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24 Stunden Rennen Kelheim - 09.- 10.07.2022

Traditionell wäre am 1. Januar 2022 der Meldestart für das 24-Stunden-Rennen Kelheim gewesen. Wäre, hätte, Infektions-Kette... Nach zwei pandemiebedingten Absagen stand Anfang 2022 die Austragung des 24-Stunden-Rennens in Kelheim zwar noch auf der Kippe, doch nach der langen Coronapause meldet sich der Radsport-Klassiker samt vorgelagerter italienischer Nacht (8. Juni) wieder zurück. Beginnend am Samstag, den 9. Juli ab 14 Uhr bis zum Zielschluß am Sonntag den 10. Juli 14.00 Uhr ist in der Kelheimer Innenstadt sowie dem Stausackerer Berg bei dem beliebten Outdoor-Spektakel wieder "Remmidemmi" angesagt. Für die Akteure heißt es 24 Stunden lang bis zur Schmerzgrenze bzw. darüber hinaus kraftvoll die Kurbel zu drücken, währenddessen angereiste Fans Jubel, Trubel, Heiterkeit erwartet. Dem Großereignis steht samt neuem Moderatorenteam mit dem Radsportexperten Tilmann Rieger und dem Kelheimer Ulli Kick - in der sportbegeisterten Kreisstadt nichts mehr im Wege.

Nach zweijähriger Zwangspause fiebern die Sportskanonen der 24 Stunden-Challenge mit großer Spannung entgegen, was die Vorfreude zweifelsohne noch mehr pusht. Wenig Wunder, denn die vom RSC Kelheim perfekt organisierte Veranstaltung genießt einen legendären Kultstatus. Besonders die frenetische Stimmung in der niederbayerischen Donau-Stadt sowie entlang der Feiermeilen-Hotspots ist derart überschwänglich, dass die hemmungslose Extase bei den Radsportlern regelrechte Motivationsschübe auslöst. Wenn sich die "Gladiatoren" im Sattel auf der 16.4 km langen Rundstrecke die Kante geben und am Rand der Erschöpfung auf Biegen und Brechen um Sekunden fighten, herrscht am Ort des Geschehens absoluter Ausnahmezustand. Gäb's ein sensorisches Stimmungsbarometer, dann würde das Messgerät mit Sicherheit am oberen Ende der Skala ausschlagen. "Da geht's zu wie beim Sechs-Tage-Rennen, nur im Freien", sagt RSC-Ex-Vorstand Klaus Roithmeier: "Dazu trägt sicher auch unser umfangreiches Rahmenprogramm bei, mit Festzelt, Party und mehr...". 

Endlich ist es wieder soweit, dass sich die Kreisstadt Kelheim als turbulenter Wettkampfschauplatz zum brodelnden Hexenkessel rund um die Uhr verwandeln wird. Das Radsport-Ereignis im niederbayrischen Kelheim ist eine gelungene Mischung aus bebender Volksfeststimmung und aufsehenerregender Renn-Atmosphäre. So machen nicht nur die Rennfahrer mit ihrer grellen Beleuchtung die Nacht zum Tag, sondern viele Fan-Clubs stehen ihnen hautnah bei und lassen ihre Heroes nicht im Stich. Die ausgelassene Festivalstimmung spricht sich herum, weswegen der vorauseilende Ruf dieser Wettkampfveranstaltung weit über Bayerns Grenzen hinaus große Popularität genießt.

 Wer bereits am Freitag, den 8.Juli anreist, kann sich am Vorabend der Großveranstaltung im Stadtgebiet bei der "Italienischen Nacht" entspannt amüsieren. Eine Partymeile mit Musik, Modenschau und kulinarischen Spezialitäten haucht der Herzogstadt a la "La dolce Vita" italienisches Flair ein. Die Geschäfte haben in Kelheims Altstadt bis 22 Uhr geöffnet, und zu feurig italienisch-rhythmischen Klängen kann man bis 24 Uhr das Tanzbein schwingen.

Die Emotionen schlagen bei allen Beteiligten nicht nur hohe Wellen, sondern der Funken springt zwischen den Akteuren und den Zuschauern ständig hin und her. Zweifelsohne versprüht die kunterbunt zusammengewürfelte Schar an Radsportlern aus nah und fern - flankiert von aufgeheizten Zuschauermassen - bei der 24 Stunden Challenge eine spannungsgeladene Race-Atmosphäre. 

Zu den Stimmungsnestern zählt in erster Linie das Festzelt und der "Col de Staussacker", wie der 170 hm-Anstieg in der Radsportszene humorvoll genannt wird. Dort herrscht bis weit nach Mitternacht Partystimmung mit Musik und Halli Galli. Auch der hektische Wechselzonenbereich (Staffelstabübergabe) vis a vis der Mariensäule auf dem Ludwigsplatz ist ein emotionaler Brennpunkt. Die Stimmung der aufgepeitschten Menschenmenge wird Samstagabend zusätzlich noch von einer Liveband unterm Zeltdach angeheizt. Den Vogel der Gegensätze schießt dabei die gitterschutzbewehrte schmale Fahrgasse durchs Bierzelt ab, wo zum einen die Speichenflitzer entfesselt „durchpacen“, während die Festzeltbesucher gemütlich ihren kulinarischen Gelüsten freien Lauf lassen und frisch gezapftes Bier die - von Anfeuerungsschreien beanspruchten Stimmbänder - benetzt. Einen verrückteren Kontrast, wo die fesselnde Aura impulsiver Wettkampfsportler auf eine vergnügliche, sich genüsslich in der Komfortzone aalende Zuschauermenge hautnah aufeinanderprallen, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen.

