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zu den
Informationen

SEEN RUNDE MAGAZIN

Jährlich erscheint zur Mecklenburger Seen Runde das SEEN RUNDE MAGAZIN. Es enthält Wichtiges & Relevantes, Interessantes & Unterhaltsames rund um die MSR für Teilnehmer, Begleiter und Besucher der MSR. Das aktuelle Magazin erscheint immer ab Mitte April zur bevorstehenden Mecklenburger Seen Runde als kostenloses E-Paper.

Trainingsvorbereitung

Möchte man den 300 km - MSR-Radmarathon finishen, braucht eine sehr gute Grundlagenausdauer (GA1). Solch eine Basis trainiert den Fettstoffwechsel und verhilft zu einer schnelleren Regeneration. Daher die Umfänge langsam steigern, und nicht von Beginn an zu viel in zu kurzer Zeit zu wollen. Nach den ersten Wochen Grundlagentraining dürfen Intensität und Umfänge bedachtsam zunehmen. Grundlegend gilt aber die Marschroute: Weniger Intensität - mehr Grundlage - bei gleichzeitig steigenden Umfängen.

Auch wenn die Fahrten im Grundlagenbereich den größten Bestandteil Ihres Trainings bleiben, sollte dennoch etwas variiert werden. Denn stoisches Kilometerschrubben macht auf Dauer nicht belastungsfähiger sondern führt stattdessen zur Stagnation. Ggezielt neue Reize mit veränderten Trainingsinhalten setzen ist nicht nur für die Form zuträglich sondern bringt zudem Abwechslung ins Fahrtenspiel. 

Fahrten im Entwicklungsbereich an der anaeroben Schwelle hingegen braucht es nicht, weil eine MSR300 – normalerweise nicht in Intervallen bzw. Sprints im Spitzenbereich gefahren wird, auch weil sich leistungshemmendes Laktat aufbaut. Entscheidend ist ein gutes Rhythmusgefühl frei von Leistungsspitzen. Es sei denn, es handelt sich um ambitionierte Leistungssportler, die mit einer gänzlich anderem Zielsetzung an den Start gehen. 

Nicht zu vergessen: Komfort steht an erster Stelle, wenn man soviele Stunden am Stück fährt. Hier helfen in erster Linie Breitreifen mit 30  Millimeter oder mehr. Auch ein gut gepolstertes Lenkerband hilft, Fahrbahnvibrationen zu dämpfen. Und noch was Elementares: dont change a winning system! Heißt, dass unter keinen Umständen kurz zuvor Schuhplatten, Sattel etc. getauscht, die Geometrie verändert oder gar das Rad gewechselt wird. 

Wie es sich eben so mit sportlich gesetzten Zielen verhält, steht und fällt alles mit einer sorgfältigen Vorbereitung. Keine Frage, 300 Kilometer  sind ein Brett. Umso mehr, wenn man sich nicht zum elitiären Kreis ambitionierter Radrennfahrer zählt, sondern sich als genussorientierter Breitensportler begreift, der sein Hobby zwar aus Leidenschaft und Spaß an der Freud, allerdings frei von Wettkampfambitionen betreibt. 

Selbstredend, dass ohne solide Grundlagenausdauer 300 Kilometer auf einen Rutsch nicht zu schaffen sind. Das ganze "Erfolgsgeheimnis" lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Grundlage, Grundlage und nochmals Grundlage. Wer das beherzigt und rechtzeitig zu trainieren beginnt, für den kommt das Ziel den Mythos MSR300" zu knacken mit jeder Trainingseinheit näher. Gewissenhafter Trainingsfleiß zahlt sich immer aus. Mit wachsender Kondition wird man zuversichtlicher dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Die Vorstellung über das heroische Finishergefühl und mit stolz geschwellter Brust und baumelnder Finishermedaille über das Zielareal zu schreiten weckt garantiert Begehrlichkeiten. 

