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Leistungsexplosion beim 45. Ötztal-Radmarathon

4.271 Radsportbegeisterte aus 38 Nationen stellten sich am 30. August 2026 in Sölden im Ötztal der hammerharten Herausforderung, den 45. Ötztal-Radmarathon zu bewältigen. Es wurde ein Tag der Rekorde, an dem Vierfachsiegerin Janine Meyer und Dreifachsieger Jack Burke souverän triumphierten. 3.971 Finisher (Aufallqoute 7.2%) sahen die Zielflagge und stellten eindrucksvoll ihre eiserne Willenskraft und zähes Durchhaltevermögen unter Beweis, womit sie sich ihren glorreichen Traum erfüllten der sie flugs in die Hall of Fame des Hobby-Radsports katapultierte.

Foto: Bereits um 5 Uhr begann die Startaufstellung, ehe sich das Feld um 6:30 Uhr in Sölden auf die epische Runde über Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch machte. Jubel am Straßenrand, Gänsehautfeeling beim Countdown, Halli Galli an den Fanmeilen und dazu der ehrfurcherregende Anblick auf die grandiose Bergwelt ergibt eine undefinierbare Gefühlsgemengenlage.

Es ist nicht mehr zu übersehen, wie viele Frauen das Rennrad, das Gravelbike oder gleich beide Radgattungen für sich entdeckt haben. Beachtlich: die Frauenquote erreichte beim ÖRM erstmals mit 432 Starterinnen ein Rekordniveau (10.1 %), das innerhalb der letzten 10 Jahre einer Steigerungsrate von 87% entspricht. Dieselbe Entwicklung spiegelte sich auch beim Arber-Radmarathon (24 Prozent) und dem Kufsteinerland Radmarathon (22 Prozent) wider. Die Maus beißt keinen Faden ab: Frauenradsport ist en voque - sprich flügge - geworden, d.h. die Chancen in einem männerdominierten Sport Fuß zu fassen waren noch nie so groß als heute.

Foto: seit Jahren hat sich am Kühtaisattel sowie am Brennerpass eine lautstarke Fanmeile etabliert, deren Zurufe Motivationsschübe auslösen. Die emotionale Begeisterung solcher Stimmungsnester wirkt wie Balsam auf die gestresste Psyche der Fahrer. Darüber hinaus versorgen auch viele Zaungäste Freunde bzw. ihre Liebsten mit Proviant und Trinkflaschen, womit sich ein zeitraubender Stopp an der Labe erübrigt. Der Ötztaler Radmarathon bietet viele epische Herzschlagmomente auf der Strecke, am Streckenrand und überall dort, wo sich die Radsportleidenschaft mit emotionaler Wucht facettenreich entlädt. An diversen Fan-Hotspots springt die stimmungsvolle Atmosphäre der anfeuernden Zaungäste auf die Fahrer über, die ihnen selbst dann noch Flügel verleiht, wenn die Beine ihre muskulären "Auftrag" zu versagen zu drohen. Zuschauer fiebern und leiden gemeinsam mit ihren Heroes mit, was bei einer radtouristischen Veranstaltung eher eine Ausnahme ist. Gefühlte Tour de France Atmosphäre - auch das macht den ÖRM so einzigartig. 

Dass der "Ötzi" als eines der härtesten Radrennen in den Alpen gilt, ist hinlänglich bekannt. Und dass es dafür einer monatelangen, akribischen Vorbereitung bedarf gehört ebenfalls zur Binsenwahrheit. Wer eine Schwächephase (z.B. geleerte Glykogenspeicher) erleidet kann sich u.U. nur schwer erholen, weil die Anstiege kein Ende zu nehmen scheinen. Dann bleibt nur noch der sogenannte Energiesparmodus, um seine Mission mit "angezogener Handbremse" wenigstens in trockene Tücher zu wickeln.

