31. Wendelstein-Rundfahrt, 22. August 2020

31. Wendelstein-Rundfahrt, 22. August 2020

Im Grunde braucht es über die Wendelstein-Rundfahrt nicht vieler Worte, denn der erstklassige Ruf über einer der hochkarätigsten RTF's Deutschlands ist weithin bekannt. Für die meisten Teilnehmer ist der Prestigeklassiker absoluter Saisonhöhepunkt.

Wer teilnehmen möchte muss sich allerdings sputen und darf die Online-Anmeldung (ab 13. Mai) keinesfalls verpassen, weil das Startplatzkontingent (2.300) ansonsten erschöpft ist, zumal dieses Jahr auch noch 30 jähriges Jubiläum gefeiert wird. Dementsprechend dürfte die Kultveranstaltung noch schneller ausgebucht sein als es ohnhin jedes Jahr der Fall ist. Wer zu spät kommt den straft das Leben bzw. blickt mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Nur die 50 km lange Famillienroute bleibt von dieser Reglementierung ausgenommen.

Argumente die für die Wendelstein-Rundfahrt sprechen gibt es viele. Die beeindruckende Alpenlandschaft, Wendelstein-Perspektive aus allen Himmelsrichtungen, eine professionelle Organisation sowie die ausgelassene Feier nach Zielankunft auf dem Sportgelände sorgen dafür, dass sich bis zu 70 Prozent "Stammgäste" jedes Jahr von neuem auf den lockeren, geselligen und entspannten Radlspaß freuen. Vor allem das überschwängliche Verpflegungsangebot ist heiß begehrt, weswegen die Vorfreude auf die nächste Jausenstation mit jedem abgespulten Kilometer steigt. 

Jedenfalls kann sich das breit gefächerte Repertoir an Strecken sehen lassen, spricht es doch Freizeit- und Familienradler genauso an wie ambitionierte Radsportler. Angefangen von der 50 km Familienrunde, über die 120 km und 165 km Strecke bis hin zur knackigen Marathondistanz mit 208 km und 3000 Höhenmetern wird ein ausgedehntes Alters- und Leistungsspektrum angesprochen. 

Am 24. August erfolgt ab 7.00 Uhr in Au bei Bad Feilnbach die Startfreigabe (kein Massenstart), d.h. es kann nach Lust & Laune innerhalb von zwei Stunden los geradelt werden. Sportlich betrachtet folgt nach lockerer Aufwärmphase auf den ersten 23 flachen Kilometern ab Nußdorf am Inn der Samerberg (330 hm) sozusagen der Aperitiv, bevor ab Oberaudorf quasi die sportive "Hauptspeise" - das Sudelfeld - mit gut 650 Höhenmetern Wadenschmalz fordert.

Vorfreude kommt auf, wer von Norden, Osten oder Westen anreist, denn der 1 838 m hohe Wendelstein ist seiner markanten Form und exponierten Lage wegen schon von weitem sichtbar. 

Ob man es gemütlich oder sportlich angeht,  allein, zu zweit, mit Vereinskollegen oder mit Familie - in der herrlichen Umgebung der Voralpenregion zu radeln macht jedem Spaß der leidenschaftlich gern im Sattel sitzt. Apropos Genuss: der Veranstaltungscharakter spiegelt sich im geselligen, wettbewerbsbefreiten und entspannten Miteinander wider. Immerhin radelt man in einer der Top-Ferienregionen Deutschlands, die Rennradler wie Mountainbiker gleichsam begeistert. Allenfalls für Kostverächter ist die Veranstaltung ungeeignet, denn lukullische Sünden die am Kalorien–Pranger stehen gibt es zuhauf. Soviel steht fest, Schmalhans ist bei dieser Radsport-Veranstaltung nun wirklich nicht der Küchenmeister. Was das Benzin für den Motor ist, gewinnt der Körper die Energie eben aus den Lebensmitteln. Nachdem der Samerberg einen Vorgeschmack auf die malerische Landschaft der Bayrischen Voralpen gibt erwartet die Radler nach 60 Kilometern an der Verpflegungsstelle Sachrang ein herzhaftes Frühstück mit Rührei, Früchten, Joghurt und belegten Semmeln. Die kulinarischen Schmankerl setzen sich an den Kontroll- und Versorgungsstationen Krugalm bei Fischbachau, Reichersdorf, Bad Wiessee (Marathon) und dem Zielgelände fort. 

