Erstmals stellte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club seine 21. ADFC-Radreiseanalyse aufgrund der Absage der Internationalen Tourismus-Börse nicht im Rahmen der weltgrößten Reisemesse in Berlin vor. Ein lang anhaltender Trend setzt sich fort, denn Radurlaub erfreut sich weiterhin wachsender Beliebtheit. 

Die wichtigsten Erkenntnisse vorweg: Radurlaub ist weiterhin angesagt, wobei Kurz- und Wochenendreisen mit dem Rad signifikant angestiegen sind. Überraschend ist, dass der Radtourismus nicht nur neue Zielgruppen erschließt sondern Menschen nach einem Radurlaub das Rad auch häufiger im Alltag nutzen. Im Urlaub oder in der Freizeit Fahrrad zu fahren, hat laut Radreiseanalyse einen nachhaltigen Einfluss auf das Radfahrverhalten im Alltag. Synergien, die u.U. der Mobilitätswende frische Impulse zu geben vermag. Beleg: gezielte Umfragen ermittelten, dass 90 % derer, die im Rad-Urlaub positive Eindrücke sammelten und schöne Erlebnisse hatten, ihr Zweirad danach auch häufiger im Alltag nutzen. (2019: 40 % fahren danach mehr Rad im Alltag, 2018: 35 Prozent).

Das Spektrum von Radreisen ist riesig. Es erstreckt sich vom mehrwöchigen Rad-Urlaub, über die Wellness-Reise mit Fahrradausflügen, spontane Radkurztrips mit Städtebesuch, Sterntouren mit derselben Unterkunft bis hin zu Radtouren in Wohnortnähe. Klassische Radreise-Destinationen, Städte und ländliche Regionen können sich jedenfalls über viele neue Radreisende und freuen, die eine beträchtliche Wertschöpfung generieren. „Sie geben 70 bis 100 Euro pro Tag aus und sind ein Konjunkturprogramm für die ganze Republik“, sagt ADFC-Tourismusexpertin Louise Böhler. 

Die Zahl der Radreisenden, die Urlaube mit drei und mehr Übernachtungen machen, ist mit 5,4 Millionen auf dem hohen Niveau im Vergleich zum Vorjahr geringfügig gesunken (5,5 Millionen in 2018). Hierbei gilt zu berücksichtigen, dass Vergleiche von Jahrezahlen zu einem gewissen Maß dem Einflußfaktor saisonaler Wetterschwankungen unterliegen. 

Dass sich der Trend zum Elektrofahrrad fortsetzt dürfte hingegen wenig überraschend sein. 2019 nutzten 29 Prozent der Radreisenden ein Elektrorad, was eine Zunahme im Vgl. zum Vorjahr von 6 Prozent entspricht.

Kürzer - spontaner - vielfältiger, so lässt sich das Reiseverhalten von Radtouristen kurz und knapp auf den Punkt bringen. Während die Zahl der Radreisenden, die Urlaube mit drei und mehr Übernachtungen machen geringfügig um 1.8% auf 5,4 Millionen gesunken ist, stiegen demgegenüber Kurzreisen (max. 2 Übernachtungen) auf 5.2 Millionen unter der Woche (+27%) bzw. 6.8 Millionen am Wochenende (+11%) sprunghaft an. Auch die Zahl der Radausflügler von 34.3 Millionen nahm um 5.5% zu. 

Radreiseanalyse 2020

Beim Beliebtheitsgrad deutscher Radfernwege gab es neben üblicher Verschiebungen mit dem Altmühl-Radweg einen "Newcomer" in der Top Ten Liste. Während der Bodensee-Radweg 5% an Popularität einbüßte konnte der Bodensee-Königsee-Radweg äquivalent 5% zulegen. Auch der Donau-Radweg (Inland) musste "Federn" lassen (-4%), während der Main-Radweg sein gutes Vorjahresergebnis mit +/- 0 halten konnte. Den Spitzenplatz heimste indes zum zweiten Mal in Folge der Weser-Radweg ein. Auf den Plätzen folgten der Elberadweg und RuhrtalRadweg.

