Nationaler Profi-Radsport im Aufwind

Deutschland verfügt exzellente Sprinter, Zeitfahrer und Klassikerspezialisten. Allein bei Europa- und Weltmeisterschaften räumten unsere Athleten seit 2014 sage und schreibe 30 Gold- 29 Silber- und 19 Bronzemedaillen ab. 2016 holte sich Tony Martin bei den Straßen-Weltmeisterschaften in Katar - wo Deutschland mit fünf Medaillen die Nationenwertung gewann - im Einzelzeitfahren die Goldmedaille. Für Martin, der 2017 für den unter Schweizer Lizenz fahrenden Rennstall Katjuscha-Alpecin startet, war es nach dem Hattrick von 2011, 2012 und 2013 bereits sein vierter WM-Titel.

Erinnern wir uns an Klassiker-König John Degenkolb - der nach fünf erfolgreichen Jahren bei Giant-Alpecin zu Trek-Segafredo wechselt - als er 2015 die "Monumente" Mailand-San Remo und Paris-Roubaix eindrucksvoll gewann. Oder denken wir an Marcel Kittel und André Greipel, die scheinbar ein Finaletappen-Siegesabo bei der Tour de France gelöst haben. Seit 2013 gewannen sie in Folge jeweils zweimal glorreich auf dem Prachtboulevard der Champs-Elyseés. Gemessen an den Tour-Etappensiegen ist Deutschland die erfolgreichste Nation der letzten Jahre, was die A.S.O. - (Amaury Sport Organisation) dazu bewegte nach 30 Jahren den Grand Départ der Frankreich-Rundfahrt wieder an Deutschland zu vergeben. Die Profisaison startet turnunsgemäß mit dem UCI WorldTour-Rennen <Santos Tour Down Under> in Australien.

Prolog

Nachdem sich der arg in Misskredit gesratene Profi-Radsport von den ausufernden Dopingskandalen vergangener Jahre einigermaßen berappelt hat, scheint sich das ramponierte Image allmählich wieder zu bessern. Der Eindruck täuscht nicht, dass sich die Kultur des Radsports gewandelt hat und nicht mehr schwerpunktmäßig auf Negativschlagzeilen des Dopings reduziert wird. Gottlob rückt der faszinierende Radsport wieder in den Fokus der Medien.

Zum leidigen Thema Doping mag jeder seine eigene Sicht der Dinge haben. Auch wenn der Selbstreinigungsprozess vieles zum Besseren wendete und die Hoffnung in einen "sauberen" Radsport keimen ließ, kann man - so bedauerlich es auch ist - nicht blindlings für jeden die Hand ins Feuer legen. Dabei gilt jedoch der entscheidende Grundsatz "In dubio pro reo", d.h. ohne rechtswirksame Verurteilung gilt in unserem Rechtsstaat im Zweifelsfall die Unschuldsvermutung. Einen "Berufsstand" ungerechtfertigt über einen Kamm zu scheren und alle Profis vorurteilsbehaftet unter Generalverdacht zu stellen macht wirklich keinen Sinn.

Dass sich der Profi-Radsport weitestgehend rehabilitiert hat, ist ein stückweit auch der Glaubwürdigkeit der Nachfolgegeneration von John Degenkolb, Marcel Kittel, Toni Martin, André Greipel & Co zu verdanken. Insofern haben sie moralischen Vertrauensvorschuss verdient, um die sportlichen Erfolge anzuerkennen.

Beispiellose Erfolgsbilanz des deutschen Radsports

Deutschland verfügt seit Jahren talentierte Klassikerspezialisten, Sprinter und Zeitfahrer auf Weltklasse-Niveau. Allein bei Europa- und Weltmeisterschaften räumten unsere Athleten seit 2014 sage und schreibe 30 Gold- 29 Silber- und 19 Bronzemedaillen ab.