Was Neulinge kaum vermuten: der Trainingsumfang hält sich in erstaunlichen Grenzen. Die »Mecklenburger Seen Runde« eröffnet bedingt durch ihre breitensportorientierten Regularien sogenannten "Otto-Normalradlern" die einzigartige Chance, die ultimative Herausforderung mit relativ überschaubarem Trainingsaufwand zu bewältigen. Natürlich führt an einer soliden Trainingsvorbereitung kein Weg vorbei. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg, um nach Zieleinfahrt im überwältigenden Glückshormonflash seine redlich verdienten Früchte zu ernten. Der Veranstalter rät Hobby- und Freizeitradlern zu einem Trainingsumfang von rund 1.300 Kilometern, wobei mehr Trainingskilometer zur "Leidenslinderung" nicht schaden. Das Hauptaugenmerk zielt auf das Fundament aller Trainingsbereiche - der Grundlagenausdauer - ab, bei der sich der Stoffwechsel im Fettverbrennungsmodus befindet. Der anaerobe Leistungsbereich, bei dem der Körper limitierte Kohlenhydratvorräte anzapft und leistungsminderndes Laktat (Stoffwechselprodukt) ausschüttet, hat hingegen nur für Elitefahrer Relevanz, die gewohnterweise in anderen Belastungssphären unterwegs sind.

Für die meisten Teilnehmer geht es im Vorbereitungstraining primär darum, die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit (wenig intensiver Trainingsbereich unterhalb der Laktatschwelle) zu verbessern. Diese liegt bei 60-75% der maximalen Sauerstoffaufnahme beziehungsweise bei ca. 60-70 Prozent der maximalen Herzfrequenz oder ca. 55–70% der anaeroben Schwelle (FTP). Um Leistungswerte überhaupt einordnen zu können, bedarf es einer Leistungsdiagnose, bei der u.a. Schwellenwerte ermittelt werden. Der Veranstalter empfiehlt auch zu längeren Einheiten von 100-150 km. Wer im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Zuhause ist hat den Vorteil sich  gleichgesinnten Community anzuschließen um gemeinsam auf dasselbe Ziel hin zu trainieren. Bei regelmäßigen Treffen können gestaffelt in unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen gemeinsam Kilometer abgespult werden. Der Anschluss an eine Trainingsgruppe zeitigt mehrere Vorteile: abgesehen von neuen Sozialkontakten macht kommunikatives Gruppenradeln einfach mehr Spaß, es steigert die Motivation und man tut sich - bedingt durch verbindlich vereinbarte Trainingstermine - wesentlich leichter am Ball zu bleiben.

Ein Wattmesser bringt den Vorteil, sich an seiner FTP-Schwellenleistung (soweit diese bekannt ist) orientieren zu können. Die Funktionsleistungsschwelle (FTP = Functional Threshold Power) ist ein Messwert (ermittelt via Leistungsdiagnostik), welche maximale Leistung man in der Lage ist eine Stunde lang zu treten. Die sogenannte Schwellenleistung bildet die Grundlage zur Ableitung sämtlicher Trainingsbereiche. Tipp von Detlef Koepke, die mit Wattmesser fahen: als grobe Richtschnur konsequent unter 300 Watt fahren.

Foto: Träger der Startnummer 1 ist Peter Liljedahl, Sohn des Gründers der Vätternrundan. Als Nachfolger seines Vaters nahm er des öfteren an der MSR mit der Nr. 1 teil. Da die Inspiration für die »Mecklenburger Seen Runde« vordergründig der Vätternrundan zu verdanken ist, darf Peter Liljedahl - der mit Detlef Koepke befreundet ist und bereits mehrmals zusammen mit ihm die Vätternrundan gefahren ist - bei jeder MSR-Teilnahme mit der Startnummer 1 fahren. Auch 2024 steht er am Start und fährt in der geführten Gruppe von Tourguide Jürgen Schnitter mit. Obwohl drei Wochen später die Vätternrundan stattfindet (14./15. Juni) nimmt erstmals dessen CEO Oskar Sundblad an der MSR teil.

