Im Zeitraum von Ende April bis 10. Oktober 2019 wurden fast doppelt soviele Unterschriften für das Bürgerbegehren <Radentscheid Regensburg> gesammelt als nötig gewesen wären. Die Initiatoren des <Regensburger Radentscheids> versammelten sich am 23. Oktober samt einigen Unterstützern vor dem Alten Rathaus und übergaben Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer mehr als 13.000 Unterschriften. Zu den 11.300 Unterschriften der Regensburger Wahlberechtigten kamen noch 1.861 unterstützende Unterschriften - vorwiegend von Bürgern aus dem Landkreis Regensburg - für das Bürgerbegehren hinzu. Bei der vorerst letzten Aktion rollte die Bürgerinitiative am Alten Rathaus erneut symbolhaft den roten Radweg-Teppich aus, um die mit dem Lastenrad transportierten Unterschriften-Aktenordner offiziell dem Regensburger Stadtoberhaupt zu übergeben. 

Die positive Zwischenbilanz der Bürgerinitiative kann sich sehen lassen, weil das Ansinnen einer erwünschten Verkehrswende der Regensburger Bürger eindeutig belegt ist. Insofern ist der enorme Zuspruch für eine radfreundliche städtische Infrastruktur für die Initiatoren als erster Etappensieg auf dem langen Weg des Entscheidungsprozesses zu werten, zumal der Handlungsdruck auf die kommunalen Entscheidungsträger dadurch spürbar zunimmt. Der Sprecher der Bürgerinitiative Michael Achmann meinte dazu, dass das Quorum von fünf Prozent der Wahlberechtigten deshalb so deutlich übertroffen wurde, weil sich viele Menschen mit dem Thema Verbesserung der Radweginfrastruktur identifizieren. 

Bürgerinitiative “Radentscheid Regensburg” 

Pressemitteilung Bürgerinitiative <Radentscheid Regensburg> vom 23. Oktober 2019: 

Bei der vorerst letzten Aktion der Initiative wurde erneut der rote Radweg ausgerollt um darüber mit dem Lastenrad die zahlreichen Ordner mit allen Unterschriftenlisten anzuliefern. Nach einer kurzen Ansprache der Sprecher Michael Achmann und Ingolf Radcke wurde die beachtliche Zahl der gesammelten Unterschriften gelüftet. Daraufhin wurde den Vertretern der Politik und Verwaltung anhand einer mitgebrachten Karte ein beispielhaftes Netz an Hauptrouten, diese sind die zentrale Forderungen des Bürgerbegehrens, für den Radverkehr aufgezeigt: das Netz verbindet alle Stadtteile miteinander, und alle mit der Altstadt.

"Das wichtigste Ziel des Radentscheids ist es, die Sicherheit der Radinfrastrukur derart zu verbessern, dass alle Menschen ohne Angst auf das Fahrrad steigen und alle Ziele in Regensburg erreichen können. Wir wollen die Bedingungen derart verbessern und das Fahrradfahren so angenehm gestalten, dass das Sicherheitsgefühl hoch und das Rad für alle Menschen eine Alternative zum PKW sein kann", erläutert Michael Achmann die Beweggründe hinter dem Bürgerbegehren. "Außerdem müssen die Verbesserungen für die Sicherheit des Radverkehrs zügig umgesetzt werden", ergänzt Wolfgang Bogie, "denn jeder durch einen Unfall verletzte Radfahrer ist einer zu viel. Wenn wir die verbesserten Bedingungen so schaffen, dass mehr Leute das Fahrrad nutzen, dann werden auch weniger Menschen ihre Strecken mit dem PKW zurücklegen - und davon profitieren alle, auch die, die auf das KFZ angewiesen sind, schließlich werden sie dann weniger Zeit im Stau verbringen müssen".

