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Informationen

5. »STELVIO NIGHT« • 25.06.2027 • DIE KÖNIGIN DER ALPENPÄSSE BEI NACHT

Stelvio Night

Streckendaten

Ausgangspunkt: Trafoi (Meereshöhe: 1533 m)
Endpunkt: Stilfserjoch

Streckenlänge: 15 km
Höhenmeter: 1300 hm (empfohlene Fahrtrichtung)

Stelvio Night

  • Start: Trafoi (1.570 m ü.NHN.)
  • Streckenlänge: 15 km
  • Höhenmeter: 1.300 
  • Ø - Steigung 8.9% | Maximalsteigung 16%
  • 46 Kehren
  • Ziel: Stilfser Joch  / Alpengasthof Tibet Hütte (2.788 m ü.NHN)

Nordostrampe Stilfser Joch 

Gesamtstrecke: 25,2 km | 1.844 hm | Ø - Steigung 7,5 % | 48 Kehren

Prad:                  KM  0.0   (910 m ü.NHN)

Stilfser Brücke:   KM  4,6 (1.130 m ü.NHN)

Gomagoi:           KM  6,5 (1.270 m ü.NHN) - Kreuzung Suldental / Stilfs

Kehre 48:           KM  8.3 (1.363 m ü.NHN.)

Trafoi:                KM 11.0 (1.527 m ü.NHN)

Haus Knott:        KM 15,2 (1.875 m ü.NHN)

Franzenshöhe:    KM 18,4  (2.188 m ü.NHN)

Kehre 1:             KM 24.4 (2.718 m ü.NHN)

Stilfser Joch:       KM 25,0 (2.760 m ü.NHN)

Fahrzeitfenster 

Durchschnittliche Fahrtdauer (je nach Leistungsniveau plus / minus) von Trafoi bis Stilfserjochpass 

  • ebiker: circa 1,5 Stunden
  • Biobiker: circa 2,5 Stunden
  • Fußgänger circa 3,5 Stunden

Anfahrt von Prad nach Trafoi (10.5 km / ca. 650 hm)

  • E-Bikes: circa 45 min
  • Biobike: circa 1,15 Stunden

Schauplatz des »STELVIO NIGHT« im Vinschgau/Südtirol (IT) ist die legendäre Stilfserjochstraße, die eigens ab dem Bergdorf Trafoi (1.570 m ü.NHN.) für den motorisierten Verkehr gesperrt bzw. ab der Franzenshöhe (2.188 m ü.NHN.) bis zur Passhöhe (2.760 m ü.NHN.) farbenprächtig beleuchtet ist. Im urigen Alpengasthof Tibet Hütte findet das außergewöhnliche Spektakel bei einer Pasta Party ihren würdigen Abschluss (Open End).

Das lässige Breitensportevent richtet sich an Rennradfahrer, Mountainbiker, Gravelbiker und ebiker, genauso wie an Bergläufer, Inlineskater, Rollskisportler und Handbiker. Teilnehmer dürfen sich aus gutem Grund über ein außergewöhnliches und abwechslungsreiches Erlebnis mit epischen "Wow-Momenten" erfreuen.

Streckengrafik


Bewegen sie ihren Cursor auf dem Höhenprofil, wird interaktiv oben auf der Streckengraphik die geographische Position eingeblendet.

Haftungsausschluss:

Biketouristik – Media übernimmt keine Gewähr für die Korrektheit downgeloadeter Trackdaten. Die Verwendung von GPS-Tracks geschieht in Eigenverantwortung des Users und schließt Haftungsansprüche gegenüber dem Anbieter ausnahmslos aus.



Timetable

Leichtfüßige Bergziegen mag die asphaltierte "Himmelsleiter" beflügeln, vor allem wenn sich die gewichtsbezogene Leistung (Watt je Kilogramm) sehen lassen kann. Wer indes weniger Power auf die Kurbel drückt bzw. mehr Speck auf den Rippen hat, für den ist und bleibt der Stelvio ein echtes Brett. Genaugenommen spielen Leistungsdaten beim »STELVIO NIGHT« aber für die wenigsten Teilnehmer eine Rolle, einfach weil es um das Erlebnis selbst und nicht um irgendwelche Platzierungen geht. Wieviel Zeit bis zur Bergankunft vergeht hängt natürlich vom Leistungsniveau, der Belastungsintensität sowie der Standzeit (Pausen) ab. Fliegen fitte Bergflöhe in 1 Stunde den Stelvio hinauf, benötigen Hobbyradler gut und gerne doppelt oder dreimal so lange. Das Groß des Teilnehmerfeldes dürfte an der Tibet Hütte (es wird 15 min. später als im letzten Jahr gestartet) bis 23.15 Uhr eingetrudelt sein. 