Kein Wunder wenn trotz erhöhtem Leistungsumsatz mehr Kalorien aufgenommen werden als Energie verbraucht wird. Gesetzt den Fall, dass trotz schweißtreibender Kurbelarbeit die zugeführte Energie den tatsächlichen Energiebedarf übersteigt (positive Energiebilanz) spricht im Grunde nur für die Veranstaltung. Wie heißt so schön der oberste Leitsatz in Bayern: Liberalitas Bavariae – Leben und leben lassen. Den Teilnehmern wird schnell klar: körperliche Verausgabung auf der einen Seite und Genuss auf der anderen Seite lassen sich wohl kaum besser kombinieren als bei der Wendelstein-Rundfahrt. 

Die Veranstaltungsorganisation ist natürlich nur durch die tatkräftige Unterstützung der Dorfgemeinschaft in Au möglich. Immerhin rund 250 Helfer des Auer Skiclubs und zahlreiche ortsansässige Vereine wie Feuerwehr, ASV Au, First Responder und die Auer Musi packen engagiert an, damit alles wie am Schnürchen läuft. Nur deshalb bekommen die Teilnehmer an den Kontroll- und Versorgungsstationen Sachrang, Krugalm bei Fischbachau, Reichersdorf, Bad Wiessee und dem Start?Zielgelände am Auer Sportplatz erstklassigen Service geboten.

Wendelstein Rundfahrt


Bewegen sie ihren Cursor auf dem Höhenprofil, wird interaktiv oben auf der Streckengraphik die geographische Position eingeblendet.

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Streckengabelungen

  • Hundham (KM 106) - Abzweig 120 km-Strecke
  • Reitham (KM 134) - Gabelung Marathonstrecke / 165 km-Route 

Streckenvarianten

Der Name ist Programm, denn außer der 50 km Strecke die um den Irschenberg und Seehamer See herum verläuft, umrunden die restlichen drei Routen das Wendelstein-Massiv.   

  •    50 km /    625 hm (kein Teilnehmerlimit)
  •  120 km / 1 700 hm 
  •  165 km / 2 230 hm 
  •  205 km / 3 050 hm 

Startzeitfenster

  • 120 km, 165 km, 205 km 7.00 Uhr - 9:00 Uhr
  • 50 km bis 10:00 Uhr 

      Pasta-Party

    Freitag von 17:00 - 19:00 Uhr kann man nicht nur stressless seine Startunterlagen abholen (ansonsten Samstag 06:30 - 09:00 Uhr, bzw. für die 50 km Strecke bis 10:00 Uhr) sondern sich auf der Nudelparty des ASV Au am Sportgelände auf das Ereignis einstimmen. Geheimtipp: Lachsnudeln schmecken köstlich - halb so teuer und doppelt so gut wie bei manchem Italiener.

    Schlusszeiten  

    • 165 km in Dürnbach/Hundham 16:00 Uhr
    • Marathon-Strecke in Reitham 14:30 Uhr
    • Zielschluss in Au gegen 18:00 Uhr

    Zutritt zu den Verpflegungsstationen ist nur mit gültiger Startnummer und dem entsprechend farbigen Armbändchen erlaubt. Kinder unter 12 Jahren bedürfen bei der Teilnahme der Obhut eines Erwachsenen. 

    Radgattung 

    Grundsätzlich sind Rennräder zwar erste Wahl, doch bei wem Genuss vor Schnelligkeit steht und die Fahrzeit zweitrangig ist kann ohne weiteres auch mit einem Mountainbike starten. Dem Gewichtshandicap sowie höheren Rollwiderstand stehen entspanntere Sitzhaltung, rückenschonender Federungskomfort und gutmütiges Fahrverhalten entgegen. Wem die Puste unterwegs ausgeht oder Regenwetter die Stimmung verhagelt kann an den Streckengabelungen abkürzen.

