WOIDMAN lockt über 500 Teilnehmer ins idyllische Dreiburgenland

Nachdem der WOIDMAN 2019 ausfiel (Windbruch) und 2020 sowie 2021 coronabedingt zweimal verschoben wurde, ging der 9. WOIDMAN am 28./29. August endlich über die Bühne. 

In den Rennen wurden nicht nur die Bayerischen Meister im Mountainbike-Marathon ermittelt, sondern der RSC Tittling kürte dazu den frisch gebackenen "WOIDMAN" bzw. "WOIDGIRL". Überdies gab's tagszuvor erstmals einen Traillauf.

Der monetäre Anreiz war nicht ohne, da an die besten Mountainbiker und Läufer ein Preisgeld von ingesamt 2600 Euro ausgeschüttet wurde.

Rund 350 Mountainbiker ließen sich von der schlechten Wetterprognose nicht abschrecken, am WOIDMAN in Thurmansbang (Lkr. Freyung-Grafenau) im Bayerischen Wald teilzunehmen. Immerhin nahmen an beiden Veranstaltungstagen gut 500 Mountainbiker und Läufer an der weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Sportveranstaltung teil. 

Startgelände

Das verlagerte Start- Zielgelände befindet sich in Thurmansbang (494 m ü. NHN) vor der Schule im Ortszentrum. Streckensprecher und Mitorganisator Christian Riesinger hält dort die Zuschauer mit aktuellen Infos am Laufenden. Sowohl bei den Startaufstellungen als auch bei den Zieleinläufen kam prickelnde Rennatmosphäre auf. 

Praktischerweise befinden sich im Schulgebäude Duschen und Toiletten. Ein bekanntes Sprichwort besagt, wer zu langsam ist den bestraft das Leben. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, denn die meisten verschmutzten Fahrer mußten mit einer kalten Duschen Vorlieb nehmen. Die fangobepackten Racer nahmen's mit Humor und verbuchten die unangenehme Kaltwasserdusche als gesunde Abhärtung zur Stärkung des Immunsystems. 

Die größte Überraschung lieferte der "launische" Wettergott, denn nach zwei morastigen Schlammschlachten 2018 und 2020 ließ Petrus trotz der regnerisch-kühlen Sommerbilanz (niederschlagreichster Sommer seit zehn Jahren in Bayern) entgegen schlechter Wettervorhersagen zeitweise sogar Sonnenstrahlen durchblinzeln.

Trailrun & WOIDKIDS 

Der Renntag vor dem Marathon bietet dem Nachwuchs die Gelegenheit, sich auf einem separaten, beschilderten Rennkurs in den Altersklassen U5, U7, U9, U11 und U13 zu messen. Mehr als 50 Kinder starteten am Samstag beim "Woidman Kids" und drückten dem teils aufgeweichten Wald- und Wiesenboden ihren (Stollen-) Stempel auf. 

Bereits am Samstag hatte der RSC Tittling im Rahmen des "Woidman" erstmals einen spannenden Trailrun am Skihang von Thurmansbang durchgeführt. Mehr als 100 Läufer standen bei der Premiere am Start und bewältigten die 22 oder 35 Kilometer lange Waldroute bravorös. Das ständige Auf und Ab auf wurzeligen Trails ließ zu keiner Zeit Langeweile aufkommen. Selbst Top-Läufer waren gefordert. Die Strecke verlief via Aussichtsturm Ochsenstiegel, Loderberg nach Diebstein, wo die Teilnehmer von zahlreichen Fotografen in einem kurzen Felsentrail erwartet wurden.

Früh übt sich wer ein Champion werden will. Diesem Vorsatz folgten die WOIDKIDS in den Klassen U 5 bis U 13 und zeigten dementsprechend vollen Einsatz. Wenngleich es anstrengend war, hatte der Nachwuchs bei den Rennen sichtlich seinen Spaß.

Mit Schlammpassagen kamen die Kids bestens zurecht. Wo sonst dürfen Kinder mit Erlaubnis der Eltern in der Natur frisch frei fröhlich ihre (überschüssige) Energien los werden, ohne Rücksicht auf verschmutzte Kleidung nehmen zu müssen? 

Eltern hatten mit ihren Zöglingen nicht minder Spaß an der Freud. 

WOIDMAN

Am Sonntag erfolgte um 9.00, 10.30 und 11.30 Uhr für die Lang- Mittel- und Kurzdistanz der Finalcountdown des WOIDMAN MTB Marathon. Das Renngeschehen spielt sich in einer Höhenlage zwischen 425 und 600 Metern ab, womit das dicht bewaldete Dreiburgenland im Landkreis Freyung-Grafenau ideale Offroadbedingungen bietet. Exkurs: die Südroute der Trans Bayerwald durchquert den Nationalpark-Ferienland Bayerischer Wald bzw. das Dreiburgenland. Auch wenn die Höhenunterschiede auf den ersten Blick marginal erscheinen und gerade deswegen manchmal leichtfertig unterschätzt werden, so können die Athleten auf drei leistungsabgestuften Strecken gemäß dem Motto "steter Tropfen hölt das Bein" sehr wohl ans Leistungslimit gehen und sich ordentlich die Kante geben. Selbst MTB-Cracks wie beispielweise die Siegerin der Mitteldistanz, Lea Kremsreiter aus Waldkirchen kann vom zermürbenden "Wadl-Burner" ein Lied singen. Gegenüber der "Heimatsport" sagte die frisch gebackene Bayerische Meisterin freudestrahlend, aber auch sichtlich gezeichnet: "Ich bin selten so ein hartes Rennen gefahren".