Foto: Verkehrshinweis aus älteren Tagen. Die Strada Statale 38 dello Stelvio (SS 38) nimmt im Südtiroler Etschtal ihren Anfang, durchquert einen Großteil des Vinschgaus bis Prad, führt durchs Trafoital hinauf zum Stilfser Joch und anschließend in der Lombardei verlaufend hinab ins Veltlin nach Bormio.

Seinen ehrfürchtigen Ruf in der Szene verdankt der Passo Stelvio seiner nordöstlichen Auffahrt (Ostrampe). Die Kehren schrauben sich bei durchschnittlich 9-11% und maximal 16% Steigung nach oben. Bis zur Kehre 31 verläuft die Straße durch sauerstoffangreichtes Waldgelände. Wer mit Näherrücken der Baumgrenze meint das Gröbste geschafft zu haben, hat die Rechnung jedoch ohne den Wirt gemacht. Sobald der furchterregende Blick auf den serpentinendurchsetzten Straßenverlauf frei wird, löst der Anblick zwiespältige Denkmuster aus.   

Foto: wer am Stelvio quasi seinen Einstand gibt und zum ersten Mal den entwaffenden Anblick der Serpentinenstraße erlebt, mag von widersprüchlichen Gefühlen geplagt sein. Einerseits wird kurz vor dem Berghotel Franzenshöhe (2.188 m ü.NHN.) die überwältigende Aussicht zum Stilfserjoch frei, andererseits stapeln sich die Kehren der Stilfserjochstraße im Fels-Steilhang ca. 700 Höhenmeter reihenweise in Zick-Zack-Formation übereinander. Doch genau dieser Anblick weicht beim Stelvio Night dem leuchtfarbenen Lichterband, das sich wie eine Perlenkette nach oben zieht. Welch mystische Stimmung diese Aura auslöst kann tatsächlich nur derjenige nachvollziehen, der es selbst erlebt hat. 

Schauplatz des Geschehens ist die legendäre Stilfserjochstraße mit ihren 48 übereinander geschachtelten Serpentinen, die ab Trafoi für den motorisierten Verkehr gesperrt bzw. ab der Franzenshöhe (2.188 m ü.NHN.) bis zur Passhöhe (2.760 m ü.NHN.) farbenprächtig beleuchtet ist. Zweifelsohne ist der autofreie Alpenpass für Radfahrer das höchste der Gefühle, weil ansonsten auf der weltbekannten Passstraße relativ hohes Verkehrsaufkommen herrscht. Umso mehr werden verkehrsfreie Rad-Events wie der »STELVIO NIGHT« oder der Radtag Stelvio wertgeschätzt, denn hier heißt es: Freie Fahrt ohne Lärmgedöns. 

 An Schönwetter-Wochenenden herrscht auf der Stilfserjochstraße während der Hauptverkehrszeit zwischen 10.00 - 15.00 Uhr relativ viel Straßenverkehr. Vorbeisausende Sportwagen und bollernde Motorräder sind für Radfahrer absolute Spaßbremsen, weshalb es ratsam ist außerhalb der Stoßzeiten bzw. an Werktagen das bombastische Passstraßen-Erlebnis zu genießen. 

Mondäne Empfangsatmosphäre

Bevor aufgesattelt wird, steht ein Empfang in entspannter Atmosphäre im Hotelgarten auf dem Programm. Zur Einstimmung bietet das Wiesengelände im rückwärtigen Bereich des historischen Hotel Bella Vista in herrlicher Naturkulisse echtes Wohlfühlambiente, bei dem Snacks & Freigetränke gereicht werden. Der Urgroßvater von Skilegende Gustav Thöni hatte den Gasthof „Zur schönen Aussicht“ bereits im Jahr 1875 als Herberge erbaut, lange bevor der (sanfte) Tourismus in Trafoi zaghaft Fuß fasste. 

Foto: lässige Atmosphäre in exqusitem Rahmen vor spektakulärer Bergkulisse. So wird der Beginn des Stelvio Night im Hotelgarten des "Hotel Bella Vista" eingeläutet.

