Streckenabschnitt Cham - Regenhütte, 60 km (kumuliert 115 km/1 500 hm)

Nachdem Bad Kötzting passiert und eine giftige 15% Rampe erklommen ist, rückt der Höhenzug des Hohenbogen ins Blickfeld der Radler.


Auf dem weiteren Streckenabschnitt Richtung Lam bzw. nach Lohberg - zum Fuße des Großen Arbers - hilft Windschatten auf den langen Flachpassagen wertvolle Kräfte zu sparen.

 

Für Rennradler nichts neues, dass der Energieverlust um bis zu 1/3 sinkt, sobald dem kraftraubenden Luftwiderstand im Windschatten die Angriffsfläche genommen wird. Kein Wunder, denn unter allen Einzelwiderständen (Summe = Gesamtwiderstand) spielt der Luftwiderstand den entscheidenden Faktor, nimmt er doch knapp ¾ des Gesamtwiderstandes (Rad & Fahrer bezogen auf Flachetappe) ein. Deshalb stellt die unsichtbare - aber schmerzhafte Bremse - der härteste Widersacher für Radler dar.

Back to the roots, "Da wuide Woid ruft".

 In Memoriam

Wer hätte gewusst, dass der erste deutsche Sieger des Profirennens Paris – Roubaix aus der Oberpfalz - genauer gesagt aus Atzlern nahe Neukirchen beim Hl. Blut (Landkreis Cham) stammt? Josef Fischer gewann 1896 die 280 km lange Erstauflage des weltbekannten Klassikers - berühmt berüchtigt für seine brutalen Kopfsteinpflaster-Passagen - mit einem Stundenmittel von über 30 km/h. Wohlgemerkt ohne Gangschaltung, dreifaches Radgewicht (im Vgl. zu den UCI-konformen 6.8 kg heutiger Profi-Rennräder), miserabelsten Straßenverhältnissen und ohne Funktionskleidung. Von Doping ganz zu schweigen. 119 Jahre dauerte es, bis der 26-Jährige John Degenkolb aus dem deutschen WorldTour-Team Giant-Alpecin als zweiter Deutscher 2015 den begehrten Prestigeklassiker gewann.



Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Frau Monika Mischke

 

Im modern gestalteten Fahrradmuseum Arnschwang wird die herausragende Lebensleistung von Josef Fischer gewürdigt.

 

(Bild rechts: im Blickfeld der Große Osser, 1 293 m). Zweckbündnisse auf Zeit geraten besonders an den 15% - Stichen in Lederdorn oder der fiesen, lang gezogenen Rampe kurz hinter Bad Kötzting ernsthaft in Gefahr. Am Ortseingang von Lohberghütte wird der Weiße Regen überquert, der beim Blaibacher See mit dem Schwarzen Regen zusammenfließt. Nun schmilzt der hart erarbeitete Schnitt wie das Eis in der Sonne. Wer sich nicht gerade für einen ausgesprochen guten Bergfahrer hält und bis zum Fuße des Arbers - dank Windschattens - einen fulminanten 35 km/h Schnitt schaffte kann sich glücklich schätzen, wenn in Anbetracht der anstehenden Höhenmeter die Tachoanzeige zum Schluss eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h quittiert. 

 

 

 

Nun bittet der Große Arber seine Gäste zum Entree. Federleichte Bergflöhe fühlen sich in ihrem Element und machen sich mit entwaffnendem Antritt und unnachahmlichen Stil sang und klanglos aus dem Staub. Wer mehr Speck auf den Rippen hat tut sich dementsprechend schwerer, da sie im Vergleich weniger Watt je Kg Körpergewicht drücken. Die Stunde der Wahrheit legt die Fakten unverfälscht offen.

Nach der langgezogenen Linkskurve schraubt sich die Straße mit etwa 7 % nach oben. Jedes Jahr stehen am Straßenrand von Lohberg klatschende Zuschauer und spenden den vorbeiradelnden Sportlern für den bevorstehenden Arber-Anstieg eine Dosis Motivation. 

Nach vorübergehender Abflachung zieht die Steigung am Ortsende von Lohberg wieder an und pendelt sich allmählich konstant bei 6–7 % ein. Bei der relativ homogenen Steigung gewinnt man schnell an Höhenmeter. 

Wer die Landschaft wegen japsender Luft am Rand der Sauerstoffschuld nicht völlig ausgeblendet, erhascht in den Waldlichtungen schöne Aussicht in den Lamer Winkel. Nach 8 km flacht sich die Neigung wohltuend ab (Scheiben).

Nach dem kräftezehrenden Aufstieg rollt es sich spürbar leichter. Eine Passage, wo sich wieder Gruppen und Grüppchen bilden. 

Ist die Hindenburgkanzel passiert erreicht man kurz darauf den Brennes. 

 

 

 Wohl dosierte Leistungsentfaltung

Verfrühte Verausgabung käme einem Himmelfahrtskommando gleich, dessen Bummerang arglose Radler jederzeit wie ein Tommerhawk aus heiterem Himmel treffen kann. Hat man sich nämlich über Gebühr verausgabt - sprich „blau“ gefahren - können Beinmuskeln wegen unzureichender Sauerstoffaufnahme zum Zicken anfangen. Jedenfalls fällt die Leistung rapide in den Keller. Der schleichende Prozess setzt quasi einen Leistungsrückzug auf Raten in Gang, dessen vorwärtsgewandte „Schubumkehr“ Kraft und Zeit kostet. Ökonomische Krafteinteilung und rechtzeitiger Energie- u. Mineralstoffnachschub ist für Ausdauerleistungen die halbe Miete. Wer im Eifer des Gefechts überzieht ist von Bein- und Wadenkrämpfen nicht weit entfernt.

 

 

Und plötzlich taucht er auf - der Große Arber - höchster Berg des Bayerischen Waldes (1456 m). Sofern es die Sicht erlaubt, erhascht man auf dem Brennes kurzzeitig einen majestätischen Gipfelblick. Leider verpasst man allzuschnell den grandiosen Moment, wenn die Konzentration zu sehr auf das Hinterrad des Vordermanns gerichtet ist.

 

Nun folgt eine 7 km lange Abfahrt nach Bayerisch Eisenstein bei der rasant 350 Tiefenmeter  vernichtet werden. Schon nach wenigen Sekunden verschwindet der König des Bayerischen Waldes wieder aus dem Blickwinkel. Kette rechts!