Nirgends lässt sich die körperliche Verausgabung, psychische Anspannung und das Gefühlspendel - welches sich von euphorischen Glücksgefühlen bis zur Niedergeschlagenheit und Enttäuschung erstreckt - aus nächster Nähe so gut beobachten wie an diesen Kulminationspunkten. Radsportfans bekommen stundenlang eine irrsinnig aufregende Liveshow geboten, die den sportlichen Kampf gegen die Uhr authentisch widerspiegelt. Am ehesten brennen sich dabei die berührenden Gänsehautmomente ins Gedächnis. Das größte Sportevent im Landkreis Kelheim strahlt jedenfalls eine faszinierende Magie aus, wie man sie nur äußerst selten live erlebt.

Bild: in der Fahrerwechselzone herrscht stetes Kommen und Gehen wie im Taubenschlag. Hier spürt man am ehesten die knisternde Spannung, die sich unverfälscht aus den Gesichtern der ungeduldig wartenden Sportler ablesen lässt. Die hektische Transponderübergabe ist ein emotionsgeladener Moment, denn die Uhr tickt selbst bei Stillstand unerbittlich weiter. Springt der schweißgebadete Ankömmling über den Stoppbalken, beginnt die nervöse Suche - goutiert von lautem Schreien - nach dem Teampartner, um ja möglichst wenig Zeit zu verlieren. 

Während der Wettkampfveranstaltung bleibt kaum Zeit, sich näher mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen. Wen's interessiert: die vergoldete sieben Meter hohe Marienstatue mit dem Jesuskind wurde im Jahre 1700 vom Kelheimer Ratsherren Jakob Mayr gestiftet, was die Inschrift auf der Ostseite des Sockels dokumentiert: "Gott und der seligsten Jungfrauen Maria zu Ehren hat diese Säullen aigen machen lassen der ersame und weise Herr Jakob Mayr des Rahtes dahier".

Bild: Einzelstarter zirkeln Runde um Runde lässig um die enge 180° Innenkehre, während Teamstarter sich wie von einer Steinschleuder beschleunigt hoch motiviert ins Rennen stürzen. Für Solisten ist eine gleichmäßige Leistungsentfaltung unterhalb der anaeroben Schwelle (GA 2) das A&O, d.h. hochintensive Leistungsentfaltung ist tabu, weil es über 24 Stunden nicht realisierbar wäre. Ganz im Gegensatz zu Teamfahrer, die i.d.R. nach jeder absolvierten Runde eine Auszeit (Regeneration) haben, während sich die Teamkollegen aufopferungsvoll challengen. Deshalb können sie ihre gezeitete Einzelrunde quasi nach Zeitfahrmanier - in Abhängigkeit der körperlichen Verfassung - als hochintensives Intervall bestreiten und zäh an der individuellen anaeroben Schwelle ballern, die die höchstmögliche Belastungsintensität am Gleichgewicht zwischen Laktatbildung und -abbau erlaubt. Das Herausfordernste an einem 24 Stunden Rennen ist tatsächlich, über den gesamten Zeitraum den schmalen Grad einer ausgewogenen Balance zwischen körperlicher Belastung und komprimierter Regeneration einzuhalten.

Gestartet wird in acht Wertungskategorien, die sich 2019 wie folgt aufschlüsselte: 

  • 117 Herren-Teams
  •   11 Damen-Teams
  •   23 Senioren-Teams
  •   34 Mixed-Teams
  • 114 Einzelstarter Herren
  •   16 Einzelstarter Damen
  •   93 Einzelstarter Herren Senioren
  •     3 Einzelstarter Damen Senioren

Die Fahrweise der Teamfahrer unterscheidet sich von der der Einzelfahrer grundlegend. Bezogen auf die Intensität besteht für Teamstarter aus trainingsphysiologischer Sicht die entscheidende Fähigkeit darin, konstant über 24 Stunden an der anaeroben Schwelle zu fahren. Hierbei muss jeder sein eigenes individuelles Tempo finden, das er bis zu einer Stunde lang konstant fahren kann, ohne einzubrechen. In Abhängigkeit der Rundenzeiten ist die Pace dann innerhalb der 24 Stunden so und so oft zu reproduzieren. Für Solisten liegt der Schlüssel zum Erfolg hingegen wie gesagt in einer ausgesprochen rhythmischen Fahrweise, die unter allen Umständen Belastungsspitzen vermeidet. 

Das Herausfordernste an einem 24 Stunden Rennen ist, eine ausgewogene Balance zwischen körperlicher Belastung und komprimierter Regenerationszeit zu finden. Kurze Durchhänger sind in einem 24 Stunden Rennen völlig normal, sie kommen und gehen. Genauso wie die Hochgefühle, wenn man in einer schnellen Gruppe mit knapp 50 km/h am Ortsschild von Kelheim vorbei fliegt oder am Streckenrand lautstark angefeuert wird.

Der Grundstein zum Erfolg wird freilich viel früher gelegt: rechtzeitig mit einem zielgerichteten Formauffbau beginnen, um eine gute Grundlagenausdauerbasis zu schaffen. Wer im Winter bzw. Frühjahr die Zügel schleifen lässt, wird beim 24-Stunden-Rennen keinen Blumentopf gewinnen.