Der freundliche Empfang an nobel eingedeckten Tischen, an denen feine Säftekreationen und Snacks (Südtiroler Schüttelbrot - ein Traum) kredenzt wurden hatte in der herrlichen Natur schon einen gewissen elitären Touch, der mit klassischen Verpflegungsstationen bei Radsportveranstaltungen nicht im Geringsten vergleichbar ist. Trotz innerer Anspanung vor dem bevorstehendem Start war keinerlei Hektik oder Nervosität zu spüren. Stattdessen herrschte eine ausgesprochen entspannt lockere Atmosphäre. Wohl auch deswegen, weil man sich untereinander nicht als wetteifernde Konkurrenten gegenseitig musterte, sondern sich kameradschaftlich als Gleichgesinnte ohne Leistungsstreben begegnete. 

Foto: Die zweisprachige Begrüßungsansprache hielten Stephan Gander (links), der mit seiner Familie das Hotel führt sowie Peter Pfeifer vom Tourismusverein Prad am Stilfserjoch, der in deutscher Sprache den Veranstaltungsablauf kurz erläuterte. 

Trafoi - ein uriges Bergdorf mit rund 90 Einwohnern - liegt auf 1.450 - 1.600 m Höhe am Fuße des Ortlers im Trafoital. Der Startpunkt selbst stellt eine geschichtsträchtige Örtlichkeit dar. Zum einen zieren lebensgroße Schaubilder der berühmtesten Protagonisten der Motorsporthistorie die Kehre 46. Bis zum Zweiten Weltkrieg fanden nämlich am Stilfser Joch regelmäßig Motorsportrennen statt, an denen sich mit Hans Stuck, Tazio Nuvolari, Rudolf Caracciola die populärsten Rennfahrer der damaligen Zeit beteiligten. Daneben in Großformat steht das Konterfei von Fausto Coppi, der die Etappe Bozen-Bormio des Giro d’Italia, als der Radklassiker am 1. Juni 1953 erstmals über das Stilfser Joch führte, eindrucksvoll gewann. Seitdem genießt das Stilfser Joch bei der Italien-Radrundfahrt stets den Prestigestatus einer Königsetappe. Fausto Coppi (1919-1960) - genannt „il Campionissimo“ - zählt zu den erfolgreichsten und populärsten Radrennfahrern der Geschichte. Seit 1965 wird ihm zu Ehren am höchsten Punkt des Giro d'Italia die Bergwertung „Cima Coppi“ vergeben. Unter anderem gewann er zweimal die Tour de France und fünfmal den Giro d'Italia.

 Direkt auf der Passhöhe des Stilfser Jochs befindet sich ein Denkmal für den legendären  italienischen Radrennfahrer Fausto Coppi 

Ein weiteres historisches Ereignis fand erst kürzlich statt: Das Hotel Bella Vista feierte 2025 sein 150 jähriges Jubiläum, das über fünf Generationen hinweg - der auch die Skilegende Gustav Thöni angehört - familiär geführt wird.

Streckenchronik 

Der Startort befindet sich exakt an der 46. Kehre direkt vor dem Hotel "Hotel Bella Vista" - deutsch "Hotel zur schönen Aussicht" - in Trafoi (1.570 m ü.NHN.). Im Hintergrund ist das Besucherzentrum 'naturatrafoi' zu sehen, welches das Leben im hochalpinen Raum bespielt. Besucher erhalten interessante Einblicke in die extremen Lebensbedingungen im Nationalpark, welche Tieren und Pflanzen einiges an Anpassungs- und Überlebensstrategien abverlangen. 

Gestartet wird um 20.15 Uhr in Trafoi. Psychologisch macht es Sinn, sich die Strecke gedanklich einzuteilen und sich zunächst auf's Etappenziel des Berghotels Franzenshöhe (2.188 m ü.NN.) zu konzentieren. Bis dorthin (Kehre 22) ist die halbe Distanz einschließlich gut die Hälfte der Höhenmeter überwunden (7.5 km / ca. 700 hm), wo sich die meisten Teilnehmer ein Päuschen gönnen. 

Da der STELVIO NIGHT zeitnah zur Sonnenwende stattfindet geht der Planet am Veranstaltungstag erst um 21.20 Uhr unter. Von daher genießt man bis zur Franzeshöhe im Angesicht des Ortlermassivs die atemberaubende Hochgebirgslandschaft noch bei Helligkeit, bevor die illuminierte Passstraße in ein buntes Lichterspekakel verwandelt wird und sie in eine mystische Szenerie taucht.

