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Marktdaten der deutschen Fahrradindustrie

Robuster Fahrradmarkt in herausfordernden Zeiten

Dass Fahrräder und E-Bikes in Zeiten der Mobiltiätswende und gestiegenem Umweltbewusstsein auf einer Erfolgswelle schwimmen ist hinlänglich bekannt. Das Rekordjahr 2022, als sich die Speicherflitzer im Würgegriff von Corona zum Garant für infektionssichere Alltagsmobilität entwickelten und die Zweiradbranche von der Bundespolitik sogar als systemrelevant eingestuft wurde, wird so schnell kaum mehr zu toppen sein. Längst ist die damalige Goldgräberstimmung einer skeptischen Einschätzung gewichen. In der gegenwärtig angespannten Situation sieht sich der Wirtschaftszweig großen Herausforderungen konfrontiert.

Dennoch gibt es postive Ausblicke, da für 2026 eine deutliche Verbesserung für die Branche erwartet wird, wie Katharina Hinse, Leiterin für Wirtschafts- und Industriepolitik beim ZIV resümierte. "Ein Großteil der in Deutschland verkauften Fahrzeuge wird bei uns im Land produziert. Wir erwarten, dass die künftige Bundesregierung das Potenzial unserer Zukunftsbranche als Teil der heimischen Wirtschaft entsprechend erkennt und fördert", ergänzte ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork. 

Der Verband ZIV veröffentlichte turnusgemäß in Berlin am 12. März 2025 seine Marktdaten der Fahrradbranche für das Geschäftsjahr 2024. Das vergangene Jahr war demnach für die Branche herausfordernd. Dennoch zeigt sich der Verband in Anbetracht der Lage der Gesamtwirtschaft verhalten zuversichtlich, weil einerseits die erwarteten Rückgänge geringer ausfielen, zum anderen von einer Normalisierung des Marktes ab dem Jahr 2026 ausgegangen wird, wie ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork bekräftigte. 

Laut Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) blieb im Jahr 2024 der Anteil der in Deutschland verkauften Elektrofahrräder mit 53 % auf dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt wurden in Deutschland 3,85 Millionen Fahrzeuge verkauft (2,05 Mio. E-Bikes und 1,8 Mio. Fahrräder), was einem Rückgang von 2,53 % gegenüber 2023 entspricht (2023: 3,95 Mio.). Relativ stabil sind 2024 die Umsätze der Branche geblieben: Auf über 6,33 Milliarden € (2023: 7,06 Mrd €.) belief sich der Gesamtumsatz bei Fahrrädern und E-Bikes, das entspricht einem Rückgang von 10,3 % zum Vorjahr, liegt aber noch deutlich über dem Umsatz des Jahres 2019 (4 Mrd. €).

Der Bestand an klassischen Fahrrädern in Deutschland baläuft sich für das Jahr 2024 auf 73 Millionen bzw. von  E-Bikes auf 15,7 Millionen. Somit gibt es in Deutschland insgesamt rund 89 Millionen Fahrräder und E-Bikes. Aufgeschlüsselt in einzelnen Modellgruppen stechen Gravelbikes und Rennräder besonders hervor, der Absatzzahlen ausgesprochen gut abschneiden. Erstmals wies der ZIV diese getrennt in seinen Daten aus. Das sogenannte Bikepacking, also das Reisen mit Fahrrad und Gepäck, gewinnt für den Tourismus in ganz Europa zunehmend an Bedeutung. Auch Kinder- und Jugendräder zeigen eine positive Marktentwicklung. 

2024 hat die deutsche Fahrradindustrie 1,97 Millionen Einheiten produziert. Damit entspricht das Produktionsniveau etwa dem des Jahres 2019. Die Produktion von klassischen Fahrrädern verringerte sich um 11,7 % auf 641.000 Einheiten (2023: 726.000 Einheiten). Die Produktion von E-Bikes fiel um 14,8 % auf 1.330.000 Einheiten (2023: 1.561.000 Einheiten). Angesichts der Krise der deutschen Gesamtwirtschaft fällt der kumulierte Rückgang beider Fahrradgruppen von 13,8 % im Vergleich zu 2023 verhältnismäßig moderat aus. "Das E-Bike bleibt das Rückgrat der Fahrradproduktion Made in Germany", so Katharina Hinse vom ZIV.

Servicegeschäft der Werkstätten boomt

Gegenüber dem Vorjahr stellt der Fahrradfachhandelsverband Verbund Service und Fahrrad (VSF) einen Umsatzrückgang um knapp drei Prozent, einen weiterhin hohen Lagerbestand sowie einen deutlich geringeren durchschnittlichen Verkaufspreis fest. «Der Umsatzrückgang war in der Folge des Booms der Vorjahre erwartbar und verunsichert uns nicht. Zudem prognostizieren fast 80 Prozent der befragten Händler:innen eine Normalisierung des Lagerbestandes noch in diesem Geschäftsjahr. Eine gute Nachricht für den Fahrradhandel und für die Industrie, die von einem kuriertem Orderverhalten profitieren wird», sagt der Geschäftsführer des VSF, Uwe Wöll. Der Umsatzrückgang ist vor allem auf starke Rabattaktionen zurückzuführen. Allerdings konnten so, trotz Umsatz- und Ertragseinbußen, weitere E-Bikes und Fahrräder kundenfreundlich in Umlauf gebracht werden. Offensichtlich werden diese auch genutzt – das zeigen die vollen Auftragsbücher in den Werkstätten. Fahrräder werden fleißig genutzt: «Knapp 90?Prozent der Betriebe verzeichnen einen deutlichen Anstieg in den Werkstattumsätzen», berichtet Wöll für den VSF, der zusammen mit BIKE&CO einen gewichtigen Teil des stationären Fahrradfachhandels vertritt.

