Bier - Nationalgetränk und Inbegriff bayerischer Trinkkultur

Das Brauwesen hat im Freistaat Bayern eine ausgesprochen kulturprägende Tradition. Schon im frühen Mittelalter begannen Mönche mit der Herstellung des bayerischen Volksgetränks zur Versorgung der Klöster und Pilger. Dank des 1516 erlassenen Bayerischen Reinheitsgebots entwickelte sich in Bayern eine einzigartige als „Braukunst“ bezeichnete Handwerkstechnik.

Seit 1995 wird jedes Jahr am 23. April der Tag des Deutschen Bieres gefeiert, mit dem die deutsche Brauwirtschaft an das Reinheitsgebot erinnert. Die 1516 vom Herzogtum Bayern erlassene Landesordnung, bezog sich damals noch nicht auf den Begriff "Reinheitsgebot". Die Bezeichnung wurde erst vier Jahrhunderte später kreiert. Genauer gesagt am 4. März 1918, wo der Begriff erstmals in einem Sitzungsprotokoll des bayerischen Landtags schriftlich belegt ist.

Coronakrise

Der Erlass des Bayerischen Reinheitsgebotes durch den Bayernherzog Wilhelm IV. hätte sich am 23. April 2020 zum 504. Mal gejährt. Doch wie so viele andere Veranstaltungen auch, musste die Feier zum Jahrestag des Bayerischen Reinheitsgebotes - das bis heute in seiner Ursprungsform von Bayerns Braumeistern befolgt wird - wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. 

Bayern ist eine von der Biertradition geprägte Region was sich u.a. darin widerspiegelt, dass fast die Hälfte aller deutschen Braustätten hier ihren Standort haben. Laut den Konsumforschern des Nürnberger Instituts GfK stieg der Bierabsatz in Deutschland im Zeitraum von Ende Februar bis Ende März, als das öffentliche Leben nach und nach zurückgefahren wurde, zwar um 11,5 Prozent, doch die Zuwächse im Einzelhandel konnten die enormen Mengenverluste in der Gastronomie, der Veranstaltungen und der Sportevents bei weitem nicht kompensieren. Schlimmer noch, der wochenlange Shutdown brachte viele mittelständische Brauereien, deren Absatzschwerpunkt in der Belieferung von Festen und Gastronomie liegt, in eine beängstigende existenzgefährdende Schieflage. 

Trotz erheblicher Umsatzeinbußen zeigt sich nun ein Silberstreif am Horizont, denn die vom bayerischen Kabinett beschlossenen Lockerungen wie z.B. die Öffnung von Gaststätten, Biergärten und Hotels ebnen dem arg gebeutelten Tourismussektor den Weg zurück in die Normalität.

Das ungeduldige Warten auf frisch gezapftes Bier in einem von Kastanien- Linden- oder Eichenbäumen beschatteten Biergarten hat Gott sei Dank am 18. Mai sein Ende gefunden. Dies dürfte besonders ausgemergelte Radfahrer freuen. Endlich unter freiem Himmel den Hunger mit einer deftigen Brotzeit wie Wurstsalat, Radi, Brez’n & Co - subsummiert unter dem Dialektbegriff "Schmankerl" – stillen und den Durst im geselligen Freundeskreis mit erfrischendem ,„flüssigen Gold“ löschen. Ein Ritus, der in Bayern einfach zu jeder Tour dazu gehört. Sieht man mal vom Alkohol ab ist Bier ein gesunder Durstlöscher, das ein Quell an Eiweißstoffen, Vitaminen und Mineralien wie beispielsweise Vitamin B, Magnesium und Kalium liefert. Dabei werden bekanntermaßen ausschließlich natürliche Rohstoffe wie Malz, Hopfen, Wasser und Hefe verwendet, weshalb das leicht verdauliche Nahrungsmittel so gut bekömmlich ist. Wer ausgepowert vom Sattel steigt und seinen Flüssigkeitsverlust mit alkoholfreiem Bier bzw. mäßigen Genuß von "Light-Bier" ausgleicht, tut für seinem Körper definitiv etwas Gutes. Dass übermäßiger Verzehr alkoholhaltiger Getränke ungesund ist und als klassische Binsenweisheit gilt soll nur beiläufig erwähnt sein.  

