Herbstimpressionen

Die Sommersaison ist abgehakt - vorbei ist die sonnenverwöhnte Kurzarm-Zeit. Regenschauer, sinkende Temeraturen und auffrischende Winde haben den Jahreszeitenwechsel eingeläutet. So mancher Zeitgenosse hadert wehmütig der warmen Sommerzeit hinterher, zumal abrupte Wetterumschwünge als radikale Zäsur empfunden werden. Nach dem Altweibersommer ist in aller Regel Schluss mit eitel Sonnenschein und spätsommerlicher Wärme, da Tiefdruckgebiete zunehmend Kurs auf's europäische Festland nehmen und uns dicke Wolkenbänke mit schauerartigen Regenwalzen bescheren.  

Unabhängig davon sind Niederschläge nach monatelangen Dürre- und Hitzeperioden insbesondere für die ohnehin geschwächten Wälder bitter nötig. Seit Jahren leidet der Wald an akutem Trockenstress. Laut Experten stellt massiver Niederschlagsmangel die bedeutendste Auswirkung des Klimawandels auf das Waldwachstum dar.

Meteorologisch beginnt der Herbst am 1. September und endet am 30. November, astronomisch betrachtet erstreckt er sich vom 22. September bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember.

Auch wenn das Wetter rauher und kälter wird und uns Wetterumschwünge mit Kaltfronten, Stürmen und Niederschlägen beschert, so sind es doch gerade die klimatischen Gegensätze die den Liebreiz der Goldenen Jahreszeit ausmachen. Die dritte Jahreszeit prunkt mit farbenprächtiger Vegetation sowie goldenem Herbstlaub und ist mit zahlreichen Feiern wie z.B. Halloween oder dem Erntedankfest traditionell tief verwurzelt. 

Naturgewächse folgen einem genetisch festgeschriebenen Entfaltungsprozess

Frühling, Sommer, Herbst und Winter teilen das Leben der Menschen in wiederkehrende Zyklen ein. Jahreszeitlich bedingte Schwankungen charakterisieren die Grundprinzipien des Lebens, wonach sich die Natur ausrichtet. Bäume, Pflanzen und Sträucher folgen im Jahresablauf einem genetisch festgeschriebenen Entfaltungsprozess.

Der Herbst beschert uns die farbenprächtigste Jahreszeit. Ob er als ultimativ schönste Jahreszeit wahrgenommen wird, liegt natürlich primär im Auge des Betrachters. Erste zaghafte Herbstverfärbungen - wie beispielsweise bei der Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) - sind je nach Witterung bereits Anfang September zu beobachten. Der sommergrüne Strauch ist unter Hobbygärtner wegen seiner weißen Blüten, der kupferroten Blätter-Tönung, seiner prächtigen Herbstfärbung sowie schmackhaften Früchte als Zier- wie Nutzgehölz sehr beliebt. Zur herbstlichen Farbenpracht gehört auch der Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia), deren rote Beeren für Insekten, Vögel und Säugetiere eine wertvolle Futterquelle sind. Bis zum Winter hin verabschiedet sich der sommergrüne Baum mit einer furiosen Laubfärbung. Die Farbkomposition wird durch die beständigen Blüten der Einjährigen, des Sonnenhut-, Astern-, Eisenhut- und Silberkerzensortiments, der Dahlien und des Fruchtbehangs von Obst- und Zierobstgehölzen und Sträuchern noch bunter und reichhaltiger. Dazu gesellen sich noch braungelbe Linden, goldgelbe Kletterhortensien, knallrote Ahornbäume, wilder Wein und weinrote Ebereschen - allesamt Emporkömmlinge eines zauberhaften Naturspektakels.

Da Bayern ein nahezu unerschöpfliches Radtouren-Potential entlang an Seen, Flüssen bzw. durch großflächige Waldgebiete verfügt und überdies Mittelgebirge und die Voralpenregion mit farbenfroher Naturlandschaft und Panoramasicht locken, ist es angebracht die Gunst der Zeit zu nutzen.  Tatsächlich gibt es keine reizvollere Jahreszeit, als im Goldenen Herbst vergnügt mit dem Rad durch's farbenfrohe Landschaftsensemble zu gondeln. Solange sich die Vegetation augenscheinlich von ihrer Schokoladenseite zeigt und man sich als aufmerksamer Betrachter daran sinnlich ergötzen kann sollte das begrenzte Zeitfenster unbedingt genutzt werden, bevor sich im November neblige Tristesse, diffuses Tageslicht und nasskaltes Wetter breit macht.

Das Naturschauspiel von dezenten Pastellfarben bis zu flammroten Feuertönen - besprenkelt mit wechselnden Licht-Schatteneffekten - verfehlt seine faszinierende Wirkung nicht. Braungelbe Linden, goldgelbe Kletterhortensien, herausstechend knallrote Ahornbäume, wilder Wein und weinrote Ebereschen spenden jedem Landschaftsgepräge ein unverwechselbares Antlitz. Je nach Art und Standort schwanken beim Ahorn die Töne von Goldgelb über feuriges Orange bis hin zu kräftigen Rot- und Purpurtönen. 

