Katastrophale Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen

Aus einer aktuellen Studie des Online-Vergleichsportals billiger.de geht hervor, dass Münster bei Fahrraddiebstählen - von 100 untersuchten Städten in Deutschland - den unrühmlichen ersten Platz einnimmt.

Auch Regensburg wird von der Studieninitiative mit 1 638 gestohlenen Zweirädern (Platz 15) - umgerechnet auf 100 000 Einwohner - als Stadt mit <Hohem Diebstahlsrisiko> eingestuft. Signifikant die hohe Diebstahlsquote im Vergleich zur Oberpfalz. Demnach werden im gesamten Regierungsbezirk allein 60% der Räder im Stadtgebiet Regensburg entwendet.

Der Oberpfälzer Polizeipräsident Gerold Mahlmeister rät zu effizienten Schutzmaßmahmen wie z.B. Verwendung stabiler Schlösser - fixiert an robusten Haltepunkten - und sichere Abstellorte zu wählen. Fast eine Verdoppelung des Diebstahlsaufkommens gegenüber 2014 (860 Raddiebstähle) gibt Anlass zu Sorge, wobei die miserable Aufklärungsquote -(bundesweit 9.1%) den Langfingern zudem in die Hände spielt. Um der ausufernden Kriminalität Einhalt zu gebieten stellte die Polizei in Regensburg die sechsköpfige Ermittlungsgruppe <Fahrrad> auf.

Es gibt aber auch erfreuliches zu berichten. So zählen vier Ostbayerische Landkreise zu den <Top 30 der sichersten Landkreise>: Freyung-Grafenau (Platz 1), Regen (Platz 4), Cham (Platz 20) und Tirschenreuth (Platz 21). Im Bundesländervergleich landet Bayern auf Platz 13, womit statistisch betrachtet ein "Geringeres Diebstahlsrisiko" herrscht. 

Im Schnitt wird in Deutschland alle 90 Sekunden ein Fahrrad geklaut. So wurden 2014 im Bundesgebiet insgesamt 340 000 Räder entwendet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies eine Steigerung von 7.2 %. Professionell organisierte Diebesbanden haben technisch wie logistisch aufgerüstet und knacken selbst widerstandsfähigste Falt- und Bügelschlösser in Sekundenschnelle. Gegen brachiales Brechwerkzeug wie Bolzenschneider oder hydraulische Scheren ist kein Kraut gewachsen.

Besonders dramatisch: Fahrräder werden längst nicht mehr nur im öffentlichen Raum gestohlen, sondern die Diebe brechen skrupellos in Kellerräume, Garagen und Zweiradgeschäfte ein. Im Fokus stehen dabei vor allem teure Zweiräder. Ob edle Rennräder, Mountainbikes, Citybikes oder E-Bikes – geklaut wird alles, was sich über das Web gefahrlos umsetzen lässt. 

Der verursachte gesamtwirtschaftliche Schaden ist immens. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt, vergüteten Versicherungen 2014 für 210 000 versicherte Räder eine Summe von 100 Millionen Euro.

Berlin, Köln, Hamburg, Düsseldorf, Freiburg, München, Regensburg, Karlsruhe oder Münster: Wo viel geradelt wird, werden vorzugsweise in der Radsaison auch viele Räder gestohlen. Aber nicht nur dort, sondern auch in ländlichen Gebieten sind Zweiräder alles andere vor den Langfingern sicher. Diese Tatsache wurde bekant, als erstmals eine Datenauswertung zu Fahrrad-Diebstählen auf dem Land erfolgte. Das Landkreis-Ranking offenbarte ein erhöhtes Diebstahlsrisiko vor allem dann, wenn der Landkreis an eine benachbarte städtische Klau-Hochburg grenzt. Kaum zu glauben, aber die Diebstahlsrate in den betroffenen Landkreisen bewegt sich tatsächlich auf Großstadt-Niveau. 

Laut Polizeistatistiken zählt die miserable Aufklärungsquote von weniger als 10% mit zur niedrigsten aller Delikte. In manchen Bundesländern bzw. Stadtstaaten liegt sie gar unter 5%. Die Chancen sein Rad wieder zurück zu bekommen stehen im Schnitt also bei 1:10 bzw. in manchen Gegenden sogar nur 1:20. Alarmierend, wenn bundesweit nur jeder zehnte Täter gefasst wird, was die kriminellen Machenschaften sicher nicht eindämmt. Einfache Beutezüge, hohe Profite und geringes Fahndungsrisiko sind Faktoren die Fahrraddiebstähle eindeutig begünstigen. Ganoven haben eine strafrechtliche Verurteilung kaum zu befürchten, d.h. ein Abschreckungseffekt besteht schlicht und ergreifend keiner.