Ein spezieller Trainingsplan gibt eine wissenschaftlich fundierte Anleitung wie man sich am besten auf die Herausforderung gewissenhaft vorbereitet. Der Trainingsplan (ohne Bezahlschranke) wurde vom renommierten Sportpsychologen Dr. Konrad Smolinski eigens für die MSR300/MSR100 ausgearbeitet, und enthält überdies eine Menge nützlicher Tipps. Der 24 Wochen MSR 300/100 Trainingsplan - geplittet nach Einsteiger und Fortgeschrittener - kann sich jeder kostenlos herunterladen. Die Einsteiger-Trainingspläne richten sich an Starter die ohne festgelegte Finisherzeit die 100- oder 300-Kilometer-Runde einfach "nur" schaffen wollen. Trainingspläne für Fortgeschrittene sind für anvisierte Zielzeiten variabel anwendbar. Intensitätsangaben erfolgen zu den jeweiligen Trainingseinheiten anhand des subjektiven Belastungsempfindens ("sehr leicht" bis "sehr schwer") als auch der objektiv messbaren Herzfrequenz (in % der individuellen HFmax).

Der Weg zum Ziel 

Auch wenn 28 Stunden ein wenig hinwegtäuscht die Zeit der Welt zu haben, sollte man die Uhrzeit - besonders jene Teilnehmer die bedrohlich nahe an Kontrollschlußzeiten entlangschrammen - im Blick behalten. Ein persönliches Zeitmanagement hilft, um sich die Langstreckenfahrt im Rahmen seiner Möglichkeiten sinnvoll einzuteilen. Think postive! Anstatt sich einen Kopf über die ehrfurchterregende Entfernung zu machen lässt sich das "Projekt" MSR aus einem anderen (ironischen) Gesichtspunkt betrachten: man blockiert sich nicht dem Gedanken von 300 Kilometern, sondern "klappert " nur sieben Depots der Reihe nach ab, um sich ausgiebig zu verköstigen. Schwuppdiwupp kommt die Ziellinie auf einen zugeflogen. 

Schnell oder langsam - da scheiden sich die Geister

Nichtsdestotrotz brennen neben dem Groß der "Just for Fun Radler" einige ambitionierte Radsportler mit einem phänomenalen Ø von bis zu 37 Stundenkilometer ihr brachiales Leistungsfeuerwerk ab. Manch hoch motivierte Elitefahrer finden es reizvoll, die große Schleife in weniger als 9 Stunden durchzuballern und an diversen Depots einfach vorbeizurauschen. Meistens sind es "Wiederholungstäter" (wovon es nicht wenige gibt) die entschlossen alles daran setzen ihre eigene Bestmarke zu unterbieten. Freilich bleiben Zeitenjagden nur (wettkampferprobten) Ausdauer-Cracks vorbehalten, die es sich ruhigen Gewissens leisten können ein höheres Tempo konditionell durchzuhalten. Dazu braucht es Tempohärte (hohe Laktattoleranz), um bei der anaeroben Energiegewinnung (ohne Sauerstoff) aus den Muskeln und der Leber (Glycogen) keinen Leistungseinbruch zu riskieren. Weniger Geübte tun dagegen gut daran, sich nicht zu Sprints bzw. Aufholjagden verleiten zu lassen, ansonsten büßt man es bei zu forscher Fahrweise womöglich zu späterer Stunde (Sternschnuppeneffekt).