    Übersetzungsverhältnis

    Wie viele Kettenblätter - respektive Zähne - die Kurbel bzw. Kassette verfügen soll hängt vom Leistungsvermögen und dem Streckenprofil ab. Für diejenigen, die mit weniger Kondition gesegnet sind stellt sich die Frage: gängige Kompaktkurbel (50/34) oder sicherheitshalber Dreifachkurbel mit Rettungsring? Lässt die Form zu wünschen übrig und hat dazu womöglich einige Pfunde zuviel auf den Rippen, weiß die Vorteile einer Dreifachkurbel auf den Scharfrichtern mit zu 15 % Steigung zu schätzen. Die kleine Entfaltung von Dreifachkurbeln erlauben auch bei niedriger Geschwindkeit eine ergonomische Trittfrequenz. Im Vergleich zur Kompakt bietet das Dreifachsystem zwei Gänge mehr (größter + kleinster Gang), weist aber ein unkomfortableres Schaltverhalten auf, ist etwas schwerer und hat - zumindest unter eingefleischten Radsportfreaks - ein Prestigehandicap.

    Online-Hilfe: individuelle Wunschparameter eingeben, schon spuckt der Ritzelrechner bzw. Ritzel- Übersetzungs- und Entfaltungsrechner brauchbare Übersetzungsrgebnisse aus.

     

    Die Wendelstein-Rundfahrt

    Am 24. August erfolgt um 7.00 Uhr in dem oberbayerischen Ort Au nahe Bad Feilnbach die Startfreigabe. Kein Massenstart, sondern jeder radelt innerhalb 2 Stunden einfach munter drauf los. Nach einer Aufwärmphase auf der 24 km langen Flachpassage folgt mit dem Samerberg als Aperitiv die erste Hürde des Tages die sich in den Weg stellt und einen ersten Vorgeschmack auf das Alpenvorland bietet. Bei gutem Wetter darf man sich auf eine faszinierende Gebirgslandschaft im Postkartenformat freuen. 

     


    Vereinsgruppen, Pärchchen, Tandem- und Einzelfahrer rollen gemächlich über die Startlinie, um langsam Fahrt aufzunehmen. Im Angesicht des mondänen Wendelsteins inmitten der Alpennordkette verbreitet die morgendliche Stille eine inspirierende Aura. Ostwärts auf dem flachen Abschnitt gen Nussdorf kann man sich windschattenbehütet bei erträglicher Pulsfrequenz prima warmfahren. Lautlos auf nahezu verkehrsfreier Straße dahingerollt wirken die saftgrünen Wiesen - meist umhüllt von wabbernden Nebelschwaden - beruhigend auf's Gemüt. Charakteristisch für diese Gegend ist der Kontrast zwischen Berge, Täler und der schier endlos flachen Weite. Die Topographie bringt es mit sich, dass sich Plackerei und genussvolles Dahincruisen häufig abwechseln. 

    Bis auf die kürzere Familienerunde tangieren die anderen 3 Strecken der Wendelstein-Rundfahrt die Radparadiese Chiemsee-Alpenland, Chiemgau und Tegernsee-Schliersee.

    Einstand nach Maß, denn ab Nussdorf zieht die Route die Daumenschrauben an, d.h. der Samerberg bläst zum Halali. Mit teiweise bis zu 10 % Steigung gilt es 340 hm zu überwinden, ein Vorgeschmack auf das, was die Teilnehmer noch alles an diesem Tag erwartet. Die schlängelnde Straße entschädigt mit anmutender Bilderbuchlandschaft, was von schweißtreibenden Strapazen ablenkt und die Stimmung hoch hält. 

     

    Der knapp 8 km lange Anstieg überschreitet im letzten Drittel stellenweise die 12 % Schwelle. Je höher hinaufgekurbelt wird, desto phänomenaler die Weitsicht.  

    Wurde der Samerberg überquert, geht es locker flockig 200 Tiefenmeter Richtung Frasdorf. Der südwärtige Richungsschwenk rückt nun die Alpennordkette ins Blickfeld der Zweiradpiloten. Ebenes bzw. leicht welliges Profil fördert in diesem Abschnitt wieder die Gruppenbildung. Unaufhaltsam drängen dichte Fahrerfelder langsam aber sicher den Bergen auf die Pelle. 

    Die faszinierende Alpenlandschaft verleitet bei aller nötiger Konzentration immer wieder zu schweifenden Rundumblicken. Wer nur das Hinterrad seines Vordermanns wahrnimmt ist selber schuld. 

