31. Wendelstein-Rundfahrt, 22. August 2020

Wendelstein-Rundfahrt - Marathonstrecke

Die 209 km lange Marathonstrecke ist für Radfahrer ein Highlight wie es im Bilderbuch steht, da die wasserreiche Landschaft noch eins oben aufsetzt und mit Seepanoramen des Tegernsee (Verpflegungsstation Bad Wiessee) und Spitzingsee sowie dem idyllischen Gebirgstal Valepp im Mangfallgebirge die Sinne nach Stich und Faden verwöhnt.

Nach der Streckengabelung in Reitham (KM 134) - wo sich Marathon- und die 165 km-Route trennen - schlagen die Marathonis die Richtung zum Tegernsee ein.

Vom Verzweigungspunkt der 165 km Strecke (KM 136) nahe Reitham führt die Route flach bis leicht wellig zum Tegernsee. Gegenüber der 165 km Tour weist die 45 km lange Zusatzschleife zwar 765 "Bonushöhenmeter" auf, dafür punktet die hochkarätige Naturlandschaft am laufenden Band. Wurde die Streckengabelung passiert, fällt die erheblich nachlassende Radlerfrequenz sofort auf. Größere Fahrerfelder sind auf dieser Schleife nicht mehr zu erwarten, da die bis zu 700 Marathon-Teilnehmer nach der zurückgelegten Wegstrecke weit auseinander gerissen wurden. Umso wichtiger ist es, sich mit Partnern zu verbünden, um durch gegenseitig gespendeten Windschatten Kräfte zu sparen. Zumal das zahme Streckenprofil die nächsten 35 km Windschattenfahren begünstigt und überdies die Fahrer nach absolvierten 2 000 hm in punkto Leistungsniveau ziemlich ebenbürtig sind.

Der Streckenabschnitt zum Tegernsee weist überwiegend Flachpassagen auf, weswegen Windschatten äußerst vorteilhaft ist.

In einem großen Bogen erreicht man von der letzten Streckengabelung aus nach 20 km den bläulich schimmernden Tegernsee. Im Bewusstsein auf die bevorstehende Verpflegungsstelle in Bad Wiessee bzw. Steigungsfreiheit bis zum Gebirgseintritt des Valepp lassen sich die nächsten Kilometer beschwingt wegtreten.

Touristischer Radverkehr erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Entlang des Ufers führt ein verkehrsfreier Radweg schnurstraks zum Kur- und Badeort Bad Wiessee. Unübersehebare Hinweisschilder weisen die emsigen Radler direkt zur ersehnten Labe.

Windschattengeschützt kann nach Bad Wiessee richtig Tempo gemacht werden. 

Nach der Verpflegungsstation in Bad Wiessee geht es mit Blick auf den Wallberg nach Rottach Egern, wo man auf der anfänglich gut ausgebauten Valepper Straße abermals die Gebirgsregion ansteuert. Ausladende Talwiesen dienen den vom Wallberg gestarteten Drachen- und Gleitschirmfliegern als Landeplatz.

Allmählich rücken die Berge bedrohlich näher, der Taleinschnitt verengt sich zunehmend. Die Süd-Auffahrt zum Spitzingsattel ist für den motorisierten Individualverkehr gesperrt wodurch die Freizeitaktivisten per Rad oder zu Fuß unter sich sind. Dennoch ist unübersichtliches Kurvenschneiden tabu, weil jederzeit der Linienbus um die Ecke düsen könnte der in engen Kurvenradien viel Platz benötigt. 

Der Gedanke, wie erholsam eine Bergfahrt mit dem Stümpfling-Sessellift wäre - dessen Talstation passiert wird - mag durch manche Köpfe geistern. Untrügliches Anzeichen, dass der lästige "innere Schweinehund" anklopft. Sinnkrise hin oder her - kein Radler lässt sich freiwillig die Butter vom Brot nehmen und sich um den Lohn seiner Finisherehre bringen.

Die nächste Versuchung ist nicht weit, wenn fröhliche Gäste der Moni Alm den verschwitzten Zeitgenossen zuprosten. Ein Lockvogelangebot, dem man kaum widerstehen kann. Jetzt vom Sattel steigen und sich einen karamellisierten Kaiserschmarrn und relaxtes Kaffeetscherl gönnen - das hat schon was. Anderseits ein "gefährliches" Unterfangen, das das Ziel womöglich in weite Ferne rückt.  

Back to the roots, denn das Ziel der Wendelstein-Rundfahrer liegt nicht im Valepp sondern hinter den Bergen. Munter geht's nun mitten hinein ins wildromantische Valepp. 

 

Entlang des plätschernden Wildbachs befindet sich weiter oben der Zusammenfluss der Weißen Valepp mit der Roten Valepp, die im Spitzinggebiet entspringt. 

Das Sträßchen windet sich mit einer Durchschnittssteigung von 3,8 % hinauf, wobei die steilste Passage 12% beträgt. Das Höhenlevel zwischen Tegernsee und Spitzingsattel (1 129 m) differiert um 400 hm. Oben angekommen, haben die Marathon-Teilnehmer ihren höchsten Streckenpunkt erreicht,  da dieser 6 m über dem des Sudelfeld-Scheitelpunkts liegt.



Unmittelbar nach der Tunneldurchfahrt wandert die Kette nach rechts auf das Speed-Ritzel. Getreu dem Songtext "Gib Gas – Ich will Spaß" geht es nun in die Abfahrt, auf der 350 Tiefenmeter potentielle Energie in Bewegungsenergie umgewandelt wird.

Die steile Dirittisima-Abfahrt nach Neuhaus erlaubt hohes Tempi, erfordert aber auch höchste Konzentration und Reaktionsschnelligkeit. Nach nunmehr 193 km in den Beinen schlägt man mit Zielgeruch zum zweiten Mal in der Krugalm auf.

Bis zum Abzweig Dürnbach/Hundham (KM 201) wird dieselbe Strecke nochmals befahren, auf der man schon ca. 2 Stunden zuvor in die Pedale trat. Einerseits bleibt den Langgtreckenfahrern zwar der Irschenberg (bleibt 165 km-Fahrern vorbehalten) erspart, andererseits macht der Schlussanstieg hinüber nach Bad Feilnbach dennoch die 3 000 Höhenmeter-Bilanz fast voll. 

Verständlich, dass die ausgemergelten Fahrer die Nase vom Höhenmetersammeln voll haben. Umso mehr wird der 4 km lange flache Auslauf zwischen Bad Feilnbach und Au genossen, der bereits frühmorgens in entgegengesetzter Richtung befahren wurde. Der rote Teppich ist ausgerollt, nun geht's im großen Gang gekettet auf der topfebenen Hauptstraße dem Ziel im Sauseschritt entgegen. Nach 209 km das ersehnte Ortsschild Au zu sehen ist ein erhebender Moment. Ausgeschüttete Glückshormone verrichten nun das vollendete Meisterstück. Ende gut alles gut.