Das Bayerische Reinheitsgebot

Bayern begeht ein einzigartiges Jubiläum, denn vor 500 Jahren trat eine vom Bayerischen Herzog Wilhelm IV. erlassene Vorschrift in Kraft, die der deutsche Brauerbund als "die älteste, noch heute gültige Lebensmittelesetzgebung der Welt" feiert. 1516 trat der Bayerische Landständetag unter Vorsitz von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt zusammen, dessen Gremium eine vom Herzog vorgelegte Vorschrift billigte. Sie war für Bayern verbindlich und besagte, dass zur Herstellung des Bieres nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürften.

  Wortlaut des Reinheitsgebotes

„Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) eine Maß (bayerische, entspricht 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten – nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll.Wo aber einer nicht Märzen sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. Wo jedoch ein Gäuwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (enthält etwa 60 Liter) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemand erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken. Auch soll uns als Landesfürsten vorbehalten sein, für den Fall, dass aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entstünde, nachdem die Jahrgänge auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind, zum allgemeinen Nutzen Einschränkungen zu verordnen, wie solches am Schluss über den Fürkauf ausführlich ausgedrückt und gesetzt ist.“

Gegeben von Wilhelm IV.
Herzog in Bayern
am Georgitag zu Ingolstadt anno 1516 

Bier - ein gesundes Lebensmittel

Nach einer Studie des Forschers Charles Barnforth von der University of California ist Bier ein gesundes Lebensmittel. Demnach enthält vor allem Pils viel Silizium - elementarer Grundstoff für's Skelett. Das amerikanische National Institutes of Health (NIH) empfiehlt Silizium ausdrücklich als wichtigen Baustein für Knochenwachstum und Entwicklung des Bindegewebes. Kaum zu glauben, aber was in Hauptplatinen von Computern steckt stärkt beim Menschen die Knochen.

Manche Studien raten zur Bekämpfung von Osteoporose zum alkoholfreien Bierkonsum. Neben Silizium enthält insbesondere das Hefe-Weizenbier einen hohen Anteil von der Hopfensubstanz Xanthohumol, das Entzündungen, Rheuma, Arthritis und möglicherweise die Entstehung von Tumoren bremst. In Maßen getrunken vermag es zudem den Vitamin-B-Haushalt zu verbessern (Die Welt). Alkoholfrei zählt das isotonische, vitamin- mineralstoffreiche und kalorienarme Hefeweißbier zu einem gesunden (Sportler-) Getränk das Energy-Drinks in kaum etwas nachsteht. Die harntreibende Wirkung vermag die Nieren zu spülen und Giftstoffe auszuschwemmen. Bier weist mit seinen 8000 Inhaltsstoffen die 6.6 fache Menge auf, als es im Vergleich der Wein bietet. 

 

 

Das Reinheitsgebot

Seit 1995 wird jedes Jahr am 23. April der Tag des Deutschen Bieres gefeiert, mit dem die deutsche Brauwirtschaft an das Reinheitsgebot erinnert. Die 1516 vom Herzogtum Bayern erlassene  Landesordnung, bezog sich damals noch nicht auf den Begriff "Reinheitsgebot". Die Bezeichnung wurde erst vier Jahrhunderte später kreiert. Genauer gesagt am 4. März 1918, als der Begriff erstmals in einem Sitzungsprotokoll des bayerischen Landtags auftaucht und damit schriftlich belegt ist.

Sortenvielfalt

Die Welt beneidet Bayern - respektive Deutschland - um die älteste noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift aus dem Jahre 1516, weil das Bier bis heute - im Gegensatz zu ausländischen Erzeugern - keine Zusätze wie z.B. Konservierungsstoffe oder Aromen enthalten dürfen. Im Grunde wären Zusatzstoffe gar nicht nötig, da es dutzende Sorten von Bitter- und Aromahopfen gibt deren Sud mit Malz aus verschiedensten Getreidesorten angesetzt werden kann. Dazu gibt es noch ca. 200 Bierhefesorten, die dem jeweiligen Geschmackserlebnis ihre unverwechselbare Note verleiht. Diese Variantenvielfalt spornt Spezialitätenbrauereien an, individuelle Biersorten auf den Markt zu bringen was Bierliebhaber gegenüber dem überhand nehmenden Einheitsgeschmack von Industriebieren umso mehr zu schätzen wissen.

In einer Zeit, in der unzählige (industriell gefertigte) Lebensmittel am Pranger stehen, genießt das Reinheitsgebot heute eine umso bedeutsamere Rolle. Es garantiert einen verlässlichen Verbraucherschutz der besagt, dass Deutsches Bier frei von künstlichen Aromen und sonstigen Zusatzstoffen ausschließlich Malz, Hopfen, Hefe und Wasser enthält. Im Bewusstsein über derlei gesunde Inhaltsstoffe dürfte die kühle, bernsteinfarbene Flüssigkeit noch besser munden.

Der Bayerische Brauereibund nimmt die Begebenheit zum Anlass, und zapft am 23. April - dem Tag des Bayerischen Bieres - traditionell einige tausend Liter Freibier aus einem Bierbrunnen vor dem Gebäude des Bayerischen Brauereibundes in München. Wohl bekomms!

 Kloster Aldersbach

Zum Jubiläum des bayerischen Reinheitsgebots widmet das ehemalige Kloster Aldersbach (Passauer Land) dem "Nationalgetränk" - Inbegriff bayerischer Trinkkultur - vom 29. April bis 30. Oktober 2016 eine Landesausstellung.