"Griaßt enk im Passeiertal" - Endgegner Timmelsjoch

Vor dem gefürchteten "Mann mit dem Hammer" ist bei dieser brutalharten Ausdauerschlacht keiner hundertprozentig gefeit. Doch mit cleverer Fahrweise und bedarfsgerechter Energiezufuhr kann einem potentiellen Leistungseinbruch wirksam vorgebeugt werden. Abrupter Leistungsabfall beruht am ehesten auf falschem Pacing (suboptimale Belastungsdosierung) oder mangelnder Energiezufuhr (Kohlenhydratmangel) was schlimmstenfalls im Fiasko (DNF) enden kann. Der Grat zwischen maximaler Leistungsentfaltung und Überpacen ist generell immer schmal, doch die unabsehbaren Folgen können sich beim Ötztaler aufgrund des Höhenprofils fataler auswirken als anderswo. Ob sich ein (zu) hohes (Anfangs-) Tempo bzw. Solo-Fluchten auszahlen oder der Körper später vom Bummerang getroffen wird steht in den Sternen. Die größte Gefahr einzugehen besteht am Timmelsjoch. Der gigantische Anstieg entpuppt sich als herausfordernder Endgegner, den es mit limitierten Kraftressourcen zu knacken gilt. Wenn in St. Leonhard im Passeier die Beine mehr als 3.500 hm intus haben, mutieren 44 Kehren und 1.759 Höhenmeter mit einer Ø Steigung von 7.8 % (max. 14 %) zur nervzerreißenden Gratwanderung mit unabsehbarem Ausgang. Kaum absehbar, was sich auf dem 29 km langen Pass bis auf 2.509 m Höhe ereignen wird. Man sich jedenfalls davor hüten, dieses "Brett" weder zu unterschätzen noch seine Kraftreserven überschätzen, ansonsten ist das "Nirvana" u.U. näher als der Gipfel. Hinzu kommen mentale Tiefpunkte (Sinnkrisen), die den Kampf auf Messerschneide auf die Spitze treiben, denn Versagensängste, Ohnmachtsgefühle, Frust und Schmerzen vermögen den Vorwärtstrieb einzudämmen. Da bleibt im abgeschotteten Kosmos nur das aufmunternde Selbstgespräch: Augen zu und durch. Selbst wenn nicht alles nach Wunsch oder den persönlichen Erwartungen läuft, gilt es Ruhe zu bewahren und sich eisern durchzubeißen.  

Keine Frage, der mythenhaft umrankte Ötztal-Radmarathon - gemeinhin als inoffizielle Weltmeisterschaft im Radmarathon bekannt - ist schlicht und ergreifend ein Event der Superlative. Für Teilnehmer stellt sich das "Regiebuch" zusammengefasst wie folgt dar: 5.500 Höhenmeter mit bis zu 18 Prozent Steigung bäumen sich auf einer Distanz von 227 km über 4 Alpenpässe unerbittlich auf. Nachzügler, die eine Karrenzzeit überschreiten werden gnadenlos aus dem Rennen genommen und mit dem Besenwagen nach Sölden gefahren. Zu allem Übel besteht bei Rennabbruch kein Anrecht auf das Finisher-Trikot. Welch kolossalen Psychodruck dies den schwächeren Fahrern auferlegt, lässt sich kaum erahnen.

Auch die 45. Ausgabe des legendären Radsportklassikers stand unter dem griffigen Slogan „Ich habe einen Traum“, dessen populärer Leitspruch das sportliche Großereignis schon seit vielen Jahren überstrahlt. Das kreative Wortspiel zieht sich wie ein roter Faden nicht nur durch die Veranstaltung sondern prangt auch entlang des Wegerandes in Form von sarkastischen Bannersprüchen, welche das gepeinigte Teilnehmerfeld ständig daran erinnert und manchmal auch humorvoll auf die Schippe nimmt. So dürfte wohl in Abhängigkeit der momentanen Befindlichkeit die Frage "Ausgeträumt"? ziemlich unterschiedlich aufgefasst worden sein.