    Schon von weitem zu sehen: auf einer Anhöhe trohnt das imposante Schloss Hohenaschau aus dem 12. Jhrd. 

    Ab dem Ortsbeginn von Aschau erfordert sanft ansteigendes Profil höheren Pedaldruck und damit einige Watt an Mehrleistung, sofern die Geschwindigkeit nicht in den Keller fallen soll.

     Gefahrpotential

    Nach der Ortdurchquerung von Aschau verläuft die Strecke bis zur Verpflegungsstation Sachrang (KM 60) teilweise auf einem schmalen Radweg der  z.T. Asphaltschäden aufweist. Überholvorgänge sollte Vorausfahrenden akkustisch angezeigt werden. Zudem ist beim Kreuzen der Straße erhöhte Vorsicht geboten. 

    Von Aschau bis Sachrang überwindet die kontinuierliche Steigung mit moderaten 2% peau a peau 150 hm. Manch "schwächerer" Fahrer der nicht mithalten kann und hinten aus dem Windschatten tropft braucht nicht verzagen. Es dauert dauert nicht lange, bis nachfolgende Schwärme den Solisten wieder aufgabeln.  

    ENDLICH: eine große Hinweistafel kündigt die Verpflegungsstelle Sachrang an. Vorsicht beim Überqueren der Hauptstraße! 

    Nun heißt es im wahrsten Sinne des Wortes runterschalten, runterkommen.

    Sich geruhsam Zeit nehmen und nicht dem Hamsterrad-Prinzip folgen, das man vom stressigen Alltag gewohnt ist. Genussvoll den liebevoll dargebotenen Gaumenreizern frönen, Durchschnaufen, Ausruhen, alte Bekannte treffen und Erlebtes Revue passieren lassen. 

     

     

     

    Zuviel vom üppigen Verpflegungsangebot einverleibt, kann es bei gebückter Sitzhaltung schon mal zu Verdauungsproblemen führen. Der Energiebilanz mag es eine unerwünschte Richtung geben, wovon "Alte Hasen" ein Lied zu singen wissen. Aber eine heiße Gemüsesuppe, saftige Rühreier mit Schnittlauch und Petersilie sowie ein salziges Schmalzbrot (Natrium beugt Muskelkrämpfen vor) sind der absolute Hit. Das Drehbuch sieht vor: Rühreier in Sachrang, Kässpatzen auf der Krugalm, Schweinswürstl und Mohrenköpfe in Reichersdorf und im Ziel erwartet die ausgemergelten Gäste nebst flüssiger Nahrung Pasta, Gockerl & Co.

     

    Unweit von Sachrang wird fast unbemerkt die Grenze nach Tirol überquert. Mit kurzem österreichischem Zwischengastspiel folgt eine rasante Abfahrt - garniert mit langgezogenen Kurvenradien und Serpentinen - hinab ins flache Inntal. Ruckizucki werden 300 hm vernichtet. Zwischen Niederdorf und Oberaudorf wird der Inn (470 m) und damit auch die Landesgrenze von Tirol und Bayern überquert. Vom Inntal aus (nach Au das zweitniedrigste Höhenlevel) beginnt nach dem Aperitiv des Samerbergs nun die 18 km lange Hauptspeise zum Sudelfeld. Auf die bevorstehende Höhenmetergala sollte die Psyche gefasst sein. O-Ton Gästebuch: „Ich liebe die Wendelsteinrundfahrt, aber nicht das Sudelfeld!“

    Der Sudelfeldpass (1123 m.ü.M.) mit satten 650 hm piesackt die Waden- und Oberschenkelmuskulatur ordentlich. Die Ouvertüre markiert mit einer giftigen Rampe kurz nach Oberaudorf den Einstieg ins Sudelfeld. Nun heißt es möglichst schnell "Tritt fassen" und rhythmisch die Kurbel durchdrücken. Positiv für die Moral: sobald der knackige Löwenanteil der Höhenmetergala (max. 15 %) im ersten Drittel überwunden ist, flacht das Höhenprofil ab.

    Bergflöhe knacken bergauf an dieser Stelle die im Bild angezeigte 30 km/h-Marke. Doch bald dimmt die quälende Steigung zum Tatzelwurm den Vorwärtsdrang zum Schneckentempo herunter.  