Bei der Straßen-WM in Doha/Katar holte Tony Martin im Einzelzeitfahren die Goldmedaille - für ihn nach dem Sieg im Mannschaftszeitfahren bereits das zweite Gold bei der WM. Nach seinem Hattrick 2011, 2012 und 2013 war es für Martin der vierte WM-Titel im EZ-Zeitfahren. Eine Goldmedaille im Zeitfahren holte sich auch der U23-Fahrer Marco Mathis (Tettnang), dazu gab es drei Silbermedaillen, wodurch Deutschland die Nationenwertung gewann. Martin und Mathis starten übrigens in der kommenden Saison als Teamkollegen für den künftig unter Schweizer Lizenz fahrenden Rennstall Katjuscha-Alpecin.

Wegen der zahlreichen Etappensiege bei der Tour de France (2012-2016: 23) schrieben Medien schon von der "Tour d'Allemagne". Erinnern wir uns an Klassiker-König John Degenkolb, der 2015 die "Monumente" Mailand-San Remo und Paris-Roubaix eindrucksvoll gewann. Oder denken wir an Marcel Kittel, Tony Martin, André Greipel, Simon Geschke, Gerald Ciolek die uns reihenweise Etappensiege bei der Tour de France, Giro d’Italia und prestigeträchtigen Frühjahrsklassikern bescherten. Gemessen an den Tour-Etappensiegen ist Deutschland die erfolgreichste Nation der letzten Jahre. 

Die bedeutendsten Klassiker werden als fünf „Monumente des Radsports“ bezeichnet: Mailand–Sanremo, Flandern-Rundfahrt, Paris–Roubaix, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Lombardei-Rundfahrt.

Dank dieser beispiellosen Erfolgsbilanz des deutschen Radsports hat sich das Land um die Rückkehr der Tour de France verdient gemacht. So war es für Tourdirektor Christian Prudhomme (Veranstaltungschef der A.S.O. - Amaury Sport Organisation) nur folgerichtig nach Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) den Grand Départ des wichtigsten Radrennens der Welt wieder an Deutschland, genauer gesagt an Düsseldorf zu vergeben. Bei der offiziellen Streckenpräsentation am 18. Oktober im Pariser Palais de Congrés begründete der Tour-Chef seine Entscheidung: "Deutschland hat in den letzten Jahren die meisten Etappen der Tour de France gewonnen und bei der gerade beendeten Weltmeisterschaft den ersten Platz in der Nationenwertung belegt“.

Der deutsche Profi-Radsport erntet nun jene Früchte, die auf jahrelangen Spitzenleistungen basieren. Die Tour-Visite - seit 30 Jahren erstmals wieder mit Start von deutschem Boden aus - verspricht Zuschauermassen an den Streckenrändern und entsprechende Medienpräsenz die sicherlich erfolgsversprechende Synergieeffekte auslösen werden. Man kann es durchaus als Fanal des Aufbruchs für den deutschen Radsport deuten, wenn die Tour de France in Deutschland gastiert und die internationale Welt-Elite über die Düsseldorfer Königsallee entlang des Rheinufers jagen wird.

Auch Brian Cooksen, Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI spricht von einer Renaissance des Radsports in Deutschland. Da passt es ins Bild, dass die Deutschland-Tour - welche ebenfalls zum ASO-Portfolio gehört - nach 10 Jahren "Zwangspause" 2018 wieder das Glamourlicht der Radsportwelt erblickt.

Einzig auf einen siegreichen Klassementfahrer bei großen Landesrundfahrten wie den Giro d’Italia, die Tour de France oder der Vuelta a España müssen sich deutsche Radsport-Fans gedulden. In Fußstapfen eines Jan Ullrich - Toursieger 1997 - konnte bisher noch keiner treten.

Mit WorldTour-Lizenz treten für die kommenden 2 Jahre <Giant Sunweb>  und <BORA-hansgrohe> zwei deutsche Teams in der Belétage des Profi-Radsports an. Der deutsche Sponsor Alpecin wechselt zum WorldTour Katusha-Alpecin, das mit Schweizer Lizenz unterwegs sein wird. 

 Der internationale Radsport-Verband UCI (Union Cycliste Internationale) gab am 25. November 2016 bekannt, dass <Bora-hansgrohe> und <Giant-Sunweb> WorldTour-Lizenzen erhielten. Im Aufgebot von <Giant-Sunweb> stehen die deutschen Profis Simon Geschke, Nikias Arndt, Johannes Fröhlinger, Max Walscheid, Lennard Kämna und Phil Bauhaus.