Bier - DAS ideale Sportlergetränk

Das Bier ist nicht nur das "Nationalgetränk" der Bayern und Inbegriff bayerischer Trinkkultur sondern verfügt als isotonisches "Sportlergetränk" erstaunliche Qualitäten. Wer Sport treibt, der verbrennt Energie. Isotonische Getränke gelten hierfür als ideale Energielieferanten, da sie den Körper mit rasch verfügbarer Power und Mineralstoffen versorgen. Anstatt zu teuren Sport-Drinks mit teils fragwürdigen Zusätzen zu greifen, ist die Apfelsaftschorle oder alkoholfreie Bier die bessere und günstigere Wahl. Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich alkoholfreies Bier gleich aus mehreren Gründen als perfekter Treibstofflieferant. Es ist isotonisch, hat mit 25 Kalorien pro 100 Milliliter nur knapp halb so viele Kalorien wie alkoholhaltiges Bier und enthält mehr Kohlenhydrate.

Weil der Körper durch's Schwitzen essentielle Mineralien verliert, bedarf es eines zeitgerechten Mineralstoffnachschubs. Bier, das Calcium, Natrium und Magnesium enthält hilft solche Mineraldefizite auszugleichen. Dabei spielt das Natrium während der Belastung eine äußerst wichtige Rolle, da der Körper auf einen Mangel etwa mit Muskelkrämpfen oder Schwindelgefühlen reagiert. Kalium benötigt wiederum der Organismus, um Kohlenhydrate in Form von Glykogen in den Muskelzellen zu speichern. Enthaltene Vitamine, allen voran B6, unterstützt den Aufbau von Proteinen im Körper die für Muskeln, Gelenke, und das Immunsystem unverzichtbar sind. Mangelerscheinungen führen zu höherer Infektanfälligkeit, Muskelschwäche, Blutarmut und Arthritis. Vitamine wie B6 und Folsäure sind durch das Getreide im Bier bereits enthalten, d.h. dass sie nicht extra zugesetzt werden müssen. Bedauerlicherweise untersagt das Deutsche Lebensmittelrecht den Herstellern, mit diesen Eigenschaften zu werben.

Alkoholfreies Bier ist DAS Sportler-Getränk. Mundet gut, wirkt gut. Da der Gerstensaft zu den isotonischen Getränken gehört, ist es für Radsportler ein idealer Durstlöscher. Professor Daniel König, Sportmediziner und Leiter des Arbeitsbereiches Ernährung am Institut für Sport und Sportwissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erklärte gegenüber der <Apotheken-Umschau>: "Viele alkoholfreie Biere sind isoton, dadurch können sie einen Wasser- und Mineralstoffverlust nach dem Sport schnell ausgleichen".

 Sport & alkoholfreies Bier gehen gut zusammen, da das Powergetränk dank Kohlenhydrate den Muskeln rasch verfügbaren Treibstoff bereitstellt. Dazu beugen enthaltene Mineralstoffe wie Magnesium, Natrium, Kalium und Calcium sowie Vitamine gefürchteten Muskelkrämpfen vor (sofern null Promille, da sich Alkohol negativ auf die Performance auswirkt). Insofern war es eine besondere Ehre, als sogeannte "Überzeugungstäter" für das National- und Sportlergetränk im Bayernbike-Schneider-Weisse-Team ans Limit gehen zu dürfen.

Die gesundheitsfördernde Wirkung von alkoholfreiem Bier für Sportler konnten Forscher des Münchner Klinikums Rechts der Isar anhand von Untersuchungen mit 277 Läufer nachweisen: Wer 3 Wochen vor und 2 Wochen nach einem Wettkampf täglich 1 bis 1,5 Liter alkoholfreies Bier trank, litt seltener unter Atemwegsinfekten und Entzündungsreaktionen. Ursächlich dafür sind die im Bier enthaltenen Pflanzenstoffe, sogenannte Polyphenole, die das körpereigene Immunsystem - welches nach Extrembelastungungen weniger Abwehrkräfte mobilisiert als sonst - wirksam unterstützt. Zudem wirken sich die Pflanzenstoffe positiv auf das Herz, den Magen-Darm-Trakt und das Blutbild aus.

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Nach gefühlter Ewigkeit können feierliebende "Frohnaturen" ihr "heiliges Nationalgetränk" - unter Einhaltung des Abstandsgebots und Hygieneregeln - wieder genussvoll in traditionellen Biergärten einverleiben. Schon vor mehr als  hundert Jahren  bezeichnete der Dichter Ludwig Thoma die Bayern in seinem Text "Agricola" als biersüchtig: "Niemals enthalten sie sich des Genusses." Seiner damaligen Behauptung würden wohl viele Menschen auch heute noch schmunzelnd beipflichten.