     

    Im Folgeverlauf schlängelt sich die Straße zur Passhöhe leicht abflachend gleichmäßig nach oben (Steigung max. 12 %.). Der Legende nach hauste früher hier der Tatzlwurm - ein Feuer speiender Drache.

    O-

    Sofern man nicht gerade im anaeroben Bereich das Tretlager knetet und keuchend am Hinterrad des Vordermanns klebt, entschädigt die Aussicht auf das ausladende Sudelfeld - größtes zusammenhängendes Almgebiet Deutschlands – auf ganzer Linie. 

    Nach kurzem Gegengefälle zieht das gezackte Höhenprofil bis zur Berggastätte nochmals an. Nun heißt es Kraftreserven mobilisieren, bevor die Abfahrt nach Bayrischzell ruft.  

    Die rauschende Abfahrt mit etlichen Kurvenkombinationen hat's in sich. Innerhalb weniger Minuten sind 300 Tiefenmeter egalisiert. Die anschließende Flachetappe auf dem Radweg parallel zur B 307 gibt Gelegenheit zum Durchschnaufen. Wer bei KM 96 nach rechts blickt, erkennt die Talstation der Wendelstein-Seilbahn. Zum nächsten Verpflegungstempel sind es von hier aus nur noch 3 km, wo die Krugalm seine "ausgehungerten" Sportsfreunde willkommen heißt. 

    Trotz Verstoffwechslung von Fett, Kohlenhydrate, Fruktose und Glukose fällt die Energiebilanz (Energieverbrauch niedriger als Energiezufuhr) bei der Wendelstein-Rundfahrt nicht selten positiv aus - will heißen, dass mehr gefuttert wird als die Kraftzellenwerke – Mitochondrien - verbrennen. Kalorienüberschuß hin oder her, dem Spaß und der Lebenslust tun eingelegte Schlemmerpausen Pausen keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. 

    Rasten, Schlemmen, Trinken und Palavern bis die Lust zum Weiterradeln wiederkehrt. 

    Die Marathonfahrer schlagen nach ihrer 45 km Extraschleife übrigens ein zweites Mal an der Krugalm auf. 

    Beim ausgedehnten Pausieren gilt zu bedenken, dass noch etliche fiese Stiche kommen. Zwar haben sie nicht mehr die Ausmaße a la Sudelfeld, aber nach 99 km in den Beinen zwickt und zwackt es hier und dort - zumal sich mancher Giftzwerg zweiprozentig in den Weg stellt. Zudem müssen die 165 / 209 km - Aspiranten die Schlusszeit an den Streckengabelungen im Auge behalten, weil verspätete Nachzügler auf die kürzere Strecke umgeleitet werden.

     

     Eine schattiges, leicht abschüssiges Waldsträßchen führt nach Hundham, wo bei KM 107 die 120 km-Strecke rechts Richtung Bad Feilnbach abzweigt. 165 km-Fahrer: Schlusszeit ist 16:00 Uhr. Während die kürzere Runde den Weg direkt zurück nach Au einschlägt, führt die 165 km lange Strecke über Warngau zum Seehamer See und weiter über den Irschenberg hinab ins Inntal nach Au.

    In Wörnsmühl ist mal wieder Schluß mit lustig. Eine 3 km lange Rampe (150 hm) verlangt unweigerlich seinen Schweißtribut. Das Spielchen mit den nervigen Wadlzwickern wiederholt sich bis zum finalen Anstieg auf den Irschenberg mehrmals.

     Nahe Reitham verzweigt sich die Marathon-Route bei KM 134 von der 165 km-Variante. Während die Ausdauercracks geradeaus den Tegernsee ansteuern, biegen die anderen rechts ab. Schlusszeit für die Marathonstrecke ist 14:30 Uhr. 

     


    Die letzte Verpflegungsstelle vor Zieleinlauf lässt sich in Reichersdorf (KM 148) nicht lumpen. Pikante Schweinswürstl, Joghurts, Mohrenköpfe - das ganze serviert wie gehabt von einer superfreundlichen Helfermannschaft - läutet langsam den Abschluss ein. Es wird einem immer wieder bewusst, dass es einfach an nichts fehlt. Aufmunterungsparolen verfehlen ihre Wirkung nicht. Somit geht der 17 km lange Schlussabschnitt bzw. der finale 100 hm-Anstieg zum Irschenberg Tritt um Tritt schon fast im Glückstaumel unter. 