Um dieses Ziel zu erreichen, fordert das Bürgerbegehren ein Netz von durchgängigen Hauptrouten für den Fahrradverkehr, sowie den priorisierten Ausbau dieser Routen. Erklärtes Ziel der Initiative ist, dass diese Forderung des Radentscheids im nächsten Stadtentwicklungsplan festgeschrieben werden wird. "Die Hauptrouten sollen aus unserer Perspektive nach Möglichkeit abseits der Hauptverkehrsachsen des motorisierten Verkehrs angelegt werden, beispielsweise nicht entlang der Landshuter Straße nach Burgweinting, sondern lieber entlang der Alfons-Auer-Straße: Denn niemand möchte gerne neben dem motorisierten Verkehr fahrradfahren, außerdem gibt es auf Strecken durch Nebenstraße in der Regel keine Ampeln – während diese auf den Hauptverkehrsachsen normalerweise für den KFZ-Verkehr geschalten sind und damit den Radverkehr ausbremsen", erläutert Regine Wörle. "Auf der Landshuter Straße müssen die Fahrradwege dringend verbessert werden und die Ampelschaltung ist alles andere als  fahrradfreundlich. Die Verbesserung der Fahrradwege bedarf allerdings einer größeren Planung und Investition. Die Ampelschaltung wird von den zuständigen Behörden nach StVO eingestellt: Hier dauern Veränderungen lange und kosten Geld oder sind nicht ohne Weiteres möglich", ergänzt Hannes Eberhardt, "mit Hauptrouten auf Fahrradstraßen können wir die Situation für Radler schneller verbessern". Damit eine Fahrradstraße ein sinnvolles Element für Hauptrouten darstellt, sollte sie möglichst nur für Anlieger freigegeben werden.

"Die Hauptrouten sollen stern- und ringförmig durch das gesamte Stadtgebiet führen und damit alle Stadtteile miteinander und alle mit der Altstadt verbinden. Als Beispiel haben wir heute eine Karte mitgebracht, auf der wir mögliche Routenführungen eingetragen haben. Dabei ist uns aber wichtig, dass es sich bei diesen Routen lediglich um Beispiele handelt. Wenn unsere Forderung umgesetzt wird, müssen die Experten der Stadtverwaltung einen konkreten Plan ausarbeiten, unser Plan dient lediglich der Veranschaulichung, wie dieses Routennetz aussehen könnte", kommentiert Ingolf Radcke den großen Stadtplan mit farbig eingezeichneten Routen, den die Aktivisten am Rathausplatz vorstellen.

"Um die Altstadt zu entlasten fordern wir eine ringförmige Hauptroute um die Altstadt herum, einen Radlring. Wichtig wäre hier vor allem eine Süd- und eine Nordumgehung, um die Altstadt abseits von Gesandtenstraße etc. von Ost nach West durchqueren zu können", erläutert Ernst Seidemann.

Auch abseits der Altstadt müssen genügend Fahrradabstellplätze geschaffen  werden. Gerade an Verkehrsknotenpunkten und in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten muss im gesamten Stadtgebiet nachgebessert werden. "Um die Altstadt zu entlasten, sollen auch am Rand der Altstadt mehr Möglichkeiten geschaffen werden: auch das könnte Konflikte zwischen Fahrrad und Fußverkehr entschärfen: denn wenn genügend sichere Abstellmöglichkeiten entlang eines oben genannten Radlrings geschafft werden, werden viele ihre Räder dort abstellen und den letzten Weg zum Geschäft oder Café, oder Arbeitsplatz, zu Fuß zurücklegen. Am Bahnhof muss endlich ein Fahrradparkhaus entwickelt werden. Die bisher im Raum stehende Zahl von ca. 100 Fahrradparkplätzen (MZ online 24.07.2018) ist angesichts der Situation um Gleis 1 herum bei Weitem zu knapp bemessen, hier muss die Politik sich trauen und lieber zu groß, als zu klein planen, schließlich ist es erklärtes Ziel der Rathauskoalition den Anteil des Radverkehrs am Modal Split zu erhöhen: somit entspricht ein größer dimensionierter Bau einer Planung für die Zukunft",  fordert Heinz Stumpe. "Deshalb fordern wir mindestens 3.000 Fahrradstellplätze am Hauptbahnhof", ergänzt er.

Die Forderungen des Radentscheids schließen am sogenannten "Lückenschlussplan" an. Dieser Plan der Stadtverwaltung hat das Ziel die Radinfrastruktur zu verbessern. Die obigen Hauptrouten knüpfen zwar an diesen Plan an, die Bürgerinitiative fordert aber insbesondere Hauptrouten abseits der Hauptverkehrsachsen. Derartige Routen sind im Lückenschlussplan  allerdings nicht vorgesehen. Außerdem werden mehr und längere Routen gefordert, um wirklich alle Stadtteile sicher mit dem Fahrrad erreichen zu können.

