Geschichte

Die Oberpfalz gilt als Mittelpunkt Europas. Napoleon legte bereits 1805 auf dem Tillenberg nahe Neualbenreuth den geografischen Mittelpunkt konkret fest. Nach Wegfall des Eisernen Vorhangs 1989 und der vollzogenen EU-Osterweiterung entwickelte sich Ostbayern (Oberpfalz und Niederbayern) vom strukturschwachen Zonenrandgebiet zum prosperierenden Herzstück des neuen Europa. Im Gleichklang dazu verhalf die geopolitische Mitte der Bezirkshauptstadt der Oberpfalz zu ungeahnter ökonomischer Blüte.

Zahlreiche Großunternehmen siedelten sich in der Boommetropole Regensburg an, weshalb sie zum regional bedeutsamen Wirtschaftszentrum aufstieg und demzufolge Spitzenplätze im Wirtschafts-Ranking belegt. Laut Prognos-Studie 2013 liegt Regensburg bei der Entwicklungsdynamik unter 403 deutschen Städten und Landkreisen auf Platz 1. Und nach einer Städtestudie der Wirtschaftswoche (2014) zählt Regensburg zu den attraktivsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Städten in Deutschland. So wurde im Jahr 2012 je Einwohner eine Wirtschaftsleistung (BIP) von 73.764 Euro erwirtschaftet, während der Durchschnittswert in den Vergleichsstädten bei 42.873 Euro lag. „Regensburg überzeugt in allen Belangen“, heißt es in der Studie.

Wichtigste Industriezweige sind Informations- Bio- und Kommunikationstechnologie, Elektrotechnik, Handwerk und Handel sowie Automobil- und Maschinenbau. Das große Angebot von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowie drei Hochschulen mit knapp 30.000 Studenten sorgt für stetes Bevölkerungswachstum d.h. der demographische und ökonomische Trend der lebendigen Universitätsstadt befruchten sich gegenseitig.  

Dem Besucher präsentiert sich eine Stadt, die im Mittelalter zu den reichsten und größten des Kontinents zählte. Das Stadtbild zeugt mit seinen sage und schreibe fast 1000 Denkmälern von wirtschaftlicher und kultureller Blüte sowie politischen Macht aus geschichtsträchtiger Vergangenheit. Den unsäglichen Reichtum verdankt sie ihrem geographischen Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege. Einerseits diente die Donau als Transportweg bis zum Schwarzen Meer andererseit gab es Landwege über die Alpen nach Italien. Die Schnittpunktlage an den Flüssen Donau, Naab und Regen ermöglichte den Warentransport auf dem Wasserweg. Innerhalb weniger Generationen stieg Regensburg durch Import und Handel zur europäischen Handelsmetropole auf und entwickelte sich im 13. Jahrhundert nach Köln zur zweitgrößten Stadt Deutschlands. Die Stadt war Umschlagplatz für Seidenstoffe, Wolltuche, Gewürze, Wein und Südfrüchte die aus Konstantinopel, Venedig oder Frankreich kamen und gegen Rohstoffe aus Ungarn, der Ukraine und Russland gehandelt wurden, von wo wiederum Pelze, Häute, Vieh, Wachs und Metalle eingeführt wurden. 

Ab dem 15. Jahrhundert schwand die Bedeutung Regensburgs als Handelszentrum, in deren Folge der Handel weitgehend auf Wein, Eisen und Salz beschränkt blieb. Vom Be- und Entladen der Schiffe wie z.B. Salz zeugt heute noch der imposante Salzstadel der heute das Besucherzentrum des Welterbe Regensburg beherbergt. Dem Status der Handelsmetropole hat es Regensburg zu verdanken, dass sie als eine der ersten aus Stein erbauten Städte nördlich der Alpen nicht von "holzfressenden" Feuerbrünsten vernichtet wurde.