So what, selbstgesteckte Ziele bzw. Ambitionen sind eben so verschieden wie die Menschen selbst. Für die einen ist der Weg das Ziel, bei dem offenen Auges das Umfeld bewußt wahrgenommen wird, andere quetschen am Rand des Leistungslimits ihre Maximalpower aus den Beinen. Zugunsten einer maximalen Kraftentfaltung werden allerdings Abstriche an anderer Stelle gemacht, da die selektive Wahrnehmung (ausgelöst durch hohe Belastung) viele Aspekte bzw. Reize ausblendet. So durchbricht die Landschaftskulisse - aber auch good vibes - allenfalls bruchstückhaft die Wahrnehmungsschwelle. Hohe Belastungsintensität und inspirativer (Natur-) Genuss hatten noch nie einen gemeinsamen Nenner, da das eine das andere beeinträchtigt. Wer nicht in Schnappatmung verfällt bzw. andauernd auf's Display schaut, um aufgezeichnete Kennzahlen wie (Ø-) Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Wattzahlen usw. zu checken, kann sich der Umgebung aufmerksamer widmen und so einströmende Reize effektiver verarbeiten. Im moderaten Tempo werden in Sekundenbruchteilen wesentlich mehr Eindrücke aufgenommen, als bei jenen, die hochpulsig durchpacen. Je nachdem wo die Prioritäten liegen, erlebt demnach jeder Teilnehmer die MSR auf seine eigene (subjektive) Art.

Die überwiegende Mehrheit der Fahrer kann leistungsmäßig nicht unbedingt aus dem Vollen schöpfen, zumal 300 zermürbende Kilometer wahrlich kein Pappenstil sind. Demzufolge sollte das vorrangige Ziel sein mit seinen Kräften hauszuhalten um anzukommen, wo die Belohnung in Form von Glückshormonen den Erlebnis-Höhepunkt bildet. Damit das Wunschziel - der Finishertraum - nicht wie eine Seifenblase zerplatzt sondern tatsächlich in Erfüllung geht, empfiehlt es sich - vor allem für jene die erstmals starten - gelassen anzugehen und seine Kräfte gut einzuteilen (aerobe Belastungsintensität). Ansonsten lauert das Schreckgespenst namens Damoklesschwert womöglich schon am nächsten Eck. Der anaerobe Leistungsbereich, bei dem der Körper limitierte Kohlenhydratvorräte anzapft und leistungsminderndes Laktat (Stoffwechselprodukt) ausschüttet, hat hingegen nur für Elitefahrer Relevanz, die zu Spitzenleistungen fähig sind.

Der Radmarathon ist aufgrund variabler Startzeiten der einzelnen Blocks mit maximal 130 Teilnehmern kein Rennen. Es gibt zwar eine abrufbare Ergebnisliste unter https://my.raceresult.com/204124/, doch Daten werden wohlweislich nur alphabetisch mit Start- Depot- und Zielzeit aufgelistet. Fahrzeiten bzw. Durchschnittsgeschwindigkeiten müssen daher manuell erechnet werden.

Schirmherr und MSR-Botschafter ist der ehemalige Radrennfahrer Maximilian Levy. Der heutige Nachwuchs-Bundestrainer blickt auf eine eindrucksvolle Radsport-Karriere zurück. Er wurde viermal Weltmeister, sechsmal Europameister und gewann drei Medaillen bei Olympischen Spielen im Bahnradsport. Seine MSR-Premiere erfolgte 2019. Vier Jahre später nahm er ein weiteres Mal teil. 