Bild: in aller Regel rauschen die Fahrer im Windschatten gruppenweise auf der Flachetappe von Essing nach Kelheim. Explosive Zwischensprints zum kurzen Brückenanstieg über die Altmühl (befindet sich wenige hundert Meter nach dem Ortsschild von Kelheim) zerreißt binnen weniger Sekunden die (Zufalls-) Zweckbündnisse, sodass sich die Fahrer-Reihenfolge bis zur Alleestraße frisch sortiert. Die Attacke - gefahren im anaeroben Spitzenbereich - bietet die Gelegenheit Mitstreiter auszukontern, um sich eine vorteilhafte Ausgangsposition für die sperrgitterbeengte, gepflasterte Ludwigsstraße hinter dem Mittertor zu sichern, die kein gefahrloses Überholen mehr erlaubt. Hat man auf dem 600 Meter langen Streckenabschnitt langsamere (Einzel-) Fahrer vor sich, muss man wohl oder übel geduldsam bis zum Rundenziel hinterher tuckeln. Das Kopfkino lässt grüßen: wird der ungebändigte Vorwärtsdrang wider Erwarten eingebremst, so bläst das Gehirn im euphorischen Vollgasmodus trotz minimalem Zeitverlust eine Mücke zum Elefanten auf:-) 

Vor dem Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Um sein formidables Leistungsvermögen am Wettkampftag vollumfänglich abzurufen, bedarf es neben einer exzellenten Grundlagenausdauer, eiserner Willenskraft, sorgfältigen Krafteinteilung, cleveren Renntaktik und bedarfsgerechter Energiezufuhr. Auch wenn sich die Vorgehensweise der Team- und Einzelfahrer grundlegend voneinander unterscheidet sind alle Teilnehmer vom selben Ziel getrieben, den Kurs innerhalb des 24 Stunden Zeitfensters so oft als möglich zu umrunden. Gleichwohl saugt die Extrembelastung Runde um Runde die Power aus dem Körper. Je länger die Challenge andauert, desto zäher und schmerzvoller fühlen sich die 170 Höhenmeter des Stausackerer Berges an. Selbst die vermeintlich leichte Flachpassage zwischen Essing und Kelheim gebährt sich - trotz Windschattenfahrten - zunehmend zur Tortur. Tropft man aus windschattenschützenden Pulks ab, fristet man als Einzelkämpfer so lange frustriert sein Dasein, bis einem ein nachfolgender Zug aufsammelt und das "Spielchen" von neuem beginnt. Von daher ist eine hohe Laktat- und Schmerztoleranz gefragt, um Ermüdungserscheinungen (Schlafedizit) weitestgehend weg zu stecken - sprich dem inneren Schweinehund Paroli zu bieten. Es bedarf einer immensen Willenskraft, den Leistungsabfall bei fortschreitender Renndauer so gering als möglich zu halten.  

Energiezufuhr & Flüssigkeitsnachschub

Der menschliche Organismus besteht zu rund 65 Prozent aus Wasser (H2 O). Je nach Temperatur, Intensität und Wettkampfdauer variiert der Flüssigkeitsverlust. Damit der Motor stotterfrei am Laufen und das Leistungsniveau konstant hoch bleibt, braucht es einer regelmäßig abgestimmten Energiezufuhr, egal ob man Hunger oder Durst verspürt oder nicht. Nur dann lassen sich Leistungseinbußen minimieren bzw. Muskelkrämpfe, die i.d.R. durch Wasser- und Elektrolytmangel entstehen, vermeiden. Bei Hitze empfiehlt sich eine Prise Salz in die Flüssigkeit beizumengen, damit verlustig gegangenes Natrium ersetzt wird. Isotonische Getränke, deren Verhältnis von Wasser zu Nährstoffen demjenigen des Bluts entsprechen die der Körper deshalb rasch aufnehmen kann, sind bei hohen Belastungen definitv erste Wahl.

Für Teamfahrer, die jeweils nur eine Runde am Anschlag fahren, erübrigt sich die Mitnahme einer gefüllten Trinkflasche. Der Flüssigkeitsbedarf kann rund 20 min. vor Rennstart bzw. nach Zieldurchfahrt gedeckt werden. Da die Flüssigkeit erst den Verdauungstrakt (Magen-Darm) durchläuft bevor sie über das Blut (Resorptionszeit ca. 30 min.) aufgenommen wird, wäre Trinken auf einer einzigen Rennrunde ohnehin für die Katz. Außerdem verfügt der Körper über eine „Flüssigkeitstoleranz“ von 1–2 Liter. In die Gefahr der verminderten Leistungsfähigkeit wg. Flüssigkeitsmangels kommt man also erst gar nicht. 

Ganz anders stellt sich die Situation für Einzelfahrer dar, die auf ihren "Long-Runs" sehr wohl auf zeit- und bedarfsgerechte Flüssigkeits- und Energiezufuhr achten müssen. Bei stundenlanger Ausdauerleistung - einhergehend mit großer Schweißabsonderung - muss in gewissen Zeitabständen ein entsprechender Flüssigkeitsnachschub erfolgen (Trinkflaschen/persönliche Streckenbetreuungsposten). Ansonsten droht der Körper zu dehydrieren, was einen deutlichen Leistungsabfall in Gang setzt. Allerdings gilt auch, dass der Körper nicht mehr als 1 Liter pro Stunde aufnehmmen kann. 

 Wasserhaltiges Obst und Gemüse bessert ebenfalls die Flüssigkeitsbilanz auf (z.B. Weintrauben, Tomaten, Gurken, Melonen, Äpfel, Organgen).