Eine beängstigende Entwicklung, der sich Zweiradbesitzer ohnmächtig ausgeliefert fühlen. Insofern auch kein Wunder, wenn die Bevölkerung der kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit wenig Vertrauen schenkt. Immer mehr Geschädigte handeln deshalb in Eigenregie und versuchen ihre gestohlenen Räder über Webportale wie www.fahrrad-gestohlen.de oder Facebook-Seiten wie  „<Stolen Bikes Berlin> wieder aufzustöbern. Wie dreist und unerschrocken Diebe agieren zeigt ein prominentes Beispiel: dem Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele wurde trotz videoüberwachten Platz vor dem Kanzleramt sein Rad geklaut. Ströbele wandte sich wohlweislich nicht an die Polizei sondern schlauerweise an Fahrradkuriere, denen er einfach ein Flugblatt samt Fahndungsfoto in die Hände drückte. 3 Tage später kam telefonisch die erlösende Nachricht, dass Kuriere sein Rad auf einem Flohmarkt in Kreuzberg sichteten. Für einen Bagatellbetrag kaufte er dann sein eigenes Rad zurück.

Die Polizei begründet die grottenschlechte Aufklärungsquote mit Personalmangel und Delikt-Prioritäten, wo Fahrraddiebstahl tatsächlich nur nachrangig eingestuft ist. Dazu der ADFC – Vorsitzende Ulrich Syberg (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub): „Radklau ist ein Massendelikt, das der Staat allerdings bagatellisiert“. Dass akuter Handlungsbedarf besteht, steht außer Zweifel. Insofern ist die Politik gefordert, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um der Lage Herr zu werden. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundesfraktion Burkhard Lischka aus Magdeburg fordert Informationen zentral zu erfassen und auszuwerten, weil man es zunehmend mit gut organisierten Banden zu tun hat: „Nur so lassen sich bandenmäßige Strukturen, regionale Schwerpunkte, Tatmuster und Absatzwege erkennen“. Auch andere Politiker sind der Meinung, dass die Koordinierungsstelle <Organisierte Kriminalität> beim Bundeskriminalamt signifikant ausgebaut und personelle Kapazitäten mindestens verdoppelt gehören.

Dass die Polizei in manchen Regionen vor dem massenhaften Raddiebstahl mittlerweile regelrecht kapituliert gesteht ein Berliner Ermittler: „Wir können Fahrraddiebstahl nur noch verwalten“. Die Ermittlungsarbeit vor Ort erschöpft sich im Anlegen eines Aktenzeichens sowie ein Standardschreiben an die Geschädigten mit dem Hinweis, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde. Dort heißt es in dem Formular: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass diese Meldung aus Rationalisierungsgründen nicht unterschrieben ist“. Eine Tatbestandsaufnahme geschweige Spurensicherung am Tatort fällt also dem Personalmangel – sprich Rotstift - zum Opfer. Für Radfahrer alles andere als beruhigend.

Doch es gibt auch Lichtblicke. So liegt die Aufklärungsquote in Bayern - gleichauf mit Mecklenburg Vorpommern – nach Thüringen (17.3%), Sachsen (13.9%) und Niedersachsen (13.7%) mit 13.4% im deutschlandweiten Ranking an vierter Stelle. Dass eine bessere personelle Ausstattung tatsächlich erfolgsbehaftet ist macht das Beispiel München deutlich. Mit 17.4% ist die Aufklärungsquote der Großstadt 4 mal so hoch als in Hamburg. Swen Müller vom Polizeipräsidium führt den Erfolg auf vermehrte Kontrollen und zurück. Er meint: "Unsere Beamten haben einen Blick dafür, ob Rad und Fahrer zusammenpassen“.

Tipps der Polizei

  • Das Rad generell an festen Gegenständen (z.B. stabile Geländer, Lampen) anschließen 
  • robustes U-Schloss oder Faltschloss aus Metall verwenden 
  • Nach einem Diebstahl sofortige Anzeige erstatten. Um das Rad ggf. später seinem Besitzer zuordnen zu können ist Hersteller, Modell und Rahmennummer wissenswert
  • ein Radbild ist hilfreich
  • Spezielle Codierung (Händler oder Polizei)
  • beim gebrauchten Radkauf  Vorsicht walten lassen; vom Verkäufer Ausweiskopie machen und Kaufvertrag unterzeichnen