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42. Arber-Radmarathon • 26. Juli 2026
Inhaltsverzeichnis
Gravelbike-Boom
Der ungebremste Gravelbike-Trend schwappt zunehmend auf Radsportveranstaltungen über. Genaugenommen keine kurzfristige Modeerscheinung. Geländetaugliche Räder mit Rennlenker und profilierten Breitreifen verzeichnen die höchsten Zuwachsraten aller Radgattungen. Gravelbikes haben sich längst etabliert, sodass dass man sich wegen ihrer massenhaften Verbreitung an ihr Erscheinungsbild bereits gewöhnt hat. Der Trend fußt im Wesentlichen darin, da die geländefähigen Räder - behaftet mit Rennrad-Genen - eine vielseitige Einsatzbandbreite (auch im Winter) bietet die sich spielerisch auf Wald- und Feldwegen, Schotterpisten, Landstraßen und Radwegen fortbewegen lassen. Ein prickelndes Erlebnis, das tierisch Spaß macht und grenzenlose Freiheitsgefühle weckt. Insofern war die Zeit reif auch dieser Zielgruppe den Genuss der herrlichen Naturlandschaft im Bayerischen Vorwald und das harmonische Gemeinschaftsgefühl im Kreis vieler Gleichgesinnter zu ermöglichen. Ein Angebot das auf fruchtbaren Boden fiel, denn die neue Gravelrunde (66 km) feierte dank des hohen Beliebtheitsgrades dieser Sportdisziplin quasi von Null auf Hundert einen Einstand nach Maß. Folglich lag es nahe, beim 41. Arber-Radmarathon eine weitere Gravelbike-Variante anzubieten, die zumindest unter den Ambitionierten sicherlich für Furore sorgen wird (92 km). In ähnlicher Weise wie E-Mountainbiker innerhalb weniger Jahre das Erscheinungsbild des illustren Teilnehmerkreises veränderten, steht Gravelbikern beim Arber-Radmarathon nun ebenfalls Tür & Tor offen. Vielfalt ist Trumpf! Dazu zählt auch der neu eingeführte Arber RETRO, wo alles Moderne verpönt ist und stattdessen Vintage-Rennräder mit gemufften Stahlrahmen, außenverlegten Bautenzügen sowie Old Fashioned Dresses (Wolltrikots) die Szene beherrschen. Die bunte Mischung an Rädern spiegelt letzten Endes die vielfältigen Spielarten des Zweiradsports wider. Alles in allem eine Bereicherung, deren Bühne sich in der breitbandigen Streckenauswahl wiederfindet.
Nachdem 2024 die neu ins Leben gerufene Gravelbikestrecke (65 km) einen phänomenalen Einstand feierte, verstärkte die Ergänzung einer zweiten Gravelrunde (95 km) mit insgesamt 267 Teilnehmern die Schubkraft (4.8% der Gesamtteilnehmer). Das kombinierte Schotterpisten-Straßen-Intermezzo ist absolut In. Wenig Wunder, denn der breite Einsatzbereich robuster Gravelbikes eröffnet völlig neue Erlebniswelten, da Waldwege, Schotterbahnen, schwach befahre Nebenstraßen bis hin flowigen Trails beliebig kombinierbar sind. Gerade der ständige Wechsel des Fahrbahnuntergrunds macht den Reiz aus, der grenzenlose Freiheitsgefühle schürt.
Anlässlich des 40 jährigen Jubiläums veranstaltete der Veloclub Ratisbona e.V. 2024 zum ersten Mal den »Arber-RETRO«. Einerseits sollte an das Gründungsjahr (1985) erinnert werden, zum anderen war die Gedächtnisfahrt zu Ehren des verstorbenen Helmut Stadler gewidmet, der als Visionär wie kein anderer den Verein in seiner langjährigen Geschichte engagiert begleitet und tatkräftig unterstützt hat. Nun folgte am Samstag der 2. »Arber-RETRO«, mit dem die Nostalgie mit historischen "Vintage-Rennrädern" und stylischer Kleidung der 80er Jahre stilgerecht wieder auflebte. Da die Premiere wie auch die Nachfolgeveranstaltung große Begeisterung auslöste, steht einer dritten Austragung des »Arber-RETRO« - Helmut Stadler Gedächtnisfahrt - am Samstag den 25. Juli 2026 nichts im Wege.