Nachdem die erste Linkskehre (45) durchfahren ist verläuft die Straße moderat ansteigend mit Ausblick auf Trafoier Streusiedlungen geradlinig dem Waldrand zu. Unterhalb der Straße genießt man einen schönen Blick auf die Kirche Mariä Heimsuchung (errichtet 1903), die sich in idyllischer Lage auf 1.600 Meter Höhe befindet. Bevor uns die Waldpassage gänzlich "verschluckt" genießt man nochmal die beeindrucke Aussicht auf den  majestätisch trohnenden Ortler. Am Abzweig nach Neuwies bzw. zum Kirchlein der Heiligen drei Brunnen tauchen wir ins Dickicht des Lärchen- Fichten- Waldes ein, der bis zur Baumgrenze auf einer Höhe von 2.150 m ü.NHN. in einen Zirbelkiefer- und Arve- Wald übergeht und uns bei gleichmäßig fordernder Steigung sowie aufeinanderfolgenden Kehren umhüllt. 

 Nationalpark Stilfser Joch 

Zum Schutz der Landschaft, der Pflanzen und der Tierwelt wurde das Gebiet rund um das Stilfser Joch 1935 zum Nationalpark erklärt. Heute zählt der rund 130.000 Hektar große Nationalpark zu den größten Naturschutzgebieten Europas. Im Herzen der Zentralalpen gelegen schließt die Schutzzone das gesamte Gebirgsmassiv Ortler-Cevedale samt Seitentäler mit ein. Im Norden berührt die schützenswerte Region den Schweizer Nationalpark Engadin, im Süden grenzt sie am Regionalpark Adamello in der Lombardei an. Vom vergletscherten Hochgebirge (Ortler) über Almen und Hangterrassen bis hinab ins Tal (Latsch) weist der Nationalpark Stilfser Joch alle alpinen Formenelemente auf. 

Drei Besucherzentren vermitteln in Trafoi, Prad und Martell authentische Einblicke in das Leben der Menschen sowie der bäuerlichen Kultur im Nationalpark Stilfser Joch. Mit etwas Glück und Muße kann man Steinböcke, Murmeltiere, Gämsen und Adler erspähen.

Oberhalb von Trafoi verläuft die Straße kurzzeitig relativ flach und kurvenfrei, bevor sich das übereinandergeschachtelte "Serpentinen-Festival" im dichten Wald fortsetzt. Peau a peau beginnen die Kehrenziffern runter zu purzeln. 

Was folgt ist ein 4 km langer, beengter, dicht bewaldeteter Taleinschnitt, der Ausblicke in die Umgebung verwehrt, bevor sich nach dem 'Weißen Knott' allmählich der Bergwald zu lichten beginnt.

Foto: in Kehre 33 (wie alle ungeraden Ziffern eine Linkskehre) erinnern Sprayaufschriften an italienische Radsport-Heroes, die sich bei der Königsetappe des Giro d'Italia um Ruhm und Ehre battelten. Anmerkung: Michele Scarponi wurde 2011 nachträglich zum Sieger des Giro d’Italia erklärt. Am 22. April 2017 verunglückte er bei einer Trainingsfahrt in seinem Geburtsort Filottrano tödlich. Abfahrtskönig Vincenzo Nibali gewann 2017 die Königsetappe des 100. Giro d'Italia über den Mortirolo, das Stilfser Joch und den Umbrailpass. In Bormio setzte sich der "Hai aus Messina" nach 222 km im Zweiersprint gegen Mikel Landa (Sky) mit nur einer halben Radlänge durch.

Im Anschluss führt die Straße in einer langgezogenen Rechtkurve am Hang entlang. Nun beginnt sich der Wald deutlich zu lichten, und schon blitzt zur Linken das stark vergletschertes, ehrwürdiges Antlitz des Ortlers wieder auf. 

4 km vom Startpunkt Trafoi entfernt wird der Gasthof Weißer Knott" (1.875 m ü.NN.) passiert. Wer sich ein wenig Zeit nimmt kann auf der Aussichtsplattform des Gasthauses einen Obelisken bestaunen, der an die Erstbesteigung des Ortlers durch Josef Pichler - genannt „Jager Josele“ - am 27. September 1804 erinnert. 

 Auf Höhe des Gasthofs befindet sich auf der rechten Straßenseite ein Trinkwasserbrunnen 

Eindrucksvoll stapeln sich die Kehren am Südosthang übereinander. Die Straßenbefestigung besteht anfänglich aus Felsquadern, später aus Natursteinmauern, doch während der gesamten Auffahrt der Nordostpassage gibt es keine stählernen Leitplanken, was der Stilfserjochstraße eine gewisse Natürlichkeit verleiht.