Zwischenmenschliche Symbiose

24 Stunden Rennen sind zweifelsohne spektakulär - und zwar für die Fahrer als auch für die Zuschauer. Der TOUR - Europas größtes Rennradmagazin - gelang ein genialer Schnappschuß (Bild oben) der exakt jenen Augenblick einfing, welcher die empathische Symbiose zwischen Fans und den in Trance befindlichen Radrennfahrer authentisch widerspiegelt. Wenngleich der Sportler mental abgeschottet in seiner "Kopfkino-Bubble" am Limit seiner Leistungsfähigkeit die Kurbel schwingt und von außen kaum etwas die Wahrnehmungsschwelle durchbricht, so dringt die aufgepeitschte Stimmung am Streckenrand trotzdem nachhaltig ins Gedächtnis. Obwohl sich die Konzentration wie ein Brennglas auf's Renngeschehen richtet bzw. den Vordermann fokussiert und die stoische Miene den Anschein erweckt dass Anfeuerungsrufe, hautnahes Zujubeln oder Abklatschen keinerlei Aufmerksamkeit erfährt, so nimmt der Fahrer die Akustik, Gestik und emotionale Hingabe- ob bewusst oder unbewusst - sehr wohl wahr. Gerade am Stausackerer Berg, wo die Qualen unermesslich sind, peitschen Stimmungsnester und wummernde Musik die rational entrückten Fahrer den Berg hinauf. 

Insbesondere wenn die zermartende Ausdauerschlacht zu später Stunde ihren Tribut einfordert, die Beine schwer werden und die Erschöpfung heftig an der Moral zehrt, lösen frenetische Anfeuerungsschreie und dumpfe Baßtöne aus den Lautsprecherboxen wahre Motivationsschübe aus. Es sind zwischenmenschliche Momente, die eindrucksvoll die mystische Verbindung zwischen Zuschauer und Wettkämpfer reflektieren und ihm psychologischen Auftrieb geben der regelrecht beflügelt. Ein verbales wie nonverbales Zusammenspiel, bei dem bewegende Emotionen ungefiltert aufeinanderprallen. Allein dafür lohnt es sich beim 24 Stunden Rennen dabei zu sein, um das einzigartige Gänsehautfeeling in vollen Zügen auszukosten. In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön an alle Zuschauer, die das Race24 zu dem machen was es ist: ein sensationelles Radsport-Festival.   

Die Teams setzen sich maximal aus fünf Mitgliedern zusammen, die sich (beliebig) abwechseln können. Welche Strategie letztlich angewendet wird, bleibt der jeweiligen Teamabsprache vorbehalten. Selbst eine vereinbarte Reihenfolge der Fahrer ist nicht in Stein gemeiselt. Jederzeit kann in Abhängigkeit der Rennsituation taktisch umgestellt werden. Nur die Örtlichkeit des Fahrerwechsels ist in der Wechselzone verbindlich vorgeschrieben. Teamfahrer folgen stetig demselben Ritual: Vorbereitungsphase auf den Wettkampfeinsatz → frühzeitige Anfahrt zur Wechselzone → Full-Speed-Challenge → Rückfahrt zum Fahrerlager-Teamplatz → Umziehen →  Essen/Trinken → Erholungsphase/Schlafen → Umziehen → Full-Speed-Challenge → und so weiter und so fort, bis am Sonntag um 14.00 Uhr die Zielglocke bimmelt. Während Teamfahrer naturgemäß jede Runde am Anschlag fahren, müssen Einzelfahrer zwangsläufig auf eine niedrigere Belastungsstufe achten, damit die Leistung nicht wider Erwarten plötzlich in den Keller rauscht.

Von 21:00 bis 06:00 Uhr besteht nicht nur Beleuchtungspflicht, sondern alle Fahrer auf der Strecke müssen eine reflektierende Warnweste oder ähnliches tragen. Der Nonstopp-Fight geht mit Einbruch der Dunkelheit in eine vorentscheidende Phase, wobei der eigentliche Knackpunkt jedesmal von neuem der Anstieg über den »Col de Stausacker« ist. Fortschreitender Kraftverlust, gepaart mit einhergehendem Schlafentzug machen zunehmend mürbe. Von daher wollen Glykosespeicher mit leicht verdaulichen Energielieferanten sorgfältig nachgefüllt sein, denn ohne Mampf kein Kampf!

Es gilt als Binsenwahrheit, dass Anstiege als natürliche Selektionsbarriere wirken und das Fahrerfeld durcheinander wirbeln. Einerseits kann man attackieren oder taktieren, andererseits aber auch viel Zeit verlieren und Kräfte sinnlos verpulvern wenn der Bogen überspannt wird. Vor allem zu Rennbeginn, wo die Euphorie am größten ist, muss man sich zügeln um nicht zu überpacen. Zu ungestüme Fahrweise bezahlt der Überehrgeizige später womöglich mit einem bitteren Leistungseinbruch. Die heikelste Aufgabe von 24 Stunden Rennen ist, seine Leistung über die gesamte Wettkampfdauer so clever auszutarieren, um eine leistungsmindernde Laktatbildung zu vermeiden. Dazu braucht es eine ausgewogene Balance zwischen Anspannung und Entspannung, was letztlich der Schlüssel zum Erfolg ist. Wem dies am besten gelingt, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil. 