 Castra Regina

400 v.Chr.: Der Regensburger Donauraum ist seit der Steinzeit besiedelt. 2006 wurden Nahe des späteren Legionslagers keltische Gräber mit hochwertigen Grabbeigaben ausgegraben 

79 n.Chr.: Die römische Entstehungsgeschichte Regensburgs begann mit dem Bau eines Kohortenkastells etwa 79 n. Chr. (heutiger Stadtteil Kumpfmühl). Das Lager diente 500-1000 Kohorten als vorgeschobener Beobachtungsposten für die Naab- und Regenmündung, um die sich später eine Zivilsiedlung (vicus) herum bildete. Kastell wie Zivilsiedlung(en) wurden vom Markomannensturm 80 Jahre später zerstört

179 n.Chr. errichteten die Römer am Regenufer zur Sicherung der Grenze gegen die Germanen das Legionslager <Castra Regina> (6000 Soldaten). Der Name leitet sich vom Fluss Regen ab, der in unmittelbarer Nähe des Römerlagers in die Donau mündet. Der Begriff <Regana> ist keltischen Ursprungs, der Gewässer und Flussläufe beschreibt. Der Festungsbau von Kaiser Marc Aurel - beurkundet durch eine steinerne Inschrift (hinterlegt im städtischen Museum) - ist mit seiner 10 m hohen Mauer, 4 Toranlagen und Türmen heute noch im Grundriss der Altstadt erkennbar

5.Jhrd.: Das Kastell - militärischer Hauptstützpunkt der Provinz Raetia - wurde von den Römern aufgegeben und verwandelte sich zu einer mauerbewehrten Zivilsiedlung. Germanische Siedler nannten den Ort Reganesburg (befestigte Siedlung gegenüber dem Regen), das in der Folgezeit zum ersten religiösen, politischen und wirtschaftlichen Zentrum Bayerns heranwuchs

6. Jhrd.: Reganespurc wird Herzogsresidenz der Agilolfinger und erste bayerische Hauptstadt. Der Name wird anno 819 in einer Traditionsurkunde in althochdeutscher (altbairischer) Sprache als "Regan" erwähnt. Das germanische Wort "-burg" deutet auf befestigte Siedlungen der Siedlungen wie z.B. Augsburg und Salzburg aus der Römerzeit hin

8. Jhrd.: Der Name Radaspona ist erstmals um 770 in der Literatur zu finden, was auf eine keltische Bezeichnung hindeutet. Die spätere französische Benennung Regensburgs „Ratisbonne“ beruht auf den keltischen Wörtern rate oder ratis „Wall“, „Stadtmauer“ und bona „Gründung“ oder „Stadt“

11./12. Jhrd.: in Regensburg brechen 3 Kreuzfahrerheere ins Heilige Land auf (u.a. unter Führung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa)

1245 wurde Regensburg Freie Reichsstadt und lag als souveränes Territorium bis zu den Napoleonischen Kriege 565 Jahre lang als autarke Insel im „ausländischen“ Gebiet des Herzogtums Bayern 

12./13. Jhrd.: der Handel mit Paris, Venedig und Kiew floriert, was für Wohlstand und Reichtum vieler Kaufleute sorgt. Regensburg blüht wirtschaftlich auf, und wächst zu einer der größten Städte Deutschlands heran, in deren prosperierende Epoche auch die Steinerne Brücke gebaut wurde. Aus jener mittelalterlichen Blütezeit stammt die romanische und gotische Architektur, die heute das Gesicht der Altstadt prägt

Die Konkurrenz zwischen der Freien Reichstadt Regensburg und dem zu Bayern gehörenden Stadtamhof kommt im 1616-1620 errichteten reichsstädtischen Salzstadel und dem bayerischen Pendant - dem Andreas-Stadel(1634) - heute noch für alle sichtbar zum Ausdruck. Bayerische Herzöge umgingen das Zollrecht der freien Reichsstadt Regensburg am Salzhandel und demonstrieten die Macht des bayerischen Adels

1633 wurde Regensburg von schwedischen Truppen erstürmt, und 1 Jahr später von kaiserlichen und bayerischen Truppen zurückerobert