Oberhalb des Waldgürtels prägen nur noch verkrüppelte Lärchen und Zirben bzw. in hochalpiner Flora Alpenrosen, Enzian, Edelweiß und Arnika das Vegetationsbild, wobei der Klimawandel den Bewuchs tendenziell nach oben verschiebt. Ab KM 7.0 kurz vor dem Berghotel Franzensfeste endet abrupt der Baumwuchs und gibt den Panoramablick zur Stelvio-Passhöhe frei, was nicht selten mit zwiespältigen Gefühlen einhergeht. Sobald sich schemenhaft der ehrfurchteinflössende Schlußanstieg über die spektakuläre Serpentinengalerie abzeichnet und erahnen lässt welch brachialer Kraftakt bevorsteht (800 hm), schlägt die Stunde der Wahrheit. Man könnte auch sagen: es ist der Moment wo der Frosch ins Wasser hüpft, einhergehend mit der "Erleuchtung", wie winzig doch die Spezie Mensch in der ungezähmten Natur dieser monströsen Gebirgswelt erscheint und ihn zur Nichtigkeit schrumpfen lässt. Von nun ab dominiert nur noch blanker Fels und grobes Granitgestein die unwirtliche Szenerie. 

Oberhalb der Baumgrenze wird die Gebirgslandschaft zunehmend karger, wobei die Höhenluft zusätzlich zu schaffen macht, weil der Sauerstoffgehalt in der Luft mit steigender Höhe sinkt. Werden die Beine schwerer und die Atmung schwerfälliger gleicht das schwankende Gefühlspendel je nach Befindlichkeit und Gemütsverfassung mitunter einer emotionalen Achterbahnfahrt. Jeder durchlebt im Sattel sein eigenes Kopfkino, das zwischen himmelhochjauchzend und schwermütigen Sinnkrisen (innerer Schweinehund) umherswitschen kann. Trotzdem registriert die Psyche unterschwellig sehr wohl jede einzelne Kehre, dessen abnehmende Kennziffer gleichsam die Moral und die Zuversicht stärken.

 Steigende Höhe - sinkende Sauerstoffsättigung des Blutes

Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck ab, wommit gleichzeitig auch die Dichte der Luft geringer wird (häufig als dünne Luft bezeichnet), was den Sauerstoffgehalt der Atemluft verringert. Mit anderen Worten: beim Einatmen stehen uns in Hochlagen pro Atemzug weniger Sauerstoffmoleküle zur Verfügung. Dementsprechend anstrengender fühlt sich die sportliche Aktivität an, was sich letztlich auch in einer verminderten Leistungsfähigkeit bemerkbar macht. Dabei bleibt der Anteil der verschiedenen Gase, die die Luft auf der Erde ausmachen, mit 21 Prozent Sauerstoff, 78 Prozent Stickstoff, ein Prozent Argon, Kohlendioxid, Wasserdampf und andere Edelgasmoleküle grundsätzlich gleich. Einzig die Sauerstoffsättigung ändert sich im Blut, die bei steigender Höhe äquaivalent sinkt.

So fällt der Luftdruck beispielsweise ab 2.500 m Höhe um gut 25 Prozent im Vergleich zur Höhe des Meeresspiegels ab:

1500 m 83.5%

2.000 m 78.5%

2.500 73.7 %

2.800 m 71.0%

Beim Berghotel Franzensfeste (KM 7.5) ist ein psychologisches "Etappenziel" erreicht. Eine wohlverdiente Pause ist zur "Halbzeit" angebracht.

 

Franzenshöhe

Das Gebäude der Franzenshöhe wurde bereits 1826 erbaut und blickt dementsprechend auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich als Kaserne für das österreichisch-ungarische Militär konzipiert, wurde der Ort - aufgrund eines Aufenthalts - nach Kaiser Franz Joseph I. benannt. 

Foto: ab dem Berghotel Franzenshöhe (2.188 m ü.NHN.) neben der Kehre 22 heißt es Licht aus - Spot an, denn von hier ab ist die Stilfserjochstraße bis zur Passhöhe durchgehend ausgeleuchtet. Die fortschreitende Dämmerung geht parallel mit der verstärkten Leuchtwirkung der Strahler einher, d.h. sobald das gleißende Naturlicht der untergehenden Sonne erlischt kommt das farbige Lichterspektakel der installierten Beleuchtungsstrahler effektiv zur Geltung. Das künstliche Leuchtband verwandelt die Passstraße in eine reizvolle Silhouette, die eine unglaublich mystische Szenerie erzeugt.