Eingepreistes Glücksversprechen

Die Veranstaltungsphilosophie der MSR unterscheidet sich grundlegend von gängigen Radmarathons, die mitunter vom Wettbewerbscharakter beherrscht sind und dementsprechend zu einer entfesselten Fahrweise verleiten. Dabei kann man es gar nicht oft genug betonen, dass die Seenrunde den Zweck eines inspirierendes Erlebnisses für jedermann verfolgt, bei dem die Zeit zweitrangig ist. Im Sinne der Entschleunigung steht die Freude am Radfahren, das Gemeinschaftsgefühl und der inspirative Naturgenuss im Mittelpunkt. Leistungsvergleiche bilden eher die Ausnahme denn die Regel. Der griechische Philosoph Aristoteles (*384 v. Chr., †322 v. Chr.) beschrieb Glück als das höchste Gut des menschlichen Lebens. Und eben weil jeder seines Glückes Schmied ist, hat man es auch selbst in der Hand etwas daraus zu machen. So gesehen bietet die MSR die Gelegenheit, auf die sprichwörtliche "Glücksspur" einzuschwenken und seine Lebenserfahrung mit einem unvergesslichen Erlebnis und einen nie für möglich gehaltenen Erkenntnisgewinn zu bereichern. Man denke nur an die glückshormongeschwängerte Zielankunft, dessen Glückszustand demütig und schwerelos zu machen scheint und einem auf Wolke Sieben schweben lässt, was im Handumdrehen erlittene Schmerzen und Strapazen schlagartig vergessen macht. Über die vollbrachte Leistung darf man sich vor dem eigenen Ich verneigen und zu Recht stolz sein, egal wie lange die Uhr getickt hat. 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte....

Sport verbindet und transportiert darüber hinaus ein enormes Maß an Wir-Gefühl. Das gilt nicht nur ausschließlich für Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball. Auch Radfahren kann soziale Wesenzüge annehmen, wenn man mit Freunden bzw. (Vereins- ) Kollegen auf Tour geht oder bei einer Radsportveranstaltung gemeinsam in die Pedale tritt. Frei vom gesellschaftlichen Status-Gedöns ergeben sich mitunter überraschende Erlebnisse und berührende Momente, die sich tief ins Gedächnis einbrennen. 

Transformiert man den olympischen Grundgedanken auf die MSR, so zählt vordergründig einfach bei dem Spektakel dabei zu sein, selbstgesetzte Ziele zu erreichen, über sich hinauszuwachsen und ein stückweit etwas Außergewöhnliches - ja vielleicht sogar etwas „Verrücktes“ zu tun - das außerhalb althergebrachter Normen liegt und die vielgepriesene Komfortzone vollends beiseite schiebt.

So betrachtet darf sich jeder Teilnehmer nach stundenlangen Strapazen - unabhängig seiner Zielzeit - völlig zu recht als echter Held fühlen. Dass dem so ist unterstreicht die Ehrung aller Teilnehmer, die innerhalb des Zeitlimits über die Ziellinie rollen und als Lohn für die körperliche Verausgabung ihre Medaille überreicht bekommen.

 Inklusionsbotschafter Jan Wiedemann

Bild: Als Inklusionsbotschafter und ZWIFT Leader ist Jan Wiedemann für die “MSR aktiv. Falls im Startblock um 6.20 Uhr noch Startplätze verfügbar sind (25.05.24) kann nach erfolgter Anmeldung mit Jan und seinen Gefolgsleuten gemeinsam die MSR300 bestreiten. 

Foto: links Gründer und Initiator der MSR Detlef Koepke; rechts Jan Wiedemann aus Sonneberg - der von sich sagt "It’s ok to be not ok" - ist Paracycler und Inklusionsbotschafter. Trotz seines Handicaps (einarmig wg. eines Motorradunfalls) nimmt er dieses Jahr zum 5. Mal an der MSR300 teil. Sein Credo “Mut zum Leben und Mut zum Sport, trotz Behinderung” will er den Menschen vermitteln bzw. sie motivieren.

Bild: Jan Wiedemann beim Arber-Radmarathon in Regensburg - eine über jeden Zweifel erhabene Muskeldefinition. 