Der WOIDMAN genießt in der Community einen prestigeträchtigen Stellenwert, weswegen die Zahl der "Wiederholungtäter" erstaunlich hoch ausfällt. Aus dem Veranstaltungskalender ist der WOIDMAN jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Wer Race-Gene im Blut hat kann sich im Kampf gegen die Uhr unter Seinesgleichen mit vergleichbarer Performance messen. 

Das Streckenprofil ist anspruchsvoll - keine Frage. Um sich erfolgreich durchzubeissen fährt man nicht gegen die Strecke sondern arrangiert sich mit der speziellen Streckencharakteristik. Nur wem es gelingt, im Rhythmus am Rand der maximalen Leistungsfähigkeit gleichmäßig durchzuziehen - sprich die körperlichen Ressourcen über die Renndistanz verteilt clever einteilt - und dazu die rasanten Abfahrten gekonnt meistert, dem bleibt ein erfolreiches Finish beschieden.

Der abwechslungsreiche, flowige Streckenverlauf macht super Laune, die Orga ist perfekt und die Strecken- und Verpflegungspersonal ausgesprochen hilfsbereit und freundlich. Dass das Teilnehmerfeld hochklassig besetzt ist dürfte sich längst herum gesprochen haben. In der Königsklasse über 88 Kilometer und 2300 Höhenmetern gelang dem Vorjahressieger Jakob Hartmann aus Rosenheim ein siegreicher Husarenritt, was bislang allen WOIDMAN-Titelträgern versagt blieb: er schaffte die erfolgreiche Titelverteidigung. Und das, obwohl er vom Vortag den ultraharten Nationalpark Bike-Marathon (Schweiz) mit 141 Kilometer und 4.000 Höhenmeter in den Beinen hatte (411 Starter → 7. Platz). Angesichts der feuchtnassen und mitunter glitschigen Bodenverhältnisse brannte er in der Langdistanz (88 Kilometer / 2300 Höhenmeter) eine Fabelzeit von 4:02:29 Stunden in den Erdboden (Ø - Geschwindigkeit knapp 22 km/h). Angesichts des enormen Leistungsniveaus der Lizenzfahrer gibt's beim WOIDMAN für Hobbyisten zwar keinen Blumentopf zu gewinnen, doch den Spaß an der Freud schmälert es in keinster Weise.

Die kompakte Leistungsdichte rührt von daher, weil viele Lizenzfahrer - angereist aus ganz Bayern sowie darüber hinaus - sich verbissen um die Bayerischen Meistertitel batteln. Zudem werden die Rennen im Rahmen des Sparkassen-Cup, der Mountainbike-Challenge sowie des Bayerwald MTB Cup ausgetragen, was zusätzliche Leistungsanreize schafft. All dies ruft hochkarrätige Radmarathon-Asse auf den Plan, deren Leistungswerte schon fast an das Niveau von MTB-Profis heran reichen. Also nicht verzagen, wer sich in der Ergebnisliste weiter "unten" wieder findet. Es offenbahrt nur die unverblühmte Erkenntnis, wieviel Luft noch nach oben ist.

Gleich vom Start weg wird mit Karacho Richtung Aussichtsturm am Ochsenstiegl knapp 100 Höhenmeter rauf gebrettert, flott durchs Unterholz gejagd, steile Downhills hinab gezirkelt, über (Wurzel-) Pfade und Wege zum Loderberg getigert und weiter in den Saldenburger Wald geballert. Dabei wäre in der Anfangsphase dosiertes Tempo nicht verkehrt, denn wer überdreht und seine Körner verschießt büßt für seine übermotivierte Fahrweise hinten raus qualvoll. Wer Top-Ten-Platzierungen anpeilt, lässt Verpflegungsstellen entweder links liegen oder füllt eiligst nur seine Trinkflasche auf und schnappt sich in der einen Energiehappen, der anschließend in Schnappatmung hinabgewürgt wird. Dass da keine Muße für Naturschönheiten bleibt versteht sich von selbst. Der Fokus richtet sich allein auf den verwinkelten Streckenverlauf bzw. dessen Ideallinie, was besonders für knifflige Abfahrten wichtig ist. Geringste Konzentrationsmängel können in der Botanik unvermittelt sogenannte "Airtime" verschaffen. Apropos Stürze: bis auf einige harmlose Schürfwunden und ein Krankenhaustransport (ambulante Behandlung) blieben die Rettungskräfte "arbeitslos". 