Am Berghotel besteht die letzte Gelegenheit, sich mit Energienachschub und Flüssigkeit zu versorgen. Der finale Streckenabschnitt verspricht eine magisch anmutende Stimmung, die die Wahrnehmung chamäleonartig zu ändern scheint, da der eingeschränkte Sichtbereich dazu führt, gedankenversunken bzw. selbstvergessen entrückt von dieser Welt die Kurbel zu schwingen. Es gleicht einer gespenstischen Kulisse, wenn surreal anmutende Gestalten im Lichtkegel der Straßenbeleuchtung geräuschlos im Zeitlupentempo vorbeiziehen oder selbst Überholvorgänge vollbringt.

Wer 2025 beim »STELVIO NIGHT« dabei war, wird das überwältigende Hammererlebnis des Alpenglühens - erzeugt durch Streulicht bei Sonnenuntergang und -aufgang - sicher sein Leben lang nicht mehr vergessen. Das farbenprächtige Naturschauspiel wurde von vorhergehenden Regenschauern noch verstärkt, weil nasse Felshänge das Licht der untergehenden Sonne noch intensiver reflektierten. 

"Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen", heißt dass man sich quälend weiter und weiter nach oben schraubt, wobei sich jede Zwischengerade von Kehre zu Kehre zäh wie Kaugummi dehnt. Was einem eigentlich gar nicht auffällt: die Richtung Pass führenden Abschnitte ziehen sich länger hin als in der Gegenrichtung. Wie dem auch sei, ist jede Blickrichtung schlicht und ergreifend phänomenal, weswegen am Straßenrand immer wieder Radfahrer stehenbleiben gehört der Schlussabschnitt doch zu den meistfotografierten Szenerien der Alpen.

Rückt das Ziel näher und sinkt die Kehrenanzahl in den einstelligen Bereich, steigt der Endorphinspiegel unaufhörlich. Ein unsägliches Glücksgefühl macht sich breit, das jeder durchleben darf, wenngleich die letzten Kehren mangels Sauerstoffsättigung in der dünnen Höhenluft zunehmend beschwerlicher werden. Nachdem die Serpentinen - vor allem gefühlt - bislang relativ weit auseinander lagen, rücken die letzten unmittelbar aufeinanderfolgende vier Kehren viel enger zusammen. Was sich nun auf den letzten Kehrenim Kopf abspielt lässt sich als fulminanter Showdown beschreiben. Spätestens bei Erreichen der 500 Meter langen Zielgeraden an der Tornante Uno wird man von seinen Emotionen regelrecht überrollt. Überwältigt darüber, in wenigen Minuten einer der renommiertesten, beliebtesten, historischsten, längsten, höchsten und somit auch härtesten Anstiege der Alpen bezwungen zu haben. Voilà. Jetzt wird der Sack zur Passhöhe hinauf zugemacht (41 hm).   

Doch Obacht: das Ziel befindet sich nicht am Scheitelpunkt der Stilfserjochstraße, sondern die Kletterorgie endet erst weitere 30 Höhenmeter später am Alpengasthof Tibet Hütte, wo die Pasta Party sozusagen gemütlichen Part der Veranstaltung einläutet. Die Hüttenankunft ist krass emotional. 

Jeder Teilnehmer wird dem Veranstaltungsmotto "Die Königin der Alpenpässe bei Nacht, ein Event der Einzigartigkeit" ohne mit der Wimper zu zucken recht geben. Wer sich mühsam sich entlang der Bergflanken Serpentine um Serpentine hochgeschraubt hat und auf der Passhöhe von Glücksgefühlen überwältigt wird, dem bleibt dieses außergewöhnliche (Nacht-) Erlebnis unvergesslich in Erinnerung. 

Eminent wichtig ist es nach Zielankunft schleunigst die nassgeschwitzte Kleidung abzustreifen und in trockene Wechselkleidung zu schlüpfen. Die wärmende Schutzhülle sorgt nicht nur für ein Wohlfühlklima auf der Haut, sondern bewahrt den Körper auf der rasanten Abfahrt vor Auskühlung und beugt einer Erkältungsgefahr vor.