Früh übt sich, wer ein Meister werden will.
Führungswechsel im Veloclub Regensburg
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| © Veloclub Regensburg |
Zur Jahreshauptversammlung am 25.10.2023 gab die langjährige Vereinspräsidentin Barbara Wilfurth das Führungszepter weiter. Neuwahlen bestätigten Ulrich Mönius einstimmig als neuen Vorsitzenden des Veloclub Regensburg. Bei der VCR Weihnachtsfeier wurde am 13.12.2023 der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder an Barbara Wilfurth für ihr Lebenswerk Veloclub Ratisbona verliehen.
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| © Veloclub Regensburg |
Neupräsident Ulrich Mönius konnte als erste offizielle Amtshandlung Regensburgs 1. Bürgermeisterin Fr. Maltz-Schwarzfischer - ihres Zeichens Schirmherrin des Arber-Radmarathons -im voll besetzten Clubhaus herzlich begrüßen.

Bild v.l.: MZ-Fotograf Uwe Moosburger, VCR-Vizepräsident Alexander Koller, Regensburgs Oberbürgermeisterin Frau Getrud Schmalz-Schwarzfischer, VCR-Präsidentin Barbara Wilfurth und Helmut Stadler (Seniorchef Zweiradcenter Stadler)

Bild: Als VCR-Mitglied hat der "Paparazzo" ausnahmsweise Starterlaubnis, um authentische Action und Stimmungsbilder einzufangen.
Spitzenleistungen beim 39. Arber-Arberradmarathon 2023

Foto: Zieleinfahrt des schnellsten Fahrers der 250 km Strecke Tobias Kreuzer
Dass der schnellste Radsportler die Königsetappe trotz widriger Bedingungen in 6:47:30 mit einer durchschnittlichen Leistung von 263 Watt finishte ist aller Ehren wert. Der 22-Jährige Tobias Kreuzer aus Nittenau - Bundesligafahrer (Elite Amateure) vom Team VALEO IT by RSC88 - ließ den ambitionierten Rivalen keine Chance. Er setzte vom Start weg die Pace und fuhr nonstopp ohne Windschatten einen Bombenschnitt von 35.8 km/h.

Bild: Zieleinfahrt der zwei schnellsten Fahrer der Kleinen Arberrunde (174 km). Vorne Paul Peter, Bundesligafahrer (Elite Amateure) vom Team VALEO IT by RSC88 in 4:51:46. Seine Ø Geschwindkeit betrug 36.9 km/h, die durchschnittliche Leistung 253 Watt. Im Schlepptau Teamkollege Georg Ziereis.

Bild: Interview bei strömendem Regen, links Paul Peter, Team VALEO IT by RSC88, rechts Alex Koller (VCR-Vizepräsident)
Schnellster Fahrer der Bayerwaldtour (125 km) war Paul Feuerer, Bundesligafahrer (Elite Amateure) vom Team VALEO IT by RSC88 in 3:11:42. Die Ø Geschwindkeit betrug 37.8 km/h, die durchschnittliche Leistung 314 Watt.
Rückblick: 2019 absolvierte der VCR-Fahrer Robert Müller in 6 Stunden und 43 Minuten die Große Arberrunde (wg. Baustellenumfahrungen betrug die Distanz 260 km) und kürte sich quasi zum "The King of Arber". 2024 schaffte der 28-jährige Astrophysiker Mathias Lipka aus dem Landkreis Erding die Große Arberrunde in 6:45 Stunden. Damit blieb auch er zwar über dem inoffiziellen Streckenrekord von Markus Wilfurth (6:29 Stunden) aus dem Jahr 1999, doch dessen Streckendistanz war damals kürzer. Aufgrund von Streckenänderungen variiert dementsprechend die Streckenlänge, was keine Zeitenvergleiche ermöglicht. Außerdem werden Spitzenfahrer meistens von einem Versorgungsfahrzeug begleitet, weshalb sie nonstopp durchfahren können.
Vom exorbitanten Leistungsniveau der Radsportamateure sind Breitensportler naturgemäß Welten entfernt. Dem Groß des Teilnehmerfeldes geht's darum, aus Spaß an der Freud das schönste Hobby der Welt leidenschaftlich mit Gleichgesinnten auszuleben.