Zum Glück gibt es unermüdliche Motivationsanheizer, die auf der Fanmeile des Stausackerer Berges schallende Musik - angefangen von Rock-Klassiker von van Halen, AC/DC-Klassiker über Gute-Laune-Schlager wie das „rote Gummiboot“ oder Hubert von Goiserns Hirtamadl - raushauen, und mit grellem Scheinwerferlicht die Nacht zum Tag machen. Sobald die Dämmerung hereinbricht, steigt die Stimmung unter den Fan-Gruppen rapide, was natürlich ein stückweit auch dem Alkoholpegel geschuldet ist. Bis weit nach Mitternacht ist der »Col de Stausacker« - abgesehen vom prallgefüllten Bierzelt - das Epizentrum des Renngeschehens. Die moralische Unterstützung ist für ausgemergelte Fahrer Gold wert, weil es von der quälenden Schinderei ablenkt und die Müdigkeit zumindest zeitweise vergessen macht. Außerdem wird sowieso kein Schweißtropfen vergebens vergossen, weil ein Teil der Startgebühr für Charity-Projekte gespendet wird.

Bild: Christoph Strasser und Barbara Wilfurth (Präsidentin Veloclub Regensburg)

Promi-Starter gab es in Kelheim schon zuhauf. Mit Christoph Strasser - mehrfacher Weltrekordhalter im 24-Stunden-Einzelzeitfahren und aktuell bester Ultra-Radmarathonfahrer der Welt - stand der österreichische Extremsportler bereits zweimal am Start in Kelheim. Der sechsmalige und amtierende Sieger des legendären Race Across America (innerhalb 2011–2019), gewann 2006 als Einzelfahrer mit 46 Runden (736 km - Start/Ziel Brauerei Aukofer) das 24 h Race. Der zweite Start 2019 stand dagegen unter anderen Vorzeichen, da Strasser für das Mixed-Team <Owayo Ambassador> ohne Siegambitionen antrat (7.Platz). Race24-Mitorganisator Rudi Eberl sagte: "Als Einzelfahrer würde er alles in Grund und Boden fahren“

Zuschauer-Tipp: Ein gemütlicher Spaziergang durch die Fahrerlager am Aumühlparkplatz, Alter Hafen und Niederdörfel erlaubt interessante Einblicke in den sehr speziellen Kosmos der Protagonisten. Dazu liefert die installierte LED-Videoleinwand am Stadtplatz spannende Livebilder. Radiomoderator Bernhard „Fleischi“ Fleischmann vom Bayerischen Rundfunk wird dem Publikum wieder gehörig einheizen. Das Rennen ist als Jedermann Veranstaltung beim BDR/BRV genehmigt, weswegen Lizenzfahrer die in der BDR-Rangliste besser als Platz 500 platziert sind nicht zugelassen sind. 

Sobald der Startschuß um 14.00 Uhr fällt, heißt es Feuer frei. Bereits auf der Einführungsrunde geht's ans Eingemachte, denn die schnellste Frau/Mann erhält den mit 100€ prämierten "Col de Stausacker-Bergpreis". Gemäß des Schlachtrufs des weltbekannten Boxkampfansagers Michael Buffer: „Let’s get ready to rumble“ nimmt das Spektakel 24 Stunden nonstopp seinen Lauf. Wer sich die kostenlose «Racemap App» auf's Handy lädt kann beim Live-Tracking die Fahrer live mit verfolgen.

Favoriten-Check

Aufgrund der beiden Event-Annulierungen ist das Team »IronTrizone« mit den Lokalmatadoren Philipp Bertsch, Manuel Lohr, Michael Stieglbauer, Julian Sterner und Sebastian Neef seit 2019 nach wie vor das amtierende Sieger-Herren-Team. Gegen die schlagkräftige Ausdauer- und Mountainbike-Crew hatte die Konkurrenz damals nichts zu melden. »IronTrizone« war von Beginn an auf Sieg gebürstet und zog voll durch. Am Schluß waren es 56 Runden (918.4km), was das Team »Radsport Gaimersheim 1 - Photovoltaik Hackner« mit gut 7½ Minuten Rückstand und »Schaible Heizung-Sanitär« auf die Plätze verwies. Es bleibt also spannend, wer am Sonntag den 10. Juli 2022 in den einzelnen Wertungskategorien auf's Podest klettern wird.

Unter den bis jetzt aktuell angemeldeten 80 Herrenteams taucht Titelverteidiger Team IronTrizone nicht auf. Bekannt ist nur, dass sich der Top-Triathlet Sebastian Neef als treibende Kraft der Siegermannschaft dem Team Kreissparkasse Kelheim angeschlossen hat. In Bezug zur Titelvergabe hievt RSC-Vorstand Thomas Kellerer - fungiert erstmals in der Doppelfunktion als Renndirektor und Organisationschef - dieser Mannschaft in eine Favoritenrolle, bzw. traut etwa fünf bis acht Top-Teams einen Siegestriumph zu. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen übliche Verdächtige wie beispielsweise die Teams Gaimersheim, Veloclub Regensburg und Anitas Altstadtpension.

Nicht zu vergessen die drei hochmotivierten Teams vom RSC Kelheim, die den "Etablierten" den Sieg streitig machen wollen. Dazu der RSC-Präsi: Wir sind absolut konkurrenzfähig und fahren ums Siegerpodest mit. Bei den Damenteams kristallisiere sich laut Kellerer hingegen kein Topfavorit heraus. Seiner Meinung nach zählen die Teams Gaimersheim, Veloclub Regensburg und RSC Kelheim zum engsten Kreis der Titelanwärter. Noch schwieriger ist eine Prognose bei den Senioren- und Mixteams, deren Anteil mit 150 Fahrern relativ hoch ist.