Es ist schon bezeichnend, dass allein fünf der beliebtesten Fernradrouten Deutschlands  (Bodensee-Königsee-Radweg, Main-Radweg, Donau-Radweg, Altmühl-Radweg, Bodensee-Radweg) in der TOP 10 Liste den Freistaat Bayern tangieren.

Bei der Anreise spielt der öffentliche Personennahverkehr eine zunehmend wichtigere Rolle: während die Nutzung des Autos im Jahr 2019 von 68 % auf 60 % sank, stieg im gleichen Zeitraum die Nutzung des ÖPNV erfreulicherweise von 32 % auf 40 %. Analog dazu steigt die umweltfreundliche Fahrradmitnahme in Bahn (+12%) und Fernbus (+8%) kontinuerlich was dazu beiträgt, den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Ein attraktives Radangebot im Nahverkehr kann demzufolge zwar den regionalen Tourismus ankurbeln helfen, doch Licht und Schatten liegen hier nah zusammen. Das umweltfreundliche Verhalten täuscht nicht über eklatante Defizite der Bahn bzw. dem ÖPNV hinweg. Demnach kritisierten 70% unzureichende Kapazitäten für die Fahrradmitnahme bei der Bahn, 53 % klagten über fahrradunfreundliche Bahnhöfe bzw. 41 % über unkomfortable Stellplätze für ihr Fahrrad. Dies macht deutlich wieviel hier noch im Argen liegt, da weder die Infrastrukur noch öffentliche Transportsysteme mit dem enorm gestiegenen Radverkehr Schritt gehalten haben.

Für Radurlauber zählt für die Auswahl einer (Urlaubs-) Destination die Attraktivität des Standort zum wichtigstn Kriterium (80 %). Das Wetter (74 %) bzw. die ausgewählte Strecke (66 %) haben den nächst größten Einfluss auf das (Etappen) Ziel.

Zum ersten Mal wurden Daten über die beliebtesten Bundesländer in Bezug auf Radtourismus erhoben. Hier liegt Bayern, (22.1%) mit großem Abstand vorn, gefolgt von Niedersachsen (15.78%), Nordrhein-Westfalen (10.85%), Baden Württemberg (9.12%) und Mecklenburg-Vorpommmern (8.11%). Das Allgäu zählt zur beliebtesten Radregion Deutschlands, gefolgt vom Emsland und Münsterland.

Eine erwartbare Entwicklung: das Internet bleibt unagenfochten Infoquelle Nr. 1. 51 % der Radreisenden nutzen Apps unterwegs (46 %) 57 % planen mit Tourenportalen (49 %).

Die ADFC-Radreiseanalyse ist eine repräsentative Onlinebefragung unter 8.122 Bundesbürger und fand zum 21. Mal statt. 

Streckenradler versus Sterntourradler

Das Segment der Sternrtourradler nimmt stetig zu. 2018 erreichen Radreisen in einer Region - ausgehend von einem einzigen Standort-Quartier („Sterntour“) mit 28 % seinen höchsten Wert. Laut der bundesweiten Erhebung beträgt die Ø Fahrleistung bei "Regioradlern" etwa 55 km und Ø 6 Übernachtungen. 

Radfahren ist umweltfreundlich, weshalb der wachsende Radtourismus in Deutschland sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt. Immerhin jeder fünfte Radtourist startet seinen Radurlaub mit seinem Vehicle direkt vor der Haustür, während ein Drittel der Radurlauber für die An- und Abreise zum Urlaubsdestination die Bahn nutzt. Fahrradtourismus gilt zu den umweltverträglichsten Reiseformen überhaupt.