Bild: aus der Viechtacher Talsenke (398 m) stellen sich bis zur Verpflegungsstation Kolmberg 440 Höhenmeter in den Weg. Für die Königsetappenfahrer bzw. die Teilnehmer der Kleinen Arberrunde ein ernsthafter Prüfstein, der die Kondition auf die Probe stellt. Schlussendlich haben die Beine in Kolmberg - je nach Strecke - 101 km / 1.806 hm bzw. 170 km / 3.026 hm bereits intus.

Frisch gestärkt schwingt man sich motiviert wieder in den Sattel. Gemeinhin gehört es zur Normalität, dass sich hier und da gewisse Zipperleins melden. Aber Radsportler sind nunmal nicht aus Zuckerwatte, und wegen Erschöpfung aufzugeben kommt eigentlich sowieso nicht in Frage. Getragene Trikots machen die mannifaltige Vereinszugehörigkeit optisch sichtbar: so ist es beim Arber-Radmarathon besonders auffällig, wieviel Vereine (vorwiegend aus der Oberpfalz und Niederbayern) jedes Jahr teilnehmen, was das Event zum radsportlichen Schmelztiegel macht. Mancher Zeitgenosse reist aus ferner Gegend an, um bei Deutschlands größter Radtouristikveranstaltung dabei zu sein. Die Antwort in Dialektsprache auf die Frage wie denn die Veranstaltung gefällt: "des isch a lässige Gschicht" ließ über die österreichische Herkunft keinerlei Zweifel aufkommen.

An der letzten Verpflegungsstation in Untermiethnach (36 km vor dem Ziel) ging ein heftiger Gewitterregen nieder.

Gegen 14.00 Uhr braute sich in Regensburg das nächste Unheil zusammen. Binnen Minuten standen Straßen/Radwege teilweise komplett unter Wasser. So schnell die Unwetter aufzogen waren sie auch schon wieder verflogen und machten Platz für wärmende Sonnenstrahlen.
Sunshine Reggae - Happy-End am Dultplatz Regensburg
Genauso schnell wie die wolkenbruchartigen Regenfälle einsetzten, war das Intermezzo schon wieder vorbei. Dass nachmittags die Sonne hervor blinzelte tat der Veranstaltung aussgesprochen gut, gerade weil der versöhnliche Abschluß nach dem unwirtlichen Einsatz in guter Erinnerung bleibt. Im Hinblick auf den 40. Jubiläums-Arber-Radmarathon lieferte der feierliche Abschluss bei Speis & Trank dem nörgelnden Suchtbazillus reichlich Wasser auf die Mühlen.
Für einen versöhnlichen Abschluss sorgte eitel Sonnenschein im Zielgelände, weswegen der Dultplatz stundenlang proppenvoll war. Tausende Ankömmlinge streiften ihr klatschnasses Trikot ab und schlüpften stolz in das modisch designte 2023er Leiberl. Regengüsse hin oder her: Egal wo man hinschaute oder mit wem man sprach, überall strahlende Gesichter und lobende Worte, die von euphorischem Glück zeugten. Von Tortur war nicht das Geringste mehr zu spüren. Dies traf in ganz besonderem Maß auch für die völlig durchgeweichten und "fangobeschichteten" Mountainbiker zu. Trotz brutaler Schlammschlacht und herausfordernden Bodenverhältnissen waren sämtliche Qualen der puren Freude gewichen. Mit anderen Worten: die freudestrahlenden, dreckversprenkeltenden Biker-Gesichter hätten die emotionale Gefühlsachterbahn nicht besser zum Ausdruck bringen können. Ein Beleg dafür, wie eng Glück & Leid beim Radsport beinander liegen. Jedenfalls ließ die grandiose Stimmung im Ziel den Funken überspringen und versprühte ein ungemein tolles Gemeinschaftsgefühl, wie man es ansonsten nur äußerst selten erlebt.