Ob die Teilnehmerzahl von 2019 (1.150) erreicht wird wird sich zeigen. Bislang haben sich drei Wochen vor dem Rennstart 800 Aktive angemeldet.

Von links nach rechts: Francisco Gennes (Gesellschafter/Geschäftsführer der Owayo GmbH), Christoph Strasser (Extrem-Radsportler/Ultracycling-Profi), Klaus Roithmeier (Ex-Vorstand RSC-Kelheim).

 Die Wittelsbacher Stadt Kelheim - am Ausgang des Donaudurchbruchs unterhalb des Michelsberges an der Altmühl und Donau gelegen - ist für Radfahrer nicht nur ein populäres Anlaufziel, sondern zudem eine attraktive (Urlaubs-) Destination. Zum einen fungiert Kelheim als Etappenort für Renn- und Tourenradler die auf dem Altmühltal-Radweg, Donau-Radweg, Deutscher Limes-Radweg, Fünf-Flüsse-Radweg oder Via Danubia zu Tausenden hier Station machen. Zum anderen kommen Radtouristen (Sternradler) im Radparadies Bayerischer Jura voll auf ihre Kosten, weil das weit verzweigte - großteils familiengeeignete - Radwegenetz keine Wünsche offen lässt.

Bild: Spaß ist der größte Motivator. Gut zu sehen beim Snapshot der Jungs vom »Biketeam - Spezialbaustoffe - Bayernbike«. Gib Gas – Ich will Spaß: ohne Spaß kein Antrieb und ohne Antrieb kein Speed - so einfach ist das. 

Die gemeinnützige Benefizinitiative erbrachte in seiner 23 jährigen Geschichte der Veranstaltung mittlerweile mehr als 140 000 Euro ein.

In eigener Sache: Nachdem das Team »Radwerk Irontrizone-Bayernbike-Deutsche Kinderkrebsstiftung« 2018 bereits Spenden sammelte, nahm das Team »Biketeam-Spezialbaustoffe-Bayernbike« im Folgejahr ebenfalls den Benefizgedanken ernst und sammelte Spenden für die Deutsche Kinderkrebsstiftung.

2022 steht das neu formierte Team »Spezial-Baustoffe powered by Biketeam-Regensburg« am Start. Bayernbike-Initiator Curd Biedermann legt nach etlichen Jahren der Rennteilnahme genüsslich die Beine hoch, und kümmert sich ausschließlich um die Berichterstattung.

Teamfahrer fighten nach Musketen-Manier gemeinsam für ein zufriendenstellendes Rennergebnis. "Unus pro omnibus, omnes pro uno" - heißt frei übersetzt soviel wie "Einer für alle, alle für Einen." Herrscht unter den Fahrern Haromonie, ein guter Teamgeist und ein inniges Zusammengehörigkeitsgefühl, empfindet man am Fahrerlagerplatz so was wie eine Nestwärme. Man "verliert" bzw. "gewinnt" zusammen, nur gemeinsam ist man stark. Egomanen haben da keinen Platz, weil sie sich dem Teamspirit nicht unterordnen wollen/können.  

Für Laien mögen freiwillig aufgebürdete Strapazen, die die Sportler ohne Preisgeld auf sich nehmen nicht nachvollziehbar sein. Sogar als Sportler hinterfrägt man dann und wann sein eigenes Handeln. Doch zwiespältige Sinnfragen haben bei Leistungssportler erfahrungsgemäß nur eine kurze "Halbwertszeit". Sobald nach Zielschluß das "Graffl" auf dem Fahrerlagerplatz zusammengepackt wird, vollzieht sich nämlich ein seltsam schneller Meinungsumschwung. Von einem kategorischen „Nie, wieder" kippt die Stimmung in ein "Na warum nicht", das nächste Jahr trotz alle dem wieder an der Startlinie Gewehr bei Fuß zu stehen. Wenn dich das Fieber - sprich der Suchtbazillus - einmal gepackt hat, gerät rationales Denken sang und klanglos in den Hintergrund. Mit anderen Worten: die Emotionen übernehmen die kognitive Herrschaft. In diesem Sinne: es lebe die Leidenschaft! 

Gegen Rennende eruptiert nach der zermarternden Ausdauerschlacht der Vulkan der Emotionen. Am laufenden Band spielen sich euphorische Szenen ab. Wird letztmalig der Stoppbalken überschritten, löst sich schlagartig die innere Anspannung und macht erlittene Qualen ruckzuck vergessen. Enthusiastisch geht der Wettkampfstress und Erschöpfung in Schall und Rauch auf. Das Glücksgefühl ist grenzenlos, sodass bei dem einen oder anderen schon mal Freudestränen die Wangen hinab kullern. Eine Teilnehmerin kleidete ihr Fazit in treffende Worte: "Ein wahnsinnig intensives WE ging zu Ende, 1000 Tode gestorben und doch durch die Gemeinschaft immer wieder neu beflügelt in die nächste Runde. Ihr wart toll..

++Bayernbike wünscht allen Teilnehmern ein unfallfreies Rennen, starke Beine und ein erfolgreiches Finish!++

Streckengrafik mit Höhenprofil - Rennstrecken-Rundkurs Kelheim


Bewegen sie ihren Cursor auf dem Höhenprofil, wird interaktiv oben auf der Streckengraphik die geographische Position eingeblendet.