    Mit dem "Irschi" ist die letzte Herausforderung gemeistert, nun drohen keine schweißtreibenden "Überraschungseier" mehr. Wiegetritt ist passee. Über die Kuppe hinweggetreten sinkt das Höhenlevel die nächsten Kilometer um 200 hm. Klack, klack, klack die Kette wechselt während der Beschleunigungsphase im Nu auf das kleinste Ritzel. Dennoch ist bei der letzten Abfahrt Vorsicht geboten: nach stundenlanger Konzentration und körperlicher Verausgabung ist gerade der euphorischen Vorfreude wegen die kurvige Abfahrt umso  bedachtsamer anzugehen. Ein Flüchtigkeitsfehler - schon kann man um die Früchte seiner Arbeit gebracht sein.

    Nach der Anstrengung das Vergnügen

    Es ist schon ein erhebender Glücksmoment, nach der vollbrachten energiezehrenden Powerleistung am Ortsschild Au vorbeizuradeln. Ist das Zielbanner durchquert und das Rad diebstahlsicher im Auto verstaut schließt sich der Kreis im doppelten Sinn. Nun folgt der wohlverdiente, gemütlichere Teil des Tages. Das Sportgelände erwartet mit zünftiger Liveband seine Gäste. "Leben und Leben lassen", diesbezüglich haben die fleißigen Helferhände des Ski-Clubs Au mit dem römischen Feldherrn Lucius Lucullus (*117. v. Chr. †56 v. Chr.) eine Gemeinsamkeit, der für seine üppigen Gastmahle bekannt war.

    Ein unvergesslicher Tag findet mit Gleichgesinnten seinen gebührenden Abschluss. Kaum der Rede wert, dass die mehr oder weniger leer gefegten Kohlenhydratsepeicher nochmals befüllt werden.

    Wehmütig wird Abschied genommen. Doch nach der Rundfahrt ist vor der Rundfahrt. Sofern die Online-Anmeldung Anfang Mai nicht verpennt wurde, dürften sich viele Wendelstein-Anhänger im nächsten Jahr an gleicher Stelle mit derselben Begeisterung wieder treffen.

     Diebstahlgefahr

    Leider kam es im Zielbereich bereits zu Raddiebstählen. Selbst Fahrradschlösser gewähren keine hunderprozentige Sicherheit. Deshalb sein edles Teil nach Ankunft ins Auto verfrachten. Dann kann man beruhigter feiern und den Tag feucht fröhlich ausklingen lassen.

     

    Im Zielraum kann man sich sein wohlverdientes Präsent abholen. Weizenglas, Handtuch, Wendelstein-Trikot, oder die legendäre Wendelstein-Skulptur. Es soll nicht wenige geben, die bereits alle Trophäen (mehrfach) eingesackt haben.

     

    Es soll sie ja geben, fesche Madln die tough radeln und den Herren der Schöpfung den Hinterreifen zeigen. Darüber wußten drei bemitleidenswerte "Tifosi" wehleidig zu berichten. Ende gut alles gut, nach Zielankunft waren alle Strapazen schlagartig vergessen. Die Südtiroler fühlten sich in bayerischer Radler-Tracht mitsamt ihrem Pacemaker sichtlich wolhl.

    Anfahrt

    A8 München - Salzburg, Ausfahrt Bad Aibling, weiter Richtung Fischbachau/Bad Feilnbach und Au bei Bad Aibling (Gemeinde Bad Feilnbach). Parkplatz und Startbereich sind ausgeschildert (ins Navi Hauptstraße eingeben). 

    Kontaktadresse

    Ski-Club Au e.V.
    Kreuthweg 23a
    83075 Au, Gemeinde Bad Feilnbach 

    Telefax: 08064 / 905104  
    info@wendelsteinrundfahrt.de
    http://www.wendelsteinrundfahrt.de

    Ferienregionen

    Chiemsee-Alpenland   Chiemgau      Tegernsee-Schliersee

    Ferienorte

    Bad Feilnbach        Bad Aibling        Frasdorf        Aschau        Bayrischzell        Bad Wiessee