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Streckenchronik
1. Etappe Isarursprung - Scharnitz - Mittenwald - Lenggries (67 km)
Der Isarradweg führt auf der ersten Tagesetappe durch grandiose Gebirgslandschaft sowie den malerischen Isarwinkel. Die Radtour beginnt am Isarursprung im Karwendelgebirge (Alpenwelt Karwendel) in Tirol und verläuft ab Mittenwald durch das Obere Isartal. Die Bergregion in den bayerischen Alpen erstreckt sich über Mittenwald, Krün, Wallgau und Vorderriß bis hin zum Sylvensteinspeicher nahe von Lenggries, wo sich Bayerns letzte alpine Wildflusslandschaft verbirgt welche maßgeblich durch das Karwendelgebirge und das Wettersteingebirge begrenzt wird. Beginnend von der Landkreisgrenze drei Kilometer östlich von Wallgau, die den oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen (Werdenfelser Land) vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen trennt, schließt sich der Isarwinkel an der sich bis Bad Tölz erstreckt. Hinweis zur Streckendistanz: wird als Ausgangspunkt des Isar-Radwegs der Isarursprung gewählt, muss zuvor die 12 km lange Auffahrt durch's Hinterautal (250 hm) berücksichtigen (Gesamtstrecke bis Lenggries 79 km).

Das geschichtsträchtige Kulturland mit lieblichen Ortschaften wie z.B. Mittenwald, Krün, Wallgau und Lenggries mit seinen Lüftlmalerei-Fassaden im typisch alpenländlichen Stil fasziniert jeden Besucher. Zugängliche Flussuferstellen locken immer wieder zum Rasten und Erfrischen ein, die eindrucksvolle Ausblicke auf das vom Karwendel- und Wettersteingebirge eingerahmte Isarbecken eröffnet. Türkisblau bahnt sich die Isar jungfräulich mäandernd ohne regulatorischen Eingriff des Menschen ihren Weg. Auffällig ist die wechselhafte Fließgeschwindigkeit, die sich durch das Rauschen, Plätschern, Gurgeln bis zum geräuschlosen Dahinfließen bemerkbar macht. Am Oberlauf der Isar fließt das eiskalte Gebirgswasser steil und reißend über starkes Gefälle hinab. In diesem Abschnitt ist die Isar noch ein weitgehend wilder Gebirgsbach, bei der sich die "Au" aus Uferzonen mit Weiden- und Latschengebüschen und Kiesbänken im teils weit verzweigten Bachbett zusammensetzt. Zu den Highlights dieser Etappe zählt in erster Linie die entlegene Passage zum Isarursprung, des Weiteren das Isarhochtal auf der Privatstraße Wallgau - Vorderriss mit seinem herrlichen Flusspanorama sowie der türkisgrün schimmernde, fjordartige Sylvensteinsee.

Foto: der weltberühmte Geigenbauerort Mittenwald lockt mit Cafes und Freiplätzen zur Einkehr
Vom alpinen Quellgebiet und ungezähmter Wildflusslandschaft entlang der oberen Isar, über Auen- und Moorlandschaften im Voralpenraum hinweg taucht man in die urbane Münchener Ebene mit ihrer renaturierten Fluss-Landschaft ein. Nördlich der Landeshauptstadt schließt sich ein 50 km langes arten- und biotopreiches Auwaldgebiet an der mittleren Isar zwischen Garching, Freising und Landshut an, welches das größte Auwaldschutzgebiet Bayerns bildet (Esche, Eiche, Pappel und Silberweide). Danach folgt die flache Donau-Isar-Region am Unterlauf, wo der größte bayerische Gebirgs- und Voralpenfluss südöstlich von Deggendorf in die Donau mündet.
Scharnitz
Gestartet wird im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern. Für jene, die die Stichverbindung zum Ursprung des Gebirgsflusses im Hinterautal hinauf radeln (absolut empfehlenswert) gehts zunächst flussaufwärts, bevor auf derselben Route der Rückweg nach Scharnitz angetreten wird. Hört man sich um, dann bewerten nicht wenige Radler den Stichweg im Hinterautal auf festem kiesigen Untergrund als schönste Passage, die sie jemals mit dem Fahrrad befahren haben. Eine Aussage, die der Autor nach etlichen Befahrungen uneingeschränkt teilt.
Scharnitz (seit 2010 offizielle Städtepartnerschaft mit Plattling) liegt am Ende einer Talweitung auf einer Höhe von 964 m ü.NHN, wo das Karwendeltal, Hinterautal, Gleirschtal und das Isartal aufeinandertreffen und der Gießenbach in die Isar einmündet. Der Ort bildet nicht nur einen wichtigen Ausgangspunkt für „Isar-Radler“ und für Mountainbiker ins Karwendel, sondern blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Sowohl der Startort (einst befand sich hier das römische Kastell „Scarbia“), als auch die Zielregion im Mündungsbereich der Isar (Donaulimes) sind von Römischer Geschichte behaftet. Dazu fungierte Scharnitz im Mittelalter an der Handelsroute Venedig–Augsburg eine bedeutsame Eingangspforte nach Tirol. Auch die Porta Claudia, eine ehemalige Befestigungsanlage, die zum Schutz vor anrückenden Schweden im Dreißigjährigen Krieg an der Engstelle des Scharnitzpasses im Isartal erbaut wurde, zeugt von geschichtsträchtiger Vergangenheit (Überbleibsel von Befestigungsmauern befinden sich am Westhang des Ortes).