Haftungsausschluss:

Biketouristik – Media übernimmt keine Gewähr für die Korrektheit downgeloadeter Trackdaten. Die Verwendung von GPS-Tracks geschieht in Eigenverantwortung des Users und schließt Haftungsansprüche gegenüber dem Anbieter ausnahmslos aus.



Rückblick Race24 2019

1.200 Teilnehmer - 10 000 Zuschauer - spannende Renn-Duelle. Die 23. Auflage des 24-Stunden-Radrennens in Kelheim war wie schon die Jahre zuvor ein Riesenerfolg. Einzig Petrus erwies sich bis zum Eintritt der Dämmerung am Samstag als Spielverderber. Doch auch wenn das Wetter mit kurzzeitigen sintflutartigen Regengüssen nicht unbedingt der Burner war, tat es der Stimmung keinen Abbruch.    

Knapp 1.200 Teilnehmer nahmen die Herausforderung an und quälten sich 24 Stunden lang über den Staussackerer Berg. Für die nötigen Motivationsschübe sorgte ein Heer von Zuschauern, deren Zahl der Vorsitzende des RSC Kelheim Klaus Roithmeier auf ca. 10.000 schätzte.

Spaß muss sein. Auf die Frage ob der "Nachwuchs" ein Bub oder Mädel wird entgegnete Markus Biersack vom Team <Tuesday Classics> kurz vor Rennstart schlagfertig: nein, es wird ein Radlfahrer...

Während sich in manchen Wertungskategorien relativ rasch heraus kristallisierte wer sich auf Siegkurs befindet, lagen im Herren-Mannschaftswettbewerb 18 Stunden lang drei Teams gleichauf. <Iron Trizone>, <Gaimersheim> und <Schaible Heizung-Sanitär> spulten bis Sonntag vormittag gemeinsam an der Spitze stoisch ihre Runden ab. Ob es ein Gentleman-Agreement in Form eines "Stillhalteabkommens" (Nichtangriffspakt) gab bleibt dahin gestellt. Bis dahin schien jedenfalls alles auf einen Zielsprint hinaus zu laufen. Doch weit gefehlt, denn die Ruhe vor dem Sturm sollte bald sein Ende nehmen.

Manuel Lohr (Deutscher Meister im Mountainbike AK 40-50) von <Iron Trizone> wartete spannungsgeladen in der Wechselzone auf seinen Teampartner. Doch die verbleibende Restzeit von 23 Minuten bis Zielschluß um 14.00 Uhr waren in der Schlußphase des Rennens einfach zu knapp, um noch eine 57. Runde  dran zu hängen.

Bild oben: jener Moment, als Sebastian Neef vom Team <Iron Trizone> den Sieg im hart umkämpften Team-Wettbewerb der Herren unter Dach und Fach brachte. Mit 56 Runden bzw. einer Gesamtdistanz von 918,4 Kilometer war am Sonntag um 13.37 Uhr der Sieg in trockenen Tüchern.

Nach dem fulminanten Sieg erläuterte Sebastian Neef (amtierender deutscher Vize-Meister auf der Triathlon Langdistanz) im Interview die entscheidende Rennszene, welche den Grundstein für den späteren Sieg legte. Demnach wollte das Quintett mit Philipp Bertsch (Abensberg), Manuel Lohr (Kelheim), Sebastian Neef (Regensburg), Julian Sterner (Ingolstadt) und Michael Stieglbauer (Waldkirchen) die Entscheidung aus taktischen Gründen nicht bis zur finalen Runde abwarten, um einem Zielsprint mit fraglichem Ausgang aus dem Weg zu gehen. Vielmehr war der Plan, mit einer klug gesetzten Attacke schon vorher das Heil in der Flucht zu suchen. Allerdings wurde die Taktik vom Team <Gaimersheim> mit einem Überraschungsangriff durchkreuzt. Was des einen Glück ist des anderen Leid - will heißen, dass nach dem Staffelstabwechsel der schwächste Fahrer von <Gaimersheim> ausgerechnet auf den bärenstarken Sebastian Neef (<Iron Trizone>) traf. Der Profi-Triathlet zündete quasi die Endstufe seinen Raketenantriebs. Die mehrfachen Konter-Attacken nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" konnten die <Gaimersheimer> schlußendlich nicht mehr parieren. Binnen weniger Kilometer fuhr Neef in einem Husarenritt einen Vorsprung von 35 Sekunden auf seinen Widersacher heraus, was angesichts im letzten Renndrittel gewissermaßen eine Vorentscheidung war. Runde um Runde summierte sich der Abstand fortan bis zum Zieleinlauf auf über 7 Minuten.

Faire Geste die ehrenhaften Sportgeist bewies: Trotz der knapp erlittener Niederlage freuten sich die "Gaimersheimer" gemeinsam mit ihren Kontrahenten und gratulierten ihnen zum verdienten Triumph. 

Herren-Einzel-Sieger Björn Fischer (45 Runden) - der für die Deutsche Kinderkrebsstiftung startete - schwärmte in den höchsten Tönen über die Rennveranstaltung. Fischer sagte: „Was für eine Stimmung – das ist das schönste Rennen im ganzen Jahr“.  