Shuttle Service

Für alle die nicht mit dem Rad vom Joch runterfahren möchten, sollten sich vorher ein Shuttle-Ticket reservieren, das sich für 10€ bei Anmeldung gleich dazu buchen lässt. Das Shuttle fährt über Trafoi und Gomagoi nach Prad.

ABFAHRT: 23:30 Uhr und 01:30 Uhr

Foto: welch ein Finale - Mitternachts-Pasta-Party in der Tibet-Hütte auf 2.800 Metern Höhe

Die Speisekarte kredenzt typisch südtirolerischische Speisen wie Kaiserschmarrn, Apfelstrudel, deftiges Gulasch mit Speckknödeln, Käsenocken, Spinatnocken, Steinpilznocken, Gerichte mit Pfifferlingen und Steinpilzen, oder typisch veltlinische Speisen wie Bresaola, Pizzoccheri (Buchweizennudel mit Wirsing, Kartoffel und Schmelzkäse), Polentagerichte, Salsiccia (Rohwurst aus Schweinefleisch, die intensiv mit Kräutern wie Fenchel, Knoblauch, Pfeffer oder Paprika gewürzt ist). 

Von der Passhöhe zur Tibet-Hütte, die an diesem Tag so etwas wie das heimliche Epizentrum der Veranstaltung ist, macht die schmale Stichstraße nur noch einen sogenannten "Schnapperer" (28 hm), wobei das hell betrahlte Gebäude magnetisch anzieht und schon regelrechte Glückswallungen entfacht bevor der Fuß am Boden aufsetzt. Zu guter Letzt haben Kopf & Körper buchstäblich alle Hände voll zu tun, um schweißtreibend gegen die Schwerkraft anzukämpfen. Doch alles ist nichts im Vergleich dessen, sobald am höchsten Punkt der Strecke vom Sattel gestiegen und vom extatischen Glückshormonrausch auf 2.800 Meter Höhe erfasst wird. Der Ausnahmezustand bildet die Initialzündung für das neuronale Belohnungszentrum, was fortan die Suchtgefahr erklärt selbiges unbedingt nocheinmal erleben zu wollen.

Exkurs Stelvio Bike Day 

Foto: Schneeschauer über die Sommermonate sind in Hochgebirgslagen keine Seltenheit. So musste beispielsweise die 16. Etappe des 107. Giros 2024 wegen Lawinengefahr gecancelt werden. 

Beim Radtag Stelvio sind alle drei Passstraßen für den motorisierten Verkehr gesperrt:

• Nordostrampe Prad (Südtirol) → Stilfserjoch

• Südwestrampe Bormio (Lombardei) → Stilfserjoch

• Nordwestrampe Santa Maria im Münstertal (CH/Graubünden) → Umbrailpass) → Stilfserjoch

Wetterumschwünge im Hochgebirge vollziehen sich bekannterweise manchmal rasend schnell. So geschehen beim Stelvio Bike Day (30.08.2025), als ab 2.500 Meter Höhe das Thermometer auf zapfige 2 Grad fiel und wie aus heiterem Himmel ungestümes Schneegestöber einsetzte, das der kargen Hochgebirgslandschaft ein weißes Winterkleid verpasste. Der Moral tat es keinen Abbruch, denn von Eiseskälte und regnerischem Wetter ließen sich 6.772 Hartgesottene nicht im Geringsten abhalten, motiviert das Stilfserjoch zu bezwingen. 

Letztlich strampelten 3.750 Radler auf der Südtiroler, 2.910 auf der Lombardischen und 112 auf der Schweizer Seite dem gemeinsamen Zieltreffpunkt zur Stilfserjoch-Passhöhe entgegen, wo es trotz schlechten Wetters stundenlang geradezu an Radfahrern wuselte.

Von der Terrasse des Alpengasthofs Tibet Hütte aus genießt man eine vogelsperspektivische Aussicht auf die in den Fels gemeißelte Serpentinengalerie der Stilfserjochstraße. 

Die Belohnung auf das nasskalte Spektakel folgte auf dem Fuß. Im Alpengasthof wurde in uriger Hüttenatmosphäre nach erfolgtem Kleiderwechsel in der wohlig warmen Tibet Hütte standesgemäß das erfolgreiche "Stelvio-Finish" gefeiert. Abgekämpft aber überglücklich strahlten alle Teilnehmer über beide Backen wie "Honigkuchenpferdchen".   