E-Bike-Boom

Bisher standen hauptsächlich steigungsarme Fluss - Radwege in der Gunst der Radtouristen. Doch diese Entwicklung hat in den letzten Jahren eine grundlegende Wendung genommen. So kommen mittlerweile durchaus auch "sportlichere" Varianten im bergigen Terrain in Betracht. Dank Akku-Schubhilfe von E-Bikes haben Radtouren über welliges bzw. bergiges Gelände ihren Schrecken verloren. Der anhaltende E-Bike-Boom sorgt dafür, dass auch für konditionell schwächere Radler ein bergigeres Terrain kein unüberwindbares Hindernis mehr darstellt. Der zusätzliche Wattschub erhöht sowohl die Tagesreichweite als auch die Höhenmeterbilanz merklich. Demnach legen "Streckenradler" (wechselnde Unterkünfte, im Ø 7 Etappen) durchschnittlich 72 km zurück, während "Regioradler" (Sternrouten mit Basis-Unterkunft, im Ø 6 Etappen) rund 56 km täglich zurück legen. 

Auch der Ausflugsradius zum Startpunkt einer Radtour ist gestiegen, denn jeder zweite Radler legt mittlerweile mehr als 60 km zurück. Interessant ist die Trendbeobachtung bei der Wahl des Verkehrsmittels. Die Entwicklung wendet sich vom Auto hin zur ÖV-Nutzung (Bahn/Fernbus): während 2019 noch 60 % das KFZ nutzten (im Vgl. zu 2018 waren es 68%) stiegen 40% (im Vgl. zu 2018 waren es 32%) auf Bus/Bahn um.

Der Anteil der Elektroräder verzeichnet bei Radreisen ein rasantes Wachstum:

  • 2017: 18%
  • 2018: 23%
  • 2019: 29 %

Anmerkung: da die Coronakrise 2020 dem E-Bike-Segment ein geradezu explosionsartiges Wachstum bescherte, dürfte der Anteil der Elektroräder bei Radreisen ihre sprunghafte Fortsetzung finden.  

Bayern verbucht 2018 - wie die Jahre zuvor - abermals einen Touristenrekord

Bayern verbucht zum siebten Mal in Folge einen Touristenrekord. Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) konnte bei der Jahrespressekonferenz Tourismus am 11. Februar 2019 im Bayerischen Wirtschaftsministerium in München für das vergangene Jahr 99 Millionen Übernachtungen und 39 Millionen Gästeankünfte im Freistaat vermelden. Sowohl München als auch Heilbäder und Kurorte standen hoch im Kurs der Urlaubsgäste. Zuwächse gab es in sämtlichen sieben Bezirken – wobei Oberbayern mit 43,4 Prozent aller Übernachtungen deutlich heraus ragt, was u.a. auch an der bayerischen Landeshauptstadt liegt, die als unangefochtene Nr. 1 aller Destinationen dominiert (17,1 Millionen). Auf Platz 2 und 3 folgen Nürnberg (3,6 Millionen) und Bad Füssing (2,2 Millionen). Oberstdorf, Bad Kissingen, Füssen, Garmisch-Partenkirchen, Regensburg, Würzburg und Bad Griesbach komplettierten die Top Ten Liste. Die Auslastung der Betten variierte allerdings sehr untererschiedlich: Im Durchschnitt waren 46 Prozent aller Betten belegt, wobei die Oberpfalz mit 37,2 Prozent das Schlusslicht bildet. Drei Viertel aller Gäste waren 2018 Inländer. Die meisten Besucher aus dem Ausland kamen aus den USA, was Aiwanger zu der sarkastischen Bemerkung verleitete: "vielleicht kommen sie wegen Trump". Auf die Plätze der Auslandsgäste folgen in der Statistik Österreicher, Schweizer, Niederländer und Italiener, während die arabischen Golfstaaten auf Platz acht landeten. Insgesamt sei bei den Zahlen laut Aiwanger aber „noch Luft nach oben“.