Blick zurück: Für den Initiator und Macher der MSR Detlef Koepke gab die schwedische "Schwesterveranstaltung" »Vätternrundan« - mit 35.000 Teilnehmern (3 Rennen) die größte sowie seit 1966 einer der ältesten Breitenradsportveranstaltungen der Welt - den entscheidenden Anstoß in Deutschland ein vergleichbares Veranstaltungsformat zu etablieren. Letztlich ist es wohl dem Abenteuererlebnis der 315 km langen Traditionsradrundfahrt zuzuschreiben, die bei Detlef Koepke (9 Teilnahmen) diese Initialzündung auslöste. Dank seines unermüdlichen Engagements dürfen MSR-Teilnehmer Jahr um Jahr einen brachialen Kampf gegen den inneren Schweinehund ausfechten, wofür sie aber als Belohnung unbeschreibliche Glücksmomente geschenkt bekommen. Einen besseren "Pay-back-Bonus" kann's nicht geben.

Mut, Pioniergeist und Organisationsgeschick hat Detlef Koepke zu Genüge bewiesen, als er vor mehr als einem Jahrzehnt begann seine Vision umzusetzen und die MSR aus dem Boden stampfte. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit nahmen bei der Premierenveranstaltung 2014 wie Phönix aus der Asche gleich mehr als 2.000 begeisterte Sportler teil. Mittlerweile hat sich das Teilnehmerfeld mehr als verdoppelt und in den letzten Jahren eine außergewöhnliche Strahlkraft entwickelt, von der andere Veranstalter nur träumen können. Das internationale Teilnehmerfeld aus 26 Nationen (2023) unterstreicht die enorme Anziehungskraft, die weit über Deutschlands Grenzen hinausgeht.

Veranstaltungscharakter

Das aufsehenerregende Radsportereignis hat sich Zeit seines Bestehens zu einem echten Veranstaltungsmagneten entwickelt. Die Gründe sind vielfältig, warum die größte norddeutsche Radveranstaltung einen so hervorragenden Ruf genießt der weit über die Landesgrenzen hinaus Strahlkraft besitzt. Dazu gehört beispielsweise auch das vielfältige Rahmenprogramm welches das Event perfekt abrundet. Von Freitag bis Samstag Mitternacht findet im Neubrandenburger Kulturpark das "MSR SattelFEST" statt, das Besuchern und Familien tolle Side-Events wie z.B. das Kids-Race bietet.

Die »Mecklenburger Seen Runde« ist ein Jedermann-Event für alle Leistungs- und Altersklassen. Obgleich der eingeschweißte Einweg-Transponder einen Renncharakter vorgauckelt, hat das Event wenig damit zu tun. So gibt es weder eine offizielle Ergebnisrangliste noch gesonderte Wertungskategorien, denn eine Siegerehrung. Dies spielt sogenannten "Ottonormalradlern" in die Hände und nimmt von vorherein Druck vom Kessel. Finisherzeiten bei der MSR sind zweitrangig oder schlicht gesagt überbewertet. Letzten Endes bleibt es jedem selbst überlassen mit welcher Einstellung man zu Potte kommt. Hauptsache man hat seinen Spaß dabei und darf am Ende das überschäumende Finisher-Glückgefühl bei der Medaillenübergabe in vollen Zügen auskosten. 

Das "Schneller-Höher-Weiter"- Prinzip, behaftet mit Leistungsstreben und Erfolgsdruck kann sportlich wie beruflich im Burnout-Syndrom enden. Soviel steht fest: bei der »Mecklenburger Seen Runde« geht es nicht um sportliche Höchstleistungen sondern vielmehr darum, einfach dabei zu sein. Der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin, Gründer des Internationalen Olympischen Komitees, dessen zweiter Präsident er von 1896 bis 1925 war, brachte es auf den Punkt: „Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist". Dem pflichtete auch Basketballer Dirk Nowitzki (Fahnenträger in Peking 2008) bei, den allein das Dabeisein glücklich machte. Das einprägsame Motto "Erlebnis vor Ergebnis" überstrahlt das Veranstaltungskonzept. Eine Grundsatzphilosophie, die den Wesenskern der »Mecklenburger Seen Runde« ausmacht.