ZIV Marktdaten Fahrräder und E-Bikes 2024

 Seit mehr als 50 Jahren veröffentlicht der ZIV jährlich – branchenexklusiv – die Wirtschaftszahlen der deutschen Fahrradindustrie. Sie gelten als die zentrale Quelle für Erhebung, Monitoring und Analyse der Entwicklung der Fahrradwirtschaft und geben zusätzlich Ausblick auf Trends der Branche sowie die Zukunft des Marktes. 

Bestand E-Bikes in Deutschland

Der Gesamtbestand an Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland ist kontinuierlich auf nunmehr 88,7 Mio. angewachsen, wobei der E-Bike-Bestand mittlerweise 15.7 Mio. Stück beträgt wodurch das politische Ziel von 15 Mio. sogar übertroffen wurde. 

Wachstumsmotor E-Bike

Die Verkaufsanteile von Fahrrädern 1,8 Mio. (47 %) und E-Bikes: 2,1 Mio. (53 %) blieb im Vergleich zu 2023 nahzu unverändert. Somit sind E-Bikes in Deutschland mit einem weiterhin gestiegenen Marktanteil von 53 % nach wie vor ein gewichtiger Wachstumstreiber der Zweiradbranche. Zitat Katharina Hinse vom ZIV: "Das E-Bike bleibt das Rückgrat der Fahrradproduktion Made in Germany".

Am auffälligsten macht sich der E-Bike-Trend bemerkbar, welcher schon seit mehreren Jahren als maßgeblicher Wachstumstreiber der Branche gilt. Die herausstechende Dominanz der E-Mountainbikes unterstreicht der Zahlenvergleich mit konventionellen (Bio-) Mountainbikes: wurden 2024 insgesamt 874.000 MTB's verkauft, befanden sich darunter 820.000 motorunterstützte Stromer (Anteil 94 %). Konventionelle (Bio-) Mountainbikes machten hingegen gerade mal 54.600 verkaufte Einheiten aus, was einen verschwindend geringen Marktanteil von 6 % ergibt. 

Mit 40 % Verkaufsanteil belegen E-MTB's im gesamten E-Bike-Segment souverän den Spitzenplatz, gefolgt von Trekkingbikes (25%) und e-City-Bikes (19%).

Der Umsatz an Fahrrädern und E-Bikes ist 2024 auf 6,33 Mrd. Euro gefallen (2023 7.06 Mrd. Euro). Die Gesamtstückzahl der verkauften Fahrräder und E-Bikes lag bei 3,9 Millionen (E-Bikes 2.1 Mio/Fahrräder 1.8 Mio).  

E-Bikes

    Im Langzeitvergleich wird die wachstumsträchtige Entwicklung der E-Bikes deutlich. Innerhalb 10 Jahren hat sich ihr Bestand in Deutschland (in Mio. Stück) verachtfacht 

      Cargobikes erleiden nach lang anhaltender Wachstumsphase geringfügige Einbußen

      Lastenräder bzw. Cargobikes gehören zu den wachstumsstärksten Modellgruppen. Das sprunghafte Wachstum stützte sich bisher auf den hohen Beliebtheitrad sowie der Praxistauglichkeit von E-Cargobikes. Für viele ist die Unterstützung durch den Motor ein Enabler in der Nutzung.

      Datenquelle: Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV)

        Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV)

      Seit mehr als 50 Jahren veröffentlicht der ZIV jährlich – branchenexklusiv – die Wirtschaftszahlen der deutschen Fahrradindustrie. Die ZIV-Marktdaten sind die zentrale Quelle für Erhebung, Monitoring und Analyse der Entwicklung der Fahrradwirtschaft und geben zusätzlich Ausblick auf Trends der Branche sowie die Zukunft des Marktes.

      Der ZIV ist die Interessenvertretung und starke Stimme der Fahrradindustrie. Als Branchenverband bündelt und vertritt der ZIV rund 140 Mitgliedsunternehmen gegenüber den Gesetzgebern in der EU und in Deutschland, der Regierung, Behörden, Medien, Institutionen und Organisationen. Rund 90 % der 2024 in Deutschland produzierten Fahrräder und E-Bikes stammen von Mitgliedsunternehmen des ZIV, die zusätzlich zum Absatz im Binnenmarkt jährlich 1,3 Mio. Fahrzeuge exportieren. Der ZIV vertritt etablierte Unternehmen und Start-ups, produzierendes Gewerbe und Handel (inklusive Import und Großhandel) sowie Akteure aus dem gesamten Ecosystem Fahrrad. 