Die Zeitspanne der Herbstfärbung erstreckt sich von September bis Ende November über 3 Monate hinweg. Den Schlußpunkt der Färber setzt u.a. die Rot-Buche (Fagus sylvatica), der Eisenholzbaum (Parrotia persica) und die Sumpf-Zypresse (Taxodium distichum). 

In die dritte Jahreszeit fällt auch die Apfelernte. Je nach Apfelsorte hängen die reifen Früchte manchmal bis weit in den November hinein an den Bäumen (obiges Bild wurde am 6. November im Fichtelgebirge aufgenommen). Das farbenprächtige Obst - umgeben von Raureif - könnte die krassen Kontraste dieser Jahreszeit nicht besser widerspiegeln.

Die Pflanzengattung der Kernobstgewächse umfasst bis zu 55 Arten laubwerfender Bäume und Sträucher, von denen einige Arten bzw. Sorten im Herbst purpurnes Laub tragen. Anmerkung: Wer sich in "freier Wildbahn" an unbehandeltem Obst erlabt, führt seinem Körper weit mehr gesunde und verwertbare Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu, als dies künstlich (chemisch) hergestellte Vitaminpräparate (Nahrungsergänzungsmittel) jemals vermögen könnten.

In manchen Gegenden scheinen einem die Früchte in den Mund zu wachsen, wie das Bild oben zeigt (Falkenstein-Radweg). Umso mehr macht es in punkto Ökobilanz nachdenklich, wenn angesichts schadstoffbelastender Transportwege südamerikanische Äpfel gekauft werden, wo hierzulande jährlich hundertausende Tonnen Obst verrotten. 

Herbstimpressionen

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – zuverlässig folgt eine Jahreszeit auf die nächste und gibt Tieren wie Pflanzen einen saisonalen Rhythmus vor. Dabei spiegelt der Wechsel der Jahreszeiten sich auch in menschlichen Genen wider, wie Forscher vom Diabetes and Inflammation Laboratory der Universität Cambridge festgestellt haben.

Wenn Petrus schlechte Laune hat, kann's schnell ungemütlich werden. Umso mehr, wenn man auf dem Rad quasi kalt erwischt wird und den Wetterkapriolen schutzlos ausgeliefert ist. Dann ist Schluß mit lustig. Regen, Kälte und Windböen können einem den Spaß an der Freud gründlich verderben. So mancher Radfahrer streicht dann endgültig seine Segel, d.h. die Saison ist für ihn gelaufen. Dabei ist raues Herbstwetter beileibe kein Grund, sich zu Hause zu verkriechen und Trübsal zu blasen. Ausgerechnet in einer Zeit, wo die Natur beginnt sich gewissermaßen aus dem "Ei zu pelen", wäre es ein unseliger Entschluss sein Gefährt winterfest einzumotten und voreilig das Handtuch zu werfen. Schließlich geht die Radsaison im Herbst nicht nur in die Verlängerung, sondern sie strebt einem Höhepunkt entgegen bei dem sich die Natur von der prunkvollsten Seite entpuppt.

Zweifelsohne kostet es Überwindung, sich aufzuraffen und den inneren Schweinhund zu überlisten, wenn's draußen kalt und nass ist. Doch wer sich des geläufigen Spruchs entsinnt, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung" gibt, kapituliert deswegen nicht. Wer sich rechtzeitig auf die klimatischen Veränderungen einstellt, sich entsprechend kleidet und einige jahreszeitlich bedingte Punkte beachtet, vermag jedem Wetter ein Schnippchen zu schlagen. 

Selbstverständlich steht der Herbst nicht allein für Regen, Wind, Kälte und Einheitsgrau Pate - ganz im Gegenteil. Jedes Jahr vollzieht sich nämlich ein beeindruckendes Naturschauspiel, wenn sich die Blätter verfärben und die Landschaft abwechselnd in warmen Gelb-, Rot- und Brauntönen erstrahlt. Neben abgeernteten Feldern und umgepflügten Äckern ist die Landschaft von einer überschwänglichen Farbenpracht gekennzeichnet. Allen voran Baumarten wie der Spitz-Ahorn (weltweit gibt es rund 200 verschiedene Ahorn-Arten) und die Hainbuche leuchten überaus kräftig. Die Farbtöne reichen von Goldgelb über feuriges Orange bis hin zu kräftigen Rot- und Purpurtönen samt aller Übergänge und Farbverläufe. Der Rot-Ahorn (Acer rubrum) zählt hierzulande - a la Indian Summer im östlichen Teil Nordamerikas - zu den auffälligsten Hauptakteuren des herbstlichen Farbspektakels. 

Auch die Blätter des Essigbaums (Rhus typhina) verfärben sich von gelb zu leuchtend orange ins Rot bis sie schlussendlich braunrot werden. Praktisch leuchtet hier das gesamte Herbstfarbenspektrum.