Beeindruckend, faszinierend, bisweilen unfassbar spannend sind die Geschichten, die die Teilnehmer bei der »Mecklenburger Seen Runde« erleben. Gefühlsbetonte Ereignisse wie auch (humorvolle) Anekdoten ranken sich um das radsportliche Groß-Event. Geschichten von Begeisterung und Euphorie, von Siegen über sich selbst, von großartigen Momenten, von unbeschreiblichen Grenzerfahrungen, von emotionalen Hoch- und Tiefpunkten bis hin zu Sinnkrisen und bitteren Dramen. In Analogie eines Geländereliefs, das durch Berge, Hügel, Mulden und Senken gekennzeichnet ist, gleicht der Gefühlsstrudel einer emotionalen Berg- und Talfahrt. Gemeinhin wird gemunkelt, wer die MSR einmal gefahren ist und wem die euphorische Festival-Atmosphäre berührend entgegenschlug, ist vom Suchtbazillus unwiderruflich befallen. Zeugnis legen angefixte Stammfahrer ab, deren Gesichter schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Szene erlangt haben. Manche Fahrer können gar mit Stolz von sich behaupten, die faszinierende Seenrunde von Anbeginn jedesmal geradelt zu sein.

Wenngleich die Transponder-Startnummer am Radlenker den Ehrgeiz weckt und dazu verleitet Leistungsgrenzen auszuloten, verdeutlicht das großzügige Zeitfenster von 28 Stunden, dass nicht zwingend eine hochintensive Spitzenleistung abverlangt wird, sondern Kraftausdauer im moderaten Belastungsbereich völlig ausreichend ist. Leistungsdaten haben bei der »Mecklenburger Seen Runde« ohnehin nur eine untergeordnete Bedeutung, weshalb auf eine Siegerehrung verzichtet wird. Bis auf Kontrollschlusszeiten haben die Teilnehmer keine selektiven Karenzzeiten zu befürchten, was letztlich nur einen unangemessenen Leistungsdruck aufbauen würde. Je nachdem mit welcher Zielsetzung die MSR angegangen wird, besteht die Möglichkeit Blicke schweifen zu lassen, die herrliche Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte achtsam zu genießen, sich stressfrei zu verköstigen bzw. bei Bedarf von Physios massieren zu lassen und je nach Befindlichkeit gelegentliche Zwischenstopps einzulegen. Damit steht fest, dass die MSR einem viel größem Kreis von Breitensportlern die Chance bietet diese - alles andere als alltägliche Herausforderung - zu meistern, als der Blick auf die gewaltige Mammutdistanz zunächst vermuten lässt. 

 Kolumne

Bild: Detlef Koepke (rechts) auf Besuch in Regensburg (links Reisejournalist Curd Biedermann)  

Die MSR genießt eine gewaltige Reichweite, d.h. sie ist in aller Munde. Der Zufall wollte es, dass der exzellent vernetzte MSR-Initiator Detlef Koepke von Daniel O.Fikuart (Ex-Chefredeakteur »Radfahren« / »ElektroRad«) - dessen dreiteilige Serie "Mythos 300" in genannten Radmagazinen veröffentlicht wurde - einen Tipp bekam. Schon beim ersten Gespräch mit Detlef Koepke wurde eine Medienpartnerschaft beschlossen. Eines muss man ihm lassen: er versteht es blendend, "Normalo-Radfahrer" für ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen wie den Mythos MSR300" zu begeistern und zu motivieren. Wenngleich patriotisch betrachtet die Destination der größten Radveranstaltung Norddeutschlands außerhalb des bayerischen Weißwurstäquators liegt, war es insbesondere das ungewönliche Veranstaltungskonzept - welches weniger die kompetitive als vielmehr die volkssportliche Seite in den Mittelpunkt stellt - das auf Anhieb überzeugte. Anlehnend an die legendäre Vätternrundan in Schweden überstrahlt das Leitmotiv "Erlebnis vor Ergebnis" die »Mecklenburger Seen Runde«. Hinzu kommt das unvergleichliche Serviceangebot, mit dem die MSR eine echte Benchmark setzt. Angefangen von "Pacemakern" (Gruppen-Guides), MSR Women's Community (organisierte MSR300-Frauengruppen), Physioteams, reflektierenden / beleuchteten Wegweisern für die emsigen Nachtfahrer, spezielle Trainingspläne bis hin zum Bus-Shuttle (Rücktransport) bleiben keine Wünsche offen. Fazit: ein erfolgsversprechenderes Sprungbrett zur (Himmels-) Pforte in die augenscheinlich elitäre "300er Liga" gibt es in Deutschland nicht. 