      Rückblick

      Berlin, 15.03.2023. Der ZIV Zweirad-Industrie-Verband und der VDZ Verband des Deutschen Fahrradhandels haben die Markzahlen für das Jahr 2022 präsentiert. Trotz  problematischer globaler Lage belief sich die Gesamtstückzahl der verkauften Fahrräder und E-Bikes 2022  -nämlich 4,6 Millionen Stück - nur knapp unter dem Rekord-Jahr 2021 (minus 100.000 Stck.) bzw. es war sogar ein Plus von 300.000 Einheiten in Bezug auf das Vor-Corona-Jahr 2019 zu verzeichnen. Dabei stiegt der Anteil an E-Bikes um weitere zehn Prozent auf 2,2 Millionen.

      Am auffälligsten macht sich der explodierende E-Bike-Trend bemerkbar, welcher schon seit mehreren Jahren als maßgeblicher Wachstumstreiber der Branche gilt. Die herausstechende Dominanz der E-Mountainbikes unterstreicht der Zahlenvergleich mit konventionellen (Bio-) Mountainbikes: wurden 2022 insgesamt 931.600 MTB's verkauft, befanden sich darunter 836.000 motorunterstützte Stromer (Anteil rund 90 %). Konventionelle (Bio-) Mountainbikes machten hingegen gerade mal 95.600 verkauften Einheiten, woraus ein verschwindend geringer Marktanteil von 4 % resultiert. Der E-Bike-Absatz erreichte 2022 einen neues Allzeithoch: 2,2 Mio. Stück (+ 10 % zu 2021). Seit 2018 hat sich der Absatz mehr als verdoppelt, seit 2015 vervierfacht. Somit sind E-Bikes in Deutschland mit einem Marktanteil von 48 % ein gewichtiger Wachstumstreiber der Zweiradbranche. „Wir gehen davon aus, dass E-Bikes im Verlauf dieses Jahres bei den Stückzahlen erstmalig an unmotorisierten Fahrrädern vorbeiziehen werden“, so Burkhard Stork, Geschäftsführer/CEO vom Zweirad-Industrie-Verband e.V. „In einigen Produktgruppen, wie bei Mountainbikes oder Lastenrädern haben wir in Deutschland inzwischen eine sehr klare Dominanz bei unterstützten Fahrzeugen.“ 

      Datenquelle: Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) 

      Enorme Potenziale in der Freizeit und im Tourismus

      Wenngleich nicht alle verkauften MTB  Offroad genutzt werden, ergibt sich für die Nutzung in Freizeit und Urlaub ein riesiges Potential. Nach schneearmen Wintern - einschließlich 2022/23 - sucht die Tourismuswirtschaft händeringend nach ganzjährigen Alternativen zum Ski-Tourismus. Hierbei könnte der wachsende Mountainbike-Tourismus in den Bergen quasi in die Bresche springen. Um diesen nachhaltig weiterentwickeln zu können, bedarf es jedoch einer eindeutigen und bundesweiten Regelung des Zutritts zur Natur. „Es darf kein Flickenteppich mit 16 unterschiedlichen Ländervorschriften entstehen. Wir erwarten, dass die Novellierung des Bundeswaldgesetzes zu einheitlichen bundesweiten Regelungen zum freien Betreten des Waldes führt“, so Stork.

      E-Bikes weiterhin auf Wachstumskurs

      Die Verkaufsbilanz von Rädern mit bzw. ohne Hilfsmotor weist zunehmend eine uneinheitliche Tendenz auf. Während hinsichtlich der Modellgruppenaufteilung am Gesamtmarkt (nach Stück), City-/Urban, Trekking, MTB sowie Holland- und Tourenrad rückläufig sind, wartet die Kategorie der E-Bikes mit üppigen Wachstumsraten auf. Das exorbitante Wachstum der e-bike-Sparte kompensiert unter dem Strich nicht nur die schwächelnde Nachfrage der "klassischen" Fahrräder, sondern stabilisiert die Umsätze der Fahrradindustrie auf relativ hohen Niveau.

      Dass die Fahrradindustrie sich in den zurückliegenden Jahren auf einem ungebremsten Wachstumskurs befand verdankte sie maßgeblich dem enormen E-Bike-Nachfrageschub. Schon seit geraumer Zeit fungiert die E-Bike-Sparte als echter Innovationstreiber und zentraler Wachstumsmotor der gesamten Zweiradbranche. Wenig Wunder, denn immer mehr Menschen fahren mit großer Begeisterung auf Räder mit elektrischem Hilfsmotor ab, was den mengenmäßigen Absatz 2019 erstmals über die Millionenhürde katapultierte. Da der Elektroantrieb zwischenzeitlich in fast allen Modellgruppen vertreten ist, erweitert es das Produktportfolio dieser Sparte ungemein. Vom e-Trekkingrad über e-Lastenrad, e-Mountainbike, e-Faltrad bis hin zum e-Rennrad und e-Gravelbike werden nahezu alle Radgattungen mit elektrischer Unterstützung angeboten.