"In Regensburg wurde jahrzehntelang vor allem in Infrastruktur für den motorisierten Verkehr investiert", kritisiert Regine Wörle. "Die Koalition stand damit vor der Mammutaufgabe binnen einer Legislaturperiode vieles nachzuholen, was auf Jahrzehnte verpasst wurde." "Wir sehen, dass die Aufgabe angegangen wurde und sich an vielen Stellen im Stadtgebiet etwas getan hat. Dazu gehören Projekte, die für die Stadt relativ günstig waren, wie die Freigabe der Fußgängerzonen in der Altstadt, und andere, die viel Geld kosten, wie die geplanten Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr an der Sinzinger Eisenbahnbrücke", ergänzt Michael Achmann, und reagiert dabei auf Stimmen aus der Politik, wonach die Forderungen des Radentscheids bereits erfüllt würden. "Dennoch wurde bisher nicht das umgesetzt, was wir fordern: Eine sichere Fahrradinfrastruktur in Form des geforderten Hauptroutennetzes."

Ingolf Radcke geht weiter auf den Unterschied zwischen bisheriger Planung und der Forderung der Initiative ein: "Unsere Hauptrouten haben den planerischen Anspruch, wirklich durchgängig zu sein. Das kann ich am Beispiel der Prüfeninger Straße erläutern: jetzt wird zwischen Hedwigsklinik und Platz der Einheit stadteinwärts ein Radschutzstreifen geplant. Allerdings endet dieser Schutzstreifen dann am Jakobstor auf der Straße, an einer Stelle, die extrem ungünstig für Radfahrer ist. Wir fordern, dass so geplant wird, dass auf den Routen durchgängig entweder eine Fahrradstraße oder ein sicherer Radweg vorhanden ist. Der Lückenschlussplan der Stadt lässt zu, dass Lücken geschlossen werden, und wenige Meter weiter eine andere Lücke da ist. Deshalb unsere Forderung: Zuerst feststellen, wo Hauptrouten nötig und sinnvoll sind; dann eine Route festlegen und dafür sorgen, dass sie durchgängig den Ansprüchen des sicheren Radverkehrs entspricht."

Wolfgang Bogie fasst zusammen: „Die Bürger von Regensburg wollen auf ihren täglichen Wegen mehr Fahrrad fahren und dabei sicher und möglichst zügig unterwegs sein können. Die Aufgabenstellung an Politik und Verwaltung ist eindeutig. Es sollen dazu durchgängige Fahrradrouten als Netzstruktur im Stadtgebiet, bis in den Landkreis hinein so schnell wie möglich, geschaffen werden. Die mehr als 13.000 Unterschriften geben den Mut dazu, eine lebenswerte fahrradfreundliche Stadt zu schaffen, ohne dabei etwas den Fußgängern oder dem öffentlichen Nahverkehr wegzunehmen. Schließlich soll ja der gesamte umweltfreundlich ausgerichtete Verkehrsverbund gestärkt werden.“

Pressemitteilung »Radentscheid Regensburg "Zwischenbilanz «

Flyer Radentscheid Regensburg

Fahrraddemos in Regensburg

Am Freitag, den 20. September 2019 fand die vierte Fahrraddemo unter dem Titel „I want to ride my bicycle“ statt. Neben den Organisatoren des Regensburger Radentscheids und der Aktionsplattform Verkehrswende samt weiteren Organisationen, rief am Tag des weltweiten Klimastreiks auch dieses mal wieder zum "Fridays for Future" in Regensburg zur gemeinsamen Fahrraddemo auf. Bis zu 2.000 Radler folgten dem Aufruf und fuhren vom Hauptbahnhof Regensburg nach Burgweinting und über den Campus und Kumpfmühl zurückin die Altstadt.

Am 4. Mai fand in Regensburg die dritte Fahrraddemo „I want to ride my bicycle“ statt. Trotz schlechter Wettervorhersage nahmen an der Fahrradkundgebung rund 650 Radfahrer teil, um komunalpolitische Entscheidungsträger für mehr Platz und Sicherheit des Radverkehrs in Stadt und Landkreis Regensburg aufmerksam zu machen.

Viele Radfahrer waren mit Kinder-Gespannen und Lastenräder unterwegs, manche auch mit Tandems und Liegerädern. Dazu waren Schülergruppen der <Fridays For Future> Bewegung dabei, die sich nach ihrem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg (Schweden) für eine verbesserte Klimapolitik einsetzen.