18 WorldTour Teams 2017 (1st dvision)

  • Ag2r La Mondiale (FRA)
  • Astana Pro Team (KAZ)
  • BMC Racing Team (USA)
  • Bora-hansgrohe (GER)
  • Cannondale Drapac Pro Cycling Team (USA)
  • Dimension Data (RSA)
  • QuickStep Floors (BEL)
  • FDJ (FRA)
  • Lotto Soudal (BEL)
  • Movistar Team (ESP)
  • Orica-Bikeexchange (AUS)
  • Bahrein-Merida (BRN)
  • Team Katusha-Alpecin (SUI)
  • Team Lotto NL -Jumbo (NED)
  • Team Sky (GBR)
  • Team Giant-Sunweb (GER)
  • Trek Segafredo (USA)

Für den Lampre-Nachfolger <TJ Sports>  steht eine WorldTour-Zusage durch die Lizenzierungskommission noch aus.

Bis einschließlich der Saison 2018 werden 18 WorldTour-Lizenzen vergeben. Ab 2019 soll die Zahl der Erstidivisionär-Teams auf 17 und 2020 auf 16 sinken. 

World Tour Team BORA-hansgrohe


Nachdem das  Budget massiv aufgestockt  und der 26 Jahre alte Peter Sagan als Doppel-Weltmeister vom Team Tinkoff für drei Jahre zu BORA-hansgrohe wechselt sowie der Fahrerkader erheblich verstärkt wurde, erhielt der Zweitdivisionär erwartungsgemäß die WorldTour-Lizenz. Der Slowake gewann bei der letzten Tour de France nicht nur drei Etappen und zum fünften Mal in Folge das Grüne Trikot des besten Sprinters, sondern zählt darüber hinaus zu den weltbesten Klassikerspezialisten, der erstmals die Flandern-Rundfahrt - eines der fünf Radsport-Monumente - gewinnen konnte. Als Straßenweltmeister 2016 in Doha/Katar gelang ihm als fünfter Profi und als erstem nach Paolo Bettini 2007 die erfolgreiche Titelverteidigung. Durch den Neuzugang von Sagan wechselt das Regenbogen-Trikot zum deutschen Rennstall. In Zuge dessen ersetzt der amerikanische Radhersteller Specialized als Radausrüster die kanadische Radschmiede Argon 18, die das WorldTour Team Astana ausstatten.

Teammanager Ralph Denk: „Ein Traum ist nun in Erfüllung gegangen. Wir haben zwar damit gerechnet, aber sicher kann man sich nie sein. Darum ist es umso schöner, dass wir endlich die offizielle Bestätigung haben. Es ist für uns ein erster großer Erfolg schon vor der eigentlichen Saison. Ein Resultat harter Arbeit in den letzten 7 Jahren, als Continental Team, Pro Continental Team, hin zur UCI World Tour. Möglich gemacht haben dies maßgeblich unsere Titelsponsoren BORA und hansgrohe, sowie Specialized, bei denen ich mich für ihr Vertrauen in unser Team bedanke. Mein Dank gilt aber auch allen treuen Wegbegleitern der letzten Jahre. Ich bin sicher, dass BORA – hansgrohe Deutschland in dieser ersten Liga des Radsports würdig vertreten wird.“

Erstmalig äußerte sich der Slowake zu seinem künftigen "Brötchengeber": „Ich freue mich hier beim ersten Team Meeting von BORA – hansgrohe zu sein. Es ist ein erster wichtiger Schritt. Wir haben Meetings mit den sportlichen Leitern und ich treffe meine neuen Teamkollegen. Außerdem absolvieren wir hier einige Tests und Fittings mit unseren Partnern. Ich freue mich schon auf die Saison 2017. Dies ist der Beginn eines neuen Abenteuers für uns alle, und ich bin sicher, es wird aufregend.“  