Sofern Petrus gnädig gestimmt ist, steht der gediegenen Ess- und Trinkkultur mit Freunden, Verwandten und Bekannten also nichts mehr im Wege. Ein altbekanntes bayerisches Sprichwort besagt: "Speis & Trank hält Leib und Seele zamm". In diesem Sinne gilt der süffig-erfrischende "Edelstoff" gemeinhin als Bayerns fünftes Element und gehört von A bis Z zur bayerischen Lebensart. 

Dass in Bayern das Bier ein Bestandteil der Lebenskultur ist braucht man nicht groß zu betonen. So ist z.B. der gesellige Trinkspruch "Ein Prosit der Gemütlichkeit" weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Laut GEMA ist es sogar der meistgespielte Titel auf der Wiesn. Entgegen landläufiger Meinung stammt die Biertrinker-Hymne aber nicht von einem Bayern sondern - man höre und staune - von dem Sachsen Bernhard Dietrich, der das Lied Ende des 19. Jhrd. in Chemnitz komponierte. Die Hymne wurde bereits um 1898 auf dem Münchner Oktoberfest gespielt. Die (abgewandelte) Schlussstrophe "oans zwoa gsuffa" läutet den beschwingten Trinkvorgang ein. Das lautstarke Mitsingen heizt die Stimmung auf, was in aller Regel im schunkelnden Unterhaken mit den Sitznachbarn gipfelt.

Welch immensen Stellenwert das Bier seit Jahrhunderten in Bayern genießt unterstrich der bayerische Staatskanzler Wiguläus von Kreittmayr (1705-1790) als er dieses seinerzeit nach Feuer, Wasser, Luft und Erde sogar als das fünftes Element bezeichnete. Eine höhere Anerkennung kann man dem Bier wohl kaum zuteil werden lassen. 

Natürlich macht es einen himmelweiten Unterschied, ob Bier & Brotzeit zuhause oder in geselliger Runde mit Freunden im Biergarten konsumiert werden. Umso größer ist die Vorfreude, der gediegenen Biergartenkultur mit frisch gezapftem Bier - gebraut nach dem Bayerischen Reinheitsgebot - wieder nach Herzenslust genießen zu dürfen. Sofern im Sommer und Herbst das Wetter einigermaßen mitspielt und halbwegs angenehme Temperaturen herrschen, sollte das Bier an den Freischankflächen und Biergärten wieder hektoliterweise durch die Zapfhähne und  durstige Kehlen fließen. 

Kaum ein Politiker vertritt die Interessen des deutschen Gastgewerbes mit so großer Leidenschaft wie er: Hubert Aiwanger, Parteivorsitzender der Freien Wähler, bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Aiwanger sagte: „Das Gastgewerbe ist systemrelevant für eine sozial intakte Gesellschaft“. Gastgewerbe und Tourismus sind Branchen, die nicht einfach nur Gegenstände produzieren, sondern sie befriedigen soziale Grundbedürfnisse der Menschen. Deshalb ist das Gastgewerbe, unsere Wirtshäuser, Hotels, Restaurants und Biergärten auch systemrelevant für eine sozial intakte Gesellschaft. Und deshalb wird diese Branche auch Zukunft haben und bereits wieder zu arbeiten beginnen, auch wenn das Virus noch nicht endgültig verschwunden ist. Die Menschen werden in nächster Zeit mehr im Land bleiben und das Geld hierlassen, auch die 7% MwSt. sind eine längst überfällige Perspektive, aber um davon was zu haben, muss erstmal geöffnet werden, und das bald!"

500 jähriges Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebots

Bayern beging 2016 ein einzigartiges Jubiläum, denn 500 Jahre zuvor trat eine vom Bayerischen Herzog Wilhelm IV. erlassene Vorschrift in Kraft, die der deutsche Brauerbund als "die älteste, noch heute gültige Lebensmittelesetzgebung der Welt" feiert. 1516 trat der Bayerische Landständetag unter Vorsitz von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt zusammen, dessen Gremium eine vom Herzog vorgelegte Vorschrift billigte. Sie war für Bayern verbindlich und besagte, dass zur Herstellung des Bieres nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürften.