1748 wurde der kaiserliche Generaloberpostmeister Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis zum Prinzipalkommissar ernannt, der familiäre Residenzsitz von Frankfurt nach Regensburg verlegt

1810: Die Freie Reichsstadt kam nach Ende des Immerwährenden Reichstages (1663 – 1806) durch Erstürmung französischer Truppen zu Bayern. Napoleon erzwang den Abritt des geistlichen Fürstentum Regensburg an das neugebildete Königreich Bayern

1838 wird Regensburg Hauptstadt des Kreises Oberpfalz und Regensburg, dessen geographische Fläche im wesentlichen die des heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz entspricht

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten gibt es in Hülle und Fülle. Sie reihen sich wie an der Perlenschnur aneinander. Eines der ältesten Bauwerke ist das Nordportal Porta Prätoria "Unter den Schwibbögen". Gemeinsam mit der gleichaltrigen Porta Nigra in Trier ist es die einzige erhaltene römische Toranlage nördlich der Alpen. Geschätztes Alter etwa 2 000 Jahre. Da die Stadt seit 739 Bischofssitz ist, wählten allem Anschein nach die Bischöfe die repräsentative römische Toranlage als repräsentativen Residenzsitz. 

Stadtplan der Regensburger Altstadt

Zum herausragendsten Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst zählt die - aufgrund ihrer Größe und Befestigung mit 3 Türmen - als „Achtes Weltwunder“ bezeichnete romanische Steinerne Brücke. Regensburgs Wahrzeichen - erbaut 1135 - 1146 - misst 336 m Länge und bietet mit ihren sichtbaren 14 Rundbögen von allen Perpektiven aus einen faszinierenden Anblick. Über Jahrhunderte hinweg war es der einzige feste Donauübergang zwischen Ulm und Wien, wodurch die Stadt von großem Warenumschlag profitierte. Am Brückenscheitel befindet sich das steinerne Bruckmandl (Brückenmännchen), das ursprünglich aus dem Jahre 1446 stammt. Die Figur symbolisierte einst die städtischen Freiheitsrechte und die Emanzipation aus der Vormundschaft des Bischofs. Das heutige Relikt ist eine Nachbildung aus dem Jahr 1854.

Nur einen Steinwurf von der historischen Wurstkuchl entfernt befindet sich am Marc-Aurel-Ufer seit 2009 eine Bronzehalbkugel, die die offizielle Gedenktafel anlässlich der Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste repräsentiert. Das Relief zeigt das mittelalterliche Regensburg.

Die Kathedrale St. Peter ist das geistliche Herz des Bistums und als Wahrzeichen mit seinen 105 m hohen Turmspitzen weithin sichtbar. Nach mehreren Vorgängerbauten wurde der gotische Dom ca. 1260-1520 gebaut. Der abschließende Bau der Turmhelme mitsamt dem Querhausgiebel erfolgte unter König Ludwig I. erst 1859-1872. Das Hauptportal des sakralen Gotikbaus wurde vor dem Papstbesuch Benedikts XVI. 2006 restauriert. Auf dem Domplatz steht seit 2010 ein Reiterstandbild des König Ludwigs I.

Beeindruckend auch die Patrizierburgen und Geschlechtertürme, deren weithin sichtbare Statussymbole nach italienischem Vorbild von einflussreichen Patrizierfamilien übernommen wurde. Der "Goldene Turm" in der Wahlenstraße gilt mit 52 m Höhe als repräsentativster Gebäudekomplex nördlich der Alpen. 

Steinerne (Herrschafts-) Häuser „steinreicher“ Kaufleute, Schlösser und prachtvolle sakrale Bauten zeugen von Reichtum und architektonischem wie handwerklichem Können der Oberpfälzer. Sie bilden eine prächtige Kulisse für spannende Streifzüge durch die 2 000 jährige Geschichte Regensburgs. Prägend die romanische und gotische Architektur des Mittelalters, welche im Altstadtensamble an allen Ecken und Enden aufällt.