Der Routenverlauf lässt sich trefflich mit einem Wort beschreiben: brutalschön, oder wie man unter Freunden im Szenenjargon zu sagen pflegt: megageil. "Schön" im Sinne des flowigen Streckenverlaufs in unberührter Naturkulisse, "brutal" im Sinne nicht enden wollender Anstiege, fieser Rampen und mühsamer Schiebepassagen. Die beinharte Challenge lässt in Schnappatmung jedenfalls nicht den Hauch einer Langeweile aufkommen.

Ein dickes Lob verdienen die Streckenmarkierer: die großen, roten Richtungspfeile (rund 500 Schilder wurden platziert) waren von weitem sichtbar. Zudem vermittelten rotweiße Absperrbänder und auffällig orange Klebebänder zu jeder Zeit die beruhigende Rückmeldung, sich auf der richtigen Route zu befinden.

Ebenso ein Lob an den Streckenplaner, der jedesmal ein derart verwinkeltes Streckengeflecht aus dem Hut zaubert, dass einem bei der Hatz durch die Botanik schon fast schwindelig wird. Kein Hang oder Abhang wird im engen Radius ausgelassen verbunden mit der Konsequenz, dass sich so gut wie keine Verschnaufpause bietet - von der Seeumrundung mal abgesehen. Das stetige Auf und Ab auf Wald- und Wiesenwegen sowie wurzelige Trailpassagen vom Feinsten erfordern im Highspeed-Modus satte (Watt-) Power sowie brilliante Fahrtechnik mit feinem Fingerspitzengefühl. Je nach Belastungsintensität und Wettkampfdauer saugt das hügelige Streckenprofil zunehmend letzte Kraftreserven aus dem Tank bzw. den Beinen, bis es im Worse-Case-Fall manchem den Stecker zieht.

Dass die Psyche entsprechend des knackigen Streckenprofils im Gleichklang eine Achterbahnfahrt mit Ups & Downs widerfährt gehört zur Normalität eines Mountainbike-Rennens. 

WOIDGIRL & WOIDMAN

Jeweils die schnellste Dame der 55 km Strecke sowie der schnellste Mann der 88 km Strecke bekommen für 1 Jahr den Titel »WOIDGIRL« bzw. »WOIDMAN« verliehen.

Bild: WOIDMAN & WOIDGIRL vereint auf dem Siegerpodest. Das "Woidgirl 2021" - die 22 jährige Lokalmatadorin Lea Kremsreiter aus Waldkirchen (sie ist auch frisch gekürte Bayerische Vizemeisterin ihrer Altersklasse im Cross Country) - verwies Michaela Barz-Herold aus Neureichenau und Luisa Beck aus Kelheim auf die weiteren Podestplätze. Sie ist - wie Jakob Hartmann aus Rosenheim - neue Bayerische Meisterin. Denselben Titel errang auch Leonie Altenstraßer (RSC Waldkirchen) in der Wertungskategorie U17.

Nachdem von rund 350 Gemeldeten 199 erfolgreich finishten beträgt die Ausfallquote 43%: 

  • 33 Kilometer (53 Finisher)
  • 55 Kilometer (86 Finisher)
  • 88 Kilometer (60 Finisher)

Bayerische Meister 2021 (MTB-Marathon)

  • U15 w/m: Filomena Klug (Ghost Junior Team)und Nico Weixler (Lindenberg)
  • U17 w/m: Leonie Altenstraßer (RSC Waldkirchen) und Nils Schmidt (Wildpoldsried)
  • U19 m: Moritz Rossner (Nürnberg)
  • Frauen: Lea Kremsreiter (Wiesenbach/Waldkirchen)
  • Herren: Jakob Hartmann (Rosenheim)
  • Masters: Thomas Keßler (Ski&Bike Deggendorf)

Fazit

Nicht nur die Sportler waren mit dem faszinierenden wie gleichsam anspruchsvollen Streckenlayout samt Drumherum zufrieden, sondern die Macher vom RSC Tittling selbst zogen ebenso ein positives Fazit. Dass Stürze relativ glimpflich abgingen freute alle Beteiligten. Demzufolge sah man am Wochenende in Thurmansbang viele glückliche Gesichter. Trotz des hammerharten Rennens und körperlichen Verausgabung - ob mit oder ohne Sturzblessuren - strahlten die Ankömmlinge bei der Zieleinfahrt um die Wette. Happy Faces - wohin man schaute. Im Ziel herrschte sowohl beim Bürgermeister und Schirmherr Martin Behringer als auch dem Helferteam, Feuerwehrleute, Polizisten, Berwachtler und Sanitäter beste Stimmung. 

Für all jene, die am WOIDMAN noch nicht teilgenommen haben sollten das Race-Event unbedingt auf ihre Bucket List 2022 setzen.