Traditionell nehmen viele Firmen und (Radsport-) Vereine am Arber-Radmarathon teil. Teilnehmerstärkste Unternehmen: 1. Platz Bayernwerk mit 170 Teilnehmern. Die Maschinenfabrik Reinhausen (100) und Continental (90) folgten auf den weiteren Plätzen zwei und drei.

Links, Steven Setescak (Mountainbikewart), rechts Matthias Wilfurth (Streckensprecher)
Barbara Wilfurth - Vorsitzende vom Veloclub Regensburg - war am 31. Juli 2023 zu Gast im Kneitinger Sportstudio des regionalen Fernsehsenders TVA (ab 10.05 min.). Die größte Überraschung: Barbara Wilfurth - seit 1990 erste Vorsitzende des Veloclub Regensburg - kündigte im Interview ihren Rücktritt an. Das Führungszepter wird demnach im Oktober nach der durchgeführten Neuwahl übergeben.
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| © Verena Wilden |
Foto v.l.: Hermann Goß (früherer Chef der Brauerei Bischofshof), Dr. Astrid Freudenstein (Zweite Bürgermeisterin von Regensburg), Albert Füracker (Bayerischer Finanzminister), Barbara Wilfurth (VCR-Präsidentin). Erfreulich, dass auch Politiker am Arber-Radmarathon aktiv teilnehmen. Frau Dr. Astrid Freudenstein (Zweite Bürgermeisterin von Regensburg) und Albert Füracker (Bayerischer Finanzminister) - der im übrigen den Startschuss zur MTB Runde abfeuerte - radelten gemeinsam die Familienrunde (56 km). Die Kommunalpolitikerin meinte, dass es für Politiker keinesfalls gang und gäbe sei, eine solche Distanz auf dem Fahrrad zurückzulegen. Wir sagen an dieser Stelle: Chapeau!

Die frühere Verpflegungssation in Saulburg wurde ins zwei Kilometer entfernte Untermiethnach (Sportplatz) verlegt. Von Greßmannszell kommend ca. 2 km vor Saulburg links abbiegen in südlicher Richtung nach Aufroth. Im Ort Aufroth rechts abbiegen in die Finkenstr. Richtung Untermiethnach. Überquerung der St2148 in Richtung Untermiethnach. Am Ortseingang Untermiethnach beim Sportplatz wird die Verpflegungsstelle (neu) eingerichtet. Von dort aus entlang des Breimbach nach Obermiethnach. Am Ortsende Obermiethnach links abbiegen (Jägerstraße) auf die ursprüngliche Strecke Richtung Pillnach.
Schirmherr Walter Röhrl