Ralph Denk (Team-Manager) erklärte nach dem ersten Teamtreffen von BORA hansgrohe: "Peter ist nun tatsächlich bei uns im Team von BORA – hansgrohe angekommen. Für uns alle ist das der erste Schritt in eine neue Dimension. Ich bin stolz, dass wir es als deutsches Team so weit gebracht haben und nun mit Peter den aktuellen Weltmeister in unseren Reihen haben. Peter ist trotz des ganzen Trubels um ihn herum ein unglaublich sympathischer Junge geblieben. Alle haben ihn herzlich empfangen und auch er hat sich, glaub ich, sofort bei uns wohlgefühlt. Dieses Team Meeting ist der erste Meilenstein auf einer gemeinsamen Reise für die nächsten drei Jahre.“

2017 stoßen 13 Fahrer neu zum Team, wie z.B. die Deutschen Marcus Burghardt und Pascal Ackermann. Pascal Ackermann (22 Jahre) errang bei der Straßen WM in Doha/Katar in der Kategorie U23 eine Silbermedaille. Neben den Neuzugängen verließ Paul Voß das Team während Dominik Nerz mit nur 27 Jahren seine Radsport-Karriere aus gesundheitlichen Gründen beendet hat.

Dank neuer Sponsoren wie hansgrohe, einem Hersteller sanitärtechnischer Produkte aus dem Schwarzwald konnte der Fahrerkader massiv verstärkt werden. Mit hochkarätigen Fahrern verfolgt man ambitionierte Ziele. Dazu Sportdirektor Enrico Poitschke: "Mit dem Kader, der uns nun zur Verfügung steht können wir selbstbewusst in die neue Saison gehen. Als Team haben wir uns daher folgende Ziele gesetzt: den Sieg bei einem der fünf Monumente, top 5 Platzierungen in der Gesamtwertung bei 2 Grand Tours, den Gewinn des Punktetrikots bei der Tour de France und einen Platz unter den besten 6 Teams im WorldTeam Ranking."

Auch in technischer Hinsicht tut sich viel. So wird Bora-hansgrohe auf Specialized-Rädern unterwegs sein, während der bisherige kanadische Radausrüster Argon 18 das <Astana Pro Team> ausstatten wird.

Team-Kader 2017

Das neue Aufgebot von BORA–hansgrohe umfasst 27 Fahrer aus 11 Nationen (acht aus Deutschland):

  • Pascal Ackermann (GER)
  • Shane Archbold (AUS)
  • Jan Bárta (CZE)
  • Erik Baška (SVK)
  • Cesare Benedetti (ITA)
  • Sam Bennett (IRL)
  • Maciej Bodnar (POL)
  • Emanuel Buchmann (GER)
  • Marcus Burghardt (GER)
  • Silvio Herklotz (GER)
  • Leopold König (CZE)
  • Michael Kolar (SVK)
  • Patrick Konrad (AUT)
  • Rafal Majka (POL)
  • Jay McCarthy (AUS)
  • José Mendes (POR)
  • Gregor Mühlberger (AUT)
  • Matteo Pelucchi (ITA)
  • Christoph Pfingsten (GER)
  • Lukas Pöstlberger (AUT)
  • Lukas Poljanski (POL)
  • Juraj Sagan (SVK)
  • Peter Sagan (SVK)
  • Aleksejs Saramotins (Lettland)
  • Andreas Schillinger (GER)
  • Maximilian Schachmann (GER)
  • Rüdiger Selig (GER)



20 Professional Continental teams 2017 (2nd division)

  • Aqua Blue (IRL)
  • Bardiani CSF (ITA)
  • Caja Rural-Seguros RGA (ESP)
  • CCC Sprandi Polkowice (POL)
  • Cofidis, Solutions Credits (FRA)
  • Delko Marseille Provence KTM (FRA)
  • Direct Energy (FRA)
  • Gazprom-Rusvelo (RUS)
  • Fortuneo-Vital Concept (FRA)
  • Israel-Cycling Academy (ISR)
  • Manzana Postobon (COL)
  • Nippo-Vini Fantini (ITA)
  • Roompot Nederlandse Loterij (NED)
  • Sport Vlaanderen-Baloise (BEL)
  • Team Novo Nordisk (USA)
  • UnitedHealthcare Professional Cycling Team (USA)
  • Veranda's Willems Crelan (BEL)
  • Wanty-Groupe Gobert (BEL)
  • WB Veranclassic Aqua Protect (BEL)
  • Wilier Triestina (ITA)

Nach nur einer Saison wollte das Team <Stölting Service Group> die zweite Division des Radsports verlassen und 2017 wieder als Continental-Rennstall antreten. Leider wurde daraus nichts, da sich der Rennstall aus Gelsenkirchen trotz eines Co-Sponsors überraschend auflöste.