Rechts oben im Bild ist das Rifugio Garibaldi (Garibaldihütte) zu sehen, die auf 2.843 Meter Höhe auf der Dreisprachenspitze 87 Meter über der Passhöhe des Stilfserjoches trohnt. In unmittelbarer Nähe der Hütte befinden sich noch Überreste aus dem I. Weltkrieg, die vom österreichisch-italienischen Frontverlauf stammen.

Foto: aufgewärmt und gut gelaunt wurde die berauschende Abfahrt in Angriff genommen. Im Hintergrund ist der Alpengasthof Tibet Hütte zu sehen, während sich der Ortler (3.905 m ü.NHN.) hinter einer dichten Wolkendecke versteckte.

Dem geneigten Leser wollen wir den majestätischen Ortler-Anblick - wenigstens virtuell - nicht vorenthalten. Das Höhenlevel des höchsten Gipfels Südtirols liegt satte 1.145 Meter über dem der Passhöhe am Stilfser Joch. Kaum zu glauben, dass diese Aufnahme am darauffolgenden Tag des Stelvio Bike Days gemacht wurde. Wem die Sicht verwehrt bleibt hat jedenfalls einen triftigen Grund, seinen Aufenthalt zu verlängern oder ein anderes Mal wiederzukommen.

"The Day after"

Foto: Als eingefleischte "Stelvio-Fans" durften nach dem verkehrsfreien Radtag (next Stelvio Bike Day 29.08.2026) die anderen zwei Passauffahrten natürlich nicht fehlen, zumal der Wettergott uns wohlgesonnen war.

Wer länger im Vinschgau bleiben möchte kann seinen Radurlaub an Ort und Stelle mit drei gigantischen Pass-Monumenten bereichern:

  • Nordostrampe von Prad zum Stelvio: 24,6 km | 1.844 hm | 7,5 % (~8,2 %)   
  • Südwestrampe von Bormio zum Stelvio: 21,5 km | 1.540 Hm | 7,2 % (~8,9 %)   
  • Nordwestrampe von Santa Maria (CH) via Umbrailpass zum Stelvio: 16,4 km | 1.415 Hm | 8,6 % (~9,1 %)*   

*Angabe in Klammer beziffert die "normalisierte" Durchschnittssteigung (praxisnah), bei der Flachstücke bzw. Gegengefälle herausgerechnet sind; Quelle quäldich.de 

Gemäß dem Motto "Nach dem Stelvio Bike-Day ist vor dem Stelvio-Triple", stand tagsdarauf bei Kaiserwetter - ausgehend vom Stilfserjoch - die Südwestrampe nach Bormio sowie die Nordwestrampe nach Santa Maria via Umbrail auf dem Aktivitätszettel. Wie es sich für eingefleischte Radsportler gehört, gingen wir „All-in“ bis die Lichter fast erloschen. 

Die Superlative macht bei der Landschaft nicht Halt, sondern erstreckt sich auch auf das unvergleichliche Spitzkehren-Festival. Das "Stelvio-Triple" summiert sich mit 48 Kehren von Prad, 39 Kehren von Bormio und 36 unnummerierten Kehren von Santa Maria auf rekordverdächtige 123 Serpentinen. Kein Wunder, wenn das schwungvolle Kurven-Ensamble inmitten der imposanten Hochgebirgskulisse den Endorphinspiegel pusht. 

Und wie es sich für lebensfrohe Menschen gehört, kam nach harter "Arbeit" von 70 Radkilometern und 2.700 Höhenmetern das redlich verdiente Vergnügen. Dass uns traditionsbewussten, heimatverbundenen Bayern on top des Stelvios Bier einer bayerischen Brauerei kredenzt wurde, schlug  im wahrsten Sinn des Wortes dem Faß vor lauter Freude den Boden aus.

Schlusswort

Wir hoffen, der Beitrag hat euer Interesse und Neugierde geweckt. Seid dabei, wenn sich die illuminierte "Königin der Alpenpässe" bei Nacht in eine außergewöhnliche Bühne verwandelt, erlebe die prickelnde Atmosphäre by Night und werde Teil der STELVIO NIGHT - Community! Wer weiß, vielleicht überrascht am 26. Juni das faszinierende Alpenglühen wieder die Sinne.

Kontaktdaten

Tourismusverein Prad am Stilfserjoch
Associazione turistica di Prato allo Stelvio
Kreuzweg 4 C | Via Croce 4 C

I-39026 Prad am Stilfserjoch | Prato allo Stelvio

Tel.:  +39 0473 - 616 034

mail:  tv@prad.info

web:  Stelvio night