Gut informierte Kreise sind im Bilde wie schwer es ist, überhaupt einen Startplatz zu bekommen. So nahmen im Januar am obligatorischen Losverfahren 25.000 Personen teil, wovon jedoch gerademal 4.271 Radsportbegeisterte (entspricht rund 17%) aus 38 Nationen einen Startplatz zugelost bekamen. Insofern kann man von glücklichen "Auserwählten" sprechen, die defacto die Chance in der Tasche haben, ihren persönlichen Traum zu verwirklichen. Inwieweit sich die Challenge als Erfolg erweist, bleibt freilich bis zum Raceday offen. Dass man sich Monsterqualen nicht nur freiwillig aufbürdet sondern dafür 199 Euro zuzüglich 10 Euro Pfand für den Zeitmesschip berappt ist gelinde gesagt bemerkenswert. Kein Wunder, wenn manchem Sportler im Gespräch sein unerfahrener Gegenüber kopfschüttelnd sein Unverständnis ausdrückt. Allein der Akteur vermag die Sinnhaftigkeit solcher Extremleistungen begreifen, was aber nicht unbedingt heißt, dass man am Rand der totalen Erschöpfung von Sinnkrisen, die den Kopf zermatern, verschont bleibt. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht. Willensstärke beweist derjenige, der selbst in einer aussichtslos erscheinenden Situation die Zuversicht nicht verliert bzw. die Flinte ins Korn schmeißt. 

Punkt 6:30 Uhr erhallte der markerschütternde Böllerschuß durch das Tiroler Bergdorf Sölden, das idyllisch im Hinteren Ötztal (Bezirk Imst) liegt. Wie von der Tarantel gestochen hieß es für das langgezogene Starterfeld Feuer frei, um hoch motiviert die Alpenpässe Kühtai, Brenner- und Jaufenpass hochzujagen und sich zu guter Letzt unbeugsam dem Scharfrichter - dem gefürchteten Timmelsjoch - zu stellen.

Die Athleten, das Material, das Training, alles wird zunehmend professioneller, was sich letztendlich im gestiegenen Leistungsniveau bemerkbar macht. Welch unvorstellbare Höchstleistungen viele Teilnehmer beim 45. Ötztaler Radmarathon abliefert spiegelt sich in den Ergebnislisten mit zwei aufgestellte Streckenrekorden wider. Gleich 6 Top-Athleten gelang das unglaubliche Husarenstück, eine sieben Jahre alte Rekordmarke zu pulversieren. So feierte der Kanadier Jack Burke in einer Wahnsinnszeit von 6:29:21 Stunden einen historischen Triumph und unterbot den bisherigen Streckenrekord von Matthias Nothegger um sage und schreibe 17:41 Minuten.

Die Bestzeiten etlicher Elitefahrer, Ex-Profis und Top-Jedermänner zeigt, wieviele Teilnehmer sich mittlerweile in einer ausgezeichneten Top Verfassung befinden. Neben der hohen Leistungsdichte hin, spielte aber auch das ideale Wetter mit klarer Luft, wenig Wind und angenehmen Temperaturen zwischen 15 und 25°C das Zünglein an der Waage, das solche Spitzenleistungen erst ermöglicht. Da eine relativ große Spitzengruppe mit etwa 15 Fahrern bis zum Brenner (3:06) bzw. Gasteig am Fuß des Jaufen zusammen blieb, trieb das Rotierungsprinzip der Führungsfahrer das Stundenmittel nach oben. Schon krass, mit welch unvorstellbarer Performance aufgetrumpft wurde, denn immerhin 19 Elitefahrer blieben unterhalb der magischen 7 Stunden-Schallmauer bzw. 267 Fahrer unterhalb von 8 Stunden. 7 Damen unterboten die 8 Stundenschwelle (unter den ersten 5 waren 4 Deutsche), während 31 Frauen weniger als 9 Stunden benötigten.

So ein rührendes Ereignis gibt es bei einem Radrennen auch nicht alle Tage. Nach seiner ruhmreichen Siegesfahrt packte Jack Burke sein Glück am Schopf und machte ganz spontan seiner Partnerin in aller Öffentlichkeit einen romantischen Heiratsantrag. 

Lob und Anerkennung verdient das Organisationskomitee samt der riesigen Helfermannschaft (1.167 Helfer), die für einen tadellosen Rennablauf sorgten.