Schirmherr der Veranstaltung ist Walter Röhrl, Ex-Rallyeweltmeister und vierfacher Rallye Monte-Carlo-Sieger, der im übrigen auch leidenschaftlicher Radfahrer und Mountainbiker ist. Das Radmagazin <aktiv Radfahren> veröffentlichte ein Interview, das spannende Einblicke in das Leben der Motorsportlegende gewährt.
Während Renn- Genuss- und Familienradller auf fünf beschilderten Routen Richtung Osten ausschwärmen und je nach gewählter Tourvariante 56 km bis 250 km zu bewältigen haben, stehen (e-) Mountainbikern vier leistungsabgestufte Strecken bis zum Falkensteiner Vorwald zur Verfügung.
Der Arber Radmarathon spricht nicht nur die sportlich ambitionierte Rennradriege an, sondern ist gleichsam auch ein beliebtes Familien-Event. Allen voran die «Continental-Familienrunde«, die von Regensburg nahezu flach - ausgenommen der 4%-Anstieg zur Walhalla - entlang der Donau bis zum Wendepunkt nach Kiefenholz verläuft. Passionierte Radsportler nehmen hingegen entweder die »Große-Arberrunde« bzw. »Kleine Arberrunde« oder die "abgespeckten" Varianten »Krones-Bayerwaldrunde« bzw.»Panoramarunde« in Angriff. Wer sich bei der Tourauswahl übernommen hat oder Schlechtwetter einen Strich durch die Rechnung macht ist kein Problem, weil an den beschilderten Streckenverzweigungen jederzeit auf eine kürzere Route abgezweigt werden kann. An den Verpflegungsstationen wird reichlich Energienachschub angeboten, schließlich läuft der Motor nur mit gefülltem "Tank" auf Hochtouren weiter.
Radsport - Glücksbringer von nachhaltiger Durchschlagskraft
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| © Biketouristik Medienagentur |
Die Gretchenfrage, wieso sich passionierte (Hobby-) Radsportler schweißtreibend über Berg und Tal quälen, persönliche Grenzen überschreiten, nur um danach vollends von der unglaublichen Macht der Gefühle vereinnahmt zu werden ist eine wiederkehrende Frage. Das Wichtigste vorweg: Radsport verlangt einerseits aufopferungsvollen Einsatz, gibt aber auf der anderen Seite - quasi als Gegenleistung“ unheimlich viel zurück. Heißt, dass körperlicher und mentaler Input fürstlich belohnt wird. Jeder der das Hobby für sich entdeckt wird bald überrascht sein, von welch bewegender Leidenschaft man erfasst wird. Radfahren kann eine Lebensphilosophie sein, die wie kaum eine andere Sportart Disziplin, Ehrgeiz, Ausdauer und unerschütterlichen Durchhaltewillen verkörpert. Ist das Feuer erst mal entfacht, gibt es kein Entrinnen mehr und lässt seiner Begierde freien Lauf. Dieser Sucht kann man sogar regelrecht verfallen. Wer - aus welchen Gründen auch immer - länger verhindert ist zu radeln, ist gefühlsmäßig sozusagen auf "Entzug".
Radfahren ist eine Lebensphilosophie, die Freiheit, Lust, Abenteuer und Sozialkontakte verkörpert. Körperliche Fitness und mentales Wohlbefinden bilden quasi ein Tandem, bei dem die Leidenschaft weit über die bloße Bewegungsaktivität hinausgeht. Sie bildet eine tief verwurzelte Verbindung zwischen Mensch und Natur die uns lehrt, die Dinge des Lebens bewußter wahrzunehmen. «Keine Gnade der Wade» ist ein geflügelter Spruch, der jedem Radsportler geläufig sein dürfte. Die Redewendung, dass der Glaube Berge versetzt lässt sich bestens auf den Radsport übertragen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man mit dem Rennrad, Mountainbike oder Gravelbike seine Begeisterung für sein Hobby auslebt.
In Anlehnung des Filmvortrags »Teamgeist - Tempo - Triumph / 40 Jahre Veloclub« schildert die Kolumne Beweggründe, was passionierte Hobby-Radsportler zu persönlichen Bestleistungen antreibt und beleuchtet die unglaubliche Macht der Gefühle.
Leistungsspirale
Wer in den Radsport als Newcomer einsteigt wird schnell feststellen, dass mit jeder (Trainings-) Ausfahrt die Leidenschaft zunimmt, d.h. der Spaß kommt schneller um’s Eck als man denkt. Für manche entwickelt sich die Begeisterung fürs Radfahren gar zum Lebensmittelpunkt bei dem Charaktermerkmale wie Entschlossenheit, Ehrgeiz, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit zunehmend zum Vorschein kommen. Abgesehen davon nimmt mit steigendem Trainingsumfang die Leistungsfähigkeit zu, bei dem der fahrbare Untersatz vom nützlichen „Fortbewegungsvehicle die Wandlung zum heißgeliebten reinrassigen Sportgerät vollzieht. Es markiert den Übergang in ein aktives Sportlerleben, dessen ansteigende Form wiederum die Motivation anstachelt und ganz unbemerkt sich die Suchtspirale zu drehen beginnt.
