»Donau-Moldau-Radweg« - Von Fluss zu Fluss

Das Schöne liegt näher, als man glaubt. Ein ganz besonderes Tourerlebnis verspricht der »Donau-Moldau-Radweg«, welcher durch den »Nationalpark-FerienLand Bayerischer Wald« sowie das »Passauer Land« verläuft. Vom Grenzübergang Haidmühle/Nové Údolí (Neuthal) bis nach Obernzell ans Donauufer misst die Route durch zwei Landkreise 64 Kilometer. Entlang des östlichsten Zipfels Bayerns - teils in unmittelbarer Grenznähe zu Österreich - verbindet die hügelige Strecke die Kalte Moldau (Studená Vltava) mit der Donau. Um eines vorwegzunehmen: der Streckenverlauf ist äußerst abwechslungsreich, allerdings bisweilen auch fordernd. Sowohl im Hinblick auf die faszinierende Naturlandschaft als auch die unterschiedlich zusammengesetzten Wegearten machen der Streckenverlauf im doppelten Sinne besonders kurzweilig. So radelt man selbstvergessen auf verkehrsbefreiten Bahntrassen- Schotter- und Forstwegen und ruhigen Nebenstraßen, auf denen malerische Orte gequert, lauschige Seen passiert, viele Anstiege erklommen und atemberaubende Aussichtsmomente genossen werden.

Die ursprüngliche Bezeichnung »Donau-Wald-Radweg« wurde 2019 in »Donau-Moldau-Radweg« umbenannt und durch den gemeinsamen Abschnitt mit dem Adalbert-Stifter-Radweg bis zur tschechischen Grenze verlängert. Damit führt der »Donau-Moldau-Radweg« von Fluss zu Fluss und verbindet den Bayerischen Wald mit dem Donautal im Passauer Land. Start- bzw. Zielpunkt ist je nach Fahrtrichtung entweder die tschechische Landesgrenze Grenze Haidmühle / Nové Údolí (Neuthal) oder Obernzell am Donauufer. Da sich das Höhenprofil fahrtrichtungsgebunden erheblich unterscheidet, sollte dies bei der Planung bedacht werden. Immerhin weist die nördliche Fahrtrichtung von Obernzell nach Haidmühle knapp doppelt soviele Höhenmeter auf (1.236 hm), als die entgegengesetzte Fahrtrichtung zur Donau nach Obernzell (691 hm). Im Falle der höhenmeterintensiveren Variante sollten E-Biker ihre Akku-Kapazität im Auge behalten und ggf. bei einer Einkehr den Akku kurzzeitig ans Netz hängen.

Der Einstand bzw. das sogenannte "Warm Up" beginnt ab Haidmühle auf einer anfangs flachen, dann überwiegend abschüssigen, unasphaltierten Bahntrasse (»Adalbert-Stifter-Radweg«) nach Jandelsbrunn, wo sich beide Radwege verzweigen und getrennte Wege einschlagen. Der wassergebundene, stark verdichtete Fahrbahnbelag minimiert spürbar den Rollwiderstand, weshalb man völlig entspannt auf der nivellierten Bahntrasse radelt. Nachdem der Scheitelhochpunkt in Frauenberg (KM 6) an der Europäischen Wasserscheide überschritten ist (872 m) fällt das Höhenniveau bis zum Bahntrassenende (KM 18.5) in Jandelsbrunn (628 m) um 244 Tiefenmeter kontinuierlich ab. Der topograhisch eingeebnete Wegeverlauf bzw. die sanfte Gefällstrecke benötigt nur minimalen Pedaldruck, um gemächlich - sprich entschleunigt - dahin zu kurbeln. Wer die sanfte Gefällstrecke mit zahlreichen geschwungenen Kurven selbstvergessen hinabcruist, darf sich auf ein beschwingtes Flowgefühl freuen. Auch ein Vorteil: an heißen Sommertagen  genießt man in schattenspendenden Waldpassagen sowie in den Geländeeinschitten angenehm kühle Temperaturen. 

Letztlich sind die kraftschonenden Begleitumstände dem typischen Bahntrasseneigenschaften geschuldet, deren gleichmäßigen Niveauunterschiede eine ökonomische, d.h. sehr rhythmische Fahrweise ermöglicht. Außerdem ist der Streckenverlauf gut einsehbar, weswegen man sich über die Wegeführung keinen Kopf zu machen braucht. Der harmonische Bahntrassencharakter spart jedenfalls kognitive Ressourcen, weshalb man die Umgebung achtsamer wahrnehmen kann was prompt dem Fahrgenuss zugute kommt. Sauerstoffreiche Wälder, mäandernde Bäche, verwittertes Granitgestein und sattgrüne Wiesenhänge geben dem Genussfeeling freien Lauf. Das sanft abschüssige Terrain ohne Straßenverkehr bietet gute Gelegenheit, gedankenversunken abzuschalten und sich von der Natur inspirieren zu lassen, um bei sich selbst anzukommen. Gerade weil Bahntrassen-Radwege ziemlich anstrengungsfrei zu befahren sind, haben Radfahrer ihre wahre Freude daran. Keine Frage: Das angenehme Streckenprofil - bis auf Kreuzungsbereiche ohne Verkehr - fördert den ungestörten Bewegungsfluss und damit den Fahrspaß für Groß und Klein. 