Einziger Wermutstropfen: laut den Statuten des Österreichischen Radsportverbandes, droht Lizenznehmern eine automatische Sperre, sofern sie an Radmarathons bzw. radtouristischen Veranstaltungen teilnehmen, die nicht offiziell im Rennkalender des Verbandes registriert oder dafür freigegeben sind. Dennoch verzichteten nicht alle Lizenzfahrer die beim ÖRV registriert sind auf den Ötztal Radmarathon. Drei Tiroler Fahrer, darunter Lukas Kaufmann und Vorjahressieger Daniel Federspiel widersetzten sich dem Startverbot. Tagsdarauf wurde den Teilnehmern das Strafmaß per email mitgeteilt: Die betroffenen Fahrer wurden mit einer Sperre an vier Wochenenden für offizielle Lizenzrennen des Verbandes belegt.

Top Results 2026

Foto v. links: Vorjahrssieger Daniel Federspiel, neuer Rekordsieger Jack Burkeund und Miguel Brugger. Mit zwei Podestplätzen konnte das Gastgeberland der hiesigen Alpenrepublik mehr als zufrieden sein. 

MEN

Rank    Name                      Time              Stundenmittel

1. Burke Jack ( CAN)            6:29:21,2      Ø  35.1 km/h

2. Federspiel Daniel (A)        6:31:57,1      Ø 34.9 km/h

3. Brugger Miguel (A)           6:33:57,2      Ø 34.7 km/h

4. Cecchini Stefano (I)          6:39:18,1      Ø 34.2 km/h

5. Palzer Anton (D)               6:39:41,1      Ø 34.2 km/h

Auch bei den Frauen purzelte die bisherige Bestmarke: Janine Meyer siegte zum vierten Mal in Folge und unterbot als amtierende Rekordhalterin in 7:15:43 Stunden bereits dreimal nacheinander ihren eigenen Rekord. Eva Schien (7:28:10) - ebenfalls Deutsche - und die Österreicherin Melanie Geiger (7:45:33) komplettierten das Stockerl.  Die Kölnerin (geb. 19.5.1978 in Regensburg) ist mit Jahresumfängen von bis zu 27.000 km derzeit das erfolgreichste Radmarathon-Ass der Jedermann-Szene, obwohl die 48-Jährige - man höre und staune - eine Vollzeitstelle bekleidet. Mit insgesamt 212 Siegen Streckenrekordlerin beim ­Maratona dles Dolomites , Mallorca 312, dem Glöcknerkönig und zuletzt beim 45. Ötztaler gilt sie derzeit als absoluter Überflieger. Ihr Palmarès ist beeindruckend:  

  • Siegerin Ötztal-Radmarathon (2023 - 2026) - dreimal Streckenrekord
  • Siegerin TOUR-Transalp (2016, 2019, 2023-2026 – Einzel, Damen-Team, Mixed)
  • Siegerin Glocknerkönig (2023-2026) – dreimal Streckenrekord
  • Siegerin Kitzbüheler Radmarathon (2021, 2024, 2025) – zweimal Streckenrekord
  • Siegerin Giro Dolomiti (2016, 2022, 2025)
  • Siegerin Tour de Kärnten (2014-2018, 2021)
  • Masters-Weltmeisterin Straße/Einzelzeitfahren (2014)