Die langjährigen Profis Linus Gerdemann, Fabian Wegmann, Gerald Ciolek - allesamt aus dem Stölting Service Group Team - beendeten mittlerweile ihre Profi-Laufbahn. Gerdemann gewann 2007 eine Etappe der Tour de France, fuhr einen Tag in Gelb und war 2009 letzter deutscher Gesamtsieger der Bayern-Rundfahrt. Inzwischen führt der Münsteraner mit seiner Lebenspartnerin auf Mallorca inzwischen ein asiatisches Restaurant.

Fabian Wegmann holte drei deutsche Meistertitel. 

Cioleks größter Erfolg in seiner Radsport-Karriere war der Sieg des Frühjahrsklassikers Mailand–Sanremo am 17. März 2013, den er als als dritter Deutscher nach Rudi Altig und Erik Zabel gewann. Neben mehrere Etappensiegen bei der Deutschland-Tour zählt der Tageserfolg bei der Vuelta zu seinen weiteren Erfolgen. Bei der Tour de France blieb ihm ein Sieg versagt, landete aber bei seinen vier Teilnahmen immerhin mehrmals auf einem zweiten Etappenrang. Sehr bedauerlich, dass der einstige Hoffnungsträger mit 30 Jahren seine Karriere schon so früh beendet. 

Continental Teams (154)

2016 verfügen 8 deutsche Teams eine Continental-Lizenz:

Bike Aid

LKT Team Brandenburg

MLP Team Bergstrasse

Rad-Net-Rose Team

Team Heizomat

Team Kuota-Lotto

0711 Cycling (Team Stuttgart)

Sauerland NRW p/b Henley & Partners 

UCI-Rennen in Deutschland 

Nachdem die Bayern-Rundfahrt weiterhin auf Eis liegt, gibt es in Deutschland 2016 und 2017 kein Etappen-Rennen mehr. Noch vor wenigen Jahren sah die Situation noch rosiger aus als es mit der Deutschland-Tour, Bayern-Rundfahrt, Friedensfahrt, Niedersachsen-Rundfahrt, Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, Sachsen Tour, Regio-Tour und Hessen-Rundfahrt insgesamt noch acht Rundfahrten gab.

2017 verfügen die Eintagesrennen Cyclassics Hamburg und Eschborn-Frankfurt WorldTour-Status. Die zweithöchste HC-Kategorie verfügt Sparkassen Münsterland-Giro> während <Garmin Velothon Berlin>, <Rund um Köln>, <Velothon Stuttgart> und <Rad am Ring> in Kategorie 1.1 eingestuft sind.

Der Weltradsportverband UCI weist in seinem Radsport-Straßen-Kalender 2017 zwölf UCI-Straßenrennen sowie zwei UCI-Kriterien in Deutschland aus, sieben bei den Elite-Männern, eines bei den Frauen, zwei bei den U23-Männern, drei bei den Junioren sowie eines bei den Juniorinnen. Damit sind es zwei Rennen weniger als 2016.

UCI-Kalender in Deutschland 2017

7.-9. April: 42. Internationale Cottbuser Junioren-Etappenfahrt 2016 (2.1 MJ)

1. Mai: Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt (1.UWT)

1. Mai: Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt (1.2U)

Datum wird noch genannt: 65. Tour de Berlin (2.2U)

9.-11. Juni: Trofeo Karlsberg (2.NCup MJ)

11. Juni: Rund um Köln (1.1)

16.-18. Juni: XVIII. Albstadt-Juniorinnen-Etappenrennen (2.NCup WJ)

12.-18. Juli: 30. Internationale Thüringen-Rundfahrt der Frauen (2.1 WE)