Zum 500 jährigen Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebots widmete das ehemalige Kloster Aldersbach (Passauer Land) dem "Nationalgetränk" - Inbegriff bayerischer Trinkkultur - 2016 eine Landesausstellung. Ministerpräsident Horst Seehofer unterstrich bei der feierlichen Eröffnung der Landesausstellung „Bier in Bayern“ die Bedeutung des Bieres als „Bayerns fünftes Element: „In Bayern ist der Gerstensaft Grundnahrungsmittel und Lebenselixier. Seit Jahrhunderten erobert bayerisches Bier die Welt. Bier aus Bayern ist Mythos und Weltmarke. Mit dem bayerischen Reinheitsgebot erließen die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. vor 500 Jahren das weltweit älteste Lebensmittelgesetz." 

Zweck des bayerischen Reinheitsgebots

Das bayerische Reinheitsgebot - eine der urbayerischsten Institutionen - war ursprünglich anno dazumal gedacht, schlechte Bierqualität zu vermeiden. Das Reinheitsgebot erfüllt drei wichtige Funktionen:

"Erstens dient es auch heute noch dem Zweck, die Konsumenten vor schädlichen Zusätzen und Inhaltsstoffen zu schützen: Das Reinheitsgebot wird gerne als weltweit älteste und unverändert gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift bezeichnet, was seine Bedeutung hervorhebt. Angesichts des hohen Schutzstandards, der in Deutschland ohnehin für alle Lebensmittel gilt, hat dieser Aspekt heute jedoch nachrangige Bedeutung.

Zweitens garantiert das Reinheitsgebot die hohe Qualität bayerischer Biere und schützt den Biergenießer vor Täuschung: Wer bayerisches Bier kauft, weiß zum einen, was drin ist, und zum anderen, dass es gut ist. Gleichzeitig wird das Bewusstsein der Verbraucher für Qualität und Wertigkeit des heimischen Bieres geschärft. Das Reinheitsgebot dient in diesem Zusammenhang als gut eingeführtes und weltweit anerkanntes Qualitätssiegel. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Alleinstellungsmerkmals darf keinesfalls unterschätzt werden. Das Reinheitsgebot hebt bayerisches Bier aus der weltweiten Schwemme von Massenbieren hervor und garantiert ein nachhaltiges Produktionsniveau für die vielen vor allem kleinen und mittelständischen bayerischen Brauereien. Es ist auch ein Verdienst des Reinheitsgebots, dass Bayern die höchste Brauereidichte der Welt aufweist.

Als dritte und vielleicht wichtigste Funktion ist festzuhalten: Bayerisches Bier und das bayerische Reinheitsgebot stellen einen identitätsstiftenden Wesenskern des Freistaates dar. Seit jeher gilt: Bier, das nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gebraut ist, gehört zur bayerischen Kultur und Lebensart. So wird das Reinheitsgebot im Tourismus als internationaler Imageträger genutzt. Es verbindet die Säulen des Bayerntourismus aus Natur, Handwerk, Tradition und Gastlichkeit auf einzigartige Weise. Dieser Aspekt hat die Bayerische Staatsregierung auch dazu bewogen, die Bayerische Brautradition nach dem Reinheitsgebot in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes des Freistaats aufzunehmen." Quelle: Bayerischer Brauerbund e.V.

“Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten und Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.” So lautet – in neuhochdeutscher Textfassung – das Bayerische Reinheitsgebot von 1516. Es stellt die weltweit älteste bis heute gültige lebensmittelrechtliche Bestimmung dar. Doch ungeachtet des Alters der Vorschrift hat sie nichts an ihrer Aktualität verloren: Der Gedanke des Verbraucherschutzes war Herzog Wilhelm IV. und seinem Bruder Ludwig X., die die beiden bayerischen Teilherzogtümer Bayern-München und Bayern-Landshut regierten, seinerzeit Antrieb, das Reinheitsgebot zu erlassen. Und neben seiner kultur- und wirtschaftshistorischen Bedeutung ist es diese Idee des Verbraucherschutzes, die Bayerns Brauer bis heute für die Beibehaltung ihres Reinheitsgebotes eintreten läßt.

Das “Reinheitsgebot” ist heute verankert in § 9 der Bekanntmachung der Neufassung des Vorläufigen Biergesetzes vom 29. Juli 1993. Dort heißt es:

(1) Zur Bereitung von untergärigem Bier darf nur Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden.

(2) Die Bereitung von obergärigem Bier unterliegt derselben Vorschrift; es ist hierbei jedoch auch die Verwendung von anderem Malz und die Verwendung von technisch reinem Rohr-, Rüben- und Invertzucker, sowie von Stärkezucker und aus Zucker der bezeichneten Art hergestellten Farbmitteln zulässig.”