Einen Promi-Starter gab es auch:  Der sechsmalige Sieger des legendären Race Across America Christoph Strasser startete für das Mixed-Team <Owayo Ambassador> (7.Platz). Der sechsfache RAAM-Sieger gab zu Protokoll: „Hier in Kelheim heißt es 30 Minuten Vollgas geben, Pause machen – und dann wieder Vollgas geben, während beim Race across America man sein eigenes Tempo findet und dies durchzieht.“ Strasser siegte auch in Kelheim und zwar 2006  mit 46 Runden als Einzelfahrer. Damals war Start/Ziel noch die Brauerei Aukofer. „Da kommt man natürlich gerne wieder.“ Nach dem Wettkampf signierte Strasser sein Werk "Der Weg ist weiter als das Ziel", das den Siegern anschließend als Geschenk überreicht wurde.

Podiumsplätze Teamwettbewerbe

Herren Team

  • Iron Trizone (Philipp Bertsch, Manuel Lohr, Michael Stiegelbauer, Julian Sterner, Sebastian Neef) mit 56 Runden (918,4 Kilometer) in 23:37 h
  • Radsport Gaimersheim mit 56 Runden in 23:44 h
  • Schaible Heizung mit 56 Runden in 23:44 h

Damen Team

  • Schneider Weiße Bergmädels (Kathi Stockbauer, Elisabeth Ferstl, Miriam Schien, Annette Ulmer und Franziska Arnhofer) mit 48 Runden (787,2 Kilometer) in 23:55 h
  • BetonWadlMadl mit 46 Runden in 23:46 h
  • AnitasAltstadtPension Kelheim Mädls mit 44 Runden in 23:27 h

Senioren Team

  • Team Eurosport (Günther Haslbeck, Thomas Janz, Thomas Mattes, Falko Brunies, Christoph Lösche) mit 52 Runden (852,8 Kilometer) in 23:32
  • Team Massivhaus Ehrenreich mit 52 Runden in 23:43
  • Kraus Weißwurstexpress mit 50 Runden in 23:46

Mix Team

  • xc-Ski.de Skimarathon Team (Matthias Flunger, Florian Wirth, Thomas Freimuth, Silvia Perrenoud, Ladina Guidon) mit 55 Runden (902 Kilometer) in 23:58 h
  • Magnesium Pur mit 53 Runden in 23:43 h
  • Rennsportgruppe München mit 52 Runden in 23:53 h

Podiumsplätze Einzelwettbewerbe

Herren

  • Björn Fischer, 45 Runden (738 Kilometer) in 23:55 h
  • Stefan Barth, 44 Runden in 23:55h
  • Marc Tiburski, 43 Runden in 23:41 h

Damen

  • Yvonne Margraf, 40 Runden in 23:46 h
  • Lokalmatadorin Eva Schien, 34 Runden in 22:47 h
  • Maria Wilke, 33 Runden in 23:23 h

Senioren

  • Günter Gartner, 47 Runden in 23:56 h
  • Hubert Liepold, 46 Runden in 23:41 h
  • Sam Ghost, 44 Runden in 23:26 h

Seniorinnen

  • Judith Liepold, 34 Runden in 23:22 h
  • Gabriele Wittleben, 28 Runden in 23:29 h
  • Anja Georg, 20 Runden in 17:39 h

Negative Vorkommnisse

Leider gab es auch unerfreuliche Ereignisse, die jedoch nicht dem Veranstalter anzulasten sind. Laut Ultracycler Rainer Steinberger entfaltete Sonntag Nacht gegen 1.00 Uhr ein bislang Unbekannter eine beispiellose kriminelle Energie, bei dem der Übeltäter sowohl auf der Abfahrt Richtung Essing als auch der Zufahrt zum Fahrerlager Niederdörfel Reißnägel verstreute. Nicht auszudenken was hätte passieren können, wo die Fahrer bzw. Pulks Spitzengeschwindigkeiten von gut 70 km/h erreichen. Eine perfide Tat, die den Mainburger Hubert Liepold - Vorjahressieger bei den Senior-Einzel-Herren - um seine Siegchancen brachte. 

Weitere Negativschlagzeilen: Unbekannte entwendeten in den Fahrerlagern Niederdörfl und Aumühle drei hochwertige Räder im Gesamtwert von 11.600 Euro.  

Das BRK kümmerte sich mit 38 Einsatzkräften vorwiegend um leichtere Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen, wenngleich zwei schwerere Verletzungen mit einem Schlüsselbeinbruch und einer Kopfverletzung Krankenhaus-Transporte nach sich zog. 

Siegerpokal findet neue Heimat

Ludwig Eglmeier, Geschäftsführer des Zweiradgeschäfts Radwerk by Iron Trizone GmbH & Co. KG in Regensburg und Namensgeber der Wettkampfmannschaft erklärte, dass er schon länger einen prestigeträchtigen Sieg zielstrebig verfolgt. Im dritten Anlauf hat's mit den ersehnten Titelambitionen 2019 nun endlich geklappt.

Der begehrte Pokal des 24 Stunden Rennens hat sein "neues Zuhause" im Laden von Irontrizone in Regensburg gefunden.

Ein alt bekannter "Dominator" schaute auch vorbei. Erstmals nicht als Teilnehmer sondern als relaxter Zuschauer bzw. Betreuer eines Fahrers wechselte der Fünffachsieger-Solist Markus Rieber - der im Vorjahr zurück trat - die Seiten. Der Champion aus Güglingen bei Heilbronn sagte: „Ich habe ja versprochen, ich komme zum Eisessen wieder“. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen eine "Proberunde" zu drehen. Dies war dem Suchtpotential geschuldet was sich prompt in seinem Statement widerspiegelt: "da steigt schon wieder die Lust.“