28. Juli: Bruckmühler Radsportnacht Kriterium (CRT)

28.-30. Juli: 23. Internationale Niedersachsen-Rundfahrt der Junioren (2.1 MJ)

30. Juli: Rad am Ring (1.1)

6. August: 38. Großer Preis der Stadt Bad Homburg (CRT)

20. August: Cyclassics Hamburg (1.UWT)

3. Oktober: Sparkassen Münsterland-Giro (1.HC)

 

 Tour de France - Grand Départ Düsseldorf

Die ASO vergab am 22. Dezember 2015 den Grand Départ an Düsseldorf, nachdem zuvor der einzige Gegenkandidat London aus finanziellen Gründen absprang. Letztmals gastierte die Tour de France 2005 in Deutschland, als die 7. Etappe in Karlsruhe endete bzw. in Pforzheim die 8. Etappe startete. Der letzte Grand Départ in Deutschland (West-Berlin) liegt dagegen beim neuerlichen Start 30 Jahre zurück. Der Etat beträgt stattliche 11 Millionen Euro, wovon die Rheinmetropole - nach einer denkbar knappen Entscheidung von 40:39 Stimmen des Rates der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt - etwa sechs Millionen beisteuert. Ob die prognostizierte Wertschöpfung für Hotellerie und Gastronomie von 57 Millionen sowie der Media-Wert von 30 Millionen Euro realistisch ist wird sich zeigen. Sicher dürfte sein, dass das Mega-Event riesige Zuschauermassen anlockt, zumal die Tour eine Schleife um Düsseldorf zieht.           

Der Grand Départ umfasst am Donnerstag, den 29. Juni 2017 die Teampräsentation, Freitag folgt das offizielle Teamtraining, Samstag findet im Rahmen des Prologs das Auftakt-Zeitfahren statt und Sonntag wird das Peloton zur zweiten Tour-Etappe auf die Reise geschickt. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel erklärte dazu: "Es ist aber auch eine große Chance für die Sportnation Deutschland, wenn das größte Sportereignis des Jahres 2017 in der Rheinmetropole Düsseldorf startet, zumal ich zuversichtlich bin, dass die gesamte Tour de France 2017 im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird."

Tourauftakt ist am 1. Juli 2017 in der Rheinmetropole. Beim 13 km langen Einzelzeitfahren durch die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalen hat der siebenfache Zeitfahrweltmeister Tony Martin (Team Etixx-Quick Step) reelle Chancen zum zweiten Mal in seiner Karriere ins Gelbe Trikot zu schlüpfen. Dann könnte er das Maillot Jaune auf der 2. Etappe führt in einer Schleife via Erkrath, Neandertal und Mettmann wieder zurück nach Düsseldorf und dann weiter über Mönchengladbach und Aachen nach Lüttich (202 km).

Der siebenfache Zeitfahrweltmeister Tony Martin gab dem ARD-Hörfunk zu Protokoll: "Für mich als Sportler ist das ein Sechser im Lotto. Der Tour-Start seit längerer Zeit mal wieder in Deutschland, und dann auch noch mit einem Zeitfahren, was meine Paradedisziplin ist - besser geht's eigentlich nicht". Er sprach von einem "Meilenstein für den deutschen Radsport und seine Fans".  Nach Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) ist die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens der vierte Grand Départ in Deutschland.

Die Entscheidung der ASO ist durchaus als Wertschätzung gegenüber den enormen Leistungen deutscher Profis zu verstehen. Pressemeldung vom 14. Jan. 2016: „Deutschland hat die höchste Anzahl an Siegen bei den drei vergangenen Ausgaben der Tour de France. Unter Führung einer goldenen Generation von Profis wie Tony Martin, André Greipel, Marcel Kittel und John Degenkolb ist Deutschland bereit dafür, der Geschichte des größten Radrennens der Welt ein weiteres, glorreiches Kapitel hinzuzufügen.“ Weitere Infos: Velomotion   

Neuauflage der Deutschland-Tour 

Die A.S.O. (,Amaury Sport Organisation) - Organisator der Tour de France - und der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) schlossen eine Vereinbarung, den Radsport zu fördern und die Deutschland-Tour wieder ins Leben zu rufen. Den Ausschlag für diese Entscheidung war laut BDR der Tourstart in Düsseldorf 2017 sowie die überragenden Ergebnisse der deutschen Radprofi in den letzten Jahren. Zuletzt wurde das wichtigste Etappenrennen Deutschlands 2008 ausgetragen. BDR-Generalsekretär Martin Wolf sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wir versuchen, es schon 2017 zu schaffen, aber wahrscheinlicher ist der Neustart 2018. Gespräche mit TV-Partnern wegen der Übertragungsrechte laufen bereits». 