Nichtsdestotrotz unterscheidet sich der Streckencharakter im Vergleich zum zweiten Teilabschnitt von Jandelsbrunn nach Obernzell ganz gewaltig. Nach Verlassen der Bahntrasse in Jandelsbrunn verändert sich der Streckencharakter nämlich schlagartig, was die Steigung in der Bahnhofstraße - einschließlich Straßenverkehr - unmissverständlich klar macht. Da nun vorwiegend auf schwach befahrenen Nebenstraßen gegeradelt wird ist der weitere Routenverlauf bis auf wenige Ausnahmen (zwei Bahntrassenabschnitte) nicht verkehrsfrei. Desweiteren erfordert das hügelige Streckenprofil bis Untergriesbach nun mehr Kraftausdauer (worüber E-Biker wohl nur ein mildes Lächeln übrig haben). So kumuliert sich das stetige Auf & Ab zwischen Jandelsbrunn und Untergriesbach (40 km) auf immerhin 600 Höhenmeter. Die Route schlängelt sich durch den sanft hügeligen südlichen Landkreis Freyung-Grafenau bis kurz vor Breitenberg die Landkreisgrenze Passau überschritten wird. Nachdem der Rannasee - verläuft ohne Grenzkontrolle über Österreichisches Hoheitsgebiet - passiert ist, folgt zwischen Wildenranna und Untergriesbach ein weiteres kurzes Bahntrassen-Teilstück. Das sogenannte "Grand Finale" bildet die 4 km lange Abfahrt im bewaldeten Griesenbachtal (ehemalige Zahnradbahnstrecke), das den Radler nach 255 Tiefenmeter in Obernzell im Donautal (290 m) abrupt aus den (Natur-) Träumen reißt. 

Wer sich für die entgegengesetzte Fahrtrichtung entscheidet (1.236 Höhenmeter) darf sich demzufolge mental gleich vom Start weg auf eine knackige Steigung einstellen.

Bild: Naherholungsgebiet Rannasee 

 Wird eine sportliche Herausforderung gesucht, bei der der (Natur-) Genuss eher zweitrangig ist, befährt die Route an einem Tag hin und zurück. 130 Kilometer mit knapp 2.000 Höhenmeter dürfte wohl selbst gut trainierten Sportlern in die Knochen gehen.

Ingesamt werden 6 Badesseen bzw. Naturfreibäder passiert. Dazu gibt es sehenswerte  Attraktionen bzw. lohnenswerte Abstecher wie beispielsweise die Kneippanlage Jogl, die Baptist-Kitzlinger-Mattenschanze, das Freizeitzentrum Gegenbach mit Weberei-Museum, der Friedrichsberg mit Aussichtsturm (zweithöchste Erhebung des Landkreises Passau), das Naherholungsgebiet Rannasee, das idyllische Griesenbachtal, das Naturschutzgebiet “Donauleiten von Passau bis Jochenstein bis hin zum Schloss Obernzell. Es empfiehlt sich also frühzeitig zu starten, um seine Tagestour möchtst mit vielen Highlights zu bereichern. 

Auf kaum befahrenen Nebenstraßen radelt man im stetigen Auf & Ab via Breitenberg-Wegscheid-Rannasee nach Untergriesbach, wo dann die ehemalige Zahnradbahnstrecke (7% Gefälle) durchs idyllische Griesenbachtal hinab ans Donauufer einen begeisternden Schlussakt setzt. 

Bild: Griesenbachtal

Anschluss-Radwege 

Der »Donau-Moldau-Radweg« ist sowohl am Start- als auch Zielpunkt exzellent ans Radwegentz angebunden. Somit kann die "Fluss-zu Fluss-Route" alternativ auch für längere Radtouren eingebunden werden. Einerseits stellt der internationale Donau-Radweg in Obernzell eine weiterführende Anbindung Richtung Ost und West her, andererseits besteht vom Radwegeknotenpunkt Haidmühle / Nové Údolí (Neuthal) - teils grenzüberschreitender  - Anschluss an den Nationalpark-Radweg, Dreiländer-Radweg sowie regionalen Rundtouren.

Mountainbiker kommen durch die TRANS BAYERWALD voll auf ihre Kosten, d.h. die Strecke von der Donau zur Moldau lässt sich ebenso auf einer faszinierenden Route im Gelände zurücklegen. Ein besonderes Zuckerl, zumal die Streckenführung (1. Etappe Passau-Wegscheid) 2021 vom wilden Erlautal nach Obernzell verlegt wurde (Obernzell - Wegscheid 29 km). Die prestigeträchtige Offroad-Route verläuft zwischen Jandelsbrunn und Neureichenau auf derselben Wegstrecke wie der »Donau-Moldau-Radweg«.

Last but not least: mit Ausnahme von Rennrädern ist der »Donau-Moldau-Radweg« problemlos mit E-Bike, Trekking- Gravel- Cross- oder Mountainbike befahrbar.