Die Teilnehmer wollten mit der Kundgebung ein sichtbares Zeichen gegen die unbefriedigende Radwege-Infrastruktur setzen, da die städtischen Radwege häufig entlang stark befahrener Verkehrs-Hauptachsen verlaufen und zudem in aller Regel baulich ungeschützt sind.

Die Route der Kundgebung führte vom Hauptbahnhof um die Altstadt herum über die Kumpfmühler-Brücke zur Frieden- und Furtmayrstraße bis zur Hermann-Geib-Straße.

Der an dieser Kreuzung neben der Antoniuskirche am 12. März 2019 tödlich verunglückten Radfahrerin wurde mit einer Schweigeminute gedacht.

Regine Wörle (Vorstandsmitglied im Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs) bekräftigte in ihrer kurzen Ansprache, dass die hier vollzogene 180 Grad-Wende zur Rückfahrt quasi die beabsichtigte Verkehrswende symbolisiere. Unfallbericht der Mittelbayerischen Zeitung.

Der Radler-Tross radelte klingelnd zur Galgenbergbrücke und weiter zur Maximilianstraße bis zum Dom-Westportal zur Abschlusskundgebung.

Radentscheid Regensburg

Um infrastrukturelle Verbesserungen in Gang zu bringen wurde der Radentscheid Regensburg von einem siebenköpfigen Team aus verschiedenen Verbänden ins Leben gerufen. 

Ein Sprecher der Gruppe, Ingolf Radcke sagt: „Wir wollen, dass sich alle Menschen in Regensburg trauen ihre täglichen Wege im Stadtgebiet sicher und zügig mit dem Fahrrad zurückzulegen.“ Wie das umgesetzt werden soll, dazu hat das Team sehr genaue Vorstellungen. Es sollen Hauptrouten für den Radverkehr entstehen, stern- und ringförmig durch das Stadtgebiet, bis zu den Landkreisgrenzen. Diese Hauptrouten sollen geplant und umgesetzt werden, abseits von Hauptverkehrsachsen für den Autoverkehr. In Abschnitten sollen diese Routen aus Fahrradstraßen in Nebenstraßen bestehen. Wenn eine Hauptroute doch an vielbefahrene Straße geführt werden muss, in der mehr als 30 km/h zugelassen ist, sollen baulich getrennte und geschützte Radwege entstehen. Wege Richtung Landkreisgrenze sollen zügig und störungsfrei befahrbar sein. Eine Möglichkeit solche störungsfreien Wege anzulegen, ist entlang der Bahninfrastruktur im Stadtgebiet. Michael Achmann, ein weiterer Sprecher der Gruppe: „Nur Radwege abseits von Hauptverkehrsachsen sind sicher und attraktiv genug um Schüler oder Menschen, die sich bei viel Autoverkehr unsicher fühlen, zu motivieren mit dem Fahrrad zu fahren.“

Regine Wörle und Wolfgang Bogie fassten nochmal zusammen und verwiesen dabei indirekt auf die Fragestellung des Radentscheids: „Die Stadt Regensburg soll ein Netz von durchgängigen Hauptrouten für den Radverkehr schaffen und dies vorrangig als verkehrspolitisches Ziel im Stadtentwicklungsplan aufnehmen und verfolgen.“ Bevor aber ein Bürgerentscheid beantragt werden kann bedarf es 6000 Unterschriften (entspricht 5% der wahlberechtigten Personen).

Anlaufstelle für die Unterschriftenaktion ist der „What the kiosk“ am Neupfarrplatz. Der Radentscheid richtet sich formal nur an Bewohner der Stadt Regensburg, dennoch wird auch allen Menschen im Landkreis die Möglichkeit eingeräumt eine separate Liste zu unterschreiben, um damit ihre Unterstützung für die Forderungen des Radentscheides zu signalisieren bzw. entsprechende Verbesserungen auch im Landkreis zu fordern.

Die Unterschriftenblätter für die Stadt dürfen ausschließlich von Stadtbewohnern (Erstwohnsitz) unterschrieben werden, während für Landkreisbewohner spezielle Landkreisunterschriftenbögen ausliegen.

Flyer

Informationen zum Radentscheid bzw. das Bürgerbegehren unterschreiben: Radentscheid-Regensburg

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Kontaktangaben                                                

Radentscheid Regensburg
Michael Achmann
Am Judenfeld 7

93059 Regensburg

mail: info@radentscheid-regensburg.de

Web: Radentscheid Regensburg