WOMEN

Rank    Name                         Time             Stundenmittel

1.        Meyer Janine (D)         7:15:46,2     Ø 31.4 km/h

2.        Schien Eva (D)            7:28:10,3     Ø 30.5 km/h

3.        Geiger Melanie (A)      7:45:33,6     Ø 29.3 km/h

4.        Jedelhauser Julia (D)  7:47:53,4     Ø 29.2 km/h

5.        Beig Ilsa (D)               7:48:03,5     Ø 29.2 km/h

Achtungserfolge des Veloclub Ratisbona

Der Regensburger Nepomuk Roth (Veloclub Ratisbona) erreichte bei seinem Debüt mit Rang 9 (6:50:28) eine furiose Hammerplatzierung. Er war schneller als 99% in seiner Altersgruppe (6. Rang von 1.031 Teilnehmern), d.h. gerademal 5 AK-Athleten lagen vor ihm. Die Splittzeiten belegen eine eindrucksvolle Leistungsbilanz. In Ötz als 56. gewertet, arbeitete er sich am Kühtai (Rang 14) und weiter bis zum Timmelsjoch auf Rang 12 vor, bevor er als 9. Gesamtplatzierter die Ziellinie in Sölden überquerte. Bemerkung: Nepomuk Roth ist seit mehreren Jahren Vereinsmitglied im Veloclub Ratisbona und steht beim deutschen Gravelteam Rose Racing Circle unter Vertrag. Interessant: mit dem gleichaltrigen Tour-de-France-Shooting Star Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) fuhren die heute 25-Jährigen 2022 im Kontinental-Team Tirol KTM Seite an Seite gemeinsam Radrennen. Florian Lipowitz fuhr übrigens den Ötztaler 2019 in einer Zeit von 07:06 h.

Foto: an der Labe unterhalb der Jaufenpasshöhe

Auch Damen vom Veloclub Ratisbona - Ausrichter der größten Radtouristikveranstaltung Deutschlands dem Arber-Radmarathon - traten druckvoll in die Pedale. Als Novizen rockten sie erfolgreich den renomiertesten und gleichsam schwersten Alpen-Radmarathon, der dem Palmares fortan einen glanzvollen Prestigeschub verleiht. Keine Frage, ein erfolgreiches Finsih dieser Größenordnung setzt dem Palmares das i-Tüpfelchen auf. 

Chapeau!

Foto: so schauen Sieger aus, denn als Finisher darf man beim Ötztaler stolz über seine Leistung sein und sich vollkommen zurecht als Sieger fühlen.

Foto: Christina Hammerl und Michaela Wöhrl (VCR) behaupteten sich im hochklassig besetzen Damenfeld von 397 Finisherinnen im vorderen Mittelfeld - Gratulation. Umso schmackhafter mundete das 'Eichhofener Hell Alkoholfrei', Sponsor des Arber-Radmarathons. Wohl bekomms!

Foto: die glücklichen Finisherinnen strahlten um die Wette. Schon bewundernswert, dass die Gesichter keinerlei Anzeichen von Erschöpfung ausstrahlten. Ein Ötztaler-Finish nötigt grundsätzlich Respekt vor einer Mega-Leistung ab, völlig gleichgültig welche Zeit bzw. welche Platzierung erreicht wurde. Mit von der Partie war "Supporter" Alex Koller (VCR-Vizepräsident), der den Mädels moralische Schützenhilfe bot. 

Foto: Auffahrt Jaufenpass

Um Siegerzeiten besser einordnen zu können, verdeutlichen Bestzeiten aus der Vergangenheit eine immense Leistungsentwicklung. Der Vorarlberger Mathias Nothegger stellte beim 39. Ötztaler 2019 mit einer Zeit von 6:47:02 einen Streckenrekord auf, der seinerseits damals die Bestmarke des Schweizers Hugo Jenni aus dem Jahr 2001 um zehn Minuten unterbot. Außerdem ist die Rekordzeit des Tschechen Roman Kreuziger - aufgestellt beim Profi-Rennen Pro Ötztaler 5500 (Kat. 1.1) im Jahr 2017 - mit 6:37:34 Stunden gleichfalls Geschichte. Der Vollständigkeithalber bleibt allerdings einschränkend zu erwähnen, dass das Rennformat primär von Teamtaktik und nicht auf die Erzielung einer Siegerbestzeit ausgelegt war. Mit anderen Worten: bestimmt wäre noch Luft nach oben drin, zumal das Profifeld ohnehin nicht die erste Garde der World Tour repräsentierte. Die Frage, was ein Tadej Pogacar, Remco Evenepoel oder Isaac del Toro zu leisten imstande wären, wenn das Vier-Pässe-Rondell im Rahmen einer TDF-Königsetappe ausgetragen werden würde, dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl weiterhin im Dunkeln bleiben.

