Radfahrer wirken attraktiv

Kaum lässt sich die Sonne wieder blicken und ermöglicht Ausfahrten in Kurzarmtrikots, schwingen sich Hunderttausende in unserem Land auf den Sattel. Dass dabei Botenstoffe wie z. B. Dopamin und Serotonin (Neurotransmitter) ausgeschüttet werden ist gemeinhin bekannt. Weniger bekannt sein dürfte, dass Radfahrer von Mitmenschen augenscheinlich als „attraktiv“ wahrgenommen werden. Diesbezüglich versuchte eine Studie dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Glaubt man den Ergebnissen, so scheinen Radfahrer tatsächlich attraktiv zu wirken. 25 % der Männer sind dieser Ansicht, und finden Frauen auf Fahrrädern charmant. Das weibliche Geschlecht beurteilt radelnde Männer in dieser Hinsicht dagegen etwas zurückhaltender (18%).

Die Studie <Fahrradfahren in Deutschland 2014> wurde vom Radsportspezialversand Rose initiiert und von einem renommierten Marktforschungsinstitut durchgeführt. Neben der grundsätzlichen Einstellung der Deutschen zu ihrem Fahrrad ging es auch darum, aktuelle Trends in Bezug auf Fahrradnutzung, -typen und -kauf zu analysieren. Dabei wurde zwischen Alltags- und Sportnutzung sowie ländlicher und städtischer Nutzung bzw. Altersgruppen unterschieden. Doch nicht jedes Rad verleiht seinem Fahrer oder seiner Fahrerin gleichermaßen einen Touch von „Sexappeal“. Während Mountainbikes (20%), Hollandräder (18%), Rennräder (11 %) und Crossräder (10 %) den Fahrer besonders attraktiv wirken lassen, vereiteln Klappräder und Fatbikes eher eine hinreißende Aura. Laut Thorsten Heckrath-Rose, Geschäftsführer der Rose Versand GmbH „lässt eine gute Gesundheit einen Menschen gemäß Attraktivitätsforschung für andere besonders interessant wirken". 

Sitzt man also z.B. auf einem angesagten Mountainbike, schicken Hollandrad oder hypermodernen Rennrad, steigt demnach der Flirtfaktor. Das Medium Rad als Wegbereiter ins private Lebensglück? Hört sich abgefahren an - gänzlich von der Hand zu weisen ist es nach den neuesten empirischen Kenntnissen indes nicht. Das Fahrrad in seiner individuellen Ausprägung, so scheint es zu sein, stimuliert eine positive Wahrnehmung von sportlich agilen Zweiradfahrern. Vielleicht liegt es auch daran, dass „Wahre Schönheit von innen strahlt".

Frühere Testergebnisse des Psychologen Erik Postma von der Universität Zürich scheinen die jetzigen Studienergebnisse zu bestätigen. Demnach sind Frauen instinktiv in der Lage, körperliche Fitness und gute Ausdauer allein am Gesicht eines Mannes abzulesen. Dies belegte z.B. ein Test, bei dem Frauen bestimmte Teilnehmer der Tour de France nach ihrer Attraktivität beurteilen sollten. Ohne Kenntnisse über den "begutachtenden" Sportler und seiner Leistungsfähigkeit zu haben, beurteilten die Frauen jene Männer als am attraktivsten, welche bei der Tour de France vordere Plätze belegten. Erik Postma vermutete, dass die Frauen den Männern ihre Fitness tatsächlich vom Gesicht abgelesen hatten. 

Erik Postma vertritt die Auffassung, dass bereits unsere Vorfahren in der Steinzeit eine ähnlich instinktive Auswahl trafen, bei der vornehmlich diejenigen Männer von Frauen gewählt wurden, welche über eine erstklassige Ausdauer verfügten. Denn nur sie waren erfolgreiche Jäger, womit der Versorgungaspekt der Familien erfüllt war. Mit ihrer sensiblen Beobachtungsgabe stehen Frauen nicht alleine da, weil auch heterosexuelle Männer erfolgreiche Radsportler bei seinem Test als am attraktivsten einschätzten. Dies mag damit zusammenhängen, dass sie sich empathisch in die Gedankenwelt der Frauen hineinversetzten. Trotzdem vermutet der Psychologe den wahren Hintergrund in der Evolution des Menschen: früher suchten sich Jäger instinktiv körperlich fitte Partner für die gemeinsame Jagd, um das Überleben der Gruppe in der Wildnis zu sichern.

Zurück zur Fahrradstudie: weitere Assoziationen, die mit Fahrradfahrern verbunden werden, sind der Auswertung nach Umweltbewusstsein (55 %), Sportlichkeit (37 %) und eine gesunde Lebensweise (29 %). Auch interessant: nur 3% der Deutschen können nicht Fahrrad fahren bzw. 14 % fahren grundsätzlich nie Rad, d.h. 86 % aller Deutschen kurbeln durch die Lande. Und das mit wachsender Begeisterung: 72 % verbringen bis zu sieben Stunden pro Woche auf dem Sattel. Jeder Achte (12 %) sogar zwischen sieben und elf Stunden oder noch mehr.

Radfahren - Allheilmittel für Körper, Geist und Seele

Fahrradfahren stärkt Herz- Kreislauf- und Immunsystem, hält den Bewegungsapparat gelenkschonend fit, reduziert zugunsten des Muskelmassenaufbaus den Körperfettanteil und baut zudem psychischen Alltagsstress ab - kurzum es tut dem Körper wie der Seelee einfach gut. Außerdem reflektiert die umweltschonende Mobilität Lebensfreude und Lifestyle, was sich u.U. sogar als Schrittmacher für's Lebensglück erweisen kann. Wer sich aufs Rad schwingt liegt demnach in der Schnittmenge gleich mehrerer Trends: Gesundheit, Fitness, Umweltbewusstsein, und fortschrittlichem Technik-Kult. Wen wundert es da noch, dass Radfahren auf der Hitliste der beliebtesten Sportarten in Deutschland an oberster Stelle rangiert? Schließlich ist die Gesundheit des Menschen wertvollstes Gut, und letztlich mehr Wert als ein Sechser im Lotto. Radtouren bergen Überraschungsmomente, unvergessliche Erlebnisse und halten die Sinne ständig auf Trab. Sozusagen ein ganzheitliches Training a la Ying-Yang

<Fahrradfahren in Deutschland 2014>