Ausgelöst von der mitreißenden Wesensart des Initiators war schlagartig die Neugierde und der Wissensdurst entfacht. Noch ehe ich mich versah, sprang der Funke zu meiner MSR300-Premiere über. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter für stimmungsgeladene Fotos bzw. eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen mitspielt. Der Erkenntnisgewinn wird in eine detaillierte, reichhaltig bebilderte Nachberichterstattung münden.

In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmern bei der Jubiläums-MSR viel Spaß und ein glückbeseeltes Finish.

See you in Neubrandenburg.

Mit sportlichen Grüßen

Curd Biedermann

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, wo vorrangig Erfolge und Resultate zählen. Das Leistungsprinzip findet seine Fortsetzung im Wettkampfsport, wo Zweitplatzierte nicht selten als erste Verlierer gebrandmarkt werden. Damit hat die »Mecklenburger Seen Runde« natürlich nichts am Hut, wie der Kommentar von MSR-Initiator Detlef Koepke im Podcast "Speichenalarm" es schnörkellos auf den Punkt bringt: "Erlebnis geht vor Ergebnis", wonach es nicht ums Siegen als Selbstzweck sondern ums gewinnen unvergesslicher Momente geht. Eine klare Ansage, die jede und jeden ermutigen sollte etwaige Hemmschwellen abzulegen. Die Zeitmessung mag zwar Ansporn geben es richtig laufen zu lassen, doch letztlich sind die Leistungen der Teilnehmer ohnehin nur schwer vergleichbar, noch gibt es Altersklassenwertungen geschweige denn Podiumsplätze. Jedermann darf sich angesprochen fühlen die Herausforderung mit entsprechender Trainingsgrundlage zu wuppen, zumal der späte Zielschluß am Samstag um 24.00 Uhr entscheidend dazu verhilft, die MSR auch als Otto-Normalradler erfolgreich in trockene Tücher zu wickeln. Dazu entzerren zeitversetzte Startblocks von Beginn an die Starterfelder, weswegen kaum Anreize bestehen schnelleren Fahrern hinterherzuhecheln. Wer seinem Leben einen verheißungsvollen Kick verpassen möchte, der das Selbstbewusstsein stärkt, den Horizont erweitert, das Palmares aufwertet und die Lebensfreude schürt, der bekommt bei der MSR eine einzigartige Chance geboten, wie es sie wohl sonst nirgends gibt. 

Die meisten Teilnehmer setzen sich das Ziel einfach gut durchzukommen, Spaß zu haben und eine schöne Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen ohne starrsinnig auf eine Zielzeit fixiert zu sein. Eigentlich wäre es auch viel zu schade, blindlings in Unterlenkerposition durch die anmutende Seenlandschaft durchzuheizen. Dabei trifft die Redewendung "Der Weg ist das Ziel" bei der MSR den Nagel auf den Kopf. Das Zitat ist (beinahe) so alt wie die Menschheit, da der chinesische Philosoph Konfuzius (lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr.) diesen Ausspruch schon vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren prägte. Eine (Lebens-) Weisheit, die immer ihre Berechtigung haben wird.

Kontaktdaten

Koepke GmbH
Carlstein 12

17217 Penzlin

Telefon: +49 175 7245510

mail: info@mecklenburger-seen-runde.de

web: https://www.mecklenburger-seen-runde.de/