Diese korrekterweise als “Deutsches Reinheitsgebot” zu bezeichnende Formulierung ist dabei vom engeren Bayerischen Reinheitsgebot zu unterscheiden. Der bedeutsamste Unterschied zwischen dem Bayerischen und dem Deutschen Reinheitsgebot liegt im Alter der Bestimmungen. Streng historisch betrachtet gibt es ein “Deutsches Reinheitsgebot von 1516” nämlich gar nicht, da außerhalb Bayerns die Verwendung von Malzsurrogaten wie auch von diversen Zusatzstoffen weit länger zulässig war als in Bayern.

  Wortlaut des Reinheitsgebotes

„Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) eine Maß (bayerische, entspricht 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten – nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll.Wo aber einer nicht Märzen sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. Wo jedoch ein Gäuwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (enthält etwa 60 Liter) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemand erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken. Auch soll uns als Landesfürsten vorbehalten sein, für den Fall, dass aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entstünde, nachdem die Jahrgänge auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind, zum allgemeinen Nutzen Einschränkungen zu verordnen, wie solches am Schluss über den Fürkauf ausführlich ausgedrückt und gesetzt ist.“

Gegeben von Wilhelm IV., Herzog in Bayern, am Georgitag zu Ingolstadt anno 1516 

Bier - ein gesundes Lebensmittel

Nach einer Studie des Forschers Charles Barnforth von der University of California ist Bier ein gesundes Lebensmittel. Demnach enthält vor allem Pils viel Silizium - elementarer Grundstoff für's Skelett. Das amerikanische National Institutes of Health (NIH) empfiehlt Silizium ausdrücklich als wichtigen Baustein für Knochenwachstum und Entwicklung des Bindegewebes. Kaum zu glauben, aber was in Hauptplatinen von Computern steckt stärkt beim Menschen die Knochen.

Manche Studien raten zur Bekämpfung von Osteoporose zum alkoholfreien Bierkonsum. Neben Silizium enthält insbesondere das Hefe-Weizenbier einen hohen Anteil von der Hopfensubstanz Xanthohumol, das Entzündungen, Rheuma, Arthritis und möglicherweise die Entstehung von Tumoren bremst. In Maßen getrunken vermag es zudem den Vitamin-B-Haushalt zu verbessern (Die Welt). Alkoholfrei zählt das isotonische, vitamin- mineralstoffreiche und kalorienarme Hefeweißbier zu einem gesunden (Sportler-) Getränk das Energy-Drinks in kaum etwas nachsteht. Die harntreibende Wirkung vermag die Nieren zu spülen und Giftstoffe auszuschwemmen. Bier weist mit seinen 8000 Inhaltsstoffen die 6.6 fache Menge auf, als es im Vergleich der Wein bietet. 

Sortenvielfalt

Die eigentliche hohe Brauerkunst besteht darin, aus nur vier Rohstoffklassen eine schier unerschöpfliche Vielfalt an Bieren herzustellen. Dank einfallsreicher Kreativität vieler Braumeister wird das Produkt in unzähligen Varianten und Geschmacksnoten angeboten.

Die Welt beneidet Bayern - respektive Deutschland - um die älteste noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift aus dem Jahre 1516, weil das Bier bis heute - im Gegensatz zu ausländischen Erzeugern - keine Zusätze wie z.B. Konservierungsstoffe oder Aromen enthalten dürfen. Im Grunde wären Zusatzstoffe gar nicht nötig, da es dutzende Sorten von Bitter- und Aromahopfen gibt deren Sud mit Malz aus verschiedensten Getreidesorten angesetzt werden kann. Dazu gibt es noch ca. 200 Bierhefesorten, die dem jeweiligen Geschmackserlebnis ihre unverwechselbare Note verleiht. Diese Variantenvielfalt spornt Spezialitätenbrauereien an, individuelle Biersorten auf den Markt zu bringen was Bierliebhaber gegenüber dem überhand nehmenden Einheitsgeschmack von Industriebieren umso mehr zu schätzen wissen.

In einer Zeit, in der unzählige (industriell gefertigte) Lebensmittel am Pranger stehen, genießt das Reinheitsgebot heute eine umso bedeutsamere Rolle. Es garantiert einen verlässlichen Verbraucherschutz der besagt, dass Deutsches Bier frei von künstlichen Aromen und sonstigen Zusatzstoffen ausschließlich Malz, Hopfen, Hefe und Wasser enthält. Im Bewusstsein über derlei gesunde Inhaltsstoffe dürfte die kühle, bernsteinfarbene Flüssigkeit noch besser munden.

Wohl bekomms!