»Dreisesseltour« Gipfelspaß vom Feinsten

Die »Dreisesseltour« hat es in doppelter Hinsicht in sich. Einerseits verlangt die knackige Bergroute gewisse Leidensfähigkeit und gute Klettereigenschaften (es sei denn, dass man auf Akku-Unterstützung setzt). Andererseits bekommt der schweißgebadete Gipfelstürmer ein atemberaubendes Bilderbuchpanorama serviert, das jeden unweigerlich in den Bann zieht. Abgesehen vom Windbruch bieten die wegen Borkenkäferbefall abgestorbenen Wälder rund um den Dreisessel auf den ersten Blick eine surreale - ja sogar gespenstige Szenerie. Gleichwohl ist es spannend zu erleben, wie der Borkenkäfer zwar unübersehbar sein zerstörerisches Machwerk vollbringt wobei sich beim genaueren Hinsehen nichtsdestotrotz beobachten lässt, wie sich die Natur durch zart nachwachsende Vegetation ohne menschliche Eingriffe wundersam wie Phönix aus der Asche selbständig erneuert. So gewährt das Totholz Lebensraum für verschiedenste Arten von Tieren sowie Schutz für nachwachsende Bäume. Bewundernswert, wie sich Mutter Natur ohne künstliche Eingriffe des Menschen selbständig regeneriert und nach und nach eine neue, robustere Baumgeneration gebiert. Eine Umgebung die das Gefühl vermittelt, als radle man auf einem anderen Stern.

Blick zurück: durch die schwer zugängliche und menschenleere Bergregion zwischen Dreisessel und Plöckenstein wandelte im 19. Jhrd. der weltbekannte Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter (* 23. Oktober 1805 in Oberplan, Böhmen, † 28. Jänner 1868 in Linz) regelmäßig zu Fuß. Von seiner Reiseerzählung "Aus dem bairischen Walde" (1867) stammt das treffliche Zitat: „Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet.“ 

Wer weniger mit Kondition & Power gesegnet ist, kann den Dreisesselberg (1333m) von Haidmühle oder Neureichenau im Dreiländereck natürlich auch mit dem e-Bike bezwingen. Dabei besteht sogar die Wahlmöglichkeit, ob man das Dreisessel-Dejavu On- oder Offroad in Angriff nimmt. Je nachdem lässt sich der Bayerwaldgipfel entweder auf der Staatsstraße 2130 und Dreisesselstraße mit dem Rennrad/Trekkingbike/e-Bike bezwingen, oder macht sich stollenbereift mit dem Mountainbike durch die wilde Botanik auf den Weg. 

Blickrichtung über den »Nationalpark-FerienLand Bayerischer Wald«, Passauer Land und Deggendorfer Land.

Die Eckdaten der Dreisesseltour sind selbsterklärend: auf einer Streckenlänge von knapp 18 km stehen auf der einen Seite 509 Höhenmeter auf der anderen Seite 509 Tiefenmeter auf dem Programm. Die Abfahrt vom Dreisesselgipfel auf teils ausgesetzten Pfaden und Singletrails erfordern zwangsläufig eine adäquate Fahrtechnik (Schwierigkeitsgrad S1 - S 2), wobei die asphaltierte Dreisesselstraße für weniger versierte Biker bergab eine "Ausweich-Alternative" bietet.  

Bild: nach dem langen Aufstieg ein verdientes Päuschen unterhalb des Dreisesselberges (1.312 m).  

Entlang der Rundtour werden einige Highlights bzw. Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise die Sankt Marien Kapelle, Kreuzbach-Triftkanal, Kreuzbachklause, Aussichtsfelsen am Hochstein, Bischof-Neumann-Kapelle und Wasserfälle am Kreuzbach passiert.

Gipfelglück am Hochstein, der mit 1.333 Meter die höchste Erhebung des Dreisesselmassivs ist. Dementsprechend ist das grandiose Panorama über das unermessliche Waldmeer des Böhmerwaldes, die Bayerwaldgipfel Haidel, Lusen, Rachel und Arber und ins oberösterreichische Mühlviertel. Bei guter Fernsicht (Fön) erblickt man über das Inn- und Donauland hinweg sogar das Dachsteingebirge sowie eine Vielzahl gezackter Alpengipfel. Ein fesselndes Panorama, das sich unauslöschlich ins Langzeitgedächnis einbrennt. 

Ist der harte Gipfelaufstieg geschafft, wandelt sich der Gesichtsausdruck von schmerzverzerrt zu Glückseligkeit - den ausgeschütteten Glückshormonen sei Dank. Der Berggasthof Dreisessel bietet eine gutbürgerliche Küche, sowie eine reichhaltige Auswahl an Eisspezialitäten und Kuchen, weswegen der Biergarten bei gutem Wetter in gesunder Höhenluft meist gut besucht ist.

Und was kommt danach? Es folgen 509 epische Tiefenmeter hinab ins Tal der Kalten Moldau.