Foto: Sesam öffne dich - der Ortsausgang von Scharnitz markiert den Beginn des Hinterautals, das gemeinhin als Einfallstor des Karwendel bezeichnet wird.
Beim Rückweg vom Hinterautal wird die Innsbruckerstraße geradaus überquert, worauf die Porta-Claudia-Straße entlang der Isarpromenade zur hölzernen Rad- und Fußgängerbrücke führt. Von der Landesgrenze ab ist der Isar-Radweg durchgängig beschildert. Von Scharnitz aus führt die Route an der historischen Grenzbefestigung Porta Claudia vorbei und radelt weiter ins Herz des Oberen Isartals, durch das Naturschutzgebiet Riedboden nach Mittenwald. Dort lohnt sich eine gemütliche Stippvisite durch den historischen Ortskern mit seinen bunt bemalten Häusern, der barrocken Pfarrkirche, oder ein Besuch im Geigenbaumuseum, das die Tradition der Geigenbaukunst aufleben lässt.

Das Naturpark-Infozentrum Scharnitz (betrieben vom Tourismusverband Seefeld) fungiert quasi als Tor zum Karwendel. Das besuchenswerte Infozentrum liegt an der Hinterautalstraße neben dem dazugehörigen Museum Holzerhütte sowie dem Natur-Erlebnis-Spielplatz Scharnitz und hat von Mai bis Oktober täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Die (reißende) Isar gibt flussaufwärts die Fahrtrichtung zum Quellgebiet (Isarursprung 12 km / 250 hm) durch karge Gebirgslandschaft vor, wobei die mäßig ansteigendene geschotterte Stichstraße eine Ø- Steigung von gerade mal 1.7% aufweist. Der Abstecher zum Isar-Ursprung im Hinterautal ist ein unverzichtbares Highlight, ansonsten fehlt das beeindruckenste "Mosaik" der Gesamtstrecke. Schließlich entfaltet die Isar als einer der ganz wenigen, naturbelassenen Wildflüsse ihren ungezähmtesten Charakter, die sich hier urgewältig durch den Karwendelhauptkamm wälzt.
Die Schotterstraße windet sich durchs abgeschiedene Hinterautal - umkranzt vom Karwendelgebirge im Naturpark Karwendel und der Gleirsch-Halltal-Kette im Bezirk Innsbruck-Land des Bundeslandes Tirol auf 1.162 m Höhe hinauf, wo die tosende Isar gletschergrün schimmernd unaufhaltsam ihren Weg durchs Gesteinsmassiv bahnt. Das urwüchsige, wildromantische Karwendel sticht mit seinen kalksteinhaltigen Felsformationen hervor, dessen alpine Ästhetik jeden Naturliebhaber ins Staunen versetzt. Für Hin- und Rückweg auf der Stichstraße - samt Fußmarsch zu den Quellen - setzt man rund 3 Stunden an.
Wer körperlich fit und fahrtechnisch versiert ist, kann den 5 km langen, steilen Stich (teils Schiebestrecke) von der Kastenalm zum Hallerangerhaus (MTB only) dranhängen (die DAV-Schutzhütte verfügt keinen Internetzugang!). Der Höhenunterschied von 550 Meter weist eine Ø- Steigung von 11% auf.

Es lohnt sich sein Rad am umzäunten Isarursprung abzusperren und den verwurzelten Rundweg zu den Quellen zu Fuß zu marschieren.
Über den exakten geographischen Quellort scheiden sich die Geister. Der offizielle und gemeinhin anerkannte Ursprung befindet sich am Zusammenfluss mehrerer kleinerer Quellbäche zwischen der Kastenalm und der Gleirschhöhe. Also jene Stelle, an der der beschilderte Quellsteig zu zwei naheliegenden Isarquellen führt. Einer anderen Theorie folgend soll die Isar im höheren Bergland, genauer gesagt beim Hallerangerhaus (1.768 m ü.NHN) entspringen. Problem dabei ist, dass der Lafatscherbach nicht ganzjährig Wasser führt, weil er in den Wintermonaten meistens austrocknet.
Nachdem auf dem Rückweg vom Hinterautal Scharnitz durchquert ist, wird 400 m nach der hölzernen Rad- und Fußgängerbrücke unbemerkt die Landesgrenze (D/A) überschritten.

Foto: Mautstraße (für Radfahrer kostenfrei!) zwischen Wallgau und Vorderriß, 12 Kilometer entlang einer naturbelassenen Flusslandschaft, die häufig mit der Wildnis Kanadas verglichen wird. Die wellige Panoramastraße ist kurvenreich (überwiegend Gefälle) und bietet reihenweise Zugänge zur Isar bzw. den weitläufigen Kiesbänken.