Bleibt die bange Frage, ob die Wiederauflage der Deutschland-Tour nicht der Bayern-Rundfahrt womöglich den endgültigen Todesstoß versetzt, nachdem diese 2016 und 2017 abgesagt wurde.

Halbherziges Interesse deutscher Fernsehsender

Fersehanstalten beeinflussen maßgeblich die Entwicklung des Profi-Radsports. Besonders Liveübertragungen der Tour de France erreichen ein Millionenpublikum. Eine lukrative Werbeplattform, die finanzkräftige Sponsoren anzieht und die Existenzgrundlage der Rennställe absichert.

Mit dem Finger auf andere Sportarten zu zeigen geziemt sich nicht. Unlautere Methoden sind generell verboten, doch dass der Radsport im Gegensatz zu anderen Sportdisziplinen unverhältnismäßig unter Dauerbeschuss stand, in Negativ-Schlagzeilen versank und einseitig in der Öffentlichkeit angeprangert wurde ist kein Geheimnis. 

Als die ARD 2007 aus ihrer Berichterstattung über die Tour ausstieg, sprang Eurosport in die Bresche, was dem paneuropäischen Sender glänzende Einschaltquoten bescherte. So verfolgten die Übertragung der 100. Tour-Ausgabe 2013 europaweit 53 Millionen Zuschauer bei dem Sportkanal, der bis mindestens 2019 live von der Tour de France berichten wird. Da zwischen den zahreichen deutschen Tour-Etappensiegen (2012: 3; 2013: 6; 2014: 7, 2015: 5) und Zuschauerquote ein enger kausaler Zusammenhang besteht dürften wirtschaftliche Erwägungen die ARD bewegt haben die Frankreichrundfahrt 2015 wieder ins Programm aufzunehmen. Diese profitablen Felle wollte das Erste Deutsche Fernsehen nicht tatenlos davon schwimmen sehen. 

Zum erfreulichen Tour-Start in Deutschland passt die kürzlich getroffene Entscheidung der der öffentlich-rechtlichen Sender, das aufkommende Engagement fortzusetzen und 2017 und 2018 täglich von der Grand Boucle live zu berichten. Somit gibt es neben Eurosport einen zweiten Kanal, der die Tour de France publikumswirksam überträgt. Die synergetische Kombination der ARD-Übertragung mit dem Tourstart in Deutschland ist in Bezug zur überregionalen Reichweite und Popularität für den - einst medial arg gescholtenen deutschen Profi-Radsport - von eminenter Bedeutung. 

Ex-Festina-Profi Marcel Wüst verglich kürzlich die aufgedeckten Enthüllungen in der Fußball-Korruptionsaffäre mit den Ereignissen des Radsports um die Jahrtausendwende. In Anspielung auf den damaligen Ausstieg aus der Tourberichterstattung legte Marcel Wüst (der Kölner hatte als ARD-Kommentator einen Expertenvertrag) angesichts der Skandale von FIFA, DFB und UEFA den Öffentlich-Rechtlichen einen Ausstieg aus dem Fußballgeschäft nahe. Immerhin verbannte die Fifa-Ethikkomission Sepp Blatter und Michel Platini wegen Verstößen gegen den Ethikcode für acht Jahre von allen Tätigkeiten im Fußball. Wie abgehoben und realitätsfremd der Weltverbandspräsident - der selbstherrlich über allen Regeln zu stehen scheint - ist, zeigt sein zur Schau gestelltes Selbstmitleid sowie die bizarre Äußerung: "I'll be back!" Marcel Wüst Vorwurf mit zweierlei Maß zu messen ist nicht aus der Welt gegriffen.  

