kaum einer von seinen wärmenden Ärmlingen, Langarmtrikot, Windweste oder Regenschutz. 

Während die Marathonfahrer (205 km) in Weltenburg sich von den 175 Kilometer-Aspiranten trennten, war die Führungsgruppe für den Fährmann in dem Ausflugsort wohl ein wenig zu schnell. Die ersten Fahrer erreichten nach 36 Kilometer und 400 Höhenmeter bereits um 8.30 Uhr das Donauufer (Stundenmittel 36km/h) in Weltenburg. Dies war für den Fährmann wohl doch ein wenig zu schnell, denn die Gierseilfähre ankerte noch seelenruhig auf der gegenüberliegenden Uferseite. Die "Race-Fraktion" nahm es mit Humor und Gelassenheit, schließlich ist die familär geprägte und breitensportorientierte »Welt-Kult-Tour« eine radtouristische Veranstaltung ohne offizielle Zeitnahme. 

Randnotiz: Ultracycler Bernhard Steinberger (im Bild rechts) nahm nicht an der WKT teil, weil er sich als Vereinsmitglied bei Kallmünzer Labe pflichtbewußt als Helfer zur Verfügung stellte. Sowohl er als auch sein Bruder Rainer nahmen bereits mehrmals an der WKT teil. Zu den Steinberger Briada

Wie das eben so ist bei Vereinsveranstaltungen geht ohne ehrenamtliches Engagement gar nichts. So sorgten 200 Helfer hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf.

Auf gut bestückten Verpflegungsstationen (Bild oben Staussacker) herrschte wie üblich beste Stimmung. Hier findet nicht nur der Energienachschub der Teilnehmer statt der die Physis wieder aufpäppelt, sondern zwischenmenschlicher Kontakt in Form von Small Talks gibt der Psyche - sprich Willenskraft - neuen Elan. Beides können fleißige Radler gut gebrauchen, denn frisch gestärkt und gut gelaunt lässt sich das nächste Etappenziel motivierter unter die Räder nehmen. 

Bild oben: schön wenn man als Teilnehmer seinen "persönlichen" Wasserträger hat. 

Bei KM 84 bzw. KM 114 (Marathon) erwartet die hungrigen und durstigen Gäste in Kallmünz wie zuvor in Staussacker eine ausgesprochen freundliche Helfermannschaft. 

Bevor die Getränkestelle Eilsbrunn erreicht ist, stehen vom Tal der Schwarzen Laber auf dem Eilsbrunner Berg einige Höhenmeter auf dem Programm.

Neben der Getränkeauswahl gibt es Energieriegel, Bananen, Fruchgummis damit der Blutzuckerspiegel im Pegel bleibt.

Kurze "Lagebesprechung" mit interessierten Zaungästen, die wissen wollten wo man herkommt und wie die Tour weiter verläuft. 

Der "Verpflegungstempel" in Oberndorf kredenzt so ziemlich alles was der Körper nach der Ausdauerleistung benötigt.

Die "Beste-Laune-Stimmung" zieht sich wie eine aneinander gereihte Perlenkette über alle Verpflegungsstellen. 

Dank der Scheune beim Gasthof Berghammer hatte man in Oberndorf ein trockenes Dach über dem Kopf.

Frisch gestärkt ging es entlang der Donau bis zur Walba in Unterirading. Dort zweigt die Strecke rechts nach Graßlfing ab und fordert bis Grossberg auf gut 100 Höhenmetern nochmals nach Wadenschmalz. 

Abschließend wurden die drei kilometerstärksten Vereine und Firmenteams mit einem Pokal prämiert. Dazu gab es noch bayerische Schmankerl von der Brauerei Bischofshof, die von der Oberpfälzer Bierkönigin überreicht wurden. 

Armin Wolf - samt Ehegattin selbst Mitglied im Biketeam Regensburg - moderierte in gewohnt unterhaltsamer Atmosphäre die Preisverleihung. Die erfreulichste Nachricht vermeldete Biketeam-Vorstand Peter Lammel, da keine Unfälle bzw. Verletzte zu beklagen waren.

Veloclub - Präsidentin Barbara Wilfurth (Veranstalter des Arber-Radmarathon) weilte nebst Ehegatte sowie Sponsoren wie z.B. Susanne Horn, Geschäftsführerin der Brauerei Bischofshof im VIP-Zelt.  

Bild oben v.l.: Gudrun Lammel, Peter Lammel (Vereinsvorstand Biketeam Regensburg), Bürgermeisterin von Regensburg Frau Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Nach der »Welt-Kult-Tour« ist vor der »Welt-Kult-Tour«. Die 13. Ausgabe findet am 5./6. September 2020 statt.