Teamgeist
Teamgeist und Gemeinsinn stärkt die Verbundenheit, schweißt zusammen und vermitelt das Gefühl Teil eines Ganzen zu sein. Gemeinsam zu trainieren und zusammen an Radsportevents teilzunehmen macht nicht nur Spaß sondern hilt sich leistungsmäßig zu verbessern bzw. ein ums andere Mal über sich selbt hinauszuwachsen.
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| © Biketouristik Medienagentur |
Anstatt einsam herumzugurken versprechen Gruppenausfahrten einfach mehr Pep und kurzweiligen Fahrspaß. Bildet die Gruppe eine homogene Leistungsdichte, macht das „schönste Hobby der Welt“ definitiv mehr Spaß, weil man seine Passion mit Gleichgesinnten in geselliger Zweierreihe einfach beherzter ausleben kann. Gesprächige Gruppenausfahrten führen Menschen mit gleichgelagerten Interessen zusammen, was der Leidenschaft für das Hobby Flügel verleiht. In Zeiten von WApp und Social Media sind unkomplizierte Terminabsprachen sowieso kein Act mehr, um sich unkompliziert zu verabreden. Warum nicht spontan einen "Raushauen" und nach der Trainingssession einkehren und sich des Lebens erfreuen. Dies toppt den Spaßfaktor und pusht die Motivation. Wird die eine oder andere (Berg-) Challenge bzw. "Ortsschildsprint" ausgefahren stählt es die Wettkampfhärte und gibt der Formkurve einen Kick. Zudem wirken Gruppenausfahrten nachhaltig, denn Ratschen in der Zweierreihe sowie anschließende (Biergarten-) Einkehr runden die Tour perfekt ab. So wird jeder Ausflug zum Erlebnis, das Körper, Geist und Seele belebt und die innere Ausgeglichenheit fördert. Neben dem effizienteren Trainingseffekt spielt die soziale Komponente keine unwesentliche Rolle. Außerdem: wer einen Durchhänger hat und die Überwindungshürde zu groß ist (z.B. Wetter) wird zumindest im Nachhinein heilfroh sein, wenn der positive Gruppendruck die Willensschwäche überlagert hat. Ansonsten hätte man es aus eigener Kraft womöglich nicht geschafft sich aufzuraffen. Mit der Folge zuhause im stillen Kämmerlein Trübsal zu blasen und sich über das Faulenzerdasein zu ärgern d.h. vom schlechtem Gewissen geplagt zu werden.
Glücksmomente - Gänsehautfeeling - Motivatoren im Radsport
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| © Biketouristik Medienagentur |
Was Radfahrern unter den Nägeln brennt bzw. was ihnen in Phasen größter Kraftanstrengung durch den Kopf geht und welch irrwitzige Gedanken das Gehirn zermartern lässt sich nur schwer in Worte fassen. Solch extreme Gefühlsschwankungen sind Außenstehenden kaum vermittelbar. Wenn Sportler im Ziel enthusiastisch vom Leder ziehen bzw. aus dem Nähkästchen plaudern wie krass man sich über tausende Höhenmeter hinweg quälte und dann auch voller Freude rausposaunt „Mannomann war das eine geile Tour", dann wird der Nicht-Sportler wohl oder übel die Nase rümpfen. Wer es nicht am eigenen Leib erfahren hat, für den sind aus seiner Sicht betrachtet derartige „Eskapaden“ schlicht und ergreifend „Böhmische Dörfer“. Der extatische Gefühlsmoment als erfolreicher Finisher die Ziellinie zu überqueren wird für Außenstehende immer ein "Buch mit sieben Siegeln bleiben, weil die innere „Gefühls-Bubble“ hermetisch abgeschirmt, d.h. nicht übertragbar ist. Andererseits: was ist schon „normal“ - nur was gesellschaftlichen Normen entspricht? Wohl kaum, denn dem Wortsinn nach lässt sich die Frage nicht objektiv beantworten sondern bedarf einer subjektiven Auslegung. Hand auf's Herz: klar ist eine gewisse „Verrücktheit“ und eine Portion Selbstironie im Spiel sich grenzwertig bis zur Erschöpfung zu schinden und gegen den sogenannten "Endgegner" - den inneren Schweinehund - anzukämpfen und zu besiegen, der als Sinnbild für Willensschwäche und gemeinhin Erzfeind eines jeden Sportlers gilt. Dass die Gefühlsachterbahn von Himmelhochjauchzend bis völliger Verzweiflung samt damit verbundener Sinnkrisen behaftet ist - geschenkt. Radsportler aus Leidenschaft süchteln geradwegs nach Gänsehautfeeling und euphorischen Grenzerlebnissen. Dass Laien hingegen (Sport ist Mord) die Stirn runzeln, entgeistert den Kopf schütteln und am gesunden Menschenverstand der Hasardeure zweifeln mag man ihnen als Sportler mit einem Zwinkersmiley nachsehen. Einfach deswegen, weil hier zwei völlig verschiedene Welten aufeinandertreffen.