 

  Stimmen zum Wiedereinstieg der ARD zur Tour de France 

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks und ARD-Sport-Intendant: »Ich freue mich, dass das wichtigste sportliche und gesellschaftliche Ereignis in unserem Nachbarland Frankreich wieder einen angemessenen Platz in unseren Angeboten im Fernsehen, Hörfunk und Online findet. Mit dem Wiedereinstieg in die Tour de France stellen wir eine umfassende Berichterstattung mit Live-Übertragungen sowie auch mit sportpolitisch, kulturell und gesellschaftlich relevanten Themenangeboten in hoher öffentlich-rechtlicher Qualität sicher.«

Prof. Thomas Kleist, Intendant des Saarländischen Rundfunks: »Das größte Radsportereignis der Welt hat künftig wieder einen festen Platz in der Live-Berichterstattung der ARD. Der Saarländische Rundfunk wird als Federführer seine langjährige Erfahrung und Kompetenz einbringen, um über alle Aspekte der Rennen zu berichten. Wir gehen davon aus, dass spannende Rennen und die Fairness im Mittelpunkt dieses Weltsportereignisses stehen werden. Wir werden aber auch investigativ unterwegs sein und kritische Hintergrundberichterstattung ermöglichen.«

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen: »Für uns bedeutet diese Entwicklung eine Erweiterung unserer vielfältigen Sommersport-Übertragungen im Ersten. Die jüngsten deutschen Erfolge, gerade bei der Tour de France, und die neue Generation deutscher Radsportler, die sich immer wieder offen für einen dopingfreien Sport einsetzt, haben zu einer größeren Attraktivität dieses Sportereignisses geführt. Neben den sportlichen Inhalten bleibt ein zentraler Punkt in unserer Berichterstattung die Beobachtung der sportpolitischen Hintergründe und des Anti-Doping-Kampfes der Verantwortlichen sowie der Aktiven. Ich bin gespannt, wie die Live-Strecken vom TV-Publikum angenommen werden.« Quelle: ARD

2012 gewinnen Deutsche Radprofis bei der Tour sechs von 21 Etappen. Marcel Kittel gelang sogar das Husarenstück das Finale in Paris für sich entscheiden. 2013 trumpfen Marcel Kittel (4), Tony Martin (2) und André Greipel abermals auf und gewannen 7 Touretappen. Live waren die Erfolgsereignisse nur auf Eurosport zu sehen. Warum die ARD die Straßenrad-WM trotz jahrelanger deutscher Tour-Erfolge nicht ausstrahlte, und ein Tony Martin in Florenz (2013) unter Ausschluss des TV-Publkums (weder die Öffentlich-Rechtliche noch private TV-Sender übertrugen das Highlight) zu WM-Gold fährt mag zu denken geben. Dazu Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR): "Ich freue mich sehr über den Erfolg unseres Athleten. Großartig, dass er den Hattrick geschafft hat. Gleichzeitig bedaure ich, dass die riesige Fangemeinde des Radsports in Deutschland diesen Erfolg nicht live an den Fernsehgeräten miterleben konnte“, wie es in einer Verbandsmitteilung verlautbart wurde. Ob die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien ihrem gesetzlich verankerten Informationsauftrag hinreichend nachkommen ist in Anbetracht der geballten Fernsehpräsenz weniger Sportarten zu Lasten anderer Sportarten fragwürdig.

Trostpflaster: radsportbegeisterten Fans bieten sich zwei Alternativen. Entweder Anbieter über Kabel bzw. Satellit anzapfen oder Angebote im Internet anklicken. Der internationale Radsport-Verband UCI (Union Cycliste Internationale) strahlt Wettbewerbe via Livestram auf dem hauseigenen UCI-Channel im Youtube-Kanal aus - allerdings nur in englischer Sprache. Auch Onlinedienste wie cyclingfans.com und steephill.tv. bieten gute Streamangebote.

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Lesenswerter Bericht zum Hobby-Radsport: DAS KURIOSUM „JEDERMANN-RENNSZENE“ –ODER WIE DER BDR EINEN TREND VERSCHLAFEN HAT. Weiterlesen

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