Im Bild Matthias Nothegger, dessen aufgestellte Rekordzeit 7 Jahre lang hielt, bevor der Vorarlberger Rekordhalter am 30.08.2026 vom Kanadier Jack Burke enttrohnt wurde (links: Sarah Ennemoser, Ötztal-Tourismus)

Statistische Daten

Frauen 

  • Start: 432
  • Ziel:   397 (Ausfallquote 8.1%)

Männer

  • Start: 3.847 
  • Ziel:   3.574 (Ausfallquote 7.1%)

Versteinerte Mienen und bewusstseinsferne Gesichtsausdrücke sprechen am Timmelsjoch - Scharfrichter des Ötztal-Radmarathons - über den mentalen Zustand der Hasardeure Bände. Gerade weil Radsportlern am Rand der totalen Erschöpfung übermenschliche Leistung abverlangt wird die nicht selten die Schmerztoleranz ausreizt, steigt der Finisher unmittelbar nach der Ziellinie diritissimo gefühlt in den radsportlichen Olymp auf.

An dieser Stelle dürfen wir die erfolgreichen Finisher herzlich beglückwünschen. Allen anderen, denen die Zielflagge aus welchen Gründen auch immer verwehrt blieb drücken wir die Daumen, dass ein weiterer Versuch von Erfolg gekrönt sein wird.  

Kontroll- Cut-Off-Zeiten

  • Labestation Kühtai (1. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit:    09:30 Uhr 
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,8 km/h
  • Labestation Brenner (2. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit: 12:15 Uhr
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit: 26,2 km/h    
  • Labestation Jaufenpass (3. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit: 14:30 Uhr 
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit (Jaufen Passhöhe) 14,7 km/h
  • St. Leonard (4. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit: 15:30 Uhr 
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit 
  • Moos (5. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit:  16:00 Uhr 
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit: 14 km/h
  • Labestation Schönau (6. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit: 17:30 Uhr
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit: 6,5 km/h
  • Timmelsjoch Passhöhe (7. Kontrollpunkt)
  • Cut-off-Zeit: 19:15 Uhr
  • Minimale Durchschnittsgeschwindigkeit: 7 km/h

Der letzte Fahrer wird von etlichen Begleitfahrzeugen mit Blaulicht und eingeschaltetem Martinshorn die abschließenden 25 Kilometer talabwärts nach Sölden eskortiert. 

Im Jahr 2026 hat der letzte gewertete Finisher 13:37:27 Stunden Realtime benötigt, ohne aus dem Zeitlimit zu fallen (Durchschnittsgeschwindigkeit 16,4 km/h). Sieger Jack Burke benötigte 6:29:21 (Durchschnittsgeschwindigkeit 35,1 km/h).

In eigener Sache

Der Autor durfte sechsmal das euphorische Finisherglück auskosten, bevor die siebte Runde komfortabel im Pressefahrzeug absolviert wurde.

Foto: Der Ötztaler ist so viel mehr als nur nüchterne Zahlen, Zeiten und Platzierungen. Selbst eine unspektakuläre Mittelfeldplatzierung wird beim Ötztaler als glorreich empfunden, weil man über sich selbst hinaus gewachsen ist und dem inneren Schweinehund die kalte Schulter zeigte.

46. Ötztal-Radmarathon

Nach dem Ötztaler ist vor dem Ötztaler. Wer noch auf der Suche nach einem Saisonhighlight ist, notiert sich den 29.08.2027 und am besten gleich die einmonatige Registrierungphase ab dem 01.01.2027 mit, bevor es heißt: Neues Jahr, neues (Los) Glück. 

Wem das Losglück hold war und der Ötztaler in die nächste Runde geht, kann sich seinen Finishertraum verwirklichen und das wahrscheinlich begehrteste Finisher-Trikot der "Welt", das es im Universum des Hobby-Radsports zu ergattern gibt abgreifen, schließlich hat man sich das imageträchtige Finisher-Jerseys redlich verdient. Bis es soweit ist, darf davon geträumt werden.