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| © Biketouristik Medienagentur |
Reichtum macht ja bekanntlich nicht per se glücklich, da braucht es schon mehr dazu. So kommt Radfahren durchaus in Betracht, um seinem Glück auf der Spur zu bleiben. Eigentlich ein nicht verschreibungspflichtiges "homöopathisches Präparat" mit sagenhaftem Wirkungseffekt für Körper, Geist und Seele. Mit breitem Grinsen am süßen Nektar der Genugtuung, Selbstzufriedenheit zu laben und in Glückseligkeit zu schwelgen ist zweifelsohne ein redlich hart erarbeiteter Verdienst. Keinem aufmerksamen Beobachter wird im Ziel entgehen, dass trotz Erschöpfung reihenweise Radler mit strahlenden Augen zu sehen sind die sich vor lauter Freude überglücklich in die Arme fallen. Die Ursache des Phänomens warum die körperliche Verfassung im krassen Widerspruch zur mentalen Befindlichkeit steht ist leicht zu erklären. Grund hierfür sind Glückshormone wie Dopamin, Serotonin, Endorphin und Oxytocin die freigesetzt werden und automatisch das Belohnungssystem aktivieren. Nachdem die Anspannung schlagartig vorbei ist und Genugtung, Freude, Demut und Stolz die Seele erfasst, schwelgt sich der Glückspilz in redlich verdienter Glücksseligkeit und fühlt sich wie im Himmel auf Erden. Unfassbare Augenblicke, bei der die gestresste Psyche als auch der geschundene Körper ihre "Payback-Karte" zurück erhalten und analog das neuronale Belohnungszentrum anspringen lässt. Momente, bei denen nicht selten Freudentränen fließen, währenddessen die unsägliche Schinderei aus dem Bewusstein verschwunden ist. Die Aktivierung des Belohnungssystems - als zentraler Impulsgeber des menschlichen Handelns - überlagern hirneigene Kontrollinstanzen (Verstand), weswegen alles Erlebte plötzlich durch die "rosarote Brille" gesehen wird und wir am liebsten die ganze Welt umarmen möchten. Derartige Gefühlsausbrüche brennen sich tief ins Gedächnis ein, wobei irrationales Denken nachhaltig Suchttendenzen fördert. Wie heißt es so schön: Schmerz vergeht - Erinnerung bleibt.
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| © Biketouristik Medienagentur |
Umso härter die Anstrengung, desto euphorischer der entfachte Glückshormonrausch. Beides ist eng miteinander verknüpft. Der Zusammenhang zwischen körperlicher Verausgabung und Wohlbefinden bzw. emotionalen Höhenflügen ist wissenschaftlich belegt. Am besten zu sehen beim Zieleinlauf, denn nirgends sonst kommt der wissenschaftlich belegte kausale Zusammenhang zwischen Quälfaktor und Triumphgefühl so stark zum Ausdruck. Dabei gilt der Grundsatz: umso härter das Leiden, desto berauschender das Glücksgefühl. Wie ein lavaspuckender Vulkan entlädt sich in Sekunden eine wahre Gefühlsexplosion, wobei das Gehirn das Extremerlebnis registriert und fortan nach Wiederholung giert. Wem die Selbsterfahrung fehlt, bringt logischerweise auch weniger Begeisterung auf - geschweige kann es empathisch nachempfinden. Dass man Höhen und Tiefen erlebt hat – geschenkt. Sich nach dem Finish eine derartige Tortur unter keinen Umständen mehr aufbürden zu wollen ist ein allgemein gehegter Vorsatz der vermeintlich einer unumstößlichen Absicht gleicht, die jedoch meistens binnen weniger Minuten von einer erstaunlich geringen „Halbwertszeit“ wieder einkassiert wird. Kaum setzen sich schweißgebadete Gestalten am Biertisch nieder und stecken die Köpfe mit Gleichgesinnten zusammen, werden wankelmütig schon wieder Pläne geschmiedet (wo ist das nächste Event, wann startet die nächste Onlineanmeldung...?).








